Hallo und herzlich willkommen zu einem weiteren "Film der Woche". Ich habe den ersten Teil der "The Decline..."-Reihe vor ziemlich langer Zeit gesehen und konnte mich nicht mehr an besonders viel erinnern. Außerdem habe ich schon mal den dritten Teil gesehen, aber nie den zweiten. Es wird auf jeden Fall Zeit alle drei auf diesem Blog durchzukauen. Wir fangen an mit dem Klassiker von 1981.
"The Decline of Western Civilization" ist ein Dokumentarfilm der zwischen 1979 und 1980 in Los Angeles gedreht wurde. Regisseurin Penelope Spheeris (später bekannt für solche Werke wie "Suburbia" oder "Wayne's World") bekam ursprünglich ein Angebot, einen Pornofilm zu drehen, überzeugte die Produzenten aber etwas anderes zu machen. Gewalt und "extreme" Musik würden ja schließlich (theoretisch) auch ein Publikum anziehen. So drehte sie zusammen mit Kameramann Steve Conant und den Schnittmeistern Charlie Mullin und Peter Wiehl diesen Film hier. Wo der Titel wirklich herkommt, weiß man nicht so richtig. Es geht grob gesagt um die Punk-Szene in Los Angeles zu dem Zeitpunkt. Der Film besteht grob gesagt aus Interviews mit Musikern, Betreibern des Fanzines (und späteren Record Labels) "Slash", verschiedenen Clubbesitzern als auch einigen Fans. Die dabei interviewten Musiker sind die Bands Black Flag, X und The Germs. Dazu kommen noch Live-Auftritte von besagten Bands als auch von der Alice Bag Band, Circle Jerks, Fear als auch Catholic Discipline - der Band in welcher Claude Bussy, einer der Redakteure des "Slash"-Zines gesungen hat.
Die hier interviewten Fans bzw. Szenemitglieder wirken größtenteils wie ziemlich hoffnungslose und traurige Menschen (männlich) oder durchaus kreative aber ebenso traurige Menschen (weiblich). Währenddessen wirken die Bands als würden sie das Leben, was sie haben, durchaus genießen. Es entsteht ein merkwürdiger Gegensatz: Die Bands sind generell ziemlich gut drauf, während die Fans absolut hängen geblieben sind. Darüber hinaus muss man festhalten: Der Film ist ein Kind seiner Zeit. Nämlich der Zeit in der die Punkszene noch nicht fest "geformt" war. Es gab keine Szene-"Regeln" bezüglich Gewalt oder irgendwelchen Werten. So haben wir hier einen 14-jährigen Skinhead namens "Eugene" der sich über Schwarze aufregt und dabei das "N-Wort" nutzt, aber auch berechtigerweise die Gewalt in der Szene kritisiert. Wir haben ziemlich gewalttätige Konzertaufnahmen, von denen Fear-Sänger Lee Ving behauptet sie wären alle während des Auftritts seiner Band aufgenommen worden, bei welchen klar ersichtlich ist dass diese Leute vllt. nur stellenweise Spaß haben aber auch einander weh tun wollen. Meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Zeitzeugnis, vor allem für all die Leute die der Meinung sind, dass Punk "schon immer" für einen Zusammenhalt untereinander stand und für irgendwelche progressiven Werte. In erster Linie war die erste Welle des Punk eine Reihe von "Nein"s. Nein zu allen möglichen Formen der Mainstream-Musik, Politik, Art zu Reden, Nein zu dieser Gesellschaft. Daraus schöpft sich auch eine dementsprechend aggressive, negative als auch gewalttätige Attitüde. "The Decline..." ist ein wichtiges Zeugnis dieser Zeit. Es gibt allerdings einen sehr wichtigen Kritikpunkt, der auch von Teilen der hier dargestellten Bands gebracht wird: Der Film wirkt stellenweise wie eine stark überzogene, negative und nihilistische Darstellung der Szene - während es zur gleichen Zeit immer noch sehr viele kreative Köpfe gegeben hat, die wenig mit der hier dargestellten Gewalt zu tun hatten.
8/10 Pfandflaschen
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