Sonntag, 31. Mai 2026

So isses, Musik!#212

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

Alles klar. Ab geht's zu den nächsten drei Songs. Natürlich sind dabei drei Meinungen besser als eine. 


Raphi:

"„The Hit Pit“ war das Album, mit dem ich bei Amen 81 eingestiegen bin, und ich liebe es bis heute. „Disfreak“ ist vielleicht nicht der stärkste Track des Albums, aber der Refrain ist auf einem ulkigen Reim aufgebaut. Und das war catchy genug, um das Lied hier zu erwähnen. Gibt’s Jesus Freaks überhaupt noch?"

Philipp:

"Ich droppe in Gesprächen wahnsinnig gerne - gefragt oder ungefragt - Amen 81 als beste deutsche Punkband und das natürlich völlig zu Recht. Kryptische bis deutliche - mitunter sehr zynische - und stets großartige Texte, Musik irgendwo zwischen Crust, (Youth Crew) Hardcore und Deutschpunk, drei sympathische singende bis krächzende Herren, eine beeindruckend klare Haltung gegen Antisemitismus, Mackergehabe und jede erdenkliche Form von Scheiße und eine wahnsinnige Wundertüte an Live-Shows.
Der Song von Raphis Liste setzt sich mit einer fast in Vergessenheit geratenen Subkultur auseinander - den Jesus Freaks. Hierbei wird von Schlagzeuger Thorsten in unnachahmlich zynischer Weise kritisiert, dass Religiosität immer mit Verurteilung anderer Lebensentwürfe einher geht, kulminierend in der großartigen Zeile "Du willst sein wie Jesus Christus - Nimm dir nen Hammer und dann bist Du's/ Vergiss die langen Nägel nicht, denn Du bist kein Leichtgewicht"
." 

Ich:
Es ist ein schönes Gefühl, tatsächlich die Platte aus dem Schrank zu holen, das Booklet auszupacken und die Lyrics dazu nachzulesen. "Disfreak" der hier auf diesem Blog mehrfach reviewten Amen81 handelt von einem Phänomen, dass viele Gemüter in der Punkszene gespalten hat: Jesus Freaks. That's right. Anhänger von Jesus Christus die einen auf Alternativ/Szene machen und irgendwie cool rüberkommen - doch hinter all diesem Schein steckt eine zutiefst konservative, sexfeindliche, homofeindliche Ideologie. Genau darum geht es in dem Song. Dabei bleibt man, gewohnt Amen81-style zynisch: "Deine erste große Liebe: Jesus Christus. Du willst wie er sein? Nimm 'nen Hammer, dann bist du's!". Fantastisch.


Raphi:
"Mit Anna Absolut ist die erste österreichische Band in meinem Beitrag zur Deutschpunk-Party dabei. Das dritte Album „Ultramarin“ ist 2022 bei 30 Kilo Fieber Records erschienen und war die erste Punk Rock-Veröffentlichung, auf der ich gegenderte Sprache wahrgenommen habe. Ich meine mich zu erinnern, die Band auch mal für das TRUST Magazin interviewt zu haben, bin aber nicht mehr ganz sicher. Wie dem auch sei: die sympathische Band aus Graz macht Musik, die sehr an die melodischen Ausläufer der zweiten Deutschpunkwelle erinnert, und rechnet in ihrem Song „Adrenochrom“ mit den Erzählungen von Verschwörungstheoretiker*innen ab."

Philipp:
"Man kann mich sowieso mit Humor jagen, es gibt wenige Bands, die ich wirklich witzig finde und ich sehe es als deutliches Problem, dass ein Witz nur wenn man ihn das erste Mal hört so richtig richtig witzig ist. Und Musik ist nun mal einfach kein Einmalartikel.
Dieses Lied fand ich tatsächlich schon beim ersten Mal hören nicht witzig, furchtbar Ärzte-esker Pennäler-Humor und dann auch noch Bergdeutsche.
Sich über Nazis und Verschwörungstheorien lustig zu machen indem man suggeriert, es wäre alles wahr und man würde sich schön mit Kinderblut besaufen oder so, ist ein alter Hut und hat seinen Zenit in "Cro, Hafti und Herzl" von grim104 erreicht, seitdem kann man das getrost stecken lassen. Muss nicht sein."

Ich:
Ich finde es ja völlig gerechtfertigt, sich über Verschwörungstheoretiker lustig zu machen. Sei es im musikalischen Kontext oder sonst irgendeinem. Allerdings wirkt dieser Song auf mich krampfhaft lustig/nicht lustig. Im Sinne von "wir sind so scharfzüngig" und poppig und witzig. Okay, die ersten Sekunden des Songs sind tatsächlich super catchy - allerdings gefällt mir der Gesang so gar nicht. Vllt. liegt es daran, dass ich das Thema in meinem Leben bis zum gehtnichtmehr durchgekaut habe und ehrlich gesagt, keine Lust dran habe, es wieder durchzukauen. Insbesondere nicht wenn es darum geht einen poppigen Song darüber zu hören.


Raphi:
"„Dat is Punk, dat raffst du nie!“, ist wohl das bekannteste Lied von den Kölner Rumpelpunkern. Ich erinnere mich, die Band mal auf dem Resist To Exist Festival gesehen zu haben, aber nach etwa eineinhalb Liedern lieber zum Essensstand gegangen zu sein. Das Lied „Szenekrieg“ handelt wahrscheinlich von Konflikten und Grabenkämpfen innerhalb „der Szene“; so ganz sicher bin ich aber auch nicht."

Philipp:
"Vorab so viel: Ich bin der Szenespalter schlechthin, ich unterstütze jede Arroganz gegenüber ungehörigem Verhalten, schlechtem Geschmack, verantwortungslosem Drogenkonsum und politischen Verirrungen sowie allgemeiner Dummheit in der Punkszene, ich würde so weit gehen, dass ich wirklich keinen Bock auf Szenezugehörigkeit und irgendeiner Form diffusen Wir-Gefühls habe, dieser Song trifft quasi direkt mein Ego.
Ehrlich gesagt habe ich mich kaum dazu durchquälen können, ihn mehr als viermal zu hören, denn musikalisch ist das eine etwas dreiste Huldigung der Deutschpunk-Helden der 80er Jahre, leider auch definitiv nicht von der guten Sorte. Daher habe ich also auch nur einen groben Überblick über den Text, denn im Internet ist er nicht zu finden. Ich denke auch ehrlich gesagt nicht, dass es meine Meinung ändern würde.
Ich zitiere an dieser Stelle Mike Watt: "The Kids of today should defend themselves against the 70s"
Das selbe gilt selbstredend für die 80er und 90er. Wirklich sterbenslangweilig."

Ich:
Kann mich relativ hell daran erinnern, wie ich die Band entdeckt habe. Das Album "There's No Freedom, There's Nur Scheisse!" fand ich tatsächlich ganz cool damals. Insbesondere den Song "Atomschlag". Doch das war damals. Jetzt gerade höre ich mir diese rumpeligen Zeilen "Arroganz in unserer Szene, wollt ihr das denn nicht verstehen" und muss kringeln. Also, so richtig richtig kringeln. Der Sound Scheiße, der Gesang Scheiße. Ich weiß nicht, ob man dabei an den Albumtitel versucht anzuspielen. Keine Ahnung. Jedenfalls finde ich das hier fürchterlich schlecht.

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Was läuft sonst?

Vor einiger Zeit hat mir Raphi ein Death Metal Fanzine aus Brasilien geschickt. Es hieß früher "Zine Death Metal" und heißt inzwischen "Armamento Belico". Sehr DIY gestaltet, teilweise mit verschwommenen/verpixelten Bildern. Die eine Ausgabe von 2024 ist vollgespickt mit Interviews mit lauter Bands aus aller Welt. Größtenteils im Black/Death Metal Bereich. Meistens geht es darum, wie lange es die Bands schon gibt, was sie so in ihrer Karriere schon geschafft haben usw. Es sind zu 90% Interviews und zu 10% Reviews. Leider gestaltet sich alles irgendwie gleich. Immer wieder kommt die Frage nach Christentum im Metal. Trotzdem konnte ich dadurch einige interessante Bands rauspicken, die ich mir dann angehört habe. Darum hat das Zine zumindest bei mir seinen Zweck erfüllt. Nun, kommen wir zu den Bands:

Perdition Temple aus Tampa (Florida in den USA): Brachialer, uuuuuuuuuuuuuurghhhhhhhh-esker Death Metal mit Helikopter-Riffs. Ekelhafter Gesang. Großartiges Artwork. Ich habe mir "Nemesis Obsecration" angehört. Ihr könnt euch das hier bei Bandcamp reinziehen. 

Apocalyptic Raids (Rio de Janeiro, Brasilien): Offensichtliche Hommage an Hellhammer bzw. Celtic Frost. Hommagiger geht es nicht. Ich habe mir "Necromaniac (Is Back)" von "The Pentagram" angehört. Wie gesagt, es ist sehr hommagig. Für die ersten paar Minuten geil und schön rumpelig, aber auf Dauer könnte ich das denke ich nicht aushalten. Und der erste Eindruck zählt. Bandcamp ist hier.  

Nächster Halt: "First Penetration" von Skullfuckers Incorporated. Der Name ist eine Anspielung auf "Starfuckers Inc" von Nine Inch Nails. Die Band nimmt sich absolut nicht ernst und macht eine Art Industrial Metal mit lauter Anspielungen auf Industrial Metal der 90er. So gibt es hier direkt zwei Cover auf dem Album: "Beautiful People" und "More Human Than Human", die eher okay sind. Irgendwie habe ich mir das wesentlich witziger und abgedrehter vorgestellt. Angeblich sollen sie im Jahre 2023 eine eigene TV-Show gestartet haben. Anyways, hier ist das Album auf Bandcamp.

Ich habe also aus Würzburg in Bayern ein Death Metal Zine aus Brasilien geschickt bekommen in welchem eine Band aus Recklinghausen interviewt wird. Das is um paar Ecken von mir. Sabiendas machen Death Metal der sich...um den Tod dreht. Ob real oder wie in Horrorfilmen. Inspiriert werden sie von Lucio Fulci oder Hammer Film Productions. Ich finde, das klingt schon ziemlich geil. Kein Bandcamp, dafür aber das offizielle Musikvideo zu "Dungeon Keeper". 

Omitir aus Portugal: Das Ein-Mann-Projekt beschäftigt sich mit der prä-christlichen Geschichte von Galicien. Gróvio, der Kollege der hinter der Musik steht, steckt sehr viel Herzblut rein. Das Ergebnis ist schöner, leicht depressiv klingender Black Metal. I like it. 

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Rein in den .mp3-Himmel:

Heiliger Fick. Der nächste Ordner geht wirklich steil. Er heißt einfach "Punk" und ist in sechs Unterordner unterteilt wobei einer davon selbst vier Unterordner hat. Wir legen mit dem ersten los.

Deutschpunk:
Ich würde mal behaupten, dass sich hier durchaus all die Sachen finden, die sich sonst immer in Deutschpunk-Kollektionen finden. ChaosZ, Terrorgruppe, Slime, SchleimKeim usw. Ich möchte daher nur ganz kurz die Highlights hervorheben. "Samen in Darm" von den großartigen Cretins. Ich kenne eigentlich nur diesen Song, deswegen ist es eine Lüge wenn ich behaupten würde, die Band wäre großartig. Ich weiß es einfach nicht. "Kindl Träume" von Deutsche Trinker Jugend. Eine Parodie des Songs "Kebab Träume" von Mittagspause. Es geht diesmal allerdings um Bier und nicht um Ghettofizierung. "Farben" von Grundwasserabsänkung. Mit 17-18 fand ich den Text so übel provokativ, dass ich innerlich die Faust geballt hab und mich wie ein bekackter Rebell gefühlt hab. "Herrenmenschen" von HASS ist ebenfalls ein fantastischer Song den ich damals per ICQ geschickt bekommen habe und den ich immer noch wahnsinnig witzig und gut finde. Gleichzeitig hat man das Gefühl, die Band möchte unbedingt rumedgen. Weitere Highlights: "Unbekannter Affe" von Jugendrente. "Am Tag als Ian Stuart starb" von den Ruhrpottkanaken. Und natürlich "Klingenstr. 34" vom AmüsierPöbelWürzburg.

Hardcore: 

Und genau hier geht es los mit den vier Unterordnern. Der erste davon heißt nämlich "Beatdown" und beinhaltet ein paar Songs von einer Band namens "Final Prayer", die meines Erachtens gar keine Beatdown Band war. Ich fand sie damals ziemlich cool und habe mich auf ein Konzert im Würzburger Jugendhaus Cairo gefreut. Leider kam die Band sehr spät an und konnte von daher nur 8 Minuten lang spielen bevor die Ruhezeit eingeläutet werden musste. Außerdem hat mich irgendsoein dämlicher, besoffener Hardcore Typ immer wieder als Zecke beleidigt. Das war richtig hässlich. Anyway, Final Prayer haben kein Beatdown gemacht und haben sich tatsächlich vor mehr als 10 Jahren aufgelöst. Oh no, anyway. Was haben wier hier noch drin. Irgendein Scheiß von Fallbrawl (die sowieso kein Mensch braucht) und dieser beschissene homophobe Song von den Rappern SMA mit der Beatdown-Band Embraced By Hatred. Ich weiß nicht, warum ich das habe - wahrscheinlich habe ich's mir von YouTube oder MySpace gezogen. I don't know.

Nächste Haltestelle ist irgendwas komplett anderes. Der Ordner heißt "Crust, Grind, D-Beat, Noisecore, Powerviolence". Was soll denn schon drin sein? Im Grunde genommen ganz viel durcheinander. Allen voran möchte ich die Band Audio Kollaps lobend erwähnen, für ihre Helikopter-Riffs, großartige Lyrics als auch die fantastische Möglichkeit auf der damaligen Homepage selbst einen Audio-Kollaps-Song mithilfe von Bausteinen zu komponieren! Weitere Highlights: Das Cover von "Uległość" (im Original von Dezerter) von der polnischen Skandi-Crust-Band Infekcja. Erinnere mich daran, den Sänger Mokry mehrmals bei irgendwelchen Merch-Ständen angetroffen zu haben und auch was gekauft zu haben. Leider war er einmal ordentlich betrunken: "Sorry, wie viel kostet dieser Patch?" "Fünfzig....FÜNFZIG EURO HAHAHAHAHAHAHHA!". "Böhse Tumultz" von der Band Tumult (was auch immer das ist) und natürlich "Hillbilly Heaven" von Vomitorial Corpulence. Achja und natürlich ein Song der gar nicht "You're Fucked" heißt sondern anders von einer Band namens Crustina Aguilera.

Was zur Hölle soll denn bitte "Newschool Hardcore" sein? Naja, damals habe ich mir irgendwie gedacht, das müssten alle Bands sein die nach den 1980ern kamen. Also, alles was nicht irgendwie nach Bad Brains, Agnostic Front oder Youth of Today klang. Was sich hier tatsächlich im Ordner vorfindet ist sowas wie Blood for Blood, Death By Stereo oder Deez Nutz. Tatsächlich finde ich hier die erste oder eine der ersten russischsprachigen Bands in diesem ganzen "Einzelne Songs"-Ordner-Wahnsinn. "Zasrali Solnce" heißen sie und der Name bedeutet sowas wie "Sie haben die Sonne zugeschissen". Dann natürlich die Coburger Urgesteine von Rawside. Und natürlich ist die Vielfalt äußerst wichtig hier. Ich finde hier "The Way It Is" von Vegan Reich, dass auf jeden Fall holocaustrelativierend ist und einen Ordner mit Songs von Guerilla. Letztere habe ich in meinen Jugendjahren desöfteren live gesehen und bei ihrem letzten Auftritt (den ich live gesehen habe und den es auf CD zu kaufen gibt!!!) haben sie sich israelsolidarisch geäußert. Rückblickend betrachtet, war das fantastisch. 

Dann heißt es "Oldschool Hardcore": Hier bewegen wir uns tatsächlich teilweise bei der alten Schule (Black Flag, Angry Samoans), allerdings auch bei neueren Bands die "Old School Hardcore" spielen. Oder zumindest klang es für mich so damals. I don't know lol. Ich würde aus heutiger Sicht Blood Brothers und Have Heart definitiv nicht als "Oldschool" bezeichnen, zumindest nicht wenn man die Bands an den 1980er Jahren misst. Naja, egal. Ich habe diesen Ordner vllt. mit 18 oder so erstellt. Jedenfalls weiß ich jetzt dass ich mehr Septic Death hören sollte. 

Wir sind raus aus dem Hardcore, aber immer noch drin im "Punk" Ordner und bleiben aber beim Buchstaben H wie "Horrorpunk": Hier ist alles beim alten, weil der Ordner von äh 2009 oder so ist. Misfits, Balzac, The Other, Blitzkid. Und auch solche Perlen wie Cancerslug, The Crimson Ghosts oder Nim Vind. Also quasi all das Zeug was damals bei Fiendforce Records rausgekommen ist. Country Bob & The Bloodfarmers bieten eine obskure Mischung aus Horrorpunk und Country, die nicht nach Psychobilly klingt. AFI sind hier auch drin, obwohl sie natürlich keinen Horrorpunk machen und es auch nie wirklich waren. "Friss dein Brett" von den Blutjungs gefällt mir leider absolut nicht und ich frage mich wer mir das geschickt hat. 

Im "Oi! & Streetpunk"-Ordner befinden sich lauter Sachen, die ich teilweise gelöscht habe weil äh...würde ich heutzutage nicht mehr hören. Neben lauter Klassikern wie Angelic Upstarts, Cock Sparrer, Blitz, Cockney Rejects, Sham69 oder Perkele findet sich aber auch so Müll wie KrawallBrüder (habe sie Januar 2007 live gesehen, wieso?) oder Combat84 (eine rechtskonservative Oi!-Band aus England die allen ernstes Margaret Thatcher gefeiert hat). Daneben aber auch Zeug aus Russland/Belarus: Nichego Horoshego und Mister X. "Kiosk" von den polnischen Ramzes & The Hooligans. "Roicherlachs mit Kroiterbutter" von Oi-Zone, das ich sonst nirgendwo mehr im Internet wiederfinde. The Analogs aus Polen. Los Fastidios aus Italien (bestimmt drei mal live gesehen). Und äh "Alkoholsteuer" von F.B.I. (das steht für Frei Bier Ideologen) das eigentlich gar nichts mit Oi! oder Streetpunk zu tun hat. Ich muss sagen, dass ich hier mit am stärksten gekringelt habe weil dies der Soundtrack für eine Phase meines Lebens in welcher ich mit Leuten gehangen habe, mit denen ich nichts mehr zu tun hab. 

Der letzte Unterordner in "Punk" heißt..."Ska-Punk.Folkpunk" weil ich wieso auch immer kein Komma eingesetzt habe. Hier finde ich wieder mal Bands aus Polen und Russland. Ähnlich wie bei Oi! gibt es auch hier Bands die das Genre im Bandnamen tragen. Also bei Oi! ist es Soifass, SpringtOifel, FettsOi usw. Und bei Ska ist es halt SKArpeta (Socke) aus Polen, oder SKA!rb (Schatz) aus Belarus oder MoskovSKAya aus Deutschland. Dazu kommen noch Rantanplan aus Hamburg oder eine Band namens Zabili Mi Żółwia (Sie haben meine Schildkröte umgebracht) aus Polen. Die unsäglichen SKA-P mit "Welcome To Hell". Ich habe hier einen Song von Rancid, einen von Fishbone und einen von diesen Hippies von Blackbird Raum. Und wieso auch immer ist hier "WW3 is coming" von Mouth Sewn Shut bloß weil dieser ganz und gar nicht ska-ige Song einen leichten Offbeat besitzt. Komischer Ordner. Komische musikalische Phase meines Lebens.

Nun, so ganz raus aus dem Punk sind wir nun doch nicht. In "Radio69" finde ich mehrere Sendungen von äh "Radio69". Damals war es ein digitaler Radiosender oder viel eher eine Radiosendung, die immer mal wieder eine knappe Stunde Musik aus den Bereichen Oi!, Streetpunk, Punkrock, Hardcore und Psychobilly gesendet hat. Moderiert wurde sie von zwei Typen, deren Namen mir grade leider nicht einfallen. Im Grunde genommen sowas wie das was heutzutage ein Podcast ist, nur ohne viel Gelaber. Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich mit 80% des Materials schon was anfangen konnte. Das Repertoir war wirklich äußerst vielfältig. Aber es gab auch einige Gurken wie irgendeinen Song von einer stumpfsinnigen Oi!-Band in welchem es heißt: "Oi! heißt Leidenschaft die das wahre Leiden schafft. Und wenn dir mal Haare wachsen, dann hat dich der Tod dahingerafft." Nach kurzer Recherche weiß ich nun wie die Band hieß: "Brutal Deluxe" nämlich und das macht's noch schlimmer.

Ich frage mich an der Stelle, wie lang dieser verdammte Beitrag noch sein wird. Schließlich habe ich, ausgerechnet in diesem Beitrag während der Blogpause in April wöchentlich was dazu geschrieben. Naja, jetzt ist es ziemlich voll. Aber egal, wir sind nun bei "Reggae" angekommen. Dabei muss man ganz klar klassifizieren. Es handelt sich nicht um einen Ordner der voll ist mit Skinheadreggae, Rocksteady und so Zeug. Wir haben es hier mit Reggae zu tun, dass in jeder ordentlichen Kifferbude in den 2000ern gehört wurde. Wir haben hier "Bad Boys" von....Inner Circle. Und nicht Bob Marley, weil der Song 8 Jahre nach seinem Tod entstand. Trotzdem steht hier Bob Marley. Dazu noch so komische Songtitel wie "Fresse halten selber machen", "Ich rauch mein Ganja" und "Gras ist legal digga". Wer auch immer diese rausgebracht hat, ich will's gar nicht wissen, ehrlich gesagt. Dazu noch "Widerstand" von Curse ft. Gentleman als auch "Autobahn" von Ohrbooten. Wieso habe ich das hier? Und wieso sind hier trotzdem Desmond Dekker und Toots & The Maytals. Heilige Scheiße, nein.
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Opeth Discography:
The Last Will and Testament (2024)

Nun sind wir am Ende angekommen. Bisher letztes Album von Opeth und mal wieder ein Konzeptalbum. 

Diesmal geht es nicht um irgendwelche satanischen Verse oder um irgendeine tragische Liebesgeschichte. Es geht um ein Testament. Die Story spielt sich ab nach dem ersten Weltkrieg. Ein reicher Patriarch ist gestorben und nun wird sein Testament vor seiner Familie vorgelesen. Mit dabei sind drei seiner Kinder. Das Mädchen ist das Ergebnis seines Verhältnisses mit der Dienstmagd und die

beiden Zwillinge (Jungs) sind durch eine Samenspende entstanden. So wird enthüllt, dass sie nicht wirklich das Anrecht auf das Erbe haben. Und gewisse andere Familiengeheimnisse werden auch gelüftet. Bis auf den letzten Song tragen alle Titel einen § im Namen. 

Die Songtexte erscheinen mir zwar durchaus schön und melodisch vorgetragen - sind aber gleichzeitig absolut trocken. Kein Wunder, schließlich wird hier im Grunde genommen ein Testament vorgelesen und die Reaktion darauf vorgetragen. Außerdem ist es das erste Album seit "Watershed" bei welchen Mikael Åkerfeldt wieder Growling neben cleanen Gesang benutzt. So sind wir wieder bei einer kleinen Exklusivität angelangt. Wir hatten schon progressiven Death Metal mit Growling, progressiven Death Metal mit Cleanen Gesang, Progressive Rock und nun Progressive Rock mit Growling und Death Metal Riffs. Huch. Also irgendwie bewegt man sich ein kleines Bisschen zurück zu seinen Death Metal Wurzeln, was ich gut finde. Man holt noch Ian Anderson von Jethro Tull für Bisschen Flöten-Action und ein gesprochenes Intro. Und schon hat man ein tatsächlich außergewöhnliches Werk, was trotzdem irgendwie typisch Opeth ist. Mal wieder schafft man es progressive, verwinkelte und kompliziert wirkende Klänge mit Death Metal zu verbinden und dabei eine Geschichte zu erzählen. Nach etwas Stagnation (siehe vorletztes Album) habe ich den Eindruck bekommen, dass Opeth sich aufgerafft haben. Dieses Album gehört wirklich zu ihren besten in der "Progressive"-Ära. Finde ehrlich gesagt auch dass die Mischung aus Growling und cleanen Vocals am besten funktioniert.


8,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: §2, §4, §5



Freitag, 29. Mai 2026

Happenings des Monats: Mai'26

Stricher guckt sich das Rock Hard Festival an...im Livestream am 22. und 23.05.2026

Tatsächlich war es mir dieses Jahr etwas zu kurzfristig um auf das Rock Hard zu gehen. Allerdings wollten meine Genossin und Genosse V/M selbst dahin. Also habe ich auf ihre Vierbeiner aufgepasst und den Stream selbst im TV angeguckt. Am ersten Abend haben wir uns tatsächlich noch gemeinsam den Stream angeschaut. Die erste Band, die ich gesehen habe war Armored Saint. Das erste Mal mit ihnen in Berührung kam ich irgendwann in den frühen 2000ern als ich nachts auf MTV Russia die Sendung "Hard Zone" geguckt habe. Dort wurden verschiedene Videoclips von Metal und Alternative Rock Bands gesendet, die mit Infos versehen waren. So habe ich rausgefunden, dass Sänger John Bush

zu dem Zeitpunkt bei Anthrax gesungen hat. Entweder war das oder die Tatsache dass Anthrax bei "Beavis and Butt-Head" zu sehen waren, der Startpunkt für meine gewisse Vorliebe für Anthrax. Jedenfalls war "We've Come For You All" von Anthrax (mit John Bush am Gesang) das erste und einzige Anthrax-Album auf CD, dass ich mir geholt habe. Vor einigen Jahren habe ich Anthrax dann auf dem Rock Hard Festival gesehen und war etwas traurig, dass sie von diesem Album kein einziges Stück gespielt haben (zumindest meiner Erinnerung zufolge). Anthrax spielten zu dem Zeitpunkt bereits seit etlichen Jahren wieder mit Bushs Vorgänger Joey Belladonna am Gesang, der übrigens auch nicht der Originalsänger ist. Jedenfalls: Jetzt habe ich Anthrax ohne Bush und Armored Saint mit Bush gesehen - wenn auch im anderen Format. Der Auftritt war cool. Die Band wirkte wie eine Zusammenstellung aus verschiedenen Stereotypen der Hard Rock Geschichte. Der eine sah aus wie Slash von Guns'N'Roses, der andere wie Nikki Sixx von Mötley Crüe (von uns liebevoll "Nikki Six Seven" genannt). Währenddessen reflektierte John Bushs Glatze die verschiedenen Lichter sodass es aussah als würde er auf dem Kopf bluten.

Am nächsten Tag erwischte ich den letzten Livestream im Rockpalast von WDR. Eigentlich hätte ich liebend gerne (noch mal) Paradise Lost gesehen. Allerdings endete der Livestream mit dem Auftritt von Dark Tranquility. Ich habe schon hier und da einiges über die Band gehört/gelesen und dachte mir "Ja, das kann was werden". Und es wurde was: Richtig sympathische Band, die ihr Publikum begrüßt und mit ihnen interagiert. Keine arroganten Rockstarallüren. Entspannter schwedischer Melodic Death Metal mit Keyboards. Insgesamt hat es mir zwar gut gefallen und der Sound war im Livestream scheinbar besser als live vor Ort. Allerdings müsste ich mich länger mit der Band beschäftigen um zu checken ob sie tatsächlich was für mich sind.

Hier zwei Videos von MFD:




Mittwoch, 27. Mai 2026

Film der Woche#679: The Munsters (2022)

Okay. Irgendjemand muss es ja machen. Ursprünglich habe ich mir vorgenommen, wieder mal eine Art Marathon zu machen. Thema wären die "Munsters". Ich hätte mir eine Folge der Original-Serie vorgenommen, jeweils eine der Nachfolgeserien als auch die paar Fernsehfilme die es so gibt. Und anschließend dieses Werk von Rob Zombie von 2022. Aber dann dachte ich mir, dass ich eigentlich keinen Bock drauf habe und schließlich beschloss ich einfach "straight to the point" zu gehen. Here it is. Das Remake der ursprünglich schwarz/weißen Fernsehserie aus den 1960er Jahren. 


"The Munsters" von 2022 fungiert quasi als Prequel zu der Serie und erzählt die Backstory der einzelnen Charaktere. Die da wären: Herman Munster (Jeff Daniel Philipps), Lily Munster (Sheri Moon Zombie) und Lilis Vater - der Graf (Daniel Roebuck). Doch eins nach dem anderen. Bevor sie eine Familie mit Kindern wurden war alles ganz anders:

1960er Jahre (?), irgendwo in Transylvanien. Der verrückte Wissenschaftler Dr. Henry Augustus Wolfgang (Richard Brake ) ist von der Idee besessen einen künstlichen Menschen zu bauen, natürlich aus Leichenteilen. Also durchsucht er zusammen mit seinem Assistenten Floop (Jorge Garcia) verschiedene Friedhöfe. Es fehlt noch ein Gehirn. Kürzlich ist ein Astrophysiker namens Shelly von Rathbone gestorben. Also beauftragt Henry Floop damit, sein Gehirn aus der Leichenhalle zu stibitzen. Dummerweise ist zum gleichen Zeitpunkt dessen Bruder, der unlustige Stand-Up-Comedian Shacky von Rathbone ebenfalls gestorben. Natürlich verwechselt Floop die beiden Leichen. Und so entsteht eine relativ unbedarfte, ziemlich dämlich daherkommende Kreatur - angelehnt an Boris Karloffs Rolle als Frankensteins Monster. Man gibt ihn den Namen Herman. So wird Dr. Henry bei der "Premiere" des Monsters im Fernsehen blamiert, weil dieser versucht das Publikum mit schlechten Jokes zu unterhalten. Ganz woanders: Lily Gruesella (Sheri Moon Zombie), die Tochter des Vampirgrafen (Daniel Roebuck) und irgendwann mal Erbin dessen Schlosses verliebt sich in Herman als sie ihn im Fernsehen sieht. Dieser versucht sich nun als Rockmusiker und als er Lily tatsächlich mal backstage sieht, verknallt er sich ebenfalls. Gleichzeitig versucht die Ex-Frau des Grafen, Zoya Krupp (Catherine Schell) ihm um sein Anwesen zu betrügen. So erpresst sie seinen Sohn, den Werwolf Lester (Tomas Boykin) dazu seinen Vater zu überzeugen, das riesige Schloss zu verkaufen. Das klappt allerdings vorerst nicht - doch der Plan geht schließlich auf weil Lilly den dümmlichen Herman heiratet, der ohne viel nachzudenken einen ihm von Lester gezeigten Vertrag unterschreibt. Das frisch gebackene Ehepaar und der Schwiegervater sind nun gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen. 

Das positive zuerst. Die Kostüme, das Bühnenbild, das Make-Up. Alles absolut große Klasse und definitiv in der Lage, die Originalserie nachzubilden. Der Soundtrack ist eine Mischung aus Garage/Surf Rock und Rockabilly/Psychobilly. Der eine Song den Herman in der Bar performt, der auf stupiden Jokes basiert, ist großartig. Auch das Cover von Sonny Bono und Chers "I Got You Babe" von Sheri Moon Zombie und Jeff Daniel Philipps ist wirklich Top Notch. Und natürlich die Tatsache, dass die Schauspieler mehrere verschiedene Rollen spielen. Das find ich wirklich großartig. So ist Sheri Moon Zombie nicht nur Lily sondern auch auch eine Nachrichtensprecherin im Fernsehen, Daniel Roebuck ist der Graf als auch der Fernsehmoderator Ezra Mosher und zu guter letzt spielt Jeff Daniel Philipps sowohl Herman als auch den Stand-Up-Comedian dessen Gehirn aus Versehen geklaut wurde. "The Munsters" schafft es das Feeling der 1960er Sitcom rüberzubringen. Es ist alles genauso simpel gestrickt bzw. stupide. Und darin liegt gleichzeitig auch das Problem des Films. Er bietet im Prinzip schon was neues, also eine Vorgeschichte - und es ist stellenweise wirklich witzig. Aber gleichzeitig auch so unfassbar kringelig, dass ich das Gefühl hatte mein Gehirn würde bald versagen. Es ist im Grunde genommen eine Fan-Made Production, erschaffen von einem sehr großen Fan der Sitcom: Rob Zombie, der das schon immer machen wollte und nun die Chance dazu hatte. Es hätte vielleicht als Serie funktioniert, für die absoluten Die-Hard-Fans. So wirkt der Film irgendwie unfertig und hat auch ein äh unfertiges Ende. Irgendwie habe ich mir das anders vorgestellt. Jedenfalls habe ich jetzt definitiv noch weniger Bock mir irgendwas von der Original-Serie bzw. den Nachfolgern anzugucken. Da bevorzuge ich doch lieber die Addams Family. 

5,75/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 26. Mai 2026

Comic Book Review#677: Godzilla vs. X-Men (2025)

Um die Worte von DJ Khaled zu zitieren: "Another one."

Diesmal befinden wir uns, den Anschein nach, in den 1990ern. Zumindest sind die hiesigen Versionen der X-Men so gekleidet als würden sie der 1992er Zeichentrickserie entstammen. Der erste Schauplatz der Story ist die Küste von Japan. Godzilla greift den Hafen des technologischen Unternehmens "Tsugunai Robotics" an. Die ganze Situation wird vom Mutanten Shiro beobachtet. Der CEO der Firma

nimmt daraufhin, angeleiert durch Shiro, Kontakt zu Professor Charles Xavier von den X-Men auf. Die Mutantengruppe, angeführt von Cyclops, soll sich nun Godzilla vornehmen. Um den "King of the Monsters" angemessen bekämpfen zu können, stiehlt Remy LaBeau aka Gambit den "Super-Adaptoid". Dabei handelt es sich um ein kostüm-ähnliches Konstrukt, das in der Lage ist verschiedene Kräfte zu adaptieren. In Verbindung mit Pym-Partikeln kann es auch auf übermenschliche Größe wachsen. So setzen die X-Men es nach ihrer Ankunft in Japan an. Sie kombinieren darin ihre Superkräfte um gegen Godzilla vorzugehen. Fast schon wie bei einem Kampf a lá "Godzilla vs. Jet Jaguar". Doch Godzilla möchte nicht gegen sie kämpfen. Charles Xavier kann ja Gedanken lesen, doch die Gedanken Godzillas sind voll von Emotionen und nicht Worten. Irgendwas hat "Tsugunai Robotics" was Godzilla erheblich stört. Irgendwas unglaublich gefährliches.

Ohne hier großartig zu spoilern: Es gibt hier ein Comeback von Biollante, Battra und Rodan. Auf einem Haufen. Wie und warum genau, lasse ich an der Stelle mal offen. Es läuft alles nach einer alten Formel. Die Superhelden tauchen auf, um gegen Godzilla zu kämpfen. Doch es stellt sich heraus, dass er eigentlich nicht ihr Feind und die Sache etwas komplizierter ist. Ich muss sagen, an einem Punkt fand ich die Story überraschend gut. Ich hätte mir allerdings denken können, dass Xavier versuchen wird, Godzillas Gedanken zu lesen. Anyways: Die Story ist alles andere als schlecht, jedoch durchaus vorhersehbar. Es ist klar, dass die X-Men nicht wirklich gegen Godzilla kämpfen werden sondern gegen einen gemeinsamen Feind. Ich fänds ehrlich gesagt nicht schlecht, wenn es von vornherein so gewesen wäre - dann hätte man nicht diesen dummen "Achja, wusst ich's doch"-Moment. Und es wäre ein Ticken frischer gewesen. Es hat mir trotzdem Spaß gemacht.

7/10 Pfandflaschen
Made by: Fabian Nicieza, Emilio Laiso
Hier ein Video von NotifrikiTV:


Montag, 25. Mai 2026

Album der Woche#681: Isengard - Høstmørke (1995)

Wieder mal ein Album von einer Band/einem Projekt, dass ich schon länger reviewen wollte. Und hier ist es: "Høstmørke" von Isengard, den Ein-Mann-Projekt von Fenriz (auch bekannt als der ehemalige Schreihals und immer noch Schlagzeuger von Darkthrone). Erstes Album des Projekts nach den drei Demos "Spectres over Gorgoroth", "Horizons" und "Vanderen" die gemeinsam als Compilation "Vinterskugge" 1994 erschienen sind. 

Während Fenrizs Hauptband damals eher bekannt war für "Äääääähhrrrrrrrkkkk Äääääääääääääääährk" und Garagenqualität ihrer Songs (vor allem auf "A Blaze In A Northern Sky") ist Isengard (selbstverständlich nach der Festung in "Der Herr der Ringe" benannt) bekannt für die Garagenqualität der Songs allerdings mit einem "LALALALALALALALLALALLALALA HEY!". Was für ein Satz. Oh und es kommt auch ein "Tüdüdüdüdüdüdüdüüüüüü" dazu - auf dem Song "I Ei Gran Borti Nordre Asen". Der Großteil des Albums ist auf Norwegisch gehalten und bewegt sich irgendwo in Richtung Folk Metal. Es ist im Grunde genommen Musik um an einem nicht allzu heißen Tag irgendwo im Wald zu wandern und die Natur zu genießen. Bis auf die letzten beiden Songs "Thornspawn Chalice" und "Total Death", die schon eher wie Darkthrone klingen. Und zwar richtig richtig dreckiger Darkthrone. Ich verstehe kein Norwegisch aber ich weiß inzwischen dass "I Kamp Med Hvitekrist" "Im Kampf mit Christus" bedeutet. "Høstmørke" heißt sowas wie "herbstliche Dunkelheit". Es sind auch zwei Gastsänger zu hören. Nämlich Aldrahn und Vicotnik von Dødheimsgard.


Ich muss zugeben, es hat sich beim ersten Hören wirklich sehr ungewöhnlich angefühlt. Kann auch irgendwo Fenriz' Meinung nachvollziehen, dass er nicht verstehen kann wieso so viele Leute dieses Projekt gemocht haben. Es ist schon sehr anders als Darkthrone und könnte definitiv vorm Kopf stoßen. Allerdings war es genau das, was ich gebraucht habe. Ich wusste nicht so recht, was mich erwartet. Was ich dann bekommen habe, waren nordisch-romantisch anmutenden Klänge, klassischer Black Metal als auch cleaner Gesang. Gesang, den ich eher von einer dieser typischen Viking Metal Bands erwartet hätte, die plötzlich einen auf akustisch machen. Das bedeutet nicht, dass ich ihn nicht gemocht habe. Es war nur sehr viel anders. Doch nach mehrmaligen Hören hat mich dieses Album wirklich abgeholt. Grandioser Soundtrack für die Zeit von 5:15-5:35 bzw. den Weg zur Arbeit. Oder für irgendein Rollenspiel. 

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Thornspawn Chalice, Neslepaks, I Kamp Med Hvitekrist, Total Death


Donnerstag, 21. Mai 2026

My Favorite TV-Show: Superman and Lois

Ich habe mir geschworen, dieses riesige (oder doch nicht so riesige) Arrowverse hinter mir zu lassen. Tatsächlich habe ich mir beinahe jede Serie gegeben. Bis auf den Großteil der Webseries und der neueste Serie "Naomi", die erst vor paar Jahren erschienen ist und nicht fortgesetzt wurde. Das hier ist sozusagen der Abschied vom Arrowverse - für mich.

"Superman and Lois" spielt auf den ersten Blick auf der gleichen Erde wie die ganzen anderen Arrowverse-Serien (The Flash, Arrow, Supergirl etc.) - also, nachdem  alle möglichen Parallelwelten zu einer einzigen Erde zusammengeschmolzen sind, im Event "Crisis on Infinite Earths". Spätestens in der dritten Staffel wird es allerdings klar, dass dem nicht so ist. Allerspätestens. Es müsste eigentlich zu Beginn einleuchten, dass es eine andere Welt ist. Das Fernsehbild ist im anderen Format, andere Farben sind hervorgehoben und es gibt weniger, weit weniger Superheldenpathos zu sehen als in den anderen

Serien. 

Zu Beginn der Serie stellen wir folgendes fest: Clark Kent aka Superman (Tyler Hoechlin) und Lois Lane (Elizabeth Tulloch) sind immer noch verheiratet und haben inzwischen zwei Söhne im Teenageralter. Jonathan (gespielt zuerst von Jordan Elsass und dann von Michael Bishop) und Jordan (Alex Garfin) sind sehr unterschiedliche Typen. Während Jonathan der typische beliebte Schüler zu sein scheint, der auf Football steht ist Jordan der zurückgezogene Junge mit sozialen Ängsten. Beide wissen nicht, dass ihr Vater Superman ist. Gemeinsam zieht die Familie nach Smallville, der irdischen Heimat ihres Vaters. Dort trifft man auf alte bekannte, wie die einstige Liebschaft Clarks Lana Lang (Emmanuelle Chriqui) und ihren Ehemann Kyle Cushing (Erik Valdez) als auch deren Tochter Sarah (Inde Navarette) in die sich Jordan verknallt. Es geht viel um die Bindung zwischen Vater und Söhnen. Vor allem nachdem sie rausfinden, dass er Superman ist was zuerst ihr Vertrauen in ihn auf die Probe stellt. Weiterhin geht es um verschiedene Intrigen die von einem scheinbar typischen schmierigen Multimiliardär/Mogul Morgan Edge ausgehen. Auch Generationenkonflikte spielen eine Rolle als auch die Angst Supermans zu versagen. Familie ist ebenfalls eine der großen Themen, und zwar egal ob mit Blutsverwandtschaft oder nicht. Doch es kommen auch typische Superheldensachen vor: irgendjemand von einer anderen Welt hat es nämlich auf Superman abgesehen und versucht ihn zu schwächen.

Ja, vielleicht. Ja...vielleicht habe ich eine kleine Träne verdrückt als es zu Ende ging. Man wusste, dass es zu Ende geht - unter anderem weil man nicht in den filmischen Neustart des DC Universums reingrätschen wollte. So hat man eine Superhelden/Dramaserie so weiter entwickelt, dass sie sehr menschlich rüberkam. Wir kriegen einen anderen Blick auf den letzten Kryptonier. Er ist nicht nur Superheld oder Journalist sondern auch Ehemann und Vater. Mit der letzten Rolle hat er wirklich zu kämpfen. Es juckt ihn in den Fingern ein Helikopter-Elternteil zu sein und seine beiden Söhne rund um die Uhr zu beschützen. Doch er muss auch einsehen, dass sie ihren eigenen Willen haben. Mir hat es gefallen wie sowohl Jordan als auch Jonathan sich entwickeln. Und Clark ebenfalls. Doch auch Lois ist hier nicht bloß ein Anhängsel. Nicht umsonst heißt die Serie "Superman and Lois", weil sie sich vordergründig um sie beide dreht. Sie ist diejenige die klar machen muss, dass sie sterblich ist während Clark dass nicht sieht oder nicht sehen will. Wir kriegen auch mehr von ihrer "Investigative Journalistin"-Rolle zu sehen und merken, dass sie allerlei Arschlöcher die andere Menschen ausnutzen hinter Gittern sehen will und alles tut, damit das passiert. Wirklich grandiose, super menschliche Serie die ich wirklich sehr sehr genossen habe. Teilweise auf Englisch, teilweise auf Russisch und zuletzt auch in Ukrainischer Synchro. Kann ich nur empfehlen.



Mittwoch, 20. Mai 2026

Film der Woche#678: Enter The Void (2009)

Das ist der erste Film von Gaspar Noé auf diesem Blog und generell der erste Film des Regisseur den ich in meinem Leben je gesehen habe. Angeguckt in einem Durchlauf von 2 Stunden und 40 Minuten. Habe währenddessen gespült, gekocht, Wäsche in die Waschmaschine geschmissen und einfach rumgelegen. Und zum Glück keinen epileptischen Anfall gehabt.

"Enter The Void" spielt in der japanischen Hauptstadt Tokyo. Die beiden Geschwister Oscar (Nathaniel

Brown) und Linda (Paz de la Huerta) wohnen in einem Apartment. Während sie nebenher als Stripperin arbeitet, vercheckt er Drogen (das hat man damals so gesagt, das versteht ihr nicht). Oscar ist fasziniert von Psychedelika und erlebt zu Beginn des Film einen haluzinogenen Trip. Sein Kumpel Victor (Olly Alexander) bittet ihn telefonisch zu einem Deal in der Bar "The Void" zu kommen. Ein anderer Freund namens Alex (Cyril Roy) begleitet ihn. Doch nachdem Oscar die Kneipe betreten hat kommt es zu einem verheerenden Zwischenfall. Der Deal war eine Falle. Die Polizei stürmt in einer Razzia die Kneipe und will Oscar offenbar verhaften. Nachdem dieser sich in einer WC-Kabine verbarrikadiert, scheindroht er eine Pistole zu haben - was dazu führt dass die Cops ihn durch die Tür erschießen. Oscar stirbt an der Schusswunde. Seine Seele wandert im Anschluß sowohl durch die Stadt als auch in Gedanken durch sein ganzes Leben. So erfahren wir dass Linda und er eine sehr innige Beziehung als Kinder hatten. Ihre Eltern starben bei einem Autounfall. Im Anschluß landeten sie in einem Kinderheim und wurden von zwei unterschiedlichen Familien adoptiert und somit getrennt. Allerdings war da dieser eine Schwur den sie beschloßen haben: Immer für einander da sein, niemals getrennt. So versucht Oscars Seele wieder in Lindas Leben zurück zu finden. Bis auf die Erinnerungen Oscars, die aus der "Third Person View" gezeigt werden, kriegen wir alles in der "First Person View" zu sehen. So "blinkt" die Kamera wenn Oscar blinkt usw. usf.

Ich habe schon viel "schlimmes" über Noés Werke gehört. "Enter the Void" ist dabei die elfte Produktion, die nach den skandalträchtigen Filmen "Menschenfeind" und "Irreversible" erschienen ist. Dabei muss ich sagen, dass es hier zwar sehr detaillierte Szenen zu sehen gibt, die allerdings größtenteils wenig mit direkter drastischer/graphischer Gewalt zu tun haben. Das meiste was wir zu sehen kriegen ist die Darstellung von menschlichen Leid und Tragödien. Diese ist allerdings nötig um zu erzählen, wie tief die Beziehung zwischen Oscar und Linda war. Klar, in einem "normalen" Film würde eine kurze Rückblende über den Autounfall reichen. Hier wäre sowas deplatziert. Es braucht die Darstellung des Unfalls um das Leid zu verstehen als auch um zu verstehen wie sehr die beiden Geschwister einander gebraucht haben. Schließlich waren sie komplett alleine auf der Welt. Was mich, wie so oft, stört sind die scheinbar nutzlosen Sexszenen. Aber das ist eine reine Geschmackssache. Ich finde, sie tragen nicht wirklich was zur Handlung bei. Aber: Sei's drum. "Enter the Void" ist sehr intensiv, verursacht eventuell Schwindelgefühle und es ist eine Tatsache dass man kaum die Augen davon abwenden kann. Mit Drogen hat der Film herzlich wenig am Hut. Man vermutet während der Sichtung was das alles bedeuten kann. Ist es wirklich Oscars Seele die herum wandert? Ist das ein heftiger LSD-Trip? Stirbt er tatsächlich oder trippt er nur? Sind das die letzten Minuten seines Lebens in seinem Gehirn? Überzeugt euch doch mal selber. 

8,75/10 Pfandflaschen
Trailer: 


Dienstag, 19. Mai 2026

Comic Book Review#676: Godzilla vs. Spider-Man (2025)

Und weiter geht es mit der vollkommen wilden Fahrt von "Godzilla vs. Marvel". Diesmal trifft es New York City in den 1980er Jahren. Es ist eine Alternativ-Story, die absolut nicht kanonisch ist, aber wäre Godzilla Teil der Marvel Comics gewesen, dann hätte sie durchaus so passieren können. 

Die Story findet statt nachdem Peter Parker/Spider-Man an den "Secret Wars" teilgenommen hat und auf dem fernen künstlichen Planeten Battleworld das schwarze Kostüm aufgegabelt hat. Genau das Alien-Symbionten-Kostüm, dass später Eddie Brock befallen hat und ihn zu Venom gemacht hat. So ist

Peter in dem schwarzen Onesie unterwegs und kämpft auf den ersten Seiten gegen den Supervillain Shocker. Als plötzlich Godzilla auftaucht beschließen die Beiden das erstmal sein zu lassen. Spidey hinterlässt Shocker der Polizei und konzentriert sich dabei Godzilla abzulenken. Seine Freundin Mary Jane ist durch ein einstürzendes Gebäude gefährdet - zum Glück schafft er es, sein Vorhaben durchzuziehen sodass MJ am Ende von Black Cat (die heftigst in Peter verschossen ist) in Sicherheit gebracht wird. Ein gefährlicher Liebes-Dreieck dies das. Godzillas Schreie sind für das Alien-Kostüm jedoch äußerst schmerzhaft, sodass es sich in Panik von Peter löst. Und daraufhin Godzilla befällt. So ist Peter kurz damit beschäftigt Shockers Sonic Bracelets für den Kampf gegen den König der Monster zu benutzen, um ihn von den Symbionten zu lösen. Was auch funktioniert, sodass am Ende Godzilla gegen eine Venom-Version von sich selbst kämpft - und mithilfe von Spider-Man gewinnt. 

Nun gut. Es gibt sogar eine ofizielle Erklärung wieso Godzilla diesmal in die USA kommt. Er ist tatsächlich von der Anwesenheit des Symbionten angezogen. Sprich: Spider-Man ist schuld daran. Irgendwie. Ja. Ansonsten besteht die Story größtenteils aus dem Kampf zwischen Godzilla und Spider-Man, Venomgodzilla und Spider-Man und Godzilla und Venomgodzilla. Man hat sich an die "Zeitlinie" der Godzilla-Filme gehalten und Big G ein passendes Aussehen verpasst. Es ist nun der Heisei-Godzilla und nicht mehr der Showa-Godzilla. So ist es auch gut und passt perfekt zu einem Comic der in den 1980ern spielt. Außerdem haben wir eine äh Alternativ-Story zu dem Fall "Wie der gierige Journalist Eddie Brock Venom wurde". Aber das ist eine andere Geschichte. Insgesamt: Witziges Ding. Liest sich sehr flüssig. Führt aber im Grunde "nur" den Gedanken "Was wäre wenn Godzilla auf Spider-Man treffen würde" aus. Nur dabei trägt Spidey den schwarzen Anzug. Also, im Grunde genommen eine durchaus durchdachte Sache. Nur etwas kurzweilig. Aber spaßig.

Made by: Joe Kelly, Nick Bradshaw
7/10 Pfandflaschen
Hier ein Video von NotifrikiTV:


Montag, 18. Mai 2026

Album der Woche#680: Penseés Nocturnes – Grand Guignol Orchestra (2019)

Oh ich wollte das hier schon so so so unfassbar lange reviewen, aber irgendwie fand sich nie der richtige Zeitpunkt. Aber hier sind wir nun:

Penseés Nocturnes bestehen im Grunde genommen aus dem Multiinstrumentalisten Leon Harcor der auch noch den Gesang beisteuert und verschiedenen Mitstreitern. Auf den ersten zwei Alben hat man

noch DSBM (das steht für Depressive Suicidal Black Metal) gemacht. Irgendwann hat man mehr gewagt und sich an Jazz und französischen Cabaret orientiert. Auf "Grand Guignol Orchestra" geht man noch einen weiteren Schritt richtung Wahnsinn und verbindet verzweifelte, wahnsinnig klingende Schreie mit Akkordeon, Blast Beats, Polka-Rhythmen, Saxophon, Orgeln und allerlei anderen Zeug das einen definitiv nicht in den Sinn kommt, wenn man an Black Metal denkt. Was für ein Satz. Zugegeben: Ich hatte meine Bedenken. Zuerst dachte ich mir, das wäre ein Nebenprojekt einer gewissen anderen Black Metal Band aus Frankreich, die auch mit PN abgekürzt wird. Nur will ich diese aus politischen Gründen nicht unterstützen. Zum Glück lag ich daneben.

In einem kurzen Satz zusammen gefasst: Ich verstehe kein Französisch, von daher wirkt das Album auf mich noch wahnsinniger. Metal gemischt mit...Zirkusklängen. Auf Französisch. Ich meine, da ist ein Clown auf dem Cover. Was hätte ich erwarten können? Ein Konzeptalbum über Stephen Kings "ES"? I don't know. Jedenfalls ist "Grand Guignol Orchestra" wesentlich mehr als ein "Merci Beaucoup" und "Ouuuauaaaauuuuuuuuuuh", auch wenn beide Sätze hier drin vorkommen. Ein Ausflug in eine völlig verrückte, ungewöhnliche Welt. Ich mag vor allem das Intro und den darauf folgenden Song "Deux bals dans la tete". Und ja, wenn man will kann man das Album mehrmals hintereinander hören. 

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Deux bals dans la tete, Triste sade, Poil de Lune


Sonntag, 17. Mai 2026

So isses, Musik!#211

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

Ich habe hier letztens lauter Mammutprojekte gestartet (und beendet). So habe ich Marlyns Plattensammlung reviewt, meine eigene LP-Sammlung angefangen auf Instagram zu reviewen, hier die riesige .mp3-Sammlung (quasi) komplett reviewt (nur Alben). Danach gings weiter mit der "Samplerhölle", wobei ich eine Ficktonne an Samplern auf meiner Festplatte gehört und reviewt habe und danach gings in den ".mp3-Himmel". Da bin ich (zumindest auf dem Blog) immer noch, allerdings habe ich das Ganze tatsächlich bereits durchgehört. Es geht jetzt los mit einem neuen Mammutprojekt. Philipp, Raphi und ich werden an die 70 von uns ausgewählten Deutschpunk-Songs reviewen. Alles ist alphabetisch sortiert und wir fangen mit den ersten drei an. Und natürlich lasse ich meinen beiden Genossen zuerst das Wort. :


Raphi: "Wenn es um Wave Punk aus Deutschland geht, kommt man an Abwärts nicht vorbei. Kaum ein anderes Album beschreibt die ungewisse Situation zwischen digitalem Aufbruch, drohendem Krieg, und der ganzen Kälte und dem notwendigen Zynismus dazwischen so gut wie „Amok Koma“. Und als zentrales Element dieser Dystopie steht der Song „Computerstaat“ als Monolith und zeitloser Klassiker."

Philipp: "Würde ich behaupten, dass Abwärts nicht immer irgendwie zielstrebig an mir vorbei liefen, würde ich das vermutlich tun, um irgendwie cooler sein zu wollen als ich eigentlich bin. Tatsächlich bin ich großer Fan von düsterem Wave-Punk und alles, was Frank Z. so gemacht hat, dürfte bei mir eigentlich größten Anklang finden, nur irgendwie hat es nie richtig gezündet.
Computerstaat kennt man natürlich von diversen Samplern und dem Slime-Cover, der Text ist selbstverständlich wie viele deutsche Punk-Songs, die sich auf konkrete Ereignisse beziehen - in diesem Fall kalter Krieg, nukleares Wettrüsten (kalter Krieg) und zunehmende Technisierung - irgendwie angenehm aus der Zeit gefallen. Musikalisch ein absolut monotoner Stampfer vor dem Herren, passend zu dem allgegenwärtigen Bedrohungsszenario und dem Thema der Maschinisierung. Großartig!"

Ich: Kann mich ziemlich gut daran erinnern, als ich das erste Mal Abwärts gehört habe. Das war auf einem Sampler namens "NAZIS RAUS!", das auf Weird System veröffentlich wurde. Abwärts waren mit "Hallo ich heiß Adolf" vertreten und hörten sich an wie eine politische Punkband die versucht Richtung Industrial und Metal zu schielen. Umso verwunderter war ich dann als ich irgendwann "Computerstaat" gehört habe (wahrscheinlich auf einer anderen Compilation). Das klang ganz anders: viel "punkiger", simpler und irgendwie auch tanzbar. "Computerstaat" ist im Grunde genommen eine in relativ simple Reime zusammengefasste Auseinandersetzung mit dem (Nachrichten)Alltag zur Zeit des Kalten Krieges. "Kalt" reimt sich auf "Badeanstalt", "Stalingrad" auf "Katastrophenstaat". Es gibt ein sehr schönes, längeres summendes und brummendes fuzziges Intro, das ich an dem Song am allerliebsten mag. In meinen Ohren ist das deutschprachiger Punk in seinem Grundgerüst und zufälligerweise ein sehr guter Anfang unserer Review-Reihe. RIP Frank Z.


Raphi:

"Mit ihrem halbakustischen Deutschpunk hat es das Trio längst in die Welt der Popkultur geschafft und das kann man ihnen wirklich gönnen. Apocalypse Vega ist eine wirklich gute Songwriterin und ich mag ihren Humor. Das Lied „Eisenhüttenstadt“ ist für alle Menschen, die von ihren Bekannten hören, was diese nicht alles schon erlebt und gesehen haben, während sie selbst das Gefühl haben, nie wirklich voranzukommen. Ein bisschen Neid, ein bisschen Genügsamkeit, und jede Menge Zynismus, und vielleicht auch ein wenig post-sozialistische Tristesse."

Philipp: "Mit 14 Jahren war die Terrorgruppe nach den Hosen und den Red Hot Chili Peppers meine erste große Liebe. Heutzutage kann ich mit der Mischung aus Ficki-Humor und melodischem Deutschpunk eher weniger anfangen (später mehr dazu). Was aber durchaus übrig geblieben ist, ist meine Liebe und Verehrung für den untypischen Gitarren-Hero Johnny Bottrop/Jacho/Heia Bubu, weniger Rockstar geht tatsächlich gar nicht, irgendwie hat der Kerl mit Hostages Of Ayatollah eine der ersten deutschen Hardcore-Bands nach amerikanischem Vorbild gegründet und hatte generell in einigen denkwürdigen (Berlin Diskret) und weniger denkwürdigen (The Bottrops) Bands gespielt.
Genug davon, tatsächlich sind Acht Eimer Hühnerherzen einen seiner neueren Projekte, hier in einem Anfall aus Understatement am Nylon-Bass, aber prinzipiell so viel mehr als nur ein Projekt von Johnny Bottrop.
Es gibt generell kaum eine eigenständigere Band in Deutschland. Angenehme schräge Texte und Nylon-Gitarre der arschcoolen Frontfrau Apocalypse Vega, melodische, vordergründige Basslines meines Childhood Crushes Sen. Bottrop und ein im direkten Vergleich nahezu gewöhnliches Schlagzeug von Bene Diktator. Absolute Empfehlung für das Gesamtwerk. Hier exemplarisch Eisenhüttenstadt, über langweilige Urlaubsangeber, einem etwas unangenehmen Schlag Mensch. Durchaus angebracht. Ganz toll!"

Ich: Hin und wieder ploppte dieser skurrille Bandname in meinem Feed auf und irgendwann habe ich auch gecheckt, dass die Band neben Apokalypse Vega und Bene Diktator auch aus Johnny Bottropp (ex-Terrorgruppe, ex-The Bottrops) bestand. Leider habe ich irgendwann alle Terrorgruppe-Hörer-Aktivitäten irgendwie sein gelassen und es hat mich nicht besonders interessiert. Zum Glück gibt's jetzt diese Liste um den Horizont zu erweitern. Der Song ist ziemlich poppig und simpel gestaltet. Es geht im Grunde genommen um absolute Wichtigtuer die u.a. mit ihren World Tripping angeben. Doch am Ende heißt "gibt viel wichtiges als dich", auch wenn Frau/Mann selbst nie in New York, Neu-Delhi usw. gewesen ist sondern in Eisenhüttenstadt oder Neuruppin. Man sollte sich selbst nicht klein machen bloß weil man in seinem Leben nicht so viel "geschafft" hat wie dieses wichtigtuerische Arschloch. Finde ich wirklich extrem gut.

Raphi: "Springen wir mal in die Gegenwart, denn auch in unserer Zeit wird noch schöner deutschsprachiger Punk Rock produziert. Akne Kid Joe (oder AKJ) aus Nürnberg haben dem Genre einen interessanten neuen Anstrich verpasst und vor allem die ersten drei Alben haben mir sehr gefallen. Ich kenne wenige andere Bands, die die Absurditäten der post-modernen Welt so gekonnt in humorvolle Texte verpacken wie AKJ. Und als ideales Beispiel dient der Titel „Die Hochzeit von meinem Cousin“ vom Album „Die Jungs von AKJ“."

Philipp: "Eine der derzeit sympathischsten deutschen Punkbands stammt (wie die ähnlich sympathischen Amen 81) aus der Stadt meines liebsten Kartoffelgerichts, Nürnberg. In Franken - dem Osten des Westens.
Leider bin ich ein bisschen voreingenommen - man kennt sich, man mag sich - muss aber zugeben, dass die Band an die Unbeschwertheit und den Dilettantismus des ersten Albums "Karate Kid Joe" und den großen Hit "What AfD thinks we do" des zweiten Albums nie wieder herangekommen ist.
"Die Hochzeit von meinem Cousin" ist jedenfalls ein zumindest vom Titel her recht selbsterklärender Song, den jede/r nachvollziehen kann, der/die noch Verwandtschaft in irgendwelche Drecksnestern hat. Das bleibt mir zum Glück erspart. Danke Merkel.
Bessere Songs der Band sind "Ein Morgen ohne Deutschland" und "Markus Erlöser" aber wer zur Hölle fragt schon mich."

Ich: Habe AKJ irgendwann vor ein paar Jahren auf dem "Spastic Fantastic"-Labelfest in Dortmund gesehen und fand sie irgendwie gut. Allerdings hat sich mein Musikgeschmack im Laufe der Jahre eher zum Schwermetallischen hin entwickelt und so verschwand die Band irgendwie von meinem Radar. Dabei haben sie schon mehr(?) als drei Alben draußen(?). Naja, jedenfalls ist dieser Songtext eine verdammt gute Wiedergabe all dieser Awkwardness die man verspürt wenn man auf einem Happening seiner Familie (womöglich auch noch im Dorf) ist und man sich wahrscheinlich denkt: "Meine Fresse, was mache ich eigentlich hier, es gibt hier nichts zu besprechen außer verfickten Smalltalk, ich will WEG." Ich habe hier in Deutschland zum Glück keine "erweiterte" Familie und habe dieses Gefühl nicht, allerdings habe ich so oft die Schnauze voll von nichtssagenden Smalltalk gehabt. So verdammt oft. Das trifft's auf den Punkt.
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Rein in den .mp3-Himmel:

Und weiter geht es mit "Metal". Tatsächlich habe ich zu dem Zeitpunkt als all diese .mp3s auf meinen damaligen MP3-Playern gelandet sind noch nicht so viel Metal gehört, wie heute. Was wir hier vorhinden sind lauter kleine Ordner mit wenig Tracks drin von Bands wie Pig Destroyer, Judas Priest, Callejon, Danzig, Dethklok oder Neurosis. Viel interessanter jedoch sind solche Bands an die sich kein Schwein erinnert oder sich niemand erinnern sollte. Zum Beispiel Transilvanian Beat Club oder J.B.O. Von den letztgenannten habe ich hier tatsächlich ein Lied stehen/liegen und ich frage mich bis heute, warum es überhaupt hier gelandet. Ich frage mich auch, ob ich diesen Scheiß tatsächlich jemals witzig fand. Besonders hervorheben möchte ich auch "Uptown Girl" von War from a Harlot's Mouth. "House of Secrets" von Otep. Und äh, "Mein Eichensarg" von Eisregen :D

Der nächste Ordner trägt einen ziemlich allgemein gehalten Namen, nämlich "Pop.Indie.Alternative". Wahrscheinlich wollte ich hier alle Sachen reinpacken, die irgendwie allgemein nicht so richtig in eine Schublade zu packen waren. So ist hier zum Beispiel dieser Song von Teddybears STHLM namens "Punkrocker" (ist ein Cover von Iggy Pop) als auch die Hip-Hop-Version davon namens "Hiphopper" mit dem Rapper Thomas Rusiak. Ich finde hier mehrere Version von Devos "Mongoloid". Damals war ich fasziniert davon, wie viele Versionen es davon gibt, sodass ich unbedingt eine Mix-CD fürs Auto machen wollte. Meine Lieblingsversion war damals tatsächlich die von Jennifer Rostock. Was haben wir hier noch? "Papa Loves Mambo" von Perry Como. "After Dark" von Tito & Tarantula. Presidents of the USA mit "Peaches". Der großartige Song über Atomkrieg in einer Schwulenbar: "Gay Bar" von Electric Six. "Di Grind" von den nicht weniger großartigen Kaizers Orchestra. Und natürlich "Griechischer Wein" von Udo Jürgens. Alles kompakt in einem Ordner.

Was "Psychobilly" betrifft, so ist dieser Ordner nicht viel anders als die ganzen Psychobilly-Sampler, die ich hier vor einiger Zeit verwurstet habe. Im Grunde genommen sind hier mehrererere Unterodner voll mit Klassikern des Genres wie King Kurt, Demented Are Go, Frantic Flintstones und Nekromantix. Tatsächlich bin ich durch den Hörgenuss dieses Ordners wieder darauf gekommen wie großartig King Kurt waren. Ich habe bis heute - und es sind jetzt mindestens fünf Wochen vergangen, seitdem ich das gehört habe - einen Ohrwurm von "America" oder wahlweise auch "Zulu Beat" bzw. "Destination Zululand". "Wreck a Party" ist auch fantastisch. Das möchte ich hier mal hervorheben wie unkonventionell diese Band, vor allem auch für Psychobilly-Verhältnisse.
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Opeth Discography: In Cauda Venenum (2019)

Vorletztes Album von Opeth, bis jetzt. Meiner Meinung nach und auch der Meinung vieler anderer bis jetzt das beste aus ihrer Progressive Rock Ära. Finde das ist durchaus der Fall weil diese "Ära" zwar durchaus interessant angefangen hat, die Band aber relativ schnell sich in einer Art Stagnation verloren
hat. Ich war ja immer wieder der Meinung, dass das "nächste" Album vielleicht auch gut sein werde aber wie lange das gut gehen wird, das wusste ich nicht. Das lag daran, dass der allgemeine Klang schon super gut und virtuos usw. war, aber dennoch irgendwie gleich bleibend. Sprich ich hätte mir immer wieder vorstellen können, wie das nächste Album sich anhören wird. 

Bei "In Cauda Venenum" ist es jedoch sehr viel anders. Das Album existiert nämlich in zwei verschiedenen Versionen. Das heißt, bei jeder Version gibt es die gleichen Songs - allerdings in zwei unterschiedlichen Sprachen. Schwedisch und Englisch. Ich habe die schwedische Version zuerst gehört und war wie weggeblasen. Manchmal braucht es nur ein kleines Detail um alles zu verändern. So ist der Wechsel in eine andere Sprache meiner Meinung nach genau das gewesen was diese Band gebraucht hat. Dadurch dass ich kaum ein Wort verstehe (eigentlich gar keins) wirken die Songs nahezu mystisch auf mich bzw. wie Lautmalerei. Ja, ich weiß. Schwedisch ist eine richtige Sprache, allerdings keine die ich alltäglich spreche. 

Darüber hinaus: Es fängt an mit einem sehr abgefahrenen, 70s Prog Rock Keyboard Intro. Das Album variert zwischen (sorry für den Ausdruck) melancholischen Songs, sehr abgefahrenen beinahe psychedelischen Ausflügen (mit Keyboards!), wunderschönen Gitarrensoli und einigen Riffs die beinahe wie Djent rüberkommen. Dazu kommen noch irgendwelche Samples aus schwedischen Medien, die mir leider nichts sagen. Soweit ich rausfinden konnte, handelte es sich dabei unter anderem um eine Art Puppensendung für Kinder. Dazu kommen noch kirchliche Gesänge und noch viel mehr was ich grade bestimmt vergessen habe. Verdammt, dieses Album ist so groß, so riesig und so raumeinnehmend. Es ist faszinierend.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Ingen sanning är allas, Charlatan, Svekets prins




Mittwoch, 13. Mai 2026

Film der Woche#677: Na srebrnym globie (1988)

In Deutschland bekannt als "Der Silberne Planet", international bekannt als "On the Silver Globe" - was auch dem Originaltitel entspricht.

Wir befinden uns in weiter entfernter Zukunft auf einem fremden Planeten, der jedoch scheinbar von Menschen bewohnt wird. Zwei Astronauten von der Erde kriegen von den Einheimischen (die wie post-apokalyptische amerikanische Ureinwohner gekleidet sind und nicht wirklich reden können) eine Diskette mit Aufnahmen überreicht. Darauf sind Aufzeichnungen von einem irdischen Astronauten namens Jerzy (Jerzy Trela). Vor ca. 50-60 Jahren ist sein Raumschiff, welches ihn als auch die Kollegen Marta (Elżbieta Karkoszka) und Piotr (Jerzy Gralek) transportierte, auf diesem unbekannten Planeten abgestürzt. Ein weiterer Astronaut verstirbt. Jerzy nimmt alles Geschehene mit einer Kamera auf und

erstellt so eine Art Tagebuch. Die drei Erdlinge werden zu Gründern einer neuen (einer auf Inzest basierten lol) Gesellschaft. Die Atmosphäre sorgt dafür dass die neugeborenen Kinder wesentlich schneller wachsen. Einzig Jerzy altert langsamer als die anderen und wird dafür bewundert. Alle fragen sich, wieso er nicht stirbt. Die Gesellschaft die hier entstanden ist, ist eine die auf heidnischen/okkulten Glauben basiert. Rituale und Tänze bestimmen den Alltag - außerdem werden die Menschen immer dümmer weil ihre eigene Geschichte nicht überliefert wurde. Jerzy schickt das von ihm erstellte Video-Tagebuch zur Erde. Jahre später taucht ein weiterer irdischer Astronaut auf dem Planeten auf - Marek (Andrzej Seweryn) und wird prompt von den Einheimischen für einen Messias gehalten. Die Gesellschaft, in welcher er nun angekommen ist, ist eine die auf blutigen Ritualen und Gewalt basiert. Es besteht eine Art heidnischer Religion mitsamt Tempel unter der Erde.

Es ist schwierig nachzuvollziehen, was genau wann passiert. So fand ich es relativ anstrengend zu verstehen ob die Handlung zu einem Zeitpunkt auf der Erde spielt oder doch auf dem fremden Planeten. Das liegt auch daran, dass im Film Rückblicke zu sehen sind. So ist es für mich schwierig zu verstehen ob Jerzy die Videoaufnahmen auf die Erde geschickt hat - während diese von einem Stamm stummer indigener Menschen aufgefunden werden. Das klingt fast so als ob die Gesellschaft der zukünftigen Erde sich rückentwickelt hat - und die Astronauten die zu dem fremden Planeten gereist sind eben dieses Wissen mitgenommen und darauf die neue Gesellschaft aufgebaut haben. "Na srebrnym globie" ist eine düstere Parabel über das Wesen des Menschen: Dieser kehrt immer wieder zu Gewalt zurück, huldigt irgendwelche Messiase an und erschlägt sie mit Steinen, kreuzigt sie wenn sie doch nicht "die wahren Messiase" sind. Auch der Drang, das Fremde, das Andere, das anders aussehende zu bekämpfen, zu unterdrücken und zu zerstören ist hier zu sehen. Der Autor der Vorlage war Jerzy Żuławski, der Großonkel des Regisseurs Andrzej Żuławski. Ursprünglich ging es um eine Reise zum Mond - hier geht es um einen anderen Planeten. Und eigentlich hat er mit der Produktion des Films im Jahre 1977 angefangen. Allerdings hat der Vize-Kulturminister Janusz Wilhelmi diese angehalten. Grund: Angeblich zu hohe Kosten und geringe Effizienz. Aber eigentlich ging es um den regimekritischen Aspekt des Films. So wurden nicht nur die Dreharbeiten angehalten - auch sämtliche Requisite wurden zerstört. Einige wurden von mehreren Schauspielern in ihren Wohnung und privaten Lagern gehalten. Erst nach der Beendigung des Kriegszustandes in der Volksrepublik Polen konnte Żuławski mit dem Film fortfahren. Allerdings war dieser erst zu 80% fertig und so hat Żuławski anstelle der fehlenden Szenen, Aufnahmen von Warszawa und Kraków der 1980er Jahre eingefügt. Darüber hat er die Inhalte der Szenen gesprochen. "Na srebrnym Globie" wurde unter anderem am baltischen Meer, in der mongolischen Wüste Gobi, im Kaukasus, in Police, in Niederschlesien, Kaukasus als auch in Kraków und in der Salzmine Wieliczka gefilmt. Ich selbst war in Wieliczka als auch im jüdischen Viertel Kazimierz. Meiner Meinung nach ist der Friedhof hinter der Remuh-Synagoge einmal zu sehen - es kann natürlich sein, dass ich mich irre.

Ein wirklich monumentales, philosophisches Werk. Voll mit Fragen über das Leben, Liebe, Hass und dem Sinn des Lebens an sich. Diese werden meistens in Wutanfällen vor sich her geschrien. Das Make-Up und die Gestaltung der Kostüme als auch der Umgebung ist fantastisch. Tatsächlich hat man hier ganz großes Recycling betrieben und einige Kostüme aus Stoffresten und Müll zusammen gebastelt. Wenn man den Film allerdings auf Polnisch mit englischen Untertiteln anguckt, steht man allerdings vor einer Herausforderung. Diese sind nämlich voll mit relativ unumgänglichen Begriffen, die man erstmal verstehen muss. Mir gefällt auch die Dynamik. Alles ist so exorbitant irre, manisch und fanatisch. Und zwar sowohl die "Ureinwohner" als auch die Erdlinge. Der Film erfordert allerdings viel Konzentration. Wahrlich fantastisch.

10/10 Pfandflaschen
Trailer:



Dienstag, 12. Mai 2026

Comic Book Review#675: Godzilla vs. Hulk (2025)

Nach den Fantastic Four kommt nun der Hulk.

Diesmal spielt die Story irgendwann Ende der 1970er Jahre. Wir haben es allerdings immer noch mit dem Showa-Ära-Godzilla zu tun, also quasi derselben Riesenechse wie im "Godzilla vs. The Fantastic Four"-Comic. Zumindest sieht sie genauso aus. Die Handlung spielt sich ab in San Antonio (Texas), genauer gesagt auf der "Thunderbolt Ranch", also einer militärischen Forschungseinrichtung unter Leitung von General Thaddeus "Thunderbolt" Ross. Gerüchten zufolge soll tief unter der Erde der Hulk

und andere Monster gefangen sein. Allerdings gilt der Hulk als tot. Statt dem Hulk treffen wir allerdings auf Dr. Bruce Banner als auch Dr. Demonicus (dessen Gesicht entstellt und er eine Maske tragen muss). Demonicus arbeitet an einem Sarkophag, dessen Aufgabe die Gefangennahme von Godzilla sein soll. Um den Kaiju zu fangen manipuliert man Kumonga, die Riesenspinne, mit einem hochentwickelten technischen Gerät, damit dieser die Riesenmotte Mothra angreift. Godzilla, der sozusagen ein Freund Mothras ist, wird von ihren Schmerzen angezogen und eilt zur Hilfe. Daraufhin greifen Banner und Demonicus mit zwei restaurierten Mechagodzillas an. Doch als als das nicht hilft, zeigt Demonicus sein wahres Gesicht. Der "Sarkophag" ist in Wirklichkeit ein künstliches Ei. Darin wächst ein neues Monster, dass aus vielen verschiedenen DNAs zusammengeklumpt wurde: Hedorah. Der riesige, unförmige Haufen von Monster soll nun Godzilla besiegen und am Ende äh das Gleichgewicht auf der Welt wieder herstellen. Banner ist nicht gerade begeistert darüber, dass Demonicus gelogen hat. Dadurch und weil die Schmerzen beim Aufprall des Mechagodzilla so schwer sind, verwandelt er sich in den Hulk. Der grüne Hüne möchte nun Godzilla helfen. Normal.

Was soll eigentlich das "vs." im Titel? Liegts vielleicht daran, dass zuerst Dr. Banner gegen Godzilla gekämpft hat und Banner ja eigentlich Hulk ist? I don't know. Jedenfalls besteht die Story nicht nur aus Monsterkloppe sondern von durchaus realistisch dargestellten Allmachtphantasien eines entstellten Wissenschaftlers und naja auch eines US-Generals der glaubt auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Alles vernichten oder irgendwie unter die eigene Kontrolle stellen. Koste es was wolle. Das passiert, wenn man Geschäfte mit Wahnsinnigen macht. Sonst ist die Geschichte ziemlich...cool. Hulk hilft Godzilla, Hulk hilft der riesigen Spinne. Godzilla kämpft gegen Hedorah. Und ja die Gammastrahlen haben auch einiges zu bieten hier. Ich mag auch den modernen Touch der Zeichnungen. Dafür, dass das hier in den 1970ern spielt, sieht es trotzdem ganz schön modern aus. Weil es einfach die moderne Art und Weise zu zeichnen ist. Offensichtlich. So könnte es genauso in der heutigen Zeit spielen. Militäruniformen bzw. Uniformen von Minion-Wissenschaftlern in riesigen Bunkeranlagen sehen heutzutage eigentlich genauso aus. Wie auch immer. Ich fand die Story interessant und amüsant. 

Made by Gerry Duggan, Giuseppe Camuncoli
8/10 Pfandflaschen
Hier ein Video dazu von DopeSpill Comics:


Montag, 11. Mai 2026

Album der Woche#679: Gorguts - The Erosion of Sanity (1993)

"The light of life, through his syringe glows
Soon, in the veins the soul will flow
Injections in a body once deceased
Re-animates
The flesh-made puzzle soon will start to breathe
Regenerate"
(aus "With Their Flesh, He'll Create")

Zweites Album der kanadischen Death Metal Größen Gorguts, welches zufälligerweise zu dem Zeitpunkt rausgekommen ist, als das Genre als "abgeschrieben" galt. So wurden sie nach dem Release vom Label Roadrunner Records fallen gelassen. Trotzdem gilt dieses Album mittlerweile als Klassiker. Und ich verstehe auch warum.

"The Erosion of Sanity" bietet all das was Death Metal alter Schule zu Beginn der 1990er zu bieten

hatte. Obskure Texte voll mit ganz und gar nicht stumpfer Ausdrucksweise, die sich einfach nur brutal anhören. Beispielsweise geht es in "Orphans of Sickness" um Handel mit Organen von Kindern. Growliger Gesang vom mittlerweile einzigen Originalmitglied Luc Lemay. Ein absolutes Geschwader an Riffs, Gitarrensoli und sehr wenig Blastbeats. Man wechselt sehr oft den Takt, vor allem in einem Song. Es werden "untypische" Instrumente wie Klavier (naja eigentlich nur Klavier) eingesetzt. Dazu noch das detailierte Albumcover von Dan Seangrave (u.a. Suffocations "Effigy of the Forgotten") und alles ist beinahe perfekt.

Gorguts schaffen es, gleichzeitig brutal und ziemlich nasty zu klingen ohne jedoch in absolut grenzdebile stumpfe Häfen der Death Metal'schen Irrelevanz zu segeln. Das ist wohl dieser technischer Death Metal den so bärtige Metal-Nerds so abfeiern. Das ist ein sehr fleischiger Schinken. Ich meine, eine sehr fleischige Scheibe. Ich meine, sehr fleischiger Death Metal.

Anspieltipps: Condemned To Obscurity, The Erosion of Sanity, Dormant Misery
8,5/10 Pfandflaschen


Donnerstag, 7. Mai 2026

Film der Woche#676: Texas Chainsaw Double Feature!

Allrighty then. Wir haben ja schon mehrfach mit Leatherface und seiner kannibalischen Familie zu tun gehabt. Zuerst im Original von Tobe Hooper, dann der völlig batshit insane gegangenen Fortsetzung (ebenfalls von Tobe Hooper). Dann natürlich der dritte Teil der irgendwie heraussticht und irgendwie eine Fortsetzung ist. Und natürlich hatten wir diesen äh Sequel oder wahlweise betrachtet ersten Reboot mit einem völlig meschugge gegangenen Matthew McConaughey und Reneé Zellweger. Nun sind wir bei den beiden Filmen angekommen die von Michael Bay produziert wurden. Es handelt sich um einen neuen Remake und einen Prequel dazu. Ich empfehle tatsächlich, den Prequel als zweites zu sehen weil man sich sonst spoilert. Aber naja, eigentlich sind gewisse Dinge im ersten Teil sowieso schon klar ersichtlich. Von daher, macht was ihr wollt.

The Texas Chainsaw Massacre (2003)

Dieser Film spielt nicht in der Gegenwart sondern genauso wie das Original im Jahre 1974. Eine Gruppe Jugendlicher, die quer durch die USA reisen (oder zumindest macht es den Anschein) um ein Konzert von Lynyrd Skynyrd zu sein ist grade aus Mexiko gekommen. Tatsächlich führen sie ein ganzes Kilogramm Gras mit sich, dass sie später verkaufen wollen. Das weiß allerdings nur ein Teil der Gruppe. Die Gruppe besteht aus Erin (Jessica Biel), ihren Freund Kemper (Eric Balfour), ihren Bruder

Morgan (Jonathan Tucker) als auch den frisch verliebten Pepper (Erica Leerhsen) und Andy (Mike Vogel). Zusammen sind sie in Kempers Hippie-Wagen unterwegs in Texas als sie ganz plötzlich halten müssen weil eine Frau dicht am Straßenrand entlangläuft. Sie nehmen sie per Anhalter mit. Die Frau (Lauren Christine German) sieht sehr mitgenommen aus. Ihr wurde offensichtlich schwerste Gewalt angetan. Als sie merkt, dass das Auto in eine ihr (leider) bekannte Umgebung fährt gerät sie in Panik und schreit. Kurzerhand zieht sie von irgendwo aus ihrem Kleid einen Revolver und schießt sich in den Kopf. Nun ist die Gruppe drauf angewiesen ihren Leichnahm bei den zuständigen Stellen zu melden. So geraten sie durch einen Tankstellenshop an den örtlichen Sheriff Hoyt (R. Lee Ermey auch bekannt als Gunnery Sgt. Hartman aka "Ihr werdet mich nicht mögen weil ich hart bin" aus Full Metal Jacket). Es stellt sich heraus, dass der Sheriff teil der eben bekannten und gefürchteten Kannibalenfamilie ist - einer deren Söhne ist der ebenfalls nicht unbekannte Leatherface der Masken aus Menschengesichtern näht und sie trägt. Und natürlich eine Kettensäge schwingt. Der harmlose Ausflug wird zu einem Kampf ums Überleben. 

Ja. Was soll ich sagen. Nach heutigen Standards: Ein bisschen arg eklig, viel Gore und wenig Grusel. Aber viel Ekel. Ehrlich jetzt. Man spart sich das "trashige" direkt und kommt zu einer sehr stumpfen und überhaupt nicht witzigen Gewaltorgie. Es wird nur so geschlachtet, alles ist irgendwie im dunkelgrau gehalten. Und am Ende überlebt natürlich eine einzige Person. Das "Final Girl". Ihr könnt euch ja denken, wer das ist. Sheriff Hoyt ist dabei der widerlichste Character überhaupt. Und zwar so sehr, dass man ihn wirklich hasst und sich darüber freut wenn er eins auf die Nüsse kriegt. Es ist ein "moderner" Aufguss eines Klassikers. "Modern" heißt hier allerdings Folterpornohorrorfilme wie "Saw" bzw. dessen Fortsetzungen. Ich stehe nicht auf diese Art von Horrorfilmen. Ich mag es zwar wenn der Bösewicht auf die Nüsse kriegt - aber der Weg dahin ist ein äußerst schwieriger. Unangenehm, ekelhaft, stumpf und macht ehrlich gesagt auch nicht wirklich Spaß. Viel geiler fände ich übrigens wenn die Musik von der Soundtrack-CD hier auch wirklich vorkommen würde: Static-X, Mushroomhead, Motograter usw. usf. Eben typischer Nu Metal Soundtrack von Horrorfilmen der 2000er Jahre. Das hätte den Film vllt. minimal besser gemacht. Naja, was soll's.

3/10 Pfandflaschen
Trailer: 



The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)

Nun sind wir also bei der Vorgeschichte zum vorherigen Film angekommen. Ich liebe ja Vorgeschichten und ich finde diese hier durchaus nicht uninteressant. Die Ausführung macht es allerdings etwas schwerer den Film irgendwie gut zu finden.

Zunächst befinden wir uns im Jahre 1939 in Texas. Eine schwangere, sichtlich überarbeitete Mitarbeiterin eines Schlachthofs bringt ein Kind zur Welt, während ihrer Schicht. Der vom Anblick des Kindes angewiderte Schichtleiter schmeißt das Kind in die Mülltonne. Kurze Zeit später wird es von Luda Mae Hewitt aus der Tonne geholt und als Sohn aufgenommen. Dreißig Jahre später, im Jahre 1969 (also vier Jahre vor dem vorherigen Film), lebt das Kind unter dem Namen Thomas (Andrew

Bryniarsky) bei der Familie Sawyer. Sein Gesicht ist mißgebildet und er arbeitet als Schlachter im selben Schlachthof dessen Schichtleiter ihn einst als Baby in die Mülltonne geschmissen hat (!). Doch die Zeiten sind vorbei. Der Schlachthof wird geschlossen, die Kleinstadt stirbt langsam aus. Als Thomas sich weigert zu gehen, wird der Schichtleiter sauer - sodass Thomas ihn umbringt. Als Thomas' Onkel Charlie (R. Lee Ermey) vom Sheriff Hoyt abgeholt wird um die Situation zu beschwichtigen, eskaliert diese hingegen noch weiter. Charlie bringt Sheriff Hoyt um und nimmt seine Identität an. Da bis auf die Familie niemand mehr in der Stadt/Dorf wohnt und sie der Hunger treibt, stellt der "neue" Sheriff Hoyt die Ernährung seiner Familie um - auf Menschenfleisch. Achja, "Hoyt" wohnt zusammen mit seinem adoptierten Neffen Thomas und seinen Adoptiveltern: Luda und Monty. Zufälligerweise (wie im ersten Film auch) sind zwei Pärchen grade in Texas unterwegs. Die beiden Brüder Dean (Taylor Handley) und Eric (Matt Bomer) zusammen mit ihren Freundinnen Chrissie (Jordana Brewster) und Bailey (Diora Baird). Eric macht grade Fronturlaub und bald geht es zurück nach Vietnam. Er will seinen Bruder mitnehmen, doch dieser will den Wehrdienst verweigern.

Nun. Ich finde Vorgeschichten grundsätzlich interessant. So ist es auch hier. ich fand's interessant zu erfahren, dass Sheriff Hoyt sich eine andere Identität angeeignet hat. Ich dachte früher mal, dass er ein "einfacher" degenerierter war. Ich mein, das ist er auch, aber er war nie ein Sheriff. Jedenfalls ist die Backstory von Leatherface (aka Thomas Hewitt) gar nicht mal uninteressant. Ein "hässlicher" Außenseiter mit entstellten Gesicht, den niemand verstanden hat wächst unter Psychopathen auf und liefert ihnen Menschenfleisch. So weit, so okay. Alles andere ist wirklich brutalster brutalinsky-gore und splatter und gore und splatter und jede Menge Sadismus. R. Lee Ermey lässt hier wirklich den Drill Instructor raushängen - nur auf eine besonders widerliche Art und Weise. Im ersten Film gab es einen witzigen Moment: Leatherfaces Arm wurde abgehackt und er sah dann zu wie eben jener Arm sich auf dem Boden zusammen mit der angemachten Kettensäge dreht. Hier gibt es auch einen witzigen Moment: Montys Beine werden abgehackt, aus chirurgischen Gründen, weil ihn ins Knie geschossen wurde. Aber wieso beide Beine? Sheriff Hoyts Begründung: "Symmetrie?". Ansonsten ist der Film grade mal so genießbar - vllt. nur wegen der nicht-crazy Charaktere. Meine Fresse, ist das hohl.

4/10 Pfandflaschen
Trailer: