Mittwoch, 15. Juli 2026

Film der Woche#687: World's Greatest Dad (2009)

Ich habe irgendwann einen Screenshot von diesem Film gesehen. Es war ein Standbild von Robin Williams und Krist Novoselic vor einem Zeitungsverkaufsstand. Das hat mich neugierig gemacht und so kam der Film auf die Watchlist. Als ich dann allerdings das Poster gesehen habe, dachte ich mir, dass es wie eine typische schäbige direct-to-dvd Produktion aussieht. Die Schriftart hat mich vor allem abgeschreckt, vorerst. Als ich den Film gesehen habe, war ich allerdings sehr sehr positiv überrascht.


Im Mittelpunkt der Handlung steht der Poesie/Englischlehrer Lance Clayton (Robin Williams) der auf der lokalen High School unterrichtet. Er schreibt außerdem Romane und bis jetzt hat kein Verlag auch nur einen einzigen angenommen. Heimlich datet er seine Kollegin Claire Reed (Alexie Gilmore, u.a. Willow Creek), die allerdings auch den wesentlich erfolgreicheren Mike Lane (Henry Simmons aus Agents of SHIELD) attraktiv findet. Dazu kommt noch, dass Lance einen Sohn hat, der auf die gleiche Schule geht: Kyle (Daryl Sabara, u.a. aus Spy Kids) ist ein missratener junger Mann. Ein absoluter Misanthrop, der alles scheiße und uninteressant findet. Außer Pornografie. Der Typ holt sich gefühlt 24/7 einen runter und kann über nichts anderes reden. Seine neuesten Interessen sind "German Scheisse Porn" und Selbststrangulation. Keiner in der Schule kann ihn so wirklich leiden, bis auf seinen besten Freund Andrew (Evan Martin) - doch selbst da ist die Freundschaft eher einseitig und fragwürdig. Kyle gilt als Creep und Perverser, ein Außenseiter. Eines Abends findet Lance Kyles Leiche vor. Der Junge hat sich aus Versehen beim Masturbieren umgebracht. Stranguliert. Damit das Ganze nicht vollkommen peinlich wird, inszeniert Lance einen Selbstmord. Er hängt Kyle im Kleiderschrank auf und verfasst einen Abschiedsbrief in seinem Namen. Nachdem ein Schüler den Brief in einer Polizeiakte findet, veröffentlicht er diesen in der Schülerzeitung. Urplötzlich sind alle von Kyle begeistert. Es entwickelt sich eine Art Post Mortem Personenkult um ihn. High School Girlies, die ihn nie zuvor haben leiden können, tragen T-Shirts mit seinem Konterfei. Als Lance daraufhin ein fiktives, wieder von ihm selbst verfasstes, Tagebuch von Kyle veröffentlicht, eskaliert das Ganze komplett. Jungs und Mädels sehen in Kyle eine Art verkanntes Genie. Das Buch ist eine Inspiration. Lance steht plötzlich im Rampenlicht und genießt es.

Regie führte Bobcat Goldthwait (aka dieser eine meschuggene aus "Police Academy"). Kein Wunder, dass es so gut ist. Doch selbst wenn diese ekelhaftigen Ekelhaftereien von Kyle durchaus ekelhaft sind, dieses ganze Gequatsche über Pornos absolut abstoßend, so ist der Film in erster Linie wirklich witzig. Nicht aufgrund von Kyle, sondern von der Tatsache dass Lance in eine Situation gerät, die ihm gut tut - er aber nicht lange damit umgehen kann weil sie offensichtlich auf einer Lüge basiert. Es ist eine verdammt gute Story über das Gefühl, allein unter ganz vielen Menschen zu sein. Man fragt sich dann nur, wie man aus dieser Situation rauskommt? Vielleicht ist es sogar besser, sich nur mit den richtigen Menschen zu umgeben die einen dieses Gefühl nicht geben, sondern stattdessen Wärme und Geborgenheit. Oder ganz allein zu sein. Ich mag dieses Auf und Ab von Gefühlen, das jedoch absolut nicht künstlich rüber kommt. Es ist ein Ruf nach Verstandenwerden und Freiheit. Ein wirklich großartiges, meines Erachtens ziemlich untergegangenes Meisterwerk. Oh und Krist Novoselic (ex-Bassist von Nirvana) hat hier ein Cameo-Auftritt. Nur so.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 14. Juli 2026

Comic Book Review#685: Minor Threats#1-4 (2022)

Ich habe eine Ausgabe dieses Comics irgendwann bei "Comics Monthly" reviewt, lange bevor die Rubrik von mir endgültig eingestellt wurde. Irgendwann habe ich mir tatsächlich das erste Sammelband gehört, nachdem ich mich durch einen niemals enden wollenden Lesestapel durchgelesen habe - hat aber trotzdem Spaß gemacht.


"Minor Threats" stammt aus den Federn von Patton Oswalt, Jordan Blum, Scott Hepburn, Ian Herring und Nate Piekos. Da ich weiß, dass Patton Oswalt einen Punk-Hintergrund hat, fiel die Wahl des Titels wahrscheinlich auf ihn. Anyways, es geht nicht um Punkrock oder Straight Edge oder so. Aber auf jeden Fall um eine geringe Bedrohung. Die Geschichte spielt sich ab in der fiktiven Stadt Twilight City (offensichtliche Anspielung auf Gotham City lel). Diese ist voll mit Superhelden als auch deren Gegnern. Einer der bekannteste ist das Mitglied der Gruppe "Continuum", ein Typ der sich Insomniac nennt (offensichtliche Anspielung auf Batman lel). Eines Tages geschieht das unmögliche: Kid Dusk (offensichtliche Anspielung auf Robin lel) wird von Insomniacs Archnemesis, Stickman (offensichtliche Anspielung auf Joker lel) umgebracht - was definitiv eine offensichtliche Anspielung ist auf den Batman Story Arc "Death in the Family" ist. Der Insomniac dreht vollkommen frei und will unbedingt den Mörder finden - "Continuum" hingegen dreht ebenfalls frei und macht einen auf Polizeistaat. Sie möchten allerdings all die "geringen Gefahren", quasi die Z-Promis unter den Bösewichten von der Straße wegbringen bzw. selbst den Stickman zur Strecke bringen - um ein Massaker ausgelöst durch Insomniac zu verhindern. Eine Gruppe von sogenannten "D-Listers", oder wie grade gesagt Z-Promis unter den Bösewichten tut sich zusammen. Angeführt von Frankie (aka Playtime), die Fähigkeiten hat beinahe alles erschaffen zu lassen und deren Mutter einst schon Banken ausgeraubt hat, wollen sie gemeinsam den Stickman finden und so den Frieden wiederherstellen. Es besteht nämlich ein gewisser Code, nach welchem man agiert. So rauben die "Schurken" die Banken aus und ähnliches, aber Mord steht niemals auf den Programm. Stickman hat diesen Code gebrochen und muss gestoppt werden, bevor die Lage vollkomen eskaliert.

Fantastische, detaillierte Zeichnungen die voll mit Anspielungen sind. Ich find's interessant, wie die Seiten plötzlich "vergilbt" aussehen, wenn Erinnerungen dargestellt werden. Die Darstellung der Superschurken ist gleichzeitig nicht zu düster und nicht zu campy. So ist Pigeon Pete zwar ein witziger Name, aber der Mann hört den Tauben tatsächlich zu und weiß was sie zu erzählen haben. Und er ist ein Meisterdieb. Man erfährt auch, was die Motivationen der verschiedenen Charaktere sind. Ego, Angst, Sterblichkeit und...Liebe. "Minor Threats" ist makaber, ernst und lustig zugleich. Es ist eine aufregende Geschichte über ein Haufen Außenseiter. Tatsächlich eine willkommene Abwechslung im bereich Superheldencomic. Fantastische Sache, das. Absolut.

9/10 Pfandflaschen
Erhältlich bei Dark Horse Comics
Hier ein Video von Near Mint Condition:


Montag, 13. Juli 2026

Album der Woche#689: Profanatica - Rotten Incarnation of God (2019)

Ich habe Profanatica Ende 2018 (?) als Support von Rotting Christ und Watain im Bochumer Matrix Club live gesehen. Seitdem wollte ich dieser Band unbedingt mal ein Review schenken. Alleine schon weil sie diese albernen Hüte getragen haben und ausgesehen haben wie Zwerge. Der Sänger (und Schlagzeuger) Paul Ledney war dabei der größte Zwerg von allen und sah aus als wäre er um Meilen höher als die anderen beiden. Würde er aufstehen, wäre er bestimmt 2 Meter groß gewesen. Das war sehr surreal.


Surreal ist auch dieses Album. Es ist wahrlich nicht das beste (Black) Metal Album der Welt und es ist wahrscheinlich nicht das beste Review dazu. Profanatica leben von purer Monotonie und Stumpfsinn. Es dominiert immer der gleiche Schlagzeugrhytmus. Immer der gleiche. Klopf klopf klopf klopf. Nicht die gleichen, aber doch immer wieder genauso monotonen Gitarrenriffs. Man nennt das Blackened Death Metal für den stumpfen Kerl. Zumindest in meiner Vorstellung. Hin und wieder hört man sowas wie ein Breakdown (der es wahrlich in sich hat). Profanatica machen keine Musik für Menschen, die sich nach Innovation bei Black Metal sehnen. Sondern eher für diejenigen Liebhaber des Genres die auf stumpfe Provokation und ebenso stumpfe musikalische Untermalung stehen. Gerade aber die langsamen Parts, die sehr death metallisch klingen haben es tatsächlich in sich. Sie sind wirklich cool. Ich mag auch den unverständlichen, krächzenden Gesang der größtenteils als Untermalung dient. Ich konnte sogar die ersten beiden Songs nicht voneinander unterscheiden. Das spricht nicht gerade für diese Band. Auch diese ganzen grenzdebilen Titel wie "Broken Jew" (natürlich geht es um Jesus und nicht um Antisemitismus, der Songtext ist nur zwei Zeilen lang), "Tithing Cunt" (uuuuh), "Sacramental Cum" (lol) oder "Mocked, Scourged and Shit Upon") (lmao) sprechen nicht gerade für die Band. Man hat sie sich entweder zusammen gewürfelt oder eine Abstimmung per Dartscheibe gemacht. Oder ein trainierter Affe hat auf die Titel auf dem Papier geschissen oder so. Gegen Ende wird es tatsächlich etwas spannender. Das kurze "Eucharist in Ruin" ist wirklich der beste Song hierauf. Man besinnt sich auf das ursprüngliche Thema von Black Metal: Blasphemie in jeder Hinsicht. Mehr ist das nicht. Es ist aber so hohl, dass es tatsächlich Spaß macht. Aber auf längere Sicht könnte ich mir das nicht geben. Aber es macht Spaß.

5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Eucharist in Ruin, Liturgy of Impurity


Sonntag, 12. Juli 2026

So isses, Musik!#215

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

Nun sind wir also bei C angekommen. Da es keine Regel gibt, die besagt dass eine Band nicht doppelt vorkommen darf kommen diesmal Chaos Z zwei mal vor. Wahnsinn, aber normal.

Chaos Z – Gewalt

Raphi:

"Wenn es um Depro- und Düsterpunk geht, sind Chaos Z, beziehungsweise ihre Nachfolgeband Fliehende Stürme eine der wichtigsten Gruppen. Deutlich näher am Hardcore als nach ihrer Umbenennung haben Chaos Z vor allem Lieder produziert, die auch als Post Metal-Variante super klingen würden. Und der absolute Sturm aus depressivem Hardcore Punk ist der Song „Gewalt“. In meinen späten 20ern habe ich eine meiner bisher tiefsten depressiven Episoden durchlebt, und dieser Song hat mich fast täglich dabei begleitet, gegen die Dunkelheit von innen anzukämpfen. Danke!"


Ich:
Ich kann im Grunde das wiederholen was Raphi gesagt hat. Nur dass ich nicht von den späten 20ern sondern eher von mittleren 30ern reden würde. Es ist einerseits befreiend diese Worte zu hören: "Fäuste gegen Wände, die Mauern sind zu hoch, Alltag bis zum Ende, ein Leben das erfriert", andererseits aber fürchterlich bedrückend. Eben weil ich den Gedankengang in dem Text verstehe - bis auf die Sache mit dem Amoklauf. Der Text klatscht einen ordentlich ins Gesicht, sodass man beinahe auf den Boden fällt.

Chaos Z – Krass

Ich:

Ich habe diesen Song in meiner Jugend gefühlt an die 50 Mal gehört. Tatsächlich im Glauben, er würde "Reste" heißen weil es irgendeinen Fehler bei der digitalen Version des Albums "45 Jahre ohne Bewährung" gab. Der Song war, glaube ich, der letzte auf dem Album und gleichzeitig sowas ähnliches wie ein Neuanfang für Chaos Z. Zumindest klingen sie hierauf wesentlich weniger als ihre ursprüngliche Version und mehr als die Band die sie später wurden: Fliehende Stürme. Es ist ein sowohl politischer als auch persönlicher Song. Meines Erachtens handelt er von der persönlichen Enttäuschung durch die deutsche Gesellschaft nach der Wiedervereinigung (deswegen "frisch vermählt"). Eine Gesellschaft, die einerseits Wohlstand und Prestige predigt aber gleichzeitig auf ihre Jugend scheißt, kann man wohl nur verachten. Ich habe auch diesbezüglich nachrecherchiert und festgestellt, dass das dazugehörige Album erschienen ist, als die Band schon Fliehende Stürme hieß. Nur "ausnahmsweise" unter altem Namen - nachdem zweites prägendes Bandmitglied, der Bruder von Sänger Andreas Löhr, Thomas Löhr gestorben ist. 

Philipp zu "Gewalt" und "Krass":


Es gibt wenige deutsche Punkbands, die so immens wichtig sind, dass eine Liste von Deutschpunk-Songs zwei Songs von ihnen verdient. Chaos-Z ist eine solche Band. Von Andreas Löhr, seinem großen Bruder Thomas und Schlagzeug er Michael Ortner 1980 gegründet, als Andreas gerade mal 13 war, veröffentlichten sie relativ schnell erste EPs und Alben mit rauem, düsteren und kompromisslosem Deutschpunk, fast ein bisschen wie deutsche discharge. Bereits Mitte der 80er Jahre wurde die Musik unter dem Einfluss von Bands wie Joy Division zunehmend schleppender, melodischer und schließlich benannte man sich in "Fliehende Stürme" um. Diese beiden Songs stammen aber tatsächlich aus der späteren "Reunion"-Phase, Thomas Löhr verstarb an HIV und Andreas Löhr schrieb ein komplettes Album wütender und resignierter Punksongs, die irgendwie besser zu Chaos-Z als zu Fliehende Stürme passten, Glück für uns, die "45 Jahre ohne Bewährung" gehört mit "Schweineherbst" von Slime zu den besten deutschen Punk-Alben der 90er. Zwar durchaus melodischer als das Frühwerk aber diese wahnsinnige Wut und Stimmung, die in Musik und Texten transportiert wird, ist einfach unvergleichlich. Krass ist hierbei (und das muss ich als einziger Ossi in der Runde nochmal erwähnen) eine Abrechnung mit dem nationalen Freudentaumel nach der Wiedervereinigung, der Kirche, der Bundeswehr und dem gesamten Konstrukt Deutschland, wahnsinnig toller und wichtiger Song. Ich würde Chaos-Z jetzt nicht unbedingt als proto-antideutsch bezeichnen, verdient hätten sie es mit diesem Song aber irgendwie.
"Gewalt" ist eine brutale und heftige Schilderung eines sinnlosen deutschen Lebens, das letztendlich in einem Amoklauf gipfelt, wer Zuspruch und Ermutigung braucht, sollte sich definitiv eine andere Band suchen, hier wird gekotzt. Was für ein Jahrhundertwerk.

Raphi:

"Es ist wohl das Chaos Z Lied, das am meisten nach Fliehende Stürme klingt. Vielleicht kann "Ein Tropfen im Feuer" noch mithalten.
Wenn ich den Text richtig verstanden habe, geht es um die letzte Phase des 20. Jahrhunderts: Hasselhoff, Wehrdienst, Baseballschläger, kunterbunte Symbolpolitik, graue Welt, und mentale Gesundheit in einer kranken Realität. Vor allem interpretiere ich die erste Strophe als antifaschistische (und antideutsche) Ablehnung der Einverleibung der DDR durch die BRD. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist folgendes: der Refrain ist ein äußerst starker Quell für innere Kraft, das Lied ist ein zeitloser Klassiker, und Chaos Z sind völlig zurecht zweimal in dieser Serie vertreten."


Chefdenker – Schwierige Zeiten

Raphi:

"Ich tu mich immer noch schwer damit, die Claus Lüer-Bands auseinanderzuhalten; vor allem bei Chefdenker und Casanovas Schwule Seite bringe ich vieles durcheinander. Aber ich feiere die Band dafür, dass sie den stumpfen Stil der ersten Deutschpunkwelle mit den melodischen Aspekten der Zweiten verbunden haben. Außerdem verbinde ich die Band mit einer etwas unbeschwerteren Zeit, als ich mit Freunden aus dem Landkreis Würzburg lange Zugfahrten und Nächte an Bahnhöfen unternommen habe. Als Erinnerung, dass es bessere Ideen gibt, als in einer frisch renovierten Wohnung eine Punk Rock Party zu veranstalten, bleibt das Lied „Schwierige Zeiten“ vom Debutalbum „16 Ventile in Gold“ unvergessen."

Philipp:

"Claus Lüer hat meine Jugend geprägt wie kaum ein zweiter, textlich, musikalisch, gesanglich, teilweise hab ich mir bei dem, was ich an Musik gemacht habe, echt mehr bei Claus geliehen, als mir selbst bewusst ist. Chefdenker war dabei aber nie meine Lieblingsband, irgendwie war mir das immer zu rockig und zu komplex, die Stimme und die Texte macht das aber nicht weniger großartig. Hier werden in erster Linie Alltagsphänomene beschrieben, das aber immer in so griffig-asozialer Lyrik, dass man gelegentlich abwechselnd nicken und mit dem Kopf schütteln möchte, alles in allem ist das aber wirklich toll. Kleiner fun fact: Ich bin Claus Lüer bisher ein mal persönlich begegnet und habe dem armen Kerl in einem kompletten Euphorie-Anfall so viele Fragen gestellt, dass ich insgeheim hoffe, dass er sich nicht mehr an mich erinnern kann, das nur als kleine Demonstration, wie wichtig mir sein Gesamtwerk ist. Shoutout an Gregor, den einzigen Menschen, der Claus' Stimme nicht mag. It's okay to be wrong."

Ich:
Ja, Raphi...ich kann mich an diese Zeit ebenfalls erinnern. Lange Nächte am Nürnberger Hauptbahnhof. Oder in Aschaffenburg, Erlangen oder ganz woanders in einem anderen Bundesland. Kann mich erinnern, dass es einige von uns gab die die Bands von Claus Lüer maßlos gefeiert haben - egal ob Knochenfabrik, Chefdenker oder Casanovas Schwule Seite. Ich konnte sie ebenfalls nicht außeinander halten und kann es bis heute nicht wirklich. Außer "Ameisenstaat" fällt mir auch kein Album ein. Es ist eine witzige Idee ein Lied darüber zu komponieren, dass es vllt. nicht so gut ist in einer neuen Wohnung eine wilde Punkerfete zu veranstalten - und das ganze auch noch "Schwierige Zeiten" zu nennen, als würde es in dem Song um irgendwas gesellschaftlich relevantes gehen. Trotzdem kann ich ehrlich gesagt nichts damit anfangen. Ich mag diese schrille, versoffene Stimme nicht.

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Mayhem Discography: Liturgy of Death (2026)

Es ist wieder so weit. Ich schließe Lücken in Discographies hier auf diesem Blog. Anfang des Jahres ist tatsächlich ein neues Album von Mayhem rausgekommen. Der Nachfolger zum 2019er Werk "Daemon" bzw. zu dessen Nachfolge-EP "Atavistic Black Disorder/Kommando".


Zugegeben, das Album hatte bei mir erst einen schwierigen Lauf. Bei vielen Alben bin ich der Meinung, dass sie eher auf einer größeren Anlage oder auf einem Laptop funktionieren. Hier ist es tatsächlich das Gegenteil der Fall: Kopfhörer sind hier die bessere Option. "Liturgy of Death" schließt einerseits da an, wo "Daemon" aufgehört hat, gleichzeitig bezieht man sich allerdings an das Urwerk der Band "De Mysteriis Dom Sathanas" als auch teilweise an eines ihrer polarisierenderen Werke, "Grand Declaration of War". So hört sich Sänger Attila Csihar teilweise wie sein Nachfolger bzw. Vorgänger Maniac an. Kritiker würden behaupten, das Ganze wäre ein absolutes Chaos und hätte keinen roten Faden. Doch ein roter Faden kann leider auch Einheitsbrei bedeuten. Mir ist Chaos lieber als absoluter Einheitsbrei, deswegen mag ich dieses Album. Ich mag die typische Mayhem-Elemente hierauf: Hellhammers Drumsound, der immer wieder an dieses Zwischenspiel aus "Freezing Moon" erinnert als auch den Wechsel zwischen Csihars Gesangsstilen. Und zwar mal finster-kreischend und mal theatralisch-dikatorisch (meine Eigenbezeichnung lol). Meiner Meinung nach klingt das Album nach all dem was, Mayhem in ihrer Karriere (dazu) gelernt haben. Bewusst überzogene Theatralik, Finsternis, Krach, schleppender Stil und Chaos. Rundum durchaus sehr gelungenes Album.

Anspieltipps: Aeon's End, Weep For Nothing, Ephemeral Eternity (mit Kristofer Rygg von Ulver)
8/10 Pfandflaschen