Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von "Film der Woche". Ursprünglich wollte ich ja monatlich ein Stephen-King-Special rausbringen. Leider habe ich, was die Sache betrifft, mich auf andere Themen konzentriert. Schade eigentlich, denn es wäre ein großartiger monatlicher Beitrag gewesen. Jedenfalls, hier ist Teil 9, jetzt kommt Teil 10. Nächstes Jahr wird es dann denke ich mal weiter gehen.
27. The Green Mile (1999)
Ich hätte schwören können, dass ich den Film irgendwann mal im Rahmen von "101 Sci-Fi Filme die Sie sehen müssen bevor Sie sterben" reviewt habe. Allerdings habe ich mich geirrt und so war es gestern (30.12.2025) tatsächlich so weit und ich habe ihn wieder geguckt. Es war großartig.
Zuerst befinden wir uns in einer Wohnanlage für Senioren in Louisiana im Jahre 1998. Der Rentner Paul Edgecomb (Dabbs Greer) erzählt seiner guten Freundin Elaine (Eve Brent) wieso er bei der Aufführung von "Ich tanz mich in dein Herz hinein" bzw. dem Gesang von Fred Astaire darin in Tränen ausbrach. Wir erfahren wieso genau und ab da beginnt ein Rückblick. 1935 ist Paul (Tom Hanks) 44 Jahre alt und
Leiter des Todestraktes des Gefängnisses Cold Mountain. Der Boden hat die "Farbe alter Limonen", also grün. Man nennt den Weg zum elektrischen Stuhl "die grüne Meile". Im Todestrakt sitzen unterschiedlichste Insassen, weswegen genau erfährt man nicht. Darunter "Toot-Toot" (Harry Dean Stanton), Del (Michael Jeter) und Arlen (Graham Greene). Eines Tages kommt ein neuer Häftling an. John Coffey (Michael Clarke Duncan) ist ein muskulöser, zwei Meter großer schwarzer Mann der mit zwei toten, blutüberströmten Mädchen in den Armen aufgefunden wurde, die zuvor als vermisst gemeldet wurden. Die rassistische, bürgerliche Lynchjustiz hat ihn natürlich des Mordes bezichtigt und zum Tode verurteilt. Doch irgendwas ist an ihm anders. Er hat Angst davor, im dunkeln zu schlafen und wirkt leicht geistig zurück geblieben. Paul leidet zu dem Zeitpunkt unter einer sehr schweren Harnleiterentzündung. John kann diese heilen, indem er mithilfe seiner übernatürlichen Kräfte die ganze "schlechte Energie" aussaugt und in Form von einem Schwarm von Insekten aushustet. Es ist ein Wunder Gottes, dass im Todestrakt einsitzt. So jemand kann niemals ein Mörder sein.
Ich habe vor über zehn Jahren den Fortsetzungsroman, der hierfür als Vorlage gilt, gelesen und war schon ziemlich betroffen. Das Ganze noch mal (weil ich den Film garantiert schon mal gesehen habe) in realistisch und Farbe zusehen war durchaus...eine Erfahrung. Das ist eine gute Nachricht, weil es zeigt dass man Gefühle hat und das was im Film geschieht, einen mitnimmt. John Coffey ist die Mensch gewordene Darstellung von "die Last der Welt auf den Schultern tragen". Er ist fast jemand wie die (mythische Figur) Jesus Christus, die nur Gutes für gute Menschen um ihn herum möchte und unter all dem Leid in der Welt leidet - weil dieses Leid für immer in seinem Kopf wohnt. "Wie Scherben in meinem Kopf" (sinngemäß zitiert). "The Green Mile" verursacht Tränenfontänen nicht nur weil er traurig ist, sondern weil er dieses Maß an Ungerechtigkeit zeigt. Das gute Menschen unschuldig auf den elektrischen Stuhl kommen. Wärter, die sich mit den Gefangenen quasi anfreunden und sie hinterher trotzdem zum Stuhl führen müssen, weil es ihre Pflicht ist. Es ist einer der berührendesten SK-Verfilmungen überhaupt, neben "Stand By Me" und "The Shawshank Redemption". Nach "Forrest Gump" schon der zweite Film mit Tom Hanks und Gary Sinise (der hier nur kurz zu sehen ist). Es ist wahrhaftig ein großartiger Film und das sage ich viel zu selten.
10/10 Pfandflaschen
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28. Hearts in Atlantis (2001)
Wie es immer wieder der Zufall wollte, war es in den Specials immer wieder so: Ein filmisches Meisterwerk und eine absolute Schrottverfilmung. Dieses Mal ist es nicht so und es sind beides keine Horrorfilme.
"Hearts in Atlantis" basiert auf der Novelle "Low Men in Yellow Coats", die im Roman "Hearts in Atlantis" erschienen ist. Es ist ein Wiedersehen mit David Morse (der in "The Green Mile" den Wärter Brutus gespielt hat). Diesmal spielt er in der Rahmenhandlung den bereits erwachsenen Bobby Garfield, der in seine Heimatstadt zurück gekehrt ist um auf die Beerdigung seines Freundes und Kriegsveteranen Sully (Will Rothhaar) zu gehen. Dabei erfährt er auch, dass ihre gemeinsame Freundin Carol Gerber (Mika Boorem) gestorben ist. Als er seine alte Gegend besucht fängt er an sich an ihre gemeinsame Jugend zu erinnern. Dabei war eine Bekanntschaft besonders einprägsam und wichtig. Irgendwann ist in das Haus von Bobby (Anton Yelchin, RIP) und seiner Mutter Liz (Hope Davis) ein Untermieter
eingezogen: Ted Brautigan (Anthony Hopkins), ein älterer Herr der durchaus lieb ist, allerdings etwas exzentrisch rüberkommt. Er verfügt über äußerst detailliertes Wissen über Baseball und hat eine große Menschenkenntnis. Bobby und er freunden sich an, es entsteht eine Art Großvater-Enkel-Beziehung, die der Junge auch dringend nötig hat. Sein Vater ist nämlich gestorben und seine Mutter interessiert sich größtenteils für ihre Karrieren. Es stellt sich heraus, dass Ted telekinetisch und telepathisch begabt ist. Und dass gewisse Menschen in gewissen Autos und in gewissen Klamotten ihn verfolgen und entführen wollen. Bobby hat Angst, dass sein großväterlicher Freund bald verschwindet.
Tränenfontänen. Na gut, vielleicht nicht ganz Fontänen aber durchaus Tränen. Denn es war schwer zu verdauen. Böse Zungen würden behaupten, das wäre eine Art "Mood Piece", dass nur dazu da ist einen zum Weinen zu bringen. Meiner Meinung nach ist der Film mehr als das. Es ist eine Metapher: Entweder für Demenz oder für Tod oder für beides. Der von Hopkins gespielte Ted Brautigan ist merkwürdig, leicht exzentrisch aber doch ein lieber alter Mann. Die Männer, die ihn abholen wollen sind etweder die Demenz oder der Tod, der ihn bald holen kommt und ihm aus seinem Leben als auch aus dem Leben Bobbys entreißt. Vielleicht ist es weit hergeholt, vielleicht liege ich aber richtig. I don't know. Ich habe vor knapp sechs Jahren jemanden an die Folgen von Demenz (bzw. weiteres) verloren und kann deswegen relatieren. Bzw. ich fühle mich sehr daran erinnert. Verdammt guter und durchaus auch trauriger Film.
9/10 Pfandflaschen
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