Freitag, 19. Juni 2026

My Favorite TV-Show: The Boys

Allrighty then. Kaum habe ich im Juni die letzte Folge der fünften (und somit finalen) Staffel verschlungen, geht es hier eins Eingemachte und äh ja, hier kommt ein Review. Falls ihr die Comics noch nie gelesen habt, so empfehle ich euch die Reviews dazu: Und zwar hier (#1), hier (19-22), hier (Herogasm: 1-6),  hier  (52-56 & 72), hier (Dear Becky: 1-8), hier (Highland Laddie: 1-6). Ich meine bei der jetzigen Auflistung nichts vergessen zu haben. 

Jedenfalls: Im Grunde genommen brauche ich die Serie nicht beschreiben, schließlich habe ich ja die Comics reviewt. Allerdings ist sie eine ganze Ecke anders als ihre Vorlage. Hughie Campbell Jr. (Jack Quaid) sieht in den Comics Schauspieler Simon Pegg sehr ähnlich - allerdings wäre er für die Serie bzw. für den Character zu alt gewesen. Daher spielt Pegg Hughies Vater. Hughie selbst ist hier ein

stinknormaler Verkäufer von Fernsehern und anderen Home Media. Eines Tages wird seine Freundin Robin Ward (Jess Salguiero) umgebracht. Ein Superheld namens A-Train aka Reggie Franklin (Jessie Usher) rennt durch sie durch. Der Speedster war offenbar in Eile und hat sie einfach übersehen. Hughie ist am Boden zerstört. Die multinationale Firma Vought die hinter dem Marketing der Superhelden steckt bietet ihm eine Wiedergutmachung in Form eines Schmerzensgeldes an. Doch kein Geld der Welt kann seinen Schmerz heilen. A-Train ist Teil der "Seven", einer Gruppe von Superhelden angeführt von Homelander (Anthony Star), eine Art narzisstischen Superman-Verschnitt. In dieser Welt existieren Superhelden zwar, allerdings ist es für die Öffentlichkeit nur Schein. Sie "retten" Menschen in Not, scheißen dabei auf jegliche Sicherheitsvorkehrungen oder sind teilweise einfach nicht vorsichtig genug. Einige von ihnen pflegen rassistische und sexistische Einstellungen, sind korrupt und selbstverliebt. Sie treten in Filmen auf, nehmen an PR-Kampagnen für Produkte Teil und schützen Menschen in Kriegsgebieten, irgendwie. Der Fall Hughies ruft William Butcher (Karl Urban) auf den Plan. Dieser glaubt, dass Homelander seine Ehefrau Becca vergewaltigt und umgebracht hat. So rekrutiert Butcher Hughie und dieser wird Teil der "The Boys". Dabei handelt es sich um eine geheime Gruppe, die zunächst von der CIA finanziert wird. Dazu gehören noch: Marvin "Mother's Milk" Milk (Laz Alonso) und Frenchie (Tomer Capone). Später im Laufe der Serie befreien sie die mit Superkräften ausgestattete Kimiko (Karen Fukuhara). Die Aufgabe der "The Boys" ist zunächst den Superhelden das Leben schwer zu machen, "auf die Finger zu klopfen", "zur Strecke bringen" doch nach und nach wird die Aufgabe immer größer. Die Superhelden müssen weg. In einem weiteren Story-Strang lernen wir Annie "Starlight" January (Erin Moriarty) kennen, die neuestes Mitglied der Seven wird und nach und nach einsehen muss, wie korrupt die Superheldenwelt tatsächlich ist.

Während Garth Ennis' und Darick Robertsons Comic-Reihe zwar einige sozialkritische bzw. verzerrte historische Elemente gebracht hat war sie vor allem eins: stürmisch, ekelhaft und voll mit Sex und Gore. Die Streaming-Serie hingegen zieht den Gore-Regler auf mindestens 9 und zeigt gleichzeitig eine verzerrte Version unserer Realität. Als erstes fallen mir die Manipulation der Menschen durch soziale Medien, die Jagd nach Clicks und Clout, fehlende Empathie für miteinander und eine Verschiebung der Narrative von "nicht sagbar" zu "komplett akzeptiert". Einige würden Homelander als die hiesige Version von Donald Trump betrachten. Einen machthungrigen Narzissten mit Minderwertigkeitskomplexen, der Menschenleben für weniger wert als Müll betrachtet. Während in den Comics die "Supes" noch zu 100% (bis auf Ausnahme von Annie) als feindlich eingestuft wurden, kriegt man in der Serie doch irgendwann Skrupel "sie alle auszurotten". Es ist keine 1:1-Umsetzung des Comics. Bis zu einem gewissen Punkt schon, allerdings betrachte ich sie schon eher als "freie Umsetzung" der Dinge. Es scheint mir fast schon so, als hätte man sich gedacht: "Wir haben eher weniger Bock auf 24/7 Ekligkeiten a lá Garth Ennis und machen etwas eigenes daraus". Und es funktioniert sehr gut. Klar, es gibt einige Hänger und insbesondere zwischen der vierten und der fünften Staffel kriegt man den leichten Eindruck, man würde die Serie künstlich am Leben erhalten wollen. Trotzdem ist "The Boys" super genießbar, wenn man auf künstliche Gewalt, Gore und Sexjokes steht - allerdings auch auf "Black Mirror"-eskes Spiegeln der Gesellschaft in welcher wir Leben. Für all diejenigen, die sich am Serienfinale gestört haben: Ich habe es genossen, weil es genau das war, was ich erwartet habe. Und ihr solltet etwas mehr von der Vorlage lesen. 



Mittwoch, 17. Juni 2026

Film der Woche#682: Pee-Wee's Big Adventure (1985)

Zu diesem Film habe ich so einiges zu sagen. Tatsächlich habe ich ihn in einer etwas weiter entfernten Vergangenheit 2 mal (oder so) gesehen. Leider war ich dabei entweder so dermaßen besoffen oder müde sodass ich gegen Ende eingeschlafen bin und nie das Ende mitbekommen habe. Oder ich habe das Ende einfach vergessen. Egal. Das hier ist der erste Full Length Film von Tim Burton. Basierend auf einer Kindersendung namens "Pee-Wee's Playhouse" (bei welcher Rob Zombie als Production Assistant gearbeitet hat). Die Hauptfigur dieser Sendung war ein Typ namens Pee-Wee Herman (gespielt von Paul Rubens). 


Genau um diese Figur (oh Wunder) dreht sich auch dieser Film. Pee-Wee Herman ist ein kindischer, sonderbarer Mann der in einem Haus voller seltsamer Dinge und Gerätschaften wohnt - zusammen mit seinem Hund Speck. Sein bestes und teuerstes Gut ist sein wunderschönes, hochmodernes und mit lauter Gadgets ausgestattetes Fahrrad. Sein Nachbar, der hochnäsige reiche Bengel Francis (Mark Holton aus Leprechaun) möchte es ihn unbedingt abkaufen. Doch Pee-Wee hält dagegen. Nachdem Pee-Wee einen Gadget-Laden besucht hat (und das Fahrrad währenddessen sorgfältig angekettet hat) verschwindet das Gefährt. Es ist offensichtlich, dass Francis es gestohlen hat. Nachdem eine Vermisstenanzeige mit Finderlohn nichts bringt begibt er sich zu einer äußerst professionellen Wahrsagerin die ihm offenbart, dass das Fahrrad sich äh in Alamo, Texas befindet. So macht sich der sonderbare kindliche Mann auf nach Texas um endlich sein Fahrrad zu finden. Es soll angeblich dort im Keller sein. Jedenfalls trifft er jede Menge merkwürdige Gestalten auf seiner Reise. Einen entkommenen Strägling, einen Obdachlosen, eine untote LKW-Fahrerin und eine Gruppe Biker. Es ist lustig.

Ja, es ist wirklich lustig. Auch wenn einige von euch meinen würden, das hier wäre schon ziemlich viel Uncanny Valley und überhaupt ziemlich gruselig. Ich verstehe das. Es ist absolut out of place wie alles stattfindet. Die Grimassen, die Stimmen, die absolut merkwürdigen Charaktere so wie auch die Dynamik der Handlung. Man weiß einfach nicht, was als nächstes passiert und fühlt sich einfach vorm Kopf gestoßen. Zurecht. Das ist, glaube ich, auch das Ziel des Films. Die Handlung ist auf mehreren Ebenen absurd: Man weiß nicht was als nächstes passiert. Die Verhaltensweisen der Charaktere sind over-the-top. Alles ist in grellen Farben gehalten. Nach mehr als vierzig Jahren wirklich null an Qualität eingebüßt. Ich liebe diesen Film. Eben weil er so grenzdebil und behämmert ist. 

9,75/10 Pfandflaschen
Trailer: 


Dienstag, 16. Juni 2026

Comic Book Review#680: Godzilla vs. The Mighty Morphin Power Rangers#1-5 (2022)

Kaum ist diese Sache mit DC und Godzilla als auch Marvel und Godzilla vorbei geht es hier auf dem Blog weiter mit dem King of the Monsters als Gast in anderen Comic-Reihen. Diesmal sind wir bei einer Zusammenarbeit zwischen Boom! Studios, IDW Publishing und Toho Co. angelangt.


Der grüne Ranger Tommy (ja, genau der) ist unterwegs in geheimer Mission. Zordon hat ihn beauftragt, die böse Hexe Rita Repulsa auszuspionieren. Gemeinsam mit ihren Schergen Scorpina, Goldar und Finster hat sie einen geheimen Tempel aufgesucht der seit tausenden von Jahren von Mönchen beschützt wurde. Darin findet sie eine Art multidimensionalen Artefakt, der in der Lage ist, sie von Dimension zu Dimension zu teleportieren. Genau das geschieht und weil Tommy das verhindern möchte, wird er unfreiwillig mit auf die Reise genommen. Rita und die anderen tauchen auf einer anderen Erde auf. Dort ist die Stadt Angel Grove komplett zerstört und zwei riesige Monster kämpfen gegeneinander: Godzilla und Megalon. Es stellt sich heraus, dass Godzilla irgendwie der Beschützer dieser Erde ist und Außerirdische vom Planeten X (die Xilians) immer wieder Monster auf die Erde bringen um gegen ihn zu kämpfen. Ihr Ziel ist die Erde komplett zu zerstören und am Ende ihre Ressourcen zu stehlen. Doch bis jetzt hat das nicht so funktioniert. Ritas Crew tut sich mit ihnen zusammen und schon bald tauchen auch die übrigen Rangers auf: Trini (gelb), Zack (schwarz), Jason (rot), Kimberly (pink) und Billy (blau). So kommt es zu spektakulären Kämpfen. Erst zwischen den Rangers und Godzilla, anschließend aber zwischen Godzilla und den Rangers und herbei teleportierten Monstern wie Gigan und am Ende auch King Ghidorah. Zwischendurch ruft Rita allerdings ihre Monster auf den Plan: zum Beispiel Eye-Guy und Rhinoblaster.

Ich dachte erst, das wird interessant. Dann wurde es einfach vollkommen bonkers. Dann wurds wieder interessant. Ein typisches multi-franchise Höllen-Inferno in welchen alle auf einander treffen und sich gegenseitig in die Fresse hauen. Untypische Allianzen werden geschmiedet und wieder gebrochen. Monsterkloppe. Monsterkloppe. Kann mich noch erinnern, dass "Justice League vs. Godzilla vs. Kong" schon ordentlich googoogaga war, aber das hier ist vollkommen off the hook. Ich glaube, dass ich alle fünf Ausgaben in einer Dreiviertelstunde gelesen habe. Cullen Bunn hat mal Deadpool Stories geschrieben, die ich tatsächlich echt geil fand. Das hier wirkt wie ein Kinderspiel für ihn, weil es so super einfach ist. Freddie E. Williams II hat schon mal die Turtles (und Batman!) gezeichnet, sein Stil sticht besonders durch dieses typische "shit happening all over the place" raus. Ein tatsächlich sehr spaßiges, wenn auch ziemlich kurzweiliges Werk.

Made by: Cullen Bunn, Freddie E. Williams II
6/10 Pfandflaschen
Video von Unknown Kaijuverse:


Montag, 15. Juni 2026

Album der Woche#684: Ляпис Трубецкой - Рабкор (2012)

Ich erinnere mich noch ganz gut an Ljapis Trubezkoi. Die Band benannte sich nach einem Character aus dem Roman "12 Stühle" (von Ilja Iljif und Jewgeni Petrow). In den 1990ern und Anfang der 2000er war sie sehr populär in ihrer Heimat Belarus, Ukraine, Russland und anderen Ländern der GUS. 


Besonders ins Auge bzw. Ohr ist mir damals der Song "Au" aufgefallen. Es war eine Coverversion eines nicht unbekannten sowjetischen, russischsprachigen Schlagers, wenn ich mich recht entsinne. Im Video dazu wurden lustig wirkende Effekte eingesetzt und insgesamt machte die Band auf mich den Anschein als würde sie generell witzig sein wollen. Erinnere mich auch nur grob an ein paar andere Songs die auf MTV Russia liefen. Irgendwie war alles sehr humoristisch angehaucht. Nachdem ich schon Ewigkeiten nicht mehr in Russland war und auch nur die paar wenigen Bands aus meiner Kindheit weiter gehört habe, bin ich vor ein paar Jahren wieder auf "Ljapis" gestoßen. Und zwar auf das Video zu "Schelesnyj" (aus Stahl gemacht). Darin war die ganze Band in einer tristen Lagerhalle zu sehen. Sänger Sergej Michalok ist plötzlich nicht mehr der etwas dicke langhaarige lustige Typ. Stattdessen sehen wir einen trainierten, teils oberkörperfreien, angepissten Mann mit rasierten Kopf der über seine Kindheit im Altaj spricht und dass er eigentlich längst tot sein sollte. Schon vor zwanzig Jahren. Er hätte zwischen Steinen liegen sollen, schon längst. Darum sollte er keine Angst vor "diesen dummen Schweinen" haben und erst recht keine Angst um seinen aus Stahl gemachten Arsch.

Tatsächlich gab es eine Art Politisierung der Band. Seit 2011 haben sie ein Auftrittsverbot im diktatorisch regierten Belarus. Ich würde mal sagen, dass die Politisierung schon vorher statt gefunden hat. Auch musikalisch und textlich hat sich einiges verändert. So bewegt man sich nicht mehr im poppigen Comedy-Rock sondern irgendwo zwischen Ska-Punk und Hardcore. Mit Elementen von Dub und Reggae. "Rabkor" ist meiner Meinung nach ein Neologismus zwischen dem russischen Wort "Rab" (Sklave) und "Core". Es ist das erste Mal für mich, dass ich Songs auf Belarusisch höre. "Ne byt' Skotam!" (Kein Vieh sein) ist eine Vertonung eines Gedichts des belarusischen Dichters Janka Kupala. Darin geht es um die Grundbedürfnisse des Menschen, unter anderem "kein Vieh sein" sondern ein selbstbestimmter Mensch. Kupala ist auch der Urheber der Losung "Zhyve Belarus!" ("Es lebe Belarus!"). Ähnlich geht es auch später weiter in "Ubej Raba!" ("Töte den Sklaven"). Im Prinzip bedeutet es "töte den Sklaven in dir" bzw. "steh für deine Rechte auf". "Putinaroda" ("Wege des Volkes") behandelt satirisch das "Streben des Volkes nach Freiheit". Die Freiheit wäre dann "Wurst, Gas, Erdöl, Beförderung, Mindestlohn".

Meines Erachtens ein sehr abwechslungsreiches, politisch vertretbares und gleichzeitig sehr kurzes Album. Grade mal 35 Minuten. Professionell Revolutionäre Musik. Weckt Gefühle auf wie Wut, Selbstbewusstsein, Freude als auch Trauer. Besonders positiv möchte ich hervorheben, dass auch das Gefühl vertont wird, alleine in einer völlig brutalen Welt zu sein. Hilflos, als wäre man ein kleines Kind ("Liliput").

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Rabkor, Ne byt' Skotam!, Zhelesnyi, Putinaroda


Sonntag, 14. Juni 2026

So isses, Musik!#213

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

Wir sind nun mit "A" fertig und machen mit "B" weiter. Los geht's mit:


Raphi:
"Einen echten Klassiker haben wir noch. Getragen von dystopischen Synthies ist „Nazis Raus“ von der West-Berliner Beton Combo ein wahrlich geisterhaftes Stück Deutschpunk-Geschichte. Völlig zurecht wurde und wird das Lied immer wieder gecovert und neu interpretiert."

Philipp:

"Beim Buchstaben B begegnen wir mehreren Klassikern des deutschen Hardcore Punk, begonnen mit diesem. Ein Song so ikonisch, dass Slime ihn sogar live und als B-Seite gecovert haben. Viel ist mir ehrlich gesagt nicht über die Band bekannt außer dass sie aus dem Umfeld des heute noch ikonischen SO36 und des damals äußerst ikonischen AGR-Labels stammen. Die LP "Perfektion ist Sache der Götter" steht seit Ewigkeiten auf meiner Liste der Platten, mit denen ich mich näher befassen möchte, aber irgendwie immer hinten runter gefallen sind. Vielleicht ein Projekt für die Zukunft? Mit diesem Song haben sie sich auf jeden Fall für ewig ein Denkmal gesetzt, auch vor allem im Bezug zum Weird System Sampler von 1991. Textlich einfaches aber dringliches und ganz ganz großes Deutschpunk-Kino!" 

Ich:
Ich kannte eine Version dieses Songs bis jetzt nur von diesem "Nazis Raus!"-Sampler von Anfang der 90er. Diese war wesentlich "schwerer" und schneller. Und natürlich das Cover von Slime. Das hier ist komplett anders und kommt absolut unerwartet. Ein sehr langsamer Deutschpunk/Wave-Stampfer mit Synthesizer-Sounds der mir vorkommt wie eine Art abstruser Kirchenchor-Song der in einer abstrusen Deutschpunk-Kirche performt wird. Ich frage mich, weil ich die genauen Umstände nicht raus recherchieren kann: Wenn das hier vor der Auflösung der Band im Jahre 1985 erschienen ist - wer hat die Version auf dem "Nazis Raus!"-Sampler eingespielt? Ist es haargenau die gleiche Band oder hat man sich für eine Reunion kurz zusammengetan? Oder gibt es einfach zwei verschiedene Versionen des Songs von der gleichen Band? Jedenfalls, hier könnt ihr die andere Version anhören. Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand weiterhelfen könnte.

Die Bockwurschtbude – Müssen wir uns gegenseitig bekämpfen?

Raphi:

"Das Intro zum Album „Für eine Handvoll Bockwurscht“ beinhaltet eine Judas Priest-Referenz. Damit hat sich die Band direkt die ersten Sympathiepunkte eingespielt. Ein beliebtes Thema der Gruppe aus Frankfurt an der Oder sind szeneinterne Konflikte. So geht es bei „Der Schnorrerpunk bei Leipzig“ um Zecken, die auch bei anderen Punks klauen. Das Lied „Motor Suhl“ handelt unter anderem von den Kämpfen zwischen autoritären und emanzipatorischen Linken. Man bedenke: das Lied ist jetzt etwa zwanzig Jahre alt! Und dann ist da noch der Deutschpunkreggae-Knaller „Müssen wir uns gegenseitig bekämpfen?“, der gleich mehrere szeneinterne Probleme behandelt: Edgelords, Alkohol- und Suchtprobleme, und linke Macker. Habe ich erwähnt, dass das zwei Jahrzehnte her ist?"


Philipp:

"Fast wäre mein Review hier wahnsinnig kurz ausgefallen, die Band ist für mich persönlich erst wirklich relevant geworden als Deutschpunk-Legende Andreas Löhr als Bassist dazugestoßen ist, außerdem bin ich Vegetarier - daher schreckt mich der Name schon ab - und dieser Song ist irgendwie... Ska?! Oder Balkan Beat oder was weiß ich aber eigentlich nicht die Musik, die ich mir freiwillig anhöre.
Die Band aus FFO ist mir schon des öfteren über den Weg gelaufen - unter anderem sind sie recht gut mit der für mich in einer gewissen Lebensphase sehr wichtigen Band Telekoma befreundet und ich habe den ein oder anderen Saalepower-Sampler im Regal, auf dem die Band vertreten ist, wirklich nachhaltig beeindruckt hat mich aber bisher tatsächlich nichts.
Textlich mag das zwar nicht der Weisheit letzter Schluss sein aber hier haben wir es zumindest mit einem äußerst stabilen Song gegen unpolitische Spinner in der Punkszene zu tun. Also falls ich die Ironie verstanden habe, ich bin echt nicht gut mit sowas. Ich denke das geht schon in Ordnung." 

Ich:
Zuallererst: Ich find es gut, dass hier diese Themen angesprochen werden. Szeneinterne Probleme. "Das hat er nicht so gemeint", "du legst das falsch aus" usw. sind durchaus gängige Probleme als auch das Unverständnis gegenüber Leuten die kein Bock haben auf irgendwelche Edgelords die aus "Provokation" den rechten Arm heben. Man soll sich ja nicht so haben, es sei ja alles irgendwie Punkrock. Es ist sehr gut, dass eine Band genau diese Probleme anspricht - noch mal gesagt. Der Refrain ist verdammt catchy und simpel. Ich mag wohin sich der Song entwickelt - trotzdem nervt mich dieses Ententröten-Intro zu Beginn. Ich finde es zu albern für einen doch durchaus ernsten Song.



Boskops – Bulle Halt’s Maul

Raphi:

"Die Boskops aus Hannover waren vor allem in den 1980ern aktiv, und sind aus der vorhergehenden Band namens Blitzkrieg entstanden. Vier Alben und etliche Samplerbeiträge bescherten der Band in Westdeutschland und darüber hinaus. Auf ihrem ersten Album „Sol 12“ war der Titel „Bulle Halt’s Maul“ enthalten, der in seiner Einfachheit und (musikalischer) Brutalität nach seinesgleichen sucht. Und wenn mir jemand erklären kann, was mit der Drohung „… sonst gibt’s Banane“ gemeint ist, bin ich sehr glücklich."


Philipp:

"Aus den Überresten der Band Blitzkrieg - übrigens einer der häufigsten Bandnamen der Musikgeschichte, von NWOBHM über Rechtsrock bis zu Deutschpunk alles dabei - entstanden haben wir es hier mit absolut herrlichen Asis aus Hannover zu tun, man muss sich nur mal das "offizielle" Video zum Song "Leben" ansehen, pures Chaos, absolute Schnauzen, großartig. Musikalisch ist das Proto-Hardcore der etwas chaotischeren Sorte, zusammen mit Blut+Eisen diesbezüglich eine der wichtigsten Bands der Region."

Ich:
Es gibt diesen einen Song von Boskops der "Können Schweine schwimmen?" heißt. Er besteht im Grunde genommen nur aus "Poliere ihnen die Nase, Bullenschweineeeee". Hier ist es etwas anders. Immerhin gibt es einen ganzen zusammenhängenden Text. Allerdings höre ich tatsächlich "Banane" anstelle von "Randale" raus. Und das liegt nicht an Raphis Review. Damit bin ich scheinbar nicht alleine - das beweist auch die YouTube-Kommentarspalte. Fazit: Es mag sein, dass das hier zurecht als Klassiker gilt. Aber für mich klingt das doch etwas zu stumpf, zu sehr nach "hauptsache dahingeschissen".

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Rein in den .mp3-Himmel:

"Rockabilly, Rock'N'Roll & Surf" heißt der nächste Ordner und ich kriege Kopfschmerzen. Nicht unbedingt wegen des Inhalts. Sondern weil mir direkt einfällt, wer mir das alles geschickt hat. Eine Person die früher mal Punk war, dann Skinhead, dann Rockabilly und jetzt irgendso ein Gauleiter irgendwo im Osten oder Bayern ist. Keine Ahnung. Jedenfalls sind hier Unmengen an klassischen Rockabilly/Rock'N'Roll-Künstlern: Crazy Cavan, Buddy Holly, Johnny Horton, Link Wray. Wirklich großartige Klassiker. Dazu kommen noch so Garage Rock Bands/Künstler wie The Monsters oder The Sonics. Und natürlich der schwedische Rock'N'Roller Eddie Meduza - sogar mit Techno Remix. Insgesamt ein doch durchaus genießbarer Ordner, auch wenn mir die Musik irgendwann aus den Ohren bzw. Hals hing.

Der Ordner "Schwachsinn" ist tatsächlich voll mit...naja, um es mal kurz auszudrücken Comedy Bits, Ausschnitten aus Fernsehsendungen und richtig dummer Musik. Am dämlichsten ist vielleicht der Song "Opa war Kloputzer beim BGS" von einer Band namens Brutal Gartenzaun. Damit wollten sie einen gewissen Song einer gewissen rechtsradikalen Band parodieren - allerdings konnten das andere schon mal besser. Hier haben wir auch andere Parodien wie "Niemals zu den Toten Hosen gehen" von den Yeti Girls oder "Neckarstadt" (was eine Parodie ist von "Warschauer Pakt" von OHL) von den Pennerrockern von Kommando Vollsaufen. Dazu kommt noch Helge Schneider, Olaf Schubert, Floh De Cologne...oder Die Pest. Ich weiß nicht wer diese Band gegründet hat und auch nicht ob es sie noch gibt. Was ich da zu hören bekam war "Komm wir fressen eine Leiche, du das harte ich das weiche, du ein Auge ich das Ohr und dann singen wir im Chor: EVILLLLLLL". Den Song finde ich tatsächlich wieder auf YouTube. Was auch immer der Channel "Couchkartoffelsalat" heutzutage macht, ich hoffe er ist glücklich. Das Video ist schon 19 Jahre alt. Wow. Doch zurück zum Thema: Der wohl allerbeste Song in diesem Ordner ist auf jeden Fall "Moo" von Matterhorn Project.

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Achtung, achtung. Ich kündige hiermit folgendes an: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es hier zumindest in nächster Zeit zu größeren Discography-Reviewreihen kommen wird. Es kann sein, dass es irgendwann in der Zukunft solche recht kurze Discographies wie die von Fear Factory oder Machine Head reviewt werden. Auch plane ich eine neue Subrubrik namens "From First To Last" (wie die Emo-Band, genau) in welcher schlicht und einfach das erste und letzte Album einer Band/eines Künstlers reviewt wird. Es gibt außerdem Bands die mich grundsätzlich nicht mehr interessieren, sodass ihre Alben hier einfach nicht mehr vorkommen werden. Dadrunter: Blink-182, Gorillaz, Green Day. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Alles andere wird sehr wahrscheinlich hier vertreten sein. Sprich neue Alben von Bands/Künstlern die hier schon mal reviewt worden sind. Ulver, Rob Zombie, Mayhem, Opeth. Lange Rede, kurzer Sinn: Let's Go.

Rob Zombie Discography: The Great Satan (2026)

Neuestes Album von Robert Zombert oder Robert Cummings, wie der Mann früher mal hieß. Man könnte meinen, dass das neue Album nach all diesen verwirrenden ellenlangen Albumtiteln sowas wie "The Big Fat Fucking Fuckedy-Fuck of the Fuckery of the Fuckiest" heißen könnte. Aber nein. Es heißt einfach "The Great Satan". Kurz und knapp. 

Es macht den Anschein als würde sich RZ und seine Band (diesmal bestehend aus Ginger Fish (dr, ex-Marilyn Manson), Keys Mahoney (keyboards) und tatsächlich Riggs (git) und Blasko (b)) sich mehr um

die Musik als um das drumherum scheren. Zwar stehen Riggs und Blasko nicht in den Linernotes aber allem Anschein nach sind sie wieder Teil der Band. Das erste Mal seit "The Sinister Urge" bzw. "Educated Horses". Es ist also fast das gleiche Line-Up wie auf dem ersten Zombie-Album "Hellbilly Deluxe". Und das hört man definitiv raus. Man bewegt sich weg von sowas wie einen 70s-Hard-Rock-Revival (mit Grand Funk Railroad Cover oder ähnlichem) und zurück zu diesem Bastard aus Groove Metal und Industrial. "Heathen Days" zum Beispiel klingt für mich fast schon als wäre es auf "The Sinister Urge" erschienen, irgendwo zwischen "Feel So Numb" oder "Never Gonna Stop". 

Ich habe auch den Eindruck, dass RZ das erste Mal politisch wird - mehr oder weniger. So prangert er eine "Big Brother Mentalität" an im Song "F.T.W 84". Andererseits wird es in "(I'm A) Rock'N'Roller" richtig albern. So heißt es darin: "I'm an alligator/I'm a space invader/Well, I'm a rock 'n' roller/Well, I'm a rock 'n' roller/Well, I'm a rock 'n' roller/Wahhhh!". Das ist schon mal gut, dass man sich weiterhin nicht so ernst nimmt. Es ist fast schon so wie früher. Irgendwelche Songtexte die sich an B-Movies orientieren, die aber irgendwie irgendeinen sozialkritischen Anspruch haben (könnten) - die aber gleichzeitig viel zu kryptisch sind. Zum Beispiel "Black Rat Coffin". Einerseits findet RZ wieder zur alten Form zurück, andererseits liegt es nicht nur an ihm sondern an seinen Mitmusikern. Wiederum andererseits gibt es hier Songs, die ich links liegen gelassen hätte. "Sir Lord Acid Wolfman" und "Devilman" sind so uninspiriert und gefühlt in 10 Minuten geschrieben. Insgesamt ergibt das Album ein doch recht gutes Bild. Es ist bis auf 1-2 Ausfälle doch ein ziemlich kompaktes Album was nicht komplett "all over the place" ist. Sehr solide Arbeit und ein Beweis dafür, dass man es im Alter noch mal schaffen kann - vor allem wenn man die richtigen Leute um sich hat.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Punks and Demons, Heathen Days, Unclean Animals, The Black Scorpion


Mittwoch, 10. Juni 2026

Film der Woche#681: Future-Kill (1985)

Ich glaube, dass ich den Film (mal wieder) von Instagram habe. Das Poster ist von H.R. Giger designt worden und sieht einfach nur cool aus. Allerdings steht es im absoluten Kontrast zum Filmgeschehen. Worum geht es denn?

Wir befinden uns in einer alternativen Version der 1980er Jahre. Irgendwo in einer nicht näher benannten Großstadt. Auf einer Seite haben wir mehrere Jugendliche die eine Gang bilden und sich "Mutanten" nennen. Sie tragen post-apokalyptisch anmutende Kostüme und Make-Up um äh wie

"Mutanten" auszusehen. Einer von ihnen nennt sich Splatter (Edwin Neal aus "Texas Chainsaw Massacre"). Die Gruppe hat sich sich der Ablehnung von Gewalt verschrieben. Splatter allerdings, ist wirklich mutiert, und hat schon mindestens einen Menschen umgebracht. Der Rest der Gruppe fängt an, seine Persönlichkeit kritisch zu betrachten. Auf der anderen Seite: Eine Gruppe von Verbindungsstudenten, die eine Party crashen und dort einen Streich spielen. Im weiteren Verlauf der Story, beschließen sie, ähnlich wie die Mutanten in Make-UP verkleidet in die City zu gehen und dort "aus Spaß" einen Mutanten zu entführen. Das Vorhaben schlägt allerdings fehl und einer von ihnen wird von Splatter umgebracht. Was folgt ist ein fürchterliches Abenteuer in einer verdreckten, gewalttätigen Innenstadt. Schlußendlich tun sich die Verbindungsstudenten mit einigen der Mutanten zusammen um gegen Splatter vorzugehen, der selbst ganz sektenmäßig eigene Anhänger um sich geschart hat. Ein Verbindungsstudent fängt sogar an, sich in Dorothy Grim (Marilyn Burns aus "Texas Chainsaw Massacre") zu verlieben. Sie ist eine der Mutanten, die das ursprüngliche Vorhaben der Gruppe aufrechterhalten wollen. Nämlich "Raising awareness about toxic pollution".

Ich bin nicht der einzige den es so ergangen ist. Das Poster ist total cool und macht den Eindruck, es würde sich um einen düsteren, post-apokalyptischen Film handeln. Stattdessen kriegen wir eine unfassbar unlustige Fratty-Boys vs. Mutants Sci-Fi-Horror-Comedy. Die, um es noch mal zu betonen, unglaublich unlustig ist. Was hier zu sehen ist, ist sogenannter Frat Boy Humor. Sprich: Streiche spielen, horny sein und äh naja das wars. Doch es dauert nicht zu lange an. Der Film schlägt schnell um ins Düstere. Das Meiste was wir zu sehen kriegen ist die Flucht der Jungs vor Splatter und seinen Schergen. Das Make-Up ist cool. Auch der Auftritt der (Post-)Punk Band "Max and the Make-Ups" ist durchaus ein Highlight. Ach was sage ich... Es ist definitiv das Beste an dem Film. Ansonsten musste ich aufpassen entweder nicht einzuschlafen oder vor Langeweile zu kotzen. Es ist ein fürchterlicher Low-Budget-Film der innerhalb von sechs Wochen gedreht wurde und seine Aufmerksamkeit nur durch das Poster bekommen hat. Grausam. Wirklich unfassbar schlecht. Und nicht mal so schlecht, dass es witzig wäre.

1/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 9. Juni 2026

Comic Book Review#679: Godzilla vs. Thor (2025)

Endlich. Endlich ist es soweit. Tatsächlich der letzte Comic aus der Reihe von den "Godzilla vs. Marvel"-One-Shots. Und es ist endlich mal soweit: Ein Marvel-Superheld kämpft tatsächlich gegen Godzilla ohne am Ende irgendwie eine Art Frieden mit ihm zu schließen oder geschweige denn eine Allianz.


Es geht los im Hauptquartier der Untergrund-Assassinen-Organisation "The Hand". Die Archpriestess des Geheimbundes hat mehrere flüchtige Killer um sich herum versammelt. Doch nicht etwa, damit sie an ihrer Seite töten - die Frau selbst sieht Mord nämlich als etwas schönes und erstrebenswertes. Nein, die Männer werden geopfert und all das Blut wird benutzt um Godzilla wieder zu beleben. Genauer gesagt, das was von ihm nach seinem Tod übrig blieb: ein riesiges Herz. Schon bald stampft sich Big G wieder durch die Straßen von Tokyo bis ein ebenbürtiger Gegner erscheint: Thor hat die Schreie um Hilfe der Japaner gehört und taucht auf um Godzilla auf die Fresse zu hauen. Er schafft es sogar, Godzilla im Endeffekt einzufrieren. Doch Wochen später taucht "The Hand" wieder auf und schickt die Riesenechse mithilfe eines uralten Artefaktes nach...Asgard. Dort schlachtet Godzilla alle Götter ab, was am Ende Thor wieder auf den Plan ruft der grade noch irgendwo anders unterwegs ist um jemand anders die Fresse einzuschlagen. Es kommt zu einem immerwährenden Kampf zwischen Godzilla und dem Gott des Donners. Bis nach Hel.

Was für ein wunderbarer Haufen vollkommen verwirrender ineinander krachender Ereignisse. Ein Ninja-Assassinen-Geheimbund erweckt Godzilla wieder zum Leben indem es sein Herz in Blut von Mördern badet. Daraufhin kämpft Thor gegen Godzilla. Das ist so unfassbar bonkers. Schon wieder. Aber diesmal auf die Hau-Drauf-"Monster geh endlich zu Boden!"-Asgard-Sprech-Art. Scheinbar hat man sich das beste und witzigste für den Schluß aufgehoben. Was für ein herrlicher Blödsinn. Und dann auch noch so detailliert gezeichnet. Fantastisch

8/10 Pfandflaschen
Made by: Jason Aaron, Aaron Kuder
Hier ein Video dazu von DopeSpill Comics:


Montag, 8. Juni 2026

Album der Woche#683: Post Regiment - s/t (1992)

Letztens (also irgendwann 2025) bei einem Ausflug nach Bochum in einem Einkaufszentrum bei einem mobilen Vinyl-Verkauf geholt. Tatsächlich aber schon wesentlich länger digital besessen. Klassischer polnischer Hardcore Punk, der melodischen Sorte. Mit Sicherheit von einigen von euch, die früher auf Crust Konzerte gegangen sind, auf irgendwelchen Aufnähern gesehen. Falls ihr euch gefragt habt, was das ist und ständigt verpeilt habt, es zu recherchieren - hier habt ihr die Antwort. 


Erstes, selbstbetiteltes Album der Band - nach dem Weggang von Sänger Darek Gracki, der eher einen für HC/Punk typischen Gesang verwendet hat. An seiner Stelle tritt Dominika Domczyk, und alles ändert sich. "Nika", wie sie in Punk-Kreisen genannt wurde verwendet melodischen Gesang, der für Anarcho/Hardcore Punk Gruppen zu dem Zeitpunkt eher unüblich ist. Selbiges gilt für die Instrumentals. Anstelle von uffta-uffta Hardcore Punk, sprich schreddernden Riffs und stumpfen Drums hören wir durchaus seichte, aber schnelle Gitarrenklänge. Meines Erachtens revolutionär für die Zeit. Auch textlich bewegen wir uns weniger im direkten, frontalen Anarcho-Bereich. Es geht zwar auch um Religion ("Religia"), die Punk-Szene ("Wstyd" - Scham) und andere typische Anarcho Themen. Allerdings sind die Texte bewusst persönlich bzw. kryptisch gehalten. Ich musste genau zuhören um zu verstehen um was es bei "Religia" geht. Man behandelt darin die Sinnlosigkeit von organisierter Religion bzw. die Augenwischerei des modernen Glaubens. So wird das "unnötige Falten der Hände" behandelt. Es heißt unter anderem "Die Wahrheit ist Hass, Fabrik der Lügen, Fabrik der Lügen." Interessante Zusammenstellung. In "Nowy Dzien" ("Neuer Tag") geht es um tristen Alltag im Durchschnittskapitalismus. Besonders kryptisch wird es in "Wstyd" ("Scham"). Zu Beginn des Textes geht es um irgendeine Scham, Hände kalt wie der Wind...doch am Ende um drei Akkorde die in meiner Hand explodieren und das "nichts uns mehr aufhalten wird". Vor Jahren ist mir zudem "Ostatni raz" ("Das letzte Mal") ins Ohr gefallen. Darin heißt es "Das letzte Mal gebe ich dir die Hand, küsse dich im Gesicht".

Es gibt hier auch einige Songs auf Englisch, aber ich muss sagen dass mir die polnischsprachigen wesentlich besser gefallen. Sie sind viel authentischer, gefühlvoller. Post Regiment schaffen es gleichzeitig kryptisch, mysteriös und melancholisch zu klingen. Ein wirklich außerordentlich wichtiges und originelles Werk. Passt sowohl für den Arbeitsweg als auch für den Weg nach Hause. Vor allem wenn's dunkel ist und man sich ein wenig melancholisch fühlen möchte.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Nowy Dzien, Wstyd, Kurwy, Ostatni Raz, Religia



Mittwoch, 3. Juni 2026

Film der Woche#680: Antz (1998)

Es ist also schon 28 Jahre her, dass dieser Film rausgekommen ist. Damals war ich immer noch sehr begeistert von allem was irgendwie computeranimiert war und riesiger Fan von "Toy Story". Tatsächlich war ich sogar in den ersten beiden "Toy Story"-Filmen im Kino, was immer noch eine sehr schöne Erinnerung für mich ist. Allerdings hat es irgendwie zeittechnisch niemals mit "Das große Krabbeln"

(aka "A Bug's Life" von 1999) von Disney/Pixar geklappt und auch nicht mit dessen "Konkurrent" "Antz" von Dreamworks. Konkurrent in Anführungsstrichen weil die beiden Filme ein Jahr nacheinander rauskamen und nur eine Sache gemeinsam haben: Ameisen. Die Stories sind unterschiedlich, allerdings geht es in beiden Filmen irgendwie um Flucht und Zusammenhalt. Trotzdessen betrachtet mein Gehirn "Antz" irgendwie als eine Art "erwachsene" Version von "A Bug's Life". Auch wenn es faktisch betrachtet nicht so ist.

Worum geht es? Wir befinden uns in einer Ameisenkolonie, irgendwo in einem Park in New York. Z (Woody Allen) ist eine neurotische Ameise. Ein Arbeiter, der angefangen hat das Leben im Ameisenstaat zu hinterfragen. Er ist unzufrieden mit seinem Leben und erzählt dem Ameisenpsychiater zu Beginn des Films, dass er das Gefühl hat "einer unter vielen" zu sein und dass "sein Leben nichts besonderes ist". Genau das ist auch der springende Punkt, den der Psychiater bestätigt. Z ist nichts besonderes, wie alle anderen Ameisen und das ist auch völlig normal so. Es ist allerdings nicht so, dass er eine seelenlose Arbeitskraft ist. Er hat durchaus Freunde: den Soldaten Weaver (Sylvester Stallone) und die Arbeiterin Azteca (Jennifer Lopez). Irgendwas besonderes fehlt in seinem Leben. Eines Abend lernt er in einer Bar die Prinzessin Bala (Sharon Stone) die einen heimlichen Ausflug in die "Welt des Pöbels" gemacht und sich unter die "einfachen Ameisen" gemischt hat. Er verknallt sich sofort in sie. Zudem erzählt ein sichtlich unter PTSD leidender Ameisen-Soldaten von einer Welt außerhalb der Kolonie namens "Insectopia". Dort können Ameisen frei leben ohne jegliche Arbeit. Einen Tag später gehen die Soldaten auf eine Mission. Z hofft bei der zu Beginn stattfindenden Parade die Prinzessin wieder zu sehen, also tauscht er den Platz mit Weaver - letzterer wird nun zum Arbeiter. Die "Mission" stellt sich heraus als ein präventiver Kampfeinsatz gegen Termiten, den kein einziger Soldate überlebt. Außer Z. In seinen Armen stirbt auch der heldenhafter Barbatus (Danny Glover), der ihn zuvor beschützt hat. Z kehrt nun als einziger Überlebender und Kriegsheld zurück. Er wird für seinen tapferen Einsatz gefeiert. Sehr zum Missfallen des General Mandibel (Gene Hackman). Dieser hat nämlich andere, finstere Pläne für die Ameisenkolonie.

Der Titel allein wirkt auf mich schon "edgy". Ich meine, es ist ein "Z" im Namen. Das könnte irgendwas cooles und abstraktes sein. Jedenfalls: Wenn ich den Film mit "A Bug's Life" vergleichen muss, vergleiche ich ihn am Liebsten gar nicht. Meiner Meinung nach ist das hier pure Erwachsenenunterhaltung. Es geht nicht einfach darum einen "Bösewicht" zu besiegen oder um einen Kampf "Gut gegen Böse". "Antz" behandelt das Leben in einen voll funktionalen Ameisenstaat in welchen die Arbeiter ihr Leben der Arbeit gewidmet haben. Das kollektive Bewusstsein kennt nichts anderes. Im Mittelpunkt steht jemand der dieses Leben hinterfragt und etwas besseres für sich will. Dazu kommt noch der Grundgedanke "nur der Stärkere gewinnt" und eine bösartige Ideologie für deren praktische Umsetzung Ameisenleben dran glauben müssen. Meiner Meinung nach ist "Antz" ein großartiger Film der den Horror eines bürgerlichen (Ameisen)Staates zeigt der grade dabei ist, sich in einen totalitären Staat zu verwandeln. Es braucht Menschen (oder in dem Falle Ameisen), die sich dagegen wehren und der indoktrinierten Masse zeigen, dass es auch anders geht. Ich frage mich, wie zur Hölle dieser Film als Kinderzeichentrick durchgegangen ist. Hier gibt es Mord und Totschlag zu sehen, auch wenn es nur 3D-animierte Figuren sind. Holy shit.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 2. Juni 2026

Comic Book Review#678: Godzilla vs. Avengers (2025)

Es vergeht keine Woche ohne "Godzilla vs. Marvel"! Diesmal haben wir es mit einem moderneren Godzilla zu tun - genauer gesagt mit dem Design der "Millennium"-Staffel. Also, ich bin mir nicht sicher ob es der gleiche Godzilla wie in den vorherigen Ausgaben ist oder nicht - vor allem weil er aufgrund der unterschiedlichen Godzilla-Film-Staffeln anders aussieht. Aber egal.


Wir befinden uns in den USA. Genauer gesagt in Astoria, Oregon. Die New Avengers, bestehend aus Captain America, Luke Cage, Iron Man, Spider-Man, Spider-Woman und Wolverine müssen sich vor der SHIELD-Direktorin Maria Hill verantworten. Sie haben ganz schön Scheiße gebaut. Die berühmte Brücke von Astoria ist komplett zerstört. Wie kam es dazu? Nun, die Helden versuchen in einem Rückblick alles zu erklären. Es kam zu einem Kampf zwischen dem (sprechenden) Drachen Fing Fang Foom und Godzilla als plötzlich der riesige Roboter Jet Jaguar aufgetaucht ist, sodass es zu einem Dreikampf zustande kam. Also, eigentlich hat JJ versucht die beiden Riesenechsen voneinander fern zu halten. Dabei ging einiges zu Bruch (inklusive der Brücke lol) und die Anwohner mussten evakuiert werden. Bei der Besprechung ist auch ein Team von jungen Erwachsenen dabei: Bonnie Ibuki (die Nichte von Goro Ibuki, den Erfinder von Jet Jaguar), Sebastian und Ohgene. Die drei nennen sich "Kaiju Chasers United" und haben vor kurzem aus Altmetall und einer künstlichen Intelligenz den Jet Jaguar nachgebaut. Der übrigens weder wie ein Jet noch wie ein Jaguar aussieht, aber egal. Sie haben es satt gehabt, einfach nur zuzusehen während Kaijus die Städte zerstören und wollten was unternehmen. Auch interessant: Fing Fan Foom trägt lilane Hosen wie der Hulk. Maria Hill ist stinksauer. Niemand weiß genau wieso der Kampf zwischen Big G und FFF überhaupt stattgefunden hat. Also muss man am Ende den letztgenannten nach dem Grund fragen. So einfach ist das.

Diesmal eine etwas andere Art von Szenario. Klar, der Titel suggeriert dass die Avengers gegen Godzilla kämpfen. Und das tun sie auch! Tatsächlich. Wolverine wird heftigst verbrannt (zur Hälfte), Spider-Man tut sich schwer irgendwo umher zu schwingen, weil es einfach keine Gebäude gibt und alle sind irgendwie von der Situation genervt. Es ist wie ein Film, der mit Hintergrundkommentaren versehen wird. Wenn die Story in einen Rückblick wechselt, werden die Kommentare der Helden in Gedanken-Boxen dargestellt. Das ist ziemlich witzig, vor allem weil die meisten entweder clueless oder sarcastic sind. Noch witziger wird es allerdings, als man den Grund für den Kampf zwischen Godzilla und Fing Fam Foom erfährt. Den verrate ich allerdings nicht. Insgesamt: Eine Abwechslung zu den vorherigen Ausgaben. Eine mehr als willkommene Abwechslung. Nicht, dass die anderen Comics schlecht waren, aber das hier ist komplett anders. Und unfassbar witzig.

8,5/10 Pfandflaschen
Made by: David F. Walker, Georges Jeanty
Hier ein Video von DopeSpill Comics:


Montag, 1. Juni 2026

Album der Woche#682: Fear Factory – Soul of a new Machine (1992)

Fun Fact zuerst: "Soul of a New Machine" ist nicht nur das erste Album von Fear Factory sondern gleichzeitig auch der Name eines Non-Fiction-Buches von Tracy Kidder. Darin geht es um ein Team von Computer Ingenieuren, die unter großen Zeitdruck einen neuen intelligenten Computer entwickeln. Passend zu dem grundlegenden Thema von Fear Factory: Mensch vs. Maschine dies das ananas. Weiterer Fun Fact: Eigentlich ist es das zweite Album der Band, nach "Concrete" das allerdings erst elf Jahre später veröffentlicht wurde. Zu dem Zeitpunkt bestand die Band aus Burton C. Bell (voc), Dino Cazares (git), Raymond Herrera (dr) und Andrew Shives (b).


Und, wie schon oben gesagt, beschäftigt man sich hierauf mit dem Thema "Mensch erfindet Maschine", allerdings gibt es hier auch einige sozialpolitische Texte. So ist "Crisis" ein Antikriegssong und in "Leechmaster" geht es um eine toxische Beziehung. Man sampelt Anti-Kriegs-Filme wie "Apocalypse Now" oder "Full Metal Jacket". So hören wir die folgende Passage aus dem sogenannten "Rifleman's Creed": "Without me, my rifle is useless. Without my rifle, I am useless. I must fire my rifle true. I must shoot straighter than my enemy who is trying to kill me. I must shoot him before he shoots me. I will ..." gesamplet aus "Full Metal Jacket" in "Crisis". Besonders gut gefallen mir allerdings so Ausfälle wie in "Natividad" oder "Big God/Raped Souls".

Stilistisch bewegt man sich irgendwo zwischen Death Metal und Industrial, wobei gleichzeitig Sänger Burton C. Bell cleane Vocals verwendet. Diese könnten ebenso gut zu einer Alternative Metal Band passen die zu dem Zeitpunkt grade ihren Höhenflug gehabt hätte. Es ist eine wirklich sehr gute, und zu dem Zeitpunkt außergewöhnliche, Fusion von zwei Metal-Subgenres. Um es in klischeehaften Metal Magazin Redakteur-Worten zu sagen: Ein schepperndes, knallendes Monstrum, dass sich wie ein Cyborg auf Gleisketten bewegt und mit Hilfe von aus seinen Körper ausschwärmenden Kabel alle Menschen um sich herum ansteckt und ebenfalls zu Cyborgs macht. 

Anspieltipps: Martyr, Crisis, Leechmaster, Self Immolation
8/10 Pfandflaschen



Sonntag, 31. Mai 2026

So isses, Musik!#212

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

Alles klar. Ab geht's zu den nächsten drei Songs. Natürlich sind dabei drei Meinungen besser als eine. 


Raphi:

"„The Hit Pit“ war das Album, mit dem ich bei Amen 81 eingestiegen bin, und ich liebe es bis heute. „Disfreak“ ist vielleicht nicht der stärkste Track des Albums, aber der Refrain ist auf einem ulkigen Reim aufgebaut. Und das war catchy genug, um das Lied hier zu erwähnen. Gibt’s Jesus Freaks überhaupt noch?"

Philipp:

"Ich droppe in Gesprächen wahnsinnig gerne - gefragt oder ungefragt - Amen 81 als beste deutsche Punkband und das natürlich völlig zu Recht. Kryptische bis deutliche - mitunter sehr zynische - und stets großartige Texte, Musik irgendwo zwischen Crust, (Youth Crew) Hardcore und Deutschpunk, drei sympathische singende bis krächzende Herren, eine beeindruckend klare Haltung gegen Antisemitismus, Mackergehabe und jede erdenkliche Form von Scheiße und eine wahnsinnige Wundertüte an Live-Shows.
Der Song von Raphis Liste setzt sich mit einer fast in Vergessenheit geratenen Subkultur auseinander - den Jesus Freaks. Hierbei wird von Schlagzeuger Thorsten in unnachahmlich zynischer Weise kritisiert, dass Religiosität immer mit Verurteilung anderer Lebensentwürfe einher geht, kulminierend in der großartigen Zeile "Du willst sein wie Jesus Christus - Nimm dir nen Hammer und dann bist Du's/ Vergiss die langen Nägel nicht, denn Du bist kein Leichtgewicht"
." 

Ich:
Es ist ein schönes Gefühl, tatsächlich die Platte aus dem Schrank zu holen, das Booklet auszupacken und die Lyrics dazu nachzulesen. "Disfreak" der hier auf diesem Blog mehrfach reviewten Amen81 handelt von einem Phänomen, dass viele Gemüter in der Punkszene gespalten hat: Jesus Freaks. That's right. Anhänger von Jesus Christus die einen auf Alternativ/Szene machen und irgendwie cool rüberkommen - doch hinter all diesem Schein steckt eine zutiefst konservative, sexfeindliche, homofeindliche Ideologie. Genau darum geht es in dem Song. Dabei bleibt man, gewohnt Amen81-style zynisch: "Deine erste große Liebe: Jesus Christus. Du willst wie er sein? Nimm 'nen Hammer, dann bist du's!". Fantastisch.


Raphi:
"Mit Anna Absolut ist die erste österreichische Band in meinem Beitrag zur Deutschpunk-Party dabei. Das dritte Album „Ultramarin“ ist 2022 bei 30 Kilo Fieber Records erschienen und war die erste Punk Rock-Veröffentlichung, auf der ich gegenderte Sprache wahrgenommen habe. Ich meine mich zu erinnern, die Band auch mal für das TRUST Magazin interviewt zu haben, bin aber nicht mehr ganz sicher. Wie dem auch sei: die sympathische Band aus Graz macht Musik, die sehr an die melodischen Ausläufer der zweiten Deutschpunkwelle erinnert, und rechnet in ihrem Song „Adrenochrom“ mit den Erzählungen von Verschwörungstheoretiker*innen ab."

Philipp:
"Man kann mich sowieso mit Humor jagen, es gibt wenige Bands, die ich wirklich witzig finde und ich sehe es als deutliches Problem, dass ein Witz nur wenn man ihn das erste Mal hört so richtig richtig witzig ist. Und Musik ist nun mal einfach kein Einmalartikel.
Dieses Lied fand ich tatsächlich schon beim ersten Mal hören nicht witzig, furchtbar Ärzte-esker Pennäler-Humor und dann auch noch Bergdeutsche.
Sich über Nazis und Verschwörungstheorien lustig zu machen indem man suggeriert, es wäre alles wahr und man würde sich schön mit Kinderblut besaufen oder so, ist ein alter Hut und hat seinen Zenit in "Cro, Hafti und Herzl" von grim104 erreicht, seitdem kann man das getrost stecken lassen. Muss nicht sein."

Ich:
Ich finde es ja völlig gerechtfertigt, sich über Verschwörungstheoretiker lustig zu machen. Sei es im musikalischen Kontext oder sonst irgendeinem. Allerdings wirkt dieser Song auf mich krampfhaft lustig/nicht lustig. Im Sinne von "wir sind so scharfzüngig" und poppig und witzig. Okay, die ersten Sekunden des Songs sind tatsächlich super catchy - allerdings gefällt mir der Gesang so gar nicht. Vllt. liegt es daran, dass ich das Thema in meinem Leben bis zum gehtnichtmehr durchgekaut habe und ehrlich gesagt, keine Lust dran habe, es wieder durchzukauen. Insbesondere nicht wenn es darum geht einen poppigen Song darüber zu hören.


Raphi:
"„Dat is Punk, dat raffst du nie!“, ist wohl das bekannteste Lied von den Kölner Rumpelpunkern. Ich erinnere mich, die Band mal auf dem Resist To Exist Festival gesehen zu haben, aber nach etwa eineinhalb Liedern lieber zum Essensstand gegangen zu sein. Das Lied „Szenekrieg“ handelt wahrscheinlich von Konflikten und Grabenkämpfen innerhalb „der Szene“; so ganz sicher bin ich aber auch nicht."

Philipp:
"Vorab so viel: Ich bin der Szenespalter schlechthin, ich unterstütze jede Arroganz gegenüber ungehörigem Verhalten, schlechtem Geschmack, verantwortungslosem Drogenkonsum und politischen Verirrungen sowie allgemeiner Dummheit in der Punkszene, ich würde so weit gehen, dass ich wirklich keinen Bock auf Szenezugehörigkeit und irgendeiner Form diffusen Wir-Gefühls habe, dieser Song trifft quasi direkt mein Ego.
Ehrlich gesagt habe ich mich kaum dazu durchquälen können, ihn mehr als viermal zu hören, denn musikalisch ist das eine etwas dreiste Huldigung der Deutschpunk-Helden der 80er Jahre, leider auch definitiv nicht von der guten Sorte. Daher habe ich also auch nur einen groben Überblick über den Text, denn im Internet ist er nicht zu finden. Ich denke auch ehrlich gesagt nicht, dass es meine Meinung ändern würde.
Ich zitiere an dieser Stelle Mike Watt: "The Kids of today should defend themselves against the 70s"
Das selbe gilt selbstredend für die 80er und 90er. Wirklich sterbenslangweilig."

Ich:
Kann mich relativ hell daran erinnern, wie ich die Band entdeckt habe. Das Album "There's No Freedom, There's Nur Scheisse!" fand ich tatsächlich ganz cool damals. Insbesondere den Song "Atomschlag". Doch das war damals. Jetzt gerade höre ich mir diese rumpeligen Zeilen "Arroganz in unserer Szene, wollt ihr das denn nicht verstehen" und muss kringeln. Also, so richtig richtig kringeln. Der Sound Scheiße, der Gesang Scheiße. Ich weiß nicht, ob man dabei an den Albumtitel versucht anzuspielen. Keine Ahnung. Jedenfalls finde ich das hier fürchterlich schlecht.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Was läuft sonst?

Vor einiger Zeit hat mir Raphi ein Death Metal Fanzine aus Brasilien geschickt. Es hieß früher "Zine Death Metal" und heißt inzwischen "Armamento Belico". Sehr DIY gestaltet, teilweise mit verschwommenen/verpixelten Bildern. Die eine Ausgabe von 2024 ist vollgespickt mit Interviews mit lauter Bands aus aller Welt. Größtenteils im Black/Death Metal Bereich. Meistens geht es darum, wie lange es die Bands schon gibt, was sie so in ihrer Karriere schon geschafft haben usw. Es sind zu 90% Interviews und zu 10% Reviews. Leider gestaltet sich alles irgendwie gleich. Immer wieder kommt die Frage nach Christentum im Metal. Trotzdem konnte ich dadurch einige interessante Bands rauspicken, die ich mir dann angehört habe. Darum hat das Zine zumindest bei mir seinen Zweck erfüllt. Nun, kommen wir zu den Bands:

Perdition Temple aus Tampa (Florida in den USA): Brachialer, uuuuuuuuuuuuuurghhhhhhhh-esker Death Metal mit Helikopter-Riffs. Ekelhafter Gesang. Großartiges Artwork. Ich habe mir "Nemesis Obsecration" angehört. Ihr könnt euch das hier bei Bandcamp reinziehen. 

Apocalyptic Raids (Rio de Janeiro, Brasilien): Offensichtliche Hommage an Hellhammer bzw. Celtic Frost. Hommagiger geht es nicht. Ich habe mir "Necromaniac (Is Back)" von "The Pentagram" angehört. Wie gesagt, es ist sehr hommagig. Für die ersten paar Minuten geil und schön rumpelig, aber auf Dauer könnte ich das denke ich nicht aushalten. Und der erste Eindruck zählt. Bandcamp ist hier.  

Nächster Halt: "First Penetration" von Skullfuckers Incorporated. Der Name ist eine Anspielung auf "Starfuckers Inc" von Nine Inch Nails. Die Band nimmt sich absolut nicht ernst und macht eine Art Industrial Metal mit lauter Anspielungen auf Industrial Metal der 90er. So gibt es hier direkt zwei Cover auf dem Album: "Beautiful People" und "More Human Than Human", die eher okay sind. Irgendwie habe ich mir das wesentlich witziger und abgedrehter vorgestellt. Angeblich sollen sie im Jahre 2023 eine eigene TV-Show gestartet haben. Anyways, hier ist das Album auf Bandcamp.

Ich habe also aus Würzburg in Bayern ein Death Metal Zine aus Brasilien geschickt bekommen in welchem eine Band aus Recklinghausen interviewt wird. Das is um paar Ecken von mir. Sabiendas machen Death Metal der sich...um den Tod dreht. Ob real oder wie in Horrorfilmen. Inspiriert werden sie von Lucio Fulci oder Hammer Film Productions. Ich finde, das klingt schon ziemlich geil. Kein Bandcamp, dafür aber das offizielle Musikvideo zu "Dungeon Keeper". 

Omitir aus Portugal: Das Ein-Mann-Projekt beschäftigt sich mit der prä-christlichen Geschichte von Galicien. Gróvio, der Kollege der hinter der Musik steht, steckt sehr viel Herzblut rein. Das Ergebnis ist schöner, leicht depressiv klingender Black Metal. I like it. 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Rein in den .mp3-Himmel:

Heiliger Fick. Der nächste Ordner geht wirklich steil. Er heißt einfach "Punk" und ist in sechs Unterordner unterteilt wobei einer davon selbst vier Unterordner hat. Wir legen mit dem ersten los.

Deutschpunk:
Ich würde mal behaupten, dass sich hier durchaus all die Sachen finden, die sich sonst immer in Deutschpunk-Kollektionen finden. ChaosZ, Terrorgruppe, Slime, SchleimKeim usw. Ich möchte daher nur ganz kurz die Highlights hervorheben. "Samen in Darm" von den großartigen Cretins. Ich kenne eigentlich nur diesen Song, deswegen ist es eine Lüge wenn ich behaupten würde, die Band wäre großartig. Ich weiß es einfach nicht. "Kindl Träume" von Deutsche Trinker Jugend. Eine Parodie des Songs "Kebab Träume" von Mittagspause. Es geht diesmal allerdings um Bier und nicht um Ghettofizierung. "Farben" von Grundwasserabsänkung. Mit 17-18 fand ich den Text so übel provokativ, dass ich innerlich die Faust geballt hab und mich wie ein bekackter Rebell gefühlt hab. "Herrenmenschen" von HASS ist ebenfalls ein fantastischer Song den ich damals per ICQ geschickt bekommen habe und den ich immer noch wahnsinnig witzig und gut finde. Gleichzeitig hat man das Gefühl, die Band möchte unbedingt rumedgen. Weitere Highlights: "Unbekannter Affe" von Jugendrente. "Am Tag als Ian Stuart starb" von den Ruhrpottkanaken. Und natürlich "Klingenstr. 34" vom AmüsierPöbelWürzburg.

Hardcore: 

Und genau hier geht es los mit den vier Unterordnern. Der erste davon heißt nämlich "Beatdown" und beinhaltet ein paar Songs von einer Band namens "Final Prayer", die meines Erachtens gar keine Beatdown Band war. Ich fand sie damals ziemlich cool und habe mich auf ein Konzert im Würzburger Jugendhaus Cairo gefreut. Leider kam die Band sehr spät an und konnte von daher nur 8 Minuten lang spielen bevor die Ruhezeit eingeläutet werden musste. Außerdem hat mich irgendsoein dämlicher, besoffener Hardcore Typ immer wieder als Zecke beleidigt. Das war richtig hässlich. Anyway, Final Prayer haben kein Beatdown gemacht und haben sich tatsächlich vor mehr als 10 Jahren aufgelöst. Oh no, anyway. Was haben wier hier noch drin. Irgendein Scheiß von Fallbrawl (die sowieso kein Mensch braucht) und dieser beschissene homophobe Song von den Rappern SMA mit der Beatdown-Band Embraced By Hatred. Ich weiß nicht, warum ich das habe - wahrscheinlich habe ich's mir von YouTube oder MySpace gezogen. I don't know.

Nächste Haltestelle ist irgendwas komplett anderes. Der Ordner heißt "Crust, Grind, D-Beat, Noisecore, Powerviolence". Was soll denn schon drin sein? Im Grunde genommen ganz viel durcheinander. Allen voran möchte ich die Band Audio Kollaps lobend erwähnen, für ihre Helikopter-Riffs, großartige Lyrics als auch die fantastische Möglichkeit auf der damaligen Homepage selbst einen Audio-Kollaps-Song mithilfe von Bausteinen zu komponieren! Weitere Highlights: Das Cover von "Uległość" (im Original von Dezerter) von der polnischen Skandi-Crust-Band Infekcja. Erinnere mich daran, den Sänger Mokry mehrmals bei irgendwelchen Merch-Ständen angetroffen zu haben und auch was gekauft zu haben. Leider war er einmal ordentlich betrunken: "Sorry, wie viel kostet dieser Patch?" "Fünfzig....FÜNFZIG EURO HAHAHAHAHAHAHHA!". "Böhse Tumultz" von der Band Tumult (was auch immer das ist) und natürlich "Hillbilly Heaven" von Vomitorial Corpulence. Achja und natürlich ein Song der gar nicht "You're Fucked" heißt sondern anders von einer Band namens Crustina Aguilera.

Was zur Hölle soll denn bitte "Newschool Hardcore" sein? Naja, damals habe ich mir irgendwie gedacht, das müssten alle Bands sein die nach den 1980ern kamen. Also, alles was nicht irgendwie nach Bad Brains, Agnostic Front oder Youth of Today klang. Was sich hier tatsächlich im Ordner vorfindet ist sowas wie Blood for Blood, Death By Stereo oder Deez Nutz. Tatsächlich finde ich hier die erste oder eine der ersten russischsprachigen Bands in diesem ganzen "Einzelne Songs"-Ordner-Wahnsinn. "Zasrali Solnce" heißen sie und der Name bedeutet sowas wie "Sie haben die Sonne zugeschissen". Dann natürlich die Coburger Urgesteine von Rawside. Und natürlich ist die Vielfalt äußerst wichtig hier. Ich finde hier "The Way It Is" von Vegan Reich, dass auf jeden Fall holocaustrelativierend ist und einen Ordner mit Songs von Guerilla. Letztere habe ich in meinen Jugendjahren desöfteren live gesehen und bei ihrem letzten Auftritt (den ich live gesehen habe und den es auf CD zu kaufen gibt!!!) haben sie sich israelsolidarisch geäußert. Rückblickend betrachtet, war das fantastisch. 

Dann heißt es "Oldschool Hardcore": Hier bewegen wir uns tatsächlich teilweise bei der alten Schule (Black Flag, Angry Samoans), allerdings auch bei neueren Bands die "Old School Hardcore" spielen. Oder zumindest klang es für mich so damals. I don't know lol. Ich würde aus heutiger Sicht Blood Brothers und Have Heart definitiv nicht als "Oldschool" bezeichnen, zumindest nicht wenn man die Bands an den 1980er Jahren misst. Naja, egal. Ich habe diesen Ordner vllt. mit 18 oder so erstellt. Jedenfalls weiß ich jetzt dass ich mehr Septic Death hören sollte. 

Wir sind raus aus dem Hardcore, aber immer noch drin im "Punk" Ordner und bleiben aber beim Buchstaben H wie "Horrorpunk": Hier ist alles beim alten, weil der Ordner von äh 2009 oder so ist. Misfits, Balzac, The Other, Blitzkid. Und auch solche Perlen wie Cancerslug, The Crimson Ghosts oder Nim Vind. Also quasi all das Zeug was damals bei Fiendforce Records rausgekommen ist. Country Bob & The Bloodfarmers bieten eine obskure Mischung aus Horrorpunk und Country, die nicht nach Psychobilly klingt. AFI sind hier auch drin, obwohl sie natürlich keinen Horrorpunk machen und es auch nie wirklich waren. "Friss dein Brett" von den Blutjungs gefällt mir leider absolut nicht und ich frage mich wer mir das geschickt hat. 

Im "Oi! & Streetpunk"-Ordner befinden sich lauter Sachen, die ich teilweise gelöscht habe weil äh...würde ich heutzutage nicht mehr hören. Neben lauter Klassikern wie Angelic Upstarts, Cock Sparrer, Blitz, Cockney Rejects, Sham69 oder Perkele findet sich aber auch so Müll wie KrawallBrüder (habe sie Januar 2007 live gesehen, wieso?) oder Combat84 (eine rechtskonservative Oi!-Band aus England die allen ernstes Margaret Thatcher gefeiert hat). Daneben aber auch Zeug aus Russland/Belarus: Nichego Horoshego und Mister X. "Kiosk" von den polnischen Ramzes & The Hooligans. "Roicherlachs mit Kroiterbutter" von Oi-Zone, das ich sonst nirgendwo mehr im Internet wiederfinde. The Analogs aus Polen. Los Fastidios aus Italien (bestimmt drei mal live gesehen). Und äh "Alkoholsteuer" von F.B.I. (das steht für Frei Bier Ideologen) das eigentlich gar nichts mit Oi! oder Streetpunk zu tun hat. Ich muss sagen, dass ich hier mit am stärksten gekringelt habe weil dies der Soundtrack für eine Phase meines Lebens in welcher ich mit Leuten gehangen habe, mit denen ich nichts mehr zu tun hab. 

Der letzte Unterordner in "Punk" heißt..."Ska-Punk.Folkpunk" weil ich wieso auch immer kein Komma eingesetzt habe. Hier finde ich wieder mal Bands aus Polen und Russland. Ähnlich wie bei Oi! gibt es auch hier Bands die das Genre im Bandnamen tragen. Also bei Oi! ist es Soifass, SpringtOifel, FettsOi usw. Und bei Ska ist es halt SKArpeta (Socke) aus Polen, oder SKA!rb (Schatz) aus Belarus oder MoskovSKAya aus Deutschland. Dazu kommen noch Rantanplan aus Hamburg oder eine Band namens Zabili Mi Żółwia (Sie haben meine Schildkröte umgebracht) aus Polen. Die unsäglichen SKA-P mit "Welcome To Hell". Ich habe hier einen Song von Rancid, einen von Fishbone und einen von diesen Hippies von Blackbird Raum. Und wieso auch immer ist hier "WW3 is coming" von Mouth Sewn Shut bloß weil dieser ganz und gar nicht ska-ige Song einen leichten Offbeat besitzt. Komischer Ordner. Komische musikalische Phase meines Lebens.

Nun, so ganz raus aus dem Punk sind wir nun doch nicht. In "Radio69" finde ich mehrere Sendungen von äh "Radio69". Damals war es ein digitaler Radiosender oder viel eher eine Radiosendung, die immer mal wieder eine knappe Stunde Musik aus den Bereichen Oi!, Streetpunk, Punkrock, Hardcore und Psychobilly gesendet hat. Moderiert wurde sie von zwei Typen, deren Namen mir grade leider nicht einfallen. Im Grunde genommen sowas wie das was heutzutage ein Podcast ist, nur ohne viel Gelaber. Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich mit 80% des Materials schon was anfangen konnte. Das Repertoir war wirklich äußerst vielfältig. Aber es gab auch einige Gurken wie irgendeinen Song von einer stumpfsinnigen Oi!-Band in welchem es heißt: "Oi! heißt Leidenschaft die das wahre Leiden schafft. Und wenn dir mal Haare wachsen, dann hat dich der Tod dahingerafft." Nach kurzer Recherche weiß ich nun wie die Band hieß: "Brutal Deluxe" nämlich und das macht's noch schlimmer.

Ich frage mich an der Stelle, wie lang dieser verdammte Beitrag noch sein wird. Schließlich habe ich, ausgerechnet in diesem Beitrag während der Blogpause in April wöchentlich was dazu geschrieben. Naja, jetzt ist es ziemlich voll. Aber egal, wir sind nun bei "Reggae" angekommen. Dabei muss man ganz klar klassifizieren. Es handelt sich nicht um einen Ordner der voll ist mit Skinheadreggae, Rocksteady und so Zeug. Wir haben es hier mit Reggae zu tun, dass in jeder ordentlichen Kifferbude in den 2000ern gehört wurde. Wir haben hier "Bad Boys" von....Inner Circle. Und nicht Bob Marley, weil der Song 8 Jahre nach seinem Tod entstand. Trotzdem steht hier Bob Marley. Dazu noch so komische Songtitel wie "Fresse halten selber machen", "Ich rauch mein Ganja" und "Gras ist legal digga". Wer auch immer diese rausgebracht hat, ich will's gar nicht wissen, ehrlich gesagt. Dazu noch "Widerstand" von Curse ft. Gentleman als auch "Autobahn" von Ohrbooten. Wieso habe ich das hier? Und wieso sind hier trotzdem Desmond Dekker und Toots & The Maytals. Heilige Scheiße, nein.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Opeth Discography:
The Last Will and Testament (2024)

Nun sind wir am Ende angekommen. Bisher letztes Album von Opeth und mal wieder ein Konzeptalbum. 

Diesmal geht es nicht um irgendwelche satanischen Verse oder um irgendeine tragische Liebesgeschichte. Es geht um ein Testament. Die Story spielt sich ab nach dem ersten Weltkrieg. Ein reicher Patriarch ist gestorben und nun wird sein Testament vor seiner Familie vorgelesen. Mit dabei sind drei seiner Kinder. Das Mädchen ist das Ergebnis seines Verhältnisses mit der Dienstmagd und die

beiden Zwillinge (Jungs) sind durch eine Samenspende entstanden. So wird enthüllt, dass sie nicht wirklich das Anrecht auf das Erbe haben. Und gewisse andere Familiengeheimnisse werden auch gelüftet. Bis auf den letzten Song tragen alle Titel einen § im Namen. 

Die Songtexte erscheinen mir zwar durchaus schön und melodisch vorgetragen - sind aber gleichzeitig absolut trocken. Kein Wunder, schließlich wird hier im Grunde genommen ein Testament vorgelesen und die Reaktion darauf vorgetragen. Außerdem ist es das erste Album seit "Watershed" bei welchen Mikael Åkerfeldt wieder Growling neben cleanen Gesang benutzt. So sind wir wieder bei einer kleinen Exklusivität angelangt. Wir hatten schon progressiven Death Metal mit Growling, progressiven Death Metal mit Cleanen Gesang, Progressive Rock und nun Progressive Rock mit Growling und Death Metal Riffs. Huch. Also irgendwie bewegt man sich ein kleines Bisschen zurück zu seinen Death Metal Wurzeln, was ich gut finde. Man holt noch Ian Anderson von Jethro Tull für Bisschen Flöten-Action und ein gesprochenes Intro. Und schon hat man ein tatsächlich außergewöhnliches Werk, was trotzdem irgendwie typisch Opeth ist. Mal wieder schafft man es progressive, verwinkelte und kompliziert wirkende Klänge mit Death Metal zu verbinden und dabei eine Geschichte zu erzählen. Nach etwas Stagnation (siehe vorletztes Album) habe ich den Eindruck bekommen, dass Opeth sich aufgerafft haben. Dieses Album gehört wirklich zu ihren besten in der "Progressive"-Ära. Finde ehrlich gesagt auch dass die Mischung aus Growling und cleanen Vocals am besten funktioniert.


8,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: §2, §4, §5



Freitag, 29. Mai 2026

Happenings des Monats: Mai'26

Stricher guckt sich das Rock Hard Festival an...im Livestream am 22. und 23.05.2026

Tatsächlich war es mir dieses Jahr etwas zu kurzfristig um auf das Rock Hard zu gehen. Allerdings wollten meine Genossin und Genosse V/M selbst dahin. Also habe ich auf ihre Vierbeiner aufgepasst und den Stream selbst im TV angeguckt. Am ersten Abend haben wir uns tatsächlich noch gemeinsam den Stream angeschaut. Die erste Band, die ich gesehen habe war Armored Saint. Das erste Mal mit ihnen in Berührung kam ich irgendwann in den frühen 2000ern als ich nachts auf MTV Russia die Sendung "Hard Zone" geguckt habe. Dort wurden verschiedene Videoclips von Metal und Alternative Rock Bands gesendet, die mit Infos versehen waren. So habe ich rausgefunden, dass Sänger John Bush

zu dem Zeitpunkt bei Anthrax gesungen hat. Entweder war das oder die Tatsache dass Anthrax bei "Beavis and Butt-Head" zu sehen waren, der Startpunkt für meine gewisse Vorliebe für Anthrax. Jedenfalls war "We've Come For You All" von Anthrax (mit John Bush am Gesang) das erste und einzige Anthrax-Album auf CD, dass ich mir geholt habe. Vor einigen Jahren habe ich Anthrax dann auf dem Rock Hard Festival gesehen und war etwas traurig, dass sie von diesem Album kein einziges Stück gespielt haben (zumindest meiner Erinnerung zufolge). Anthrax spielten zu dem Zeitpunkt bereits seit etlichen Jahren wieder mit Bushs Vorgänger Joey Belladonna am Gesang, der übrigens auch nicht der Originalsänger ist. Jedenfalls: Jetzt habe ich Anthrax ohne Bush und Armored Saint mit Bush gesehen - wenn auch im anderen Format. Der Auftritt war cool. Die Band wirkte wie eine Zusammenstellung aus verschiedenen Stereotypen der Hard Rock Geschichte. Der eine sah aus wie Slash von Guns'N'Roses, der andere wie Nikki Sixx von Mötley Crüe (von uns liebevoll "Nikki Six Seven" genannt). Währenddessen reflektierte John Bushs Glatze die verschiedenen Lichter sodass es aussah als würde er auf dem Kopf bluten.

Am nächsten Tag erwischte ich den letzten Livestream im Rockpalast von WDR. Eigentlich hätte ich liebend gerne (noch mal) Paradise Lost gesehen. Allerdings endete der Livestream mit dem Auftritt von Dark Tranquility. Ich habe schon hier und da einiges über die Band gehört/gelesen und dachte mir "Ja, das kann was werden". Und es wurde was: Richtig sympathische Band, die ihr Publikum begrüßt und mit ihnen interagiert. Keine arroganten Rockstarallüren. Entspannter schwedischer Melodic Death Metal mit Keyboards. Insgesamt hat es mir zwar gut gefallen und der Sound war im Livestream scheinbar besser als live vor Ort. Allerdings müsste ich mich länger mit der Band beschäftigen um zu checken ob sie tatsächlich was für mich sind.

Hier zwei Videos von MFD:




Mittwoch, 27. Mai 2026

Film der Woche#679: The Munsters (2022)

Okay. Irgendjemand muss es ja machen. Ursprünglich habe ich mir vorgenommen, wieder mal eine Art Marathon zu machen. Thema wären die "Munsters". Ich hätte mir eine Folge der Original-Serie vorgenommen, jeweils eine der Nachfolgeserien als auch die paar Fernsehfilme die es so gibt. Und anschließend dieses Werk von Rob Zombie von 2022. Aber dann dachte ich mir, dass ich eigentlich keinen Bock drauf habe und schließlich beschloss ich einfach "straight to the point" zu gehen. Here it is. Das Remake der ursprünglich schwarz/weißen Fernsehserie aus den 1960er Jahren. 


"The Munsters" von 2022 fungiert quasi als Prequel zu der Serie und erzählt die Backstory der einzelnen Charaktere. Die da wären: Herman Munster (Jeff Daniel Philipps), Lily Munster (Sheri Moon Zombie) und Lilis Vater - der Graf (Daniel Roebuck). Doch eins nach dem anderen. Bevor sie eine Familie mit Kindern wurden war alles ganz anders:

1960er Jahre (?), irgendwo in Transylvanien. Der verrückte Wissenschaftler Dr. Henry Augustus Wolfgang (Richard Brake ) ist von der Idee besessen einen künstlichen Menschen zu bauen, natürlich aus Leichenteilen. Also durchsucht er zusammen mit seinem Assistenten Floop (Jorge Garcia) verschiedene Friedhöfe. Es fehlt noch ein Gehirn. Kürzlich ist ein Astrophysiker namens Shelly von Rathbone gestorben. Also beauftragt Henry Floop damit, sein Gehirn aus der Leichenhalle zu stibitzen. Dummerweise ist zum gleichen Zeitpunkt dessen Bruder, der unlustige Stand-Up-Comedian Shacky von Rathbone ebenfalls gestorben. Natürlich verwechselt Floop die beiden Leichen. Und so entsteht eine relativ unbedarfte, ziemlich dämlich daherkommende Kreatur - angelehnt an Boris Karloffs Rolle als Frankensteins Monster. Man gibt ihn den Namen Herman. So wird Dr. Henry bei der "Premiere" des Monsters im Fernsehen blamiert, weil dieser versucht das Publikum mit schlechten Jokes zu unterhalten. Ganz woanders: Lily Gruesella (Sheri Moon Zombie), die Tochter des Vampirgrafen (Daniel Roebuck) und irgendwann mal Erbin dessen Schlosses verliebt sich in Herman als sie ihn im Fernsehen sieht. Dieser versucht sich nun als Rockmusiker und als er Lily tatsächlich mal backstage sieht, verknallt er sich ebenfalls. Gleichzeitig versucht die Ex-Frau des Grafen, Zoya Krupp (Catherine Schell) ihm um sein Anwesen zu betrügen. So erpresst sie seinen Sohn, den Werwolf Lester (Tomas Boykin) dazu seinen Vater zu überzeugen, das riesige Schloss zu verkaufen. Das klappt allerdings vorerst nicht - doch der Plan geht schließlich auf weil Lilly den dümmlichen Herman heiratet, der ohne viel nachzudenken einen ihm von Lester gezeigten Vertrag unterschreibt. Das frisch gebackene Ehepaar und der Schwiegervater sind nun gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen. 

Das positive zuerst. Die Kostüme, das Bühnenbild, das Make-Up. Alles absolut große Klasse und definitiv in der Lage, die Originalserie nachzubilden. Der Soundtrack ist eine Mischung aus Garage/Surf Rock und Rockabilly/Psychobilly. Der eine Song den Herman in der Bar performt, der auf stupiden Jokes basiert, ist großartig. Auch das Cover von Sonny Bono und Chers "I Got You Babe" von Sheri Moon Zombie und Jeff Daniel Philipps ist wirklich Top Notch. Und natürlich die Tatsache, dass die Schauspieler mehrere verschiedene Rollen spielen. Das find ich wirklich großartig. So ist Sheri Moon Zombie nicht nur Lily sondern auch auch eine Nachrichtensprecherin im Fernsehen, Daniel Roebuck ist der Graf als auch der Fernsehmoderator Ezra Mosher und zu guter letzt spielt Jeff Daniel Philipps sowohl Herman als auch den Stand-Up-Comedian dessen Gehirn aus Versehen geklaut wurde. "The Munsters" schafft es das Feeling der 1960er Sitcom rüberzubringen. Es ist alles genauso simpel gestrickt bzw. stupide. Und darin liegt gleichzeitig auch das Problem des Films. Er bietet im Prinzip schon was neues, also eine Vorgeschichte - und es ist stellenweise wirklich witzig. Aber gleichzeitig auch so unfassbar kringelig, dass ich das Gefühl hatte mein Gehirn würde bald versagen. Es ist im Grunde genommen eine Fan-Made Production, erschaffen von einem sehr großen Fan der Sitcom: Rob Zombie, der das schon immer machen wollte und nun die Chance dazu hatte. Es hätte vielleicht als Serie funktioniert, für die absoluten Die-Hard-Fans. So wirkt der Film irgendwie unfertig und hat auch ein äh unfertiges Ende. Irgendwie habe ich mir das anders vorgestellt. Jedenfalls habe ich jetzt definitiv noch weniger Bock mir irgendwas von der Original-Serie bzw. den Nachfolgern anzugucken. Da bevorzuge ich doch lieber die Addams Family. 

5,75/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 26. Mai 2026

Comic Book Review#677: Godzilla vs. X-Men (2025)

Um die Worte von DJ Khaled zu zitieren: "Another one."

Diesmal befinden wir uns, den Anschein nach, in den 1990ern. Zumindest sind die hiesigen Versionen der X-Men so gekleidet als würden sie der 1992er Zeichentrickserie entstammen. Der erste Schauplatz der Story ist die Küste von Japan. Godzilla greift den Hafen des technologischen Unternehmens "Tsugunai Robotics" an. Die ganze Situation wird vom Mutanten Shiro beobachtet. Der CEO der Firma

nimmt daraufhin, angeleiert durch Shiro, Kontakt zu Professor Charles Xavier von den X-Men auf. Die Mutantengruppe, angeführt von Cyclops, soll sich nun Godzilla vornehmen. Um den "King of the Monsters" angemessen bekämpfen zu können, stiehlt Remy LaBeau aka Gambit den "Super-Adaptoid". Dabei handelt es sich um ein kostüm-ähnliches Konstrukt, das in der Lage ist verschiedene Kräfte zu adaptieren. In Verbindung mit Pym-Partikeln kann es auch auf übermenschliche Größe wachsen. So setzen die X-Men es nach ihrer Ankunft in Japan an. Sie kombinieren darin ihre Superkräfte um gegen Godzilla vorzugehen. Fast schon wie bei einem Kampf a lá "Godzilla vs. Jet Jaguar". Doch Godzilla möchte nicht gegen sie kämpfen. Charles Xavier kann ja Gedanken lesen, doch die Gedanken Godzillas sind voll von Emotionen und nicht Worten. Irgendwas hat "Tsugunai Robotics" was Godzilla erheblich stört. Irgendwas unglaublich gefährliches.

Ohne hier großartig zu spoilern: Es gibt hier ein Comeback von Biollante, Battra und Rodan. Auf einem Haufen. Wie und warum genau, lasse ich an der Stelle mal offen. Es läuft alles nach einer alten Formel. Die Superhelden tauchen auf, um gegen Godzilla zu kämpfen. Doch es stellt sich heraus, dass er eigentlich nicht ihr Feind und die Sache etwas komplizierter ist. Ich muss sagen, an einem Punkt fand ich die Story überraschend gut. Ich hätte mir allerdings denken können, dass Xavier versuchen wird, Godzillas Gedanken zu lesen. Anyways: Die Story ist alles andere als schlecht, jedoch durchaus vorhersehbar. Es ist klar, dass die X-Men nicht wirklich gegen Godzilla kämpfen werden sondern gegen einen gemeinsamen Feind. Ich fänds ehrlich gesagt nicht schlecht, wenn es von vornherein so gewesen wäre - dann hätte man nicht diesen dummen "Achja, wusst ich's doch"-Moment. Und es wäre ein Ticken frischer gewesen. Es hat mir trotzdem Spaß gemacht.

7/10 Pfandflaschen
Made by: Fabian Nicieza, Emilio Laiso
Hier ein Video von NotifrikiTV:


Montag, 25. Mai 2026

Album der Woche#681: Isengard - Høstmørke (1995)

Wieder mal ein Album von einer Band/einem Projekt, dass ich schon länger reviewen wollte. Und hier ist es: "Høstmørke" von Isengard, den Ein-Mann-Projekt von Fenriz (auch bekannt als der ehemalige Schreihals und immer noch Schlagzeuger von Darkthrone). Erstes Album des Projekts nach den drei Demos "Spectres over Gorgoroth", "Horizons" und "Vanderen" die gemeinsam als Compilation "Vinterskugge" 1994 erschienen sind. 

Während Fenrizs Hauptband damals eher bekannt war für "Äääääähhrrrrrrrkkkk Äääääääääääääääährk" und Garagenqualität ihrer Songs (vor allem auf "A Blaze In A Northern Sky") ist Isengard (selbstverständlich nach der Festung in "Der Herr der Ringe" benannt) bekannt für die Garagenqualität der Songs allerdings mit einem "LALALALALALALALLALALLALALA HEY!". Was für ein Satz. Oh und es kommt auch ein "Tüdüdüdüdüdüdüdüüüüüü" dazu - auf dem Song "I Ei Gran Borti Nordre Asen". Der Großteil des Albums ist auf Norwegisch gehalten und bewegt sich irgendwo in Richtung Folk Metal. Es ist im Grunde genommen Musik um an einem nicht allzu heißen Tag irgendwo im Wald zu wandern und die Natur zu genießen. Bis auf die letzten beiden Songs "Thornspawn Chalice" und "Total Death", die schon eher wie Darkthrone klingen. Und zwar richtig richtig dreckiger Darkthrone. Ich verstehe kein Norwegisch aber ich weiß inzwischen dass "I Kamp Med Hvitekrist" "Im Kampf mit Christus" bedeutet. "Høstmørke" heißt sowas wie "herbstliche Dunkelheit". Es sind auch zwei Gastsänger zu hören. Nämlich Aldrahn und Vicotnik von Dødheimsgard.


Ich muss zugeben, es hat sich beim ersten Hören wirklich sehr ungewöhnlich angefühlt. Kann auch irgendwo Fenriz' Meinung nachvollziehen, dass er nicht verstehen kann wieso so viele Leute dieses Projekt gemocht haben. Es ist schon sehr anders als Darkthrone und könnte definitiv vorm Kopf stoßen. Allerdings war es genau das, was ich gebraucht habe. Ich wusste nicht so recht, was mich erwartet. Was ich dann bekommen habe, waren nordisch-romantisch anmutenden Klänge, klassischer Black Metal als auch cleaner Gesang. Gesang, den ich eher von einer dieser typischen Viking Metal Bands erwartet hätte, die plötzlich einen auf akustisch machen. Das bedeutet nicht, dass ich ihn nicht gemocht habe. Es war nur sehr viel anders. Doch nach mehrmaligen Hören hat mich dieses Album wirklich abgeholt. Grandioser Soundtrack für die Zeit von 5:15-5:35 bzw. den Weg zur Arbeit. Oder für irgendein Rollenspiel. 

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Thornspawn Chalice, Neslepaks, I Kamp Med Hvitekrist, Total Death