Donnerstag, 20. August 2026

My Favorite TV-Show: Batman: Caped Crusader

Wow, ich hätte nicht gedacht, wenn man mich vor ca. 10 Jahren gefragt hätte, dass ich noch mal irgendeine Batman-Serie reviewen würde. Aber tatsächlich ist es geschehen. Rausgebracht im Jahre 2024, direkt für eine gewisse Online-Plattform. Mittlerweile ist auch die zweite Staffel draußen und ich werde sie mir bald reinziehen. Betrachtet daher dieses Review als eins zur ersten Staffel.

"Batman: Caped Crusader" wird desöfteren als eine Art "Fortsetzung im Geiste" der klassischen 1992er Batman-Zeichentrickserie betrachtet. Diese war damals Teil des DC Animated Universe und wurde von Bruce Timm (mit)entwickelt. Damals war Paul Dini Autor - leider ist er es hier nicht, dafür hat Bruce Timm seine Finger im Spiel.


Die Serie spielt, anders als "Batman: The Animated Series" definitiv in den 1940er Jahren. Was damals irgendwie vage angedeutet wurde (Gotham City sah aus wie in den 1940er Jahren, die Handlung spielte aber definitiv in der Gegenwart) ist hier definitiv Gesetz. Allerdings fehlen all die Einschränkungen die man sich damals festgesetzt hat. So ist "Caped Crusader" definitiv nichts für Kinder. Es kommt nämlich genau das vor, was man damals vermeiden wollte: Gewalt und böse Schimpfwörter. Wir treffen auf einen noch recht jungen Bruce Wayne (Hamish Linklater), der seinen Butler Alfred Pennyworth (Jason Watkins) immer noch mit Nachnamen anspricht und eine eher distanzierte Beziehung zu ihm hat. Er ist natürlich insgeheim Batman und bekämpft nachts das Verbrechen mithilfe von gewissen Gadgets. Allerdings hat er noch nicht die Erfahrung, die er später haben wird und auch nicht ganz die Skills. So wirkt es auf mich so, dass er wesentlich direkter agiert und unentspannter ist als sonst. Zu seinen Gegnern gehören klassische Batman-Bösewichte wie Clayface, Catwoman, Gentleman Ghost, Two-Face und Penguin. 

Man bedient sich gleichzeitig am "Monster of the week"-Prinzip und hält eine zusammenhängende Geschichte aufrecht. Im Fokus steht dabei insbesondere die Korruption der Gothamer Polizisten, die gemeinsame Sache mit der Mafia machen als auch eben die Mafia die versucht Politiker zu beeinflussen oder es schon längst tut. Die "kostümierten Spinner" sind dabei allerdings nicht nur Beiwerk - auch ihre Geschichten sind interessant, geraten aber etwas zu kurz. So lernen wir den Staatsanwalt Harvey Dent kennen und erfahren was für ein Mensch er ist - was auch seine späteren Verhaltensweisen als Two-Face erklärt. Worüber wir kaum was erfahren ist Batmans Hintergrundstory. Ich meine, diese ist allgemein bekannt, darum war es wohl nicht nötig alles in detail zu erzählen. Aber, so meine ich, wäre es vielleicht interessant gewesen zu erfahren was man sich für diesen Batman ausgedacht hat. So ist die Story zwar immer irgendwie gleich, jedoch gibt es Variationen. Darum war ich gespannt was man sich hierfür ausgedacht hat. Vielleicht kommt es aber in der zweiten Staffel vor. Mir gefällt außerdem das Design. Batman hat "pointy ears" und wirkt super finster und skrupellos. So als würde er beinahe Menschen vom Dach runterschmeißen um an Informationen zu gelangen. Das Design der Umgebung ist dem Design in "Batman: TAS" relativ ähnlich. 1940er Jahre Film Noir in bunt.

Ich war wirklich sehr zufrieden und habe mich dabei erwischt, wie ich den Genuss der Folgen hinausgezögert habe, damit ich länger was davon habe. So wollte ich die einzelnen Folgen immer auf einem großen Bildschirm sehen, bis ich irgendwann eingeknickt habe und die letzten Episoden beim Kochen geguckt habe. Fakt ist: Es lohnt sich, auch als jemand der mit Batman bis jetzt wenig am Hut hatte. Diese Serie hat nichts mit irgendeinem bunten Batman für Kinder zu tun, noch ist sie zu gewalttätig oder übertrieben edgy. Es ist genau richtig. 



Mittwoch, 19. August 2026

Film der Woche#692: Justice League Double Feature#8

Justice League: Crisis on Infinite Earths – Part Two (2024)

Um nachzulesen, was im ersten Teil geschehen ist, klickt hier. Der zweite Teil beschäftigt sich wesentlich mehr mit den Hintergrundgeschichten einzelner Charaktere, vergisst aber nicht die eigentliche Handlung ebenfalls voranzutreiben. So erfahren wir, dass der von Harbinger (die sich am Ende des ersten Teils als Supergirl herausgestellt) rekrutierte Bösewicht Psycho Pirate in der Vergangenheit versucht hat, mehrere Erden zu "übernehmen". Seine Fähigkeit, Menschen psychisch zu manipulieren wird von der Gruppe der Superhelden, die hier versuchen das Multiversum zu retten, benutzt um die Bevölkerung nicht in Panik geraten zu lassen. Wir erfahren auch, wie es dazu kam, dass Supergirl Harbinger wurde. Einst, als ihre Rettungskapsel das brennende Krypton verlassen hat, entdeckte sie der Monitor und nahm sie, zunächst widerwillig, auf. Supergirl aka Kara Zor-El verlor ihr Gedächtnis und hat erst später durch die gespeicherten Informationen in der Rettungskapsel

rausgefunden, dass ihr Heimatplanet zerstört wurde. Der Monitor, der ein beobachtendes Wesen ist, hat dies geschehen lassen. Außerdem kriegen wir mit, wie die Justice League in drei Teams auf drei verschiedenen Erden versucht gegen die Anti-Materie-Wellen anzukämpfen. Es hat sich nämlich rausgestellt, dass es mehrere Wellen sind und die erste nicht die letzte war. Auf verschiedenen Erden installieren sie eine Art antennenartige Türme, die die Wellen neutralisieren sollen. Es kommt zu einer Teambildung mit Batman (Erde-1), Dick Grayson aka Robin und Huntress (beide Erde-2), Batman aus der Zukunft und Batwing die gemeinsam gegen Joker, Solomon Grundy und Killer Croc kämpfen - diese versuchen wiederum eins der Türme zu zerstören. Wonder Woman ist in einem anderen Team auf der Insel Themyscira (wiederum auf einer anderen Erde) und lernt dort eine Alternativversion ihrer Adoptivmutter kennen. Der Psycho Pirate wurde von einem Wesen namens Anti-Monitor korrumpiert, der ihn die ultimative Macht verspricht - wenn er den Monitor verrät.

Ein weiterer Film aus der Reihe, der sich sowohl ziemlich genau an die Comicvorlage hält, allerdings auch einige neuen Sachen miteinbringt. Künstlerische Freiheiten, quasi. Harbinger war nämlich niemals Supergirl und einige Superhelden und Superheldinnen die hier vorkommen, haben in der Comicvorlage noch gar nicht existiert. Es wäre aber eine Schande, sie nicht einzubringen. Ich meine so jemanden wie Batman Beyond, Huntress oder John Constantine. Natürlich kommen hier auch noch einige vor, die keine Sprechauftritte haben. Soll heißen, dass sie irgendwie im Hintergrund zu sehen sind, aber kein Wort sagen. Da muss ich sagen, dass man vllt. etwas mehr in den Film hätte investieren oder diese Filler-Charaktere einfach weg lassen können. Andererseits wirkt die Kulisse sonst wahrscheinlich ziemlich leer. Ansonsten kann ich nicht meckern. Großartige Story, die im dreiteiligen Filmformat sich ordentlich Zeit lässt und nicht zu hastig erzählt wirkt. Dieser Teil fokussiert sich, wie schon gesagt, auf zwei Hintergrundstories ohne allerdings die Haupthandlung zu vergessen. So schafft man es, dass eine große Story nicht bloß in 1,5 Stunden gequetscht wird. Mal gucken, wie es weiter geht.

8/10 Pfandflaschen
Trailer:



Justice League: Crisis on Infinite Earths – Part Three (2024)

Nun sind wir also am Ende angekommen und es kann nicht mehr Meta werden als es schon ist.

Im dritten Teil der Reihe kriegen wir die Folgen des (versehentlichen) Mordes am Monitor mit. Richtig gelesen. Supergirl hat ihn umgebracht - wurde aber währenddessen vom Psycho Pirate manipuliert (ähnlich wie andere Superhelden die plötzlich gegeneinander gekämpft haben). Während er starb transportierte sich seine gesamte Energie in den Satelliten (der immer noch als Stützpunkt für die verschiedenen Teams dient). So konnte die zusammengewürfelte Justice League mehrere Welten (und ihre Sonnen) in eine Art Zwischendimension transportieren. Diese wird "The Bleed" genannt. Hier existieren nun mehrere überlebende Welten weiter und die Menschen werden mit allem nötigen versorgt. Oder zumindest versucht man es. Der Anti-Monitor hat es bis jetzt nicht geschafft in diese Dimension vorzudringen. Es gibt aber auch einen Nachteil. Dadurch dass alles gleichzeitig in einer

Dimension existiert, überlappen sich die Welten. Und so kommt es dazu dass US-Soldaten aus dem 2. Weltkrieg und Dinosaurier auf einer Erde landen während anderswo Batman und seine Sidekicks gegen Nazis kämpfen die allerlei Sachen aus dem Arkham Asylum stibitzt haben. Als Batman unter Scarecrows Angsttoxin leiden muss, erinnert er sich plötzlich an ein Ereignis aus dem Film "Justice League: Warworld". Er realisiert, dass der alte Mann welchen er auf einer der drei Welten traf niemand war als eine ältere Version von Flash, die ihm sagte dass er "zurück an den Anfang" muss. So stellt Batman fest, dass die Lösung für das "Problem" mit dem Multiversum ist, alles zu "resetten". 

Ich glaube, ich habe alles gut genug umschrieben, ohne irgendwie zu spoilern. Nun gut, jedenfalls ist die Saga zu Ende als auch eine Reihe an DC-Filmen (das "Tomorrowverse"). Ich habe keine Ahnung, inwiefern es noch weitere Justice-League-Animationsfilme geben wird - aber ich denke schon. The ride never ends und so. Im Grunde genommen ist das hier nicht nur eine Umsetzung einer großartigen Comicreihe, die dafür da war alles für neue Leser zugänglicher zu machen. Nein, es ist gleichzeitig der Versuch das gleiche umzusetzen, nämlich ein Reset. Und natürlich auch ein Move um ewige Nostalgiker zu befriedigen, damit die mit dem Finger auf dem Fernseher zeigen können und "OH!" rufen können. Wir begegnen hier mehreren Universen, die dem gemeinen DC-Fan definitiv nicht fremd sind. Das DCAU (das mit dem kantigen Gesichtern) bspw., das "Super Friends"-Universum oder die Welt von "Teen Titans Go!". Natürlich in den ursprünglichen Zeichenstilen. Das Ende hat für mich was von "Joa wir sehen uns alle irgendwann wieder". Wie bei diesem Cartoon-Film gegen Drogen aus den 1990ern als Disney und Warner Bros. und hastenichtgesehenwersonstnoch aufeinander getroffen sind um Kindern beizubringen dass Drogen scheiße sind. Aber gut, es ist wie es ist. Ein großartiges Stück Nostalgie ohne zu viel Nostalgie zu sein. In erster Linie einfach eine echt gute Comicverfilmung.

8/10 Pfandflaschen
Trailer:



Dienstag, 18. August 2026

Comic Book Review#690: Catwoman/Tweety & Sylvester#1 (2018)

Wieder mal eine Leihgabe von Kollegen M. Danke dafür.

Es handelt sich hierbei um einen von mehreren Comics aus einer Reihe von Crossover-Comics von DC. Darin treffen DC-Charaktere auf Figuren aus Looney Tunes Cartoons. In diesen One-Shot Geschichten trafen beispielsweise Batman auf den Jäger Elmer Fudd, Wonder Woman auf den Tasmanian Devil, Lobo auf den Road Runner oder wie ihr den Titel entnehmen könnt Catwoman auf das ungleiche Duo Tweety und Sylvester.


Zunächst mal befinden wir uns irgendwo in einer anderen Dimension oder so. Mehrere Hexen sind bei einem Treffen versammelt und streiten sich irgendwann welches Tier für immer sterben soll: Vogel oder Katze? Denn beides sind eigentlich durchaus gängige Begleiter von Hexen. So kommt es dass die beiden Hexen-Fraktionen aus der Looney Tunes Dimension zwei Cartoon-Character nach Gotham schicken: den kleinen Kanarienvogel Tweety und den reinrassigen Streunerkater Sylvester, der stets darauf aus ist den Vogel zu fressen. Sylvester trifft auf Catwoman und Tweety auf die Superheldin Black Canary. Die Hexen haben alles so manipuliert, dass wenn einer von den beiden Cartoon-Charakteren stirbt, alle Vertreter der jeweiligen Spezies auf der Welt sterben werden. Also nicht nur Vögel oder Katzen sondern auch menschliche Vertreter wie eben Catwoman oder Black Canary. Die beiden Frauen kämpfen gegeneinander und rufen aber auch nach Hilfe. So kämpfen auf Catwomans Seite solche Helden/Villains wie King Tiger, Cheetah, Catman oder Starfire (die von Katzen abstammt), auf Black Canarys Seite hingegen Hawman, Hawkgirl, Raven oder Robin. Es kommt zu einem heftigen Kampf - jeder gegen jeden. Bis man irgendwann erkennt, dass man manipuliert wurde. Die zweite Story ist im Looney Tunes Stil gehalten. Darin möchte Sylvester in das Apartment der Besitzerin von Tweety (einer netten alten Frau) einbrechen um den Vogel zu fressen, Catwoman aber auch, um Juwelen zu stehlen. Die beiden tun sich zusammen und kriegen am Ende von Black Canary und Tweety auf die Schnauze.

So weit, so gut. Kurzweiliges, lustiges Vergnügen. Alle von einer Spezies (oder so) tun sich zusammen gegen andere von einer anderen Spezies (oder so), nur um am Ende zu erkennen dass sie eigentlich nicht gegeneinander zu kämpfen brauchen. Sehr witzige Zusammenstellung. Ich feier das extrem, wie Tweety und Sylvesters Sprachfehler wieder prominent sind. So lispelt der Kater und der Kanarienfogel spricht das "W" wie ein "L", das "S" wie ein "T" oder "D" aus. Auch haut Tweety sowohl Sylvester als auch Catwoman mit einem übergroßen, cartoonesken Hammer auf dem Kopf. Wie schon oben gesagt: Sehr kurzweiliges Vergnügen, was im Grunde nur auf Unterhaltung abzielt. Super witzig und nur dafür da den Leser ca. 30 Seiten lang irgendwie zum Lachen zu bringen. Absolut verrückte Idee, die auch gar nicht auf die düstere Art durchgezogen wird. Geschrieben von Gail simone, gezeichnet von Inaki Miranda. Die Cartoon-Story wurde von Shea Fontana geschrieben und von Walter Carzon gezeichnet.

7/10 Pfandflaschen
Hier der Comic als Video von DC Universe:


Montag, 17. August 2026

Album der Woche#694: King Crimson - In the Court of the Crimson King (1969)

Ich wollte dieses Album schon so lange reviewen. Und weil dieses Jahr, zumindest in dieser Rubrik, das Jahr der verpassten und aufgeholten Chancen zu sein scheint, ist es jetzt soweit. Lange habe ich auch dieses Cover immer und immer wieder in irgendwelchen Bestenlisten gesehen und war durchaus daran interessiert, zu erfahren was denn eigentlich dahinter steckt. Und es ist ziemlich viel.


"In the Court of the Crimson King" ist das erste Album von King Crimson, die im Jahre 1969 aus Robert Fripp, Ian McDonald, Greg Lake, Michael Giles und Peter Sinfield bestanden. Es ist eines der Alben, die Progressive Rock überhaupt erst ins Rollen gebracht haben. Quasi sowas wie eines der Prototypen, wobei ich fast schon behaupten würde, dass es einzigartig ist. Es ist natürlich "progressiv", sprich es legt sich nicht fest auf typische Rock'N'Roll-Rhythmen, zieht die Songs unglaublich in die Länge (bis zu 12 Minuten) und manövriert irgendwo zwischen super entspannten, ruhigen Klängen ("I Talk To The Wind") und jazzigen, abgedrehten Wahnsinn geflutet mit einer Ficktonne an Bläsern, verrückten Schlagzeugspiel und verzerrten Gesang ("21st Century Schizoid Man"). Dennoch hat Progressive Rock, im weiteren Verlauf der Geschichte des Genres durchaus typische Bestandteile der Musik, die sich nun mal etabliert haben. 

Ich bin der Meinung, dass King Crimson anders als zum Beispiel spätere Pink Floyd nicht unbedingt in den "typischen" progressiven Klang fallen. Hier steht das Genre noch am Anfang und man kann, denke ich, natürlich noch nicht "festlegen" wie es klingen sollte. Zum Glück. Das Album ist meines Erachtens eine Art Spagat zwischen großartigen Ausraster und einer nicht weniger großartigen Meditationssenssion. So ist "21st Century Schizoid Man" so ziemlich das Gegenteil zum Titeltrack. Opener und Closer stehen in meinen Ohren für das gestresste Aufwachen und beruhigte Einschlafen. Es ist faszinierend. Nicht weniger faszinierend ist die Tatsache wie viel Instrumente hierfür verwendet wurden. Alleine Ian McDonald bedient hier ein Saxophon, Flöte, zwei Klarinetten, Vibraphon, Mellotron, Orgel, Klavier und Cembalo. Und natürlich singt er auch nebenbei. Den Hauptgesang übernimmt Robert Fripp (der inzwischen irgendwelche Instagram-Reels macht wobei er unter anderem Limp Bizkit covert). Heilige Scheiße, ist das überwältigend. Ich glaube an dem Punkt ist auch das Review zu Ende.

10/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: 21st Century Schizoid Man, Moonchild, In the Court of the Crimson King


Freitag, 14. August 2026

So isses, Musik!#217

FROM FIRST TO LAST: From First To Last

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Unterrubrik bei "So isses, Musik!". Diesmal geht es nicht um irgendwelche Listen oder ganze Discographies oder so. Stattdessen habe ich beschlossen von Bands die mich irgendwie interessieren bzw. die es eigentlich evtl. Wert wären, dass man einen Blick auf ihre Discography riskiert, das erste und das letzte Album zu reviewen. Und damit meine ich das letzte Album, das bisher veröffentlicht wurde. Für einige Discographies fehlt einfach die Zeit und manchmal auch die Lust. Und weil die Rubrik so heißt wie sie heißt, habe ich beschlossen als erstes der Post-Hardcore Band From First To Last eine Chance zu geben.

Das erste Album heißt....

"Dear Diary, My Teen Angst Has A Bodycount" (2004)

Nun, es ist wie es ist. Ein absolutes scene-iges Album, dass sowas von in irgendeinem us-amerikanischen Einkaufszentrum hätte aufgenommen sein können. Die Band bestand zu dem Zeitpunkt aus Derek Bloom (dr), Jon Weisberg (b,voc), Travis Richter (git,voc), Matt Good (git, voc) und Sonny Moore (voc, git). Nach seiner Zeit bei der Band war es für Moore zu Ende. Seine Stimme hat die Anstrengung nicht vertragen. Kurze Zeit später wurde er Dubstep DJ, bekannt als Skrillex. Aber das nur so am Rande.


FFTL sind vielleicht nicht mit My Chemical Romance zu vergleichen, aber wenn dann eher mit The Used. Das sage ich, weil es die einzigen zwei Bands aus diesem Spektrum waren, die ich in meinem Leben gehört habe. Es ist genau das was ich erwartet habe. Ein Albumtitel das ein Filmzitat von Wynona Rider ist. Songtitel wie "I Liked You better Before You Were Naked On The Internet" oder "The One Armed Boxer vs. The Flying Guillotine". Verschachtelte Lyrics, die sich anhören als würde man 10 Sätze gleichzeitig anstelle von nur einem sagen. Sonny Moore klingt besonders schwermütig, manchmal aber besonders verheult und traurig. Zum Beispiel auf "Emily". Meine Fresse, wenn ein Song Emo ist, dann ist es dieser. Er sollte eigentlich im Musik-Wörterbuch stehen, wenn man nachschlagen möchte was "Mall Screamo" oder "2000s Emo" sein soll.

Es ist insgesamt eher durchwachsen, midtempo und für meinen Geschmack doch ein wenig zu weinerlich. Ich mag es eher, wenn man seinen Schmerz rausschreit und wütend ist als traurig. Also, schlecht ist es nicht, aber nun mal nicht ganz mein Fall. Das isses.

Anspieltipps: Kiss Me! I'm Contagious, Note To Self, Ride The Wings of Pestilence
6/10 Pfandflaschen



...und das letzte Album

"Dead Trees" (2015)

Das letzte bisher veröffentlichte Album heißt also "Dead Trees" und wurde in der Besetzung Matt Good (git, voc), Travis Richter (git), Taylor Larson (git), Matt Manning (b), Ernie Slenkovich (dr) und Spencer Sotelo (voc) aufgenommen. Wie ihr lesen könnt, ist bis auf Matt Good und Travis Richter niemand mehr vom Line-Up des ersten Albums da. Nachdem Sonny Moore ausgestiegen ist, hat Matt Good den Gesang übernommen. Travis Richter stieg zwischendurch ebenfalls aus, ist hier aber wieder da. Am Gesang haben wir Spencer Sotelo, den Leadsänger der Prog/Djent Metal Band Periphery. Dieser variert seinen Gesang definitiv anders als Moore, allerdings ebenfalls zwischen cleanen und nicht
cleanen Vocals. Die Instrumentals gehen definitiv in eine andere Richtung - es hört sich "metallischer" an, progressiver, mehr wie eine mathematische Formel. Weitaus weniger scene-ig auch wenn das Albumcover das irgendwie so rüberbringt. Stellenweise höre ich auch definitiv etwas Nu Metal raus - und zwar marke Linkin Park bzw. Spineshank. Andererseits wird es auch ziemlich emo-mäßig, vor allem was den poppigen Gesang betrifft. Wirklich großartiges Werk. Gefällt mir wesentlich besser als das erste Album.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Black And White, I Solemnly Swear That I Am Up To No Good, 



DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

DxBxSx – Der Mittelstand

Raphi:

"Drive By Shooting aus Berlin machen Musik, die verdammt nach Berlin klingt. Das Ganze klingt ein bisschen nach einer Mischung aus Stoner Rock, Deutschpunk, einer Suppe aus Bier und dem Boden eines Aschenbechers, und jeder Menge keine Lust auf Arschlöcher. Und zu den vielen Leuten, denen DxBxSx mal den gestreckten Mittelfinger zeigen wollen, gehören auch Neoliberale."

Philipp:

"Ich kann mit dieser Band aus Prinzip nichts anfangen, das könnte unter anderem daran liegen, dass Berlin für mich die überbewertetste Stadt Europas ist, Berliner für mich Pfannkuchen heißen und ich die Berliner Schnauze für eine Infektionskrankheit halte.
Zudem kann ich dieser Stadt einfach nicht verzeihen, dass einer meiner liebsten Musikerkollegen seine Thüringer Provinz für sie im Stich ließ und lieber dort sein neues Glück (murxpunx.bandcamp.com) suchte. Und es gibt kaum eine Band, die mehr nach Berlin klingt, aussieht und riecht als DXBXSX. Wer's mag. Ich gehe dann mal heimlich unter der Bettdecke "Ihr!Alle!Immer!" hören."

Ich:

Ich weiß nicht an welche Deutschpunk-Legende mich der Sänger erinnert. Aber irgendwie kommt mir die Stimme bekannt vor. Wirklich sehr kurzweilige Lyrics. "Unterstützt den Mittelstand, Mittelstand, Mittelstand (...) gebt die Kinder aus der Hand!". Ziemlich cooles Gitarrensolo. Und später noch ein Riff dass an "Too Drunk To Fuck" von Dead Kennedys erinnert. Eine ironische "Auseinandersetzung" mit dem äh Mittelstand, also irgendwie ein Mittelfinger an äh den Mittelstand. Es ist irgendwie....belanglos. Also, klar nach allen Regeln des Deutschpunks tatsächlich gut durchgespielt. Der Song bleibt im Ohr stecken und ist simpel aufgebaut. Ich finde das allerdings schon beim zweiten Durchhören äußerst nervig. Ich kann mir nicht vorstellen, ein ganzes Album davon anzuhören.

Dödelhaie – Stolz

Raphi:

"Die Dödelhaie haben einen ziemlich dummen Namen und waren eng mit Daily Terror befreundet. Auch musikalisch finde ich die Band aus Duisburg eher unangenehm und unreflektiert. Ein paar Hits hatten sie dennoch, und dazu gehört eben die stark verkürze Kritik am Nationalstolz namens „Stolz“."

Philipp:

Dass uns Raphael solch einen Sondermüll zum reviewen vorsetzt, zeugt von einer sympathisch sadistischen Ader. Die beschissene Band mit dem beschissenen Namen scheint es wohl tatsächlich immer noch zu geben, sie ziehen immer noch 16Jährigen das Geld aus der Tasche und lassen ab und zu durch Nazi-Hacker ganze Kontaktdatenlisten veröffentlichen. Das war zumindest das letzte was ich mitbekommen habe, bevor ich zu alt war, mich jemals wieder mit dieser Bums-Kapelle zu beschäftigen. Schlechte Musik für schlechte Menschen, schlechte Texte, die von 16jährigen Jungpunks wohl okay wären aber nicht von angeblichen Szene-Helden. Deutsche Exploited (so abfällig wie möglich gemeint.).

Ich:

Ich habe diese Band tatsächlich nie kontinuierlich gehört. Meiner Erinnerung zufolge hatte ich irgendwelche einzelnen Tracks, die es kostenlos zum Download gab. Zum Beispiel das Lied "Radikal". Ich verstehe den Bandnamen nicht. Was habt ihr mit Pimmeln und Haien? Warum macht ihr solch beschissene Musik? Okay, das Riff am Anfang ist irgendwie cool. Dieser Gesang und die Art und Weise wie der Sänger bestimmte Worte ausspricht ist unfassbar nervig ("in der Schweiiiiiiz!"). Der Text sowieso. Soll eine Auseinanderstzung mit Nationalstolz sein, klingt aber eher wie "ugga ugga wir singen das was andere schon gesungen haben". Meine Fresse, warum? Waruuuuuuuuuum? Mir fällt dazu dieses Meme ein mit dem alten Mann der sich vor seiner Haustür auf den Boden legt, weil irgendjemand ihn dahin gepinkelt hat und er dabei "waruuuuum was hab ich dir getaaaaan?" schreit.

DritteWahl – Sonne und Meer

Raphi:

"Den Song habe ich mir damals mit einem 28.8K Modem heruntergeladen und ich bereue bis heute keine der vielen Minuten, die ich dafür gebraucht habe. Bis heute riecht das Lied für mich nach frischer Seeluft und all dem Ekel, den ich auf meinem einzigen Besuch beim Force Attack Festival erlebt habe. Seitdem habe ich Dritte Wahl bestimmt vier mal live gesehen, aber kenne eigentlich bis auf „Hash“ und „Sonne und Meer“ fast keinen Song. Ich liebe aber das lange Outro und den Gesangseinsatz zu Beginn der zweiten Strohpe."

Philipp:

"Dritte Wahl waren tatsächlich eine der wichtigsten Bands meiner Jugend. Die erste Punkband, die ich wirklich für hart hielt, die erste Band, die mir musikalisch die Tür in andere Genres geöffnet hat und dazu noch echt annehmbare Texte hatte. Es gibt kaum eine andere Band, die ich zwischen 2007 und 2016 so oft live gesehen habe, von der ich jedes Lied von "Fasching In Bonn" bis "Gib Acht" frenetisch mitgrölen konnte und dafür bin ich bis heute dankbar. Mit allen Alben nach diesem Album und einer etwas unliebsamen Begegnung mit den Bandmitgliedern selbst haben sie mich leider völlig verloren. Das ändert nichts daran, dass sie ein paar wirklich großartige Songs geschrieben haben und immer herrlich unangepasst zwischen sämtlichen Stühlen zwischen Punk, Metal und irgendwie etwas peinlichem Rockertum saßen. "Sonne Und Meer" ist dabei bereits zu DDR-Zeiten entstanden und lässt einigen Interpretationsspielraum zu, ja könnte tatsächlich sogar von einer misslungenen Fluchtgeschichte handeln. Toller Song von einer einstmals tollen Band, die mittlerweile leider ziemlich belanglos geworden ist."

Ich:

Dritte Wahl sind jahrelang an mir vorbeigegangen. Ich weiß nicht ob es an dem Namen lag oder oder oder. Jedenfalls waren sie in meinem Kopf nie präsent. Vielleicht lag es auch daran, dass sie auf mich relativ unspektakulär wirkten. Wenn ich mir den Text so anhöre, kann ich Philipp nur zustimmen. Meiner Meinung nach geht es hier auch um eine Fluchtgeschichte. Vielleicht geht es dabei um jemanden aus dem Bekanntenkreis der Band. Ich mag die Zusammenstellung des durchaus einfachen aber intensiven Textes, etwas Gitarrensoli und einfachen Arrangement. Ebenfalls gefällt mir das Intro mit dem ausklingenden Schlagzeug, dem Meer und den Möwen. Es ist catchy und irgendwo wohl typisch Deutschpunk. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie theoretisch mein 17-jähriges ich auf der Mainwiese sitzt und Sangria trinkt und irgendwoher läuft dieses Lied aus einem Tapedeck.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Ulver Discography: Silence Teaches You How To Sing EP (2001)

Das nenne ichmal ein gelungenes Experiment. Erschienen zwischen "Perdition City" und dem Sountrack zu "Lyckantropen". Direkt danach werde ich mich übrigens mit einer ähnlich betitelten EP beschäftigen, die "Silencing The Singing" heißt. Aber das nur so nebenbei. 

Die EP besteht aus einem einzigen Song, der genauso heißt. Teile davon wurden für den Score des Horrorfilms "Sinister" verwendet, als auch dessen Sequel. Ich fand beide unsäglich schlimm. Aber das


auch nur so nebenbei. Das Werk ist wieder mal ein Beweis dafür, dass Ulver quasi alles können. Es ist nämlich nicht "Post Metal" oder "Synthpop" und nicht bloß "Ambient" sondern ein wirklich experimentelles Werk dass irgendwo in der Dark Ambient Sphäre anzusiedeln ist. Im Grunde genommen hört sich "Silence Teaches You How To Sing" an wie ein defekter Radiosender bei welchem man ganz lange nach einem Signal suchen muss. Man kriegt also typische Radiogeräusche zu hören. Statisches Rauschen, Surren, Wirren. Und dann irgendwann mal tatsächlich ein Musiksignal. Fast so als würde man durch eine post-apokalyptische Landschaft in seinem uralten Auto fahren und versuchen irgendwie ein Lebenssignal von überlebenden Menschen zu finden. Irgendwann kommt dann auch tatsächlich typischer Gesang von Kristofer Rygg. Ehrlich gesagt ist es ganz schön schwierig für Ulver, mich irgendwie zu enttäuschen. Auch hier schaffen sie es so überhaupt gar nicht. Es ist wunderschön, kryptisch und faszinierend.

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: lol es gibt nur einen Song