Sonntag, 27. September 2026

So isses, Musik!#220

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

Fahnenflucht – "Alte Lieder" & "Ohne Ausweg"

Raphi:

"Alte Lieder"

 "Als das Album „K.O. System“ in den Himmel gehyped wurde, konnte ich das wirklich überhaupt nicht nachvollziehen. Bis heute mag ich die Musik der ersten fünf Alben nicht, und kann leider nicht mal richtig erklären, weshalb. Doch dann wurde ich überrascht, als die Ruhrpunks 2021 mit „Weiter Weiter“ eine Platte veröffentlicht haben, die mir echt gefallen hat. Passenderweise haben zu ebenjener Zeit im Mantel von COVID19 auch Dritte Wahl ein neues Album veröffentlicht, das mich überhaupt nicht abgeholt hat. Aber gut, hier ist „Alter Lieder“ vom bisher besten Fahnenflucht-Album: eine kraftvolle „Nie wieder“-Ansage."

"Ohne Ausweg": "Das letzte Lied vom ersten richtigen Album der Rheinberger Band ist ein Paradebeispiel für die zweite Deutschpunkwelle. Ein bisschen gegen Deutschland, Parolenrefrain, kurze Breaks und Tempowechsel zwischen flottem Schunkeln und heftigem Geholze. Das Ganze geht insgesamt gut ins Ohr und sorgt für Unterhaltung. Außerdem merkt man auch hier schon, dass sich Fahnenflucht beim Songwriting mehr Mühe gegeben haben als viele andere Bands aus der gleichen Sparte. Als Hintergrundbeschallung bei Parties oder langen Autofahrten geht das allemal. Wirklich abgeholt hat mich das aber nicht."

Philipp:

"Alte Lieder" & "Ohne Ausweg"

"Glücklicherweise haben Raphael und ich hier zwei Lieder ausgewählt, die das Spektrum dieser Band sehr gut abdecken. Vom ungestümen und mitunter auch etwas stumpfen Früh-2000er-Straßenschlacht-Soundtrack und Kriegserklärung an Deutschtümelei und Nationalismus bis hin zur reflektierten Warnung vorm Erstarken der neuen Rechten. Musikalisch hat die Band in den 20 Jahren, die zwischen beiden Songs liegen, wirklich einen wahnsinnigen Sprung hingelegt. Mehr Metal, mehr Hardcore, mehr Post-irgendwas und immer große Melodien. Dabei Texte, die sich politisch radikal stets mit der notwendigen Haltung am Puls der Zeit bewegen und dieser mitunter einige Jahre voraus sind. Was bereits auf dem Album "Wer Wind sät" über Fluchtbewegungen und die Strömungen der neuen Rechten gesagt wird, jagt mir jedesmal einen kalten Schauer über den Rücken. Nach wie vor wirklich wichtige Band."

Gregor:

"Alte Lieder"

Das hier ist ein schöner Vergleich zu dem Song weiter unten. "Alte Lieder" ist nämlich später als "Ohne Ausweg" erschienen. Also vor fünf Jahren und nicht vor fünfzehn Jahren. Die Stimme klingt wesentlich "gefasster" und "kontrollierter" aber immer noch wütend und weniger rotzig. In dem Song geht es nicht um "unsere Lieder immer wieder" oder irgendwas onkelz-mäßigen. Sondern "das hatten wir schon einmal, erinner' dich an Weimar und das darf einfach nie wieder passieren" also um den Rechtsruck und die Gefahr die davon ausgeht usw. usf. Das Schlagzeug hört sich nicht an wie eine schöne Mülltonne, sondern wesentlich mechanischer. Insgesamt doch schon qualitativ gar nicht so minderwertig.

"Ohne Ausweg"

Hach. Das klingt wie damals als ich in meinem Kinder/Teenager-Zimmer saß und auf so nem alten CD-Player irgendeine Nix-Gut-CD abgespielt habe. Auch von der Qualität her lol. Eine räudig klingende Stimme singt irgendwas von wegen "Deutschland" und "ich spucke dir ins Gesicht" als auch "einen Ausweg gibt es näääächt". Der Bass dröhnt schön, das Schlagzeug hört sich an wie eine wunderschöne Mülltonne. Es ist vor allem eins: Sehr sehr sehr rotzig. Trotz all dieser Erinnerungen muss ich sagen: Nein, das ist nichts was ich mir heutzutage anhören würde, auch wenn Fahnenflucht zu den Koryphäen des neuen Deutschpunk gehört. Und es tut auch nicht weh, dass ich sie vor einem Jahr auf dem KAZ Open Air verpasst habe. 

Fehlfarben - "Gottseidank nicht in England"

Philipp:

"Dieses Lied habe ich frecherweise eingeschoben, nachdem unsere Liste bereits fertig war, so sehr liebe ich diesen Text und diesen ganzen vetdammten Song. Fehlfarben selbst ist aus der Düsseldorfer Szene der ersten Welle in Deutschland entstanden, Sänger Peter Hein muss wohl einer der ersten Punks überhaupt in Deutschland gewesen sein. Die Band ist vielen ja tatsächlich im Kontext der neuen deutschen Welle ein Begriff, so wirklich haben sie aber auch nie in diese Schublade gepasst.
Was mich an "Gottseidank nicht in England" fasziniert, ist nicht nur die großartige Musik sondern vor allem auch dieser durchaus kryptische Text. Zusammen mit dem Titel habe ich ihn immer als Aufforderung an die deutschen Punks gesehen, die englischen Vorbilder hinter sich zu lassen und einen eigenen subkulturellen Weg zu finden. Ironischerweise ist genau das mit der NDW passiert obwohl Peter Hein das definitiv nicht gemeint hat. Generell kann man diesen Text auch sehr gut als "Erwachsen werden in einer feindlichen Umgebung" zusammen fassen, eine Absage an Spießigkeit und Karrierismus. Es ist so oder so großartig und mein durchaus sehr lauwarmer Take dazu, dass "Monarchie und Alltag" eins der besten deutschen Punk-Alben der Frühphase ist."

Raphi:

"Die "Punkverräter" Fehlfarben hatten im Jahr 1980 schon einige Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen hinter sich, und hatten ihren ersten Plattenvertrag bei EMI in der Tasche. Das erste Album "Monarchie und Alltag" ist eine Sammlung von Hits und zeitlosen Klassikern. Fehlfarben bilden hier eine dynamische und kalte Schnittstelle zwischen Punk, Post Punk und NDW; etwas sanfter als die zeitgenössische Musik von Abwärts, und etwas krachiger als Rotzkotz. "Gottseidank nicht in England" ist gleichzeitig eines der aggressivsten und der traurigsten Lieder des großartigen Albums. Ich sehe im Text viel Raum für Interpretationen. Es geht um Anpassung in einer rauen Realität; um Konstrukte aus Lügen, die irgendwann kollabieren; um Bedeutungslosigkeit; um eine Welt, die in ihrer Oberflächlichkeit so brutal und unbarmherzig ist; und sicherlich um vieles mehr. Großartiger Titel von einem großartigen Album einer großartigen Band."

Gregor: "Und wenn die Wirklichkeit dich überholt, hast du keine Freunde, nicht mal Alkohol, du stehst in der Fremde, deine Welt stürzt ein, das ist das Ende, du bist allein"

Ich kann mich gut erinnern wie vor rund 15 Jahren mir dieses Lied vorgespielt wurde und die Person so unfassbar beeindruckt davon war - als auch sentimental. Es ist ein durchaus schönes Lied, dass von jemanden handelt der immer ganz vorne sein möchte. Dafür wechselt man die Freunde, die Klamotten, die Ansichten wie andere Socken oder andere Kleidungsstücke die man so täglich wechselt. Doch genau dann wenn die Wirklichkeit eintrifft, merkt man dass man eigentlich nichts hat. Das ist mir in meinem Leben durchaus öfter mal begegnet - nicht zwingend immer bei mir selber. Also, dass die Freunde bei welchem man sich profilieren wollte und bei welchen man gut da stehen wollte eigentlich keine echten Freunde waren - sondern vielleicht eher Saufkumpanen mit welchen man gar nichts gemeinsam hatte. Wofür die ganze Mühe für jemanden der dich nicht anerkennt? 

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FROM FIRST TO LAST: Megadeth

Ich habe ja schon mal die beiden Discographies von Slayer und Metallica reviewt. Irgendwann auch mal ein Album von Anthrax. Und niemals irgendwas von Megadeth, zumindest kein Album. Irgendwie findet sich einfach keine Zeit dafür. Daher, denke ich dass ich in dieser und der nächsten Ausgabe mir eben diese Bands in dieser Unterrubrik vornehme. Fangen wir also an mit Megadeth. Das erste Album heißt....

"Killing is my business...and business is good!" (1985)

Aufgenommen in der Formation: Dave Mustaine (voc, git), Chris Poland (git), David Ellefson (b, voc) und Gar Samuelson (dr).

Was für ein großartiges Piano-Intro. Und dann ein "Oooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooh!". Herrlich. Der erste richtige Song heißt "Last Rites - Loved To Death" und besteht aus für diese Zeit typischen Megadeth/Thrash Metal Sound. Dave Mustain schreit, mit relativ hoher Stimme. Es gibt irgendwelche dämonischen Einspieler. Irgendwie klingt das nach Axl Rose - und ich bin relativ sicher, dieser hat hier ordentlich abgekupfert bzw. sich inspiriert gefühlt. Im Titelsong geht es...wie könnte es anders sein... um einen Auftragskiller, der Menschen für Geld tötet. Ich mag es absolut wie Mustaine "It brings me great pleasure to say my next job is you!" singt. 

Zunächst mal gefällt mir das Ganze irgendwie schon, obwohl es auf den ersten Blick irgendwie leicht


generisch erscheint. Es sind halt die typischen Zutaten für ein Thrash Metal Album. Uffta-Uffta-Schlagzeug, Gitarrensoli, dämonische Einspieler, eine ziemlich hohe Stimme und selbstverständlich Texte aus der Ich-Perspektive als auch Storytelling. So geht es zum Beispiel in "The Skull Beneath The Skin" tatsächlich um das Maskottchen der Band: Vic Rattlehead, der auch auf dem Cover abgebildet ist. Tatsächlich gibt es wohl aber auch einen Titelsong der auch so heißt: "Rattlehead". Irgendwie ist dieser äquivalent zu Metallicas "Whiplash". Megadeth covern hier auch "These Boots (Are Made For Walking") von Lee Hazlewood, dass am ehesten als Song von Nancy Sinatra bekannt ist. Was zur Hölle? Aber es funktioniert erstaunlich gut. Dabei hört sich Mustaine an wie Lemmy. Mein Lieblingssong hier rauf ist "Looking Down The Cross". Darin geht es um den Tod Jesus Christus' auf dem Kreuz. Worüber sollte es denn sonst gehen? Und tatsächlich schafft man durchaus detailreich alles zu erzählen ohne in blasphemische Klischees einzutauchen. "Mechanix" wurde übrigens geschrieben als Mustaine noch bei Metallica war - ein Teil des Songs hat der Rest der Band zu "The Four Horsemen" verwurstet. Witzig.

Fazit: Hätte nicht gedacht, das mir das so gut gefallen würde. Ich bin mal gespannt, wie sich das letzte Album anhören wird.

7,75/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: These Boots, Looking Down The Cross, Mechanix



Und das letzte Album, tatsächlich das allerletzte weil Megadeth sich aufgelöst haben trägt den Titel...

Megadeth (2026)

Aufgenommen in der Formation: Dave Mustaine (voc, git), Teemu Mäntysaari (git), James LoMenzo (b), Dirk Verbeuren (dr).


Siebzehn Alben später hat sich einiges verändert. Von der ursprünglichen Besetzung ist nur noch Dave Mustaine übrig. Um Bassisten Dave Ellefson gab es vor einigen Jahren ein Skandal weil er...zwar rechtlich betrachtet kein Pädo ist aber mit einer 19-jährigen "seggsschreibne" gemacht hat. Dave Mustaine hat ihn also gefeuert. Nun also das letzte Album:

Selbstverständlich hat sich musikalisch auch alles verändert. Megadeth sind nicht mehr die Band die schneller und härter als Metallica sein sollte. Stattdessen haben wir eine typische Wendung zu teilweise langsameren Riffs, die zugleich melodischer und zugänglicher sind. Außerdem wendet Mustaine diese Art zu Singen an, die er sich über die Jahre angeeignet hat: Manchmal redet er mehr als er singt, und wenn dann nicht mehr in dieser hohen Tonlage. Die Texte sind durchaus persönlicher Natur - und leider auch relativ generisch. So heißt es in "I Don't Care", dass er grundsätzlich keinen Fick darüber gibt, was die Leute von ihm halten. "Let There Be Shred" ist im Grunde ein Song über die Metal Musik selbst. "Another Bad Day", mit diesem fürchterlichen stereotypen Refrain, handelt von...einen weiteren schlechten Tag. "Made To Kill" is im Grunde die Fortsetzung von "Killing is my business" und man spricht hier irgendwie von militärischen Einsätzen für den Frieden, die im Sterben von Zivilisten münden.

Teemu Mäntysaari ist ein großartiger Gitarrist, der verdammt viele Soli einstreut. Ich wusste gar nicht, dass er ursprünglich von der Band Wintersun kommt. Symphonic Death Metal war aber nie so richtig mein Ding. Dass es sowas überhaupt gibt. Jedenfalls sehe ich hier so einige Baustellen oder viel eher problematische Ansätze. Hier und da gibt es diese coolen Soli, supergeile prügelnde Drums und auch Mustaines Gesang gefällt mir...hier und da. Die Songtexte sind allerdings viel zu generisch und durchaus vorhersehbar. Es ist eine äh mixed can of beer, wie man vielleicht ausdrücken könnte. Kein zu schlechtes Album, aber auf jeden Fall eins dass gegen Ende eher schlechter wird als besser. Schwächster Song ist meiner Meinung nach "I Am War". Immerhin taugt das "Ride The Lightning"-Cover etwas.

5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Ride The Lightning, Made To Kill, Tipping Point




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Ulver Discography: Sic Transit Gloria Mundi EP (2017)

Erschienen zwischen "The Assassination of Julius Caesar" und "Flowers of Evil". Zweitgenanntes ist mein absolutes Lieblingsalbum von Ulver. Es sind hier ganze drei Songs zu hören: "Echo Chamber (Room of Tears)", "Bring Out Your Dead" und "The Power of Love". Die ersten beiden sind Songs die es auf das vorherige Album nicht geschafft haben. Poppig, tanzbar, sehr wavy und ziemlich ziemlich 80s, ohne jedoch zu viel an Synthies und übertriebenen Haarlack-Frisuren mit sich zu bringen. Es kingt
gleichzeitig so schön old school und so modern. Man samplet sogar irgendwelche Zitate der NASA(?) aus einer Weltraum-Mission (?). "The Power of Love" kommt allerdings tatsächlich aus eben dieser Zeit, die ich grade erwähnt habe. Es ist nämlich ein Cover von Frankie Goes To Hollywood. Allerdings ist es kein tanzbarer Banger wie "Relax" gewesen, sondern etwas nachdenkliches, schunkelndes und schönes. Also genau passend für Ulver. 

Diese EP ist eine von vielen Beweisen, dass diese Band alles kann, nichts muss aber trotzdem macht. Sie könnten, glaube ich, auf dem nächsten Album auch wieder Black Metal machen. Ich glaube, das würde ihnen gelingen.

8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Alles


Was läuft sonst? 

Es war Mord - Frühling der Verrät. Review von Raphi.

"Es gibt Bands, die einfach auf einem komplett anderen Zeitstrahl leben, und dazu gehören definitiv Es War Mord aus Berlin. Wir haben es hier seit 2016 mit Hardcore Punk und Deutschpunk mit düsterer Färbung im Stile der 1980er zu tun. Und mit "Frühling der Verräter" hat die Band aus Berlin zehn Jahre nach ihrer selbstbetitelten Demo inzwischen ihr drittes Album veröffentlicht. Vom Indie-Label Sounds of Subterrania haben sich Es War Mord verabschiedet. Stattdessen erscheint "Frühling der Verräter" bei Sabotage Records. Produziert wurde das Album von Tomatenplatten-Labelchef und Beatsteaksdrummer Thomas Götz, gemischt von Karen Dhiós und gemastert von Wolfgang Gottlieb. Ein Dutzend neue Tracks bescheren uns Es War Mord, und eröffnen eine halbe Stunde lang ein Portal in
eine finstere Welt. Hier, im "Frühling der Verräter" ist alles irgendwie schon verloren. Die hier beschriebene Realität könnte eine mögliche Zukunft unserer Welt sein; oder auch ein paralleler Zeitrahl, der spätestens im 20. Jahrhundert noch schlimmer abgebogen ist als unsere Welt. Der Sound erinnert oft an Chaos Z oder Fliehende Stürme, und manchmal an die (leider) weniger bekannten L'appel du vide, was keineswegs etwas Schlimmes ist. Vor allem brechen Es War Mord geschickt aus den typischen musikalischen Themen des Depro Punk oder Düsterpunk aus: das Ganze klingt rotziger, wütender, widerborstiger. Außerdem jagt hier ein Highlight das nächste. Da ist beispielsweise die Referenz auf Ton Steine Scherben "Keine Chance", die Hymne "1000 Jahre" oder auch das Hardcorepunk-Gewitter "Tod in Frankreich". Von vorne bis hinten ein großartiges Donnerwetter, auch wenn ich mich anfangs etwas an den Gesang gewöhnen musste.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Keine Chance, 1000 Jahre"



Mittwoch, 23. September 2026

Film der Woche#697: AQUA TEEN DOUBLE FEATURE!

Hallo und herzlich willkommen zu einem weiteren "Film der Woche". Einige von euch können sich vielleicht erinnern, dass ich die "Mutterserie" schon mal reviewt habe, und zwar hier.

Nun sind die zwei Filme dran. Damit habe ich gefühlt 100 Gehirnzellen verloren, die ich mir seit der Sichtung der Serie wieder erarbeitet habe. Naja, egal. Here we go.

Aqua Teen Hunger Force Colon Movie For Theaters (2007)

Da Staffel 4 und 5 2005 und 2008 rausgekommen sind, könnte man diesen Film zwischen den beiden Staffeln gucken. Aber eigentlich ist es vollkommen egal. Jedenfalls fängt alles an mit einem grandiosen Intro, bei welchem sich die Sludge Metal Band Mastodon beteiligt. Danach führt die Story den Zuschauer in ein gewohnt beklopptes Szenario. So sehen wir wie Master Shake, Frylock und Meatwad irgendwann im alten Ägypten sind und aus dem Arsch der Sphinx rauskommen. Danach müssen sie gegen einen überdimensionalen Pudel kämpfen. Dabei stirbt Frylock, Shake kann den Pudel allerdings besiegen. So reisen sie zum zeitreisenden Abraham Lincoln, der Frylock heilt und danach zurück in ihre

Zeit bringt. Es stellt sich heraus, dass das hier eine Märchengeschichte von Shake ist, die angeblich eine wahre Origin Story sein soll. Es ist aber natürlich gelogen. Weiterhin geht es um einen Fitnesstraining-Gerät, das Insanoflex heißt. Shake hat es vom Nachbarn Carl geklaut. Das Teil ist allerdings gar nicht richtig zusammengebaut. Es fehlt auch ein Teil. Wir erfahren durch den weiteren Verlauf der Handlung, dass dieses Gerät, ganz wie Skynet, zum Untergang der Menschheit führen wird. Als dann tatsächlich das letzte fehlende Teil gefunden und eingesetzt wird, verwandelt es sich in einen riesigen einäugigen Roboter, der durch die Stadt stampft. Carl, der sich zuvor darauf gesetzt hat ist drin gefangen und seine Muskeln werden zwangsweise trainiert. Master Shake, Frylock und Meatwad bilden ein Team mit diesem äh metallenen Roboter-Hahn aus der Zukunft um den riesigen Roboter aufzuhalten.

Es ist absolut genauso wie in der Serie. Allerdings hat man nicht bloß Material für eine zehnminütige Folge auf eine Stunde und 25 Minuten gestreckt, nein. Tatsächlich hat man sich Mühe gegeben noch mehr und noch mehr und noch mehr absolutesten Bullshit zu erzählen, der irgendwie versucht nicht zusammenhangslos zu sein. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, die völlig aus der Handlung gegriffen zu sein scheinen. Man kriegt natürlich auch den Eindruck, dass das Ganze von einem zehnjährigen niedergeschrieben und umgesetzt wurde. Einen zehnjährigen der täglich ordentlich an der Bong zieht. Ein Hahn-Roboter aus der Zukunft, Aliens, ein monströses Fitnessgerät und eine fliegende Wassermelone in welcher ein äh sprechendes Stück Wassermelone namens Walter Melon haust. Sein Komplize ist dabei Neal Peart von Rush, der fantastische Drumsolos spielt. Man fragt sich die ganze Zeit: Was ist das? Warum ist das? Wie ist das? Hört das irgendwann auf? Und wenn es dann zu Ende ist, dann ist man irgendwie traurig. Es ist auf jeden Fall irre witzig und lässt einen mit einem riesigen Fragezeichen im Gesicht zurück.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer: 



Aqua Teen Forever: Plantasm (2022)

Ich war nicht lange traurig, denn am nächsten Tag habe ich mir die Fortsetzung "Aqua Teen Forever: Plantasm" reingezogen. Dieser Film ist 2022 erschienen, also noch vor der 12. und somit letzten Staffel der Serie.

Wieder mal fängt es an mit einer Märchenstunde von Master Shake, die diesmal ein Alien/The Thing-mäßiges Weltraumszenario ist. Doch tatsächlich stellt es sich heraus, dass die drei antropomorphen Freunde getrennte Wege gegangen sind. Ihr Haus ist zerstört. Master Shake ist obdachlos und verbringt seine Zeit in einer Suppenküche. Meatwad ist es ebenfalls und geht gerne ehrenamtlich mit Hunden aus einem Tierheim spazieren. Er schläft auch dort. Einzig Frylock ist irgendwie erfolgreich. Er hat seinen Namen zu Phoenix geändert und arbeitet jetzt bei einem riesigen Multiversand namens Amazin'. Die Firma wurde von einem narzisstischen kleinen Typen mit Napoleonkomplex namens Neil (Peter
Serafinowicz) gegründet. Neil ist verzweifelt und möchte unbedingt größer werden, wofür er eine Art Fitnesstrainings/Streckungs-gerät bestellt hat, dass prompt von Drohnen geliefert wurde. Frylock kriegt überraschenderweise ein Befehl von "ganz oben" und so kommt es, dass die beiden sich endlich kennen lernen und einander sympathisch werden. Zuerst soll Frylock seine Maschine reparieren, doch die fliegende, sprechende Pommes hat eine ganz andere Idee. So werden Gene von einer Giraffe und den ehemaligen Basketballspieler Shawn Kemp gespliced um eine höhere Version von Neil zu klonen. Diese übernimmt auch prompt das ganze Unternehmen und sperrt seinen kürzeren Vorgänger in eine Box. Nach und nach stellt sich heraus, wie Amazin so groß werden konnte. Neil hat nämlich zwei außerirdische Spezies "rekrutiert" für ihn zu arbeiten: Die Japongaloiden, die aus Schleim bestehen und deren Nasen ständig laufen als auch die Fraptakulaner, die im Grunde lebende Bäume sind. Beide hassen sich, werden aber ausgetrickst um miteinander in Harmonie zu arbeiten. Doch es gibt bei Amazin' jemanden, der alles noch viel schlimmer machen möchte: Ein Wissenschaftler namens Elmer (Paul Walter Hauser) hat einen ultimativen Plan entwickelt um die billigen Mitarbeiter zu ersetzen.

Irgendwo ähnelt der Film seinem Vorgänger. Zumindest so ein Bisschen. Irgendeine Riesenmacht hat was ganz schlimmes vor. Es geht im Prinzip um den Untergang der Menschheit. Und alles wird von antropomorphen Fast Food Gegenständen zusammen mit einem äh Nachbarn von ihnen verteidigt. Grandiose Satire auf das Wirken von Amazon (natürlich) und irgendwie auch auf den Einsatz von KI (auch wenn es zu dem Zeitpunkt noch nicht in aller Munde war). Tatsächlich halte ich die Filmdauer für sehr optimal. Eine Stunde und fünfzehn Minuten, wobei der Film immer wieder von den beiden Mooninites unterbrochen wird, die gewisse Szenen einfach so rausgeschnitten haben. Damit alles wesentlich leichter zu verdauen ist, oder so. Meiner Meinung nach funktioniert der Film sogar noch besser als der erste, weil die Handlung kohärenter ist und es weniger Ausfälle gibt, die den Film wie eine Sketch-Sendung wirken ließen. So ist der Film wesentlich zusammenhängender als jegliche Folge der ursprünglichen Serie. Ich bin der Meinung, dass sowohl South Park als auch Rick and Morty Fans hier ihren Gefallen finden würden. Auch ohne jeglichen Einsatz von irgendeiner Bong oder anderen Kiffgras.

8,75/10 Pfandflaschen
Trailer: 


Dienstag, 22. September 2026

Comic Book Review#695: Blackest Night (2010)

Wieder mal eine freundliche Leihgabe von Kollegen M. Danke dafür.

Es handelt sich um das Trade Paperback welches die Ausgaben#0-8 des damals aktuellen Riesenevents von DC namens "Blackest Night" beinhaltet. Der Titel ist eine Anspielung auf die Losung "In brightest day, in blackest night, no evil shall escape my sight..." des Green Lantern Corps. 


"Blackest Night" ist die Fortsetzung der "Sinestro Corpse War"-Storyline die in den "Green Lantern" und "Green Lantern Corps"-Comics rausgebracht wurde. Im Mittelpunkt des Geschehens steht unter anderem der Bösewicht/Green Lantern Gegner Black Hand. Dieser gräbt die Leiche von Bruce Wayne/Batman aus (dieser ist zu dem Zeitpunkt tot) und trennt seinen Schädel vom restlichen Körper. Eine Art Batterie für das neu entstandene Black Lantern Corps, dass das Hauptquartier der Guardians (die "Chefs" des Green Lantern Corps angegriffen hat) fängt an zu laden. Green Lantern (Hal Jordan) und Flash (Barry Allen, der neuerdings wieder ins Leben zurückgekehrt ist) untersuchen die Grabstätte Bruce Waynes und werden plötzlich vom wieder auferstandenen Martian Manhunter (J'Onn J'Onnz) angegriffen. Nach und nach - vor allem nach einer Trauerfeier für die verschiedenen Toten - werden tote Superhelden und Superbösewichte aufgeweckt. Doch nur die, auch diejenigen die schon mal tot waren und nun wieder am Leben sind. Black Hand agiert dabei als eine Art Agent der Personifizierung des Todes - einer Entität namens Nekron. Ziel ist nun das gesamte Universum in eine Art Verkörperung des Todes zu verwandeln. Green Lantern, Flash, Mera, Wonder Woman und die anderen haben natürlich was dagegen.

Nun, mittlerweile muss ich sagen dass die Story nicht mehr aktuell ist - aber damals war sie aktuell. Und ehrlich gesagt kann ich nicht sooo viel damit anfangen. Mir gefällt das Design von Ivan Reis und die Farben von Alex Sinclair. Auch die Idee ist irgendwie cool: bereits verstorbene Helden und Bösewichte werden von jemanden extraordinäres wieder auferweckt und "böse" gemacht, sodass sie ihre einstigen Kameraden angreifen und.... nun ja, bösartig sind. Ich habe letztens die komplette "Ash vs. Evil Dead"-Serie gesehen und habe mich an diesem Konzept ziemlich satt gesehen. Deswegen überrascht mich das hier nicht wirklich und reißt mich auch nicht vom Hocker. Im Prinzip ist es das gute alte "gut gegen böse"-Ding und gleichzeitig eine Art quasi-Neustart für einige Helden, die eigentlich tot sind und so irgendwie zum Leben wiedererweckt werden. Es ist in Ordnung, I guess.

6/10 Pfandflaschen
Hier ein Review von New Mint Condition:



Montag, 21. September 2026

Album der Woche#699: Axegrinder - Rise of the Serpent Men (1988)

Immer wieder stelle ich mir bei einem Review die Frage "Warum war diese Band niemals hier?" und ich kann sie nie wirklich beantworten. Aber wenn ich darüber nachdenke, dann irgendwie schon. Wahrscheinlich bin ich damals, als der Blog noch ziemlich neu war, der Band irgendwann irgendwie entwachsen. Wahrscheinlich hörte ich sie niemals wirklich aktiv. Höchstwahrscheinlich war es auch so, dass ich irgendwann in andere Genres gestürzt bin. Und eigentlich beantwortet es die Frage. Jedenfalls, Axegrinder ist ein großartiger Name und "Rise of the Serpent Men" ist ein großartiges Album, was schon längst hätte hier auf dieser Plattform reviewt werden sollen. 


Worum geht's eigentlich? "Rise of the Serpent Men" von 1988 war bis zum Jahr 2018 das einzige Album von Axegrinder. Diese sind hervorgegangen aus der Crust Punk Band "Tyrants of Hate", die sich nach nur drei Auftritten aufgelöst hat. Beim letzten kam es zu einem Aufruhr (ausgelöst durch Diebstahl?) und so beschloß man der "Anarcho Punk" Szene den Rücken zu kehren. Es kam zu einem Stilwandel, wobei man verschiedene Einflüsse miteinander vermischt hat. Im Grunde bestanden Axegrinder aus dem selben Line-Up wie "Tyrants of Hate" nur mit einem zweiten Sänger. Der Sound war im Prinzip eine Mischung aus Einflüssen von solchen Bands wie Antisect und Amebix (also Crust und Anarcho Punk Urgesteinen) als auch Proto-Crust wie Hellbastard und Metal wie Celtic Frost oder Hellhammer. Musikalisch betrachtet ist es also langsamer metallischer Crust Punk mit Keyboard-Einlagen die ganz und gar nicht klischeehaft klingen. Was die Texte betrifft, bewegt man sich immer noch im Anarcho-Spektrum. So geht es in dem absolut fantastischen, großartigen Banger von einem Song namens "Life Chain" um das Wiedererhalten des eigenen Lebens. Die Rücknahme der Kontrolle über das eigene Leben. Freiheit vor jeglichen gesellschaftlichen Ketten, die einen festbinden und kontrollieren. "War Machine" behandelt den Gedanken in einem sinnlosen Kriegszeitalter zu leben, in welchen Menschen einander dezimieren bis irgendeiner "gewonnen" hat. In "Evilution" führt man den Gedanken weiter. Der Mensch entwickelt sich weiter als auch weitere Methoden andere Menschen zu töten. Menschheit im Full Speed Modus auf dem Weg zum Abgrund oder gegen die Wand. Im Prinzip die typischen Crust Punk/Anarcho Punk Thematiken, die man schon längst kennt. Dargeboten in einem großartigen, langsamen, doomigen (aber nicht zu doomigen) Stil. Gitarrensoli inklusive. Schleppend, aber nicht zu langsam. Maschinell aber nicht Industrial. Eher symbolisierend für zermürbende äh gesellschaftliche Systeme die Menschen vernichten. Oder so. You know what I mean.

Fakt ist, ich kannte jahrelang nur den einen Song. "Life Chain". Es ist ein großartiger Einstieg in dieses Album für mich gewesen - auch wenn es nicht der erste Song ist. Weiterer Fakt: Fantastisches Album. Ehrlich jetzt. Soundtrack zu einem fiktiven post-apokalyptischen Film in meinem Kopf. Tristesse könnte nicht besser klingen. 

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Life Chain, Evilution, War Machine