Mittwoch, 20. Mai 2026

Film der Woche#678: Enter The Void (2009)

Das ist der erste Film von Gaspar Noé auf diesem Blog und generell der erste Film des Regisseur den ich in meinem Leben je gesehen habe. Angeguckt in einem Durchlauf von 2 Stunden und 40 Minuten. Habe währenddessen gespült, gekocht, Wäsche in die Waschmaschine geschmissen und einfach rumgelegen. Und zum Glück keinen epileptischen Anfall gehabt.

"Enter The Void" spielt in der japanischen Hauptstadt Tokyo. Die beiden Geschwister Oscar (Nathaniel

Brown) und Linda (Paz de la Huerta) wohnen in einem Apartment. Während sie nebenher als Stripperin arbeitet, vercheckt er Drogen (das hat man damals so gesagt, das versteht ihr nicht). Oscar ist fasziniert von Psychedelika und erlebt zu Beginn des Film einen haluzinogenen Trip. Sein Kumpel Victor (Olly Alexander) bittet ihn telefonisch zu einem Deal in der Bar "The Void" zu kommen. Ein anderer Freund namens Alex (Cyril Roy) begleitet ihn. Doch nachdem Oscar die Kneipe betreten hat kommt es zu einem verheerenden Zwischenfall. Der Deal war eine Falle. Die Polizei stürmt in einer Razzia die Kneipe und will Oscar offenbar verhaften. Nachdem dieser sich in einer WC-Kabine verbarrikadiert, scheindroht er eine Pistole zu haben - was dazu führt dass die Cops ihn durch die Tür erschießen. Oscar stirbt an der Schusswunde. Seine Seele wandert im Anschluß sowohl durch die Stadt als auch in Gedanken durch sein ganzes Leben. So erfahren wir dass Linda und er eine sehr innige Beziehung als Kinder hatten. Ihre Eltern starben bei einem Autounfall. Im Anschluß landeten sie in einem Kinderheim und wurden von zwei unterschiedlichen Familien adoptiert und somit getrennt. Allerdings war da dieser eine Schwur den sie beschloßen haben: Immer für einander da sein, niemals getrennt. So versucht Oscars Seele wieder in Lindas Leben zurück zu finden. Bis auf die Erinnerungen Oscars, die aus der "Third Person View" gezeigt werden, kriegen wir alles in der "First Person View" zu sehen. So "blinkt" die Kamera wenn Oscar blinkt usw. usf.

Ich habe schon viel "schlimmes" über Noés Werke gehört. "Enter the Void" ist dabei die elfte Produktion, die nach den skandalträchtigen Filmen "Menschenfeind" und "Irreversible" erschienen ist. Dabei muss ich sagen, dass es hier zwar sehr detaillierte Szenen zu sehen gibt, die allerdings größtenteils wenig mit direkter drastischer/graphischer Gewalt zu tun haben. Das meiste was wir zu sehen kriegen ist die Darstellung von menschlichen Leid und Tragödien. Diese ist allerdings nötig um zu erzählen, wie tief die Beziehung zwischen Oscar und Linda war. Klar, in einem "normalen" Film würde eine kurze Rückblende über den Autounfall reichen. Hier wäre sowas deplatziert. Es braucht die Darstellung des Unfalls um das Leid zu verstehen als auch um zu verstehen wie sehr die beiden Geschwister einander gebraucht haben. Schließlich waren sie komplett alleine auf der Welt. Was mich, wie so oft, stört sind die scheinbar nutzlosen Sexszenen. Aber das ist eine reine Geschmackssache. Ich finde, sie tragen nicht wirklich was zur Handlung bei. Aber: Sei's drum. "Enter the Void" ist sehr intensiv, verursacht eventuell Schwindelgefühle und es ist eine Tatsache dass man kaum die Augen davon abwenden kann. Mit Drogen hat der Film herzlich wenig am Hut. Man vermutet während der Sichtung was das alles bedeuten kann. Ist es wirklich Oscars Seele die herum wandert? Ist das ein heftiger LSD-Trip? Stirbt er tatsächlich oder trippt er nur? Sind das die letzten Minuten seines Lebens in seinem Gehirn? Überzeugt euch doch mal selber. 

8,75/10 Pfandflaschen
Trailer: 


Dienstag, 19. Mai 2026

Comic Book Review#676: Godzilla vs. Spider-Man (2025)

Und weiter geht es mit der vollkommen wilden Fahrt von "Godzilla vs. Marvel". Diesmal trifft es New York City in den 1980er Jahren. Es ist eine Alternativ-Story, die absolut nicht kanonisch ist, aber wäre Godzilla Teil der Marvel Comics gewesen, dann hätte sie durchaus so passieren können. 

Die Story findet statt nachdem Peter Parker/Spider-Man an den "Secret Wars" teilgenommen hat und auf dem fernen künstlichen Planeten Battleworld das schwarze Kostüm aufgegabelt hat. Genau das Alien-Symbionten-Kostüm, dass später Eddie Brock befallen hat und ihn zu Venom gemacht hat. So ist

Peter in dem schwarzen Onesie unterwegs und kämpft auf den ersten Seiten gegen den Supervillain Shocker. Als plötzlich Godzilla auftaucht beschließen die Beiden das erstmal sein zu lassen. Spidey hinterlässt Shocker der Polizei und konzentriert sich dabei Godzilla abzulenken. Seine Freundin Mary Jane ist durch ein einstürzendes Gebäude gefährdet - zum Glück schafft er es, sein Vorhaben durchzuziehen sodass MJ am Ende von Black Cat (die heftigst in Peter verschossen ist) in Sicherheit gebracht wird. Ein gefährlicher Liebes-Dreieck dies das. Godzillas Schreie sind für das Alien-Kostüm jedoch äußerst schmerzhaft, sodass es sich in Panik von Peter löst. Und daraufhin Godzilla befällt. So ist Peter kurz damit beschäftigt Shockers Sonic Bracelets für den Kampf gegen den König der Monster zu benutzen, um ihn von den Symbionten zu lösen. Was auch funktioniert, sodass am Ende Godzilla gegen eine Venom-Version von sich selbst kämpft - und mithilfe von Spider-Man gewinnt. 

Nun gut. Es gibt sogar eine ofizielle Erklärung wieso Godzilla diesmal in die USA kommt. Er ist tatsächlich von der Anwesenheit des Symbionten angezogen. Sprich: Spider-Man ist schuld daran. Irgendwie. Ja. Ansonsten besteht die Story größtenteils aus dem Kampf zwischen Godzilla und Spider-Man, Venomgodzilla und Spider-Man und Godzilla und Venomgodzilla. Man hat sich an die "Zeitlinie" der Godzilla-Filme gehalten und Big G ein passendes Aussehen verpasst. Es ist nun der Heisei-Godzilla und nicht mehr der Showa-Godzilla. So ist es auch gut und passt perfekt zu einem Comic der in den 1980ern spielt. Außerdem haben wir eine äh Alternativ-Story zu dem Fall "Wie der gierige Journalist Eddie Brock Venom wurde". Aber das ist eine andere Geschichte. Insgesamt: Witziges Ding. Liest sich sehr flüssig. Führt aber im Grunde "nur" den Gedanken "Was wäre wenn Godzilla auf Spider-Man treffen würde" aus. Nur dabei trägt Spidey den schwarzen Anzug. Also, im Grunde genommen eine durchaus durchdachte Sache. Nur etwas kurzweilig. Aber spaßig.

Made by: Joe Kelly, Nick Bradshaw
7/10 Pfandflaschen
Hier ein Video von NotifrikiTV:


Montag, 18. Mai 2026

Album der Woche#680: Penseés Nocturnes – Grand Guignol Orchestra (2019)

Oh ich wollte das hier schon so so so unfassbar lange reviewen, aber irgendwie fand sich nie der richtige Zeitpunkt. Aber hier sind wir nun:

Penseés Nocturnes bestehen im Grunde genommen aus dem Multiinstrumentalisten Leon Harcor der auch noch den Gesang beisteuert und verschiedenen Mitstreitern. Auf den ersten zwei Alben hat man

noch DSBM (das steht für Depressive Suicidal Black Metal) gemacht. Irgendwann hat man mehr gewagt und sich an Jazz und französischen Cabaret orientiert. Auf "Grand Guignol Orchestra" geht man noch einen weiteren Schritt richtung Wahnsinn und verbindet verzweifelte, wahnsinnig klingende Schreie mit Akkordeon, Blast Beats, Polka-Rhythmen, Saxophon, Orgeln und allerlei anderen Zeug das einen definitiv nicht in den Sinn kommt, wenn man an Black Metal denkt. Was für ein Satz. Zugegeben: Ich hatte meine Bedenken. Zuerst dachte ich mir, das wäre ein Nebenprojekt einer gewissen anderen Black Metal Band aus Frankreich, die auch mit PN abgekürzt wird. Nur will ich diese aus politischen Gründen nicht unterstützen. Zum Glück lag ich daneben.

In einem kurzen Satz zusammen gefasst: Ich verstehe kein Französisch, von daher wirkt das Album auf mich noch wahnsinniger. Metal gemischt mit...Zirkusklängen. Auf Französisch. Ich meine, da ist ein Clown auf dem Cover. Was hätte ich erwarten können? Ein Konzeptalbum über Stephen Kings "ES"? I don't know. Jedenfalls ist "Grand Guignol Orchestra" wesentlich mehr als ein "Merci Beaucoup" und "Ouuuauaaaauuuuuuuuuuh", auch wenn beide Sätze hier drin vorkommen. Ein Ausflug in eine völlig verrückte, ungewöhnliche Welt. Ich mag vor allem das Intro und den darauf folgenden Song "Deux bals dans la tete". Und ja, wenn man will kann man das Album mehrmals hintereinander hören. 

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Deux bals dans la tete, Triste sade, Poil de Lune


Sonntag, 17. Mai 2026

So isses, Musik!#211

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

Ich habe hier letztens lauter Mammutprojekte gestartet (und beendet). So habe ich Marlyns Plattensammlung reviewt, meine eigene LP-Sammlung angefangen auf Instagram zu reviewen, hier die riesige .mp3-Sammlung (quasi) komplett reviewt (nur Alben). Danach gings weiter mit der "Samplerhölle", wobei ich eine Ficktonne an Samplern auf meiner Festplatte gehört und reviewt habe und danach gings in den ".mp3-Himmel". Da bin ich (zumindest auf dem Blog) immer noch, allerdings habe ich das Ganze tatsächlich bereits durchgehört. Es geht jetzt los mit einem neuen Mammutprojekt. Philipp, Raphi und ich werden an die 70 von uns ausgewählten Deutschpunk-Songs reviewen. Alles ist alphabetisch sortiert und wir fangen mit den ersten drei an. Und natürlich lasse ich meinen beiden Genossen zuerst das Wort. Philipp wird wahrscheinlich seinen Beitrag nachreichen:


Raphi: "Wenn es um Wave Punk aus Deutschland geht, kommt man an Abwärts nicht vorbei. Kaum ein anderes Album beschreibt die ungewisse Situation zwischen digitalem Aufbruch, drohendem Krieg, und der ganzen Kälte und dem notwendigen Zynismus dazwischen so gut wie „Amok Koma“. Und als zentrales Element dieser Dystopie steht der Song „Computerstaat“ als Monolith und zeitloser Klassiker."


Ich: Kann mich ziemlich gut daran erinnern, als ich das erste Mal Abwärts gehört habe. Das war auf einem Sampler namens "NAZIS RAUS!", das auf Weird System veröffentlich wurde. Abwärts waren mit "Hallo ich heiß Adolf" vertreten und hörten sich an wie eine politische Punkband die versucht Richtung Industrial und Metal zu schielen. Umso verwunderter war ich dann als ich irgendwann "Computerstaat" gehört habe (wahrscheinlich auf einer anderen Compilation). Das klang ganz anders: viel "punkiger", simpler und irgendwie auch tanzbar. "Computerstaat" ist im Grunde genommen eine in relativ simple Reime zusammengefasste Auseinandersetzung mit dem (Nachrichten)Alltag zur Zeit des Kalten Krieges. "Kalt" reimt sich auf "Badeanstalt", "Stalingrad" auf "Katastrophenstaat". Es gibt ein sehr schönes, längeres summendes und brummendes fuzziges Intro, das ich an dem Song am allerliebsten mag. In meinen Ohren ist das deutschprachiger Punk in seinem Grundgerüst und zufälligerweise ein sehr guter Anfang unserer Review-Reihe. RIP Frank Z.


Raphi:

"Mit ihrem halbakustischen Deutschpunk hat es das Trio längst in die Welt der Popkultur geschafft und das kann man ihnen wirklich gönnen. Apocalypse Vega ist eine wirklich gute Songwriterin und ich mag ihren Humor. Das Lied „Eisenhüttenstadt“ ist für alle Menschen, die von ihren Bekannten hören, was diese nicht alles schon erlebt und gesehen haben, während sie selbst das Gefühl haben, nie wirklich voranzukommen. Ein bisschen Neid, ein bisschen Genügsamkeit, und jede Menge Zynismus, und vielleicht auch ein wenig post-sozialistische Tristesse."



Ich: Hin und wieder ploppte dieser skurrille Bandname in meinem Feed auf und irgendwann habe ich auch gecheckt, dass die Band neben Apokalypse Vega und Bene Diktator auch aus Johnny Bottropp (ex-Terrorgruppe, ex-The Bottrops) bestand. Leider habe ich irgendwann alle Terrorgruppe-Hörer-Aktivitäten irgendwie sein gelassen und es hat mich nicht besonders interessiert. Zum Glück gibt's jetzt diese Liste um den Horizont zu erweitern. Der Song ist ziemlich poppig und simpel gestaltet. Es geht im Grunde genommen um absolute Wichtigtuer die u.a. mit ihren World Tripping angeben. Doch am Ende heißt "gibt viel wichtiges als dich", auch wenn Frau/Mann selbst nie in New York, Neu-Delhi usw. gewesen ist sondern in Eisenhüttenstadt oder Neuruppin. Man sollte sich selbst nicht klein machen bloß weil man in seinem Leben nicht so viel "geschafft" hat wie dieses wichtigtuerische Arschloch. Finde ich wirklich extrem gut.

Raphi: "Springen wir mal in die Gegenwart, denn auch in unserer Zeit wird noch schöner deutschsprachiger Punk Rock produziert. Akne Kid Joe (oder AKJ) aus Nürnberg haben dem Genre einen interessanten neuen Anstrich verpasst und vor allem die ersten drei Alben haben mir sehr gefallen. Ich kenne wenige andere Bands, die die Absurditäten der post-modernen Welt so gekonnt in humorvolle Texte verpacken wie AKJ. Und als ideales Beispiel dient der Titel „Die Hochzeit von meinem Cousin“ vom Album „Die Jungs von AKJ“."



Ich: Habe AKJ irgendwann vor ein paar Jahren auf dem "Spastic Fantastic"-Labelfest in Dortmund gesehen und fand sie irgendwie gut. Allerdings hat sich mein Musikgeschmack im Laufe der Jahre eher zum Schwermetallischen hin entwickelt und so verschwand die Band irgendwie von meinem Radar. Dabei haben sie schon mehr(?) als drei Alben draußen(?). Naja, jedenfalls ist dieser Songtext eine verdammt gute Wiedergabe all dieser Awkwardness die man verspürt wenn man auf einem Happening seiner Familie (womöglich auch noch im Dorf) ist und man sich wahrscheinlich denkt: "Meine Fresse, was mache ich eigentlich hier, es gibt hier nichts zu besprechen außer verfickten Smalltalk, ich will WEG." Ich habe hier in Deutschland zum Glück keine "erweiterte" Familie und habe dieses Gefühl nicht, allerdings habe ich so oft die Schnauze voll von nichtssagenden Smalltalk gehabt. So verdammt oft. Das trifft's auf den Punkt.
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Rein in den .mp3-Himmel:

Und weiter geht es mit "Metal". Tatsächlich habe ich zu dem Zeitpunkt als all diese .mp3s auf meinen damaligen MP3-Playern gelandet sind noch nicht so viel Metal gehört, wie heute. Was wir hier vorhinden sind lauter kleine Ordner mit wenig Tracks drin von Bands wie Pig Destroyer, Judas Priest, Callejon, Danzig, Dethklok oder Neurosis. Viel interessanter jedoch sind solche Bands an die sich kein Schwein erinnert oder sich niemand erinnern sollte. Zum Beispiel Transilvanian Beat Club oder J.B.O. Von den letztgenannten habe ich hier tatsächlich ein Lied stehen/liegen und ich frage mich bis heute, warum es überhaupt hier gelandet. Ich frage mich auch, ob ich diesen Scheiß tatsächlich jemals witzig fand. Besonders hervorheben möchte ich auch "Uptown Girl" von War from a Harlot's Mouth. "House of Secrets" von Otep. Und äh, "Mein Eichensarg" von Eisregen :D

Der nächste Ordner trägt einen ziemlich allgemein gehalten Namen, nämlich "Pop.Indie.Alternative". Wahrscheinlich wollte ich hier alle Sachen reinpacken, die irgendwie allgemein nicht so richtig in eine Schublade zu packen waren. So ist hier zum Beispiel dieser Song von Teddybears STHLM namens "Punkrocker" (ist ein Cover von Iggy Pop) als auch die Hip-Hop-Version davon namens "Hiphopper" mit dem Rapper Thomas Rusiak. Ich finde hier mehrere Version von Devos "Mongoloid". Damals war ich fasziniert davon, wie viele Versionen es davon gibt, sodass ich unbedingt eine Mix-CD fürs Auto machen wollte. Meine Lieblingsversion war damals tatsächlich die von Jennifer Rostock. Was haben wir hier noch? "Papa Loves Mambo" von Perry Como. "After Dark" von Tito & Tarantula. Presidents of the USA mit "Peaches". Der großartige Song über Atomkrieg in einer Schwulenbar: "Gay Bar" von Electric Six. "Di Grind" von den nicht weniger großartigen Kaizers Orchestra. Und natürlich "Griechischer Wein" von Udo Jürgens. Alles kompakt in einem Ordner.

Was "Psychobilly" betrifft, so ist dieser Ordner nicht viel anders als die ganzen Psychobilly-Sampler, die ich hier vor einiger Zeit verwurstet habe. Im Grunde genommen sind hier mehrererere Unterodner voll mit Klassikern des Genres wie King Kurt, Demented Are Go, Frantic Flintstones und Nekromantix. Tatsächlich bin ich durch den Hörgenuss dieses Ordners wieder darauf gekommen wie großartig King Kurt waren. Ich habe bis heute - und es sind jetzt mindestens fünf Wochen vergangen, seitdem ich das gehört habe - einen Ohrwurm von "America" oder wahlweise auch "Zulu Beat" bzw. "Destination Zululand". "Wreck a Party" ist auch fantastisch. Das möchte ich hier mal hervorheben wie unkonventionell diese Band, vor allem auch für Psychobilly-Verhältnisse.
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Opeth Discography: In Cauda Venenum (2019)

Vorletztes Album von Opeth, bis jetzt. Meiner Meinung nach und auch der Meinung vieler anderer bis jetzt das beste aus ihrer Progressive Rock Ära. Finde das ist durchaus der Fall weil diese "Ära" zwar durchaus interessant angefangen hat, die Band aber relativ schnell sich in einer Art Stagnation verloren
hat. Ich war ja immer wieder der Meinung, dass das "nächste" Album vielleicht auch gut sein werde aber wie lange das gut gehen wird, das wusste ich nicht. Das lag daran, dass der allgemeine Klang schon super gut und virtuos usw. war, aber dennoch irgendwie gleich bleibend. Sprich ich hätte mir immer wieder vorstellen können, wie das nächste Album sich anhören wird. 

Bei "In Cauda Venenum" ist es jedoch sehr viel anders. Das Album existiert nämlich in zwei verschiedenen Versionen. Das heißt, bei jeder Version gibt es die gleichen Songs - allerdings in zwei unterschiedlichen Sprachen. Schwedisch und Englisch. Ich habe die schwedische Version zuerst gehört und war wie weggeblasen. Manchmal braucht es nur ein kleines Detail um alles zu verändern. So ist der Wechsel in eine andere Sprache meiner Meinung nach genau das gewesen was diese Band gebraucht hat. Dadurch dass ich kaum ein Wort verstehe (eigentlich gar keins) wirken die Songs nahezu mystisch auf mich bzw. wie Lautmalerei. Ja, ich weiß. Schwedisch ist eine richtige Sprache, allerdings keine die ich alltäglich spreche. 

Darüber hinaus: Es fängt an mit einem sehr abgefahrenen, 70s Prog Rock Keyboard Intro. Das Album variert zwischen (sorry für den Ausdruck) melancholischen Songs, sehr abgefahrenen beinahe psychedelischen Ausflügen (mit Keyboards!), wunderschönen Gitarrensoli und einigen Riffs die beinahe wie Djent rüberkommen. Dazu kommen noch irgendwelche Samples aus schwedischen Medien, die mir leider nichts sagen. Soweit ich rausfinden konnte, handelte es sich dabei unter anderem um eine Art Puppensendung für Kinder. Dazu kommen noch kirchliche Gesänge und noch viel mehr was ich grade bestimmt vergessen habe. Verdammt, dieses Album ist so groß, so riesig und so raumeinnehmend. Es ist faszinierend.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Ingen sanning är allas, Charlatan, Svekets prins