Dienstag, 5. Mai 2026

Album der Woche#678: Meat Puppets - Meat Puppets II (1984)

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf dieses Album kam. Wahrscheinlich hatte ich immer wieder einen Ohrwurm von Nirvanas Version von "Plateau" (diese eine Live-Aufnahme vom MTV Unplugged Album zusammen mit Chris und Kirk Kirkwood), sodass ich unbedingt wissen wollte, wie sich das Original anhört. Zuallererst habe ich mir allerdings das erste Album der Band (das einfach "Meat Puppets" heißt) und war ziemlich überrascht. Was mich dort erwartet hat, war völlig zügelloser noisiger Punk mit Lyrics die kein Mensch verstanden hat weil der Gesang sich wie inkohärentes, leicht betrunkenes Geschrei angehört hat. Es war spaßig.


Offensichtliche Led Zeppelin Anspielung: Das zweite Album heißt "Meat Puppets II" (also so wie das zweite Album von Led Zeppelin "Led Zeppelin II" heißt). Nun, es ist vollkommen anders als das erste. Bis auf 1-2 Ähnlichkeiten. So sind "New Gods" und "Split Myself In Two" absolute Cowpunk-Songs. Mit Cowpunk ist übrigens dieses Genre gemeint, dass schlicht und einfach Country und Punk miteinander vermischt. Ansonsten haben wir hier eine beinahe komplette Abkehr vom Punkrock. Stattdessen konzentrieren sich die Fleischpuppen auf Psychedelia, Bluegrass und musikalischen Surrealismus. "Plateau" beispielsweise handelt von einem Punkt im Leben, einer Art Ende einer Episode wobei man auf einem sprichwörtlichen Plateau steht - wie bei einem Highschool-Abschluß. Allerdings ändert sich danach gar nichts und der Punkt den man erreicht hat war gar nicht die Belohnung für all die Mühe. Der Weg dorthin war die Belohnung. "Climbing" behandelt eine Trennungssituation bei welcher der Verlassene anstelle sich mit eigener Einsamkeit auseinanderzusetzen, sich lieber weiterhin mit seiner Verflossenen beschäftigt. Insgesamt muss ich sagen, dass Sänger/Gitarrist Curt Kirkwood sich desöfteren in einem eher negativen, verächtlichen Licht betrachtet. Er macht sich auf eine durchaus traurige Art und Weise über sich selbst lustig. Man könnte es als surrealen Selbstmitleid bezeichnen.

Ein sogar für mein Geschmack recht ungewöhnliches Album. Ich mag all diese verschiedenen Aspekte die zusammen etwas eigenartiges ergeben. Etwas Punk, selbstmitleidiger Gesang, psychedelische Sounds, Country und definitiv irgendwelche halluzinogenen Drogen. Faszinierendes Album. So roh und lo-fi, wie es nur gehen kann.

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: The Whistling Song, Plateau, Lake of Fire, New Gods, Split Myself In Two




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