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Samstag, 30. Januar 2021

So isses, Musik!#116

Hallo!

Da wir nun inzwischen das Jahr 2021 haben, werden dieses Jahr gewisse Alben ganze 20 Jahre alt. Ich liste sie nun auf:



50 Best Rock Albums of the 90s by loudersound.com, Teil 10

Sodala. Das ist das letzte Mal, dass ich dieses Video von Raphi hier verlinkte. Er hat nämlich schon die nächsten zehn Alben besprochen, sodass ich in der nächsten Ausgabe von "So isses, Musik! das nächste Video von ihm verlinken werde. Aber hier isses.

32. Oasis - Definitely Maybe (1994)

Wow. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Album von mir eine so gute Bewertung bekommen wird. Wärend die Brüder Liam und Noel Gallagher nicht solche absolut ekelhaften Kotzbrocken würde das Album eine tatsächlich noch bessere Bewertung kriegen.



"Definitely Maybe" ist das Debütalbum von Oasis, das schon nach den ersten beiden Verkaufstagen Goldstatus erreicht hat. Musikalisch als auch textlich betrachtet ist es das genaue Gegenteil von Grunge. Noel Gallagher war so verwundert bzw. hat kein Verständnis für den Werdegang Kurt Cobains gezeigt, dass er "Live Forever" geschrieben hat. Der Song ist ein lebensbejahendes Statement und steht im Kontrast zu Kurt Cobains Antipathie gegenüber dem Rockstarleben. Ähnlich dürfte es sich bei "Rock And Roll Star" verhalten. Witzigerweise haben Nirvana Oasis wohl doch beeinflusst. Gäbe es die "Negativität" des Grunge nicht, hätte Noel Gallagher nicht solche Songs geschrieben. Sowohl diese bluesigen bis psychedelischen Gitarrenklänge als auch der Gesang Liam Gallaghers. Das klingt alles entweder nach einer härteren Version der Beatles oder nach einer softeren Version von Sex Pistols. In "Cigarettes & Alcohol" klingt Liam Gallagher meiner Meinung nach irgendwo auch wie Johnny Rotten. "Definitely Maybe" ist zudem sehr radiotauglich, eher weich aber trotzdem nicht 08/15 und alles andere als niveaulos. Das gefällt mir, weil es so radio- und ohrwurmtauglich ist. Aber egal, später in der Liste wird noch "What's The Story (Morning Glory)" auftauchen und ich befürchte ich werde es hassen.

8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Cigarettes & Alcohol, Married With Children, Supersonic, Shakermaker




31. Pantera - Cowboys From Hell (1990)

Eigentlich das fünfte Pantera-Album. Bis dahin haben die vier Schwergewichter des Groove Metal nämlich vier Glam Metal Alben rausgebracht. Die ersten drei hatten einen anderen Sänger vorzuweisen (dessen Name mir hier nicht einfällt), wobei das vierte schon mit Phil Anselmo war. "Power Metal", so hieß es, hatte nichts mit Power Metal zu tun sondern war eine ungewohnte Mischung aus Glam und Thrash. Daraufhin hat man beschlossen die ganzen außergewöhnlichen Frisuren und Klamotten sein zu lassen und in bequemeren Stil auf die Bühne zu gehen. Die "neuen" Pantera waren geboren und die ersten vier Alben sind Raritäten die nicht mal auf der offiziellen Website der Band aufgeführt sind.

So betrachtet ist "Cowboys from Hell" nun also das (Major)Debüt von Pantera. Sie erschufen nicht ganz ein neues Genre sondern definierten Thrash Metal neu. Heraus kam etwas wozu man nicht nur headbangen sondern auch moshen und sich bewegen konnte. Die Musik hatte tatsächlich einen eigenen Groove und eine Art Ohrwurmqualität, die Pantera sprichwörtlich in die Charts katapultiert hat. Darum wohl auch der Name "Groove Metal". "Cowboys From Hell", der Titelsong ist der beste Opener den man für so ein Album nehmen kann. Es eignet sich hervorragend für irgendwelche Videospiele, wie beispielsweise Guitar Hero. Ich finds großartig wie man hier den Einfluss von anderen (Crossover-)Thrash Bands wie Metallica ("Heresy" hört sich irgendwo an wie Master of Puppets, ohne scheiß) oder Suicide Tendencies hören. Gleichzeitig höre ich das wovon sich spätere Metal-Bands sich haben inspirieren lassen. Großartige, mitreißende Refrains, furioses Guitar Shredding von Dimebag Darrel, eindringlicher Gesang von Phil Anselmo. Ich höre hier spätere Bands wie Staind oder Mudvayne heraus. Wäre Anselmo nicht so ein dummer Hurensohn der auf der Bühne "White Power" schreit, dann wäre er auch richtig sympathisch. Schade ums Talent und schade um diese großartige Band.

Anspieltipps: Cemetery Gates, Cowboys From Hell, Heresy

9/10 Pfandflaschen



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Ceremony Discography: In The Spirit World Now (2019)

Wie ihr aus den vorherigen Reviews rauslesen könntet, haben sich Ceremony inzwischen vollkommen vom Powerviolence/HC/Post-Hardcore verabschiedet und machen jetzt sowas wie Post-Punk. Auf ihrem letzten Album "In The Spirit World Now" gehts allerdings auf eine etwas andere musikalische Reise.
Im Grunde genommen sollen die beiden Einflüsse vornehmlich die Beach Boys und Joy Division sein. Tatsächlich fühle ich mich irgendwo noch an Joy Division erinnert. Allerdings war "The L-Shaped Man" wesentlich, wesentlich wesentlich finsterer. "In The Spirit World Now" klingt wie ein New-Wave-Album von einer Band wie Devo. Sänger Ross Farrar klingt in meinen Ohren tatsächlich wie eine neue Version von Mark Mothersbaugh (Sänger von Devo). Da gibts aber noch einen Song namens "Further I Was" der eine verzerrte Version von New Orders "Blue Monday" sein könnte. Ist ja eigentlich auch logisch, erst Joy Division Einflüsse und nun New Order.

Dazu kommen noch Synthesizer, die die Songs entweder tanzbarer oder verträumter machen. Der Opener des Albums "Turn Away The Bad Thing" kommt sogar mit Gastgesang von Chelsea Wolfe und driftet gegen Ende in ambient-artige Gefilde.

Mich reißen die ersten Songs vom Hocker. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich finde die Stärke des Albums liegt tatsächlich in den tanzbaren Songs. Insgesamt merke ich jedoch dass Ceremony sich etwas abnutzen. Es ist halt kein Tabubruch mehr, es ist nichts aufregendes mehr dass sich diese ehemalige Powerviolence-Band in eine New Wave Band verwandelt hat. Darum wirkt der Rest des Albums eher okay und nicht grade umwerfend. Nicht falsch verstehen, trotzdem ein echt solides Album.

Anspieltipps: In The Spirit World Now, Turn Away The Bad Thing, Further I Was, From Another Age

6,5/10 Pfandflaschen




Marilyn Manson Discography: We Are Chaos (2020)

Wow. Das es tatsächlich noch richtig richtig gut werden kann, hätte ich nicht gedacht. Brian Warner aka Marilyn Manson hat für dieses Album einen neuen Gitarristen engagiert. Anstelle von Tyler Bates ist nun der Country-Musiker Shooter Jennings zu hören.

Und es funktioniert. Es gibt einige Anspielungen auf ein Album, dass mehr als zwanzig Jahre zurückliegt, nämlich "Mechanical Animals". "Perfume" erinnert tatsächlich an den Glam-Rock-Stil dieses Albums. "Paint You With My Love" wirkt wie eine Nummer aus einem Saloon. Der Country-Einfluss ist schon irgendwie da. Aber auch der 80s Einfluss. Pop-Musik-Einfluss. "Half-Way & One-Step Forward" klingt zu Beginn 1:1 wie "Small Town Boy" von Bronski Beat. Der Titelsong ist unfassbar eingängig, so wie er sein sollte. Wie eine Single. Brian Warner ist kein richtiger Provokateur mehr. Wir wissen das alle. Es ist auch völlig egal, in welche Schublade man dieses Album packen sollte. Es funktioniert allerdings einfach verdammt gut.

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Paint You With My Love, We Are Chaos, Half-Way & One-Step Forward, Perfume




So. Das wars. Es ist das letzte Mal, dass ich in "So isses, Musik!" Discographies reviewt habe. Ich habe alle Bands/Künstler, die ich mir vorgenommen habe "durch". Aus Komplettismus-Gründen habe ich hin und wieder die neuen Alben reviewt, die zum Zeitpunkt als ich die jeweiligen Discographies reviewt habe noch nicht draußen waren. Zukünftig werde ich sowas, zumindest hier, nicht mehr machen. Stattdessen werde ich, wenn überhaupt dann einen ganzen Monat einer Band/einen Künstler widmen. So schon geschehen mit Misfits und Bathory. Aber das wars erstmal. Es geht weiter mit den "Top 50 Rock Albums of the 90s" von loudersound.com und vllt irgendwann auch mit ner weiteren Liste.

Sonntag, 17. Januar 2021

So isses, Musik!#115

Was gibts neues?

Nichts besonders viel. Aber ich habe diese Blackgaze-Band namens MØL gezeigt bekommen und ich finde sowohl den Song als auch das Video richtig schön.

Ihr Name bedeutet übrigens auf Dänisch "Motte".


Achjoa. GATECREEPER haben eine neue relativ kurez EP rausgehauen. Mit Songtiteln wie "Superspreader". Sie heißt "An Unexpected Reality" und ist auf Bandcamp als auch Spotify als auch YouTube zu hören. Ein ausführliches Review gibts dazu jetzt nicht. Fest steht: Standhafter, moderner Death Metal. Man hat sich IN ein Hardcore Punk Fenster gelehnt und haut ein knapp 18 Minuten langes Werk mit unfassbar kurzen Songs, bis auf "Emptiness", dass einfach mal 11 Minuten geht. Da wirds plötzlich sehr Doom-ig, was absolut unerwartet war. Geht sehr gut rein!

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Alles



50 Best Rock Albums of the 90s, Teil 9

So, ihr wisst wie der Hase läuft. Hier ist das Video von Raphi und hier gehts weiter mit der Liste: 

34. Foo Fighters - The Colour And The Shape (1997)

Dieses Album hatte es relativ schwer bei mir. Foo Fighters haben es generell ziemlich schwer bei mir. Ich bin ein Freund von Dave Grohls übrigen Projekten und ich mag tatsächlich auch die Songs die Foo Fighters als Singles ausgekoppelt haben. Auf diesem Album sind es das melancholisch-schöne "Everlong", das knackige "Monkey Wrench" und das leicht pathetische "My Hero". Allerdings haben es die anderen Songs auf dem Album ziemlich schwer gehabt. Dasselbe gilt für eines der Nachfolgealben, "There Is Nothing Left To Loose". FF sind dazu in der Lage richtige Hits rauszuballern bzw. Radiotaugliche Singles. Der Rest des Albums ist mir größtenteils entweder zu wehleidig bzw. zu melancholisch. Der Song "Hey, Johnny Park" der direkt nach "Monkey Wrench" passt von der Reihenfolge her einfach nicht und weiß meiner Meinung nach nicht so richtig wo er hin soll. 

Und so gehts mir mit dem Großteil des Albums. Das heißt natürlich nicht, dass es hier keine guten Songs gibt. "My Poor Brain" ist so einer. "The Colour And The Shape" schaffts jedoch leider nicht ganz mich wirklich abzuholen. Meiner Meinung nach gibt es hier außer den paar Singles kaum richtige "Mitreißer". Ich finds schade, weil ich weiß dass dahinter absolut fähige Musiker stecken. Nicht nur Dave Grohl sondern auch Pat Smear (Nirvana Live Besetzung bzw. The Germs) als auch Nate Mendel und William Goldsmith (beide Sunny Day Real Estate). Ich sags sehr ungern, aber vielleicht sind Foo Fighters halt einfach nicht ganz mein Fall. Aus Respekt entziehe ich mir hier der Bewertung.

Keine Bewertung:

Anspieltipps: Monkey Wrench, My Hero, Everlong, Wind Up, Up In Arms



33. Nirvana - Unplugged In New York (1994)

Seltsam. Da existiert der Blog schon (mehr) als zehn Jahre und ich habe kein einziges Mal ein Nirvana-Album reviewt. Aber, na gut, dafür ist diese Liste auch da. Um meinen eigenen musikalischen Horizont zu erweitern und zu vertiefen. Denn obwohl ich diese ganzen Songs die hier zu hören sind alle kenne, habe ich mich mit diesem Album bzw. diesem Konzert schon sehr lange nicht beschäftigt.

Im Jahre 1993 haben Nirvana ein MTV Unplugged Konzert gespielt welches knapp ein Jahr später und somit auch nach dem Tode Kurt Cobains veröffentlicht wurde. Es ist kein typisches Live-Album wie man ihn später (und davor) aus der Unplugged-Reihe kannte. Von bekannteren Songs ist hier bloß "Come As You Are" zu hören. Ansonsten haben wir hier "About A Girl" vom ersten Album "Bleach" als Opener, "Polly", "Pennyroyal Tea" oder "Something In The Way". Alles keine Hitsingles, sondern viel mehr ruhigere Songs die besser in ein Akustik-Set passen. Ebenso wie die Coversongs. Und davon gibt es viele. Alleine drei Songs der Meat Puppets, dessen Musiker Curt und Chris Kirkwood die Band auf der Bühne unterstützten. "The Man Who Sold The World" von David Bowie, "Jesus Doesn't Want Me for a Sunbeam" von The Vaselines und der Blues-Klassiker "Where Did You Sleep Last Night?" von Leadbelly. Letzterer Song ist ein ultimativer Abschluß für dieses Album und wirkt wie eine Grabrede für mich. Wobei ich nicht mehr weiß, ob es beim Konzert auch der letzte vorgetragene Song gewesen ist.

Ich mag es wie anders Nirvana hier klingen. Zwar weiß ich deren nihilistische Ader sehr zu schätzen - und das obwohl ich nie ein großer Fanboy gewesen bin - allerdings wirken sie hier tatsächlich wesentlich angenehmer und gefasster auf mich. Für mich fühlt sich das an, als würde ich in eine Paralleldimension blicken. Die Songs sind nicht einfach Akustik-Versionen ihrer elektrischen Ebenbilder sondern erscheinen wie extra für dieses Konzert einstudierte, vollkommen neue Songs. Mir gefällt auch dieses "glamouröse" Auftreten, mit klatschenden, sitzenden Publikum, auch wenn es absolut nicht zur Band passt. I really really like it.

Anspieltipps: The Man Who Sold The World, Come As You Are, Where Did You Sleep Last Night?

9/10 Pfandflaschen

Und weil zwei Meinungen manchmal besser sind als eine, erzählt euch Marlyn was sie vom Album hält.

"Vor über 27 Jahren fand also dieses Konzert in New York statt, das die moderne Musikgeschichte prägte. Ein Konzert, an welchem sich bis heute MusikerInnen messen, wenn es um Akustikkonzerte geht. Natürlich spreche ich von Nirvanas "Unplugged in New York"-Konzert, welches 1994 nach dem Tod Cobains auch als Album erschien.

Was aber macht diesen Konzertmitschnitt zu etwas Einzigartigem, zu einem Meilenstein? Zum einen die Tatsache, dass Nirvana überhaupt und dann auch noch in einem so ungewöhnlichen Rahmen - sie hatten zuvor noch nie ein Akustikkonzert gespielt - ausgerechnet bei MTV auftraten. Es sprach eigentlich wenig dafür, dass der Auftritt tatsächlich stattfinden würde. Zum anderen das Endresultat "Unplugged in New York". Nirvana klingen authentisch, aber im Vergleich zu ihren Studioalben und gewohnten Konzerten ungewohnt. Als ob die "emotionale Essenz", insbesondere Kurt Cobains, vor Publikum destilliert worden wäre. In "Pennyroyal Tea"und "All Apologies" ist es besonders gut zu hören, wie die Wut einer in sich gekehrten Traurigkeit gewichen ist. 

Eine weitere Besonderheit ist die Auswahl der Songs. Kaum aus den Charts bekannte Hits, stattdessen Coverversionen der befreundeten Meat Puppets (welche als musikalische Unterstützung vor Ort waren), The Vaselines, David Bowie und einem Folksong. Und das alles klingt wie aus einem Guss. 

Insgesamt ein sehr angenehmes und doch trauriges Album. Wie vorher kurz angemerkt, merkt man Cobain die Resignation an, trotz seiner Freundlichkeit gegenüber dem Publikum und den Musikern ist er in sich gekehrt und um einiges klarer, als man es sonst von seinen Auftritten gewohnt war. Der Auftritt war die Ruhe vor dem Sturm. Was danach passierte, brauche ich an dieser Stelle nicht erwähnen.

Anspieltipps: "Jesus Doesn't Wan Me For A Sunbeam", "Pennyroyal Tea", "Plateau", "Lake Of Fire", "All Apologies", "Where Did You Sleep Last Night"

9/10 Pfandflaschen"






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 Ceremony Discography: Zoo (2012)

"Zoo" war der Punkt an welchem Ceremony vom "HC"-Ordner in den "Post-Punk & New Wave"-Ordner auf meinem mp3-Player wanderten. 

Mit Hardcore oder Powerviolence hat das hier nichts mehr zu tun, und das ist auch verdammt gut so. Ich glaube wenn ein viertes, weiteres Album in ähnlichen Stil gehalten worden wäre, dann wäre es ziemlich schnell ziemlich eintönig. Jedenfalls bietet "Zoo" einen sehr großen Stilwechsel. Ceremony haben sich nicht einfach "entschieden" anstelle von Powerviolence/HC träge wirkenden Post-Punk/etc. zu machen, sondern entwickelten sich ganz natürlich in die Ecke. Auf "Rohnert Park" war das, meine ich, in einem Song zu hören. Und auch die Tatsache, dass die Band nach einem New Order Song benannt ist zeigt auch dass diese Entwicklung keine Überraschung sein sollte.

"Zoo" ist vor allem eins: Sehr catchy, langsam (im Vergleich zu vorherigen Alben) und auf eine andere Art und Weise Punk Rock. Man nahm den Riffs zwar die Aggression weg, aber den Songtexten nicht. Zudem muss ich einfach feststellen, dass diese Riffs auf diesem Album in einer anderen Tonlage genauso von einer "krassen" und "schnellen" HC/Punk-Band gespielt werden könnten. Ich höre Einflüsse von Wipers, Joy Division und Wire aber auch 60s/70s Garage Rock. Der Sound wirkt auf mich, als hätte man einfach nur das Grundgerüst genommen - ohne viele Effekte, ohne viel Soli.

Ich nenne das Slacker Musik. Und ich meine das gut. 

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Brace Yourself, Adult, Video, Hotel


Ceremony Discography: The L-Shaped Man (2015)

Ich bin stolzer Besitzer des "The L-Shaped Man"-Gedichtbandes von Sänger Ross Farrar. Nur so nebenbei.

Hierauf gehen Ceremony noch einen Schritt weiter (oder zurück wenn man sich die Timeline der Musik reinzieht) und machen kopieren schamlos Joy Division. Das mag jetzt harsch wirken, wenn ich das jetzt so sage, aber es ist nun mal wahr. Macht das Album übrigens keinen deut schlechter. Es ist schlicht und einfach eines der besten nie veröffentlichten Joy Division Alben, die es zu Ian Curtis Zeiten nicht gegeben hat. Farrar hat damals eine schwerwiegende Trennung mitgemacht, die sein Innenleben scheinbar enorm beeinflusst hat, sodass das Album nach krasser Depression klingt. Also wirklich, richtig richtig krass. Die Songtexte sind depressiv, die Musik klingt auch sehr leidend. Dabei schafft man es solche Akrobatiken/Stilmittel einzusetzen wie Wiederholung. Bestimmte Zeilen werden richtig oft wiederholt sodass eine Monotonie einsetzt. Es ist ebenfalls ein Stilmittel welches Joy Division eingesetzt haben.

Man hätte meinen können, dass Ceremony es hätten besser machen können anstelle JD zu kopieren. Allerdings bin ich der Meinung dass Künstler das tun sollten worauf sie Bock haben. Und wenn es heißt dass man eine Art Tribut an Joy Division rausbringt um mit einer Trennung fertig zu werden, dann ist es so. Wirklich großartig trauriges Album.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: The Bridge, The Pattern, The Understanding



Freitag, 11. Dezember 2020

So isses, Musik!#113

50 best Rock Albums of the 90s by loudersound.com, Teil 7

Ihr wisst ja, langsam wie das hier läuft. Ich bette nochmal das Video von Raphael ein, diesmal in größer. Ansonsten habe ich heute zwei Gastbeiträge, von Marlyn und Philipp anzubieten. Enjoy!


38. Slipknot - s/t (1999)

Meine Meinung dazu dürftet ihr schon wissen. Falls nicht, könnt ihr sie hier nachlesen. Stattdessen wird Marlyn euch ihre Meinung dazu sagen: 

"Slipknot habe ich ganz klassisch durch MTV entdeckt. Damals lief Duality rauf und runter. Seitdem habe ich sie bis zu ihrem vierten Studioalbum All Hope is Gone verfolgt. Das selbstbetitelte Debütalbum habe ich aufgrund mangelnder Kaufkraft bei der hiesigen Stadtbibliothek ausgeliehen und wie Iowa und Vol. 3: (The Subliminal Verses) zum Leidwesen meiner Familie gerne laut nach der Schule gehört. Slipknot haben es verstanden das Bedürfnis Heranwachsender nach Provokation zu bedienen. Aggressionen freien Lauf zu lassen. Für mich neben Korn gleichzeitig eine wunderbare Möglichkeit zu Katharsis und Selbstausdruck.Diesmal ist es tatsächlich das erste Mal, dass ich dieses Album im Erwachsenenalter ohne Pubertätslasten höre. 

Und ich finde es – in einem Wort zusammengefasst, chaotisch. Es ist einfach so viel zusammengepackt in nicht einmal 50 Minuten. Obwohl es durchaus eine Handvoll Tracks gibt, die ich auch noch heute gut finde. (sic) beispielsweise. Sobald das gefühlt immerwährende Geschrei und Geholze durch signifikante Rhythmus- und Tempowechsel unterbrochen wird und man auch ohne Transkription die Lyrics versteht, kann das Album was. Auch mit den typischen rapartigen NuMetal-Vocals bin ich nur teilweise glücklich - die klaren Parts gefallen mir insgesamt besser als Corey Taylors Gebell. Tiefer gestimmte Gitarren, der Einsatz von Scratches, welche einem Ende der 90er wohl ausschließlich im Rap über den Weg gelaufen sind und die typischen Öltonnen-Percussions prägen schon hier den bis heute den einzigartigen Sound von Slipknot. Anleihen an Sepultura ließen sich auf diesem Album (glücklicherweise?) nicht vermeiden, da deren damaliger Produzent bei der neunköpfigen Band wohl mehr als ein Wörtchen mitzusagen hatte. Ohne ihn hätte das Album wohl noch weniger Struktur bekommen. Insgesamt finde ich, dass die erste Hälfte des Debütalbums durchaus auch heute noch hörbar ist. Ab der zweiten Hälfte hört es bei mir aber leider auf. Anspieltipps: (sic), Wait and Bleed, Spit It Out 
6/10 Pfandflaschen"






37. R.E.M. - Automatic For The People (1992)

Ich glaube, ich werde Philipp dezent enttäuschen. Er hat sich nämlich gefragt, wie ich dieses Album finden würde. Leider habe ich gar nicht so viel dazu zu sagen. Außer, dass es mir gefällt. 

Soweit ich weiß, soll "Automatic For The People" die Platte sein, die Kurt Cobain als allerletztes in seinem Leben gehört hat. Nun, ich glaube nicht dass sie so traurig ist, dass man damit Leute in den Suizid treiben kann. Oder das Vorhaben beschleunigen kann. "Automatic For The People" ist vor allem eins: minimalistisch ohne wirklich minimalistisch zu sein. Im Grunde genommen ist das was ich höre Michael Stipes Gesang, Gitarre und Bass von Peter Buck und Mike Mills als auch Schlagzeug von Bill Berry. Plus eine Tonne anderer Instrumente wie Keyboards oder Geigen oder Mandoline oder Akkordeon. Das ist so widersprüchlich, wenn ich das sage aber: Beispielsweise das "Cover" von "The Lion Sleeps Tonight", "The Sidewinter Sleeps Tonite" ist so groß, alleine von der Instrumentierung her, gleichzeitig gleiten die einzelnen Instrumente aber so ineinander dass es mir gar nicht richtig auffällt wie viel dahinter steckt. "Everybody Hurts" dürfte so ziemlich jeder kennen, aber auf dem Album ist so viel mehr hörenswertes. Wie das entspannende Instrumental "New Orleans Instrumental No. 1" oder "Man On The Moon", welches Jahre später im gleichnamigen Film verwendet wurde und von Comedian Andy Kaufman handelt. 

Ich weiß nicht so recht, in welche musikalische Richtung ich das einordnen soll. Und genau darum finde ich das gut. R.E.M. werden zwar nie meine Lieblingsband werden weil ich einfach größtenteils auf andere Musik stehe. Dieses Album ist allerdings so vielfältig, melancholisch, ruhig und auf seine eigene Art doch irgendwo explodierend. Ich würde sagen, das ist ein verdammt gutes Album. Auch wenn es nicht ganz meine Schublade ist.

Anspieltipps: Monty Got A Raw Deal, Everybody Hurts, Man On The Moon, The Sidewinter Sleeps Tonite
8/10 Pfandflaschen

Und das sagt Philipp dazu:

"R.E.M. war immer da. An den Hits kam man wohl kaum vorbei, wenn man ein funktionierendes Radio und Musikfernsehen hatte. Exakt diese Tatsache war es wohl auch, die mein jugendliches Ich ein wenig abgeschreckt hat, war mir die Band lange Jahre doch zu gefällig und zu massenkompatibel.
Im Jahre 2012, im zarten Alter von 21 Jahren, kam es dann doch dazu, dass ich mir eine R.E.M. Best-Of-CD gekauft habe und es war Liebe auf den ersten Blick. 2012 war ein schwieriges Jahr. Ich hatte mir im jugendlichen Leichtsinn meine rechte Hand ruiniert (wurde wieder besser), lag deswegen den kompletten Sommer im Krankenhaus, mein damaliges Studium lief zielstrebigst vor die Wand und generell war ich in keiner guten psychischen Verfassung.

Es klingt wie ein verficktes Klischee, aber wie oft ich allein in meinem Zimmer saß, "Everybody Hurts" gehört und dabei geweint habe, weiß ich nicht mehr. Was für ein verfickt gutes Lied, Balsam auf die geschundenen Seelen zahlreicher Sadboys - und girls. Man sagt, Kurt Cobain hatte bei
seinem Suizid "Automatic For The People" auf dem Plattenteller und die Platte geliebt. Leider hat ihm die Kraft, die dieses Album in der Lage war zu geben, nicht gereicht.
"Automatic For The People" markierte einen Stilwechsel und einen Wende(-und Höhe)punkt in der ohnehin schon ziemlich diversen R.E.M.-Diskographie. Nur ein Jahr nach dem Vorgänger "Out Of Time" erschienen - was ja ohnehin schon krass genug ist, zwei derartig großartige Alben in zwei
aufeinanderfolgenden Jahren rauszubringen, das muss der Band erst mal jemand nachmachen - wirkt es ein bisschen wie der ruhige, verschlossene, depressive große Bruder. Generell ist dieses Album sehr schwermütig, sehr melancholisch, sehr stark dominiert von Akustikgitarren und teilweise recht orchestraler Instrumentierung und dabei doch sehr sehr hoffnungsvoll.
Everybody Hurts als von der Band selbst postulierter Anti-Selbstmord-Song muss wohl tausende von Generation-X-Leben gerettet haben und hat mich selbst ebenfalls durch sehr schwere Zeiten begleitet.
Das Album auf diesen einen Song zu reduzieren ist jedoch ein verdammt schwerer Fehler.
Auf Albumlänge zeigt sich die unfassbare songwriterische Qualität des Quartetts, es ist nahezu vollgepackt mit wunderschönen Songsund großartigen Hits und wird auf der zweiten Hälfte (vor allem die letzten 3 Songs) sogar noch mal besser. R.E.M. haben mit diesem Album
zweifelsohne ihren Zenit erreicht, waren danach zwar immer noch eine großartige Band aber nie wieder derart intensiv, Kurt Cobains Suizid stürzte Sänger Michael Stipe (btw. ein guter Freund von Kurt und Courtney und Pate der gemeinsamen Tochter Frances Bean Cobain) in eine starke
Depression und Schaffenskrise.

Anspieltipps:
Nightswimming, The Sidewinder Sleeps Tonite, Monty's Got A Raw Deal, Everybody Hurts, Man On The Moon
12/10 Pfandflaschen"




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Ceremony Discography: Still Nothing Moves You (2006)

Ich habe mich dafür entschieden, die Discography von Ceremony zu reviewen, weil diese Bands sich innerhalb von ca. 20 Jahren so radikal verändert hat, dass es kracht. Außenstehende würden in diesem Album vielleicht keinen so großen Unterschied zum Debüt "Violence Violence" erkennen, Genre-Fans tatsächlich schon. Danach würden erstere die zweiteren wahrscheinlich für bekloppt erklären.

Nun, wo liegt der Unterschied? Man hat die Länge der Songs höher gesetzt. Anstelle von 30 Sekunden bis 1 Minute geht man tatsächlich desöfteren über eine oder zwei Minuten. Das Intro hat sogar ganze vier! Stilistisch geht es hier ähnlich weiter wie bei "Violence Violence". Aggressive Sounds, aggressive Texte, aggressiver Gesang. Diesmal allerdings nicht als Powerviolence wo nur noch geknüppelt wird. Stattdessen orientiert man sich an 80er Jahre Hardcore Punk. Musik mit mehr "Fuzz". Anstelle von sehr kurzen, knüppelharten wütenden Powerviolence-Songs gibt es hier etwas längere, durchdachtere und tatsächlich auch stellenweise etwas groovigere Hardcore-Songs. 

Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht verdammt noch mal! Ich habs schon desöfteren gesagt, aber ich sags hier schon wieder! Ihr werde sehen, wohin die Reise geht! Haha!

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Fading Sounds Of Your Life, Eraser Making Its Way Its Only Job, Birth. Conspire. Be Upset.



Ceremony Discography: Rohnert Park (2010)

Mal wieder verwende ich die Floskel "sie machen da weiter wo sie aufgehört haben". Weil, das tun sie. Allerdings nicht nur. Ceremony bedienen sich, wie beim Vorgänger am 80er Jahre Hardcore Punk allerdings auch an 77er Punkrock ("MCDF"). Die Texte sind mindestens genauso bitterböse und wütend, jedoch auch ab und an einfach scheißesarkastisch und zynisch. 

Was mich besonders hierauf begeistert ist dass man hier noch mehr sieht, höhö, wohin die Reise gehen wird (ich habs ja gesagt). Es gibt hier Songs, die gar nicht zum Rest passen: "Moving Principle" sticht besonders hervor. Es klingt wie eine auf harten Drogen hängengebliebene Version von Joy Division oder anderer Post-Punk-Bands. Wenn man aufmerksam zuhört, klingt es als gäbe es auf dem Album verschiedene Blöcke. Man beginnt mit Hardcore Punk ("Sick") und gleitet dann plötzlich in eher langsamere Gefilde: Moving Principle, The Doldrums. Das ist stiltechnisch zwar teilweise immer noch HC/Punk allerdings weitaus langsamer. Mit "Into The Wayside" I, II und III gibt es außerdem noch Interludes. Und einen großartigen Song über Sucht namens "Terminal Addiction". Am Ende geht man wieder zurück zum absoluten Gekloppe und das Album ist nach einer halben Stunde fertig.

Herrlich!

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Terminal Addiction, Don't Touch Me, Moving Principle, Sick




Sonntag, 8. November 2020

So isses, Musik!#111

50 Best Rock Albums of the 90s by loudersound.com, Teil 5

Ja, ich verlinke mal wieder das Video von Raphael. Aber das letzte Mal jetzt. Schließlich sind die zehn Alben die er besprochen hat, hiermit "um".

42. Ozzy Osbourne - No More Tears (1991)

Ich besitze dieses Album seit mindestens zehn Jahren. Ich war zu einer gewissen Zeit richtig knallharter Ozzy-Fan. Mittlerweile bin ich es nicht mehr so richtig, schätze aber seine Rolle in der Unterhaltungsbranche. Allerdings ist er meiner Meinung nach nicht mehr das wichtigste Mitglied von Black Sabbath gewesen. Egal.

"No More Tears" ist eindeutig ein Produkt der 90er Jahre, auch wenn es von diversen 80er Akteuren kreiert wurde. Am Gesang natürlich Ozzy Osbourne, am Textbuch natürlich auch allerdings bei vier Titeln mithilfe von Lemmy Kilmister. Es ist außerdem das zweite Album mit Zakk Wylde an der Gitarre, nach "No Rest For The Wicked". Warum eigentlich "Produkt der 90er Jahre"? Nun, ich assoziiere dieses Album mittlerweile mit Grunge/Alternative Rock, weil "Hellraiser" in der Playlist von Radio X von Grand Theft Auto: San Andreas zu hören war. Klar, Ozzy war in den 80ern für sein "Verrückte Hausfrau"-Styling bekannt, aber "No More Tears" hat mit dieser Ära musikalisch nichts mehr gemein. Ich hab vorm geistigen Auge keinen Typen mit schrillen Make-Up und Spandex-Hosen sondern diesen etwas ins Alter gekommenen Ex-Frontmann, der einfach ein gutes Album machen will. Richtig geiler, nach vorne gehender, mitziehender, mitsingbarer Hard Rock. Voller Ohrwürmer. Und Powerballaden.

Wir finden Texte über Kindesmissbrauch ("Mr. Tinkertrain") oder Serienmord ("No More Tears"). "Hellraiser" handelt tatsächlich nicht von Pinhead oder den Film sondern von jemanden der auf Tour ist und bei jedem Konzert 100% gibt. Ja, hört auf den Text verdammte Scheiße. "No More Tears" fühlt sich außerdem an wie ein Bandalbum. Alle waren an der Entstehung beteiligt, sind im Booklet erwähnt und abgebildet. Willkommene Abwechslung zu Ozzys Werken wie "The Ultimate Sin", die ich zwar auch gut finde, die aber trotzdem etwas unter meinem Standart fallen.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Mr. Tinkertrain, I Don't Want To Change The World, Mama I'm Coming Home, Desire, Hellraiser



41. Red Hot Chili Peppers - Californication (1999)

Wahnsinn. Ich kenne Songs aus diesem Album seit 20 Jahren, habe das Album allerdings nie als Ganzes gehört. Erinnere mich aber sehr gut an die MTV Video Music Awards'00, wo RHCP mit "Californication" aufgetreten sind und Irokesenhaarschnitte trugen. Ich mochte die Singleauskopplungen daraus, wofür auch Videos auf MTV gelaufen sind. Meine Oma fand die Jungs auf der Preisverleihung auch sehr sympathisch (ich habs tatsächlich einmal mit Mum und Oma gesehen). Mein Vater besaß selbst eine Kopie von "Californication" als auch von "Blood Sugar Sex Magik". Ich mag das letzgenannte Album sehr. Aber ich vorher nie ein RHCP-Head gewesen.


Ich kann mir das gar nicht so vorstellen, weil ich kein audiophiler Musikexperte bin. Aber "Californication" ist scheinbar eines dieser Alben, die zum "Loudness War" beigetraten haben und haufenweise technische Übersteuerung aufweisen. Es gibt einige Petitionen dafür, das Album neu zu mastern. WTF. 

Es ist das erste Album seit oben erwähnten "Blood Sugar..." mit John Frusciante an der Gitarre. Zwischenzeitlich, auf "One Hot Minute" wurde er durch Dave Navarro ersetzt. Außerdem ist es das erste Album auf welchen alle Musiker clean sind. Frusciante war auch derjenige, der die Band in eine neue Richtung gepuscht hat. Statt Funk Rock und Sprechgesang-Einlagen gehen RHCP nun in eine poppigere, stadiontauglichere "Mellow Progressive"-Richtung. Und tatsächlich, wenn ich die beiden hier erwähnten Alben vergleichen muss, finde ich dass man den Unterschied dann sehr deutlich hört. "Blood Sugar.." war noch ziemlich rau und irgendwie punkig, während "Californication" von Single/Radiomaterial nur so sprießt. Die Songs gehen richtig gut ins Ohr und ich kann sie nach knapp zwanzig Jahren, immer noch irgendwie mitsingen. Tatsächlich ist es aber ein ziemlich ernstes Album, handelt es nämlich u.a. von "verlorenen Seelen die durch die USA wandern". Ich mag es sehr und bin der Meinung, dass es danach eher schlecht getoppt werden konnte. Kann nämlich mit späteren Material weniger was anfangen.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Scar Tissue, Californication, Road Trippin, Otherside, Around The World

Außerdem hat Phil Th. Pig auch was dazu zu sagen:

"Es muss im Sommer 2002 gewesen sein, ein paar Wochen vor der Veröffentlichung von „By the way“ als die damals übliche Promomaschine zuschlug. Als musikaffiner Prä-Teenager, der den Großteil seines Tages entweder vor dem PC oder mit VIVA oder MTV vor dem Fernseher verbrachte, kam ich an dieser Band kaum vorbei, MTV Masters, diverse Specials, Musikvideos, Interviews und und und taten ihr übriges und so wurde Californication 2002 meine erste gekaufte CD.

Ich war hin und weg, unterstrich doch diese „wilde“ und für mich persönlich wirklich abgefahrene Musik mein persönliches Bedürfnis, irgendwie rebellisch und anders zu sein. 

Mit 18(!) Jahren mehr Musikerfahrung auf dem Buckel hat das Album natürlich absolut nichts rebellisches und abgefahrenes mehr, das tut der Tatsache aber absolut keinen Abbruch, dass Californication ein großartiges, technisch absolut solides (Alternative)-Rockalbum ist. 

Der frisch von den Toten auferstandene Gitarrist John Frusciante (dem Interessierten seien hier die VPRO-Dokumentationen ans Herz gelegt, absolut herzzerreißend, unter welchen Umständen dieser Mensch schon 1994 sein Leben fristete und dass er diesen Lebenswandel tatsächlich noch weitere 3 Jahre überlebt hat) strotzt hier nur so vor Kreativität, dass es kaum zu glauben ist, dass er vor dem Album Ewigkeiten keine Gitarre mehr in der Hand hatte und weit unterhalb seines ehemaligen technischen Niveaus noch einmal von vor anfangen musste. Dies bedingt natürlich aber auch einen gewissen Minimalismus, der auf folgenden Alben natürlich immer bombastischeren Gitarren-Arrangements gewichen ist, was letztendlich in seinem erneuten Ausstieg und seiner Neufokussierung auf elektronischer Musik kulminierte.

Die Rhythmusgruppe der zwei Wahnsinnigen Flea und Chad Smith bewegt sich wie immer auf allerhöchstem Niveau und macht das Ganze allein schon hörenswert und Anthony Kiedis – nun ja – ist einfach Anthony Kiedis.

Die Texte bewegen sich zwischen emotionaler Ex-Junkie-Poesie, TMI-Eskapaden (Ja, ich wollte nicht unbedingt wissen, ob Anthony gerne mit menstruierenden Frauen Sex hat oder Affären mit dem ein oder anderen Spice Girl hatte) und völligem Nonsens. Aber es sagt schon viel über die restliche Qualität des Albums aus, dass es auch dadurch kein bisschen schlechter wird. 

Anspieltipps:  Scar Tissue, Around The World, Californication, die Single-Auswahl war damals schon recht zutreffend, es sind halt auch die besten Songs.

Ich gebe guten Gewissens 11/10 Pfandflaschen, allein schon weil es meinem Ego verdammt gut tut, dass ich mich bis heute nicht für meine erste gekaufte CD schäme."



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Blink-182 Discography: Nine (2019)

Während ich das hier schreibe, bin ich ziemlich genervt. Hatte nämlich gerade einen kleinen Meltdown weil ein ganzer "So isses, Musik!"-Post komplett gelöscht wurde, weil ich nicht in der Lage war in der neuen Blogger-Version ordentlich mit Bildern zu hantieren. Ihr kennt das bestimmt, wenn ihr ein Bild bei Word in einem Dokument verschiebt und der ganze Text im Arsch ist? So war es, nur dass der ganze Text weg war. Zum Glück hatte ich die Vorschau im neuen Tab geöffnet gehabt, woraus ich leider kein Text rauskopieren konnte. Also musste ich sie an einem zweiten Bildschirm aufmachen und noch mal alles abtippen. Was für ein Abfuck.

Anyways: Wenn man das erste Demoalbum "Buddha" mitzählt, ist "Nine" das tatsächlich neunte Album der Band. Wenn man es nicht tut, ist es "erst" das achte. Aber egal. Zweites Album mit Matt Skiba von Alkaline Trio am zweiten Gesang, der mittlerweile fest zur Band dazugehört. Immer noch sehr merkwürdig, wenn ich darüber nachdenke. Aber scheinbar ist es das was man machen will, also ist es so. Diesmal höre ich eindeutig mehr Mühe und Herz heraus, als beim Vorgängeralbum "California". Man streckt sich zu anderen, neuen Genres und Stilmitteln wie Hip-Hop-Beats und Autotune. Gut, auf dem selbstbetitelten Album gabs diesen Song namens "Down" der schon in ähnliche Richtung ging und außerdem ist Travis Barker schon länger im Hip-Hop-Bereich tätig. Aber das hier ist was anders. Etwas merkwürdigeres. Poppige Pop-Punk-Sounds gewürzt mit Autotune. Mit Texten über Mark Hoppus' Depression. So in etwa könnte man das Album zusammenfassen. Mag für einen nicht so gut klingen, für mich aber schon. Ich mag den Schritt in die düstere Richtung, quasi so wie auf "Blink-182" oder "Neighborhoods". Zum ersten Mal passt mir Matt Skibas Gesang hier. Diesmal wirkt er nicht wie "draufgeklatscht" sondern als würde er tatsächlich dazugehören. Sie haben sich hierauf eindeutig verbessert. Trotzdem werden sie niemals den Glanz von 2003 erreichen.

7,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Darkness, Happy Days, Blame It On My Youth



Ceremony Discography: Violence Violence (2006)

Das erste Mal von Ceremony habe ich gehört als ich in der "Hardcore"-Gruppe auf Abgefuckt-Liebt-Dich.de mich aufgehalten habe. Damals war die Band in aller Munde und irgendwie hat sie jeder gehört. Ich wusste erstmal nicht, was sie für Musik machen. Erst Jahre später habe ich sie "irgendwie" für mich entdeckt und zwar dieses Album hier. 2011 wollte ich sie dann auch auf dem FLUFF Fest sehen, allerdings musste irgendjemand früher nach Hause fahren und so konnte ich das dann doch nicht. Ich habe dazu noch gehört, dass es während ihres Auftritts Headwalks von irgendwelchen Idioten gab. Aber schwamm drüber.

"Violence Violence" ist das erste Album von Ceremony. Auf der LP Version sind ausschließlich die 13 Tracks zu hören, auf der CD kommt noch deren Debüt-EP "Ruined" dazu. Der Name verrät es schon. Ceremony machen Hardcore Punk/Powerviolence und zwar keinen zimperlichen. Etwas ist an dieser Band anders und ich versuche mal zu erörtern was. Wenn ich an Powerviolence denke, dann in erster Linie an Bands wie Spazz, Fuck on the beach oder Charles Bronson. Songs die maximal 1,5 Minuten dauern und Alben mit unfassbar lustigen Interludes. Bei Ceremony ist es anders. Der Humor fehlt. Es gibt hier einfach nicht zu lachen. Sänger Ross Farrar ist richtig richtig richtig schlimm angepisst. Und zwar über alles. Besonders hervorstechen tut der Song "You're All The Same", welcher sich gegen Szene-Codes/Trends richtet. Dass das Album so "humorlos" ist hat irgendwie (natürlich) trotzdem dazu geführt, dass man sich darüber lustig gemacht hat. So gibt es ein Meme bestehend aus einem Foto von Ross Farrar, der gerade singt, und zwei Sprite-Flaschen die aus seinen Händen wachsen. Dadrüber steht "MY HANDS ARE MADE OF SPRITE". Als Anspielung auf den Song "My Hands Are Made Of Spite". Insgesamt ein bahnbrechendes, hasserfülltes Stück Gewalt getarnt als Musik. I love it.

8,75/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: This Is My War, You're All The Same, Pressure's On, Ghosts, My Hands Are Made Of Spite