Mittwoch, 16. September 2026

Film der Woche#696: Fortress (1993)

Bin mir wieder mal sehr sicher, dass ich den Film irgendwo auf Instagram entdeckt habe. Es gibt so viele Infoposts (danke, dass ihr auch Infoposts einen like gebt lel) über trashige Filme, dass ich damit ein ganzes Zimmer tapezieren könnte. Jedenfalls, ist das hier glaube ich der erste mit Christopher Lambert auf diesem Blog. Komisch, dass ich den "Highlander" noch niemals hier reviewt habe. Worum geht es?

Wir schreiben die Zukunft des Jahres 2017 (jaja). Die USA sind ein totalitäres, faschistisches Land. Frauen dürfen nur ein Kind gebären. Überall sind Kontrollpunkte, Soldaten patrouillieren die Grenzen. Man darf ausreisen, allerdings gibt es Bedingungen. So ist es scheinbar so, dass Frauen die bereits eine Fehlgeburt hatten, nicht ausreisen dürfen. Scheint mir als ob der demographische Wandel derartig eingeschlagen ist, dass...ach es ergibt keinen Sinn. Jedenfalls ist Karen S. Brennick (Loryn Locklin) zum zweiten Mal schwanger. Die erste Schwangerschaft endete in einer Fehlgeburt. Nun versuchen sie und ihr Ehemann John Henry (Christopher Lambert) über die Grenze nach Kanada zu fliehen. Allerdings werden sie beim Grenzübertritt erwischt. Eine bestimmte Markierung an Karens Kragen verrät, dass sie zum zweiten Mal schwanger ist. Karen kann scheinbar zuerst fliehen - John wird jedoch gefangen genommen. In einem fensterlosen Wagen wird er
zur "Fortress" gebracht. Es ist ein Gefängnis, betrieben von der Firma "Men Tel Corporation". Was für ein geiler Name. Der Direktor des Gefängnisses ist ein Mann namens Poe (Kurtwood Smith, bekannt aus "RoboCop" und "That 70s Show"). Er ist skrupellos und sadistisch. Überhaupt ist hier alles skrupellos und sadistisch. Den gefangenen werden gewaltsam Kugeln in den Darm implantiert. Diese können aus der Ferne ausgelöst werden. Das heißt, dass die Kugeln (die übrigens "Intestinatoren" genannt werden) entweder übelste Magenschmerzen verursachen oder explodieren können. Berühren die Gefangenen im Gang eine gelbe Linie, verursacht das Schmerzen. Wird eine rote berührt, bedeutet das den Tod. Die Zellen sind überfüllt. Es herrscht das Recht des Stärkeren. Poe findet durch hochmodernes Traumlesen in Johns Träumen heraus, dass Karen ebenfalls in der "Fortress" einsitzt und äh verknallt sich in sie. Als John auch checkt, dass seine Geliebte da ist, fängt er an mit seinen Mitgefangenen an einem Fluchtplan zu arbeiten. Raus aus dieser Scheiße. Aber schnell.

Hmm. Ein weißer Mann, der vollkommen unschuldig ist landet im Gefängnis. Dort wird er unter anderem von einem älteren schwarzen Mann (Abraham, gespielt von Lincoln Kilpatrick) bemerkt. Dieser denkt sich wiederum "Hmmm, der Typ scheint korrekt zu sein". Erinnert mich an irgendwas. Weiß aber nicht genau was. Naja, egal. Was mich hier erwartet hat: Ein totalitäres System, dass Frauen für Schwangerschaften bestraft und ihnen Kinder wegnimmt, wenn sie "zu viel" sind. Ein Hochsicherheitsgefängnis in welchem mann für ALLES bestraft werden kann. Cyborgs. Explodierende Bäuche. Schießereien. Und natürlich der Gedanke, dass nur ein furchtloser Mensch - der zudem im Team arbeitet - sich Ungerechtigkeit stellen kann. Im Prinzip sowas ähnliches wie "Gesprengte Ketten". Nur in absolut trashig, leicht over the top und mehr als gritty. Oder, um es anders auszudrücken: Der Film ist totally bonkers.

7/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 15. September 2026

Comic Book Review#694: Bizarro Comics! (2001)

Eine weitere freundliche Leihgabe vom Kollegen M. Vielen Dank dafür. 

Hierbei handelt es sich nicht um ein Sammelband, dessen Inhalte ursprünglich in Heftform erschienen sind. Stattdessen habe ich eine Anthologie vor mir liegen, die bizarrer nicht sein kann. Geschrieben von solchen Größen wie Evan Dorkin, Andy Merrill, Jeff Smith, Ariel Bordeaux, Chris Duffy und gezeichnet von nicht kleineren Größen wie Bill Wray, Stephen DeStefano, D'Israeli, Paul Pope, Dave Cooper, Kyle Baker, Liz Glass, John Kerschbaum, Gilbert Hernandez und noch vielen mehr.

Die Rahmenhandlung (Bizarre Wars, Part One & Two), die am Anfang und Ende des Bandes zu finden ist spielt in der 5. Dimension. Mr. Mxyzptlk (im weiteren Verlauf des Reviews Mxy genannt), der Kobold der Superman schon so oft auf den Sack gegangen ist wacht eines Tages auf und wird zum
Anführer seiner Dimension gewählt. Doch das geschieht nicht einfach so. Tatsächlich fällt ein riesiger Außerirdischer namens A, in Begleitung seiner Assistentin (also ganz im Sinne von Galactus und Silver Surfer) über die Dimension her. Nun muss Mxy um das Schicksal seiner Welt kämpfen. Aber nicht etwa in einem Kampf sondern in gewöhnlichen (Brett)Spielen. Er darf sich einen Superhelden aus allerlei Dimensionen aussuchen, der an seiner Seite stehen darf. Im Dimensionskatalog trifft er zufällig die falsche Wahl. Supermans bizarrer Klon, Bizarro, wird nun zum kostümierten Helfer, der Mxy zur Seite stehen soll. Leider ist Bizarro nicht gerade der schlauste und hat offensichtlich Probleme mit der Sache mitzukommen. Zwischendrin kommt er auf die Idee, dass er Bösewichte mithilfe von Comics bekämpfen soll. Diese Kunst setzt er als Mittel im Kampf gegen A ein und der Leser kriegt einen Haufen Kurzgeschichten zu lesen, die sich Bizarro ausgedacht hat. Den Anfang macht "Superpets" in welcher Superman nicht alleine auf die Erde kam sondern mit einer Horde Farmtieren, sodass die Menschen auf der Erde einen fliegenden Typen für gar nicht so besonders erachten. Eine fliegende Kuh aber schon. "Captain Marvel and the Sham Shazam!" erzählt die Story darüber wie Captain Marvel (aka Shazam!) einst von seinem Erzfeind Dr. Sivana überlistet und zu einer dümmeren Version seiner Selbst wurde. In "The Clubhouse of Solitude" mit Mary Marvel und Supergirl geht es um Selbstfindung in der Welt der Superhelden. Und so weiter, und so fort. Lauter kleine Geschichten, gezeichnet und geschrieben von verschiedensten Autoren und Zeichnern. 

Häßlich, abstoßend, Golden Age, Modern Age und vor allem eins: Überragend großartig und stellenweise so unfassbar bizarr und bescheuert dass ich kaum aus dem Lachen kam. Die Stories haben es wirklich in sich. Und das obwohl sie eigentlich "nur" als in fünf Minuten erstellte Skizzen von Bizarro erdacht waren. So dumm ist er scheinbar nicht. Die Rahmenhandlung ist in typischen Golden Age Stil gehalten - zumindest sehen Superman und Wonder Woman danach aus. Man hat sogar Green Lantern Kyle Rayner reingebracht und ihn in einen Golden Age Superhero verwandelt. Das Cover stammt von Matt Groening, den Schöpfer der Simpsons - leider hat er selbst keine Story beigesteuert, was ich sehr schade finde. Mein Favorit ist "Porcine Panic" in welchen Aquaman aus der Sicht eines Kindes dargestellt wird, dass in der Badewanne spielt. Darin kämpft der Superheld gegen Wasserspielzeug (eine Schweine-Handpuppe) und verliert seinen Arm. Wie schon erwähnt: Es ist eine großartige Ideensammlung, die auf vielfältigste Art und Weise umgesetzt wurde. Heilige Scheiße, ist das großartig.

9/10 Pfandflaschen
Video dazu von Near Mint Condition:


Montag, 14. September 2026

Album der Woche#698: Grinderman - s/t (2007)

Das erste Mal von diesem Album habe ich vor knapp 20 Jahren gelesen. Irgendwo in einer Rubrik der Zeitschrift VISIONS, natürlich. Allerdings war ich nie ein großer Fan von Nick Cave & The Bad Seeds geschweige denn seines generellen Schaffens. Irgendwann hat dieses eine Album von seiner ursprünglichen Band The Birthday Party hierhin geschafft, aber das war's auch schon. Mein Interesse wurde durch die Serie "True Detective" (mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson) geweckt.
Im Abspann der Folge "Who Goes There?" lief nämlich das Lied "Honey Bee (Let's Fly To Mars). Das war so dreckig und gemein, dass es mir sofort gefallen hat und ich mehr davon hören wollte.

Das Albumcover passt zum Sound. Ein neongrün beleuchteter Affe und darüber eine Schrift wie auf einem Neonröhren-Schild dass über den Eingang einer hässlichen, dreckigen, versifften Kneipe hängt. Das sieht fast schon danach aus als würde es in dieser Kneipe richtig apeshit (zu Deutsch "affenscheiße") zugehen. Was dann auch tatsächlich danach klingt. Grinderman haben sich ihren Namen sehr passend ausgewählt. Die Band besteht aus Nick Cave, Warren Ellis, Martin Casey und Jim Sclavunos. Die drei Letzgenannten sind gleichzeitig auch Mitglieder der "The Bad Seeds". Doch zurück zum Album. 

Ursprünglich waren Grinderman als ein Projekt gedacht um den "Gewicht der The Bad Sees zu entfliehen". In anderen Worten: um mal etwas anderes zu machen, sich zurück zu seinen musikalischen Wurzeln zu begeben und naja, endlich mal wieder ordentlich dreckige Musik zu machen. Fachmenschen nennen das "Garagenrock", "Punk Blues" oder irgendwas mit Psychedelic. Fest steht: der Nick Cave'sche Charme eines traurig klingenden Barden fehlt nicht. Er wird allerdings in etwas anderes umgewandelt. Und zwar in den Gesang eines Leadsänger einer Band die in einer Kneipe auftritt, die hinter einem Gitter spielen muss, weil lauter Flaschen von irgendwelchen besoffenen Bikern geworfen werden. Nicht, weil sie schlecht sind - sondern weil das Publikum irgendwie aggressiv ist. So klingt auch Grinderman, jedoch eher auf die passiv-aggressive Weise. Bis auf "When My Love Comes Down", da wird es fast schon melancholisch. 

Ich glaube, ich habe so ziemlich alles gesagt, was mir dazu eingefallen ist. Es ist ein wahrlich großartiges, und ich sag's noch mal, unfassbar dreckiges Album. Danke sehr.

8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: No Pussy Blues, When My Love Comes Down, Honey Bee (Let's Fly To Mars)


Sonntag, 13. September 2026

So isses, Musik!#219

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

So. Wir bleiben bei E und schließen damit dieses Kapitel ab. Nächstes mal geht es mit F weiter. Here we go again...

Egotronic Von nichts gewuszt:

Gregor:

Mich macht dieser Song leicht wütend. Nicht wegen des Inhalts und der Einstellung die darin propagiert wird. Sondern eher weil im Background dort jemand singt, den der Krebs uns weggenommen hat. Ich habe Egotronic in meinem Leben (ähnlich wie bei Hammerhead in 2-3 unterschiedlichen Phasen) live gesehen und habe sie in meiner Jugend (sprich mit 17-18 Jahren) eine Weile lang wirklich konstant gepumpt. Und das obwohl ich damals noch gar nicht "antideutsch" war bzw. sogar irgendwie dagegen weil als junger Linker findet man "Nationalstaaten ja generell doof" oder irgendwie so ein Scheiß. Ich werde diesen für mich ersten Auftritt auf dem Würzburger "Umsonst & Draußen" niemals vergessen. Später dann irgendwann im Cairo, dann im Oberhausener Druckluft, irgendwann auch auf dem KAZ Open Air. Immer eine Stimmung dabei, die auf positive Weise die Luft sprengt, quasi die Luft in die Luft jagt. Apropos in die Luft jagen: Ganz antideutsch-typisch hat irgendjemand damals ein Musikvideo hochgeladen dazu, dass eigentlich nur aus einem Standbild von Arthur Harris bestand. Dieser spricht auch im Intro. Es geht nicht darum ganz edgelord-mäßig die Bombardierung von Dresden abzufeiern, nein. Es geht um den deutschen Opferkult und was für eine gehirngewaschene Scheiße das ist. Dabei singt Torsun hier nur im Background und im Vordergrund wahrscheinlich Hoerm. Ich weiß es aber nicht, da ich die Namen der anderen beiden Gründungsmitglieder nie vollständig auf dem Schirm hatte. Asche auf meinem Haupt. Die Message ist klar, der Song ist fetzig. Ich habe alles gesagt.

Philipp: 

"Ich habe Torsun immer dafür respektiert, dass er große Teile der deutschen Punkszene dazu gebracht hat, sich noch mal auf eine andere Art und Weise mit Israel auseinander zu setzen. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr seine Worte und seine Präsenz fehlen. Musikalisch habe ich ihm sicherlich des Öfteren Unrecht getan, habe Egotronic mehrfach live gesehen, fand es nie besonders gut und habe mich auch sonst nie eingehender damit beschäftigt. Manche Dinge lernt man erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Retrospektiv vielleicht eine der wichtigsten Punkbands der frühen 2000er. Möge die Erde dir leicht sein."

Raphael:

"Ich wünsche mir manchmal, ich hätte schon früher den Zugang zu Egotronic gefunden. Immerhin habe ich es geschafft, die Band an meinem 32. Geburtstag live zu sehen. Hier liegt uns ein Song vom 2006 veröffentlichten Debutalbum "... die richtige Einstellung" vor, und ich kann die Wut und die Energie sehr gut nachvollziehen. Vielen Dank für alles Torsun!"

Eisenpimmel – Malle Mallorca:


Gregor:

Irgendwann vor knapp 20 Jahren in einer Sendung von "Radio69" entdeckt und sofort fasziniert gewesen. Was zur Hölle ist das? Ein Song über "Mallorca" wobei es komplett falsch ausgesprochen wird. Dabei habe ich den Text nicht wirklich verstanden. Als ich mit meiner Schule auf einer Fahrt nach England unterwegs war habe ich ganz kurz den Text "Sangria macht die Nudel hart" eingestimmt und wurde sofort von einer Lehrerin gerügt. Ich wusste nicht warum, weil naja ich habe den Text sowieso nicht verstanden. Egal. Viele Jahre später habe ich Eisenpimmel für mich noch mal entdeckt. Es ist quasi das gleiche wie mit den Kassierern. Eine Band die von ihren Fans falsch verstanden wird und irgendwie auch ernst genommen wird. Dabei parodieren sie gekonnt alles an Ruhrpottklischees was es nur so gibt. Und hier haben wir einen Schlagersong der sich mit einer Reise auf die Insel Mallorca beschäftigt. Dabei nimmt man JEDES textliches Klischees eines solchen Party-Schlagersongs und ballert es raus: "Scheißegal", "Kotzabteil", "Unten ohne oben nackt". Ich würde ja nicht mal sagen, dass es Parodie mit Augenzwinkern ist sondern eine direkte Verhöhnung. Ich feier diesen dummen, großartigen Song mit all diesen debilen Passagen: "Ich hab n Eimer, dat ist jetzt meiner(...) geh wech du Tier du krichst kein Bier!".

Philipp: 

Puh, meine Humorlosigkeit wird hier gerade auf eine harte Probe gestellt. Tatsächlich kaufe ich Eisenpimmel die Satire noch mal wesentlich besser ab als diesen furchtbaren Kassierern und das hier ist so herrlich überdreht Petry-esk, dass es einen komplett anspringt. So sehr ich auch die Funpunk- und Prolo-Fraktion verachte, das ist einfach großartig. 

Raphael:

"Wir haben es hier mit dem klügsten dummen Text zu tun. Ein Meisterwerk der Satire. So gut, dass es wehtut. Überall. Eisenpimmel nehmen den Spaß so ernst, dass man manchmal genau hinschauen muss, wie spaßig dieser Ernst ist. Es ist großartig und sehr anstrengend."

Ernte 77 – Faszination Hubschrauber:

Raphael:

"Die selbsternannten Toten Hosen des Punk Rock sind seit einiger Zeit eine meiner Lieblingsbands mit ihren schnellen und eingängigen Riffs und den teils dödeligen und teils klugen Texten. Das 2024 veröffentlichte Album „Gruß aus der Küche“ ist eine Sammlung von 19 Hits; einer schöner als der andere. Als Höhepunkte möchte ich erwähnen „Das Konzept Deutschland ist mir zuwider“, „Landungsbrücken rein“, „Kostenfalle Ballern“, und natürlich die Ode an die Fortbewegung in der Luft „Faszination Hubschrauber“."

Philipp: 

"Wie konnte diese Band an mir riesengroßem Supernichts-Fan vorbei laufen? Abgedrehter melodischer Punk eindeutig Kölscher Ausprägung, gespickt mit Referenzen (allein die Doppelreferenz bei "Und ich weiß nicht genau...") über die wirklich wichtigen Themen des Lebens (siehe Titel)."

Gregor:

Alter. Scheisse, ist das geil. Ein Song als Liebeserklärung an Hubschrauber. "Ich weiß nicht genau wie das physikalisch funktioniert" "Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah, HubschrauBÄR!". Ich kann mir jetzt schon vorstellen bei einem Live-Auftritt vor der Bühne zu stehen und genau nach diesem Song zu rufen. Okay, gegen Ende, also die letzten paar Sekunden wird es schon etwas merkwürdig, aber ansonsten finde ich es großartig. Nicht semi-ironisch, nicht dumm-lustig sondern einfach awkward. Das beweist mal wieder dass ein Punkrocksong über so gut wie alles geschrieben werden kann. Ich feier es.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

FROM FIRST TO LAST: Motörhead

Wieder mal so eine Band die zig Alben veröffentlicht hat und bei welcher es interessant wäre, sich die komplette DIscography reinzuziehen. Allerdings fehlt dafür einfach die Zeit. Daher....

das erste Album ist

Motörhead (1977)

Veröffentlicht im Jahre 1977 ist "Motörhead" nicht das erste Album von Motörhead. Eigentlich war es "On Parole" von 1975, das allerdings erst im Jahre 1979 von United Artists veröffentlicht. Es gab nämlich so einige Probleme mit dem Label als auch eine Entlassung der Band...und so wurde das erste offiziell veröffentlichte Album auf Chiswick Records rausgebracht.

Was man heutzutage vielleicht als "Joa, ist halt Motörhead" bezeichnen könnte, war damals noch gar nicht gang und gäbe und definitiv etwas neues. Obwohl das Album irgendwie als "Heavy Metal" kategorisiert wird ist es für mich in erster Linie ein uneheliches Kind von Punkrock und Rock'N'Roll. Genauso schnell, dreckig, "roh" und ziemlich lo-fi. Eine Wall of Sound aus äh unglaublicher


Schnelligkeit (die natürlich irgendwann übertroffen wurde) trifft auf Lemmy Kilmisters Whiskey/Zigaretten-Stimme. Eddie Clarke an der Gitarre. Phil Taylor am Schlagzeug. 

Klingt für mich stellenweise irgendwie psychedelisch (wenn ich daran zurückdenke, dass Lemmy mal bei Hawkwind gesungen hat), zum Beispiel bei "Iron Horse"/"Born to Lose". Es gibt einen Song hierauf, der "Motörhead" heißt. Von einer Band namens Motörhead auf einem Album namens "Motörhead". Wenn man da nicht bei Black Sabbath abgekupfert hat. Der Beste Song hier ist definitiv "White Line Fever". Klingt für mich am ehesten nach Heavy Psych. Es ist euch offengelassen, um welche weißen Linien es hier geht. Aber ich glaube, das könnt ihr euch schon denken. 

Meiner Meinung nach nach ein gutes Album, vor allem wegen seiner Lo-Fi-ness, dem Gefühl dass alles irgendwie nach dem ersten Take aufgenommen wurde oder an einem Tag. Tatsächlich waren es einige wenige Tage. Allerdings ist es, trotzdem nicht das beste was Motörhead jemals gemacht haben. Es geht definitiv noch besser. 

7/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: White Line Fever, The Watcher, The Train Kept A-Rollin'




und nun sind wir beim 23. und somit letzten Studioalbum angekommen. Es heißt

Bad Magic (2015)

Ich könnte jetzt so schlechte Witze machen und sagen "Ha, kaum habe ich es angemacht, klingt es nach Motörhead". Aber ich mache das nicht. Auch die Behauptung "Das ist zwar ihr letztes Album, könnte aber gleichzeitig das erste sein" stimmt nicht. "Bad Magic" klingt definitiv nicht wie "Motörhead" sondern zeigt 40 Jahre Bandentwicklung. Ob es einem gefällt oder nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Auf "Bad Magic" ist nichts mehr von irgendeinem "Heavy Psych" oder "Space Rock"-Einfluß zu hören. Stattdessen genau das, wofür die Band berühmt wurde. Heavy Rock'N'Roll mit hier und da

eingestreuten Soli, einer noch mehr nach Whiskey und Zigarette klingenden Stimme von Lemmy Kilmister, Schlagzeugspiel von Mikkey Dee und ein gewisser Phil Campbell an der Gitarre (seit 1983). Die Besetzung ist also eine (bis auf Lemmy) komplett andere. Das liegt aber nicht daran, dass Lemmy für jedes Album alles ausgetauscht hat - es hat sich alles, meines Wissens nach, organisch entwickelt.

Jedenfalls ist das hier schon ein geiles Stück Musik. Allerdings muss man dabei beachten, dass trotz der Tatsache dass irgendwelche Hater behaupten es würde hier "alles gleich" klingen, man tatsächlich einer gewissen Formel treu bleibt. Songs die um die drei Minuten lang sind, rauer Gesang, schnelle Riffs, donnerndes Schlagzeugspiel und Texte über...naja die Titel sind selbst erklärend: Victory or Die, Shoot Out All Your Lights, Teach Them How To Bleed. "Don't tell me who I am, I don't give a damn" ("Electricity") heißt es dann zum Beispiel. Und ich mein, es funktioniert. Es ist catchy, man kriegt mich dazu meinen Kopf zu nicken und mit meinem Fuß zu wippen. "Till the End" ist eine großartige, langsame Überraschung. Es ist halt Motörhead. Aber ich werde an der Stelle beichten und sagen, dass es wahrscheinlich nicht mein Lieblingsalbum ist. Da ist mir doch zu viel Formel dahinter. Höchstwahrscheinlich liegen die wahren Perlen irgendwo zwischen "Motörhead" und "Bad Magic". (Zum Beispiel "Orgasmatron"!).

Anspieltipps: Till the End, Electricity, Sympathy for the Devil (Rolling Stones)
7/10 Pfandflaschen


---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ulver Discography: A Quick Fix Of Melancholy EP (2003)

Rausgekommen zwischen dem Soundtrack zu "Lyckantropen" und dem Soundtrack zu "Svidd Neger". Das nächste "richtige" Album, was danach kommt ist "Blood Inside". 

Lange Rede, kurzer Sinn: Vier Songs. "Little Blue Bird", "Doom Sticks", "Vowels", "Eitttlane". Definitiv eine andere Richtung als die EPs davor. Es ist nicht nur Ambient sondern gleichzeitig auch irgendwie Neo-Klassik. Jedenfalls singt Kristofer Rygg hier auf eine opernhafte Art und Weise. Ich

glaube, dass dazu aber auch noch entsprechender Gesang gesamplet wurde, finde allerdings keinerlei Angaben dazu.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, wie genau ich dieses Album in meinem Kopf einordnen sollte. Es ist nicht tanzbar, es ist nicht "schwer" oder "verstörend". Im Grunde genommen ein durchaus seichtes Werk, dass nach einer experimentellen Opfer klingt.

Irgendwie erinnert mich das Ganze entweder an Enya oder an Lingua Ignota plus irgendwas anderes, was ich jetzt gerade nicht kategorisieren kann. Mir gefällt es aber und zeigt mir mal wieder dass Ulver irgendwie nichts wirklich falsch machen können.

Anspieltipps: Alles.
8/10 Pfandflaschen