Dienstag, 21. Juli 2026

Comic Book Review#686: Judge Dredd: The Cursed Earth Saga (2013)

An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Kollegen M. für die freundliche Leihgabe. Es handelt sich um einen weiteren Judge Dredd Band aus dem Hause 2000AD. Diesmal ist es ein Nachdruck der Stories aus den Ausgaben 61-85, also die "The Cursed Earth Saga". Allerdings konnten Teile 11-12 als auch 17-18 (die in den 2000AD-Ausgaben #71-72 bzw. 77-78 erschienen sind) nicht nachgedruckt werden. Grund: Copyright infringement. Man hat sich darin gekonnt über US-Amerikanische Fast Food Giganten wie McDonald's und KFC lustig gemacht. Genauer: Die Figuren Ronald McDonald als auch der "Colonel" kamen darin, etwas entstellt natürlich, vor. Aber das hat (leider) gereicht um als CI durchzugehen. Schade, das hätte ich zu gerne gesehen.


Am Anfang der Story stellen wir fest: Es gibt nicht nur ein Mega City One sondern auch ein Mega City Two. Beide Riesenstädte liegen an der Ost- bzw. Westküste der USA. Alles dazwischen ist post-atomares Brachland bewohnt von Mutanten, entstellten Menschen, verwilderten Stämmen, Robotern, wilden Tieren und allen anderen die einem nach dem Leben trachten. Judge Joe Dredd, einer der gefürchtetesten und respektiertesten Polizisten in Mega City One kriegt eine unmögliche Aufgabe. Zusammen mit ein paar anderen Judges als auch speziell ausgestatteten und trainierten Robotern soll er Impfstoff nach Mega City Two transportieren. Dort herrscht nämlich eine fürchterliche Pandemie und die Impfung ist wohl die letzte Rettung. Dredd kriegt zu Beginn der Storyline mit, was der Pandemie-Virus denn überhaupt so kann. Judge Red (!) befindet sich in Quarantäne und es dauert nicht lange, bis er sich in eine Art primitiven, kannibalistischen Höhlenmenschen verwandelt. Auf geht's, also. Doch zuerst holt sich Dredd einen eher unfreiwilligen Helfer. Der Kriminelle Spikes Harvey Rotten, der angeblich geläutert ist, wird prompt aus einem Hochsicherheitsgefängnis geholt. Der Biker scheint eine gute Wahl für den Job zu sein. Er ist furchtlos und dreist. Auf ihren Weg nach Mega City Two treffen die Judges und Spikes Harvey Rotten (der eine offensichtliche Anspielung auf Sid Vicious ist) auf äußerst illustre Gestalten. Die merkwürdigsten und beklopptesten Kapitel (meiner Meinung nach) sind die in einer Wild West mäßigen Kleinstadt. In der Umgebung gab es einst einen Dino Park mit echten Dinosauriern. Eines der übergeblienen Dinos ist ein Tyrannosaurus Rex, der "Satanus" genannt wird. Die Bewohner des Städtchens bringen ihm regelmäpig Menschenopfer um ihn in Zaum zu halten.

Ich glaube die Geschichte mit Satanus war wohl eine der beklopptesten die ich je gelesen habe. Vor allem die durchaus grässlichen Zeichnungen von Mick McMahon haben's in sich. Die emotionalste ist allerdings die Story um den Alien Tweak (der aussieht wie ein Ameisenbär). Vor Jahren wurde seine Familie von irdischen Menschen versklavt und er selbst musste seine Intelligenz zurück halten um bloß nicht aufzufallen. Tatsächlich hat er auch Steine auf die Gräber seiner Liebsten gelegt, damit sie nach dem Tod "was zu Essen haben". Kommt mir alles sehr bekannt vor. Irgendwie hört es sich an wie eine Mischung der US-Amerikanischen Sklaverei als auch jüdischer Traditionen (ich spreche von den Steinen - natürlich abgewandelt). Mir gefallen die Zeichungen von Brian Bolland viel mehr. Sie sind so klar und deutlich, so detailliert. Da sitzt wirklich jeder Strich. Meiner Meinung nach sehen sie "teurer" aus, als würde man sich den Zeichner gar nicht leisten können. So gut ist er. Verantwortlich für den Skript sind Pat Mills und Dredd-Schöpfer John Wagner. What a fantastic read.

8,5/10 Pfandflaschen
Ein Video dazu von Unqualified Commentary:


Montag, 20. Juli 2026

Album der Woche#690: Sneaker Pimps - Bloodsport (2002)

Es war einmal vor über 20 Jahren. Ich saß vorm Fernseher bei meinen Großeltern in St. Petersburg und habe MTV geguckt. Es lief eine Sendung, die übersetzt "Musical Reading" heißt. Darin wurden Musikvideos gezeigt und dazu gab es eingeblendete Infos zu den Artists - ähnlich wie später Annotations bei YouTube-Videos. Zu sehen war der Track "Otwet" ("Antwort") von DJ Groove. Darin

hat sich der Moskauer DJ Groove über nervige Leute aufgeregt die ihn auf Parties aufgefordert haben absolut nervige Scheißmusik abzuspielen. Durch diese Annotations habe ich herausgefunden, dass die britische Trip-Hop-Band Sneaker Pimps ihn auf dem Cover zu ihrem 2002er Album "Bloodsport" abgebildet hat. Ich hatte dieses Album auch einmal in der Hand und es stimmte tatsächlich. Im Booklet wird er auch erwähnt. Jedoch kam es irgendwie nie dazu, dass ich mir das Album angehört habe. Außerdem gab es mal eine Collabo zwischen Sneaker Pimps und einen äh bekannten US-Künstler auf dem Soundtrack zu "Spawn", sodass ich mir etwas vollkommen anderes als der Inhalt dieses Albums hier vorgestellt habe.

"Bloodsport" ist das ingesamt dritte Album von Sneaker Pimps, welches zwar Anklang bei den Fans fand, allerdings bei den Kritikern eher durchgefallen ist. Wenn man sich das Cover und den Titel anguckt, könnte man denken dass es ein irgendwie aggressives Album ist. Dazu kommt noch, dass ich durch einen Printfehler bei einer anderen Bootleg-Kassette die Sneaker Pimps mit dem DJ-Duo "The Dust Brothers" verwechselt habe. Stattdessen haben wir es mit einer Band zu tun, die (Akkustik)-Gitarren, Sampling, Drums verwendet. Am Gesang sind Chris Corner und Gastsängerinnen Sue Denim und Zoe Durrant. Davor war Kelli Ali die Sängerin, hat allerdings die Band verlassen - vielleicht war es auch einer der Gründe für die schlechten Kritiken bzw. die Umstrukturierung der Band. Chris Corner wollte außerdem die eigenen Songtexte singen. Im Kern ist das hier schon Trip-Hop: leicht psychedelische Beats, die allerdings mit langsamen Gitarrenriffs und leicht leidenden Gesang von Corner übersät sind. Ich würde schon sagen, dass es wie eine rockige Version von Trip-Hop klingt bzw. würde man die Gitarren und den Gesang weglassen würde es durchaus als das durchgehen. Es ist auch ganz und gar nicht aggro, wie der Titel vermutet - dieser erinnert nämlich an diese Kampfsport-Filmreihe mit Jean Claude Van Damme. Hier heißt es "Love is just a bloodsport" (im Titeltrack). 

Ich muss sagen, dass es irgendwie eine merkwürdige Mischung ist. Mit Trip-Hop verbinde ich größtenteils entweder männlichen Sprechgesang oder eine beruhigende und einfühlsame weibliche Stimme. Nicht einen Typen der durchaus singen kann und irgendwie traurig klingt. Mir gefällt es wie Corners Stimme mal mit den Beats kollidiert und mal außerhalb der Beateinsätze erklingt. Erinnert mich irgendwie an diverse Britpop-Bands die damals in waren bzw. an eine gewisse Band, die vor kurzem sich potthässlich auf der Bühne benommen hat. Aber darum geht's jetzt nicht. Ist ein wirklich großartiges, träumerisches Album. Mag ich, liebe ich fast.

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Kiro TV, Loretta Young Silks, M'Aidez, Black Sheep


Freitag, 17. Juli 2026

My Favorite TV-Show: Mad Men

Wir hatten hier schon mal die Schwesternserie "Good Girls Revolt", aber "Mad Men" noch gar nicht. Dabei hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun, sondern wird nur sehr gerne verglichen. Während "Mad Men" in ihren sieben Staffeln langsam durch die 1960er Jahre watet ist "Good Girls Revolt" direkt zu Beginn auf den Sprung in die 1970er. Aber das nur so am Rande. 

Der Titel ist eine Anspielung an zahlreiche Mitarbeiter von Werbeagenturen in der Madison Avenue in New York. Soll heißen "Ad Men" wird zu "Mad Men", unter anderem weil die Werbefachleute völlig verrückt sind, was ihren Job betrifft. Meines Wissens zufolge ist es allerdings strittig ob dies ein historischer Begriff. Jedenfalls, worum geht es?


Im Mittelpunkt der Story steht zu Beginn der Creative Director Don Draper (Jon Hamm). Er ist in der Führungsriege von "Sterling Cooper", einer angesehenen Werbeagentur. Außerdem ist er Veteran des Koreakriegs, verheiratet mit Betty Draper (January Jones ) und Vater von zwei Kindern. Viel wichtiger allerdings: Don Draper ist ein notorischer Fremdgeher, Alkoholiker und Kettenraucher. Nichtsdestotrotz ist er sehr erfolgreich in dem Unternehmen, u.a. wegen seines Schneids und der Fähigkeit absolute Bombenaufträge an Land zu ziehen. Doch wo der Erfolg ist, da kommen auch die Selbstzweifel.

Es passieren hier sehr viele Dinge. Wir finden heraus, was es wirklich mit dem Koreakrieg bzw. der Rolle Dons darin auf sich hat und natürlich auch was auf so Weihnachtsfeiern und anderen Firmenparties so geschieht. Kinder werden gezeugt und abgegeben. Männer gehen ihren Frauen fremd, Frauen gehen ihren Männern fremd. Alle rauchen zentnerweise Zigaretten am Stück und saufen während der Arbeit. Dazu kommen noch die (zu einem Teil an die tatsächliche Geschichte des Marketings angelehnte) Aufträge hinzu und es ist interessant zu sehen, was den Leuten in der Agentur einfällt, damit alles funktioniert. Wesentlich interessanter ist allerdings der persönliche Werdegang der einzelnen Charaktere. Es ist traurig zu sehen, das Kinder unter diesen Bedingungen aufwachsen. Traurig mitzubekommen, dass im Rahmen der Handlung Menschen absolut traumatisiert werden. Gleichzeitig ist die Serie so absurd lustig, weil eben absurd lustige Sachen vorkommen. Zum Beispiel werden jemanden die Zehen mit einem Rasenmäher, in einem Büro abgehackt. Aber das nur so am Rande. 

"Mad Men" war eine super wilde Auf- und Abfahrt. Ich werde niemals dieses großartige Intro von RJD2 ("A Beautiful Mine") vergessen. Jetzt grade schreibe ich dieses Review hier und ich habe es wieder im Kopf - obwohl wir die Serie im Januar (?) 2026 zu Ende geschaut haben. Ich habe mitgefühlt, mitgefiebert, mitgelacht und einige Leute sowas von gehasst. Sowas von absolut gehasst. Einige waren grundsympathisch, vor allem allerdings wenn sie eher "unschuldig" waren und es nicht besser wussten - oder ob sie sich menschlich verbessert haben. 

Großartige Serie, ehrlich jetzt.



Mittwoch, 15. Juli 2026

Film der Woche#687: World's Greatest Dad (2009)

Ich habe irgendwann einen Screenshot von diesem Film gesehen. Es war ein Standbild von Robin Williams und Krist Novoselic vor einem Zeitungsverkaufsstand. Das hat mich neugierig gemacht und so kam der Film auf die Watchlist. Als ich dann allerdings das Poster gesehen habe, dachte ich mir, dass es wie eine typische schäbige direct-to-dvd Produktion aussieht. Die Schriftart hat mich vor allem abgeschreckt, vorerst. Als ich den Film gesehen habe, war ich allerdings sehr sehr positiv überrascht.


Im Mittelpunkt der Handlung steht der Poesie/Englischlehrer Lance Clayton (Robin Williams) der auf der lokalen High School unterrichtet. Er schreibt außerdem Romane und bis jetzt hat kein Verlag auch nur einen einzigen angenommen. Heimlich datet er seine Kollegin Claire Reed (Alexie Gilmore, u.a. Willow Creek), die allerdings auch den wesentlich erfolgreicheren Mike Lane (Henry Simmons aus Agents of SHIELD) attraktiv findet. Dazu kommt noch, dass Lance einen Sohn hat, der auf die gleiche Schule geht: Kyle (Daryl Sabara, u.a. aus Spy Kids) ist ein missratener junger Mann. Ein absoluter Misanthrop, der alles scheiße und uninteressant findet. Außer Pornografie. Der Typ holt sich gefühlt 24/7 einen runter und kann über nichts anderes reden. Seine neuesten Interessen sind "German Scheisse Porn" und Selbststrangulation. Keiner in der Schule kann ihn so wirklich leiden, bis auf seinen besten Freund Andrew (Evan Martin) - doch selbst da ist die Freundschaft eher einseitig und fragwürdig. Kyle gilt als Creep und Perverser, ein Außenseiter. Eines Abends findet Lance Kyles Leiche vor. Der Junge hat sich aus Versehen beim Masturbieren umgebracht. Stranguliert. Damit das Ganze nicht vollkommen peinlich wird, inszeniert Lance einen Selbstmord. Er hängt Kyle im Kleiderschrank auf und verfasst einen Abschiedsbrief in seinem Namen. Nachdem ein Schüler den Brief in einer Polizeiakte findet, veröffentlicht er diesen in der Schülerzeitung. Urplötzlich sind alle von Kyle begeistert. Es entwickelt sich eine Art Post Mortem Personenkult um ihn. High School Girlies, die ihn nie zuvor haben leiden können, tragen T-Shirts mit seinem Konterfei. Als Lance daraufhin ein fiktives, wieder von ihm selbst verfasstes, Tagebuch von Kyle veröffentlicht, eskaliert das Ganze komplett. Jungs und Mädels sehen in Kyle eine Art verkanntes Genie. Das Buch ist eine Inspiration. Lance steht plötzlich im Rampenlicht und genießt es.

Regie führte Bobcat Goldthwait (aka dieser eine meschuggene aus "Police Academy"). Kein Wunder, dass es so gut ist. Doch selbst wenn diese ekelhaftigen Ekelhaftereien von Kyle durchaus ekelhaft sind, dieses ganze Gequatsche über Pornos absolut abstoßend, so ist der Film in erster Linie wirklich witzig. Nicht aufgrund von Kyle, sondern von der Tatsache dass Lance in eine Situation gerät, die ihm gut tut - er aber nicht lange damit umgehen kann weil sie offensichtlich auf einer Lüge basiert. Es ist eine verdammt gute Story über das Gefühl, allein unter ganz vielen Menschen zu sein. Man fragt sich dann nur, wie man aus dieser Situation rauskommt? Vielleicht ist es sogar besser, sich nur mit den richtigen Menschen zu umgeben die einen dieses Gefühl nicht geben, sondern stattdessen Wärme und Geborgenheit. Oder ganz allein zu sein. Ich mag dieses Auf und Ab von Gefühlen, das jedoch absolut nicht künstlich rüber kommt. Es ist ein Ruf nach Verstandenwerden und Freiheit. Ein wirklich großartiges, meines Erachtens ziemlich untergegangenes Meisterwerk. Oh und Krist Novoselic (ex-Bassist von Nirvana) hat hier ein Cameo-Auftritt. Nur so.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer: