Raphi:
"Über Fliehende Stürme könnte man Bücher schreiben. Das 2011 erschienene Album „Warten auf Raketen“ hat mich in der einen oder anderen depressiven Episode begleitet. Ob das gut war? Schwer zu sagen, aber immerhin bin ich noch da, um davon berichten zu können. Und ich finde, das ist es, was Fliehende Stürme ausmacht: inmitten all der Hoffnungslosigkeit, die in den Liedern thematisiert wird, motiviert sie doch zum Weitermachen. Und von genau diesem Gefühl von Stillstand handelt der fantastische Song „Netzte“."
Philipp:
"Wie sehr ich den Output von Andreas Löhr liebe, klang ja sicherlich in den Chaos-Z-Reviews bereits durch. Fliehende Stürme ist für mich persönlich eine der konsistentesten und prägendsten deutschen Punkbands, dieser einzigartige, düstere Stil, diese großartigen Texte zwischen völliger Verzweiflung und einem Fünkchen Hoffnung. "Warten auf Raketen" ist sicherlich nicht mein Lieblingsalbum der Band, aber auch der spätere Output kann sich durchaus sehen lassen. Einfach eine Band, die nie enttäuscht und nie auch nur einen Funken an Energie und Dringlichkeit verloren hat."
Gregor:
Alles klar, das Lied heißt tatsächlich "Netzte". Ich dachte, die ganze Zeit es wäre irgendwie ein Rechtsschreibfehler. Das erste Mal und tatsächlich das einzige dass die Stürme hier vorkommen. Meiner Meinung nach sind sie eigentlich schon kein Deutschpunk mehr sondern irgendwas zwischen Deutschpunk und Death Rock bzw. irgendwas undefinierbares aus der dunklen Goth-Schublade. Eine Band, die ich tatsächlich sehr gerne höre - allerdings inzwischen viel zu selten. Aber wenn ich sie höre, dann ebenso gerne wie ChaosZ (also so wie sie hießen, bevor sie sich in Fliehende Stürme umbenannt haben). Aus dem Album "Warten auf Raketen" von 2011, dass ich so gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich glaube, ich sollte mal irgendwann entweder die komplette Disco oder so ein Erstes/Letztes Album-Vergleich hier machen. Das wäre ganz spannend. Was hier sehr gut miteinander funktioniert ist dieser minimalistische, monotone Gitarren/Schlagzeugstil der nach Traurigkeit klingt als auch die markante Stimme von Andreas Löhr. "Es hat sich nichts verändert, es hat sich nichts verändert, es hat sich nichts verändert, du hängst fest - in diesem Netz". Was für ein großartiger Move: Immer wieder einen Satz zu wiederholen um zu zeigen, dass sich nichts verändert hat. Es geht um einen ergreifenden, monotonen Stillstand, der einfach nicht aufhören will. Der ganze Song ist so monoton und verändert sich kaum. man könnte wirklich nicht besser einen Song über Monotonie und Stillstand kreieren. Großartig.
Gregor:
Ich habe diesen Song irgendwann auf einer Compilation entdeckt. Ob es "Die Deutsche Punkinvasion" oder "Schlachtrufe BRD" gewesen ist, kann ich leider nicht mehr sicher sind. "Die ewigen Phrasen kann ich nicht mehr hören/Wer immer nur redet, hat nie gelebt". Dem stimme ich zu. Für eine Deutschpunk-Band ist das sowohl musikalisch als auch textlich alles andere als stumpf. Sogar mit einem kurzen Gitarrensolo. Das ganze Ding hat was apokalyptisches an sich. Ich finde es hört sich an wie ein Zeugnis aus einer schwierigen Zeit: "1990, Wahnsinn total, zuckersüße Endzeit". Stell dir vor, die gesellschaftlichen Stünde verändern sich plötzlich radikal und dein persönliches Leben macht dir Schwierigkeiten - du kannst im Alltag einfach nicht mehr. "Gewohnheit heißt die tägliche Qual". Ja, genau so ist es. Ich würde gerne wissen, was aus dieser Band geworden ist. Es gibt nämlich nur zwei Alben und es ist mir unklar, was danach geschehen ist. Großartiges Lied.
Philipp:
"Ich bin mir sehr sicher, dass dieses Lied auf irgendeinem Punk-Sampler war, den ich mir mit 15 Jahren regelmäßig angehört habe. Mit 15 konnte ich mit dieser Art von Punk sehr sicher aber auch überhaupt nichts anfangen, was erklärt, dass mir der Name kaum geläufig war. Schade drum. Etwas lärmiger, düsterer Punk fernab ausgelatschter Klischees mit einem durchaus apokalyptischen Text. Wirklich großartig."
Raphi:
"Diese Band ist komplett an mir vorbeigegangen. Und ich finde es wirklich schade, weil die Musik von den Fremden echt cool ist. Abseits vom pöbelnden rumpelnden und dröhnenden Schepper-Deutschpunk wird hier ein düsterer und gleichzeitig farbenfroher Sound zum Besten gegeben. Ohne viel Hintergrundwissen zu haben, tippe ich hier mal auf Studentenpunk, was auch zur Heimatstadt Göttingen passen würde. Aber ich weiß es doch auch nicht. Schöner Song, cooler Refrain, und sehr angenehmer Gesang."
Philipp:
"Die Fuckin' Faces aus dem ehemaligen Zonenrandgebiet waren 1990 die wohl erste Punkband mit Mitgliedern sowohl aus der ehemaligen DDR als auch aus der BRD und in den frühen 2000ern über weite Strecken meine absolute Lieblingsband.
Nach wie vor haben die 3 regulären Alben der Band einen festen Platz in meinem Herzen. Unangefochten rangiert das zweite Album "Neue Wege" in meiner Top 10 der deutschen Punk-Alben. Melodischer Deutschpunk deutlich amerikanischer Prägung mit durchdachten Texten über unter anderem Krieg, Tod, Sterbehilfe, Tierrecht, die Auseinandersetzung mit der Punkszene der 90er Jahre und Bier trinken mit Freunden und dazu Butz' unverkennbare Stimme. Große Liebe."
Raphi:
"Die Faces sind eine meiner Lieblingsbands, obwohl ich sie eigentlich nie so richtig gehört habe. Ich habe sogar ein Shirt. Komm mir nicht mit "Name Three Songs"; ich kann nicht mal zwei nennen. Und ich glaube, ich habe die Fuckin' Faces ein paar mal live gesehen. In Stuttgart, in Harnrode und vielleicht auch in Obersuhl. Das Werratal hat einen festen Platz in meinem Herzen, und Werratal ohne Fuckin' Faces ist wie Shakshuka ohne Ei. Zum Lied "Neue Wege" kann ich auch was sagen. Es ist so einfach und so wahr. Punk heißt Veränderung. Dazu klingt das Ganze ein bisschen wie die viel coolere Version von allem was Der Dicke Polizist je gemacht hat. Ich lieb's."
Gregor:
Ich hatte ehrlich gesagt, immer nur einen Song von Fuckin' Faces auf dem Schirm: "Gestorben für den Wohlstand". Darin geht es um Tierrechte bzw. Tierquälerei. Mochte diesen Song wirklich sehr sehr gerne. Das hier, also "Neue Wege" handelt von "Punk als Veränderung" bzw. von einer Abkehr von strunzkonservativer Punk-Szene, die sich niemals neu erfindet und keine äh neue Wege sucht. Das ist tatsächlich sehr löblich. Der Text ist wirklich sehr gut gemeint. Ich finde es ehrlich gesagt sehr sehr gut, dass man sich kritisch gegenüber der eigenen Szene äußert und nicht immer alles sektenartig "schluckt" und zu allem "Ja" sagt. Allerdings gefällt mir das musikalisch nicht wirklich. Es ist so quietschig und schunkelhaft: "Deeenn Punk hei-ßt ver-ään-der-uuuuung". "Du kannst vari-iereeen, doch lass dich nicht irrietieren!". Das tut mir weh, das zu hören. Das klingt irgendwie erzwungen. Und dann auch noch diese Reggae-Gitarre im Mittelteil. Ich weiß auch nicht. Meins ist es nicht.
Thrashing Mad" - ich weiß nicht wie ich damals drauf gekommen bin. Jedenfalls ist das hier musikalisch durchaus ordentlicher Thrash Metal...Neil Turbins Gesang ist aber größtenteils so unglaublich hoch, dass es weh tut. Es ist wirklich sehr ungewöhnlich. Und Songtitel wie "I'm Eightteen" lassen eher Glam Metal Material Marke Poison vermuten. Das ist irgendwie wirklich verstörend, ich weiß nicht was ich damit anfangen soll. Dabei ist es eigentlich nur ein Alice Cooper Cover - das aber komplett falsch rüber kommt bei mir. Texttechnisch betrachtet ist dieses Werk wirklich sehr sehr stereotyp.
weiter. Die Texte sind alles andere Thrash Metal Klischees. Die Musik sowieso nicht - es ist nicht Uffta-Uffta, wie auf dem ersten Album. Es ist viel eher der Sound für den Anthrax bekannt sind - nur etwas "ruhiger", zumindest für meinen Geschmack.







