Montag, 9. März 2026

Album der Woche#675: MC 900 Ft. Jesus - One Step Ahead of the Spider (1994)

Wie bin ich nun auf dieses Album gekommen? Nun, es gab mal eine Folge von Beavis & Butt-Head in welcher die zuständigen Wirrköpfe sich ein Musikvideo angeguckt haben. Es war "If I Only Had A Brain" von MC 900 Ft. Jesus. Dabei hat Beavis immer wieder den Beat nachgeahmt, sodass Butt-Head fürchterlich genervt war, bis er zum Ende des Sketches selbst mit angestimmt hat. So bin ich auf dieses Album gekommen.


"One Step Ahead of the Spider" ist das dritte und letzte Album von MC 900 Ft. Jesus. Bei dem "Ft." handelt es sich um die Maßeinheit "Foot" und nicht um das Wort "Featuring". Inspiriert wurde Mark Griffin, wie der MC mit dem richtigen Namen heißt, von einem Televangelisten der einst in einer Predigt erzählt hat, er hätte eine Vision von einem "900 Fuß großen Jesus" gehabt. Was zum fick. Während die ersten beiden Alben "Hell with the lid off" (1990) und "Welcome to my Dream" (1991) noch gänzlich dem Hip-Hop zugewandt (erstes Album) und mit Acid Jazz experimentiert haben (zweites Album) ist das dritte nun beinahe komplett vom Hip-Hop abgewandt. 

Stattdessen hört man hier super interessante Mischung aus Spoken Word und Jazz. Der einzige Hip-Hop-Song hierauf, ist der oben erwähnte, zu dem es auch ein Musikvideo gab. Darin geht es um die eigene Unfähigkeit den "eigenen Scheiß" zu regeln. Der Song hat einen super catchy "babowpowpowpow" type beat. Davon ist auf dem Rest des Albums nichts zu hören. Stattdessen haben wir etwas, was ich freundliches Lamentieren nenne - auf "Stare and Stare", einen Cover von Curtis Mayfield, worauf Vernon Reid von Living Colour Gitarre spielt. Worin sich Griffin besonders spezialisiert ist allerdings Spoken Word. So hört sich der Opener des Albums, "New Moon" an wie eine spezifisiche Narration eines 1940er Jahre schwarz/weiß Krimifilms. Dabei wird er von den Jazz-Musikern Earl Harvin, Chris McGuire, Dave Palmer, Drew Phelps, Mike Dillon, Nikhil Pandya, Rajiv Chakravarti als auch der Sängerin Analisa Ripke unterstützt. Griffin hört sich an wie typischer Beatnik aus den 1960er Jahren. In dem Songtext geht es allerdings um tristes Leben in der Vorstadt, wobei den einzigen Kick illegale Autorennen bieten. Diese enden allerdings desöfteren mit dem Tod, was er auch schildert. Genau darin liegt die Stärke des Künstlers: Geschichten erzählen mit zischenden Drums und trötenden Saxophonen als auch piependen Keyboards im Hintergrund. Und das gelingt hier wirklich sehr gut. Die Mischung aus Gedichten und Free Jazz ist einfach fantastisch. Das nenne ich sehr sehr große Experimentierfreude.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: New Moon, Tiptoe Through The Inferno, Stare and Stare, If I Only Had A Brain


Mittwoch, 4. März 2026

Film der Woche#672: Doctor Detroit (1983)

Ich erinnere mich relativ ungenau. Es war irgendwann in den 1990ern. Mein Vater und ein paar seiner Freunde haben diesen Film hier geguckt. Ich habe nur eine oder zwei Szenen von Doctor Detroit gesehen, als der Hauptcharakter eine metallene Klauenhand allen gezeigt hat - oder so. Seitdem ist dieser Film irgendwo ganz hinten in meinem Hinterkopf gespeichert und er wollte raus, raus auf den Blog.


Wir befinden uns in Chicago in den 1980er Jahren. Clifford Skridlow (Dan Aykroyd) ist Literaturprofessor auf dem Monroe College. Sein Vater ist Präsident des besagten College und tatsächlich wohnt Clifford noch bei seinen Eltern. Seine Spezialität ist das Thema "Ritterlichkeit in der Literatur". Gleichzeitig gibt es organisierte Kriminelle in der Stadt, die sich unter anderem auf Prostitution spezialisieren. Einer der bekanntesten Zuhälter ist Smooth Walker (Howard Hessemann). Bei einer Limousinenfahrt - das Auto wird von seinen Fahrer Diavolo (T.K. Washington) gefahren - wird er plötzlich von mehreren Autos bedrängt. Es stellt sich heraus, dass er enorme Schulden hat bei "Mom" (Kate Murtagh). Die Frau ist die Oberbossin des organisierten Verbrechens und alle kleineren Zuhälter haben Angst vor ihr. Bei einer Unterredung bzw. Angstmache erfindet Smooth eine Geschichte. In einem Versuch, sich von seinen Schulden zu befreien, erfindet er eine fiktive Persönlichkeit. Ein Chiropraktiker namens Doctor Detroit (der auch noch aus Detroit kommt) versucht nun Moms Gebiet zu übernehmen. Er ist wirklich skrupellos, gewalttätig und keiner sollte ihm in die Quere kommen. Als nächstes schaffen Diavolo und Smooth es, bei einem Abendessen, sich mit Clifford anzufreunden und abzufüllen. Der Plan ist: Smooth verpisst sich für einige Wochen aus der Stadt während Clifford das Geschäft übernimmt. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Literaturprofessor sieht sich, nach Smooths Weggang, gezwungen die Rolle eines exzentrischen Chiropraktikers der zum Zuhälter wurde und der das Pseudonym Doctor Detroit trägt, zu spielen. Doch anstatt bloß den Zuhälter zu mimen, fängt er an aktiv gegen Moms Verbrecherorganisation zu werden. Diavolo und die vier Prostituierten Karen (Fran Drescher), Monica (Donna Dixon), Jasmine (Lydia Lei) und Thelma (Lynn Whitfield) arbeiten mit ihm zusammen.

Aus heutiger Sicht betrachte ich einige Aspekte im Film kritisch. So weiß ich, dass Prostituion kein Glamour Leben sondern schlicht Ausbeutung bedeutet. Da das hier allerdings eine fiktive Geschichte ist, die alles überzeichnet und ganz einfach nach Fake schreit, sehe ich das etwas locker. Es ist ganz klar, dass es im echten Leben nicht so ist. Außerdem: Es gibt ein Happy End und ein Ende des Prostitutions"geschäfts" - nur um mal ganz dreist zu spoilern. Im Prinzip ist "Doctor Detroit" eine unglaublich grelle und übertriebene Sitcom. Eine komische Situation jagt die nächste - die komischste bleibt dabei Cliffords Traum in welchem sein Vater seine Mutter verkauft. Da dieser ihm sehr unangenehm ist, kann man nur drauf kommen dass das ganze Prostitutionsding ihm absolut zuwider ist. Er möchte den Frauen helfen, da raus zu kommen. Dass es in der Realität gar nicht so einfach ist, das sollte man inzwischen wissen. Anyway: Greller Film, absurde Handlung, bunte Kostüme und ein großartiger Dan Aykroyd der gekonnt zwischen zwei Charakteren hin und her wechselt. Nämlich dem des schüchternen, trotteligen Clifford und dem des exzentrischen, beinahe superheldenhaften Doctor Detroit. Letzterer erinnert mich tatsächlich an Nihil Baxter, den Charakter von Helge Schneider aus "00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter". Großartiger, lustiger, wenn auch stellenweise sehr grenzdebiler und simpler Film aus den 1980ern. Mit Auftritt von James Brown und Titelsong von Devo.

7,5/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 3. März 2026

Comic Book Review#670: Wasteland#1 (1987)

Wieder mal ein Comic, den ich in irgendeinem Instagram-Post entdeckt habe. Bei "Wasteland" handelt es sich um eine Horror-Anthology-Reihe die von 1987 bis 1989 bei DC rausgebracht wurde. Die verantwortlichen Autoren waren John Ostrander und Del Close. In der ersten Ausgabe haben David Lloyd, William Messner-Loebs und Don Simpson gezeichnet. Lovern Kindzierski hat koloriert. Wir haben es hier mit drei Horror-Stories zu tun, die unterschiedlichen nicht sein könnten. 


So geht es in "Foo Goo" um einen mysteriösen Fall einer Vergiftung. Mehrere Kriminalpolizeibeamte untersuchen einen kollektiven Selbstmord. Sie finden vier Leichen in einem Haus. Die Betroffenen haben allesamt vom mysteriösen Giftpilz "Foo Goo" genascht. Ein Biss verursacht einen sofortigen, himmlischen Rausch als auch gleichzeitig den Tod. Alle vier Teilnehmer der Sitzung kamen aus unterschiedlichen Backgrounds. Der Gastgeber war ein stinkreicher Typ namens Beltrane, der aus wasweißich für Gründen diese Leute um sich versammelt hat. Nun sind sie alle tot, weil sie unbedingt ein Stück vom Himmel haben wollten. In vier kleinen Rückblicken erfahren wir, wie es denn genau passiert ist. In der Gegenwart kann ein Polizist es nicht sein lassen und isst selbst ein Stück vom Pilz.

"R.a.b." spielt in der weiter entfernten Zukunft. Sally lebt in einer übervölkerten Stadt. Alle Menschen leben in riesigen Hochhäuser, die mehr als 300 Stockwerke haben. Sie ist angewidert von den "Corridor People" (Obdachlose) und fühlt sich allein. Also sucht sie mithilfe eines Video-Dating-Service nach einem geeigneten Ehemann. Diesen findet sich in einem Typen namens Hal. Dieser verschafft ihr mehrere CEO-Positionen und innerhalb von drei Jahren kriegen sie ein Kind. Allerdings muss Sal dieses nicht austragen, sondern es wird in einer "Egg and Sperm"-Bank für sie erzeugt. Schnell erweist sich die Idee des Elternseins als schwierig und es kommt zu einem Streit, bei welchem Sal ankündigt, die Scheidung zu wollen. Keiner von den beiden will sich allerdings um das Kind kümmern. Bei der zuständigen Behörde wird ihnen eine "RAB" vorgeschlagen. Eine "retroactive abortion" bei welcher die Dokumente des Kindes annuliert werden und während sie nicht hingucken, das Kind aus dem Fenster geschmissen wird. Kurzerhand sind die beiden wieder glücklich darüber, den Ballast nicht mehr zu haben und beschließen, es noch mal miteinander zu versuchen. Und vielleicht auch bald wieder ein Kind zu haben.

Die letzte Geschichte heißt "Sewer Rat" und spielt in Chicago des Jahres 1964. Laut den Angaben ist sie irgendwie Autobiographisch. Gezeichnet wurde sie von Del Close. Der Hauptcharakter heißt genauso. Es handelt sich um einen merkwürdigen, halbnackten Typen mit einer brennenden Gasflasche auf dem Kopf, der sich in der städtischen Kanalisation bewegt und auf Ratten schießt. Er stellt ziemlich schnell fest, dass alles was er erlebt Halluzinationen sind. Seien es die Ratten, mehrere Klone von sich selbst, eine Gruppe an Barbershop-Sängern als auch seine Mutter. Irgendwann schafft er es raus an die Oberfläche und man hält das was er grade tut für einen Publicity Stunt.

Fangen wir mal von hinten an. Tatsächlich soll "Sewer Rat" genauso oder ähnlich stattgefunden haben. Del Close hat in seiner Vergangenheit mehrere halluzinogene Drogen ausprobiert. Die Geschichte führt meiner Meinung nach ins nichts und auch der "Twist" überrascht mich nicht noch finde ich das irgendwie spannend. Eher merkwürdig. "R.a.b." ist eine finstere Satire auf eine überproduktive Wegwerfgesellschaft, in welcher Menschenleben kein Stück zählt. Manch einer würde auf die Idee kommen, es handele sich um Abtreibungsgegnerlogik. Man könnte es so interpretieren. Aber auch so, dass die Eltern keinen Bezug zum Kind haben (wollen) und keine Vorstellung davon haben, Eltern zu sein. Also können sie das Kind genauso wegwerfen. "Foo Goo" hingegen stellt einen Wunsch, für eine Minute aus dem bisherigen fürchterlichen Leben rauszukommen dar, auch wenn diese Minute den sicheren Tod bedeutet. Die Menschen sind bereit, den Himmel zu erleben - und das obwohl sie dafür sterben müssen. Insgesamt eine "Mixed Bag" an merkwürdigen Stories, die im Gegensatz zu vielen Horror Comics nicht mit irgendwelchen Gory Endings aufwarten sondern den Leser einfach verstören sollen. Ich fand das stellenweise amüsant, stellenweise einfach anstrengend zu lesen. Erinnert mich an klassische EC Horror Comics als auch das Magazin "Heavy Metal". Weird shit.

6/10 Pfandflaschen
Hier ein Video von The80sVault:


Montag, 2. März 2026

Album der Woche#674: The Aquabats! - Charge!! (2005)

The Aquabats! leben in meinem Kopf schon ziemlich lange. Zumindest so lange, seitdem ich erfahren habe dass Drummere Travis Barker (of Blink-182 fame) dort eine Zeit lang Mitglied war - und seitdem ich dieses Meme gemacht habe, in welchem man sein eigenes Slipknot-Line-Up erstellen konnte. Die Aquabats waren selbstverständlich auch dabei.


Was zur Hölle ist denn das hier überhaupt? Nun ursprünglich bestand die Band The Aquabats! aus weiß ich nicht wie vielen Mitgliedern, inzwischen gibt es aber ungefähr drölf ehemalige Mitglieder und live wird/wurde man von verschiedenen Zusatzmusikern unterstützt. Die aus dem US-Amerikanischen Orange County stammenden Christian "MC Bat Commander" Jacobs und Chad "Crash McLarson" Larson haben damals die Band gegründet mit der Vorstellung sich über die damalige Szene lustig zu machen, die aus ihrer Sicht aus "zu viel Bier und Testosteron" bestand. Was daraus geworden ist: Eine, laut eigenen Angaben, Mischung aus der Musik von Devo, Ska, Punk und Surf. So greift man ein bei Devo ebenfalls vorhandenes Konzept von mehreren Leuten in gleich aussehenden Uniformen auf, die gemeinsam Musik machen. Dabei hat man auch eine fiktive Hintergrundgeschichte. So sind die Aquabats! nicht nur eine Band sondern gleichzeitig auch eine Gruppe von Superhelden, die in ihren Texten eben dieses Superheldendasein aufgreifen. Es existierte auch eine zwei Staffeln andauernde "The Aquabats! Supershow!", die von 2012-2014 ausgestrahlt wurde. 

"Charge!!" ist das inzwischen vierte Studioalbum, der auf fünf Mitglieder geschrumpften, ehemaligen Ska-Punk-Band. Ganz richtig, zu dem Zeitpunkt hat man Offbeat und Trompeten (beinahe) komplett aufgegeben und auch das Line-Up von acht auf fünf Leute reduziert. Lyrisch bewegt man sich in ähnlichen Gefilden wie schon vorher: Nämlich Satire auf Nerd- und Popkultur, vollgesaugt mit verschiedenen (selbstbezogenen) Anspielungen. Ich fühle mich bereits beim ersten Song "Fashion Zombies" positiv auf "Teenagers from Mars" von Misfits erinnern. Und zwar sowohl rhythmus- als auch lyricstechnisch. So gibt es hier mehrere Worte die auf "tion" enden, die sich ähnlich anhören - ob das Absicht war oder nicht, lass ich mal so dahin gestellt. Weitere Songs, die mir so unglaublich gut gefallen sind "Nerd Alert" und "Look At Me, I'm A Winner". Das Album funktioniert sehr gut, schafft es nämlich gleichzeitig die besagten popkulturellen Referenzen einzubauen, eine gewisse Goofyness beizubehalten und trotzdem nicht wie ein komplett (schlechter) Witz zu klingen. Durch das Weglassen von Bläsern bzw. das Reduzieren des Line-Ups zu einem Quintett schaffen es die Aquabats! eine gewisse Ernsthaftigkeit zu erlangen. Eine fantastische Mischung aus New Wave, Punk und Synth-Pop. Gerüchten zufolge ihr bestes Album überhaupt. Ich wusste nämlich nicht so recht was auf mich zukommt und war mehr als positiv überrascht. 

8,25/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Fashion Zombies, Nerd Alert, Look At Me I'm A Winner