DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:
Ich habe hier letztens lauter Mammutprojekte gestartet (und beendet). So habe ich Marlyns Plattensammlung reviewt, meine eigene LP-Sammlung angefangen auf Instagram zu reviewen, hier die riesige .mp3-Sammlung (quasi) komplett reviewt (nur Alben). Danach gings weiter mit der "Samplerhölle", wobei ich eine Ficktonne an Samplern auf meiner Festplatte gehört und reviewt habe und danach gings in den ".mp3-Himmel". Da bin ich (zumindest auf dem Blog) immer noch, allerdings habe ich das Ganze tatsächlich bereits durchgehört. Es geht jetzt los mit einem neuen Mammutprojekt. Philipp, Raphi und ich werden an die 70 von uns ausgewählten Deutschpunk-Songs reviewen. Alles ist alphabetisch sortiert und wir fangen mit den ersten drei an. Und natürlich lasse ich meinen beiden Genossen zuerst das Wort. Philipp wird wahrscheinlich seinen Beitrag nachreichen:
Raphi: "Wenn es um Wave Punk aus Deutschland geht, kommt man an Abwärts
nicht vorbei. Kaum ein anderes Album beschreibt die ungewisse
Situation zwischen digitalem Aufbruch, drohendem Krieg, und der
ganzen Kälte und dem notwendigen Zynismus dazwischen so gut wie
„Amok Koma“. Und als zentrales Element dieser Dystopie steht der
Song „Computerstaat“ als Monolith und zeitloser Klassiker."
Ich: Kann mich ziemlich gut daran erinnern, als ich das erste Mal Abwärts gehört habe. Das war auf einem Sampler namens "NAZIS RAUS!", das auf Weird System veröffentlich wurde. Abwärts waren mit "Hallo ich heiß Adolf" vertreten und hörten sich an wie eine politische Punkband die versucht Richtung Industrial und Metal zu schielen. Umso verwunderter war ich dann als ich irgendwann "Computerstaat" gehört habe (wahrscheinlich auf einer anderen Compilation). Das klang ganz anders: viel "punkiger", simpler und irgendwie auch tanzbar. "Computerstaat" ist im Grunde genommen eine in relativ simple Reime zusammengefasste Auseinandersetzung mit dem (Nachrichten)Alltag zur Zeit des Kalten Krieges. "Kalt" reimt sich auf "Badeanstalt", "Stalingrad" auf "Katastrophenstaat". Es gibt ein sehr schönes, längeres summendes und brummendes fuzziges Intro, das ich an dem Song am allerliebsten mag. In meinen Ohren ist das deutschprachiger Punk in seinem Grundgerüst und zufälligerweise ein sehr guter Anfang unserer Review-Reihe. RIP Frank Z.
Raphi:
"Mit ihrem halbakustischen Deutschpunk hat es das Trio längst in die Welt der Popkultur geschafft und das kann man ihnen wirklich gönnen. Apocalypse Vega ist eine wirklich gute Songwriterin und ich mag ihren Humor. Das Lied „Eisenhüttenstadt“ ist für alle Menschen, die von ihren Bekannten hören, was diese nicht alles schon erlebt und gesehen haben, während sie selbst das Gefühl haben, nie wirklich voranzukommen. Ein bisschen Neid, ein bisschen Genügsamkeit, und jede Menge Zynismus, und vielleicht auch ein wenig post-sozialistische Tristesse."
Ich: Hin und wieder ploppte dieser skurrille Bandname in meinem Feed auf und irgendwann habe ich auch gecheckt, dass die Band neben Apokalypse Vega und Bene Diktator auch aus Johnny Bottropp (ex-Terrorgruppe, ex-The Bottrops) bestand. Leider habe ich irgendwann alle Terrorgruppe-Hörer-Aktivitäten irgendwie sein gelassen und es hat mich nicht besonders interessiert. Zum Glück gibt's jetzt diese Liste um den Horizont zu erweitern. Der Song ist ziemlich poppig und simpel gestaltet. Es geht im Grunde genommen um absolute Wichtigtuer die u.a. mit ihren World Tripping angeben. Doch am Ende heißt "gibt viel wichtiges als dich", auch wenn Frau/Mann selbst nie in New York, Neu-Delhi usw. gewesen ist sondern in Eisenhüttenstadt oder Neuruppin. Man sollte sich selbst nicht klein machen bloß weil man in seinem Leben nicht so viel "geschafft" hat wie dieses wichtigtuerische Arschloch. Finde ich wirklich extrem gut.
Raphi: "Springen wir mal in die Gegenwart, denn auch in unserer Zeit wird
noch schöner deutschsprachiger Punk Rock produziert. Akne Kid Joe
(oder AKJ) aus Nürnberg haben dem Genre einen interessanten neuen
Anstrich verpasst und vor allem die ersten drei Alben haben mir sehr
gefallen. Ich kenne wenige andere Bands, die die Absurditäten der
post-modernen Welt so gekonnt in humorvolle Texte verpacken wie AKJ.
Und als ideales Beispiel dient der Titel „Die Hochzeit von meinem
Cousin“ vom Album „Die Jungs von AKJ“."
Ich: Habe AKJ irgendwann vor ein paar Jahren auf dem "Spastic Fantastic"-Labelfest in Dortmund gesehen und fand sie irgendwie gut. Allerdings hat sich mein Musikgeschmack im Laufe der Jahre eher zum Schwermetallischen hin entwickelt und so verschwand die Band irgendwie von meinem Radar. Dabei haben sie schon mehr(?) als drei Alben draußen(?). Naja, jedenfalls ist dieser Songtext eine verdammt gute Wiedergabe all dieser Awkwardness die man verspürt wenn man auf einem Happening seiner Familie (womöglich auch noch im Dorf) ist und man sich wahrscheinlich denkt: "Meine Fresse, was mache ich eigentlich hier, es gibt hier nichts zu besprechen außer verfickten Smalltalk, ich will WEG." Ich habe hier in Deutschland zum Glück keine "erweiterte" Familie und habe dieses Gefühl nicht, allerdings habe ich so oft die Schnauze voll von nichtssagenden Smalltalk gehabt. So verdammt oft. Das trifft's auf den Punkt.
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Rein in den .mp3-Himmel:
Und weiter geht es mit "Metal". Tatsächlich habe ich zu dem Zeitpunkt als all diese .mp3s auf meinen damaligen MP3-Playern gelandet sind noch nicht so viel Metal gehört, wie heute. Was wir hier vorhinden sind lauter kleine Ordner mit wenig Tracks drin von Bands wie Pig Destroyer, Judas Priest, Callejon, Danzig, Dethklok oder Neurosis. Viel interessanter jedoch sind solche Bands an die sich kein Schwein erinnert oder sich niemand erinnern sollte. Zum Beispiel Transilvanian Beat Club oder J.B.O. Von den letztgenannten habe ich hier tatsächlich ein Lied stehen/liegen und ich frage mich bis heute, warum es überhaupt hier gelandet. Ich frage mich auch, ob ich diesen Scheiß tatsächlich jemals witzig fand. Besonders hervorheben möchte ich auch "Uptown Girl" von War from a Harlot's Mouth. "House of Secrets" von Otep. Und äh, "Mein Eichensarg" von Eisregen :D
Der nächste Ordner trägt einen ziemlich allgemein gehalten Namen, nämlich "Pop.Indie.Alternative". Wahrscheinlich wollte ich hier alle Sachen reinpacken, die irgendwie allgemein nicht so richtig in eine Schublade zu packen waren. So ist hier zum Beispiel dieser Song von Teddybears STHLM namens "Punkrocker" (ist ein Cover von Iggy Pop) als auch die Hip-Hop-Version davon namens "Hiphopper" mit dem Rapper Thomas Rusiak. Ich finde hier mehrere Version von Devos "Mongoloid". Damals war ich fasziniert davon, wie viele Versionen es davon gibt, sodass ich unbedingt eine Mix-CD fürs Auto machen wollte. Meine Lieblingsversion war damals tatsächlich die von Jennifer Rostock. Was haben wir hier noch? "Papa Loves Mambo" von Perry Como. "After Dark" von Tito & Tarantula. Presidents of the USA mit "Peaches". Der großartige Song über Atomkrieg in einer Schwulenbar: "Gay Bar" von Electric Six. "Di Grind" von den nicht weniger großartigen Kaizers Orchestra. Und natürlich "Griechischer Wein" von Udo Jürgens. Alles kompakt in einem Ordner.
Was "Psychobilly" betrifft, so ist dieser Ordner nicht viel anders als die ganzen Psychobilly-Sampler, die ich hier vor einiger Zeit verwurstet habe. Im Grunde genommen sind hier mehrererere Unterodner voll mit Klassikern des Genres wie King Kurt, Demented Are Go, Frantic Flintstones und Nekromantix. Tatsächlich bin ich durch den Hörgenuss dieses Ordners wieder darauf gekommen wie großartig King Kurt waren. Ich habe bis heute - und es sind jetzt mindestens fünf Wochen vergangen, seitdem ich das gehört habe - einen Ohrwurm von "America" oder wahlweise auch "Zulu Beat" bzw. "Destination Zululand". "Wreck a Party" ist auch fantastisch. Das möchte ich hier mal hervorheben wie unkonventionell diese Band, vor allem auch für Psychobilly-Verhältnisse.
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Opeth Discography: In Cauda Venenum (2019)Vorletztes Album von Opeth, bis jetzt. Meiner Meinung nach und auch der Meinung vieler anderer bis jetzt das beste aus ihrer Progressive Rock Ära. Finde das ist durchaus der Fall weil diese "Ära" zwar durchaus interessant angefangen hat, die Band aber relativ schnell sich in einer Art Stagnation verloren
hat. Ich war ja immer wieder der Meinung, dass das "nächste" Album vielleicht auch gut sein werde aber wie lange das gut gehen wird, das wusste ich nicht. Das lag daran, dass der allgemeine Klang schon super gut und virtuos usw. war, aber dennoch irgendwie gleich bleibend. Sprich ich hätte mir immer wieder vorstellen können, wie das nächste Album sich anhören wird.
hat. Ich war ja immer wieder der Meinung, dass das "nächste" Album vielleicht auch gut sein werde aber wie lange das gut gehen wird, das wusste ich nicht. Das lag daran, dass der allgemeine Klang schon super gut und virtuos usw. war, aber dennoch irgendwie gleich bleibend. Sprich ich hätte mir immer wieder vorstellen können, wie das nächste Album sich anhören wird.
Bei "In Cauda Venenum" ist es jedoch sehr viel anders. Das Album existiert nämlich in zwei verschiedenen Versionen. Das heißt, bei jeder Version gibt es die gleichen Songs - allerdings in zwei unterschiedlichen Sprachen. Schwedisch und Englisch. Ich habe die schwedische Version zuerst gehört und war wie weggeblasen. Manchmal braucht es nur ein kleines Detail um alles zu verändern. So ist der Wechsel in eine andere Sprache meiner Meinung nach genau das gewesen was diese Band gebraucht hat. Dadurch dass ich kaum ein Wort verstehe (eigentlich gar keins) wirken die Songs nahezu mystisch auf mich bzw. wie Lautmalerei. Ja, ich weiß. Schwedisch ist eine richtige Sprache, allerdings keine die ich alltäglich spreche.
Darüber hinaus: Es fängt an mit einem sehr abgefahrenen, 70s Prog Rock Keyboard Intro. Das Album variert zwischen (sorry für den Ausdruck) melancholischen Songs, sehr abgefahrenen beinahe psychedelischen Ausflügen (mit Keyboards!), wunderschönen Gitarrensoli und einigen Riffs die beinahe wie Djent rüberkommen. Dazu kommen noch irgendwelche Samples aus schwedischen Medien, die mir leider nichts sagen. Soweit ich rausfinden konnte, handelte es sich dabei unter anderem um eine Art Puppensendung für Kinder. Dazu kommen noch kirchliche Gesänge und noch viel mehr was ich grade bestimmt vergessen habe. Verdammt, dieses Album ist so groß, so riesig und so raumeinnehmend. Es ist faszinierend.
9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Ingen sanning är allas, Charlatan, Svekets prins

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