Sonntag, 12. Juli 2026

So isses, Musik!#215

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

Nun sind wir also bei C angekommen. Da es keine Regel gibt, die besagt dass eine Band nicht doppelt vorkommen darf kommen diesmal Chaos Z zwei mal vor. Wahnsinn, aber normal.

Chaos Z – Gewalt

Raphi:

"Wenn es um Depro- und Düsterpunk geht, sind Chaos Z, beziehungsweise ihre Nachfolgeband Fliehende Stürme eine der wichtigsten Gruppen. Deutlich näher am Hardcore als nach ihrer Umbenennung haben Chaos Z vor allem Lieder produziert, die auch als Post Metal-Variante super klingen würden. Und der absolute Sturm aus depressivem Hardcore Punk ist der Song „Gewalt“. In meinen späten 20ern habe ich eine meiner bisher tiefsten depressiven Episoden durchlebt, und dieser Song hat mich fast täglich dabei begleitet, gegen die Dunkelheit von innen anzukämpfen. Danke!"


Ich:
Ich kann im Grunde das wiederholen was Raphi gesagt hat. Nur dass ich nicht von den späten 20ern sondern eher von mittleren 30ern reden würde. Es ist einerseits befreiend diese Worte zu hören: "Fäuste gegen Wände, die Mauern sind zu hoch, Alltag bis zum Ende, ein Leben das erfriert", andererseits aber fürchterlich bedrückend. Eben weil ich den Gedankengang in dem Text verstehe - bis auf die Sache mit dem Amoklauf. Der Text klatscht einen ordentlich ins Gesicht, sodass man beinahe auf den Boden fällt.

Chaos Z – Krass

Ich:

Ich habe diesen Song in meiner Jugend gefühlt an die 50 Mal gehört. Tatsächlich im Glauben, er würde "Reste" heißen weil es irgendeinen Fehler bei der digitalen Version des Albums "45 Jahre ohne Bewährung" gab. Der Song war, glaube ich, der letzte auf dem Album und gleichzeitig sowas ähnliches wie ein Neuanfang für Chaos Z. Zumindest klingen sie hierauf wesentlich weniger als ihre ursprüngliche Version und mehr als die Band die sie später wurden: Fliehende Stürme. Es ist ein sowohl politischer als auch persönlicher Song. Meines Erachtens handelt er von der persönlichen Enttäuschung durch die deutsche Gesellschaft nach der Wiedervereinigung (deswegen "frisch vermählt"). Eine Gesellschaft, die einerseits Wohlstand und Prestige predigt aber gleichzeitig auf ihre Jugend scheißt, kann man wohl nur verachten. Ich habe auch diesbezüglich nachrecherchiert und festgestellt, dass das dazugehörige Album erschienen ist, als die Band schon Fliehende Stürme hieß. Nur "ausnahmsweise" unter altem Namen - nachdem zweites prägendes Bandmitglied, der Bruder von Sänger Andreas Löhr, Thomas Löhr gestorben ist. 

Philipp zu "Gewalt" und "Krass":


Es gibt wenige deutsche Punkbands, die so immens wichtig sind, dass eine Liste von Deutschpunk-Songs zwei Songs von ihnen verdient. Chaos-Z ist eine solche Band. Von Andreas Löhr, seinem großen Bruder Thomas und Schlagzeug er Michael Ortner 1980 gegründet, als Andreas gerade mal 13 war, veröffentlichten sie relativ schnell erste EPs und Alben mit rauem, düsteren und kompromisslosem Deutschpunk, fast ein bisschen wie deutsche discharge. Bereits Mitte der 80er Jahre wurde die Musik unter dem Einfluss von Bands wie Joy Division zunehmend schleppender, melodischer und schließlich benannte man sich in "Fliehende Stürme" um. Diese beiden Songs stammen aber tatsächlich aus der späteren "Reunion"-Phase, Thomas Löhr verstarb an HIV und Andreas Löhr schrieb ein komplettes Album wütender und resignierter Punksongs, die irgendwie besser zu Chaos-Z als zu Fliehende Stürme passten, Glück für uns, die "45 Jahre ohne Bewährung" gehört mit "Schweineherbst" von Slime zu den besten deutschen Punk-Alben der 90er. Zwar durchaus melodischer als das Frühwerk aber diese wahnsinnige Wut und Stimmung, die in Musik und Texten transportiert wird, ist einfach unvergleichlich. Krass ist hierbei (und das muss ich als einziger Ossi in der Runde nochmal erwähnen) eine Abrechnung mit dem nationalen Freudentaumel nach der Wiedervereinigung, der Kirche, der Bundeswehr und dem gesamten Konstrukt Deutschland, wahnsinnig toller und wichtiger Song. Ich würde Chaos-Z jetzt nicht unbedingt als proto-antideutsch bezeichnen, verdient hätten sie es mit diesem Song aber irgendwie.
"Gewalt" ist eine brutale und heftige Schilderung eines sinnlosen deutschen Lebens, das letztendlich in einem Amoklauf gipfelt, wer Zuspruch und Ermutigung braucht, sollte sich definitiv eine andere Band suchen, hier wird gekotzt. Was für ein Jahrhundertwerk.

Raphi:

"Es ist wohl das Chaos Z Lied, das am meisten nach Fliehende Stürme klingt. Vielleicht kann "Ein Tropfen im Feuer" noch mithalten.
Wenn ich den Text richtig verstanden habe, geht es um die letzte Phase des 20. Jahrhunderts: Hasselhoff, Wehrdienst, Baseballschläger, kunterbunte Symbolpolitik, graue Welt, und mentale Gesundheit in einer kranken Realität. Vor allem interpretiere ich die erste Strophe als antifaschistische (und antideutsche) Ablehnung der Einverleibung der DDR durch die BRD. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist folgendes: der Refrain ist ein äußerst starker Quell für innere Kraft, das Lied ist ein zeitloser Klassiker, und Chaos Z sind völlig zurecht zweimal in dieser Serie vertreten."


Chefdenker – Schwierige Zeiten

Raphi:

"Ich tu mich immer noch schwer damit, die Claus Lüer-Bands auseinanderzuhalten; vor allem bei Chefdenker und Casanovas Schwule Seite bringe ich vieles durcheinander. Aber ich feiere die Band dafür, dass sie den stumpfen Stil der ersten Deutschpunkwelle mit den melodischen Aspekten der Zweiten verbunden haben. Außerdem verbinde ich die Band mit einer etwas unbeschwerteren Zeit, als ich mit Freunden aus dem Landkreis Würzburg lange Zugfahrten und Nächte an Bahnhöfen unternommen habe. Als Erinnerung, dass es bessere Ideen gibt, als in einer frisch renovierten Wohnung eine Punk Rock Party zu veranstalten, bleibt das Lied „Schwierige Zeiten“ vom Debutalbum „16 Ventile in Gold“ unvergessen."

Philipp:

"Claus Lüer hat meine Jugend geprägt wie kaum ein zweiter, textlich, musikalisch, gesanglich, teilweise hab ich mir bei dem, was ich an Musik gemacht habe, echt mehr bei Claus geliehen, als mir selbst bewusst ist. Chefdenker war dabei aber nie meine Lieblingsband, irgendwie war mir das immer zu rockig und zu komplex, die Stimme und die Texte macht das aber nicht weniger großartig. Hier werden in erster Linie Alltagsphänomene beschrieben, das aber immer in so griffig-asozialer Lyrik, dass man gelegentlich abwechselnd nicken und mit dem Kopf schütteln möchte, alles in allem ist das aber wirklich toll. Kleiner fun fact: Ich bin Claus Lüer bisher ein mal persönlich begegnet und habe dem armen Kerl in einem kompletten Euphorie-Anfall so viele Fragen gestellt, dass ich insgeheim hoffe, dass er sich nicht mehr an mich erinnern kann, das nur als kleine Demonstration, wie wichtig mir sein Gesamtwerk ist. Shoutout an Gregor, den einzigen Menschen, der Claus' Stimme nicht mag. It's okay to be wrong."

Ich:
Ja, Raphi...ich kann mich an diese Zeit ebenfalls erinnern. Lange Nächte am Nürnberger Hauptbahnhof. Oder in Aschaffenburg, Erlangen oder ganz woanders in einem anderen Bundesland. Kann mich erinnern, dass es einige von uns gab die die Bands von Claus Lüer maßlos gefeiert haben - egal ob Knochenfabrik, Chefdenker oder Casanovas Schwule Seite. Ich konnte sie ebenfalls nicht außeinander halten und kann es bis heute nicht wirklich. Außer "Ameisenstaat" fällt mir auch kein Album ein. Es ist eine witzige Idee ein Lied darüber zu komponieren, dass es vllt. nicht so gut ist in einer neuen Wohnung eine wilde Punkerfete zu veranstalten - und das ganze auch noch "Schwierige Zeiten" zu nennen, als würde es in dem Song um irgendwas gesellschaftlich relevantes gehen. Trotzdem kann ich ehrlich gesagt nichts damit anfangen. Ich mag diese schrille, versoffene Stimme nicht.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Mayhem Discography: Liturgy of Death (2026)

Es ist wieder so weit. Ich schließe Lücken in Discographies hier auf diesem Blog. Anfang des Jahres ist tatsächlich ein neues Album von Mayhem rausgekommen. Der Nachfolger zum 2019er Werk "Daemon" bzw. zu dessen Nachfolge-EP "Atavistic Black Disorder/Kommando".


Zugegeben, das Album hatte bei mir erst einen schwierigen Lauf. Bei vielen Alben bin ich der Meinung, dass sie eher auf einer größeren Anlage oder auf einem Laptop funktionieren. Hier ist es tatsächlich das Gegenteil der Fall: Kopfhörer sind hier die bessere Option. "Liturgy of Death" schließt einerseits da an, wo "Daemon" aufgehört hat, gleichzeitig bezieht man sich allerdings an das Urwerk der Band "De Mysteriis Dom Sathanas" als auch teilweise an eines ihrer polarisierenderen Werke, "Grand Declaration of War". So hört sich Sänger Attila Csihar teilweise wie sein Nachfolger bzw. Vorgänger Maniac an. Kritiker würden behaupten, das Ganze wäre ein absolutes Chaos und hätte keinen roten Faden. Doch ein roter Faden kann leider auch Einheitsbrei bedeuten. Mir ist Chaos lieber als absoluter Einheitsbrei, deswegen mag ich dieses Album. Ich mag die typische Mayhem-Elemente hierauf: Hellhammers Drumsound, der immer wieder an dieses Zwischenspiel aus "Freezing Moon" erinnert als auch den Wechsel zwischen Csihars Gesangsstilen. Und zwar mal finster-kreischend und mal theatralisch-dikatorisch (meine Eigenbezeichnung lol). Meiner Meinung nach klingt das Album nach all dem was, Mayhem in ihrer Karriere (dazu) gelernt haben. Bewusst überzogene Theatralik, Finsternis, Krach, schleppender Stil und Chaos. Rundum durchaus sehr gelungenes Album.

Anspieltipps: Aeon's End, Weep For Nothing, Ephemeral Eternity (mit Kristofer Rygg von Ulver)
8/10 Pfandflaschen



Mittwoch, 8. Juli 2026

Film der Woche#686: Near Dark (1987)

Habe irgendwann mal ein Poster zu dem Film gefunden und fand es so cool, dass ich mir gedacht habe, dass der Film bestimmt auch ganz geil sein muss. Ich lag nicht wirklich falsch.

"Near Dark" von 1987 erzählt die Geschichte eines Typen namens Caleb Colton (Adrian Pasdar). Der junge Cowboy lebt zusammen mit seinem Vater Loy (Tim Thomerson) und der jüngeren Schwester Sarah (Marcie Leeds). Eines Nachts ist er in der Nachbarstadt unterwegs und spricht eine sehr blass wirkende Frau an, die er attraktiv findet. Mae (Jenny Wright), wie die Frau heißt, und er verstehen sich ziemlich gut und verbringen wortwörtlich die Nacht miteinander. Die Zeit vergeht sehr schnell und aus irgendeinem Grund muss sie allerdings schnell nach Hause. Er vermutet, dass sie Angst hat, nach Hause zu kommen, weil es zuhause wohl Stress geben würde. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Mae ist Teil einer umherziehenden Gruppe von Vampiren, angeführt vom mehr als hundert Jahre alten Jesse Hooker (Lance Henriksen), der schon im Bürgerkrieg auf der Seite der Südstaaten gekämpft hat. Mae beißt Caleb, sodass er selbst zum Vampir wird. Zumindest entwickelt er einen Blutdurst, sieht sich aber nicht
in der Lage Menschen zu töten. Die Gruppe bewegt sich in Kneipen, auf Bundesstraßen und übernachtet sogar einmal in einem Bungalow. Tatsächlich ist aber die Polizei auf ihrer Spur, weil sie eine Kneipe überfallen und für mehrere Tote gesorgt haben. Für Caleb wird die Sache immer unangenehmer. Er hat Blutdurst und kann keine Sonne mehr vertragen. Vielleicht wird aus ihm kein guter Vampir? Dazu kommt noch, dass sein besorgter Vater nach ihm sucht. Wie erklärt er ihm die ganze Situation? Vielleicht war es doch keine so gute Idee mit einem Haufen Vampire um die Häuser zu ziehen?

"Near Dark" ist eine Mischung aus Vampir/Horrorfilm, Western und Roadmovie. Wir haben einen typischen showdown, nur dass man hier nur sporadisch einen Revolver benutzt und Pferde haben Angst vor einen. Also benutzt man einen LKW. Die Gruppe um Jesse Hooker besteht aus verschiedenartigen Vampiren. Einer von ihnen ist sogar noch ein Kind (dass selbstverständlich eigentlich auch sehr alt ist). Der unangenehmste und vom Aussehen her der coolste ist allerdings Severen (Bill Paxton). Sein Look ist einfach verdammt cool: Mittelkurze Haare, Lederjacke mit lauter Badges dran, Sonnenbrille, verschmiertes Gesicht. Erinnert mich irgendwie an den Vertigo-Comic "American Vampire". Also alles hier, der ganze Film, der ganze Stil, die Kulisse. Ein durchaus kurzweiliger, aber meines Erachtens ziemlich cooler Film, der natürlich keinen Blumentopf gewonnen hat.

8/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 7. Juli 2026

Comic Book Review#684: Rogue Trooper: Welcome to Nu-Earth (2013)

Alle Achtung: Ich habe die Abenteuer vom Rogue Trooper schon mal auf diesem Blog reviewt und zwar hier. Das ist schon mehr als zehn Jahre her. Diesmal habe ich, dank Kollegen M., die Gelegenheit gehabt die Original-Schwarz-Weiß-Comics als Reprints in einem Sammelband zu lesen. Es war ein großes Vergnügen. Es handelt sich hierbei um Comic-Strips die ursprünglich in den Jahren 1981-1983 rausgebracht wurden - in den Ausgaben 228 bis 317 (mit Unterbrechungen) des britischen Sci-Fi-Comic-Magazins "2000AD".


Wir befinden uns in einer weit entfernten Zukunft auf einem anderen Planeten. Die Menschheit hat nicht nur in den Weltraum expandiert sondern auch das größte Übel, was sie je erschaffen hat, mitgebracht. Kriege, Hass, Vernichtung. Der Planet, der im Volksmund "Nu-Earth" heißt ist das Paradebeispiel dafür. Er befindet sich in der Nähe eines schwarzen Lochs, welches als Portal benutzt werden kann um in alle möglichen Ecken des Universums zu gelangen. Ein sehr nützliches Tool also, um welches gekämpft wird. Auf Nu-Earth tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg zwischen dem faschistisch anmutenden Norden (genannt "Norts") und dem demokratischen Süden (genannt "Southers"). Die Kräfte im Süden entwickelten vor einiger Zeit die "Genetic Infantrymen" (abgekürzt G.I.s). Genetisch hochentwickelte, nahezu untersterbliche künstliche Lebewesen, deren Aufgabe es war für den Süden zu kämpfen. Die G.I.s können in jeglicher giftigen Atmosphäre kämpfen und sind quasi unzerstörbar. Passiert es doch, dass einer von ihnen stirbt, wird sein Bewusstsein auf ein Chip transplantiert, bis ein neuer Körper erschaffen wird. Da der Planet wegen des Kriegs durch chemische Gase verseucht ist, ist das Leben dort nur in bestimmten hermetisch abgeriegelten Siedlungen möglich. Der letzte G.I., Codename Rogue ist unterwegs mit drei Biochips von seinen verstorbenen Kameraden. Diese sind in seinen Helm ("Helm"), sein Gewehr ("Gunnar") und seinen technisch hochentwickelten Rücksack ("Bagman") implantiert. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach einem Verräter, der einst die südliche Armee hintergangen hat. Es kam zu einem Überraschungsangriff der nördlichen Armee, bei welcher bis auf ihn alle G.I.s vernichtet wurden. Keiner konnte den Standpunkt der Southers wissen, daher muss es einen Verräter gegeben haben. Auf ihrer Reise durch den Planeten begegnen der letzte G.I. und seine implantierten Kameraden allerlei illustre Gestalten und müssen immer wieder gegen die "Norts" kämpfen. Sie treffen auf verschiedene Arten von Menschen: Siedlungen von friedlichen Menschen, die jegliche Kämpfe aufgegeben haben, Karavanen von Geflüchteten als auch Scavenger die sich durch den Krieg bereichern.

Ein sehr interessantes Format, vor allem wenn man die Möglichkeit hat alles in einem Band zu lesen. Die ursprünglichen Comic-Strips sind vielleicht mal 3-4 Seiten lang. Man musste damals immer eine Woche auf die Fortsetzung warten. Hier hat man alles auf einem Schlag. Das ist vor allem von Vorteil wenn man nicht immer die Konzentration dafür hat, sich eine längere Story zu geben. So ist ein Kapitel nach 3-4 Seiten vorbei und man kann eine Pause machen. Es ist ein optimales Format für diejenigen unter uns, die kaum Zeit zum Lesen finden und das Hobby auf Bahnfahrten oder Wartezeiten beim Arzt reduzieren müssen. Mir gefallen außerdem die historischen Anspielungen: Amerikanischer Bürgerkrieg, Vietnamkrieg, der damals sehr aktuelle Kalte Krieg und die atomare Bedrohung. Mir gefallen die drei unterschiedlichen jedoch relativ ähnlichen Stile von Dave Gibbons, Cam Kennedy und Colin Wilson. Alles wirkt halbwegs realistisch, trist und wirklich sehr gritty. Dabei ist die Hintergrundgestaltung allerdings manchmal nicht sehr detailliert sodass man den Eindruck bekommt, man würde in einem Theaterstück sitzen. Ein wirklich sehr lesens- und sehenswertes Spektakel, das Ganze.

8,5/10 Pfandflaschen
Made by: Gerry Finley-Day, Dave Gibbons, Cam Kennedy
Hier ein Preview zu einem Audiobook:


Montag, 6. Juli 2026

Album der Woche#688: Bomfunk MC's - In Stereo (1999)

Ich erinnere mich noch sehr gut. Ein Kindheitsfreund von mir, nennen wir ihn D., war damals absolut begeistert von dem "In Stereo"-Tape dass er hatte. Außerdem war er ein großer Freund von Breakdancing. Mittlerweile hat er in einer Metalband gespielt und hoffentlich spielt er noch in seiner Punkband. Ich grüße dich, wo auch immer du grade sein magst.

"In Stereo" ist das Debütalbum von Bomfunk MC's (diesen Apostroph habe ich nie verstanden), eines Hip-Hop-Duos aus Turku, Finnland. Sicherlich sind einige Songs von hier nicht unbekannt. Allen voran "Freestyler", "B-Boys & Fly Girls" oder "Sky's the Limit". Über den letztgenannten haben wir uns in der Grundschule ordentlich lustig gemacht. Der Typ der den Refrain singt ist Kärtsy Hattake von der

finnischen Rockband Waltari. Er klingt als hätte man ihn irgendwie dazu gezwungen. Aber genug davon. "In Stereo" ist ein gekonnter Mix aus Breakbeat, Techno, Drum and Bass und Hip-Hop. Reimtechnisch orientiert sich B.O.W. (Brother of Words aka Raymond Ebanks) an 1980er Hip-Hop, dessen Hörer auf Pappe (nicht das was ihr denkt) gebreakdanced haben. Die Reime sind simpel und durchaus generisch. Es geht die ganze zeit um "rock rocking the spot", "the mic I will rock" oder "rock the microphone" als auch andere Formen der Selbstdarstellung. Tatsächlich geht es aber auch um die Musik. So wird diese in den lyrics als "funky flow" der einen die Kontrolle verlieren lässt dargestellt. Ich glaube, dass Bomfunk MC's die einzige Gruppe sind die in einem Song sowohl sich selbst als auch den Albumtitel erwähnen. So heißt es in "In Stereo": "It really makes me lose controlBomfunk MC's in stereo".

Das Album ist ein durchaus wilder Mix aus schamloser Selbstdarstellung, sich ständig wiederholenden Lyrics und großartigen Musikgenres. DJ Gizmo macht wirklich höllisch gute Arbeit und macht B.O.W.s teils echt cringige Lyrics durchaus genießbar. Es ist ein Produkt seiner Zeit als man sich für so gut wie gar nichts geschämt hat. Man muss es so betrachten: Kaum jemand hat die Lyrics von "Freestyler" wirklich verstanden und es war auch gut so. Und selbst wenn man sie sich heutzutage durchliest und versteht, dass es tatsächlich ums "Freestylen" geht und darum dass man ein krasser Lyricist ist müsste man doch eigentlich innehalten und denken "ach...ist doch egal, rakamakafon". Es ist nicht alles gold hierauf. Einige Songs sind wirklich fürchterlich kringelig. Aber die Beats machen es wieder wett. Und selbst wenn es kringelig ist, ich hatte wirklich sehr viel Spaß beim Hören. Vor allem weil es für mich insgesamt doch ein Novum ist. Bis auf die oben erwähnten Tracks kannte ich hiervon nämlich gar nichts.

Anspieltipps: Freestyler, B-Boy's & Fly Girls, Rocking Just To Make You Move
7/10 Pfandflaschen