Ursprünglich rausgebracht in den Ausgaben 86-108 vom britischen Sci-Fi-Comic-Magazin "2000AD" in den Jahren 1978-1979. Ich halte vor mir die freundliche Leihgabe von Kollegen M. Vielen vielen dank für die Leihgabe, es war ein aufregende Lektüre.
Geschrieben von Judge Dredd Urgestein John Wagner. Gezeichnet von Mick McMahon, Brian Bolland (u.a. "Killing Joke"), Dave Gibbons (u.a. "Watchmen") und Ron Smith. Es handelt sich um eine kontinuierliche Geschichte die in mehreren Einzelkapiteln forgesetzt wird. In der Story geht es zunächst um einen Komplott gegen Judge Dredd, einen der Polizisten (und Richter und Henker in einem) in
Mega City One, einer der letzten Großstädte auf der Erde - und teil der USA. Angeblich soll Judge Dredd mehrere Mitglieder einer Zeitungsredaktion umgebracht haben, aus Rache dafür weil sie ihn in einer Reportage falsch dargestellt haben. Tatsächlich wird Dredd von einem obersten Tribunal für schuldig gesprochen, doch es stellt sich heraus dass alles eine Täuschung ist - inklusive Doppelgänger. Irgendwer will Judge Dredd ausschalten, weil er "unbequem" ist. Kurze Zeit später wird der oberste Judge, Clarence Goodman von einer unbekannten Bande umgebracht. Als Ersatz springt Judge Cal ein, der ganz schnell ein strenges Regime in der Stadt installiert. Cal gleicht einem Cäsar, einen narzisstischen Diktator der am liebsten möchte dass alle 24/7 ihn huldigen und lieben. Menschen wie Judge Dredd, als auch andere gesetzestreue Polizisten sind komischerweise nicht von seiner (scheinbaren) Gehirnwäsche beeinflusst. Sie sind die einzige Hoffnung für die freien Bürger.
Ein Paradebeispiel dafür wie eine Diktatur funktioniert: Wie Stück für Stück das Gesetz ausgehebelt wird und zugunsten eines Narzissten durch absolute Willkür ersetzt wird. Es wird immer absurder, je weiter man liest. Einer seiner Untergebenen darf nun in Helm und Unterhose bekleidet sein Dienst verrichten. Ein andernmal wird ein Goldfisch zum Judge ernannt. Auch wenn das "Gesetz" in Mega-City One im Jahre 2100 eh schon...fragwürdig war, so zeigt man hiermit dass es immer noch schlimmer geht. Meiner Meinung nach eine absolut fantastische Darstellung des Aufstiegs einer willkürlichen Diktatur in welcher wegen jeglicher "Vergehen" drakonische Strafen verhängt werden. Ähnlich wie bei Caligula oder so. Wirklich fantastisches Werk. Mir gefällt es vor allem wie alle paar Kapitel (oder in jedem Kapitel) die Zeichner wechseln sodass es wirklich sehr spannend bleibt.
Drittes Album von Fear Factory, wenn man die Demo "Concrete" die früher mal im Schrank von Produzent Ross Robinson archiviert wurde und erst später veröffentlicht wurde, nicht mitzählt. Da ich hier der alleinige Herrscher des Blogs bin (was natürlich nicht wahr ist), habe ich beschlossen nach und nach die Fear Factory-Discography zu verwursten. Aber nicht bei "So isses, Musik!", weil da die Alben manchmal zu kurz kommen und ich irgendwann die Bands satt habe, weil ich mich an deren Musik totgehört habe. So werden bei "Album der Woche" dann und wann Fear Factory-Reviews rauskommen, bis ich auch da die Schnauze voll habe, sodass alles auf "So isses, Musik!" ausgelagert wird. Am besten dann wenn die Alben richtig mies werden. Weil irgendwann werden sie das. Naja, egal.
Drittes Album also. Davor sind "Soul Of A New Machine" und "Demanufacture" rausgekommen. Danach war "Digimortal" an der Reihe. Die Reviews sind alle da. Ihr müsst nur auf die Hyperlinks klicken. So. "Obsolete" ist tatsächlich ein Konzept-Album, während die Alben davor nur grob das Konzept "Mensch vs. Maschine" umrandet haben. Ich habe mir überlegt ob der Titel nicht auf die Überflüssigkeit des Menschen in einer von Maschinen regierten Welt anspielt. Natürlich geht es darum. Die Handlung der Story spielt sich ab im Jahre 2076 als die Maschinen beinahe komplett die Welt erobert haben. Der Mensch hat die Maschinen gebaut um sein Leben zu erleichtern, nun ist der Mensch selbst überflüssig geworden. Es ist eine explosive Mischung aus "1984", "Brave New World" und "2001". In der Erzählung existiert eine Weltregierung namens "Securitron", die alle Menschen überwacht und die "Police 2000" sind ihre Einsatzkräfte. Die Story heißt "Conception 5" und wurde von Sänger Burton C. Bell in nur zwei Wochen geschrieben. Sie ist tatsächlich in drei Kapitel unterteilt, die jeweils "Scene" heißen. So existiert das Album in drei Abschnitten mit jeweils passenden Songs. Der Hauptprotagonist ist der Anführer der Revolution der Menschen, der sich "Edgecrusher" nennt. Da werden Erinnerungen wach an einen gewissen Film von James Cameron. Mir fällt nur der Name nicht ein. "Edgecrusher" ist wohl auch einer der bekannteren Songs von diesem Album. Darin spielt Christian Olde Wolbers einen Kontrabass und es sind Turntable-Scratches zu hören. Ich kannte den Song von einer gewissen "Hörsturz"-Compilation, die ich mir vor Ewigkeiten in einer Bücherei ausgeliehen habe. Zum Glück besitzt Marlyn die besagte Compilation und irgendwann wird es auch zu ihrer CD-Sammlung Reviews geben, aber das nur so am Rande.
"Obsolete" ist ein Nu Metal/Industrial Metal/Groove Metal Konzeptalbumgigant voll mit Maschinensounds, hammergeilen Riffs, Growling und melodischen Gesang. Es erzählt eine Story und gibt sich ordentlich Mühe nicht 08/15 zu klingen. Auch wenn FF gewissermassen einen Sound etabliert haben (gewisse Kritiker nannten das "Ministry meets Slayer", ich bin da allerdings anderer Meinung) und diesen fortführen, wirken sie auf diesem als auch auf dem Nachfolgealbum ganz und gar nicht ausgelaugt oder irgendwie beliebig. Es muss noch einiges in der Bandkonstellation geschehen, sodass alles beschissen und austauschbar klingt. Das hier ist noch sehr originell und innovativ. Ich liebe es, wie der tieftraurige Abschlußtrack "Timelessness" das Album beendet - nur damit dieses in dem Bonustrack "Cars" (Cover von Gary Numan mit selbigen als Gaststänger) fortgesetzt wird. Ich könnte noch was zu den anderen Bonustracks sagen, aber ich lasse es.
"Die Creeks waren eigentlich eher eine deutschsprachige Pop Punk Band, aber ich höre sie bis heute noch sehr gerne, und finde, dass sie hier reingehören. Mal nachdenklich, mal humorvoll, und immer melodisch und mit intelligenten Texten haben sie sich eine Sonderstellung im Genre geschaffen. Bis auf das selbstbetitele Album aus dem Jahr 2006 ist mir keine weitere Veröffentlichung bekannt. Hier sind viele starke Songs vertreten wie „Crash Test Dummies“, „Knast d’Amoure“, „Er sucht sie“, oder eben das verträumte Lied „Utopia“."
Philipp:
"Es erfüllt mich natürlich mit Freude, dass Wessi Raphael hier eine ostdeutsche Punkband ins Spiel bringt, die ich noch nicht kannte und die noch dazu ziemlich geil ist. Großartiger 77er Stil ähnlich den The Shocks aus Berlin und noch dazu personelle Verbandelungen mit der Shocks Nachfolgeband Zack Zack und den ebenfalls aus Dresden stammenden No Waves. Utopia ist hierbei ein wirklich toller und melancholischer Song. Wird bei mir wohl öfter mal den Weg in den Gehörgang finden."
Ich:
Beim ersten Hören erinnert mich das auf eine sehr seltsame Art an eine bis dato nicht existierende Mischung aus The Shocks (wegen der rock'n'rolligen Gitarren) und ...But Alive. Weil der Sänger sich zu Beginn wie Marcus Wiebusch anhört. Ich musste bei der Crash Test Dummy Optik (wortwörtlich) auf dem Albumcover an Liquidos "Ordinary Life" denken. Zum Glück hören sie sich anders an. Die besagte Marcus Wiebusch Stimme verändert sich allerdings nach einer kurzen Zeit. Ich nenne es "clean singing Deutschpunk". Klingt nach "sehr gut gelaunt mit kryptisch klingenden Texten wo sich alles auf "-sion" reimt". Eigentlich nichts was ich mir sonst so anhören würde, but I like it.
Zugegeben, ich kannte dieses Lied zuerst als Version von den Ärzten - veröffentlicht auf ihren einzigen Deutschpunk-Album "5,6,7,8, Bullenstaat!". Das Original ist allerdings so viel besser. Aus heutiger Sicht ist dieses Lied vielleicht provokativ, wenn man ein engstirniger konservativer Boomer ist. Damals muss es lyrisch definitiv auf die Fresse gehauen - auch wenn der Song an sich unfassbar locker und witzig ist. Ich find's großartig wie hier, ganz ungeniert Homosexualität gefeiert wird und alles in super einfache Lyrics gepackt wird. "Ich habe Samen im Darm, mir ist so warm im Darm mit seinem Samen im Darm". Die etwas hohe Stimme erinnert mich tatsächlich an den Sänger von den Sad Neutrino Bitches - auch wenn seine noch höher klingt. Ich habe mich, ehrlich gesagt, noch nie mit The Cretins beschäftigt. Ich kannte immer nur dieses eine Lied und mehr nicht. Lag vielleicht daran, dass mein .mp3-Player nicht immer so viel Platz hatte oder weil ich nicht mehr als diesen einen Song gebraucht habe. Es ist fantastisch, geht super ins Ohr und verlässt dieses auch lange nicht. Sehr lange.
Philipp:
"Einer der großen deutschen (Post-) Punk-Klassiker der Cretins aus Hannover - unter anderem mit dem auch von Blut+Eisen (Warum haben wir die eigentlich auf der Liste vergessen?) bekannten Überdrummer Tier Wolff - wirkt heute etwas aus der Zeit gefallen. Mit einem Song über Homosexualität lockt man glücklicherweise niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Als der Song 1980 rauskam, war dass tatsächlich provokativ und revolutionär, schließlich stand Homosexualität bis 1994 noch im Strafgesetzbuch. Alles in allem ist es wirklich ein toller Song, diese großartige Stimme und diese Leichtigkeit mit der hier über das Thema gesungen wird, suchen ihresgleichen. Ganz großartig."
Raphi:
"Während seiner kurzen Schaffensphase hat das Kieler Trio drei Alben und zwei EPs veröffentlicht. Außerdem habe ich die falsche Band recherchiert; es geht nämlich gar nicht um The Creetins sondern um die Hannoveraner Legende Cretins. Der Klassiker "Samen im Darm" entstammt der frühen Phase, als die Cretins noch auf deutsch sangen und rau klangen. Der Sound erinnert mich teilweise an The Ruts oder an A+P. Beeindruckend finde ich, dass das Stück trotz sich wiederholender Motive nicht langweilig wird. Achja, und auch diesen Klassiker habe ich zuerst in der Version der Ärzte (5,6,7,8 Bullenstaat) gehört."
"DDP haben mit ihren melodischen und schnellen Tracks immer eine
Sonderstellung im Deutschpunk für mich gehabt. Ein bisschen
dilettantisch, aber dennoch treffsicher hat sich die Band vor allem
mit ihren Texten in meinem Gedächtnis eingebrannt. Als perfektes
Beispiel hierfür dient die düstere Hymne „Wenn der Sturm beginnt“
vom Album „Es geschah am hellixten Tag“."
Philipps:
"Der dicke Polizist (später DDP) waren in meiner Wahrnehmung immer eine der wenigen wirklich interessanten Bands der Nix Gut Records-Ära. Hier ein etwas melancholischerer Song ihres ersten Albums, sicherlich nicht unbedingt einer ihrer besten und gerade bei Zeilen wie "Ich bin ein Punkaaaaar, menschlich besser als ihr" bekomme ich schon starke Cringe-Anfälle. Stellvertretend für die wirklich guten darauf folgenden Alben der Band werde ich an dieser Stelle kein einziges weiteres schlechtes Wort verlieren. Übrigens ist die Band gerade frisch wiedervereinigt und es lohnt sich durchaus, ihnen mal einen Besuch abzustatten."
Ich:
Es war einer von diesen Nix-Gut Samplern namens "Es lebe der Punk", die noch irgendwo in meinem Keller liegen. Dadrauf waren Der Dicke Polizist mit "Und die Hoffnung stirbt zuletzt" und noch irgendeinem Song. Sie stachen tatsächlich sehr heraus mit einem durchaus tiefsinnigem Text während die anderen Bands über Bullenschweine und Nazischweine schwadroniert haben. Sehr im Kontrast nicht nur zu den anderen sondern auch zu ihrem lustigen Namen, der eher nach Fun-Punk klingt. Kein Wunder dass sie sich irgendwann für eine kurze Zeit in ddp umbenannt haben. Jedenfalls ist das hier wieder mal ein ziemlich ernster Song über eigene Wünsche und Sehnsüchte nach Freiheit - wieder mal als Kontrast zu diesem "witzigen" Albumcover. Ich finde ihren Ansatz nach wie vor sehr gut, allerdings zündet es bei mir leider überhaupt nicht. Mich stört der Gesang leider viel zu sehr.
Allrighty. Wir springen (mal wieder) zurück in die Zeit. Als Ulver grade dabei waren sich von einer Black Metal zu einer experimentellen wasauchimmer-Band zu verwandeln. Dafür spricht auch der Titel dieser (ersten) EP. Ursprünglich habe ich mir gedacht, dass ich hier nur ganze Alben von Bands reviewen werde. Aber wenn es schon "Discography" heißt, dann alles - vor allem wenn es um Ulver geht. Wenn ich mit den EPs fertig bin, vllt. nehme ich mir dann auch die Singles und all den Klein-Kleinkram vor. Jedenfalls:
"Metamorphosis" ist, wie die Generation Z sagen würde (oh gott, Kringel) tatsächlich on fire, ngl. Huehuehue. Es ist ein fantastisches Werk, dass sogar für Ulver Maßstäbe ganz anders anfängt. Es ist
definitiv was ganz anderes als Black Metal und auf jeden Fall auch etwas anderes als ihre ambientigen oder späteren synthpoppigen Werke. Der erste Song hierauf, "Of Wolves & Vibrancy" ist genau das, was ich Techno nennen würde. Richtig utz utz utz. Könnte auf dem Soundtrack zum ersten Teil von Matrix sein. In irgendeiner Club-Szene wo nicht grade "Dragula" läuft. "Gnosis" wird dann wieder typisch Electro-Ulver: trip(hop)pig, ambient-ig und irgendwann voll mit mysteriösen, tragisch anmutenden Gesang. "Limbo Central" hat sogar klitzekleine Drum&Bass-Verschnitte, gewürzt mit verzerrten Gitarren. Der Abschlußtrack "Of Wolves & Withdrawal" ist dann aber das krasse Gegenteil. Man hört kaum was, bis auf etwas Hintergrundnoise. Wie in einem unterirdischen Labyrinth, wo sich irgendwelche Gefahren lauern.
Es ist wahrlich experimentell und eine wahre "Metamorphosis". Ein Wandel von Ulvers ursprünglichen Sound zu etwas vollkommen neuen. Diese EP ist quasi das fehlende Glied zwischen "Themes From William Blake's The Marriage of Heaven and Hell" und "Perdition City". Es ist spannend, anders und leicht verstörend zugleich. Fantastisch.
Wieder mal ein Novum in dieser Rubrik. Hierbei handelt es sich nicht um einen Film sondern um eine Reportage des NDR. Bei "7 Tage...unter" haben Journalisten sich in eine für sie unbekannte Arbeitswelt begeben - wie der Titel schon anmutet für sieben Tage. David Hohndorf und Tobias Lickes sind Autoren dieser Folge gewesen.
Wir lernen zunächst Tobias Lickes kennen der zunächst die beiden Brüder Manuel und Roman Nawrot bei ihrem alltäglichen Geschäft begleitet. Die beiden Schwaben sind nämlich Staubsaugervertreter bei der Firma "Hyla". Wobei "Staubsauger" ja ganz offiziell nicht der richtige Begriff ist. Es handelt sich
um einen "Raumluftverbesserungsirgendwasbla". Jedenfalls kostet ein solches Teil beinahe 2000 Euro. Die Brüder haben auch ein gewisses Klientel, das sie bedienen. Nämlich Reiche die teilweise in Gated Communities leben und bereit sind, so viel Geld auszugeben - für etwas was eigentlich jeder schon zuhause hat. Außerdem schafft man es einen gewissen Rabatt anzubieten, wenn die Kunden die Namen ihrer Freunde nennen, die man ebenso zu einem Staubsaugerdingsvorstellungstermin laden kann. Die Firma funktioniert wie ein Pyramidensystem. Man rekrutiert Menschen auf der Straße, die dann in Coachings trainiert und motiviert werden. Es gibt Prämien, auch in Form von coolen Dienstautos.
Meine Fresse, was für eine unsympathische Riesenscheiße. Zunächst mal die Kunden: Alles irgendwie eingebildet wirkende Schnösel, die sich von einer absolut billigen Verkaufsmasche überzeugen lassen und die Namen von ihren Freunden weiter geben um einen verfickten Rabatt zu bekommen. Andererseits natürlich auch die schmierigen Verkäufer und natürlich auch generell das ganze sektenhafte Wesen der bumsbekloppten Staubsaugerfirma, die inzwischen ganz aggressive und nervige TikTok-Videos macht. Ich schreibe diesen Beitrag im Juli'25, er wird aber erst ein Jahr später rauskommen. Mal gucken ob ich dann nicht auch irgendwelchen dummen Kommentare bekomme. Da ich aber zum Fick irrelevant bin, wird denke ich nichts passieren. Fazit: Die Staubsaugerfuzzis sind ganz schlimm, diese Doku ist großartig kringelig. Wer sie gerne sehen möchte, der klicke auf den Link unten: