Samstag, 4. Juli 2026

Comic Book Review#683: Judge Dredd: Luna-1 (2015)

Wichtige Info zuerst:
Es gab nach der Blogpause im April einen kleinen organisatorischen Fehler. Aus Versehen habe ich die Pause eine Woche länger durchgezogen. Somit ist das "Album der Woche", "Comic Book Review" und "Film der Woche" die in der ersten Maiwoche erscheinen sollten, erst eine Woche später erschienen. Logischerweise hat sich dann alles verschoben. Damit ich nicht Anfang Oktober (den Halloween-Monat SHOCKTOBER wohlgemerkt) nicht immer noch "normalen" September-Content veröffentliche, habe ich beschlossen diesen Fehler JETZT auszubügeln. Und zwar erscheinen in der Woche vom 29.06.-05.07.2026 ganze zwei "Alben der Woche", zwei "Comic Book Reviews" und zwei "Filme der Woche". Das hier ist das zweite "Comic Book Review". Here we go:

Eine weitere Leihgabe vom Kollegen M. Danke dafür. Diesmal wurden die Stories ursprünglich in den Ausgaben 42-58 des britischen Comic-Magazins "2000AD" veröffentlicht. Tatsächlich ist mir mittendrin aufgefallen, dass ich sie schon mal gelesen habe. Ich darf nämlich die erste Ausgabe von "Judge Dredd: The Complete Case Files" mein Eigen nennen. Darin sind die Comics aus den "2000AD"-Ausgaben 2 bis 60 enthalten. Allerdings finde ich, dass man das hier durchaus besprechen darf weil ich es zuvor nur grob angerissen habe.

In der Ausgabe 42 kriegt Judge Joe Dredd mitgeteilt, dass er für ein halbes Jahr woanders gebraucht wird. So verfrachtet man ihm auf die menschliche Kolonie auf dem Mond. Dort darf er ein halbes Jahr lang den Marshall spielen und für Zucht, Ordnung und Gesetz sorgen. Sein treuer Diener, der Roboter Walter (der mit dem Sprachfehler, er kann kein "R" aussprechen) schleicht sich in eines seiner Koffer

und kommt auf diese Weise auch mit, obwohl Dredd es ihm untersagt hat. Was den Cop aus Megacity One hier nun erwartet, ist nicht viel anders als auf der Erde. Eine korrupte Organisation, die gefühlt die Hälfte aller unternehmen hier verschluckt. Man treibt einen Mitarbeiter dermaßen in den Wahnsinn, dass er Amok läuft. Doch JD erschießt ihn nicht, sondern nur so leicht ins Bein weißte, damit er verhaftet werden kann. Grund: Der Sohn des Amokläufers sieht zu und macht sich sorgen. Viel wichtiger als das, als auch irgendwelche Banküberfalle die von Leuten begangen werden, deren Gesichter mithilfe einer Maschine verändert werden können ist die Story der Mond-Olympiade. Mehrere Länder nehmen teil, darunter auch die Sowjetunion bzw. die "Soviet Cities", wie man sie in der Zukunft nennen wird. Es gibt einen Anschlag auf einen sowjetischen Sportler, sodass die Sowjetunion einen Krieg erklärt. Zum Glück werden Kriege in der Zukunft nur noch in Kleinstgruppen von 4 Männern geführt und von der Öffentlichkeit als eine Art Sport betrachtet. Genau das schmeckt Judge Dredd aber nicht. Menschen sind wegen nichts und wieder nichts drauf gegangen und man sieht das als Amusement. Kein Wunder, dass er dem "Sportkommentator" das Mikrofon in die Fresse stopft.

Es ist ein interessantes Kapitel. Eins dass eine Gesellschaft beleuchtet, die noch mal ein kleines Bisschen bekloppter ist als die auf der Erde in den Mega Cities. Weil mehr Korruption und weniger Schwerkraft. Es ist keine einheitliche Story sondern mehrere voneinander unabhängige Kapitel, die allesamt zu der Zeit spielen als Judge Dredd Marshall der Mondkolonie wurde. Durchaus witzig, over the top und höllisch gut gezeichnet. Vor allem von Brian Bolland und Ian Gibson. Die Sachen von Mick McMahon gefallen mir etwas weniger. Geschrieben wurde alles von Schöpfer John Wagner. Mir hat es schon enormen Spaß gemacht, allerdings bevorzuge ich die Stories die wie ein riesiger Fortsetzungsroman sind.

7/10 Pfandflaschen
Hier ein Review von wyrmberg malcolm zu den Complete Case Files#1:


Freitag, 3. Juli 2026

Album der Woche#687: Дельфин - Не в фокусе (1997)

Wichtige Info zuerst:
Es gab nach der Blogpause im April einen kleinen organisatorischen Fehler. Aus Versehen habe ich die Pause eine Woche länger durchgezogen. Somit ist das "Album der Woche", "Comic Book Review" und "Film der Woche" die in der ersten Maiwoche erscheinen sollten, erst eine Woche später erschienen. Logischerweise hat sich dann alles verschoben. Damit ich nicht Anfang Oktober (den Halloween-Monat SHOCKTOBER wohlgemerkt) nicht immer noch "normalen" September-Content veröffentliche, habe ich beschlossen diesen Fehler JETZT auszubügeln. Und zwar erscheinen in der Woche vom 29.06.-05.07.2026 ganze zwei "Alben der Woche", zwei "Comic Book Reviews" und zwei "Filme der Woche". Das hier ist das zweite "Album der Woche". Here we go:

Um es in lateinischen Buchstaben auszudrücken: Das Album heißt "Ne w fokuse" also "Nicht im Fokus". Es ist das erste Solo-Album des russischen Künstlers Andrey Lysykov aka Delfin. Oder Dolphin, um es auf Englisch auszudrücken. Lysykov war ursprünglich Breakdancer (und Matrjoschka-Verkäufer) auf dem berühmten Arbat in Moskau und gleichzeitig auch Mitglied und Hauptsongwriter der Alternative Rock Band "Dubovyi Gaaj" (auf Deutsch "Eichenlaub), die schon Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger Rap-Elemente in ihre Songs eingebracht hat. Doch das Projekt wurde unterbrochen, weil...Lysykov Mitglied in einer Boyband wurde. Diese hieß "Maltschischnik" ("Junggesellenabschied"). Er selbst war auch da Hauptsongwriter und hat radikal die musikalische Ausrichtung verändert. So wurde aus einer Boyband eine provokative Rapcrew mit anstößigen, sexuell anrüchigen Lyrics. Der Song "Sex Non-Stop" war eine gewollte, stumpfe Provokation. Die Öffentlichkeit war schockiert und die Aufmerksamkeit war da. Ursprünglich sollte "Ne w fokuse" ein weiteres Album der Gruppe werden. Allerdings sind die beiden anderen Mitglieder, Mutabor und Den, eher selten im Studio aufgetaucht und überhaupt war man am Ende der Meinung, dass die Band sowieso hin ist. So hat Delfin das meiste aufgenommen und der Rest wurde verworfen. Auf diese Art entstand sein erstes Solo-Album.

Es handelt sich um ein Hip-Hop-Album mit Elementen von Trip-Hop. Der Titel ist eine Anspielung auf die Tatsache, dass Menschen die Drogen konsumieren sich nicht "im Fokus" befinden. Ihre Aufmerksamkeit gilt anderen Dingen, sie sind geistig nicht wirklich da. Der Opener des Albums, "Diler" ("Dealer") zeigt alles aus der Perspektive eines Drogendealers. Es heißt, zusammengefasst: "Oh ja, ich bin ein fieser Typ, doch ich kann mir das erlauben (...) du wirst mir all dein Geld geben und mich

angucken, als wäre ich so ein Arschloch (...)". Oder im Grunde: Ich bin schlecht für dich, doch du wirst immer wieder kommen und du kannst nicht anders. "Wojna" ("Krieg") handelt von einem inneren Krieg gegen sich selbst. "Delfin" ist eine Art Metapher auf Lysykovs Leben und erzählt eigentlich die Story vom Leben des letzten Delfins in einem Ozean. "Ja lyublyu ljudej" ("Ich liebe Menschen") ist ein Disstrack gegen all diese Leute die "einen in einer merkwürdiger Weise Danke sagen" bzw. "viel zu viel von sich selbst halten". Der Song ist voll mit Beleidigungen und als dieser das erste Mal live performt wurde, war ein Fernsehsender dermaßen schockiert, dass er viel zu spät die Übertragung abgebrochen hat. 

"Ne w fokuse" bietet typischen Hardcore Rap der in den 1990ern in Russland populär war. Allerdings ohne jegliche Poserscheiße oder "Gangster"-Getue. Viel eher beschäftigt sich Lysykov mit persönlichen Geschichten die er mal mehr mal weniger direkt verwurstet. Die Beats sind mal trip-hop-chillig mal "rock"-artig bzw. gitarrenlastig. Entweder rappt er ebenfalls auf eine entspannte, fast schon apathische Art oder allerdings auf eine passiv-aggressive. Man merkt ganz eindeutig, dass das Album beinahe in Eigenregie entstanden ist und er einfach das gemacht hat, worauf er Lust hatte. Bis heute ist Delfin zwar ein anerkannter Künstler, allerdings kein Teil irgendeiner russischen "Künstler-Elite". Das heißt, dass er bis jetzt keine direkten, eindeutigen Worte über den Angriff Russlands auf die Ukraine gefunden hat. Zwischen den Zeilen, in früheren Interviews, merkt man aber eindeutig dass er gegen eine Militarisierung der russischen Gesellschaft ist. Ein wirklich herausragendes Lo-Fi-Album, dass trotzdem höllisch gut produziert klingt. 

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Ja lyublyu lyudej, Diler, Vera, Wojna


Donnerstag, 2. Juli 2026

Mittwoch, 1. Juli 2026

Film der Woche#684: L’Année dernière à Marienbad (1961)

In Deutschland bekannt als "Letztes Jahr im Marienbad", wobei der Film nicht in Marienbad (damals Tschechoslowakei) gedreht wurde sondern in Deutschland. Der Film ist ein Versuch des Regisseur Alain Resnais einen Film nach dem Schema Nouveau Roman zu drehen. Also, der Film ist keine Verfilmung eines Buches sondern ein eigenständiges Werk mit eigenständigen Drehbuch. Allerdings ist dieses Drehbuch wie ein Nouveau Roman geschrieben.

Die Handlung spielt sich in einem Grand Hotel ab. Wo genau, in welchem Land, das wird nicht wirklich klar gestellt. Zunächst mal kriegen wir mit wie ein Mann genaustens beschreibt, wie er schon oft durch die barocken Räume des Hotels gegangen ist. Das Ganze mündet in einem Theaterstück dass von

Hotelgästen angesehen wird. Darin versucht ein Mann eine Frau zu überzeugen, mit ihm mitzugehen und ein neues Leben anzufangen. Tatsächlich fokussiert sich die Handlung daraufhin auf ein ähnliches Szenario. Ein Mann (Giorgio Albertazzi) versucht eine Frau (Delphine Seyrig) zu überzeugen, dass sie sich letztes Jahr in diesem Hotel getroffen haben. Außerdem soll er sie überredet haben, ihren Partner zu verlassen und mit ihm ein neues Leben anzufangen. Sie hat ihm das versprochen. Doch sie kann sich absolut nicht daran erinnern oder hat es komplett verdrängt. Vielleicht war es auch ein harmloser Flirt und sie bereut ihr Verhalten - möchte das aber nicht zugeben. Immer wieder fordert der Typ den Partner der Frau zu einem Nim-Spiel heraus.

Es ist nicht klar, was von der Handlung tatsächlich Vergangenheit oder Gegenwart ist, was in einer Fantasie und was in der Realität stattfindet. Insgesamt wirkt der Film auf mich wie eine Umsetzung eines Versuchs von Gaslighting bzw. eines aufdränglichen Typen eine Frau "zu verführen". Alles in allem eine sehr kryptische Angelegenheit, gefüllt mit seltsamen Dialogen, die die Schauspieler erscheinen lassen als wären sie in einem Traum. Generell bewegen sich diese ganzen Figuren auch so. Es fiel mir im Grunde genommen schwer, mich in diesem Film einzufinden. Ein durchaus merkwürdiges Erlebnis. Ich mochte allerdings die Kulissen und die Aufnahmen der einzelnen Orte. Das war wirklich sehr gut. Da ich nicht komplett durchgestiegen bin und den Film aber nicht schlecht fand, entziehe ich mich dieses eine Mal der Bewertung.

Keine Bewertung 

Trailer:


Dienstag, 30. Juni 2026

Comic Book Review#682: Gehenna: Naked Aggression#1 (2025)

Rausgekommen bei Image Comics. Kreiert von Maurizio Rosenzweig und Patrick Kindlon.

"Gehenna: Naked Aggression" erzählt die Geschichte von einer trainierten und sich mit Waffen auskennenden Frau, die eigentlich drauf und dran war einen Mann zu töten. Einen Mann, der irgendwo ganz oben im Mafia-Turm sitzt und ganz viel zu sagen hat. Doch es kommt zu unvorhergesehenen Ereignissen. Sie gerät in einen Hinterhalt und der Sohn der Mannes, ein Schüler namens Stephen gerät zwischen die Fronten. Anstelle ihr Ziel zu erledigen, kidnappt sie also das Kind - und versucht es

gleichzeitig vor den Kugeln der Mafiosi zu schützen. Es kommt zu einer wilden Jagd über den Dächern einer Großstadt. Der Junge wird unfreiwillig zum Helfer bei seinem eigenem Kidnapping. Jeder wird verletzt. Jeder wird erschossen. Es wird über Dächer gesprungen und ein Auto angehalten, die Passagiere als Geisel genommen und zur Weiterfahrt gezwungen. Doch warum? Nun, die Frau hat eine Geschichte. Eine Rechnung offen. Eine sehr große.

Wir erfahren nicht wie sie heißt. "Gehenna" ist ein Begriff aus jüdischer und christlicher Mythologie. Ein Ort zur Bestrafung derjenigen die kein ehrenwertes Leben geführt haben. Die Hölle quasi. Und es ist die Hölle durch die sie durchgegangen ist. Ich erzähle nichts genaueres. Aber wer die Hintergrundstory von Frank Castle aka Punisher, der weiß was ich mein. Hier ist allerdings eine Frau gegen alle, die gleichzeitig unschuldiges Leben schützt und was gegen organisierte Kriminalität hat. Sie kann sehr gut mit Waffen umgehen und gut auf die Fresse hauen. Ein großartiges, schnelles Exploitation/Pulp-Inferno. Wir kriegen das meiste aus erster Perspektive erzählt. Alles geschieht in wirklich enorm schnellen Tempo, wie in einem Action-Film - allerdings keinen von großen Hollywood-Kaliber. Fast schon wie bei diesen "Girls with Guns"-Filmen aus Hong Kong. Fantastische Zeichnungen die Aussehen wie aus der Zeit als Frank Miller (noch) nicht verrückt war.

I like.

8/10 Pfandflaschen
Hier ein Video von The Kovacs Report: