Mittwoch, 8. Juli 2026

Film der Woche#686: Near Dark (1987)

Habe irgendwann mal ein Poster zu dem Film gefunden und fand es so cool, dass ich mir gedacht habe, dass der Film bestimmt auch ganz geil sein muss. Ich lag nicht wirklich falsch.

"Near Dark" von 1987 erzählt die Geschichte eines Typen namens Caleb Colton (Adrian Pasdar). Der junge Cowboy lebt zusammen mit seinem Vater Loy (Tim Thomerson) und der jüngeren Schwester Sarah (Marcie Leeds). Eines Nachts ist er in der Nachbarstadt unterwegs und spricht eine sehr blass wirkende Frau an, die er attraktiv findet. Mae (Jenny Wright), wie die Frau heißt, und er verstehen sich ziemlich gut und verbringen wortwörtlich die Nacht miteinander. Die Zeit vergeht sehr schnell und aus irgendeinem Grund muss sie allerdings schnell nach Hause. Er vermutet, dass sie Angst hat, nach Hause zu kommen, weil es zuhause wohl Stress geben würde. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Mae ist Teil einer umherziehenden Gruppe von Vampiren, angeführt vom mehr als hundert Jahre alten Jesse Hooker (Lance Henriksen), der schon im Bürgerkrieg auf der Seite der Südstaaten gekämpft hat. Mae beißt Caleb, sodass er selbst zum Vampir wird. Zumindest entwickelt er einen Blutdurst, sieht sich aber nicht
in der Lage Menschen zu töten. Die Gruppe bewegt sich in Kneipen, auf Bundesstraßen und übernachtet sogar einmal in einem Bungalow. Tatsächlich ist aber die Polizei auf ihrer Spur, weil sie eine Kneipe überfallen und für mehrere Tote gesorgt haben. Für Caleb wird die Sache immer unangenehmer. Er hat Blutdurst und kann keine Sonne mehr vertragen. Vielleicht wird aus ihm kein guter Vampir? Dazu kommt noch, dass sein besorgter Vater nach ihm sucht. Wie erklärt er ihm die ganze Situation? Vielleicht war es doch keine so gute Idee mit einem Haufen Vampire um die Häuser zu ziehen?

"Near Dark" ist eine Mischung aus Vampir/Horrorfilm, Western und Roadmovie. Wir haben einen typischen showdown, nur dass man hier nur sporadisch einen Revolver benutzt und Pferde haben Angst vor einen. Also benutzt man einen LKW. Die Gruppe um Jesse Hooker besteht aus verschiedenartigen Vampiren. Einer von ihnen ist sogar noch ein Kind (dass selbstverständlich eigentlich auch sehr alt ist). Der unangenehmste und vom Aussehen her der coolste ist allerdings Severen (Bill Paxton). Sein Look ist einfach verdammt cool: Mittelkurze Haare, Lederjacke mit lauter Badges dran, Sonnenbrille, verschmiertes Gesicht. Erinnert mich irgendwie an den Vertigo-Comic "American Vampire". Also alles hier, der ganze Film, der ganze Stil, die Kulisse. Ein durchaus kurzweiliger, aber meines Erachtens ziemlich cooler Film, der natürlich keinen Blumentopf gewonnen hat.

8/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 7. Juli 2026

Comic Book Review#684: Rogue Trooper: Welcome to Nu-Earth (2013)

Alle Achtung: Ich habe die Abenteuer vom Rogue Trooper schon mal auf diesem Blog reviewt und zwar hier. Das ist schon mehr als zehn Jahre her. Diesmal habe ich, dank Kollegen M., die Gelegenheit gehabt die Original-Schwarz-Weiß-Comics als Reprints in einem Sammelband zu lesen. Es war ein großes Vergnügen. Es handelt sich hierbei um Comic-Strips die ursprünglich in den Jahren 1981-1983 rausgebracht wurden - in den Ausgaben 228 bis 317 (mit Unterbrechungen) des britischen Sci-Fi-Comic-Magazins "2000AD".


Wir befinden uns in einer weit entfernten Zukunft auf einem anderen Planeten. Die Menschheit hat nicht nur in den Weltraum expandiert sondern auch das größte Übel, was sie je erschaffen hat, mitgebracht. Kriege, Hass, Vernichtung. Der Planet, der im Volksmund "Nu-Earth" heißt ist das Paradebeispiel dafür. Er befindet sich in der Nähe eines schwarzen Lochs, welches als Portal benutzt werden kann um in alle möglichen Ecken des Universums zu gelangen. Ein sehr nützliches Tool also, um welches gekämpft wird. Auf Nu-Earth tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg zwischen dem faschistisch anmutenden Norden (genannt "Norts") und dem demokratischen Süden (genannt "Southers"). Die Kräfte im Süden entwickelten vor einiger Zeit die "Genetic Infantrymen" (abgekürzt G.I.s). Genetisch hochentwickelte, nahezu untersterbliche künstliche Lebewesen, deren Aufgabe es war für den Süden zu kämpfen. Die G.I.s können in jeglicher giftigen Atmosphäre kämpfen und sind quasi unzerstörbar. Passiert es doch, dass einer von ihnen stirbt, wird sein Bewusstsein auf ein Chip transplantiert, bis ein neuer Körper erschaffen wird. Da der Planet wegen des Kriegs durch chemische Gase verseucht ist, ist das Leben dort nur in bestimmten hermetisch abgeriegelten Siedlungen möglich. Der letzte G.I., Codename Rogue ist unterwegs mit drei Biochips von seinen verstorbenen Kameraden. Diese sind in seinen Helm ("Helm"), sein Gewehr ("Gunnar") und seinen technisch hochentwickelten Rücksack ("Bagman") implantiert. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach einem Verräter, der einst die südliche Armee hintergangen hat. Es kam zu einem Überraschungsangriff der nördlichen Armee, bei welcher bis auf ihn alle G.I.s vernichtet wurden. Keiner konnte den Standpunkt der Southers wissen, daher muss es einen Verräter gegeben haben. Auf ihrer Reise durch den Planeten begegnen der letzte G.I. und seine implantierten Kameraden allerlei illustre Gestalten und müssen immer wieder gegen die "Norts" kämpfen. Sie treffen auf verschiedene Arten von Menschen: Siedlungen von friedlichen Menschen, die jegliche Kämpfe aufgegeben haben, Karavanen von Geflüchteten als auch Scavenger die sich durch den Krieg bereichern.

Ein sehr interessantes Format, vor allem wenn man die Möglichkeit hat alles in einem Band zu lesen. Die ursprünglichen Comic-Strips sind vielleicht mal 3-4 Seiten lang. Man musste damals immer eine Woche auf die Fortsetzung warten. Hier hat man alles auf einem Schlag. Das ist vor allem von Vorteil wenn man nicht immer die Konzentration dafür hat, sich eine längere Story zu geben. So ist ein Kapitel nach 3-4 Seiten vorbei und man kann eine Pause machen. Es ist ein optimales Format für diejenigen unter uns, die kaum Zeit zum Lesen finden und das Hobby auf Bahnfahrten oder Wartezeiten beim Arzt reduzieren müssen. Mir gefallen außerdem die historischen Anspielungen: Amerikanischer Bürgerkrieg, Vietnamkrieg, der damals sehr aktuelle Kalte Krieg und die atomare Bedrohung. Mir gefallen die drei unterschiedlichen jedoch relativ ähnlichen Stile von Dave Gibbons, Cam Kennedy und Colin Wilson. Alles wirkt halbwegs realistisch, trist und wirklich sehr gritty. Dabei ist die Hintergrundgestaltung allerdings manchmal nicht sehr detailliert sodass man den Eindruck bekommt, man würde in einem Theaterstück sitzen. Ein wirklich sehr lesens- und sehenswertes Spektakel, das Ganze.

8,5/10 Pfandflaschen
Made by: Gerry Finley-Day, Dave Gibbons, Cam Kennedy
Hier ein Preview zu einem Audiobook:


Montag, 6. Juli 2026

Album der Woche#688: Bomfunk MC's - In Stereo (1999)

Ich erinnere mich noch sehr gut. Ein Kindheitsfreund von mir, nennen wir ihn D., war damals absolut begeistert von dem "In Stereo"-Tape dass er hatte. Außerdem war er ein großer Freund von Breakdancing. Mittlerweile hat er in einer Metalband gespielt und hoffentlich spielt er noch in seiner Punkband. Ich grüße dich, wo auch immer du grade sein magst.

"In Stereo" ist das Debütalbum von Bomfunk MC's (diesen Apostroph habe ich nie verstanden), eines Hip-Hop-Duos aus Turku, Finnland. Sicherlich sind einige Songs von hier nicht unbekannt. Allen voran "Freestyler", "B-Boys & Fly Girls" oder "Sky's the Limit". Über den letztgenannten haben wir uns in der Grundschule ordentlich lustig gemacht. Der Typ der den Refrain singt ist Kärtsy Hattake von der

finnischen Rockband Waltari. Er klingt als hätte man ihn irgendwie dazu gezwungen. Aber genug davon. "In Stereo" ist ein gekonnter Mix aus Breakbeat, Techno, Drum and Bass und Hip-Hop. Reimtechnisch orientiert sich B.O.W. (Brother of Words aka Raymond Ebanks) an 1980er Hip-Hop, dessen Hörer auf Pappe (nicht das was ihr denkt) gebreakdanced haben. Die Reime sind simpel und durchaus generisch. Es geht die ganze zeit um "rock rocking the spot", "the mic I will rock" oder "rock the microphone" als auch andere Formen der Selbstdarstellung. Tatsächlich geht es aber auch um die Musik. So wird diese in den lyrics als "funky flow" der einen die Kontrolle verlieren lässt dargestellt. Ich glaube, dass Bomfunk MC's die einzige Gruppe sind die in einem Song sowohl sich selbst als auch den Albumtitel erwähnen. So heißt es in "In Stereo": "It really makes me lose controlBomfunk MC's in stereo".

Das Album ist ein durchaus wilder Mix aus schamloser Selbstdarstellung, sich ständig wiederholenden Lyrics und großartigen Musikgenres. DJ Gizmo macht wirklich höllisch gute Arbeit und macht B.O.W.s teils echt cringige Lyrics durchaus genießbar. Es ist ein Produkt seiner Zeit als man sich für so gut wie gar nichts geschämt hat. Man muss es so betrachten: Kaum jemand hat die Lyrics von "Freestyler" wirklich verstanden und es war auch gut so. Und selbst wenn man sie sich heutzutage durchliest und versteht, dass es tatsächlich ums "Freestylen" geht und darum dass man ein krasser Lyricist ist müsste man doch eigentlich innehalten und denken "ach...ist doch egal, rakamakafon". Es ist nicht alles gold hierauf. Einige Songs sind wirklich fürchterlich kringelig. Aber die Beats machen es wieder wett. Und selbst wenn es kringelig ist, ich hatte wirklich sehr viel Spaß beim Hören. Vor allem weil es für mich insgesamt doch ein Novum ist. Bis auf die oben erwähnten Tracks kannte ich hiervon nämlich gar nichts.

Anspieltipps: Freestyler, B-Boy's & Fly Girls, Rocking Just To Make You Move
7/10 Pfandflaschen


Sonntag, 5. Juli 2026

Film der Woche#685: Meshes of the Afternoon (1943)

Wichtige Info zuerst:
Es gab nach der Blogpause im April einen kleinen organisatorischen Fehler. Aus Versehen habe ich die Pause eine Woche länger durchgezogen. Somit ist das "Album der Woche", "Comic Book Review" und "Film der Woche" die in der ersten Maiwoche erscheinen sollten, erst eine Woche später erschienen. Logischerweise hat sich dann alles verschoben. Damit ich nicht Anfang Oktober (den Halloween-Monat SHOCKTOBER wohlgemerkt) nicht immer noch "normalen" September-Content veröffentliche, habe ich beschlossen diesen Fehler JETZT auszubügeln. Und zwar erscheinen in der Woche vom 29.06.-05.07.2026 ganze zwei "Alben der Woche", zwei "Comic Book Reviews" und zwei "Filme der Woche". Das hier ist der zweite "Film der Woche". Here we go:

Ich weiß nicht genau, wie ich auf diesen Film kam. Kann gut sein, dass ich eine Aufnahme von einer mysteriösen Gestalt mit einem Spiegel als Gesicht irgendwo in irgendeinem Social-Media-Posting gesehen habe und das mein Interesse geweckt hat. Bei der Sichtung fiel mir ein, dass jemand aus meinem Verwandtenkreis etwas Ähnliches in seinem Leben schon mal gesehen hat - und sich nicht sicher war ob es ein Traum, eine Halluzination oder Realität gewesen ist. Kann gut sein, dass die besagte Person einfach nur diesen Film gesehen hat. I don't know.


Ein Werk des Regisseurs Alexander Hackenschmied und der Regisseurin Maya Deren, rausgekommen im Jahre 1943. Zählt bis heute als eines der inspirierendsten Werke des Experimental/Avantgarde-Films unter anderem für solche Größen des Filmgenres wie David Lynch. Ich sehe hier ganz eindeutig Elemente des Lynchismus. Die beiden spielen hier auch die Hauptrollen, die keine zugeordneten Namen haben außer "Mann" und "Frau". Tatsächlich waren Deren und Hackenschmied auch verheiratet und die Tatsache, dass Deren alleine die Hauptverantwortung für das Werk zugeschrieben wurde hat die Ehe stark belastet. Der Film ist komplett stumm, es existiert allerdings auch eine Version aus dem Jahre 1959 die mit Musik des Komponisten Teiji Ito unterlegt ist. Genau diese habe ich gesehen und war tatsächlich leicht fasziniert. Mir gefällt die wackelige Kameraführung sehr als auch die dauernde Wiederholung von Sequenzen, die einem das Gefühl nahe legt, dass es sich hier tatsächlich um einen verfilmten Traum handelt bzw. dass man selbst im Traum von jemand anders zu Gast ist. Mir gefallen auch die verschiedenen Methoden die hier angewendet werden: Split Screening, Slow Motion. Der Traum gibt einen den Eindruck als ob die darin dargestellte Träumerin nicht weiß wo sie ist, wo sie hingehört und auf der Suche nach etwas oder jemanden ist der ihr aus ihrer Situation raus helfen kann. Allerdings gelangt sie immer wieder auf eine unsichtbare Grenze, die sie immer wieder in eine "Wiederholung" schickt. So trifft sie sich selbst wieder und das nicht nur ein oder zwei mal. Es ist eine Art visuelle Darstellung von einem beklemmenden Gefühl, einer Depression. Der wiederholte Versuch, einen Ausweg zu finden, der immer wieder scheitert und man dabei jedes mal aufs neue sich selbst begegnen muss. 

Ich habe die Handlung hier schon quasi beschrieben, also mache ich das nicht noch mal. Deswegen: Entschuldigt, falls es kein 08/15 Review mit Einleitung/Handlung/Fazit ist. Ich dachte mir mal, ich schreibe fix das auf, was ich über den Film so denke. 

9/10 Pfandflaschen
Trailer:




Samstag, 4. Juli 2026

Comic Book Review#683: Judge Dredd: Luna-1 (2015)

Wichtige Info zuerst:
Es gab nach der Blogpause im April einen kleinen organisatorischen Fehler. Aus Versehen habe ich die Pause eine Woche länger durchgezogen. Somit ist das "Album der Woche", "Comic Book Review" und "Film der Woche" die in der ersten Maiwoche erscheinen sollten, erst eine Woche später erschienen. Logischerweise hat sich dann alles verschoben. Damit ich nicht Anfang Oktober (den Halloween-Monat SHOCKTOBER wohlgemerkt) nicht immer noch "normalen" September-Content veröffentliche, habe ich beschlossen diesen Fehler JETZT auszubügeln. Und zwar erscheinen in der Woche vom 29.06.-05.07.2026 ganze zwei "Alben der Woche", zwei "Comic Book Reviews" und zwei "Filme der Woche". Das hier ist das zweite "Comic Book Review". Here we go:

Eine weitere Leihgabe vom Kollegen M. Danke dafür. Diesmal wurden die Stories ursprünglich in den Ausgaben 42-58 des britischen Comic-Magazins "2000AD" veröffentlicht. Tatsächlich ist mir mittendrin aufgefallen, dass ich sie schon mal gelesen habe. Ich darf nämlich die erste Ausgabe von "Judge Dredd: The Complete Case Files" mein Eigen nennen. Darin sind die Comics aus den "2000AD"-Ausgaben 2 bis 60 enthalten. Allerdings finde ich, dass man das hier durchaus besprechen darf weil ich es zuvor nur grob angerissen habe.

In der Ausgabe 42 kriegt Judge Joe Dredd mitgeteilt, dass er für ein halbes Jahr woanders gebraucht wird. So verfrachtet man ihm auf die menschliche Kolonie auf dem Mond. Dort darf er ein halbes Jahr lang den Marshall spielen und für Zucht, Ordnung und Gesetz sorgen. Sein treuer Diener, der Roboter Walter (der mit dem Sprachfehler, er kann kein "R" aussprechen) schleicht sich in eines seiner Koffer

und kommt auf diese Weise auch mit, obwohl Dredd es ihm untersagt hat. Was den Cop aus Megacity One hier nun erwartet, ist nicht viel anders als auf der Erde. Eine korrupte Organisation, die gefühlt die Hälfte aller unternehmen hier verschluckt. Man treibt einen Mitarbeiter dermaßen in den Wahnsinn, dass er Amok läuft. Doch JD erschießt ihn nicht, sondern nur so leicht ins Bein weißte, damit er verhaftet werden kann. Grund: Der Sohn des Amokläufers sieht zu und macht sich sorgen. Viel wichtiger als das, als auch irgendwelche Banküberfalle die von Leuten begangen werden, deren Gesichter mithilfe einer Maschine verändert werden können ist die Story der Mond-Olympiade. Mehrere Länder nehmen teil, darunter auch die Sowjetunion bzw. die "Soviet Cities", wie man sie in der Zukunft nennen wird. Es gibt einen Anschlag auf einen sowjetischen Sportler, sodass die Sowjetunion einen Krieg erklärt. Zum Glück werden Kriege in der Zukunft nur noch in Kleinstgruppen von 4 Männern geführt und von der Öffentlichkeit als eine Art Sport betrachtet. Genau das schmeckt Judge Dredd aber nicht. Menschen sind wegen nichts und wieder nichts drauf gegangen und man sieht das als Amusement. Kein Wunder, dass er dem "Sportkommentator" das Mikrofon in die Fresse stopft.

Es ist ein interessantes Kapitel. Eins dass eine Gesellschaft beleuchtet, die noch mal ein kleines Bisschen bekloppter ist als die auf der Erde in den Mega Cities. Weil mehr Korruption und weniger Schwerkraft. Es ist keine einheitliche Story sondern mehrere voneinander unabhängige Kapitel, die allesamt zu der Zeit spielen als Judge Dredd Marshall der Mondkolonie wurde. Durchaus witzig, over the top und höllisch gut gezeichnet. Vor allem von Brian Bolland und Ian Gibson. Die Sachen von Mick McMahon gefallen mir etwas weniger. Geschrieben wurde alles von Schöpfer John Wagner. Mir hat es schon enormen Spaß gemacht, allerdings bevorzuge ich die Stories die wie ein riesiger Fortsetzungsroman sind.

7/10 Pfandflaschen
Hier ein Review von wyrmberg malcolm zu den Complete Case Files#1:


Freitag, 3. Juli 2026

Album der Woche#687: Дельфин - Не в фокусе (1997)

Wichtige Info zuerst:
Es gab nach der Blogpause im April einen kleinen organisatorischen Fehler. Aus Versehen habe ich die Pause eine Woche länger durchgezogen. Somit ist das "Album der Woche", "Comic Book Review" und "Film der Woche" die in der ersten Maiwoche erscheinen sollten, erst eine Woche später erschienen. Logischerweise hat sich dann alles verschoben. Damit ich nicht Anfang Oktober (den Halloween-Monat SHOCKTOBER wohlgemerkt) nicht immer noch "normalen" September-Content veröffentliche, habe ich beschlossen diesen Fehler JETZT auszubügeln. Und zwar erscheinen in der Woche vom 29.06.-05.07.2026 ganze zwei "Alben der Woche", zwei "Comic Book Reviews" und zwei "Filme der Woche". Das hier ist das zweite "Album der Woche". Here we go:

Um es in lateinischen Buchstaben auszudrücken: Das Album heißt "Ne w fokuse" also "Nicht im Fokus". Es ist das erste Solo-Album des russischen Künstlers Andrey Lysykov aka Delfin. Oder Dolphin, um es auf Englisch auszudrücken. Lysykov war ursprünglich Breakdancer (und Matrjoschka-Verkäufer) auf dem berühmten Arbat in Moskau und gleichzeitig auch Mitglied und Hauptsongwriter der Alternative Rock Band "Dubovyi Gaaj" (auf Deutsch "Eichenlaub), die schon Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger Rap-Elemente in ihre Songs eingebracht hat. Doch das Projekt wurde unterbrochen, weil...Lysykov Mitglied in einer Boyband wurde. Diese hieß "Maltschischnik" ("Junggesellenabschied"). Er selbst war auch da Hauptsongwriter und hat radikal die musikalische Ausrichtung verändert. So wurde aus einer Boyband eine provokative Rapcrew mit anstößigen, sexuell anrüchigen Lyrics. Der Song "Sex Non-Stop" war eine gewollte, stumpfe Provokation. Die Öffentlichkeit war schockiert und die Aufmerksamkeit war da. Ursprünglich sollte "Ne w fokuse" ein weiteres Album der Gruppe werden. Allerdings sind die beiden anderen Mitglieder, Mutabor und Den, eher selten im Studio aufgetaucht und überhaupt war man am Ende der Meinung, dass die Band sowieso hin ist. So hat Delfin das meiste aufgenommen und der Rest wurde verworfen. Auf diese Art entstand sein erstes Solo-Album.

Es handelt sich um ein Hip-Hop-Album mit Elementen von Trip-Hop. Der Titel ist eine Anspielung auf die Tatsache, dass Menschen die Drogen konsumieren sich nicht "im Fokus" befinden. Ihre Aufmerksamkeit gilt anderen Dingen, sie sind geistig nicht wirklich da. Der Opener des Albums, "Diler" ("Dealer") zeigt alles aus der Perspektive eines Drogendealers. Es heißt, zusammengefasst: "Oh ja, ich bin ein fieser Typ, doch ich kann mir das erlauben (...) du wirst mir all dein Geld geben und mich

angucken, als wäre ich so ein Arschloch (...)". Oder im Grunde: Ich bin schlecht für dich, doch du wirst immer wieder kommen und du kannst nicht anders. "Wojna" ("Krieg") handelt von einem inneren Krieg gegen sich selbst. "Delfin" ist eine Art Metapher auf Lysykovs Leben und erzählt eigentlich die Story vom Leben des letzten Delfins in einem Ozean. "Ja lyublyu ljudej" ("Ich liebe Menschen") ist ein Disstrack gegen all diese Leute die "einen in einer merkwürdiger Weise Danke sagen" bzw. "viel zu viel von sich selbst halten". Der Song ist voll mit Beleidigungen und als dieser das erste Mal live performt wurde, war ein Fernsehsender dermaßen schockiert, dass er viel zu spät die Übertragung abgebrochen hat. 

"Ne w fokuse" bietet typischen Hardcore Rap der in den 1990ern in Russland populär war. Allerdings ohne jegliche Poserscheiße oder "Gangster"-Getue. Viel eher beschäftigt sich Lysykov mit persönlichen Geschichten die er mal mehr mal weniger direkt verwurstet. Die Beats sind mal trip-hop-chillig mal "rock"-artig bzw. gitarrenlastig. Entweder rappt er ebenfalls auf eine entspannte, fast schon apathische Art oder allerdings auf eine passiv-aggressive. Man merkt ganz eindeutig, dass das Album beinahe in Eigenregie entstanden ist und er einfach das gemacht hat, worauf er Lust hatte. Bis heute ist Delfin zwar ein anerkannter Künstler, allerdings kein Teil irgendeiner russischen "Künstler-Elite". Das heißt, dass er bis jetzt keine direkten, eindeutigen Worte über den Angriff Russlands auf die Ukraine gefunden hat. Zwischen den Zeilen, in früheren Interviews, merkt man aber eindeutig dass er gegen eine Militarisierung der russischen Gesellschaft ist. Ein wirklich herausragendes Lo-Fi-Album, dass trotzdem höllisch gut produziert klingt. 

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Ja lyublyu lyudej, Diler, Vera, Wojna


Donnerstag, 2. Juli 2026

Mittwoch, 1. Juli 2026

Film der Woche#684: L’Année dernière à Marienbad (1961)

In Deutschland bekannt als "Letztes Jahr im Marienbad", wobei der Film nicht in Marienbad (damals Tschechoslowakei) gedreht wurde sondern in Deutschland. Der Film ist ein Versuch des Regisseur Alain Resnais einen Film nach dem Schema Nouveau Roman zu drehen. Also, der Film ist keine Verfilmung eines Buches sondern ein eigenständiges Werk mit eigenständigen Drehbuch. Allerdings ist dieses Drehbuch wie ein Nouveau Roman geschrieben.

Die Handlung spielt sich in einem Grand Hotel ab. Wo genau, in welchem Land, das wird nicht wirklich klar gestellt. Zunächst mal kriegen wir mit wie ein Mann genaustens beschreibt, wie er schon oft durch die barocken Räume des Hotels gegangen ist. Das Ganze mündet in einem Theaterstück dass von

Hotelgästen angesehen wird. Darin versucht ein Mann eine Frau zu überzeugen, mit ihm mitzugehen und ein neues Leben anzufangen. Tatsächlich fokussiert sich die Handlung daraufhin auf ein ähnliches Szenario. Ein Mann (Giorgio Albertazzi) versucht eine Frau (Delphine Seyrig) zu überzeugen, dass sie sich letztes Jahr in diesem Hotel getroffen haben. Außerdem soll er sie überredet haben, ihren Partner zu verlassen und mit ihm ein neues Leben anzufangen. Sie hat ihm das versprochen. Doch sie kann sich absolut nicht daran erinnern oder hat es komplett verdrängt. Vielleicht war es auch ein harmloser Flirt und sie bereut ihr Verhalten - möchte das aber nicht zugeben. Immer wieder fordert der Typ den Partner der Frau zu einem Nim-Spiel heraus.

Es ist nicht klar, was von der Handlung tatsächlich Vergangenheit oder Gegenwart ist, was in einer Fantasie und was in der Realität stattfindet. Insgesamt wirkt der Film auf mich wie eine Umsetzung eines Versuchs von Gaslighting bzw. eines aufdränglichen Typen eine Frau "zu verführen". Alles in allem eine sehr kryptische Angelegenheit, gefüllt mit seltsamen Dialogen, die die Schauspieler erscheinen lassen als wären sie in einem Traum. Generell bewegen sich diese ganzen Figuren auch so. Es fiel mir im Grunde genommen schwer, mich in diesem Film einzufinden. Ein durchaus merkwürdiges Erlebnis. Ich mochte allerdings die Kulissen und die Aufnahmen der einzelnen Orte. Das war wirklich sehr gut. Da ich nicht komplett durchgestiegen bin und den Film aber nicht schlecht fand, entziehe ich mich dieses eine Mal der Bewertung.

Keine Bewertung 

Trailer:


Dienstag, 30. Juni 2026

Comic Book Review#682: Gehenna: Naked Aggression#1 (2025)

Rausgekommen bei Image Comics. Kreiert von Maurizio Rosenzweig und Patrick Kindlon.

"Gehenna: Naked Aggression" erzählt die Geschichte von einer trainierten und sich mit Waffen auskennenden Frau, die eigentlich drauf und dran war einen Mann zu töten. Einen Mann, der irgendwo ganz oben im Mafia-Turm sitzt und ganz viel zu sagen hat. Doch es kommt zu unvorhergesehenen Ereignissen. Sie gerät in einen Hinterhalt und der Sohn der Mannes, ein Schüler namens Stephen gerät zwischen die Fronten. Anstelle ihr Ziel zu erledigen, kidnappt sie also das Kind - und versucht es

gleichzeitig vor den Kugeln der Mafiosi zu schützen. Es kommt zu einer wilden Jagd über den Dächern einer Großstadt. Der Junge wird unfreiwillig zum Helfer bei seinem eigenem Kidnapping. Jeder wird verletzt. Jeder wird erschossen. Es wird über Dächer gesprungen und ein Auto angehalten, die Passagiere als Geisel genommen und zur Weiterfahrt gezwungen. Doch warum? Nun, die Frau hat eine Geschichte. Eine Rechnung offen. Eine sehr große.

Wir erfahren nicht wie sie heißt. "Gehenna" ist ein Begriff aus jüdischer und christlicher Mythologie. Ein Ort zur Bestrafung derjenigen die kein ehrenwertes Leben geführt haben. Die Hölle quasi. Und es ist die Hölle durch die sie durchgegangen ist. Ich erzähle nichts genaueres. Aber wer die Hintergrundstory von Frank Castle aka Punisher, der weiß was ich mein. Hier ist allerdings eine Frau gegen alle, die gleichzeitig unschuldiges Leben schützt und was gegen organisierte Kriminalität hat. Sie kann sehr gut mit Waffen umgehen und gut auf die Fresse hauen. Ein großartiges, schnelles Exploitation/Pulp-Inferno. Wir kriegen das meiste aus erster Perspektive erzählt. Alles geschieht in wirklich enorm schnellen Tempo, wie in einem Action-Film - allerdings keinen von großen Hollywood-Kaliber. Fast schon wie bei diesen "Girls with Guns"-Filmen aus Hong Kong. Fantastische Zeichnungen die Aussehen wie aus der Zeit als Frank Miller (noch) nicht verrückt war.

I like.

8/10 Pfandflaschen
Hier ein Video von The Kovacs Report:


Montag, 29. Juni 2026

Album der Woche#686: Santana - Supernatural (1999)

Erinnere mich relativ gut daran, wie "Smooth" im Fernsehen lief und meine Oma das gut fand bzw. mein Vater ihr erklärt hat, wie man den Titel ausspricht. 

"Supernatural" ist das 18. Studioalbum von Santana, benannt nach Bandgründer Carlos Santana, einer Legende unter den Gitarristen, bekannt für das Schaffen des Latin Rock. Mehr als bekannt, natürlich. Ich war leider niemals ein großer Fan - auch wenn mir die Musik schon mal dann und wann gezeigt wurde. Weiß noch genau, dass mein Opa sich einst über ein Geschenk meiner Mutter - eine Tchibo-CD namens "Best of Santana" oder so - sehr gefreut hat. "Black Magic Woman" war sein Jam, wie man das heute sagen würde.


Egal. Jedenfall ist "Supernatural" ein völlig neues Konzept - für damalige Zeit. Es ist kein Sampler, schon ein ganzes Album. Allerdings gibt es auf jeden Song einen Gastpart bzw. wurde der jeweilige von dem Gast (mit)geschrieben, wenn ich das richtig verstanden habe. Dadurch entsteht das Gefühl, man würde sich einen Sampler anhören, weil die meisten Songs in unterschiedliche Stile einzuordnen sind. So bewegt man sich zwischen Latin Rock, Blues Rock, Alternative und Hip-Hop. Die dadrauf zu hörenden Gäste sind u.a. die Band Maná, Dave Matthews (von dieser Band die so heißt wie er), der ehemals rappende Everlast (ex-House of Pain), Rob Thomas von Matchbox Twenty, Lauryn Hill und Cee-Lo Green als auch das R&B Duo The Product G&B. Letztere sind auf dem Song "Maria, Maria" zu hören, der irgendwann später vom Produzenten DJ Khaled verwurstet wurde. Achja, Eric Clapton ist auch zu hören.

"Supernatural" ist ein fantastisches, super eingängiges und abwechslungsreiches Album. Es hat Pop Appeal und hat gleichzeitig was kerniges, natürliches an sich. Es ist die Idee eines Veteranen der mehrere "junge" Talente um sich versammelt als auch alte Bekannte und zusammen etwas fantastisches aufnimmt. Böse Zungen würden behaupten, das Album wäre inkonsistent und nicht aus einem Guss. Als wäre es, wie schon oben erwähnt, ein Sampler oder derartiges. Doch ich finde, dass es eben diese Konsistenz aufweist. Der einzige Song der wirklich sehr heraussticht ist "Do You Like The Way" (mit Cee-Lo Green und Lauryn Hill), weil er halt ein Hip-Hop Track ist. Den Rest verbinden die fantastischen Gitarrensoli von Santana, eine Ficktonne an Instrumenten (die ich hier gar nicht aufzählen werde) die typisch sind für Latin Rock bzw. südamerikanische Musik generell. Es ist wie eine gut sortierte Eisdiele mit verschiedenen Geschmäckern, die allerdings eins gemeinsam haben: Sie wurden von einer legendären italienischen Eismanufaktur hergestellt - oder wie hier der Fall ist von einer lateinamerikanischen. 

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Maria Maria, Put Your Lights On, Smooth, (Da Le) Yaleo, Corazón Espinado


Sonntag, 28. Juni 2026

So isses, Musik!#214

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:


Die Böslinge – I bin a Bösling

Raphi: "Und gleich noch ein Beitrag aus Österreich. Die Böslinge aus Wien sind eine Legende, die die dortige Szene stark geprägt hat. Der rumpelige Deutschpunk mit Wiener Dialekt sorgt für kurzweilige Freude. Sonderlichen Tiefgang sollte man hier allerdings nicht erwarten."

Philipp: "Als Raphi mit diesem Song um die Ecke kam, war ich mir zu 100% sicher, dass ich diese Bergdeutschen hassen würde, getäuscht hab ich mich, kruzifix noch amoi. Rumpeliger 80er Punk in derbstem Wiener Dialekt und sieh da - die morbide Oaschigkeit des gemeinen Wieners ist der nihilistischen Veranlagung des Bratwurst fressenden Thüringer Waldbewohners gar nicht so unähnlich und holt mich nach Falco, Kreisler und Wanda tatsächlich ein weiteres Mal ab. Ganz bös oder so."

Ich: Okay, bei dem Namen habe irgendwas aus der Sparte "Nix-Gut" erwartet. Erinnert mich von Namen her an sowas wie äh.... "Die Siffer" oder so. Stattdessen erwartet mich Old School Bergdeutschpunk. In Wiener Dialekt. Es klingt beim ersten Mal schon irgendwie ganz cool, allerdings ist es nichts was mich auf Dauer vom Hocker reißen würde. Durchaus okayer Punkrock Marke Exploited - nur auf Wienerisch halt


Bubonix – Paid Out With Hate

Raphi: "Und da sind wir mal wieder bei einem der großen Comebacks im deutschen Hardcore Punk. Deutschpunk ist das wirklich nicht, aber Bubonix aus Limburg sind eine super Band. Ich war mit Pressepass auf der Releaseshow zum Album „Through the Eyes“ im Schlachthof Wiesbaden, und es war ein fantastisch schöner Abend. Nach Vorprogramm mit Falk Fatal und Uli Sailor haben Bubonix die Hütte abgerissen. Eine der Vorab-Singles zu dem wirklich starken Album war die Mitgröhl-Hymne „Paid out with hate“, die mir immer wieder als Motivationsschub dient."

Philipp: "Mit diesen sympathischen Pestbeulen hab ich mich leider bisher viel zu wenig beschäftigt, ich bin mir sicher, sie zeitweise mit Bambix verwechselt zu haben, was weder gut noch schlecht ist, weil ich beide Bands irgendwie immer ganz gut fand es aber bei beiden nie gezündet hat.
Außerdem habe ich die Split 7" mit Amen 81 irgendwo hier rumliegen und allein die beweist, dass diese Band auf der richtigen Seite der Geschichte zu verorten ist, har har. Musikalisch megageiler, schweinischer (hodensackiger) Rock 'n' Roll-lastiger Hardcore Punk mit englischen Texten, gibt hier gar nichts zu meckern, wird in Zukunft wohl öfter laufen."

Ich: Habe den Bandnamen in all den Jahren immer wieder gelesen. Wusste, dass es eine Split mit Amen81 gibt und irgendwie habe ich sie glaube ich 1-2 Mal verpasst. Tatsächlich habe ich sie nie gehört. Und nun passiert es zum ersten Mal. Es ist kein Deutschpunk. Aber Punkrock aus Deutschland, auf Englisch. Die Gesangsstimme erinnert mich irgendwie an Aquabats, die mich allerdings stellenweise an Misfits erinnert haben. Stimmig, hymnisch, mitreißend ohne stumpfes Gekloppe. Es ist schlicht und einfach verdammt guter Punkrocksong aus einer modernen Zeit. Wurde nämlich erst vor drei Jahren veröffentlicht, nach einer langen Pause. Passt hervorragend.

The Buttocks – BGS/GSG

Ich: Vor mehr als zehn Jahren für mich entdeckt. War damals von der absoluten Stumpfheit dieses Textes fasziniert. Als auch von der Tatsache, dass der Song nur 1 Minute und 2 Sekunden dauert. Und ja, ich habe auch die Version von den Ärzten gehört. Wahrscheinlich sogar als erstes. So wie Raphi gleich sagen wird: Ich würde aus heutiger Sicht, wenn ich wesentlich politisch korrekter wäre, wahrscheinlich die Hände überm Kopf zusammenfalten. Was für ein absoluter, hohler Stumpfsinn. "Schüsse, Scherben, Kampf und Revolte, hängt die Bullen auf und röstet ihre Schwänze!". Damals war halt alles erlaubt und man hat sich um keine Auswirkungen der Texte auch nur irgendeinen Gedanken gemacht. Der Text ist gut so wie er ist, der Song ist gut so wie er ist, aber heutzutage würde ich sowas nicht live angucken wollen.

Raphi: "Ich bin gespannt, wie oft im Rahmen dieser Reihe noch "5 6 7 8 Bullenstaat" von den Ärzten erwähnt wird. Ja, auch dieses Lied habe ich zuerst in der Version der drei Berliner gehört.
The Buttocks sind trotz allem Legendenstatus immer an mir vorbei gegangen. Der Name war mir immer ein Begriff, aber möglicherweise habe ich ihn schon oft mit The Buzzcocks und den Boskops durcheinander geworfen.
The Buttocks gehören zu den Pionieren des härteren und politischen deutschen Punk Rocks und ihre Verbindungen zu Slime reichen von den frühen 80ern bis heute. Der Kultsong "BGS/GSG" ist als Produkt seiner großartig. Würde er heute veröffentlicht, würde ich wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und das liegt nicht an der Audioqualität."

Philipp: "Eine der Hamburger Kultbands mit einem ihrer Überhits. Da stimmt einfach alles, Härte, Rotz, Geschwindigkeit, dieser absurde Humor ("Hängt die Bullen auf und röstet ihre Schwänze", eines der anschaulichsten Rezepte im Deutschpunk, fehlt nur noch "in Olivenöl und schmeckt mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und Thymian ab"), der sie einerseits von der anderen Hamburger Kultkombo (mit der es zeitweise personelle Verstrickungen gab) abhob und sie andererseits im Gegensatz zu jenen vor der Zensur bewahrte. Ganz großes Kino und völlig zu Recht ein absoluter Klassiker."


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Rein in den .mp3-Himmel:

Nach "Rockabilly" (usw.) kommt nun der "richtige" Reggae-Ordner. Sprich: "SKA, Skinheadreggae, Rocksteady". Also nichts mit Kiffer-Reggae aus versifften WGs. Kein "Ich rauch mein Ganja den ganzen Tag" sondern: Judge Dread, Laurel Aitken, The Skatalites. Dazu noch "richtiger" SKA (kein Ska-Punk): The Selecter....und eigentlich nicht viel anders. King Sitt mit "Rub A Dub", Busters All Stars mit dem Cover von "Skinhead Love Affair" und Ken Boothe mit "Freedom Street". Also im Grunde nicht alles SKA, nicht alles Skinheadreggae...eine sehr kurze/kleine Mischung von einigen Klassikern...allerdings doch etwas modernen SKA wie Mad Caddies oder Ska Daddyz. Was natürlich auch nicht fehlen darf: "The Israelites" von Desmond Dekker. Ich steige nach all den Jahren nie so durch was genau Rocksteady und was genau Skinheadreggae ist. Jedenfalls ist das hier wesentlich angenehmer als durchschnittlicher Ska-Punk.

Als nächstes sind dann die äh "Soundtracks" dran. Ich habe viel erwartet, doch bekam wenig. Dachte mir, vllt. könnten hier ein paar Songs vom Soundtrack von Matrix, Tony Hawks Pro Skater oder so sein. Aber nein. Stattdessen sind hier ganze vier Songs: "I Love You" von Barney den Dinosaurier. Der Titelsong von "Scooby Doo, Where Are You?", "The Letter" von Dynamo 5 (aus dem Film "Die Sonnenallee") und ein kleiner Mix aus allen Oompa-Loompa-Songs aus "Charlie und die Schokoladenfabrik". Ich verstehe nicht, wieso ich das hier überhaupt habe und nicht längst gelöscht habe. Naja.

Letzter Ordner in "Einzelne Songs" heißt tatsächlich "Techno, Electro, Rave, Jungle etc". Er beinhaltet genau das, was drauf steht. Neben antideutschen Electro(punk) wie Egotronic, Frittenbude oder Björn Peng finde ich fürchterliches Zeug wie typ:t.u.r.b.o., Techno-Remixes von "Bullenlied"(Cotzbrocken) bzw. "Großes Glied"(Die Kassierer) (ich weiß genau, wer mir das geschickt hat, pfui) und "Scheiß Frisur"(Die Siffer). Daneben etwas Rummelsnuff, The Prodigy, Kernkraft 400, Pendulum, Peaches und Laibach. Als auch einige Jungle-Mixes die bis zu ungefähr 2-3 Stunden gehen. Genau die sind es, die es mir hier angetan haben. Und natürlich Egotronic. Kaum zu glauben aber wahr: Hiermit habe ich meinen ganzen .mp3-Scheiß durchgehört. Wirklich alles in den Alben-Ordnern und bei den "Einzelne Songs". Absoluter Wahnsinn.

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Ulver Discography: Neverland (2025)

Ich bin hier (immer noch) dabei, alle möglichen Lücken zu schließen und so bin ich wieder bei Ulver gelandet. Sie sind immer noch super fleißig und haben Ende letzten Jahres den Nachfolger zu "Liminal Animals" (2024) veröffentlich. Das Review dazu findet ihr hier.

Die Alben von Ulver bleiben weiterhin so gut, dass ich mich manchmal frage, was ich dazu schreiben soll. Nicht, dass mir nichts dazu einfallen würde - allerdings vermute ich irgendwie, dass mein Review

den Ansprüchen des Albums nicht gerecht werden könnte. So geht es mir wieder so bei "Neverland", dass übrigens nichts mit einem gewissen US-Amerikanischen Sänger zu tun hat. Viel eher mit der ursprünglichen Idee des "Neverland" aus der Peter Pan Geschichte. Vor allem, wenn man sich das Albumcover anguckt und sich diese fantastischen Soundscapes anhört, der wird wahrscheinlich ähnlicher Meinung sein. Wobei, naja eigentlich müssten zu "Neverland" irgendwelche Piratensounds dazu gehören. 

Stattdessen kriegen wir etwas Spoken-Word-Intro bzw. Interludes zu hören und absolut nichts von der scheinbar vergangenen Synthpop-Phase der Band. Ganz genau, Ulver bewegen sich wieder weg von Synthpop. Es gibt hier einiges tanzbares, jedoch weniger Anspielungen auf Depeche Mode oder Soft Cell oder so. Der vorherrschende Sound ist ruhig, ambient-ig, trip-hoppig - bleibt jedoch Musik und nicht bloß Hintergrundklang. Wegen "tanzbaren" - der erste Song der doch diese Kategorie erfüllt ist "People of the Hills". Tanzbar. Verträumt. Nahezu "organisch". Wenn ich das visuell in meinem Kopf darstellen muss, so denke ich an eine Serie wie "Lost", in welcher irgendwelche Protagonisten auf einer einsamen Insel gestrandet sind und nun alles mögliche an Gefahren auf sie lauert. Meines Erachten ist das nun mal der Soundtrack zu einer interessanten Abenteuerserie. Ist so. Sauber.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: "Hark! Hark! The Dogs Do Bark!", "People of the Hills", "Fear In A Handful of Dust"




Samstag, 27. Juni 2026

Happenings des Monats: Juni'26

SPASTIC FANTASTIC LABELFEST 2026 am 06.06.2026 im FZW, Dortmund

Okay. Wieder mal habe ich mich hierin verirrt - es ist seit Jahren schon irgendwie so was wie eine Tradition geworden. Allerdings sind Tradition auch manchmal zum Brechen da. Denn es war gar nicht so gut, wie ich es erhofft habe. Aber eins nach dem anderen.

Den Anfang machten (für uns) The Wolf I Feed, die ich vor kurzem ganze 2-3 Minuten in der Hirsch Q

angucken durfte. Diesmal habe ich mir bestimmt den ganzen halben Auftritt angeguckt und war wirklich überaus zufrieden. Metallischer, leicht crustiger Hardcore Punk der besseren Sorte. Passt super in die Schublade "einfach durchgezogen, ohne unnötige Ansagen ausser 'hey, danke dass wir hier sein dürfen'". Kurz und bündig ohne unnötige Gitarrensoli. Also quasi metallisch ohne das was für viele am Metal nervig ist. Das war auf der Bühne unten. Als wir (Heiko und ich) dann nach oben gehen sehe ich direkt diese "trashige" Bühnendeko mit dem Bandnamen "Kostenvorschlag" oder "Kostenvoranschlag". Ich kann mich leider nicht ganz erinnern. Jedenfalls denke ich mir "Okay, das wird jetzt richtig albern wahrscheinlich. Mal gucken." Und tatsächlich ist es albern mit Songtexten wie "Die besten Geschichten schreibt ein Supermarkt in dem alles umsonst ist". Diesen Text fand ich tatsächlich sehr gut. Aber insgesamt leider nicht meins weil doch zu albern. Irgendwie verpassen wir die nächste Band auf der unteren Bühne und geben uns stattdessen eine weitere auf der oberen Bühne: Blamage spielen patriarchatsablehnenden Hardcore Punk mit Songtexten die Männern vorwerfen auch "Teil des Problems" zu sein. Das ist auch sehr gut so und finde es auch weiterhin gut, dass es solche Bands gibt. Aus dem Außenbereich klingt alles auch tatsächlich annehmbar und halt "punkig", wie es sein sollte. Trotzdem nichts was ich irgendwie großartig zuhause hören würde. Danach ging es wieder auf die untere Bühne zu Jigsore Puzzle. Diesmal fühlte ich mich wieder heimisch, weil sie mich an sehr viele Powerviolence oder Grindcore-Bands erinnern. Vier Typen, zwei Sänger, ein Gitarrist und ein Drummer. Kein Bass. Der eine Sänger schafft es irgendwie entweder betrunken zu sein oder leicht neben der Spur zu wirken. Das ist schon okay, denn die Ansagen sind witzig, die Musik ist kurz, sehr kurz sogar und insgesamt macht es einfach nur Spaß. Riesigen Spaß. Wieder auf der oberen Bühne: Apéro mit leicht surfigen aber trotzdem schnellen Punkrock mit irgendwelchen Synthesizer-Sounds (?). Keine Ahnung, denn ich stehe wieder im Außenbereich weil ich es höchst anstrengend finde, zwischen all den Leuten zu stehen oder mich wieder durchzuquetschen. Es entsteht ein höchst fragwürdiges Video vom Auftritt, weil ich alles aus dem Außenbereich aus einer miesen Perspektive filme. Irgendwie coole Sache, das. Irgendwie aber auch schon öfter gehört. Danach geht es wieder nach unten zu Däächt: Der Sänger sieht aus wie eine punkige Version von Thurston Moore (Sonic Youth). Zumindest frisurentechnisch. Der Sound ist cool, oldschoolig und passiv-aggressiv. Meiner Meinung nach eine der besseren Bands an diesem Abend, die ich mir zuhause auch tatsächlich anhöre. Die letzte Band für mich, weil ich vor den Kaput Krauts nach Hause gehe (habe KK tatsächlich nie wirklich viel gehört und für mich ist es kein Verlust an dem Abend) sind The Tangled Lines. Eigentlich ist es so, dass ich von ihnen nur zwei Songs kenne. Der eine heißt "With Make-Up And Push-Up Bra" (oder so) und war auf irgendeinem Spastic Fantastic Sampler im Jahre 2012 oder früher vertreten. Der andere heißt "Fear is the path to the dark side" und ist ein Zitat von Meister Yoda aus Star Wars. Ich habe TTL vor über zehn Jahren auf dem Fluff Festival gesehen und war damals absolut begeistert. Diesmal ist es auch so. Der Auftritt katapultiert mich in simplere Zeiten als ich wesentlich mehr gefallen an Punk Musik hatte und mich immens gefreut habe wenn ein Song performt wurde, den ich kannte. Es sind nach wie vor relevante Ansagen über Sexismus in der Gesamtgesellschaft und in der Punkszene, die hier sehr wichtig sind.

Nun, summa summarum oder so. Ich habe mich teilweise sehr fehl am Platz gefühlt. Nicht wegen der Tatsache, dass ich kaum jemanden gekannt habe. Sondern viel eher weil mir der Großteil der Musik nicht zugesagt hat bzw. ich das meiste irgendwie als "naja okay" betrachtet habe. Dazu kommt noch der übermäßige Alkoholkonsum der Besucher und die Tatsache, dass die Leute - je länger der Abend - immer besoffener werden und ich darauf echt kein Nerv habe. Ich fühle mich dem ganzen einfach entwachsen.

Stricher guckt sich "Master of the Universe" an am 07.06.2026 in Filmwelt Herne

Ein "Happenings des Monats" mit Konzerten schön und gut, aber eins mit einer Filmpremiere ist noch besser. An dieser Stelle ein dickes SPOILER ALERT, falls ihr den Film noch nicht gesehen habt.








Okay, das ist genug Abstand. Genau so.





Okay. "Masters of the Universe" ist keine Fortsetzung von irgendeiner Serie oder irgendeines Filmes sondern ein, wie hätte man es ahnen können, Reboot der ganzen Reihe für ein neues und ein altes Publikum. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass ich euch den ganzen ursprünglichen Plot nicht erklären muss. So gebt euch einfach dieses uralte Review von mir, dann versteht ihr schon eine ganze Menge. Diesmal ist es allerdings ein wenig anders. So kriegen wir mit wie auf dem Planeten Eternia der junge Prinz Adam (Artie Wilkinson-Hunt), der Sohn von König Randor (James Purefoy) lebt und für einen späteren Dienst an der Waffe ausgebildet wird. Allerdings ist er noch ein Kind und dazu noch etwas unbedarft. Eines Tages wird die Stadt Eternus von den Truppen des bösen Skeletor (Jared Leto lol) angegriffen - unter anderem ist ein gewisser Trapjaw dabei der den königlichen Waffenmeister Duncan (Idirs Elba) verletzt. Die Königliche Familie ist besiegt und wird gefangen genommen. Allerdings kann die Zauberin (Morena Baccarin) Adam auf die Erde schicken, mitsamt Schwert der Macht. Leider verliert er ihn bei seiner holprigen Ankunft in einem Fluss. So arbeitet Adam (Nicholas Galitzine) 15 Jahre später in einer Personalabteilung eines Großraumbüros. Er sucht verzweifelt nach dem Schwert und keiner kann ihm glauben, dass er von einem anderen Planeten stammt. Die Obsession nach dem Schwert führt sogar zu einem kritischen Gespräch mit der HR-Verantwortlichen. Eines Tages kriegt er eine Nachricht: Jemand hat sein Schwert in einem Comic-Laden gefunden, also kommt er und holt es sich. Prompt wird er von einem Söldner Skeletors, Beast aufgefunden - als auch von seiner Kindheitsspielkameradin Teela (Camila Mendes), die ihm zur Hilfe eilt. Gemeinsam reisen sie zurück nach Eternia, wo er feststellen muss, dass sich alles verändert hat. Skeletor hat Eternus okkupiert und will nun mithilfe seiner Söldner als auch der Hexe Evilyn (Alison Brie) das Schwert der Macht an sich reißen und so nun äh noch mächtiger werden. König Randor und Königin Marlena (Charlotte Riley) sind seine Gefangenen und der Rest wurde in den Untergrund gezwungen. Nun ist es an der Zeit, Eternus wieder zurück zu erobern. 

Ich finde ehrlich gesagt kaum negative Sachen über den Film. Mag sein, dass der Anfang etwas zu kitschig ist, aber irgendwie muss es einen Anfang geben und eine Art "World Building". Und man muss die Charaktere vorstellen. So ist es meiner Meinung nach eine sehr gute Idee gewesen, Adam im jungen Alter auf die Erde zu schicken. Zwar verstehe ich nicht, wieso die eternischen Krieger das Schwert so lange nicht finden konnten - schließlich sendet es ein Signal aus - aber sei's drum. Die CGI und praktischen Effekte sind großartig und wirken nicht zu sehr überzogen. Der Film ist unfassbar albern und nimmt sich kaum ernst. Allerdings gibt es hier einige Elemente die ich wirklich super durchdacht fand. So kommt man zum Gedanken zurück, dass die ganzen Namen der Action Figuren (Ram Man, Fisto (lol), Mekaneck) so albern klingen dass sie sich wahrscheinlich ein sechsjähriger ausgedacht hat. In Wahrheit war es zwar anders, doch es klingt nun mal so. Und genau darauf geht man zurück. Das sind nicht ihre echten Namen. Sie wurden allesamt von Adam ausgedacht, weil er ihre echten Namen nicht kannte. Und überhaupt: Adam ist ein Kind dass seine Eltern verloren hat und in Einsamkeit
aufgewachsen ist. Auch mit dem Gefühl überhaupt nicht dazuzugehören. Es kann also durchaus sein, dass seine Eltern einfach bei einem tragischen Unfall gestorben sind und er sich diese ganze Story mit Eternia nur ausgedacht hat um über sein Trauma hinwegzukommen. Diesen Gedanken hatte ich zwischendurch mal gehabt. Und es wäre ein sehr gewagter Move, das exakt so durchzuziehen. Doch natürlich ist alles anders. Allerdings gibt "MOTU" einen das Gefühl wieder im Kinderzimmer zu sein und eigene Geschichten zu erfinden. Weil die Realität so knüppelhart ist und man im Alter von 6 oder weniger überhaupt nicht damit zu recht kommt. Ich fühle mich abgeholt und verstanden. Danke an Kollegen M fürs Begleiten.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:



SOLSTAFIR am 19.06.2026 in Die Trompete, Bochum

Es ist schon mehr als ein Jahr her, dass ich "Svartir Sandar" von Solstafir reviewt habe (glaube ich zumindest). Und so wuchs bei mir auch ein wenig der Wunsch, die Band mal live zu sehen. Allerdings kannte ich bis jetzt nur das eine Album und war gar nicht bewandert was die anderen Werke betrifft. Jedenfalls ploppte vor kurzem in meinem Feed die Nachricht auf, dass sie in Bochum auftreten. Ohne Vorband. Und die Tickets gingen gut weg. Also ab in den Ticketshop und hin. 

Was mich dann erwartete waren eine Stunde und knapp 23 Minuten Show von vier bärtigen Isländern mit Gitarren und Schlagzeugen (und Cowboyhut). Die Trompete war ordentlich voll bei ca. 34 grad

Celsius draußen. Drinnen war es zwar belüftet aber trotzdem konnte man der Hitze nicht entfliehen. Kurzum: Es war so voll, dass wenn ich ein Video vom Auftritt machen wollte, ich einige Handy-Aufnahmen mitgefilmt habe, von anderen Leuten die ebenfalls filmen wollten.

Was mich musikalisch erwartet hat, war eine Mischung aus dem Material vom ersten Album der Band: Sprich isländischer Black Metal mit durchaus punkigen Shouting. Melodischer, post-punkig angehauchter Metal mit traurig klingenden Gesang. "Fjara" durfte natürlich auch nicht fehlen. Und das von Leuten, die zwischen den Songs unfassbar fröhlich sind und das Publikum anheizen mit so Scherzen wie "Thank you, goodbye?" (als ob sie gleich gehen würden). Ist das die Dualität des Seins? I don't know. Gegend Ende, also beim letzten Song, merkte ich dass plötzlich Leute um mich herum anfangen zu filmen und zu fotografieren. Es stellte sich heraus, dass Sänger Aðalbjörn Tryggvason mal eben ins Publikum gegangen ist und angefangen hat, Leute in den Arm zu nehmen und Scherze zu machen, nur um dann später zurück zur Bühne zu gehen um den Song zu Ende zu singen. Es ging so lange, aber war trotzdem schnell vorbei. Was für ein schöner Auftritt, ehrlich jetzt.

LIMP BIZKIT + ECCA VANDAL + DEATH BY ROMY am 23.06.2026 im Sparkassenpark, Mönchengladbach

Ich schwöre, ich werde von diesem Abend noch jahrelang erzählen. Ernsthaft jetzt. Doch erstmal eins nach dem anderen:

Vor einigen Wochen bestellte ich mir die dazugehörige Karte und nahm mir extra frei auf der Arbeit. Der 23.06.2026 war ein Dienstag, also ging es nicht anders. Endlich wurde ein Kindheitstraum von mir erfüllt. Ich höre Limp Bizkit, mit Unterbrechungen seit ich 9 Jahre alt bin. Trotz der Tatsache dass ich irgendwann der Band für eine Weil den Rücken gekehrt habe, weil mich andere Musik mehr interessiert hat und ich Nu Metal etwas entwachsen bin. Irgendwann kehrten sie wieder und irgendwie hatten sie mich. Mit ihrem letzten Album "Still Sucks" von 2021 hatten sie mich noch mal ordentlich gecatcht. Auch wenn diese Unterbrechungen, von LBs Seite als auch von meiner Seite waren - ich bin und bleibe Fan. 

Die Reise nach Mönchengladbach war nicht gerade schwer. Trotz Zugverspätung kam ich relativ pünktlich an und bin sogar mit einem Shuttlebus zum Sparkassenpark gefahren worden. Die Einlasskontrolle und alles drumherum lief ohne Probleme. Bis ich dann gemerkt habe: Scheiße, das ist ein "Park", also nix Halle. Das mir das vorher nicht aufgefallen ist. Es war also ein Open Air Konzert. Bei den bekackten Temperaturen. Ich habe mein Kapuzenzipper um die Hüfte gewickelt, damit er für den Regenfall schnell greifbar ist. Wegen der Sonne habe ich mir erst keine Gedanken gemacht. Als ich dann "drin" war, stand ich zwischen lauter unterschiedlichsten Leuten - die mich irgendwie vor der Sonne abgeschirmt haben. Wie ich festgestellt habe, kamen die Besucher aus unterschiedlichsten Städten und aus unterschiedlichsten Schichten. Generation X, Generation Z, Millennials. Ich glaube sogar eine Mutter mit ihrer Tochter (oder ältere und jüngere Schwester, keine Ahnung) gesehen zu haben, die beide LB-Fans waren. 

Der erste Act war "Death By Romy", eine laut eigener Aussage "kleine independent Band aus Los Angeles". Fred Durst hat sie auf TikTok entdeckt und später als Support Act auf die Tour eingeladen. Was ich zu sehen bekam waren zuerst ein Schlagzeuger und dann eine Sängerin in Lack/Krankenschwester Outfit und dazu zwei weitere Sängerinnen die eine Art Uniform trugen (Pullis mit "DBR" drauf) und Röcke. Gitarre kam vom "Band", Schlagzeuger war ja zu sehen. Beim zweiten Song haben die beiden anderen Frauen Gitarre/Bass in die Hände gekommen und so war das Band-Feeling dann auch da. Natürlich kam trotzdem etwas Musik vom "Band", aber sei's drum. Es war cool und irgendwie spaßig. Erinnerte mich an eine moderne Version von Kittie - wenn Kittie eine Band auf TikTok wären. Man nennt es inzwischen, glaube ich, "Alt Pop" oder so. Jedenfalls: Poppig, mit teils düsteren Lyrics wie "I fuck everything I kill, I kill everything I fuck" - oder so. Insgesamt: Coole Sache, ebenfalls cool dass LB junge Acts mit auf Tour nehmen - aber trotzdem nichts was ich mir privat anhören würde.

Als nächstes dann Ecca Vandal: Die australische Singer/Songwriterin wird begleitet von Drummer Dan Maio und Gitarristen Richie Buxton (der später bei Limp Bizkit Bass spielt und den verstorbenen Sam Rivers vertritt). Ihre Musik ist eine musikalisch durchaus gelungene Mischung aus Indie, Hip-Hop, Punkrock. Sie ist wirklich großartig, weiß mit dem Publikum umzugehen, ist enthusiastisch. Die Musik ist allerdings keine Mischung aus den genannten Stilen - jeder Song ist anders. Und genau das haut mich aus dem Konzept. Das ist zu viel für mich und ich kann mich nicht wirklich fokussieren. Ansonsten finde ich das schon sehr cool. Nur nicht ganz so meins.

Nach zwei falschen Countdowns, die das ganze Publikum mitgezählt hat und zwei auf die Leinwand projezierten KI-Memes kam dann endlich Schlagzeuger John Otto auf die Bühne und ihm folgte der Rest der Band. Natürlich nicht ohne einen Intro-Song, den ich allerdings bis jetzt nicht nachrecherchieren kann. Irgendeine soulige Nummer über einen "Bitch Ass Motherfucker". Die KI-Memes wurden übrigens im Laufe des Abends immer wieder eingestreut. So war zwischendurch ein vor Explosionen weg rennender Tom Cruise zu sehen mit der Überschrift "Tom Cruise likes Limp Bizkit?". Ob das unbedingt sein muss, das weiß ich nicht. Aber egal. Limp Bizkit bestehen an diesem Abend aus Fred Durst (voc), Wes Borland (git), Richie Buxton (b), John Otto (dr) und DJ Lethal. Es geht los mit dem allerneuesten Song "Making Love To Morgan Wallen" (aus dem Soundtrack zu "Battlefield 6"), der scheinbar hier sein Live-Debut feiert. Was danach folgt sind im Grunde genommen NUR Klassiker. "9
Teen 90 Nine", "Just Like This", "Faith", "Break Stuff", "My Generation", "Livin' It Up", "Hot Dog", "My Way", "Gold Cobra", "Nookie", "Full Nelson", "Rollin'", "Re-Arranged".... , "Take A Look Around" Bei "Behind Blue Eyes" sagt Fred er würde dafür in den Knast kommen und am Ende wird noch mal "Break Stuff" zusammen mit Death By Romy gespielt. Meistens hält sich der Sänger am aus seiner Sicht rechten Rand der Bühne, sodass ich ihn kaum zu Gesicht bekommen. Als er dann tatsächlich "zu uns" (nach links) (bei "Livin' It Up") kommt, geht mir wahrlich das Herz auf. Bis auf dem Opener wurde kein Song von einem neueren Album (oder einer neuen Single) gespielt. Vielleicht ist es auch in Ordnung so. Die meisten Leute um mich herum konnten ALLES mitsingen. Es war ein fantastisches Aufeinandertreffen von Jung und Alt. Ich feiere es absolut, dass bei "Full Nelson" zwei weibliche Fans zum Mitsingen auf die Bühne geholt werden. Dass so viele Leute in roten Caps gekommen sind. Dass der Großteil weiß sich zu benehmen. Bis auf (natürlich) den einen Idioten der ungefragt eine Frau anfasst - und zum Glück von ihr schnell gemaßregelt wird. Insgesamt ein sehr schönes Erlebnis wovon ich noch lange lange lange erzählen werden.

Die Heimreise gestaltet sich schwierig. Als ich nach einem kurzen Trip mit dem Shuttlebus zum Bahnhof komme, stelle ich fest dass mein Zug sich erst verpätet und danach ausfällt. Der nachfolgende Zug verspätet sich ebenfalls und wird wahrscheinlich ebenfalls ausfallen. Weiterhin merke ich, durch kurze Rechercher dass ALLE Züge in ganz Deutschland ausgefallen sind aufgrund eines internen, digitalen Fehlers bei der Deutschen Bahn. Die Heimfahrt per Uber kostet mich einen dreistelligen Betrag. Das ist sehr heftig.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Film der Woche#683: The Incredible Melting Man (1977)

Auf Deutsch bekannt als "Der Planet Saturn läßt schön grüßen" oder "Der Zombie aus dem Weltall". Es ist auch völlig egal, wie der Film auf Deutsch heißt, der Originaltitel ist schon witzig genug. Aber eigentlich ist das auch egal, weil mir niemand die 87 Minuten meines Lebens zurück gibt. Traurig.

Zu Beginn steht eine Mission des NASA-Raumschiffes "Scorpio 5". Man hat vor, den Saturn zu erkunden. Aufgrund der ionisierenden Strahlung sterben allerdings zwei der drei Astronauten. Der dritte im Bunde, Steve West (Alex Rebar) wird schwer verstrahlt, überlebt allerdings. Als nächstes fokussiert

sich der Film auf Wests Aufenhalt im Krankenhaus. Der Körper des Mannes ist komplett bandagiert. Es dauert nicht lange, bis West aus seinem Schlaf erwacht. Kurz darauf merkt er, was mit ihm los ist. Nachdem er sein Gesicht und Hände von den Bandagen befreit hat, stellt er fest, dass das Fleisch in seinem Gesicht sich aufzulösen beginnt - ebenso wie die Hände. In einem äh Panikanfall tötet er eine Krankenschwester und flieht aus dem Krankenhaus. Dr. Nelson (Burr DeBenning) und Dr. Loring (Lisle Wilson) finden heraus, dass ihre Leiche nun auch radioaktiv verseucht ist. Das heißt im Grunde, dass Steve West's Körper ebenfalls radioaktiv ausstrahlt. Die ganze Sache muss geheim gehalten werden. Das Militär füchtet schlimme Folgen wenn alles rauskommen sollte. So macht man sich auf die Suche nach Steve, dessen Körper ständig schmilzt und er Menschen angreift. Das Ding ist: Je länger er unterwegs ist, je mehr er tötet, desto stärker wird er.

Wie oben schon gesagt: Ich werde die 87 Minuten meines Lebens nicht zurück bekommen. Meine Fresse war das Scheiße. Man versucht einen zynischen/pessimistischen bzw. satirischen Unterton einzubauen. Die Astronauten als Wegwerfmaterial, dessen Tod geheim gehalten wird und der Öffentlichkeit mitgeteilt wird, das alles gut ist. Ansonsten haben wir sehr sehr schlechte Jumpscares und einen wütenden Astronauten, dessen Gesicht und Körper wortwörtlich wegschmelzen. Wat willste machen? Naja, wenigstens sind die Special Effects vom Meister des Fachs, Rick Baker, absolut große Klasse. Er hat es geschafft nicht nur den Prozess des Schmelzens sondern auch des Verwesens kreativ und detailgetreu darzustellen. So verändert sich Steves Aussehen tatsächlich. Er sieht im Laufe des Films immer schlimmer aus. Aus seinen Fingern läuft die ganze Zeit Flüssigkeit und er hinterlässt die ganze Zeit eine Spur. Es ist wirklich verdammt gut gemacht und beeindruckend ekelerregend. Der Plot hätte funktionieren können, wäre da nicht die absolut hölzerne Schauspielerei und so. Schade.

3/10 Pfandflaschen (aber nur wegen Rick Baker)
Trailer:


Dienstag, 23. Juni 2026

Comic Book Review#681: Godzilla vs. the Mighty Morphin Power Rangers II#1-5 (2024)

Allrighty. Der Wahnsinn geht in die letzte Runde. Zumindest auf diesem Blog. Das ist, für mich, das letzte Godzilla-Crossover dass ich reviewen werde. Bis jetzt.

Wir befinden uns irgendwann später nach dem Ereignissen im ersten Teil. Rita Repulsa wurde von Astronema (einer weiteren Bösewichtin aus dem PR-Universum) gerettet. Gemeinsam haben sie einen finsteren Plan ausgearbeitet und durchgeführt. Sie haben mehrere Universen überfallen und dort die hiesigen Power Rangers entführt oder schwer verletzt. Die jeweiligen Kämpfe sind verloren. Der White

Ranger (der eigentlich Tommy ist, der zu einem anderen Zeitpunkt der Green Ranger ist) stößt in einem weiteren zerstörten Multiversum (er selbst ist auch in der Lage durch die Welten zu reisen, mithilfe eines Multiversum-Steins oder so) auf eine weitere Gruppe Power Rangers. Gemeinsam versuchen sie nun, Rita zu stoppen. Sie treffen auch (wieder) gemeinsam auf Godzilla der alles andere als begeistert darüber ist, dass wieder übergroße Roboter (die Zords der Power Rangers) ihn entgegen treten. So kommt es, natürlich, erstmal zu einem Fight. Doch irgendwann wird die Lage noch brenzliger. Rita und Astronema statten Astronemas "Psycho Rangers" mit den Kräften von Godzillas Gegnern wie King Ghidorah oder Destoroyah aus. Doch die Power Rangers haben irgendwann auch einen Ass im Ärmel und machen dasselbe. Nur dass sie sich mit den Kräften von Godzillas "Freunden" ausstatten. So kommt es zu der Bildung von "Kaiju Rangers". Es wird links und rechts gekämpft. Verschiedene Universen der Rangers treffen aufeinander, als auch Charaktere aus verschiedenen Godzilla-Staffeln. So kriegen wir Tommies alias White und Green Rangers als auch Mothra und den Roboter Jet Jaguar zu sehen. 

Ein einziges, riesiges, Nostalgie-Produkt dass den Multiversum-Trend absolut ausschlachtet. Macht es Spaß zu lesen? Klar. Ist es vollkommen bonkers und in etwas weniger als einer Stunde durchgelesen? Natürlich. Die Story ist schnell erzählt und wahrscheinlich genauso schnell aus den Fingern von Cullen Bunn gesaugt worden. Baldemar Rivas kann verdammt gut Helme und Schnauzen von Monstern zeichnen. Gesichter von Menschen allerdings eher weniger. Zumindest gefallen sie mir nicht so. Ansonsten: Höllisch gute, detaillierte Zeichnungen, die es wirklich in sich haben. Mein Respekt dafür.

Made by: Cullen Bunn, Baldemar Rivas

7/10 Pfandflaschen
Hier ein Video dazu von Vincent Chan:


Montag, 22. Juni 2026

Album der Woche#685: Screaming Trees - Dust (1996)

Ich bin auf dieses Album nur aufmerksam geworden, weil Philipp es ganz kurz mal eingestreut hat. Es ist das letzte Album der Screaming Trees, deren Sänger Mark Lanegan wohl auch aufgrund seiner Solokarriere nicht unbekannt ist. Alles was danach kam waren irgendwelche Best-Ofs und Compilations. Laut Musikmedien das bis dahin beste Album der Band - und wie schon gesagt, das letzte bevor sie sich im Jahre 2000 offiziell aufgelöst haben.


ST stammten aus Washington - dem Bundesstaat, nicht der Hauptstadt. Also könnte man sie ganz gut in Verbindung bringen mit all diesen Bands in Holzfällerhemden die über fürchterliche Teenage Angst, Suizid-Gedanken und das Gewicht der Welt auf den eigenen Schultern singen. Doch die 1986 gegründeten Screaming Trees haben zwar auch Grunge gemacht, der Fokus lag aber auch auf anderen Subgenres. Garage Rock, Psychedelic Rock und irgendwas was man irgendwie in den 1990ern als Alternative verbuchen könnte. "Dust" hat nichts von yarlenden Gesang, keine schreddernden Gitarren, kein Garage/Punk Rock Feeling. Wir bewegen uns irgendwo zwischen Lagerfeuer-Romantik, Winterdepression und der Hoffnung auf einen neuen Morgen. So klingt es für mich zumindest.

Man versucht äußerst vielfältig zu klingen und es funktioniert. Psychedelische Gitarren, eindringlicher cleaner Gesang der einen glauben lässt, er würde in eigenen Kopf entstehen. Die Auswahl an Schlagzeug bzw. Trommelinstrumenten ist äußerst vielfältig: Conga und Djembe. Es gibt eine Sitar zu hören als auch einen Cello. Ich mag Streicher tatsächlich sehr gerne und begrüße hiermit ihren Einsatz. Screaming Trees klingen als hätten sie all den 1970er Hard Rock und 1960er Psychedelia konsumiert und beschlossen alles in einem moderneren Gewand aufzunehmen. Hätte ich ein Auto und würde auf einer menschen/autoleeren Autobahn fahren, dann würde ich das wahrscheinlich hören.

Anspieltipps: Gospel Plow, Traveler, Halo Of Ashes

8,5/10 Pfandflaschen


Freitag, 19. Juni 2026

My Favorite TV-Show: The Boys

Allrighty then. Kaum habe ich im Juni die letzte Folge der fünften (und somit finalen) Staffel verschlungen, geht es hier eins Eingemachte und äh ja, hier kommt ein Review. Falls ihr die Comics noch nie gelesen habt, so empfehle ich euch die Reviews dazu: Und zwar hier (#1), hier (19-22), hier (Herogasm: 1-6),  hier  (52-56 & 72), hier (Dear Becky: 1-8), hier (Highland Laddie: 1-6). Ich meine bei der jetzigen Auflistung nichts vergessen zu haben. 

Jedenfalls: Im Grunde genommen brauche ich die Serie nicht beschreiben, schließlich habe ich ja die Comics reviewt. Allerdings ist sie eine ganze Ecke anders als ihre Vorlage. Hughie Campbell Jr. (Jack Quaid) sieht in den Comics Schauspieler Simon Pegg sehr ähnlich - allerdings wäre er für die Serie bzw. für den Character zu alt gewesen. Daher spielt Pegg Hughies Vater. Hughie selbst ist hier ein

stinknormaler Verkäufer von Fernsehern und anderen Home Media. Eines Tages wird seine Freundin Robin Ward (Jess Salguiero) umgebracht. Ein Superheld namens A-Train aka Reggie Franklin (Jessie Usher) rennt durch sie durch. Der Speedster war offenbar in Eile und hat sie einfach übersehen. Hughie ist am Boden zerstört. Die multinationale Firma Vought die hinter dem Marketing der Superhelden steckt bietet ihm eine Wiedergutmachung in Form eines Schmerzensgeldes an. Doch kein Geld der Welt kann seinen Schmerz heilen. A-Train ist Teil der "Seven", einer Gruppe von Superhelden angeführt von Homelander (Anthony Star), eine Art narzisstischen Superman-Verschnitt. In dieser Welt existieren Superhelden zwar, allerdings ist es für die Öffentlichkeit nur Schein. Sie "retten" Menschen in Not, scheißen dabei auf jegliche Sicherheitsvorkehrungen oder sind teilweise einfach nicht vorsichtig genug. Einige von ihnen pflegen rassistische und sexistische Einstellungen, sind korrupt und selbstverliebt. Sie treten in Filmen auf, nehmen an PR-Kampagnen für Produkte Teil und schützen Menschen in Kriegsgebieten, irgendwie. Der Fall Hughies ruft William Butcher (Karl Urban) auf den Plan. Dieser glaubt, dass Homelander seine Ehefrau Becca vergewaltigt und umgebracht hat. So rekrutiert Butcher Hughie und dieser wird Teil der "The Boys". Dabei handelt es sich um eine geheime Gruppe, die zunächst von der CIA finanziert wird. Dazu gehören noch: Marvin "Mother's Milk" Milk (Laz Alonso) und Frenchie (Tomer Capone). Später im Laufe der Serie befreien sie die mit Superkräften ausgestattete Kimiko (Karen Fukuhara). Die Aufgabe der "The Boys" ist zunächst den Superhelden das Leben schwer zu machen, "auf die Finger zu klopfen", "zur Strecke bringen" doch nach und nach wird die Aufgabe immer größer. Die Superhelden müssen weg. In einem weiteren Story-Strang lernen wir Annie "Starlight" January (Erin Moriarty) kennen, die neuestes Mitglied der Seven wird und nach und nach einsehen muss, wie korrupt die Superheldenwelt tatsächlich ist.

Während Garth Ennis' und Darick Robertsons Comic-Reihe zwar einige sozialkritische bzw. verzerrte historische Elemente gebracht hat war sie vor allem eins: stürmisch, ekelhaft und voll mit Sex und Gore. Die Streaming-Serie hingegen zieht den Gore-Regler auf mindestens 9 und zeigt gleichzeitig eine verzerrte Version unserer Realität. Als erstes fallen mir die Manipulation der Menschen durch soziale Medien, die Jagd nach Clicks und Clout, fehlende Empathie für miteinander und eine Verschiebung der Narrative von "nicht sagbar" zu "komplett akzeptiert". Einige würden Homelander als die hiesige Version von Donald Trump betrachten. Einen machthungrigen Narzissten mit Minderwertigkeitskomplexen, der Menschenleben für weniger wert als Müll betrachtet. Während in den Comics die "Supes" noch zu 100% (bis auf Ausnahme von Annie) als feindlich eingestuft wurden, kriegt man in der Serie doch irgendwann Skrupel "sie alle auszurotten". Es ist keine 1:1-Umsetzung des Comics. Bis zu einem gewissen Punkt schon, allerdings betrachte ich sie schon eher als "freie Umsetzung" der Dinge. Es scheint mir fast schon so, als hätte man sich gedacht: "Wir haben eher weniger Bock auf 24/7 Ekligkeiten a lá Garth Ennis und machen etwas eigenes daraus". Und es funktioniert sehr gut. Klar, es gibt einige Hänger und insbesondere zwischen der vierten und der fünften Staffel kriegt man den leichten Eindruck, man würde die Serie künstlich am Leben erhalten wollen. Trotzdem ist "The Boys" super genießbar, wenn man auf künstliche Gewalt, Gore und Sexjokes steht - allerdings auch auf "Black Mirror"-eskes Spiegeln der Gesellschaft in welcher wir Leben. Für all diejenigen, die sich am Serienfinale gestört haben: Ich habe es genossen, weil es genau das war, was ich erwartet habe. Und ihr solltet etwas mehr von der Vorlage lesen. 



Mittwoch, 17. Juni 2026

Film der Woche#682: Pee-Wee's Big Adventure (1985)

Zu diesem Film habe ich so einiges zu sagen. Tatsächlich habe ich ihn in einer etwas weiter entfernten Vergangenheit 2 mal (oder so) gesehen. Leider war ich dabei entweder so dermaßen besoffen oder müde sodass ich gegen Ende eingeschlafen bin und nie das Ende mitbekommen habe. Oder ich habe das Ende einfach vergessen. Egal. Das hier ist der erste Full Length Film von Tim Burton. Basierend auf einer Kindersendung namens "Pee-Wee's Playhouse" (bei welcher Rob Zombie als Production Assistant gearbeitet hat). Die Hauptfigur dieser Sendung war ein Typ namens Pee-Wee Herman (gespielt von Paul Rubens). 


Genau um diese Figur (oh Wunder) dreht sich auch dieser Film. Pee-Wee Herman ist ein kindischer, sonderbarer Mann der in einem Haus voller seltsamer Dinge und Gerätschaften wohnt - zusammen mit seinem Hund Speck. Sein bestes und teuerstes Gut ist sein wunderschönes, hochmodernes und mit lauter Gadgets ausgestattetes Fahrrad. Sein Nachbar, der hochnäsige reiche Bengel Francis (Mark Holton aus Leprechaun) möchte es ihn unbedingt abkaufen. Doch Pee-Wee hält dagegen. Nachdem Pee-Wee einen Gadget-Laden besucht hat (und das Fahrrad währenddessen sorgfältig angekettet hat) verschwindet das Gefährt. Es ist offensichtlich, dass Francis es gestohlen hat. Nachdem eine Vermisstenanzeige mit Finderlohn nichts bringt begibt er sich zu einer äußerst professionellen Wahrsagerin die ihm offenbart, dass das Fahrrad sich äh in Alamo, Texas befindet. So macht sich der sonderbare kindliche Mann auf nach Texas um endlich sein Fahrrad zu finden. Es soll angeblich dort im Keller sein. Jedenfalls trifft er jede Menge merkwürdige Gestalten auf seiner Reise. Einen entkommenen Strägling, einen Obdachlosen, eine untote LKW-Fahrerin und eine Gruppe Biker. Es ist lustig.

Ja, es ist wirklich lustig. Auch wenn einige von euch meinen würden, das hier wäre schon ziemlich viel Uncanny Valley und überhaupt ziemlich gruselig. Ich verstehe das. Es ist absolut out of place wie alles stattfindet. Die Grimassen, die Stimmen, die absolut merkwürdigen Charaktere so wie auch die Dynamik der Handlung. Man weiß einfach nicht, was als nächstes passiert und fühlt sich einfach vorm Kopf gestoßen. Zurecht. Das ist, glaube ich, auch das Ziel des Films. Die Handlung ist auf mehreren Ebenen absurd: Man weiß nicht was als nächstes passiert. Die Verhaltensweisen der Charaktere sind over-the-top. Alles ist in grellen Farben gehalten. Nach mehr als vierzig Jahren wirklich null an Qualität eingebüßt. Ich liebe diesen Film. Eben weil er so grenzdebil und behämmert ist. 

9,75/10 Pfandflaschen
Trailer: 


Dienstag, 16. Juni 2026

Comic Book Review#680: Godzilla vs. The Mighty Morphin Power Rangers#1-5 (2022)

Kaum ist diese Sache mit DC und Godzilla als auch Marvel und Godzilla vorbei geht es hier auf dem Blog weiter mit dem King of the Monsters als Gast in anderen Comic-Reihen. Diesmal sind wir bei einer Zusammenarbeit zwischen Boom! Studios, IDW Publishing und Toho Co. angelangt.


Der grüne Ranger Tommy (ja, genau der) ist unterwegs in geheimer Mission. Zordon hat ihn beauftragt, die böse Hexe Rita Repulsa auszuspionieren. Gemeinsam mit ihren Schergen Scorpina, Goldar und Finster hat sie einen geheimen Tempel aufgesucht der seit tausenden von Jahren von Mönchen beschützt wurde. Darin findet sie eine Art multidimensionalen Artefakt, der in der Lage ist, sie von Dimension zu Dimension zu teleportieren. Genau das geschieht und weil Tommy das verhindern möchte, wird er unfreiwillig mit auf die Reise genommen. Rita und die anderen tauchen auf einer anderen Erde auf. Dort ist die Stadt Angel Grove komplett zerstört und zwei riesige Monster kämpfen gegeneinander: Godzilla und Megalon. Es stellt sich heraus, dass Godzilla irgendwie der Beschützer dieser Erde ist und Außerirdische vom Planeten X (die Xilians) immer wieder Monster auf die Erde bringen um gegen ihn zu kämpfen. Ihr Ziel ist die Erde komplett zu zerstören und am Ende ihre Ressourcen zu stehlen. Doch bis jetzt hat das nicht so funktioniert. Ritas Crew tut sich mit ihnen zusammen und schon bald tauchen auch die übrigen Rangers auf: Trini (gelb), Zack (schwarz), Jason (rot), Kimberly (pink) und Billy (blau). So kommt es zu spektakulären Kämpfen. Erst zwischen den Rangers und Godzilla, anschließend aber zwischen Godzilla und den Rangers und herbei teleportierten Monstern wie Gigan und am Ende auch King Ghidorah. Zwischendurch ruft Rita allerdings ihre Monster auf den Plan: zum Beispiel Eye-Guy und Rhinoblaster.

Ich dachte erst, das wird interessant. Dann wurde es einfach vollkommen bonkers. Dann wurds wieder interessant. Ein typisches multi-franchise Höllen-Inferno in welchen alle auf einander treffen und sich gegenseitig in die Fresse hauen. Untypische Allianzen werden geschmiedet und wieder gebrochen. Monsterkloppe. Monsterkloppe. Kann mich noch erinnern, dass "Justice League vs. Godzilla vs. Kong" schon ordentlich googoogaga war, aber das hier ist vollkommen off the hook. Ich glaube, dass ich alle fünf Ausgaben in einer Dreiviertelstunde gelesen habe. Cullen Bunn hat mal Deadpool Stories geschrieben, die ich tatsächlich echt geil fand. Das hier wirkt wie ein Kinderspiel für ihn, weil es so super einfach ist. Freddie E. Williams II hat schon mal die Turtles (und Batman!) gezeichnet, sein Stil sticht besonders durch dieses typische "shit happening all over the place" raus. Ein tatsächlich sehr spaßiges, wenn auch ziemlich kurzweiliges Werk.

Made by: Cullen Bunn, Freddie E. Williams II
6/10 Pfandflaschen
Video von Unknown Kaijuverse:


Montag, 15. Juni 2026

Album der Woche#684: Ляпис Трубецкой - Рабкор (2012)

Ich erinnere mich noch ganz gut an Ljapis Trubezkoi. Die Band benannte sich nach einem Character aus dem Roman "12 Stühle" (von Ilja Iljif und Jewgeni Petrow). In den 1990ern und Anfang der 2000er war sie sehr populär in ihrer Heimat Belarus, Ukraine, Russland und anderen Ländern der GUS. 


Besonders ins Auge bzw. Ohr ist mir damals der Song "Au" aufgefallen. Es war eine Coverversion eines nicht unbekannten sowjetischen, russischsprachigen Schlagers, wenn ich mich recht entsinne. Im Video dazu wurden lustig wirkende Effekte eingesetzt und insgesamt machte die Band auf mich den Anschein als würde sie generell witzig sein wollen. Erinnere mich auch nur grob an ein paar andere Songs die auf MTV Russia liefen. Irgendwie war alles sehr humoristisch angehaucht. Nachdem ich schon Ewigkeiten nicht mehr in Russland war und auch nur die paar wenigen Bands aus meiner Kindheit weiter gehört habe, bin ich vor ein paar Jahren wieder auf "Ljapis" gestoßen. Und zwar auf das Video zu "Schelesnyj" (aus Stahl gemacht). Darin war die ganze Band in einer tristen Lagerhalle zu sehen. Sänger Sergej Michalok ist plötzlich nicht mehr der etwas dicke langhaarige lustige Typ. Stattdessen sehen wir einen trainierten, teils oberkörperfreien, angepissten Mann mit rasierten Kopf der über seine Kindheit im Altaj spricht und dass er eigentlich längst tot sein sollte. Schon vor zwanzig Jahren. Er hätte zwischen Steinen liegen sollen, schon längst. Darum sollte er keine Angst vor "diesen dummen Schweinen" haben und erst recht keine Angst um seinen aus Stahl gemachten Arsch.

Tatsächlich gab es eine Art Politisierung der Band. Seit 2011 haben sie ein Auftrittsverbot im diktatorisch regierten Belarus. Ich würde mal sagen, dass die Politisierung schon vorher statt gefunden hat. Auch musikalisch und textlich hat sich einiges verändert. So bewegt man sich nicht mehr im poppigen Comedy-Rock sondern irgendwo zwischen Ska-Punk und Hardcore. Mit Elementen von Dub und Reggae. "Rabkor" ist meiner Meinung nach ein Neologismus zwischen dem russischen Wort "Rab" (Sklave) und "Core". Es ist das erste Mal für mich, dass ich Songs auf Belarusisch höre. "Ne byt' Skotam!" (Kein Vieh sein) ist eine Vertonung eines Gedichts des belarusischen Dichters Janka Kupala. Darin geht es um die Grundbedürfnisse des Menschen, unter anderem "kein Vieh sein" sondern ein selbstbestimmter Mensch. Kupala ist auch der Urheber der Losung "Zhyve Belarus!" ("Es lebe Belarus!"). Ähnlich geht es auch später weiter in "Ubej Raba!" ("Töte den Sklaven"). Im Prinzip bedeutet es "töte den Sklaven in dir" bzw. "steh für deine Rechte auf". "Putinaroda" ("Wege des Volkes") behandelt satirisch das "Streben des Volkes nach Freiheit". Die Freiheit wäre dann "Wurst, Gas, Erdöl, Beförderung, Mindestlohn".

Meines Erachtens ein sehr abwechslungsreiches, politisch vertretbares und gleichzeitig sehr kurzes Album. Grade mal 35 Minuten. Professionell Revolutionäre Musik. Weckt Gefühle auf wie Wut, Selbstbewusstsein, Freude als auch Trauer. Besonders positiv möchte ich hervorheben, dass auch das Gefühl vertont wird, alleine in einer völlig brutalen Welt zu sein. Hilflos, als wäre man ein kleines Kind ("Liliput").

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Rabkor, Ne byt' Skotam!, Zhelesnyi, Putinaroda