"One Step Ahead of the Spider" ist das dritte und letzte Album von MC 900 Ft. Jesus. Bei dem "Ft." handelt es sich um die Maßeinheit "Foot" und nicht um das Wort "Featuring". Inspiriert wurde Mark Griffin, wie der MC mit dem richtigen Namen heißt, von einem Televangelisten der einst in einer Predigt erzählt hat, er hätte eine Vision von einem "900 Fuß großen Jesus" gehabt. Was zum fick. Während die ersten beiden Alben "Hell with the lid off" (1990) und "Welcome to my Dream" (1991) noch gänzlich dem Hip-Hop zugewandt (erstes Album) und mit Acid Jazz experimentiert haben (zweites Album) ist das dritte nun beinahe komplett vom Hip-Hop abgewandt.
Stattdessen hört man hier super interessante Mischung aus Spoken Word und Jazz. Der einzige Hip-Hop-Song hierauf, ist der oben erwähnte, zu dem es auch ein Musikvideo gab. Darin geht es um die eigene Unfähigkeit den "eigenen Scheiß" zu regeln. Der Song hat einen super catchy "babowpowpowpow" type beat. Davon ist auf dem Rest des Albums nichts zu hören. Stattdessen haben wir etwas, was ich freundliches Lamentieren nenne - auf "Stare and Stare", einen Cover von Curtis Mayfield, worauf Vernon Reid von Living Colour Gitarre spielt. Worin sich Griffin besonders spezialisiert ist allerdings Spoken Word. So hört sich der Opener des Albums, "New Moon" an wie eine spezifisiche Narration eines 1940er Jahre schwarz/weiß Krimifilms. Dabei wird er von den Jazz-Musikern Earl Harvin, Chris McGuire, Dave Palmer, Drew Phelps, Mike Dillon, Nikhil Pandya, Rajiv Chakravarti als auch der Sängerin Analisa Ripke unterstützt. Griffin hört sich an wie typischer Beatnik aus den 1960er Jahren. In dem Songtext geht es allerdings um tristes Leben in der Vorstadt, wobei den einzigen Kick illegale Autorennen bieten. Diese enden allerdings desöfteren mit dem Tod, was er auch schildert. Genau darin liegt die Stärke des Künstlers: Geschichten erzählen mit zischenden Drums und trötenden Saxophonen als auch piependen Keyboards im Hintergrund. Und das gelingt hier wirklich sehr gut. Die Mischung aus Gedichten und Free Jazz ist einfach fantastisch. Das nenne ich sehr sehr große Experimentierfreude.
9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: New Moon, Tiptoe Through The Inferno, Stare and Stare, If I Only Had A Brain

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