Mittwoch, 26. August 2026

Film der Woche#693: Sanatorium pod klepsydrą (1973)

"Sanatorium pod klepsydrą" bedeutet wortwörtlich "Sanatorium unter der Sanduhr" und würde wohl stilistisch richtig betrachtet "Sanatorium zur Sanduhr" heißen. Allerdings lautet der offizielle deutsche Titel "Sanatorium zur Todesanzeige". Der Film stammt aus dem Jahre 1973 und wurde zuerst bei den Filmfestspielen in Cannes ausgestrahlt nachdem die Regierung der Volksrepublik Polen die Veröffentlichung im eigenen Land zuerst zurückgehalten hat. Regisseur war Wojciech Has. Eine der Hauptrollen spielt Tadeusz Kondrat - der Vater des inzwischen mehr als nur bekannten Marek Kondrat. In einer weiteren Rolle ist Szymon Szurmiej zu sehen, der unter anderem auch mehrere Stücke im Jüdischen Thater in Warschau inszeniert hat. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Buch von Bruno Schulz, eines jüdisch-polnischen Autors, Malers und Literaturkritikers.


Wann genau sich die Handlung abspielt, kann man so sicher gar nicht sagen. Fest steht allerdings folgendes. Józef (Jan Nowicki) ist mit dem Zug unterwegs zu einem Sanatorium. Im Zug selbst befinden sich sowohl unter anderem schlafende halbnackte Frauen als auch ein blinder Schaffner. Angekommen, findet er den Weg zum Sanatorium. Dort möchte er nämlich seinen schwerkranken Vater (Tadeusz Kondrat) besuchen. Józef befürchtet nämlich, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Es stellt sich heraus, dass er faktisch betrachtet tatsächlich schon gestorben ist - in seiner Heimat. Hier in diesem Sanatorium ist allerdings alles etwas anders. Es scheint nämlich so, dass alle Patienten hier am Schlafen sind. Józefs Vater ist irgendwie in einem Dauerdämmerzustand und nicht ansprechbar - und das obwohl er eigentlich schon gestorben ist. Die Zeit hier ist tatsächlich "stehengeblieben" bzw. befindet sich auf einer Art anderen Ebene. So kriegen hier Menschen die Chance noch mal in ihr Leben zurückzukehren. So gelangt Józef zurück in seine Kindheit. Er trifft auf seine Mutter und lernt einen Jungen kennen der von Briefmarken und Geographie begeistert ist. Józef selbst spricht und verhält sich so als er wäre ein Kind und wird von anderen Menschen auch so behandelt. Es folgen mehrere Episoden aus seiner Kindheit die surrealer nicht sein könnten. 

Die Geschichte ist voll mit Anspielungen auf die Ereignisse nach dem ersten Weltkrieg, die Shoah und die polnische Gesellschaft nach dem zweiten Weltkrieg. Alles ist durch eine Art surrealen Filter erzählt. So kriegt man nicht alles erklärt, sondern muss sich alles zusammenreimen. Spätestens als lauter orthodoxe Juden ihre Koffer packen und fliehen, weiß man allerdings was Sache ist. Auch das Józefs Gedanken/Träume nicht gerne gesehen werden und er dafür "verhaftet" werden kann ist meiner Meinung nach durchaus eine Anspielung auf das realsozialistische Zeitalter. Die ursprüngliche Geschichte ist auf jeden Fall autobiographisch gefärbt - allerdings wurde der Autor Bruno Schulz 1942 im Drohobyczer Ghetto erschossen und erlebte den polnischen Realsozialismus nicht. Allerdings jedoch 1939 die Besatzung durch die Rote Armee. So denke ich, dass man im Film versucht hat seine Erinnerungen irgendwie als unterschwellige Kritik des damaligen Realsozialismus umzudeuten, was auch zum Versuch der Zensur führte. Allerdings erschien das ursprüngliche Buch 1936, also vor den deutschen als auch sowjetischen Einmarsch in Polen. Ich würde das so interpretieren, dass der Film eine erweiterte Version des Buches ist. Der Film ist wirklich sehr surreal und voll mit merkwürdig klingenden Sätzen. Er wirkt wie ein Traum, der einfach nicht aufhören will. So kann es durchaus sein, dass er verstörend auf die Zuschauer wirkt. Nichtsdestotrotz ein surrealistisches Meisterwerk, dass etwas mehr Konzentration erfordert.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:

 


Dienstag, 25. August 2026

Comic Book Review#691: Captain Carrot and his Amazing Zoo Crew!#1 (1982)

Eine weitere Leihgabe vom Kollegen M. Vielen Dank dafür. Diesmal muss ich wieder feststellen, dass ich diesen Comic schon mal gelesen und reviewt habe. Das ist aber schon so lange her, dass mir wahrscheinlich das eigene Review selbst nicht mehr gefällt. Naja, hier ist es. Ach nee, doch nicht. Es ist die #0. Aha. 

Es ist die Fortsetzung von Ausgabe#0. Tatsächlich. Superman ist auf der Earth-C angekommen, der Heimat von anthropomorphen Tieren. Einer davon ist Karikaturist Roger Rodney Rabbit, der insgeheim der springende Superheld Captain Carrot ist. Wie schon im vorherigen Review erwähnt, benehmen sich die anthropomorphen Tiere plötzlich wie...Tiere. Also wie ihre tierischen Vorfahren. Superman ist der Meinung, dass der Grund dafür die Strahlung vom Planeten Pluto ist. Also reisen Supes und CC dorthin um sich der Sache anzunehmen. Allerdings bleibt Superman dort "stecken", wie das verrate ich nicht.

Also hat Captain Carrot es nun als Aufgabe, seinen menschlichen Freund zu retten. Zurück auf der Erde, trifft er auf lauter illustre Gestalten. Neue tierische Superhelden, die alle ihre Kräfte durch Meteoriten bekommen haben, die plötzlich vom Himmel gefallen sind. Nach und nach trifft CC auf seine neuen Kameraden und sie erzählen ihre Origin Stories. So haben wir das stählerne Schwein Pig-Iron, die superschnelle Schildkröte Fast-Back, die magische Katze Alley-Kat-Abra, die mit Kräften ähnlich des Plastic Man ausgestattete Ente Rubberduck und Yankee Poodle. Bei letzterer handelt es sich um eine Journalistin die urplötzlich Stars und Stripes aus ihren antropomorphen Händen schießen kann. Gemeinsam reisen sie also zum Planeten Pluto um Superman zu retten. Dort stellen sie fest, wer für das tierische Debakel überhaupt verantwortlich ist. Es ist niemand geringeres als Starro, der übergroße hypnotische intergalaktische Seestern, ein Erzfeind von Superman und der Justice League.

Kaum zu glauben, aber wahr. Ich habe die Originalausgabe von 1982 in meinen Händen gehalten. Voll mit superbunten Bildern, Originstories die nach jedem Zusammentreffen zu lesen sind und natürlich Werbung. Eine dieser "Werbespots" in dem Comic ist Batmans Werbung für Twinkies. Aber das ist nur Nebensache. Hauptsache ist: Es ist voll mit tierischen Anspielung auf die echte Welt. So gibt es Städte wie Fullywood in Califurnia. Die United Species of America, Gnu York, Cornsas, Cornada oder Waspington, D.C. Natürlich geht es auch um Teamgeist und gemeinsamen Kampf gegen das Böse. Es ist eine relativ stinknormale, vollkommen überdrehte Originstory, die es schon so oft in der Form gegeben hat. Tatsächlich super witzig, kindgerecht und wie schon gesagt: sehr over the top. Mir hat's gefallen, auch wenn ich mit dem Stil nicht 100% zurecht komme. Gezeichnet von Scott Shaw!, geschrieben von Roy Thomas.

7,5/10 Pfandflaschen
Hier der Comic als Video, gedubbt von Media Calico Comics:


Montag, 24. August 2026

Album der Woche#695: Etnobotanika - Leśne duchy (2024)

Ich habe dieses Album rein zufällig durch den scheinbar völlig verrückten YouTube-Algorithmus empfohlen bekommen. Kurze Zeit später beschloss ich die Gruppe bzw. das Duo zu unterstützen und habe mir das Album auf Bandcamp geholt. 

"Leśne duchy" heißt auf Polnisch sowas wie "Waldgeister" und ist das zweite Album von Etnobotanika nach ihrem selbstbetitelten Debüt. Ich kann leider nicht sagen, wie die beiden Mitglieder heißen, da ich keine Infos finde. Fest steht aber, dass es ein absoluter Banger ist und eine großartige Empfehlung. Der Bandname als auch der Albumtitel suggeriert einen, es könnte sich um irgendeine Art Folk heißen.
Sprich irgendwas über etnische Musik und irgendwas über die Natur. Weil Botanik und so. Tatsächlich liegt man da gar nicht so falsch, wenn man die Namen so einordnet.

Musikalisch bewegen wir uns auf jeden Fall im elektronischen Bereich. Ich bin kein Experte darin, aber die Experten sagen es wäre sowas wie Downtempo, House und äh Nu-Disco. Was auch immer das letztgenannte ist. Aber ich schätze mal, eine neue Form des Disco. Ich höre auf jeden Fall sehr ruhige Beats, hin und wieder ambientige Sounds, Dub, Mundharmonika und ganz viel Hall. Es hört sich für meine Ohren definitiv nach einem halb-legalen Rave in einem dunklem Wald an. Dazu kommen noch jede Menge Samples. Ich kann nicht genau sagen, woher sie kommen - aber sie hören sich definitiv nach irgendwelchen polnischen Dokusendungen (über den Wald) oder irgendwelchen Serien (über den Wald und seine Bewohner) an. Die Songs tragen Titel wie "Der älteste Baum der Welt", "Regen Regen", "Planet Wald", "Wald Ambient", "Zauberinnen" oder "Sümpfe". 

Ich will nicht sagen, dass es sich um großartige Musik für einen Trip handelt. Aber es ist großartige Musik für einen Trip. Oder großartige, trippy Musik. Eine großartige Mischung aus Ambient, Trip-Hop, House und einer Unmenge an Samples aus polnischen Fernsehen von vor 40 Jahren. Sehr gut auf dem Weg zur Arbeit um 5 Uhr morgens wenn die Stadt komplett dunkel und still ist. Großartig.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Najstarsze drzewo świata, Deszcz deszcz, Tajemnice


Donnerstag, 20. August 2026

My Favorite TV-Show: Batman: Caped Crusader

Wow, ich hätte nicht gedacht, wenn man mich vor ca. 10 Jahren gefragt hätte, dass ich noch mal irgendeine Batman-Serie reviewen würde. Aber tatsächlich ist es geschehen. Rausgebracht im Jahre 2024, direkt für eine gewisse Online-Plattform. Mittlerweile ist auch die zweite Staffel draußen und ich werde sie mir bald reinziehen. Betrachtet daher dieses Review als eins zur ersten Staffel.

"Batman: Caped Crusader" wird desöfteren als eine Art "Fortsetzung im Geiste" der klassischen 1992er Batman-Zeichentrickserie betrachtet. Diese war damals Teil des DC Animated Universe und wurde von Bruce Timm (mit)entwickelt. Damals war Paul Dini Autor - leider ist er es hier nicht, dafür hat Bruce Timm seine Finger im Spiel.


Die Serie spielt, anders als "Batman: The Animated Series" definitiv in den 1940er Jahren. Was damals irgendwie vage angedeutet wurde (Gotham City sah aus wie in den 1940er Jahren, die Handlung spielte aber definitiv in der Gegenwart) ist hier definitiv Gesetz. Allerdings fehlen all die Einschränkungen die man sich damals festgesetzt hat. So ist "Caped Crusader" definitiv nichts für Kinder. Es kommt nämlich genau das vor, was man damals vermeiden wollte: Gewalt und böse Schimpfwörter. Wir treffen auf einen noch recht jungen Bruce Wayne (Hamish Linklater), der seinen Butler Alfred Pennyworth (Jason Watkins) immer noch mit Nachnamen anspricht und eine eher distanzierte Beziehung zu ihm hat. Er ist natürlich insgeheim Batman und bekämpft nachts das Verbrechen mithilfe von gewissen Gadgets. Allerdings hat er noch nicht die Erfahrung, die er später haben wird und auch nicht ganz die Skills. So wirkt es auf mich so, dass er wesentlich direkter agiert und unentspannter ist als sonst. Zu seinen Gegnern gehören klassische Batman-Bösewichte wie Clayface, Catwoman, Gentleman Ghost, Two-Face und Penguin. 

Man bedient sich gleichzeitig am "Monster of the week"-Prinzip und hält eine zusammenhängende Geschichte aufrecht. Im Fokus steht dabei insbesondere die Korruption der Gothamer Polizisten, die gemeinsame Sache mit der Mafia machen als auch eben die Mafia die versucht Politiker zu beeinflussen oder es schon längst tut. Die "kostümierten Spinner" sind dabei allerdings nicht nur Beiwerk - auch ihre Geschichten sind interessant, geraten aber etwas zu kurz. So lernen wir den Staatsanwalt Harvey Dent kennen und erfahren was für ein Mensch er ist - was auch seine späteren Verhaltensweisen als Two-Face erklärt. Worüber wir kaum was erfahren ist Batmans Hintergrundstory. Ich meine, diese ist allgemein bekannt, darum war es wohl nicht nötig alles in detail zu erzählen. Aber, so meine ich, wäre es vielleicht interessant gewesen zu erfahren was man sich für diesen Batman ausgedacht hat. So ist die Story zwar immer irgendwie gleich, jedoch gibt es Variationen. Darum war ich gespannt was man sich hierfür ausgedacht hat. Vielleicht kommt es aber in der zweiten Staffel vor. Mir gefällt außerdem das Design. Batman hat "pointy ears" und wirkt super finster und skrupellos. So als würde er beinahe Menschen vom Dach runterschmeißen um an Informationen zu gelangen. Das Design der Umgebung ist dem Design in "Batman: TAS" relativ ähnlich. 1940er Jahre Film Noir in bunt.

Ich war wirklich sehr zufrieden und habe mich dabei erwischt, wie ich den Genuss der Folgen hinausgezögert habe, damit ich länger was davon habe. So wollte ich die einzelnen Folgen immer auf einem großen Bildschirm sehen, bis ich irgendwann eingeknickt habe und die letzten Episoden beim Kochen geguckt habe. Fakt ist: Es lohnt sich, auch als jemand der mit Batman bis jetzt wenig am Hut hatte. Diese Serie hat nichts mit irgendeinem bunten Batman für Kinder zu tun, noch ist sie zu gewalttätig oder übertrieben edgy. Es ist genau richtig.