Montag, 27. Juli 2026

Album der Woche#691: Fear Factory - Obsolete (1998)

Drittes Album von Fear Factory, wenn man die Demo "Concrete" die früher mal im Schrank von Produzent Ross Robinson archiviert wurde und erst später veröffentlicht wurde, nicht mitzählt. Da ich hier der alleinige Herrscher des Blogs bin (was natürlich nicht wahr ist), habe ich beschlossen nach und nach die Fear Factory-Discography zu verwursten. Aber nicht bei "So isses, Musik!", weil da die Alben manchmal zu kurz kommen und ich irgendwann die Bands satt habe, weil ich mich an deren Musik totgehört habe. So werden bei "Album der Woche" dann und wann Fear Factory-Reviews rauskommen, bis ich auch da die Schnauze voll habe, sodass alles auf "So isses, Musik!" ausgelagert wird. Am besten dann wenn die Alben richtig mies werden. Weil irgendwann werden sie das. Naja, egal.


Drittes Album also. Davor sind "Soul Of A New Machine" und "Demanufacture" rausgekommen. Danach war "Digimortal" an der Reihe. Die Reviews sind alle da. Ihr müsst nur auf die Hyperlinks klicken. So. "Obsolete" ist tatsächlich ein Konzept-Album, während die Alben davor nur grob das Konzept "Mensch vs. Maschine" umrandet haben. Ich habe mir überlegt ob der Titel nicht auf die Überflüssigkeit des Menschen in einer von Maschinen regierten Welt anspielt. Natürlich geht es darum. Die Handlung der Story spielt sich ab im Jahre 2076 als die Maschinen beinahe komplett die Welt erobert haben. Der Mensch hat die Maschinen gebaut um sein Leben zu erleichtern, nun ist der Mensch selbst überflüssig geworden. Es ist eine explosive Mischung aus "1984", "Brave New World" und "2001". In der Erzählung existiert eine Weltregierung namens "Securitron", die alle Menschen überwacht und die "Police 2000" sind ihre Einsatzkräfte. Die Story heißt "Conception 5" und wurde von Sänger Burton C. Bell in nur zwei Wochen geschrieben. Sie ist tatsächlich in drei Kapitel unterteilt, die jeweils "Scene" heißen. So existiert das Album in drei Abschnitten mit jeweils passenden Songs. Der Hauptprotagonist ist der Anführer der Revolution der Menschen, der sich "Edgecrusher" nennt. Da werden Erinnerungen wach an einen gewissen Film von James Cameron. Mir fällt nur der Name nicht ein. "Edgecrusher" ist wohl auch einer der bekannteren Songs von diesem Album. Darin spielt Christian Olde Wolbers einen Kontrabass und es sind Turntable-Scratches zu hören. Ich kannte den Song von einer gewissen "Hörsturz"-Compilation, die ich mir vor Ewigkeiten in einer Bücherei ausgeliehen habe. Zum Glück besitzt Marlyn die besagte Compilation und irgendwann wird es auch zu ihrer CD-Sammlung Reviews geben, aber das nur so am Rande.

"Obsolete" ist ein Nu Metal/Industrial Metal/Groove Metal Konzeptalbumgigant voll mit Maschinensounds, hammergeilen Riffs, Growling und melodischen Gesang. Es erzählt eine Story und gibt sich ordentlich Mühe nicht 08/15 zu klingen. Auch wenn FF gewissermassen einen Sound etabliert haben (gewisse Kritiker nannten das "Ministry meets Slayer", ich bin da allerdings anderer Meinung) und diesen fortführen, wirken sie auf diesem als auch auf dem Nachfolgealbum ganz und gar nicht ausgelaugt oder irgendwie beliebig. Es muss noch einiges in der Bandkonstellation geschehen, sodass alles beschissen und austauschbar klingt. Das hier ist noch sehr originell und innovativ. Ich liebe es, wie der tieftraurige Abschlußtrack "Timelessness" das Album beendet - nur damit dieses in dem Bonustrack "Cars" (Cover von Gary Numan mit selbigen als Gaststänger) fortgesetzt wird. Ich könnte noch was zu den anderen Bonustracks sagen, aber ich lasse es. 

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Edgecrusher, Cars, Timelessness, Descent, Shock


Sonntag, 26. Juli 2026

So isses, Musik!#216

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

Wir verlassen heute "C" und gehen weiter zu "D". Es bleibt spannend...


Raphi:
"Die Creeks waren eigentlich eher eine deutschsprachige Pop Punk Band, aber ich höre sie bis heute noch sehr gerne, und finde, dass sie hier reingehören. Mal nachdenklich, mal humorvoll, und immer melodisch und mit intelligenten Texten haben sie sich eine Sonderstellung im Genre geschaffen. Bis auf das selbstbetitele Album aus dem Jahr 2006 ist mir keine weitere Veröffentlichung bekannt. Hier sind viele starke Songs vertreten wie „Crash Test Dummies“, „Knast d’Amoure“, „Er sucht sie“, oder eben das verträumte Lied „Utopia“."

Philipp:

"Es erfüllt mich natürlich mit Freude, dass Wessi Raphael hier eine ostdeutsche Punkband ins Spiel bringt, die ich noch nicht kannte und die noch dazu ziemlich geil ist. Großartiger 77er Stil ähnlich den The Shocks aus Berlin und noch dazu personelle Verbandelungen mit der Shocks Nachfolgeband Zack Zack und den ebenfalls aus Dresden stammenden No Waves. Utopia ist hierbei ein wirklich toller und melancholischer Song. Wird bei mir wohl öfter mal den Weg in den Gehörgang finden." 


Ich:
Beim ersten Hören erinnert mich das auf eine sehr seltsame Art an eine bis dato nicht existierende Mischung aus The Shocks (wegen der rock'n'rolligen Gitarren) und ...But Alive. Weil der Sänger sich zu Beginn wie Marcus Wiebusch anhört. Ich musste bei der Crash Test Dummy Optik (wortwörtlich) auf dem Albumcover an Liquidos "Ordinary Life" denken. Zum Glück hören sie sich anders an. Die besagte Marcus Wiebusch Stimme verändert sich allerdings nach einer kurzen Zeit. Ich nenne es "clean singing Deutschpunk". Klingt nach "sehr gut gelaunt mit kryptisch klingenden Texten wo sich alles auf "-sion" reimt". Eigentlich nichts was ich mir sonst so anhören würde, but I like it.


Ich:
Zugegeben, ich kannte dieses Lied zuerst als Version von den Ärzten - veröffentlicht auf ihren einzigen Deutschpunk-Album "5,6,7,8, Bullenstaat!". Das Original ist allerdings so viel besser. Aus heutiger Sicht ist dieses Lied vielleicht provokativ, wenn man ein engstirniger konservativer Boomer ist. Damals muss es lyrisch definitiv auf die Fresse gehauen - auch wenn der Song an sich unfassbar locker und witzig ist. Ich find's großartig wie hier, ganz ungeniert Homosexualität gefeiert wird und alles in super einfache Lyrics gepackt wird. "Ich habe Samen im Darm, mir ist so warm im Darm mit seinem Samen im Darm". Die etwas hohe Stimme erinnert mich tatsächlich an den Sänger von den Sad Neutrino Bitches - auch wenn seine noch höher klingt. Ich habe mich, ehrlich gesagt, noch nie mit The Cretins beschäftigt. Ich kannte immer nur dieses eine Lied und mehr nicht. Lag vielleicht daran, dass mein .mp3-Player nicht immer so viel Platz hatte oder weil ich nicht mehr als diesen einen Song gebraucht habe. Es ist fantastisch, geht super ins Ohr und verlässt dieses auch lange nicht. Sehr lange.

Philipp:
"Einer der großen deutschen (Post-) Punk-Klassiker der Cretins aus Hannover - unter anderem mit dem auch von Blut+Eisen (Warum haben wir die eigentlich auf der Liste vergessen?) bekannten Überdrummer Tier Wolff - wirkt heute etwas aus der Zeit gefallen. Mit einem Song über Homosexualität lockt man glücklicherweise niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Als der Song 1980 rauskam, war dass tatsächlich provokativ und revolutionär, schließlich stand Homosexualität bis 1994 noch im Strafgesetzbuch. Alles in allem ist es wirklich ein toller Song, diese großartige Stimme und diese Leichtigkeit mit der hier über das Thema gesungen wird, suchen ihresgleichen. Ganz großartig." 

Raphi:

"Während seiner kurzen Schaffensphase hat das Kieler Trio drei Alben und zwei EPs veröffentlicht. Außerdem habe ich die falsche Band recherchiert; es geht nämlich gar nicht um The Creetins sondern um die Hannoveraner Legende Cretins. Der Klassiker "Samen im Darm" entstammt der frühen Phase, als die Cretins noch auf deutsch sangen und rau klangen. Der Sound erinnert mich teilweise an The Ruts oder an A+P. Beeindruckend finde ich, dass das Stück trotz sich wiederholender Motive nicht langweilig wird. Achja, und auch diesen Klassiker habe ich zuerst in der Version der Ärzte (5,6,7,8 Bullenstaat) gehört."


Raphi:

"DDP haben mit ihren melodischen und schnellen Tracks immer eine Sonderstellung im Deutschpunk für mich gehabt. Ein bisschen dilettantisch, aber dennoch treffsicher hat sich die Band vor allem mit ihren Texten in meinem Gedächtnis eingebrannt. Als perfektes Beispiel hierfür dient die düstere Hymne „Wenn der Sturm beginnt“ vom Album „Es geschah am hellixten Tag“."


Philipps:
"Der dicke Polizist (später DDP) waren in meiner Wahrnehmung immer eine der wenigen wirklich interessanten Bands der Nix Gut Records-Ära. Hier ein etwas melancholischerer Song ihres ersten Albums, sicherlich nicht unbedingt einer ihrer besten und gerade bei Zeilen wie "Ich bin ein Punkaaaaar, menschlich besser als ihr" bekomme ich schon starke Cringe-Anfälle. Stellvertretend für die wirklich guten darauf folgenden Alben der Band werde ich an dieser Stelle kein einziges weiteres schlechtes Wort verlieren. Übrigens ist die Band gerade frisch wiedervereinigt und es lohnt sich durchaus, ihnen mal einen Besuch abzustatten."

Ich:
Es war einer von diesen Nix-Gut Samplern namens "Es lebe der Punk", die noch irgendwo in meinem Keller liegen. Dadrauf waren Der Dicke Polizist mit "Und die Hoffnung stirbt zuletzt" und noch irgendeinem Song. Sie stachen tatsächlich sehr heraus mit einem durchaus tiefsinnigem Text während die anderen Bands über Bullenschweine und Nazischweine schwadroniert haben. Sehr im Kontrast nicht nur zu den anderen sondern auch zu ihrem lustigen Namen, der eher nach Fun-Punk klingt. Kein Wunder dass sie sich irgendwann für eine kurze Zeit in ddp umbenannt haben. Jedenfalls ist das hier wieder mal ein ziemlich ernster Song über eigene Wünsche und Sehnsüchte nach Freiheit - wieder mal als Kontrast zu diesem "witzigen" Albumcover. Ich finde ihren Ansatz nach wie vor sehr gut, allerdings zündet es bei mir leider überhaupt nicht. Mich stört der Gesang leider viel zu sehr. 



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Ulver Discography: Metamorphosis EP (1999)

Allrighty. Wir springen (mal wieder) zurück in die Zeit. Als Ulver grade dabei waren sich von einer Black Metal zu einer experimentellen wasauchimmer-Band zu verwandeln. Dafür spricht auch der Titel dieser (ersten) EP. Ursprünglich habe ich mir gedacht, dass ich hier nur ganze Alben von Bands reviewen werde. Aber wenn es schon "Discography" heißt, dann alles - vor allem wenn es um Ulver geht. Wenn ich mit den EPs fertig bin, vllt. nehme ich mir dann auch die Singles und all den Klein-Kleinkram vor. Jedenfalls:

"Metamorphosis" ist, wie die Generation Z sagen würde (oh gott, Kringel) tatsächlich on fire, ngl. Huehuehue. Es ist ein fantastisches Werk, dass sogar für Ulver Maßstäbe ganz anders anfängt. Es ist

definitiv was ganz anderes als Black Metal und auf jeden Fall auch etwas anderes als ihre ambientigen oder späteren synthpoppigen Werke. Der erste Song hierauf, "Of Wolves & Vibrancy" ist genau das, was ich Techno nennen würde. Richtig utz utz utz. Könnte auf dem Soundtrack zum ersten Teil von Matrix sein. In irgendeiner Club-Szene wo nicht grade "Dragula" läuft. "Gnosis" wird dann wieder typisch Electro-Ulver: trip(hop)pig, ambient-ig und irgendwann voll mit mysteriösen, tragisch anmutenden Gesang. "Limbo Central" hat sogar klitzekleine Drum&Bass-Verschnitte, gewürzt mit verzerrten Gitarren. Der Abschlußtrack "Of Wolves & Withdrawal" ist dann aber das krasse Gegenteil. Man hört kaum was, bis auf etwas Hintergrundnoise. Wie in einem unterirdischen Labyrinth, wo sich irgendwelche Gefahren lauern.

Es ist wahrlich experimentell und eine wahre "Metamorphosis". Ein Wandel von Ulvers ursprünglichen Sound zu etwas vollkommen neuen. Diese EP ist quasi das fehlende Glied zwischen "Themes From William Blake's The Marriage of Heaven and Hell" und "Perdition City". Es ist spannend, anders und leicht verstörend zugleich. Fantastisch.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: "Of Wolves & Vibrancy", "Gnosis", "Limbo Central"


Mittwoch, 22. Juli 2026

Film der Woche#688: 7 tage... unter Staubsaugervertretern (2015)

Wieder mal ein Novum in dieser Rubrik. Hierbei handelt es sich nicht um einen Film sondern um eine Reportage des NDR. Bei "7 Tage...unter" haben Journalisten sich in eine für sie unbekannte Arbeitswelt begeben - wie der Titel schon anmutet für sieben Tage. David Hohndorf und Tobias Lickes sind Autoren dieser Folge gewesen.

Wir lernen zunächst Tobias Lickes kennen der zunächst die beiden Brüder Manuel und Roman Nawrot bei ihrem alltäglichen Geschäft begleitet. Die beiden Schwaben sind nämlich Staubsaugervertreter bei der Firma "Hyla". Wobei "Staubsauger" ja ganz offiziell nicht der richtige Begriff ist. Es handelt sich

um einen "Raumluftverbesserungsirgendwasbla". Jedenfalls kostet ein solches Teil beinahe 2000 Euro. Die Brüder haben auch ein gewisses Klientel, das sie bedienen. Nämlich Reiche die teilweise in Gated Communities leben und bereit sind, so viel Geld auszugeben - für etwas was eigentlich jeder schon zuhause hat. Außerdem schafft man es einen gewissen Rabatt anzubieten, wenn die Kunden die Namen ihrer Freunde nennen, die man ebenso zu einem Staubsaugerdingsvorstellungstermin laden kann. Die Firma funktioniert wie ein Pyramidensystem. Man rekrutiert Menschen auf der Straße, die dann in Coachings trainiert und motiviert werden. Es gibt Prämien, auch in Form von coolen Dienstautos.

Meine Fresse, was für eine unsympathische Riesenscheiße. Zunächst mal die Kunden: Alles irgendwie eingebildet wirkende Schnösel, die sich von einer absolut billigen Verkaufsmasche überzeugen lassen und die Namen von ihren Freunden weiter geben um einen verfickten Rabatt zu bekommen. Andererseits natürlich auch die schmierigen Verkäufer und natürlich auch generell das ganze sektenhafte Wesen der bumsbekloppten Staubsaugerfirma, die inzwischen ganz aggressive und nervige TikTok-Videos macht. Ich schreibe diesen Beitrag im Juli'25, er wird aber erst ein Jahr später rauskommen. Mal gucken ob ich dann nicht auch irgendwelchen dummen Kommentare bekomme. Da ich aber zum Fick irrelevant bin, wird denke ich nichts passieren. Fazit: Die Staubsaugerfuzzis sind ganz schlimm, diese Doku ist großartig kringelig. Wer sie gerne sehen möchte, der klicke auf den Link unten:

8/10 Pfandflaschen

Dienstag, 21. Juli 2026

Comic Book Review#686: Judge Dredd: The Cursed Earth Saga (2013)

An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Kollegen M. für die freundliche Leihgabe. Es handelt sich um einen weiteren Judge Dredd Band aus dem Hause 2000AD. Diesmal ist es ein Nachdruck der Stories aus den Ausgaben 61-85, also die "The Cursed Earth Saga". Allerdings konnten Teile 11-12 als auch 17-18 (die in den 2000AD-Ausgaben #71-72 bzw. 77-78 erschienen sind) nicht nachgedruckt werden. Grund: Copyright infringement. Man hat sich darin gekonnt über US-Amerikanische Fast Food Giganten wie McDonald's und KFC lustig gemacht. Genauer: Die Figuren Ronald McDonald als auch der "Colonel" kamen darin, etwas entstellt natürlich, vor. Aber das hat (leider) gereicht um als CI durchzugehen. Schade, das hätte ich zu gerne gesehen.


Am Anfang der Story stellen wir fest: Es gibt nicht nur ein Mega City One sondern auch ein Mega City Two. Beide Riesenstädte liegen an der Ost- bzw. Westküste der USA. Alles dazwischen ist post-atomares Brachland bewohnt von Mutanten, entstellten Menschen, verwilderten Stämmen, Robotern, wilden Tieren und allen anderen die einem nach dem Leben trachten. Judge Joe Dredd, einer der gefürchtetesten und respektiertesten Polizisten in Mega City One kriegt eine unmögliche Aufgabe. Zusammen mit ein paar anderen Judges als auch speziell ausgestatteten und trainierten Robotern soll er Impfstoff nach Mega City Two transportieren. Dort herrscht nämlich eine fürchterliche Pandemie und die Impfung ist wohl die letzte Rettung. Dredd kriegt zu Beginn der Storyline mit, was der Pandemie-Virus denn überhaupt so kann. Judge Red (!) befindet sich in Quarantäne und es dauert nicht lange, bis er sich in eine Art primitiven, kannibalistischen Höhlenmenschen verwandelt. Auf geht's, also. Doch zuerst holt sich Dredd einen eher unfreiwilligen Helfer. Der Kriminelle Spikes Harvey Rotten, der angeblich geläutert ist, wird prompt aus einem Hochsicherheitsgefängnis geholt. Der Biker scheint eine gute Wahl für den Job zu sein. Er ist furchtlos und dreist. Auf ihren Weg nach Mega City Two treffen die Judges und Spikes Harvey Rotten (der eine offensichtliche Anspielung auf Sid Vicious ist) auf äußerst illustre Gestalten. Die merkwürdigsten und beklopptesten Kapitel (meiner Meinung nach) sind die in einer Wild West mäßigen Kleinstadt. In der Umgebung gab es einst einen Dino Park mit echten Dinosauriern. Eines der übergeblienen Dinos ist ein Tyrannosaurus Rex, der "Satanus" genannt wird. Die Bewohner des Städtchens bringen ihm regelmäpig Menschenopfer um ihn in Zaum zu halten.

Ich glaube die Geschichte mit Satanus war wohl eine der beklopptesten die ich je gelesen habe. Vor allem die durchaus grässlichen Zeichnungen von Mick McMahon haben's in sich. Die emotionalste ist allerdings die Story um den Alien Tweak (der aussieht wie ein Ameisenbär). Vor Jahren wurde seine Familie von irdischen Menschen versklavt und er selbst musste seine Intelligenz zurück halten um bloß nicht aufzufallen. Tatsächlich hat er auch Steine auf die Gräber seiner Liebsten gelegt, damit sie nach dem Tod "was zu Essen haben". Kommt mir alles sehr bekannt vor. Irgendwie hört es sich an wie eine Mischung der US-Amerikanischen Sklaverei als auch jüdischer Traditionen (ich spreche von den Steinen - natürlich abgewandelt). Mir gefallen die Zeichungen von Brian Bolland viel mehr. Sie sind so klar und deutlich, so detailliert. Da sitzt wirklich jeder Strich. Meiner Meinung nach sehen sie "teurer" aus, als würde man sich den Zeichner gar nicht leisten können. So gut ist er. Verantwortlich für den Skript sind Pat Mills und Dredd-Schöpfer John Wagner. What a fantastic read.

8,5/10 Pfandflaschen
Ein Video dazu von Unqualified Commentary: