Montag, 21. September 2026

Album der Woche#699: Axegrinder - Rise of the Serpent Men (1988)

Immer wieder stelle ich mir bei einem Review die Frage "Warum war diese Band niemals hier?" und ich kann sie nie wirklich beantworten. Aber wenn ich darüber nachdenke, dann irgendwie schon. Wahrscheinlich bin ich damals, als der Blog noch ziemlich neu war, der Band irgendwann irgendwie entwachsen. Wahrscheinlich hörte ich sie niemals wirklich aktiv. Höchstwahrscheinlich war es auch so, dass ich irgendwann in andere Genres gestürzt bin. Und eigentlich beantwortet es die Frage. Jedenfalls, Axegrinder ist ein großartiger Name und "Rise of the Serpent Men" ist ein großartiges Album, was schon längst hätte hier auf dieser Plattform reviewt werden sollen. 


Worum geht's eigentlich? "Rise of the Serpent Men" von 1988 war bis zum Jahr 2018 das einzige Album von Axegrinder. Diese sind hervorgegangen aus der Crust Punk Band "Tyrants of Hate", die sich nach nur drei Auftritten aufgelöst hat. Beim letzten kam es zu einem Aufruhr (ausgelöst durch Diebstahl?) und so beschloß man der "Anarcho Punk" Szene den Rücken zu kehren. Es kam zu einem Stilwandel, wobei man verschiedene Einflüsse miteinander vermischt hat. Im Grunde bestanden Axegrinder aus dem selben Line-Up wie "Tyrants of Hate" nur mit einem zweiten Sänger. Der Sound war im Prinzip eine Mischung aus Einflüssen von solchen Bands wie Antisect und Amebix (also Crust und Anarcho Punk Urgesteinen) als auch Proto-Crust wie Hellbastard und Metal wie Celtic Frost oder Hellhammer. Musikalisch betrachtet ist es also langsamer metallischer Crust Punk mit Keyboard-Einlagen die ganz und gar nicht klischeehaft klingen. Was die Texte betrifft, bewegt man sich immer noch im Anarcho-Spektrum. So geht es in dem absolut fantastischen, großartigen Banger von einem Song namens "Life Chain" um das Wiedererhalten des eigenen Lebens. Die Rücknahme der Kontrolle über das eigene Leben. Freiheit vor jeglichen gesellschaftlichen Ketten, die einen festbinden und kontrollieren. "War Machine" behandelt den Gedanken in einem sinnlosen Kriegszeitalter zu leben, in welchen Menschen einander dezimieren bis irgendeiner "gewonnen" hat. In "Evilution" führt man den Gedanken weiter. Der Mensch entwickelt sich weiter als auch weitere Methoden andere Menschen zu töten. Menschheit im Full Speed Modus auf dem Weg zum Abgrund oder gegen die Wand. Im Prinzip die typischen Crust Punk/Anarcho Punk Thematiken, die man schon längst kennt. Dargeboten in einem großartigen, langsamen, doomigen (aber nicht zu doomigen) Stil. Gitarrensoli inklusive. Schleppend, aber nicht zu langsam. Maschinell aber nicht Industrial. Eher symbolisierend für zermürbende äh gesellschaftliche Systeme die Menschen vernichten. Oder so. You know what I mean.

Fakt ist, ich kannte jahrelang nur den einen Song. "Life Chain". Es ist ein großartiger Einstieg in dieses Album für mich gewesen - auch wenn es nicht der erste Song ist. Weiterer Fakt: Fantastisches Album. Ehrlich jetzt. Soundtrack zu einem fiktiven post-apokalyptischen Film in meinem Kopf. Tristesse könnte nicht besser klingen. 

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Life Chain, Evilution, War Machine


Freitag, 18. September 2026

My Favorite TV-Show: Rocko's Modern Life

Halli hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von "My Favorite TV-Show". Diesmal geht es um eine Sendung, die ich schon seit knapp 30 Jahren auf dem Schirm habe. Damals habe ich sie als kleiner Stöpsel geguckt - ohne ein Wort Deutsch zu verstehen und habe mitbekommen wie Filbert die Schildkröte "...eine Sekunde!" gesagt hat. Diese Stelle hat sich für immer in mein Gehirn eingebrannt. Desweiteren wurde eine Stelle von einer Musical-Folge der vierten Staffeln von der Band "Napoleon Dynamite (aka NxD) gesamplet. Ich habe endlich diese Folge gesehen und habe mich in dem Moment wie Bolle gefreut. Ehrlich.

Worum geht es?

Wir befinden uns in einer Welt die von antropomorphen Tieren bewohnt wird. Die "Gesetze" über das Essen von Tieren gelten hier irgendwie nicht und irgendwie schon. So leben "menschliche" Kühe hier, allerdings wird trotzdem irgendwo Rindfleisch gegessen, was kein Sinn macht. Der Hauptprotagonist ist Rocko, ein freundliches Wallaby dass aus Australien in die USA gekommen ist und nun in der Stadt O-

Town wohnt. Er arbeitet in einem Comicladen (meistens) und hat einen Hund namens Spunky (der nicht reden kann, während andere Hunde manchmal reden können). Sein bester Freund ist ein Stier namens Heffer Wolfe, der einst von einer Familie von Wölfen adoptiert wurde. Ein weiterer Freund Rockos ist die oben erwähnte, vollkommen neurotische Schildkröte Filbert. Ab und zu ist Rocko in eine Frau verknallt. Seine beiden Nachbarn sind das Frosch-Ehepaar Bighead: Bev und Ed Bighead. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht das "Moderne Leben". Rocko landet quasi "aus dem nichts" im realen Leben und lebt nicht mehr im "Hotel Mama". Er muss sich um seine Finanzen, sein Essen, sein Haushalt, sein kaputtes Auto kümmern. Oder darum, seinen Hund aus dem Zwinger zu befreien, weil er dort aus Versehen gelandet ist. Dabei wird Rocko selbst für einen Hund gehalten. Im Verlauf der Serie lernt er beispielsweise auch Heffers Eltern und erfährt, dass sie Wölfe sind. Was eine komische Situation verursacht weil er ein völlig unpassendes Kuh-thematisches Gastgeschenk mitgebracht hat. Zwei der Folgen, die mir besonders in Erinnerung hängen geblieben sind: In einer wird Rocko eine Niere entfernt (die in einem Narkose-Traum sich selbst "Pinky" nennt) und er kriegt ernsthafte Verlustängste. In einer anderen, bereits oben erwähnten, Musical-Folge geht es um Umweltverschmutzung wofür der hiesige Konzern "Conglom-O" (das Firmenmotto ist "We own you") verantwortlich ist. Die Bewohner der Stadt singen mehrere Songs über die Umwelt und was man dafür tun kann.

Kritiker würden behaupten, die Serie wäre mit "Ren & Stimpy" zu vergleichen. Allerdings ist sie ähnlich absurd. Das Bindeglied ist auf jeden Fall das Maß an gewissen Ekligkeiten, Geschrei, Körperflüssigkeiten und das Ignorieren von physikalischen Gesetzen. Tatsächlich ist "Rocko's Modern Life" wesentlich sozial- und konsumkritischer. So befindet sich Rocko einmal in einem Supermarkt und findet ob des riesigen Angebotes nicht die gewünschte Ware oder sucht einen Parkplatz für sein Auto bei einer Mall. Das Parkdeck reicht dabei bis oben in die Stratosphäre. Meiner Meinung nach sind es durchaus unterschiedliche Sachen. Das eine war erwachsenen-Humor getarnt als Kinderserie. Das hier ist Sozialkritik getarnt als Kinderserie. Ich fühlte mich gut unterhalten und stellenweise gut aufgehoben. Insbesondere was einige (schlimme) Kindheitserinnerungen betrifft.

Intro (von den B-52s)



Donnerstag, 17. September 2026

Mittwoch, 16. September 2026

Film der Woche#696: Fortress (1993)

Bin mir wieder mal sehr sicher, dass ich den Film irgendwo auf Instagram entdeckt habe. Es gibt so viele Infoposts (danke, dass ihr auch Infoposts einen like gebt lel) über trashige Filme, dass ich damit ein ganzes Zimmer tapezieren könnte. Jedenfalls, ist das hier glaube ich der erste mit Christopher Lambert auf diesem Blog. Komisch, dass ich den "Highlander" noch niemals hier reviewt habe. Worum geht es?

Wir schreiben die Zukunft des Jahres 2017 (jaja). Die USA sind ein totalitäres, faschistisches Land. Frauen dürfen nur ein Kind gebären. Überall sind Kontrollpunkte, Soldaten patrouillieren die Grenzen. Man darf ausreisen, allerdings gibt es Bedingungen. So ist es scheinbar so, dass Frauen die bereits eine Fehlgeburt hatten, nicht ausreisen dürfen. Scheint mir als ob der demographische Wandel derartig eingeschlagen ist, dass...ach es ergibt keinen Sinn. Jedenfalls ist Karen S. Brennick (Loryn Locklin) zum zweiten Mal schwanger. Die erste Schwangerschaft endete in einer Fehlgeburt. Nun versuchen sie und ihr Ehemann John Henry (Christopher Lambert) über die Grenze nach Kanada zu fliehen. Allerdings werden sie beim Grenzübertritt erwischt. Eine bestimmte Markierung an Karens Kragen verrät, dass sie zum zweiten Mal schwanger ist. Karen kann scheinbar zuerst fliehen - John wird jedoch gefangen genommen. In einem fensterlosen Wagen wird er
zur "Fortress" gebracht. Es ist ein Gefängnis, betrieben von der Firma "Men Tel Corporation". Was für ein geiler Name. Der Direktor des Gefängnisses ist ein Mann namens Poe (Kurtwood Smith, bekannt aus "RoboCop" und "That 70s Show"). Er ist skrupellos und sadistisch. Überhaupt ist hier alles skrupellos und sadistisch. Den gefangenen werden gewaltsam Kugeln in den Darm implantiert. Diese können aus der Ferne ausgelöst werden. Das heißt, dass die Kugeln (die übrigens "Intestinatoren" genannt werden) entweder übelste Magenschmerzen verursachen oder explodieren können. Berühren die Gefangenen im Gang eine gelbe Linie, verursacht das Schmerzen. Wird eine rote berührt, bedeutet das den Tod. Die Zellen sind überfüllt. Es herrscht das Recht des Stärkeren. Poe findet durch hochmodernes Traumlesen in Johns Träumen heraus, dass Karen ebenfalls in der "Fortress" einsitzt und äh verknallt sich in sie. Als John auch checkt, dass seine Geliebte da ist, fängt er an mit seinen Mitgefangenen an einem Fluchtplan zu arbeiten. Raus aus dieser Scheiße. Aber schnell.

Hmm. Ein weißer Mann, der vollkommen unschuldig ist landet im Gefängnis. Dort wird er unter anderem von einem älteren schwarzen Mann (Abraham, gespielt von Lincoln Kilpatrick) bemerkt. Dieser denkt sich wiederum "Hmmm, der Typ scheint korrekt zu sein". Erinnert mich an irgendwas. Weiß aber nicht genau was. Naja, egal. Was mich hier erwartet hat: Ein totalitäres System, dass Frauen für Schwangerschaften bestraft und ihnen Kinder wegnimmt, wenn sie "zu viel" sind. Ein Hochsicherheitsgefängnis in welchem mann für ALLES bestraft werden kann. Cyborgs. Explodierende Bäuche. Schießereien. Und natürlich der Gedanke, dass nur ein furchtloser Mensch - der zudem im Team arbeitet - sich Ungerechtigkeit stellen kann. Im Prinzip sowas ähnliches wie "Gesprengte Ketten". Nur in absolut trashig, leicht over the top und mehr als gritty. Oder, um es anders auszudrücken: Der Film ist totally bonkers.

7/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 15. September 2026

Comic Book Review#694: Bizarro Comics! (2001)

Eine weitere freundliche Leihgabe vom Kollegen M. Vielen Dank dafür. 

Hierbei handelt es sich nicht um ein Sammelband, dessen Inhalte ursprünglich in Heftform erschienen sind. Stattdessen habe ich eine Anthologie vor mir liegen, die bizarrer nicht sein kann. Geschrieben von solchen Größen wie Evan Dorkin, Andy Merrill, Jeff Smith, Ariel Bordeaux, Chris Duffy und gezeichnet von nicht kleineren Größen wie Bill Wray, Stephen DeStefano, D'Israeli, Paul Pope, Dave Cooper, Kyle Baker, Liz Glass, John Kerschbaum, Gilbert Hernandez und noch vielen mehr.

Die Rahmenhandlung (Bizarre Wars, Part One & Two), die am Anfang und Ende des Bandes zu finden ist spielt in der 5. Dimension. Mr. Mxyzptlk (im weiteren Verlauf des Reviews Mxy genannt), der Kobold der Superman schon so oft auf den Sack gegangen ist wacht eines Tages auf und wird zum
Anführer seiner Dimension gewählt. Doch das geschieht nicht einfach so. Tatsächlich fällt ein riesiger Außerirdischer namens A, in Begleitung seiner Assistentin (also ganz im Sinne von Galactus und Silver Surfer) über die Dimension her. Nun muss Mxy um das Schicksal seiner Welt kämpfen. Aber nicht etwa in einem Kampf sondern in gewöhnlichen (Brett)Spielen. Er darf sich einen Superhelden aus allerlei Dimensionen aussuchen, der an seiner Seite stehen darf. Im Dimensionskatalog trifft er zufällig die falsche Wahl. Supermans bizarrer Klon, Bizarro, wird nun zum kostümierten Helfer, der Mxy zur Seite stehen soll. Leider ist Bizarro nicht gerade der schlauste und hat offensichtlich Probleme mit der Sache mitzukommen. Zwischendrin kommt er auf die Idee, dass er Bösewichte mithilfe von Comics bekämpfen soll. Diese Kunst setzt er als Mittel im Kampf gegen A ein und der Leser kriegt einen Haufen Kurzgeschichten zu lesen, die sich Bizarro ausgedacht hat. Den Anfang macht "Superpets" in welcher Superman nicht alleine auf die Erde kam sondern mit einer Horde Farmtieren, sodass die Menschen auf der Erde einen fliegenden Typen für gar nicht so besonders erachten. Eine fliegende Kuh aber schon. "Captain Marvel and the Sham Shazam!" erzählt die Story darüber wie Captain Marvel (aka Shazam!) einst von seinem Erzfeind Dr. Sivana überlistet und zu einer dümmeren Version seiner Selbst wurde. In "The Clubhouse of Solitude" mit Mary Marvel und Supergirl geht es um Selbstfindung in der Welt der Superhelden. Und so weiter, und so fort. Lauter kleine Geschichten, gezeichnet und geschrieben von verschiedensten Autoren und Zeichnern. 

Häßlich, abstoßend, Golden Age, Modern Age und vor allem eins: Überragend großartig und stellenweise so unfassbar bizarr und bescheuert dass ich kaum aus dem Lachen kam. Die Stories haben es wirklich in sich. Und das obwohl sie eigentlich "nur" als in fünf Minuten erstellte Skizzen von Bizarro erdacht waren. So dumm ist er scheinbar nicht. Die Rahmenhandlung ist in typischen Golden Age Stil gehalten - zumindest sehen Superman und Wonder Woman danach aus. Man hat sogar Green Lantern Kyle Rayner reingebracht und ihn in einen Golden Age Superhero verwandelt. Das Cover stammt von Matt Groening, den Schöpfer der Simpsons - leider hat er selbst keine Story beigesteuert, was ich sehr schade finde. Mein Favorit ist "Porcine Panic" in welchen Aquaman aus der Sicht eines Kindes dargestellt wird, dass in der Badewanne spielt. Darin kämpft der Superheld gegen Wasserspielzeug (eine Schweine-Handpuppe) und verliert seinen Arm. Wie schon erwähnt: Es ist eine großartige Ideensammlung, die auf vielfältigste Art und Weise umgesetzt wurde. Heilige Scheiße, ist das großartig.

9/10 Pfandflaschen
Video dazu von Near Mint Condition: