Mittwoch, 10. Juni 2026

Film der Woche#681: Future-Kill (1985)

Ich glaube, dass ich den Film (mal wieder) von Instagram habe. Das Poster ist von H.R. Giger designt worden und sieht einfach nur cool aus. Allerdings steht es im absoluten Kontrast zum Filmgeschehen. Worum geht es denn?

Wir befinden uns in einer alternativen Version der 1980er Jahre. Irgendwo in einer nicht näher benannten Großstadt. Auf einer Seite haben wir mehrere Jugendliche die eine Gang bilden und sich "Mutanten" nennen. Sie tragen post-apokalyptisch anmutende Kostüme und Make-Up um äh wie

"Mutanten" auszusehen. Einer von ihnen nennt sich Splatter (Edwin Neal aus "Texas Chainsaw Massacre"). Die Gruppe hat sich sich der Ablehnung von Gewalt verschrieben. Splatter allerdings, ist wirklich mutiert, und hat schon mindestens einen Menschen umgebracht. Der Rest der Gruppe fängt an, seine Persönlichkeit kritisch zu betrachten. Auf der anderen Seite: Eine Gruppe von Verbindungsstudenten, die eine Party crashen und dort einen Streich spielen. Im weiteren Verlauf der Story, beschließen sie, ähnlich wie die Mutanten in Make-UP verkleidet in die City zu gehen und dort "aus Spaß" einen Mutanten zu entführen. Das Vorhaben schlägt allerdings fehl und einer von ihnen wird von Splatter umgebracht. Was folgt ist ein fürchterliches Abenteuer in einer verdreckten, gewalttätigen Innenstadt. Schlußendlich tun sich die Verbindungsstudenten mit einigen der Mutanten zusammen um gegen Splatter vorzugehen, der selbst ganz sektenmäßig eigene Anhänger um sich geschart hat. Ein Verbindungsstudent fängt sogar an, sich in Dorothy Grim (Marilyn Burns aus "Texas Chainsaw Massacre") zu verlieben. Sie ist eine der Mutanten, die das ursprüngliche Vorhaben der Gruppe aufrechterhalten wollen. Nämlich "Raising awareness about toxic pollution".

Ich bin nicht der einzige den es so ergangen ist. Das Poster ist total cool und macht den Eindruck, es würde sich um einen düsteren, post-apokalyptischen Film handeln. Stattdessen kriegen wir eine unfassbar unlustige Fratty-Boys vs. Mutants Sci-Fi-Horror-Comedy. Die, um es noch mal zu betonen, unglaublich unlustig ist. Was hier zu sehen ist, ist sogenannter Frat Boy Humor. Sprich: Streiche spielen, horny sein und äh naja das wars. Doch es dauert nicht zu lange an. Der Film schlägt schnell um ins Düstere. Das Meiste was wir zu sehen kriegen ist die Flucht der Jungs vor Splatter und seinen Schergen. Das Make-Up ist cool. Auch der Auftritt der (Post-)Punk Band "Max and the Make-Ups" ist durchaus ein Highlight. Ach was sage ich... Es ist definitiv das Beste an dem Film. Ansonsten musste ich aufpassen entweder nicht einzuschlafen oder vor Langeweile zu kotzen. Es ist ein fürchterlicher Low-Budget-Film der innerhalb von sechs Wochen gedreht wurde und seine Aufmerksamkeit nur durch das Poster bekommen hat. Grausam. Wirklich unfassbar schlecht. Und nicht mal so schlecht, dass es witzig wäre.

1/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 9. Juni 2026

Comic Book Review#679: Godzilla vs. Thor (2025)

Endlich. Endlich ist es soweit. Tatsächlich der letzte Comic aus der Reihe von den "Godzilla vs. Marvel"-One-Shots. Und es ist endlich mal soweit: Ein Marvel-Superheld kämpft tatsächlich gegen Godzilla ohne am Ende irgendwie eine Art Frieden mit ihm zu schließen oder geschweige denn eine Allianz.


Es geht los im Hauptquartier der Untergrund-Assassinen-Organisation "The Hand". Die Archpriestess des Geheimbundes hat mehrere flüchtige Killer um sich herum versammelt. Doch nicht etwa, damit sie an ihrer Seite töten - die Frau selbst sieht Mord nämlich als etwas schönes und erstrebenswertes. Nein, die Männer werden geopfert und all das Blut wird benutzt um Godzilla wieder zu beleben. Genauer gesagt, das was von ihm nach seinem Tod übrig blieb: ein riesiges Herz. Schon bald stampft sich Big G wieder durch die Straßen von Tokyo bis ein ebenbürtiger Gegner erscheint: Thor hat die Schreie um Hilfe der Japaner gehört und taucht auf um Godzilla auf die Fresse zu hauen. Er schafft es sogar, Godzilla im Endeffekt einzufrieren. Doch Wochen später taucht "The Hand" wieder auf und schickt die Riesenechse mithilfe eines uralten Artefaktes nach...Asgard. Dort schlachtet Godzilla alle Götter ab, was am Ende Thor wieder auf den Plan ruft der grade noch irgendwo anders unterwegs ist um jemand anders die Fresse einzuschlagen. Es kommt zu einem immerwährenden Kampf zwischen Godzilla und dem Gott des Donners. Bis nach Hel.

Was für ein wunderbarer Haufen vollkommen verwirrender ineinander krachender Ereignisse. Ein Ninja-Assassinen-Geheimbund erweckt Godzilla wieder zum Leben indem es sein Herz in Blut von Mördern badet. Daraufhin kämpft Thor gegen Godzilla. Das ist so unfassbar bonkers. Schon wieder. Aber diesmal auf die Hau-Drauf-"Monster geh endlich zu Boden!"-Asgard-Sprech-Art. Scheinbar hat man sich das beste und witzigste für den Schluß aufgehoben. Was für ein herrlicher Blödsinn. Und dann auch noch so detailliert gezeichnet. Fantastisch

8/10 Pfandflaschen
Made by: Jason Aaron, Aaron Kuder
Hier ein Video dazu von DopeSpill Comics:


Montag, 8. Juni 2026

Album der Woche#683: Post Regiment - s/t (1992)

Letztens (also irgendwann 2025) bei einem Ausflug nach Bochum in einem Einkaufszentrum bei einem mobilen Vinyl-Verkauf geholt. Tatsächlich aber schon wesentlich länger digital besessen. Klassischer polnischer Hardcore Punk, der melodischen Sorte. Mit Sicherheit von einigen von euch, die früher auf Crust Konzerte gegangen sind, auf irgendwelchen Aufnähern gesehen. Falls ihr euch gefragt habt, was das ist und ständigt verpeilt habt, es zu recherchieren - hier habt ihr die Antwort. 


Erstes, selbstbetiteltes Album der Band - nach dem Weggang von Sänger Darek Gracki, der eher einen für HC/Punk typischen Gesang verwendet hat. An seiner Stelle tritt Dominika Domczyk, und alles ändert sich. "Nika", wie sie in Punk-Kreisen genannt wurde verwendet melodischen Gesang, der für Anarcho/Hardcore Punk Gruppen zu dem Zeitpunkt eher unüblich ist. Selbiges gilt für die Instrumentals. Anstelle von uffta-uffta Hardcore Punk, sprich schreddernden Riffs und stumpfen Drums hören wir durchaus seichte, aber schnelle Gitarrenklänge. Meines Erachtens revolutionär für die Zeit. Auch textlich bewegen wir uns weniger im direkten, frontalen Anarcho-Bereich. Es geht zwar auch um Religion ("Religia"), die Punk-Szene ("Wstyd" - Scham) und andere typische Anarcho Themen. Allerdings sind die Texte bewusst persönlich bzw. kryptisch gehalten. Ich musste genau zuhören um zu verstehen um was es bei "Religia" geht. Man behandelt darin die Sinnlosigkeit von organisierter Religion bzw. die Augenwischerei des modernen Glaubens. So wird das "unnötige Falten der Hände" behandelt. Es heißt unter anderem "Die Wahrheit ist Hass, Fabrik der Lügen, Fabrik der Lügen." Interessante Zusammenstellung. In "Nowy Dzien" ("Neuer Tag") geht es um tristen Alltag im Durchschnittskapitalismus. Besonders kryptisch wird es in "Wstyd" ("Scham"). Zu Beginn des Textes geht es um irgendeine Scham, Hände kalt wie der Wind...doch am Ende um drei Akkorde die in meiner Hand explodieren und das "nichts uns mehr aufhalten wird". Vor Jahren ist mir zudem "Ostatni raz" ("Das letzte Mal") ins Ohr gefallen. Darin heißt es "Das letzte Mal gebe ich dir die Hand, küsse dich im Gesicht".

Es gibt hier auch einige Songs auf Englisch, aber ich muss sagen dass mir die polnischsprachigen wesentlich besser gefallen. Sie sind viel authentischer, gefühlvoller. Post Regiment schaffen es gleichzeitig kryptisch, mysteriös und melancholisch zu klingen. Ein wirklich außerordentlich wichtiges und originelles Werk. Passt sowohl für den Arbeitsweg als auch für den Weg nach Hause. Vor allem wenn's dunkel ist und man sich ein wenig melancholisch fühlen möchte.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Nowy Dzien, Wstyd, Kurwy, Ostatni Raz, Religia



Mittwoch, 3. Juni 2026

Film der Woche#680: Antz (1998)

Es ist also schon 28 Jahre her, dass dieser Film rausgekommen ist. Damals war ich immer noch sehr begeistert von allem was irgendwie computeranimiert war und riesiger Fan von "Toy Story". Tatsächlich war ich sogar in den ersten beiden "Toy Story"-Filmen im Kino, was immer noch eine sehr schöne Erinnerung für mich ist. Allerdings hat es irgendwie zeittechnisch niemals mit "Das große Krabbeln"

(aka "A Bug's Life" von 1999) von Disney/Pixar geklappt und auch nicht mit dessen "Konkurrent" "Antz" von Dreamworks. Konkurrent in Anführungsstrichen weil die beiden Filme ein Jahr nacheinander rauskamen und nur eine Sache gemeinsam haben: Ameisen. Die Stories sind unterschiedlich, allerdings geht es in beiden Filmen irgendwie um Flucht und Zusammenhalt. Trotzdessen betrachtet mein Gehirn "Antz" irgendwie als eine Art "erwachsene" Version von "A Bug's Life". Auch wenn es faktisch betrachtet nicht so ist.

Worum geht es? Wir befinden uns in einer Ameisenkolonie, irgendwo in einem Park in New York. Z (Woody Allen) ist eine neurotische Ameise. Ein Arbeiter, der angefangen hat das Leben im Ameisenstaat zu hinterfragen. Er ist unzufrieden mit seinem Leben und erzählt dem Ameisenpsychiater zu Beginn des Films, dass er das Gefühl hat "einer unter vielen" zu sein und dass "sein Leben nichts besonderes ist". Genau das ist auch der springende Punkt, den der Psychiater bestätigt. Z ist nichts besonderes, wie alle anderen Ameisen und das ist auch völlig normal so. Es ist allerdings nicht so, dass er eine seelenlose Arbeitskraft ist. Er hat durchaus Freunde: den Soldaten Weaver (Sylvester Stallone) und die Arbeiterin Azteca (Jennifer Lopez). Irgendwas besonderes fehlt in seinem Leben. Eines Abend lernt er in einer Bar die Prinzessin Bala (Sharon Stone) die einen heimlichen Ausflug in die "Welt des Pöbels" gemacht und sich unter die "einfachen Ameisen" gemischt hat. Er verknallt sich sofort in sie. Zudem erzählt ein sichtlich unter PTSD leidender Ameisen-Soldaten von einer Welt außerhalb der Kolonie namens "Insectopia". Dort können Ameisen frei leben ohne jegliche Arbeit. Einen Tag später gehen die Soldaten auf eine Mission. Z hofft bei der zu Beginn stattfindenden Parade die Prinzessin wieder zu sehen, also tauscht er den Platz mit Weaver - letzterer wird nun zum Arbeiter. Die "Mission" stellt sich heraus als ein präventiver Kampfeinsatz gegen Termiten, den kein einziger Soldate überlebt. Außer Z. In seinen Armen stirbt auch der heldenhafter Barbatus (Danny Glover), der ihn zuvor beschützt hat. Z kehrt nun als einziger Überlebender und Kriegsheld zurück. Er wird für seinen tapferen Einsatz gefeiert. Sehr zum Missfallen des General Mandibel (Gene Hackman). Dieser hat nämlich andere, finstere Pläne für die Ameisenkolonie.

Der Titel allein wirkt auf mich schon "edgy". Ich meine, es ist ein "Z" im Namen. Das könnte irgendwas cooles und abstraktes sein. Jedenfalls: Wenn ich den Film mit "A Bug's Life" vergleichen muss, vergleiche ich ihn am Liebsten gar nicht. Meiner Meinung nach ist das hier pure Erwachsenenunterhaltung. Es geht nicht einfach darum einen "Bösewicht" zu besiegen oder um einen Kampf "Gut gegen Böse". "Antz" behandelt das Leben in einen voll funktionalen Ameisenstaat in welchen die Arbeiter ihr Leben der Arbeit gewidmet haben. Das kollektive Bewusstsein kennt nichts anderes. Im Mittelpunkt steht jemand der dieses Leben hinterfragt und etwas besseres für sich will. Dazu kommt noch der Grundgedanke "nur der Stärkere gewinnt" und eine bösartige Ideologie für deren praktische Umsetzung Ameisenleben dran glauben müssen. Meiner Meinung nach ist "Antz" ein großartiger Film der den Horror eines bürgerlichen (Ameisen)Staates zeigt der grade dabei ist, sich in einen totalitären Staat zu verwandeln. Es braucht Menschen (oder in dem Falle Ameisen), die sich dagegen wehren und der indoktrinierten Masse zeigen, dass es auch anders geht. Ich frage mich, wie zur Hölle dieser Film als Kinderzeichentrick durchgegangen ist. Hier gibt es Mord und Totschlag zu sehen, auch wenn es nur 3D-animierte Figuren sind. Holy shit.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer: