Mittwoch, 18. Februar 2026

Film der Woche#670: The Decline of Western Civilization Part III (1998)

Nun sind wir am Ende der "Decline"-Trilogie von Penelope Spheeris angekommen. Tatsächlich erinnerte ich mich an den ersten und den letzten Film am meisten. Liegt vielleicht daran, dass ich den zweiten gar nicht gekannt habe. Wie auch immer. Scheinbar ist das Motiv "jemand brät sich ein Spiegelei" in jeden der drei Filme zu sehen. So war es zuerst Darby Crash von The Germs, dann Ozzy Osbourne und nun ist es nun ein gewisser Eyeball Skinner von der Band "The Resistance".

Aufgenommen zwischen Juli 1996 und August 1997 erzält der dritte Part nicht vorrangig vom Leben irgendwelcher OG-Hardcore Punk Bands und auch nicht von irgendwelchen Rockstars die dabei sind

sich selbst zu zerstören. Stattdessen fokussiert sich der Film auf die damals gegenwärtige Hardcore Punk Szene. Vier Bands wurden bei ihren Auftritten gefilmt: Naked Aggression, Final Conflict, Litmus Green und The Resistance. Dabei werden die erst- und letztgenannten ausführlichst interviewt. So handelt es sich bei NA um politisch motivierte Leute, die eine musikalische Ausbildung genossen haben, zumindest teilweise, und sehr motiviert sind ihre ablehnende Haltung gegenüber Polizeigewalt und Rasissmus unter die Leute zu bringen. Währenddessen besteht The Resistance, soweit ich das verstanden habe, aus Squat Punx - zumindest zum Teil die in ihren Songs von ihrem Alltag berichten als auch von sexuellen Vorlieben. Achja und Eyeball brät sich ein Ei. Es wird auch Keith Morris (ex-Black Flag, zu dem Zeitpunkt Circle Jerks) interviewt und für einen Moment sogar Flea (ex-Fear, die im ersten Film aufgetreten sind als auch RHCP). Rick Wilder (ein sichtlich von Drogen gezeichneter OG von der Band "The Mau-Mau's") spricht im Interview über die frühere Punkszene. Doch viel interessanter sind die zahlreichen Interviews mit als auch Einblicke in die Leben verschiedener Gutterpunx (so nennt man diejenigen, die auf der Straße leben): Squid, Hamburger, Why-Me?, Troll oder Spoon. Die Jugendlichen kommen aus gewalttätigen und vernachlässigenden Elternhäusern und wurde teilweise in sehr jungen Alter auf die Straße gesetzt oder kamen sehr früh mit harten Drogen oder Alkohol in Berührung.

Diesmal fokussiert sich der Film weniger auf die Musik als auf den "Followern", den "Fans". Es geht aber weniger darum, was die Musik ihnen bedeutet sondern wie ihr Leben aussieht und wie sie zu diesem Leben gekommen sind. Manch einer scheint schlechter auszusehen als der andere, manch einer besser als der andere. Es kann sein, dass 1-2 von ihnen aus einem eigentlich wohlhabenden Hause kommen - aber andere Umstände sie dazu gezwungen haben, von dort abzuhauen. Der Film ist nicht dazu da, wie ein Voyeur diese ganze Tristesse anzuglotzen. Tatsächlich ist er, meiner Meinung nach, dafür da, um zu realisieren wie wertvoll menschliches Leben ist und dass es nicht auf den Müll geworfen gehört. Außerdem realisiert man dabei noch mehr, wie froh man ist dass man unter geregelten Umständen leben kann, einen Schlafplatz hat, was zu Essen hat. Manche von hier abgebildeten Punx haben sich freiwillig für dieses Leben entschieden, weil ihr Zuhause voll mit Gewalt und Missbrauch war. Ihre Freunde von der Straße wurden ihre Ersatzfamilie. Dabei sind sie so ehrlich und sagen in die Kamera, dass sie die nächsten fünf Jahren wahrscheinlich nicht erleben werden. "Decline" 3 ist der wahrscheinlich verstörendste und herzzerreißendste Teil der Reihe. Ja, es mag sein, dass einiges gefilmt wurde um etwas mehr Aufmerksamkeit zu erregen - aber ich finde dass die Aufmerksamkeit ruhig auf diese Leute gelenkt werden sollte.

8/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 17. Februar 2026

Comic Book Review#668: Batman#423 (1988)

Ich vermute mal, dass ich auf diesen Comic gekommen weil Instagram mir gerne Werke von Comic-Autor/Zeichner Todd McFarlane vorschlägt. Tatsächlich hat dieser das Cover hier gezeichnet. Sein Name ist auf dem Cover auch vermerkt, jedoch im Heft nicht. Was ich schade finde.

Geschrieben von Jim Starlin, gezeichnet von Dave Cockrum. Die Geschichte in der Ausgabe#423 von September des Jahres 1988 zeigt drei klitzekleine Batman-Stories aus der Sicht von drei Gothamer Polizeibeamten die alle in der gleichen Nacht auf den Dunklen Ritter getroffen sind. Jeder von ihnen erzählt seine Story. Den Anfang macht ein Polizist namens Bart. Dessen Aufgabe war um 2:45 nachts den Selbstmord eines jungen Mannes namens Kenny zu verhindern. Kenny selbst ist heroinsüchtig und sieht keinen Sinn mehr im Leben. Als Batman auftaucht und es auch nicht schafft, dass er nicht springt kommt es zu Folgenden: Batman springt hinterher und wird von einer eigenen Enterhaken-Vorrichtung
aufgefangen. Er fängt den Jungen und redet so lange auf ihn ein, bis dieser seinen Fehler einsieht. Der andere Polizeibeamte namens Greg erzählt hingegen eine etwas andere Story. Darin ist Batman nicht schockierend sondern gewalttätig. So verhindert dieser nach einem Überfall durch eine Bande Punks auf ein Kiosk schlimmeres. Er verprügelt alle Bandenmitglieder und bedroht einen. Dabei sagt er, dass er in der Lage ist die allerschlimmsten Schmerzen auf der Welt zu verursachen. Die Sache endet damit, dass der Punk durch ein Fenster fliegt. Der dritte Cop im Bunde setzt sich am Ende der Ausgabe mit an den Tisch in einem Diner, in welchem die beiden anderen dinieren und erzählt wiederum was anderes. Er war heute nacht auf Patrouille als er zwei Kinder gesehen hat, die bei seinem Anblick weggerannt sind. Er wollte ihnen nichts tun, sondern wahrscheinlich sie zu ihren Eltern bringen. Es war immerhin sehr spät. Leider konnte er sich nicht einholen - bis Batman aufgetaucht ist. Das ältere von den beiden Geschwistern erzählte wie ihre Mutter gestorben ist, ihr Vater mit ihnen nach Gotham kam wegen eines Jobs und schlußendlich abgestochen wurde. Als man sie versucht hat in zwei unterschiedliche Kinderheime zu stecken, flüchteten sie und leben seitdem auf der Straße. In einer Box unter einer Brücke. Batman hört sich die Geschichte an und ist sichtlich gerührt. Die beiden anderen Cops können Jackson jedoch kaum glauben. Am Ende der Story sieht man wie die beiden Kids in einem Gästezimmer im Wayne Manor übernachten während Bruce Wayne seinen Butler Alfred damit beauftragt die nächsten Verwandten der beiden ausfindig zu machen.

Wenn man das Cover sieht, denkt man dass es sich wahrscheinlich um eine Entführungsgeschichte handelt. Batman hält hier eine Frau in seinen Armen, die sich nun sicher zu fühlen scheint. Fast so als hätte er sie aus den Fängen von Kidnappern gerettet. Doch damit hat die Story absolut nichts am Hut, wie ihr gerade gelesen habt. Stattdessen macht man den gleichen Move, wie später in der 1992er Batman-Zeichentrickserie oder noch später in "Batman: Gotham Knight". Man lässt drei Personen ihre drei Sichtweisen auf Batman schildern. Eine durchaus gelungene Maßnahme, um die verschiedenen Facetten des Dunklen Ritters zu zeigen. So verstehe ich zwar, dass er den H-Abhängigen beinahe anschreit, er solle sein Leben in Griff kriegen - dabei werden aber die Ursachen komplett unterschlagen. Er ist gewalttätigen Bandenmitgliedern, die drohen eine Frau zu töten, gegenüber selbst gewalttätig. Und zu guter letzt zeigt er sein großes Herz, wenn es um obdachlose Kinder geht. Eine meiner Meinung nach recht treffende Darstellung. Mit einem Bein steht die Story irgendwo kurz vor den brutalen 1990ern, mit dem anderen allerdings in den fröhlichen 1960ern. Schön bunt und durchaus realistisch gezeichnet ohne jedoch einen cartoonesken Touch zu verlieren - fast wie in "The New Adventures of Batman". Interessanter Ausflug.

8/10 Pfandflaschen
Hier ein Video dazu von Comics with José:


Montag, 16. Februar 2026

Album der Woche#672: Sledgehammer Facelift - He Is Rizen EP (2024)

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf dieses Album gekommen bin. Entweder wurde es mir, wegen des absolut großartigen Covers zugeschickt oder ich weiß nicht. Nur um es mal, runterzubrechen: Ein Jesus in JNCO-Jeans (das sind doch welche, oder?), der von mehreren Leuten umringt ist. Darüber der grade mal so lesbare Bandschriftzug und dadrunter der Titel "He Is Rizen". Ganz genau, mit einem Z. Auch die Aufgaben der Bandmitglieder werden mit Zs versehen. So haben wir Drumz, Vocalz, Stringz. Nur bei "Bass" hat man kein Z hinzugefügt. Achja, mit drei Tracks ist es nicht wirklich ein Album sondern eher eine EP. Aber das ist meine Interpretation. Was zur Hölle ist das hier überhaupt?


Fünf Bandmitglieder, darunter zwei Vocalists (480Troy und Rolo) präsentieren eine kurzweilige jedoch äußerst brutale Death Metal EP. Und zwar aus der Sparte "Brutal Death Metal". Direkt aus Phoenix, Arizona präsentieren die beiden oben genannten Sänger plus Dillon an der Gitarre, Seth and den Drumz und Taylor am Bass ganze drei Songs: "Pain Is Free", "He Is Rizen" und "Savage State Of Mind". Dabei funktioniert alles nach der Formel "Wir machen Death Metal aber haben kein Problem mit Deathcore und überhaupt ich mach jetzt ÜÜÜÜH ÜÜÜH ÜÜÜH ÜÜÜÜÜÜH". Überhaupt ist das hier mein Lieblingszitat. In "Pain Is Free" heißt es tatsächlich "ÜÜÜH ÜÜÜH ÜÜÜH ÜÜÜH ÜÜÜH ÜÜÜH OOOOOOOOOOOH!". Es ist fantastisch. Brachiale Drums, Breakdowns, ein Bassist den man kaum hören kann und zwei Sänger die sich anhören wie drei weil einer die Stimmlage wechseln kann. Zumindest höre ich das irgendwie heraus. Es geht höchstwahrscheinlich um verschiedene Aspekte von zwischenmenschlichen Abgründen. Und natürlich samplet man irgendeinen Horrorfilm, den ich jetzt nicht kenne. 

Holy fuck, ist das hohl. So hohl. So hohl. Und zwar so hohl, dass es wiederum sehr viel Spaß macht, anzuhören. Heiliger Fick, ist das großartig.

8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Lol, es sind doch nur drei Songs die ich oben schon erwähnt habe.

Bandcamp

Donnerstag, 12. Februar 2026

My Favorite TV-Show: 24 Double Feature!

Und weiter geht die fröhliche Reise ins Land von "24". Diesmal behandeln wir zwei...Fortsetzungen oder so in der Art.

24: Live Another Day

Kaum ging es letztens erst mit der Hauptserie zu Ende, schon geht es an der gleichen Stelle weiter. "24: Live Another Day" ist im Grunde genommen eine Fortsetzung, kein Ableger, kein Spin-Off. Anstelle von 24 Folgen haben wir hier ganze 12. Doch eins nach dem anderen.


Wir befinden uns in London. Jack Bauer (immer noch Kiefer Sutherland) ist hier untergetaucht weil er sowohl von der US- als auch von der russischen Regierung gesucht wird. Schließlich hat er in der letzten Staffel aus Rache für den Tod von Renee Walker Mitglieder der russischen Regierung verletzt oder getötet. Chloe (Mary Lynn Rajskub), eine ebenfalls ehemalige CTU-Agentin und Bauers Vertraute hat sich einer Gruppe von Hackern angeschlossen. Sie selbst ist mittlerweile Whistleblowerin und wurde vom Londoner Zweig der CIA verhaftet. Man vermutet dort, dass Bauer einen Anschlag auf US-Präsident James Heller (William Devane), der in Staffeln 4-5 Außenminister war, plant. So findet man und verhafet ihn. Dies war allerdings nur eine Finte Bauers um irgendwie in die Nähe von Chloe zu kommen und sie da rauszuholen. Warum ist Heller in Großbritannien? Nun, es geht ihm um ein Treffen mit der britischen Regierung. Die USA sollen eine Drohnenbasis auf der britischen Insel Diego Garcia weiter betreiben dürfen. Zu blöd nur, dass eine amerikanische Drohne von jemand unbekanntes aus der Ferne manipuliert wird und mehrere britische Soldaten tötet. Es kommt zu einen Skandal. Der zuständige Drohnenpilot wird verhaftet und ihm werden mörderische Absichten unterstellt. Tatsächlich scheint jemand wirklich vorzuhaben, ein Attentat auf Heller durchzuführen. Jack tut sich mal wieder mit Chloe zusammen um näheres rauszufinden und das aller aller schlimmste zu verhindern.

Diesmal hat man die Handlung immer noch in 24 Stunden untergebracht, allerdings in 12 Folgen. So findet vor der letzten Folgen ein Zeitverschiebung von 12 Stunden statt. Eine ziemlich einfache Lösung. Alles findet immer noch in Echtzeit statt. Und zwar alles genauso unrealistisch viel für "nur" 24 Stunden. Man hat einfach die Handlung von L.A./Washington/N.Y. nach London versetzt und die britische Schauspiellegende Stephen Fry als Premierminister engagiert. Chloe sieht aus wie eine äh Goth-Hackerin. Nachdem ihrer Familie wirklich super schlimmes widerfahren ist, ist sie voller Trauer. Darum muss sie jetzt wie Noomi Rapace in diesen Stieg-Larsson-Verfilmungen aussehen. Es ist eine durchaus würdige Fortsetzung, die zeigt was passiert nachdem man Jack gesagt hat "nun äh sie sind frei, laufen sie weg, weil äh wir müssen sie leider jagen, so rechtlich gesehen dies das" und er geantwortet hat "ja boah keine ahnung macht das halt, mir egal. ihr kriegt mich nie". Wieder mal Intrigen über Intrigen. Ein Verräter in eigenen Reihen. Ein "Rogue Agent" wie Bauer, der offiziell mit den Behörden zusammenarbeitet obwohl er eigentlich hätte verhaftet werden müssen. Russland. Chinesen. Araber. Anschläge. Alles wie gehabt. Ich hatte Spaß daran, jedoch trotzdem sieht man hier schon einige Ermüdungserscheinungen. Irgendwo kopiert sich die Serie selbst und schafft so einen gewissen Nostalgie-Effekt. Es ist in Ordnung.



24: Legacy

"24: Legacy" darf definitiv gleichzeitig als Fortsetzung der ursprünglichen Serie (weil hier Charaktere daraus vorkommen) als auch als Spin-Off betrachtet werden - denn insgesamt hat sie nichts mit Jack Bauer und seiner direkten Umgebung zu tun.


Im Mittelpunkt der Ereignisse steht Eric Carter (Corey Hawkins). Er ist ehemaliger Army Ranger, der einst für die CTU gearbeitet hat. Eines Tages wird das Haus überfallen, in welchem er als auch seine Frau Nicole (Anna Diop) wohnen. Die Angreifer sind islamistische Terroristen, die irgendein bestimmtes Paket haben wollen. Eric ist ratlos, ergreift aber die Initiative - und auch Nicole kann sich mit Einsatz von Schußwaffen wehren. Es stellt sich heraus, dass Eric einst an der Liquidierung des dschihadistischen Terroristen Ibrahim Ben-Khalid beteiligt war, zusammen mit anderen Soldaten die inzwischen ein bürgerliches Leben führen. Ben-Khalids Sohn Jadalla (Raphael Acloque) ist in der Hierarchie aufgestiegen und hat die ursprüngliche Terrorgruppe fortgeführt - um unter anderem seinen Vater zu rächen. Sein Vorhaben: eine Liste von verschiedenen Schläferzellen finden um sie zu aktivieren, damit sie Terroranschläge in den USA verüben. Eric arbeitet nun mit der CTU zusammen, um die Terroristen zu finden und auszuschalten. Die CTU hingegen wird u.a. vertreten durch die ehemalige Direktorin Rebecca Ingram (Miranda Otto, bekannt u.a. aus Herr der Ringe) - sie hingegen war einst für die Liquidierung Ibrahim Ben-Khalids verantwortlich und ist somit eines der Ziele der Terrorgruppe.

Ich habe versucht, nicht zu spoilern, aber ich hätte es genauso tun können. "24: Legacy" bietet den Zuschauern ehrlich gesagt nicht viel neues. Das gleiche Schema mit den 24 Stunden in Echtzeit, allerdings gepresst auf 12 Folgen, die irgendwann 11 Stunden überspringen. Ein Hauptcharakter der besessen von seinem Job ist. Seine Partnerin, die mitfühlend ist und von seiner Besessenheit beunruhigt ist. Agenten der CTU die voll aufs Ganze gehen, Intrigen innerhalb der Strukturen, Menschen die ausgeknockt werden müssen, gefoltert und verprügelt werden müssen. Es macht Spaß, sich das ganze anzugucken. Aber nur wenn man den Aspekt ausblendet dass es eigentlich ziemlich hohl ist. Was heißt "ziemlich"? Es ist absolut hohl.