Dienstag, 21. Juli 2026

Comic Book Review#686: Judge Dredd: The Cursed Earth Saga (2013)

An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Kollegen M. für die freundliche Leihgabe. Es handelt sich um einen weiteren Judge Dredd Band aus dem Hause 2000AD. Diesmal ist es ein Nachdruck der Stories aus den Ausgaben 61-85, also die "The Cursed Earth Saga". Allerdings konnten Teile 11-12 als auch 17-18 (die in den 2000AD-Ausgaben #71-72 bzw. 77-78 erschienen sind) nicht nachgedruckt werden. Grund: Copyright infringement. Man hat sich darin gekonnt über US-Amerikanische Fast Food Giganten wie McDonald's und KFC lustig gemacht. Genauer: Die Figuren Ronald McDonald als auch der "Colonel" kamen darin, etwas entstellt natürlich, vor. Aber das hat (leider) gereicht um als CI durchzugehen. Schade, das hätte ich zu gerne gesehen.


Am Anfang der Story stellen wir fest: Es gibt nicht nur ein Mega City One sondern auch ein Mega City Two. Beide Riesenstädte liegen an der Ost- bzw. Westküste der USA. Alles dazwischen ist post-atomares Brachland bewohnt von Mutanten, entstellten Menschen, verwilderten Stämmen, Robotern, wilden Tieren und allen anderen die einem nach dem Leben trachten. Judge Joe Dredd, einer der gefürchtetesten und respektiertesten Polizisten in Mega City One kriegt eine unmögliche Aufgabe. Zusammen mit ein paar anderen Judges als auch speziell ausgestatteten und trainierten Robotern soll er Impfstoff nach Mega City Two transportieren. Dort herrscht nämlich eine fürchterliche Pandemie und die Impfung ist wohl die letzte Rettung. Dredd kriegt zu Beginn der Storyline mit, was der Pandemie-Virus denn überhaupt so kann. Judge Red (!) befindet sich in Quarantäne und es dauert nicht lange, bis er sich in eine Art primitiven, kannibalistischen Höhlenmenschen verwandelt. Auf geht's, also. Doch zuerst holt sich Dredd einen eher unfreiwilligen Helfer. Der Kriminelle Spikes Harvey Rotten, der angeblich geläutert ist, wird prompt aus einem Hochsicherheitsgefängnis geholt. Der Biker scheint eine gute Wahl für den Job zu sein. Er ist furchtlos und dreist. Auf ihren Weg nach Mega City Two treffen die Judges und Spikes Harvey Rotten (der eine offensichtliche Anspielung auf Sid Vicious ist) auf äußerst illustre Gestalten. Die merkwürdigsten und beklopptesten Kapitel (meiner Meinung nach) sind die in einer Wild West mäßigen Kleinstadt. In der Umgebung gab es einst einen Dino Park mit echten Dinosauriern. Eines der übergeblienen Dinos ist ein Tyrannosaurus Rex, der "Satanus" genannt wird. Die Bewohner des Städtchens bringen ihm regelmäpig Menschenopfer um ihn in Zaum zu halten.

Ich glaube die Geschichte mit Satanus war wohl eine der beklopptesten die ich je gelesen habe. Vor allem die durchaus grässlichen Zeichnungen von Mick McMahon haben's in sich. Die emotionalste ist allerdings die Story um den Alien Tweak (der aussieht wie ein Ameisenbär). Vor Jahren wurde seine Familie von irdischen Menschen versklavt und er selbst musste seine Intelligenz zurück halten um bloß nicht aufzufallen. Tatsächlich hat er auch Steine auf die Gräber seiner Liebsten gelegt, damit sie nach dem Tod "was zu Essen haben". Kommt mir alles sehr bekannt vor. Irgendwie hört es sich an wie eine Mischung der US-Amerikanischen Sklaverei als auch jüdischer Traditionen (ich spreche von den Steinen - natürlich abgewandelt). Mir gefallen die Zeichungen von Brian Bolland viel mehr. Sie sind so klar und deutlich, so detailliert. Da sitzt wirklich jeder Strich. Meiner Meinung nach sehen sie "teurer" aus, als würde man sich den Zeichner gar nicht leisten können. So gut ist er. Verantwortlich für den Skript sind Pat Mills und Dredd-Schöpfer John Wagner. What a fantastic read.

8,5/10 Pfandflaschen
Ein Video dazu von Unqualified Commentary:


Montag, 20. Juli 2026

Album der Woche#690: Sneaker Pimps - Bloodsport (2002)

Es war einmal vor über 20 Jahren. Ich saß vorm Fernseher bei meinen Großeltern in St. Petersburg und habe MTV geguckt. Es lief eine Sendung, die übersetzt "Musical Reading" heißt. Darin wurden Musikvideos gezeigt und dazu gab es eingeblendete Infos zu den Artists - ähnlich wie später Annotations bei YouTube-Videos. Zu sehen war der Track "Otwet" ("Antwort") von DJ Groove. Darin

hat sich der Moskauer DJ Groove über nervige Leute aufgeregt die ihn auf Parties aufgefordert haben absolut nervige Scheißmusik abzuspielen. Durch diese Annotations habe ich herausgefunden, dass die britische Trip-Hop-Band Sneaker Pimps ihn auf dem Cover zu ihrem 2002er Album "Bloodsport" abgebildet hat. Ich hatte dieses Album auch einmal in der Hand und es stimmte tatsächlich. Im Booklet wird er auch erwähnt. Jedoch kam es irgendwie nie dazu, dass ich mir das Album angehört habe. Außerdem gab es mal eine Collabo zwischen Sneaker Pimps und einen äh bekannten US-Künstler auf dem Soundtrack zu "Spawn", sodass ich mir etwas vollkommen anderes als der Inhalt dieses Albums hier vorgestellt habe.

"Bloodsport" ist das ingesamt dritte Album von Sneaker Pimps, welches zwar Anklang bei den Fans fand, allerdings bei den Kritikern eher durchgefallen ist. Wenn man sich das Cover und den Titel anguckt, könnte man denken dass es ein irgendwie aggressives Album ist. Dazu kommt noch, dass ich durch einen Printfehler bei einer anderen Bootleg-Kassette die Sneaker Pimps mit dem DJ-Duo "The Dust Brothers" verwechselt habe. Stattdessen haben wir es mit einer Band zu tun, die (Akkustik)-Gitarren, Sampling, Drums verwendet. Am Gesang sind Chris Corner und Gastsängerinnen Sue Denim und Zoe Durrant. Davor war Kelli Ali die Sängerin, hat allerdings die Band verlassen - vielleicht war es auch einer der Gründe für die schlechten Kritiken bzw. die Umstrukturierung der Band. Chris Corner wollte außerdem die eigenen Songtexte singen. Im Kern ist das hier schon Trip-Hop: leicht psychedelische Beats, die allerdings mit langsamen Gitarrenriffs und leicht leidenden Gesang von Corner übersät sind. Ich würde schon sagen, dass es wie eine rockige Version von Trip-Hop klingt bzw. würde man die Gitarren und den Gesang weglassen würde es durchaus als das durchgehen. Es ist auch ganz und gar nicht aggro, wie der Titel vermutet - dieser erinnert nämlich an diese Kampfsport-Filmreihe mit Jean Claude Van Damme. Hier heißt es "Love is just a bloodsport" (im Titeltrack). 

Ich muss sagen, dass es irgendwie eine merkwürdige Mischung ist. Mit Trip-Hop verbinde ich größtenteils entweder männlichen Sprechgesang oder eine beruhigende und einfühlsame weibliche Stimme. Nicht einen Typen der durchaus singen kann und irgendwie traurig klingt. Mir gefällt es wie Corners Stimme mal mit den Beats kollidiert und mal außerhalb der Beateinsätze erklingt. Erinnert mich irgendwie an diverse Britpop-Bands die damals in waren bzw. an eine gewisse Band, die vor kurzem sich potthässlich auf der Bühne benommen hat. Aber darum geht's jetzt nicht. Ist ein wirklich großartiges, träumerisches Album. Mag ich, liebe ich fast.

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Kiro TV, Loretta Young Silks, M'Aidez, Black Sheep


Freitag, 17. Juli 2026

My Favorite TV-Show: Mad Men

Wir hatten hier schon mal die Schwesternserie "Good Girls Revolt", aber "Mad Men" noch gar nicht. Dabei hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun, sondern wird nur sehr gerne verglichen. Während "Mad Men" in ihren sieben Staffeln langsam durch die 1960er Jahre watet ist "Good Girls Revolt" direkt zu Beginn auf den Sprung in die 1970er. Aber das nur so am Rande. 

Der Titel ist eine Anspielung an zahlreiche Mitarbeiter von Werbeagenturen in der Madison Avenue in New York. Soll heißen "Ad Men" wird zu "Mad Men", unter anderem weil die Werbefachleute völlig verrückt sind, was ihren Job betrifft. Meines Wissens zufolge ist es allerdings strittig ob dies ein historischer Begriff. Jedenfalls, worum geht es?


Im Mittelpunkt der Story steht zu Beginn der Creative Director Don Draper (Jon Hamm). Er ist in der Führungsriege von "Sterling Cooper", einer angesehenen Werbeagentur. Außerdem ist er Veteran des Koreakriegs, verheiratet mit Betty Draper (January Jones ) und Vater von zwei Kindern. Viel wichtiger allerdings: Don Draper ist ein notorischer Fremdgeher, Alkoholiker und Kettenraucher. Nichtsdestotrotz ist er sehr erfolgreich in dem Unternehmen, u.a. wegen seines Schneids und der Fähigkeit absolute Bombenaufträge an Land zu ziehen. Doch wo der Erfolg ist, da kommen auch die Selbstzweifel.

Es passieren hier sehr viele Dinge. Wir finden heraus, was es wirklich mit dem Koreakrieg bzw. der Rolle Dons darin auf sich hat und natürlich auch was auf so Weihnachtsfeiern und anderen Firmenparties so geschieht. Kinder werden gezeugt und abgegeben. Männer gehen ihren Frauen fremd, Frauen gehen ihren Männern fremd. Alle rauchen zentnerweise Zigaretten am Stück und saufen während der Arbeit. Dazu kommen noch die (zu einem Teil an die tatsächliche Geschichte des Marketings angelehnte) Aufträge hinzu und es ist interessant zu sehen, was den Leuten in der Agentur einfällt, damit alles funktioniert. Wesentlich interessanter ist allerdings der persönliche Werdegang der einzelnen Charaktere. Es ist traurig zu sehen, das Kinder unter diesen Bedingungen aufwachsen. Traurig mitzubekommen, dass im Rahmen der Handlung Menschen absolut traumatisiert werden. Gleichzeitig ist die Serie so absurd lustig, weil eben absurd lustige Sachen vorkommen. Zum Beispiel werden jemanden die Zehen mit einem Rasenmäher, in einem Büro abgehackt. Aber das nur so am Rande. 

"Mad Men" war eine super wilde Auf- und Abfahrt. Ich werde niemals dieses großartige Intro von RJD2 ("A Beautiful Mine") vergessen. Jetzt grade schreibe ich dieses Review hier und ich habe es wieder im Kopf - obwohl wir die Serie im Januar (?) 2026 zu Ende geschaut haben. Ich habe mitgefühlt, mitgefiebert, mitgelacht und einige Leute sowas von gehasst. Sowas von absolut gehasst. Einige waren grundsympathisch, vor allem allerdings wenn sie eher "unschuldig" waren und es nicht besser wussten - oder ob sie sich menschlich verbessert haben. 

Großartige Serie, ehrlich jetzt.



Mittwoch, 15. Juli 2026

Film der Woche#687: World's Greatest Dad (2009)

Ich habe irgendwann einen Screenshot von diesem Film gesehen. Es war ein Standbild von Robin Williams und Krist Novoselic vor einem Zeitungsverkaufsstand. Das hat mich neugierig gemacht und so kam der Film auf die Watchlist. Als ich dann allerdings das Poster gesehen habe, dachte ich mir, dass es wie eine typische schäbige direct-to-dvd Produktion aussieht. Die Schriftart hat mich vor allem abgeschreckt, vorerst. Als ich den Film gesehen habe, war ich allerdings sehr sehr positiv überrascht.


Im Mittelpunkt der Handlung steht der Poesie/Englischlehrer Lance Clayton (Robin Williams) der auf der lokalen High School unterrichtet. Er schreibt außerdem Romane und bis jetzt hat kein Verlag auch nur einen einzigen angenommen. Heimlich datet er seine Kollegin Claire Reed (Alexie Gilmore, u.a. Willow Creek), die allerdings auch den wesentlich erfolgreicheren Mike Lane (Henry Simmons aus Agents of SHIELD) attraktiv findet. Dazu kommt noch, dass Lance einen Sohn hat, der auf die gleiche Schule geht: Kyle (Daryl Sabara, u.a. aus Spy Kids) ist ein missratener junger Mann. Ein absoluter Misanthrop, der alles scheiße und uninteressant findet. Außer Pornografie. Der Typ holt sich gefühlt 24/7 einen runter und kann über nichts anderes reden. Seine neuesten Interessen sind "German Scheisse Porn" und Selbststrangulation. Keiner in der Schule kann ihn so wirklich leiden, bis auf seinen besten Freund Andrew (Evan Martin) - doch selbst da ist die Freundschaft eher einseitig und fragwürdig. Kyle gilt als Creep und Perverser, ein Außenseiter. Eines Abends findet Lance Kyles Leiche vor. Der Junge hat sich aus Versehen beim Masturbieren umgebracht. Stranguliert. Damit das Ganze nicht vollkommen peinlich wird, inszeniert Lance einen Selbstmord. Er hängt Kyle im Kleiderschrank auf und verfasst einen Abschiedsbrief in seinem Namen. Nachdem ein Schüler den Brief in einer Polizeiakte findet, veröffentlicht er diesen in der Schülerzeitung. Urplötzlich sind alle von Kyle begeistert. Es entwickelt sich eine Art Post Mortem Personenkult um ihn. High School Girlies, die ihn nie zuvor haben leiden können, tragen T-Shirts mit seinem Konterfei. Als Lance daraufhin ein fiktives, wieder von ihm selbst verfasstes, Tagebuch von Kyle veröffentlicht, eskaliert das Ganze komplett. Jungs und Mädels sehen in Kyle eine Art verkanntes Genie. Das Buch ist eine Inspiration. Lance steht plötzlich im Rampenlicht und genießt es.

Regie führte Bobcat Goldthwait (aka dieser eine meschuggene aus "Police Academy"). Kein Wunder, dass es so gut ist. Doch selbst wenn diese ekelhaftigen Ekelhaftereien von Kyle durchaus ekelhaft sind, dieses ganze Gequatsche über Pornos absolut abstoßend, so ist der Film in erster Linie wirklich witzig. Nicht aufgrund von Kyle, sondern von der Tatsache dass Lance in eine Situation gerät, die ihm gut tut - er aber nicht lange damit umgehen kann weil sie offensichtlich auf einer Lüge basiert. Es ist eine verdammt gute Story über das Gefühl, allein unter ganz vielen Menschen zu sein. Man fragt sich dann nur, wie man aus dieser Situation rauskommt? Vielleicht ist es sogar besser, sich nur mit den richtigen Menschen zu umgeben die einen dieses Gefühl nicht geben, sondern stattdessen Wärme und Geborgenheit. Oder ganz allein zu sein. Ich mag dieses Auf und Ab von Gefühlen, das jedoch absolut nicht künstlich rüber kommt. Es ist ein Ruf nach Verstandenwerden und Freiheit. Ein wirklich großartiges, meines Erachtens ziemlich untergegangenes Meisterwerk. Oh und Krist Novoselic (ex-Bassist von Nirvana) hat hier ein Cameo-Auftritt. Nur so.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 14. Juli 2026

Comic Book Review#685: Minor Threats#1-4 (2022)

Ich habe eine Ausgabe dieses Comics irgendwann bei "Comics Monthly" reviewt, lange bevor die Rubrik von mir endgültig eingestellt wurde. Irgendwann habe ich mir tatsächlich das erste Sammelband gehört, nachdem ich mich durch einen niemals enden wollenden Lesestapel durchgelesen habe - hat aber trotzdem Spaß gemacht.


"Minor Threats" stammt aus den Federn von Patton Oswalt, Jordan Blum, Scott Hepburn, Ian Herring und Nate Piekos. Da ich weiß, dass Patton Oswalt einen Punk-Hintergrund hat, fiel die Wahl des Titels wahrscheinlich auf ihn. Anyways, es geht nicht um Punkrock oder Straight Edge oder so. Aber auf jeden Fall um eine geringe Bedrohung. Die Geschichte spielt sich ab in der fiktiven Stadt Twilight City (offensichtliche Anspielung auf Gotham City lel). Diese ist voll mit Superhelden als auch deren Gegnern. Einer der bekannteste ist das Mitglied der Gruppe "Continuum", ein Typ der sich Insomniac nennt (offensichtliche Anspielung auf Batman lel). Eines Tages geschieht das unmögliche: Kid Dusk (offensichtliche Anspielung auf Robin lel) wird von Insomniacs Archnemesis, Stickman (offensichtliche Anspielung auf Joker lel) umgebracht - was definitiv eine offensichtliche Anspielung ist auf den Batman Story Arc "Death in the Family" ist. Der Insomniac dreht vollkommen frei und will unbedingt den Mörder finden - "Continuum" hingegen dreht ebenfalls frei und macht einen auf Polizeistaat. Sie möchten allerdings all die "geringen Gefahren", quasi die Z-Promis unter den Bösewichten von der Straße wegbringen bzw. selbst den Stickman zur Strecke bringen - um ein Massaker ausgelöst durch Insomniac zu verhindern. Eine Gruppe von sogenannten "D-Listers", oder wie grade gesagt Z-Promis unter den Bösewichten tut sich zusammen. Angeführt von Frankie (aka Playtime), die Fähigkeiten hat beinahe alles erschaffen zu lassen und deren Mutter einst schon Banken ausgeraubt hat, wollen sie gemeinsam den Stickman finden und so den Frieden wiederherstellen. Es besteht nämlich ein gewisser Code, nach welchem man agiert. So rauben die "Schurken" die Banken aus und ähnliches, aber Mord steht niemals auf den Programm. Stickman hat diesen Code gebrochen und muss gestoppt werden, bevor die Lage vollkomen eskaliert.

Fantastische, detaillierte Zeichnungen die voll mit Anspielungen sind. Ich find's interessant, wie die Seiten plötzlich "vergilbt" aussehen, wenn Erinnerungen dargestellt werden. Die Darstellung der Superschurken ist gleichzeitig nicht zu düster und nicht zu campy. So ist Pigeon Pete zwar ein witziger Name, aber der Mann hört den Tauben tatsächlich zu und weiß was sie zu erzählen haben. Und er ist ein Meisterdieb. Man erfährt auch, was die Motivationen der verschiedenen Charaktere sind. Ego, Angst, Sterblichkeit und...Liebe. "Minor Threats" ist makaber, ernst und lustig zugleich. Es ist eine aufregende Geschichte über ein Haufen Außenseiter. Tatsächlich eine willkommene Abwechslung im bereich Superheldencomic. Fantastische Sache, das. Absolut.

9/10 Pfandflaschen
Erhältlich bei Dark Horse Comics
Hier ein Video von Near Mint Condition:


Montag, 13. Juli 2026

Album der Woche#689: Profanatica - Rotten Incarnation of God (2019)

Ich habe Profanatica Ende 2018 (?) als Support von Rotting Christ und Watain im Bochumer Matrix Club live gesehen. Seitdem wollte ich dieser Band unbedingt mal ein Review schenken. Alleine schon weil sie diese albernen Hüte getragen haben und ausgesehen haben wie Zwerge. Der Sänger (und Schlagzeuger) Paul Ledney war dabei der größte Zwerg von allen und sah aus als wäre er um Meilen höher als die anderen beiden. Würde er aufstehen, wäre er bestimmt 2 Meter groß gewesen. Das war sehr surreal.


Surreal ist auch dieses Album. Es ist wahrlich nicht das beste (Black) Metal Album der Welt und es ist wahrscheinlich nicht das beste Review dazu. Profanatica leben von purer Monotonie und Stumpfsinn. Es dominiert immer der gleiche Schlagzeugrhytmus. Immer der gleiche. Klopf klopf klopf klopf. Nicht die gleichen, aber doch immer wieder genauso monotonen Gitarrenriffs. Man nennt das Blackened Death Metal für den stumpfen Kerl. Zumindest in meiner Vorstellung. Hin und wieder hört man sowas wie ein Breakdown (der es wahrlich in sich hat). Profanatica machen keine Musik für Menschen, die sich nach Innovation bei Black Metal sehnen. Sondern eher für diejenigen Liebhaber des Genres die auf stumpfe Provokation und ebenso stumpfe musikalische Untermalung stehen. Gerade aber die langsamen Parts, die sehr death metallisch klingen haben es tatsächlich in sich. Sie sind wirklich cool. Ich mag auch den unverständlichen, krächzenden Gesang der größtenteils als Untermalung dient. Ich konnte sogar die ersten beiden Songs nicht voneinander unterscheiden. Das spricht nicht gerade für diese Band. Auch diese ganzen grenzdebilen Titel wie "Broken Jew" (natürlich geht es um Jesus und nicht um Antisemitismus, der Songtext ist nur zwei Zeilen lang), "Tithing Cunt" (uuuuh), "Sacramental Cum" (lol) oder "Mocked, Scourged and Shit Upon") (lmao) sprechen nicht gerade für die Band. Man hat sie sich entweder zusammen gewürfelt oder eine Abstimmung per Dartscheibe gemacht. Oder ein trainierter Affe hat auf die Titel auf dem Papier geschissen oder so. Gegen Ende wird es tatsächlich etwas spannender. Das kurze "Eucharist in Ruin" ist wirklich der beste Song hierauf. Man besinnt sich auf das ursprüngliche Thema von Black Metal: Blasphemie in jeder Hinsicht. Mehr ist das nicht. Es ist aber so hohl, dass es tatsächlich Spaß macht. Aber auf längere Sicht könnte ich mir das nicht geben. Aber es macht Spaß.

5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Eucharist in Ruin, Liturgy of Impurity


Sonntag, 12. Juli 2026

So isses, Musik!#215

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

Nun sind wir also bei C angekommen. Da es keine Regel gibt, die besagt dass eine Band nicht doppelt vorkommen darf kommen diesmal Chaos Z zwei mal vor. Wahnsinn, aber normal.

Chaos Z – Gewalt

Raphi:

"Wenn es um Depro- und Düsterpunk geht, sind Chaos Z, beziehungsweise ihre Nachfolgeband Fliehende Stürme eine der wichtigsten Gruppen. Deutlich näher am Hardcore als nach ihrer Umbenennung haben Chaos Z vor allem Lieder produziert, die auch als Post Metal-Variante super klingen würden. Und der absolute Sturm aus depressivem Hardcore Punk ist der Song „Gewalt“. In meinen späten 20ern habe ich eine meiner bisher tiefsten depressiven Episoden durchlebt, und dieser Song hat mich fast täglich dabei begleitet, gegen die Dunkelheit von innen anzukämpfen. Danke!"


Ich:
Ich kann im Grunde das wiederholen was Raphi gesagt hat. Nur dass ich nicht von den späten 20ern sondern eher von mittleren 30ern reden würde. Es ist einerseits befreiend diese Worte zu hören: "Fäuste gegen Wände, die Mauern sind zu hoch, Alltag bis zum Ende, ein Leben das erfriert", andererseits aber fürchterlich bedrückend. Eben weil ich den Gedankengang in dem Text verstehe - bis auf die Sache mit dem Amoklauf. Der Text klatscht einen ordentlich ins Gesicht, sodass man beinahe auf den Boden fällt.

Chaos Z – Krass

Ich:

Ich habe diesen Song in meiner Jugend gefühlt an die 50 Mal gehört. Tatsächlich im Glauben, er würde "Reste" heißen weil es irgendeinen Fehler bei der digitalen Version des Albums "45 Jahre ohne Bewährung" gab. Der Song war, glaube ich, der letzte auf dem Album und gleichzeitig sowas ähnliches wie ein Neuanfang für Chaos Z. Zumindest klingen sie hierauf wesentlich weniger als ihre ursprüngliche Version und mehr als die Band die sie später wurden: Fliehende Stürme. Es ist ein sowohl politischer als auch persönlicher Song. Meines Erachtens handelt er von der persönlichen Enttäuschung durch die deutsche Gesellschaft nach der Wiedervereinigung (deswegen "frisch vermählt"). Eine Gesellschaft, die einerseits Wohlstand und Prestige predigt aber gleichzeitig auf ihre Jugend scheißt, kann man wohl nur verachten. Ich habe auch diesbezüglich nachrecherchiert und festgestellt, dass das dazugehörige Album erschienen ist, als die Band schon Fliehende Stürme hieß. Nur "ausnahmsweise" unter altem Namen - nachdem zweites prägendes Bandmitglied, der Bruder von Sänger Andreas Löhr, Thomas Löhr gestorben ist. 

Philipp zu "Gewalt" und "Krass":


Es gibt wenige deutsche Punkbands, die so immens wichtig sind, dass eine Liste von Deutschpunk-Songs zwei Songs von ihnen verdient. Chaos-Z ist eine solche Band. Von Andreas Löhr, seinem großen Bruder Thomas und Schlagzeug er Michael Ortner 1980 gegründet, als Andreas gerade mal 13 war, veröffentlichten sie relativ schnell erste EPs und Alben mit rauem, düsteren und kompromisslosem Deutschpunk, fast ein bisschen wie deutsche discharge. Bereits Mitte der 80er Jahre wurde die Musik unter dem Einfluss von Bands wie Joy Division zunehmend schleppender, melodischer und schließlich benannte man sich in "Fliehende Stürme" um. Diese beiden Songs stammen aber tatsächlich aus der späteren "Reunion"-Phase, Thomas Löhr verstarb an HIV und Andreas Löhr schrieb ein komplettes Album wütender und resignierter Punksongs, die irgendwie besser zu Chaos-Z als zu Fliehende Stürme passten, Glück für uns, die "45 Jahre ohne Bewährung" gehört mit "Schweineherbst" von Slime zu den besten deutschen Punk-Alben der 90er. Zwar durchaus melodischer als das Frühwerk aber diese wahnsinnige Wut und Stimmung, die in Musik und Texten transportiert wird, ist einfach unvergleichlich. Krass ist hierbei (und das muss ich als einziger Ossi in der Runde nochmal erwähnen) eine Abrechnung mit dem nationalen Freudentaumel nach der Wiedervereinigung, der Kirche, der Bundeswehr und dem gesamten Konstrukt Deutschland, wahnsinnig toller und wichtiger Song. Ich würde Chaos-Z jetzt nicht unbedingt als proto-antideutsch bezeichnen, verdient hätten sie es mit diesem Song aber irgendwie.
"Gewalt" ist eine brutale und heftige Schilderung eines sinnlosen deutschen Lebens, das letztendlich in einem Amoklauf gipfelt, wer Zuspruch und Ermutigung braucht, sollte sich definitiv eine andere Band suchen, hier wird gekotzt. Was für ein Jahrhundertwerk.

Raphi:

"Es ist wohl das Chaos Z Lied, das am meisten nach Fliehende Stürme klingt. Vielleicht kann "Ein Tropfen im Feuer" noch mithalten.
Wenn ich den Text richtig verstanden habe, geht es um die letzte Phase des 20. Jahrhunderts: Hasselhoff, Wehrdienst, Baseballschläger, kunterbunte Symbolpolitik, graue Welt, und mentale Gesundheit in einer kranken Realität. Vor allem interpretiere ich die erste Strophe als antifaschistische (und antideutsche) Ablehnung der Einverleibung der DDR durch die BRD. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist folgendes: der Refrain ist ein äußerst starker Quell für innere Kraft, das Lied ist ein zeitloser Klassiker, und Chaos Z sind völlig zurecht zweimal in dieser Serie vertreten."


Chefdenker – Schwierige Zeiten

Raphi:

"Ich tu mich immer noch schwer damit, die Claus Lüer-Bands auseinanderzuhalten; vor allem bei Chefdenker und Casanovas Schwule Seite bringe ich vieles durcheinander. Aber ich feiere die Band dafür, dass sie den stumpfen Stil der ersten Deutschpunkwelle mit den melodischen Aspekten der Zweiten verbunden haben. Außerdem verbinde ich die Band mit einer etwas unbeschwerteren Zeit, als ich mit Freunden aus dem Landkreis Würzburg lange Zugfahrten und Nächte an Bahnhöfen unternommen habe. Als Erinnerung, dass es bessere Ideen gibt, als in einer frisch renovierten Wohnung eine Punk Rock Party zu veranstalten, bleibt das Lied „Schwierige Zeiten“ vom Debutalbum „16 Ventile in Gold“ unvergessen."

Philipp:

"Claus Lüer hat meine Jugend geprägt wie kaum ein zweiter, textlich, musikalisch, gesanglich, teilweise hab ich mir bei dem, was ich an Musik gemacht habe, echt mehr bei Claus geliehen, als mir selbst bewusst ist. Chefdenker war dabei aber nie meine Lieblingsband, irgendwie war mir das immer zu rockig und zu komplex, die Stimme und die Texte macht das aber nicht weniger großartig. Hier werden in erster Linie Alltagsphänomene beschrieben, das aber immer in so griffig-asozialer Lyrik, dass man gelegentlich abwechselnd nicken und mit dem Kopf schütteln möchte, alles in allem ist das aber wirklich toll. Kleiner fun fact: Ich bin Claus Lüer bisher ein mal persönlich begegnet und habe dem armen Kerl in einem kompletten Euphorie-Anfall so viele Fragen gestellt, dass ich insgeheim hoffe, dass er sich nicht mehr an mich erinnern kann, das nur als kleine Demonstration, wie wichtig mir sein Gesamtwerk ist. Shoutout an Gregor, den einzigen Menschen, der Claus' Stimme nicht mag. It's okay to be wrong."

Ich:
Ja, Raphi...ich kann mich an diese Zeit ebenfalls erinnern. Lange Nächte am Nürnberger Hauptbahnhof. Oder in Aschaffenburg, Erlangen oder ganz woanders in einem anderen Bundesland. Kann mich erinnern, dass es einige von uns gab die die Bands von Claus Lüer maßlos gefeiert haben - egal ob Knochenfabrik, Chefdenker oder Casanovas Schwule Seite. Ich konnte sie ebenfalls nicht außeinander halten und kann es bis heute nicht wirklich. Außer "Ameisenstaat" fällt mir auch kein Album ein. Es ist eine witzige Idee ein Lied darüber zu komponieren, dass es vllt. nicht so gut ist in einer neuen Wohnung eine wilde Punkerfete zu veranstalten - und das ganze auch noch "Schwierige Zeiten" zu nennen, als würde es in dem Song um irgendwas gesellschaftlich relevantes gehen. Trotzdem kann ich ehrlich gesagt nichts damit anfangen. Ich mag diese schrille, versoffene Stimme nicht.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Mayhem Discography: Liturgy of Death (2026)

Es ist wieder so weit. Ich schließe Lücken in Discographies hier auf diesem Blog. Anfang des Jahres ist tatsächlich ein neues Album von Mayhem rausgekommen. Der Nachfolger zum 2019er Werk "Daemon" bzw. zu dessen Nachfolge-EP "Atavistic Black Disorder/Kommando".


Zugegeben, das Album hatte bei mir erst einen schwierigen Lauf. Bei vielen Alben bin ich der Meinung, dass sie eher auf einer größeren Anlage oder auf einem Laptop funktionieren. Hier ist es tatsächlich das Gegenteil der Fall: Kopfhörer sind hier die bessere Option. "Liturgy of Death" schließt einerseits da an, wo "Daemon" aufgehört hat, gleichzeitig bezieht man sich allerdings an das Urwerk der Band "De Mysteriis Dom Sathanas" als auch teilweise an eines ihrer polarisierenderen Werke, "Grand Declaration of War". So hört sich Sänger Attila Csihar teilweise wie sein Nachfolger bzw. Vorgänger Maniac an. Kritiker würden behaupten, das Ganze wäre ein absolutes Chaos und hätte keinen roten Faden. Doch ein roter Faden kann leider auch Einheitsbrei bedeuten. Mir ist Chaos lieber als absoluter Einheitsbrei, deswegen mag ich dieses Album. Ich mag die typische Mayhem-Elemente hierauf: Hellhammers Drumsound, der immer wieder an dieses Zwischenspiel aus "Freezing Moon" erinnert als auch den Wechsel zwischen Csihars Gesangsstilen. Und zwar mal finster-kreischend und mal theatralisch-dikatorisch (meine Eigenbezeichnung lol). Meiner Meinung nach klingt das Album nach all dem was, Mayhem in ihrer Karriere (dazu) gelernt haben. Bewusst überzogene Theatralik, Finsternis, Krach, schleppender Stil und Chaos. Rundum durchaus sehr gelungenes Album.

Anspieltipps: Aeon's End, Weep For Nothing, Ephemeral Eternity (mit Kristofer Rygg von Ulver)
8/10 Pfandflaschen



Mittwoch, 8. Juli 2026

Film der Woche#686: Near Dark (1987)

Habe irgendwann mal ein Poster zu dem Film gefunden und fand es so cool, dass ich mir gedacht habe, dass der Film bestimmt auch ganz geil sein muss. Ich lag nicht wirklich falsch.

"Near Dark" von 1987 erzählt die Geschichte eines Typen namens Caleb Colton (Adrian Pasdar). Der junge Cowboy lebt zusammen mit seinem Vater Loy (Tim Thomerson) und der jüngeren Schwester Sarah (Marcie Leeds). Eines Nachts ist er in der Nachbarstadt unterwegs und spricht eine sehr blass wirkende Frau an, die er attraktiv findet. Mae (Jenny Wright), wie die Frau heißt, und er verstehen sich ziemlich gut und verbringen wortwörtlich die Nacht miteinander. Die Zeit vergeht sehr schnell und aus irgendeinem Grund muss sie allerdings schnell nach Hause. Er vermutet, dass sie Angst hat, nach Hause zu kommen, weil es zuhause wohl Stress geben würde. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Mae ist Teil einer umherziehenden Gruppe von Vampiren, angeführt vom mehr als hundert Jahre alten Jesse Hooker (Lance Henriksen), der schon im Bürgerkrieg auf der Seite der Südstaaten gekämpft hat. Mae beißt Caleb, sodass er selbst zum Vampir wird. Zumindest entwickelt er einen Blutdurst, sieht sich aber nicht
in der Lage Menschen zu töten. Die Gruppe bewegt sich in Kneipen, auf Bundesstraßen und übernachtet sogar einmal in einem Bungalow. Tatsächlich ist aber die Polizei auf ihrer Spur, weil sie eine Kneipe überfallen und für mehrere Tote gesorgt haben. Für Caleb wird die Sache immer unangenehmer. Er hat Blutdurst und kann keine Sonne mehr vertragen. Vielleicht wird aus ihm kein guter Vampir? Dazu kommt noch, dass sein besorgter Vater nach ihm sucht. Wie erklärt er ihm die ganze Situation? Vielleicht war es doch keine so gute Idee mit einem Haufen Vampire um die Häuser zu ziehen?

"Near Dark" ist eine Mischung aus Vampir/Horrorfilm, Western und Roadmovie. Wir haben einen typischen showdown, nur dass man hier nur sporadisch einen Revolver benutzt und Pferde haben Angst vor einen. Also benutzt man einen LKW. Die Gruppe um Jesse Hooker besteht aus verschiedenartigen Vampiren. Einer von ihnen ist sogar noch ein Kind (dass selbstverständlich eigentlich auch sehr alt ist). Der unangenehmste und vom Aussehen her der coolste ist allerdings Severen (Bill Paxton). Sein Look ist einfach verdammt cool: Mittelkurze Haare, Lederjacke mit lauter Badges dran, Sonnenbrille, verschmiertes Gesicht. Erinnert mich irgendwie an den Vertigo-Comic "American Vampire". Also alles hier, der ganze Film, der ganze Stil, die Kulisse. Ein durchaus kurzweiliger, aber meines Erachtens ziemlich cooler Film, der natürlich keinen Blumentopf gewonnen hat.

8/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 7. Juli 2026

Comic Book Review#684: Rogue Trooper: Welcome to Nu-Earth (2013)

Alle Achtung: Ich habe die Abenteuer vom Rogue Trooper schon mal auf diesem Blog reviewt und zwar hier. Das ist schon mehr als zehn Jahre her. Diesmal habe ich, dank Kollegen M., die Gelegenheit gehabt die Original-Schwarz-Weiß-Comics als Reprints in einem Sammelband zu lesen. Es war ein großes Vergnügen. Es handelt sich hierbei um Comic-Strips die ursprünglich in den Jahren 1981-1983 rausgebracht wurden - in den Ausgaben 228 bis 317 (mit Unterbrechungen) des britischen Sci-Fi-Comic-Magazins "2000AD".


Wir befinden uns in einer weit entfernten Zukunft auf einem anderen Planeten. Die Menschheit hat nicht nur in den Weltraum expandiert sondern auch das größte Übel, was sie je erschaffen hat, mitgebracht. Kriege, Hass, Vernichtung. Der Planet, der im Volksmund "Nu-Earth" heißt ist das Paradebeispiel dafür. Er befindet sich in der Nähe eines schwarzen Lochs, welches als Portal benutzt werden kann um in alle möglichen Ecken des Universums zu gelangen. Ein sehr nützliches Tool also, um welches gekämpft wird. Auf Nu-Earth tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg zwischen dem faschistisch anmutenden Norden (genannt "Norts") und dem demokratischen Süden (genannt "Southers"). Die Kräfte im Süden entwickelten vor einiger Zeit die "Genetic Infantrymen" (abgekürzt G.I.s). Genetisch hochentwickelte, nahezu untersterbliche künstliche Lebewesen, deren Aufgabe es war für den Süden zu kämpfen. Die G.I.s können in jeglicher giftigen Atmosphäre kämpfen und sind quasi unzerstörbar. Passiert es doch, dass einer von ihnen stirbt, wird sein Bewusstsein auf ein Chip transplantiert, bis ein neuer Körper erschaffen wird. Da der Planet wegen des Kriegs durch chemische Gase verseucht ist, ist das Leben dort nur in bestimmten hermetisch abgeriegelten Siedlungen möglich. Der letzte G.I., Codename Rogue ist unterwegs mit drei Biochips von seinen verstorbenen Kameraden. Diese sind in seinen Helm ("Helm"), sein Gewehr ("Gunnar") und seinen technisch hochentwickelten Rücksack ("Bagman") implantiert. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach einem Verräter, der einst die südliche Armee hintergangen hat. Es kam zu einem Überraschungsangriff der nördlichen Armee, bei welcher bis auf ihn alle G.I.s vernichtet wurden. Keiner konnte den Standpunkt der Southers wissen, daher muss es einen Verräter gegeben haben. Auf ihrer Reise durch den Planeten begegnen der letzte G.I. und seine implantierten Kameraden allerlei illustre Gestalten und müssen immer wieder gegen die "Norts" kämpfen. Sie treffen auf verschiedene Arten von Menschen: Siedlungen von friedlichen Menschen, die jegliche Kämpfe aufgegeben haben, Karavanen von Geflüchteten als auch Scavenger die sich durch den Krieg bereichern.

Ein sehr interessantes Format, vor allem wenn man die Möglichkeit hat alles in einem Band zu lesen. Die ursprünglichen Comic-Strips sind vielleicht mal 3-4 Seiten lang. Man musste damals immer eine Woche auf die Fortsetzung warten. Hier hat man alles auf einem Schlag. Das ist vor allem von Vorteil wenn man nicht immer die Konzentration dafür hat, sich eine längere Story zu geben. So ist ein Kapitel nach 3-4 Seiten vorbei und man kann eine Pause machen. Es ist ein optimales Format für diejenigen unter uns, die kaum Zeit zum Lesen finden und das Hobby auf Bahnfahrten oder Wartezeiten beim Arzt reduzieren müssen. Mir gefallen außerdem die historischen Anspielungen: Amerikanischer Bürgerkrieg, Vietnamkrieg, der damals sehr aktuelle Kalte Krieg und die atomare Bedrohung. Mir gefallen die drei unterschiedlichen jedoch relativ ähnlichen Stile von Dave Gibbons, Cam Kennedy und Colin Wilson. Alles wirkt halbwegs realistisch, trist und wirklich sehr gritty. Dabei ist die Hintergrundgestaltung allerdings manchmal nicht sehr detailliert sodass man den Eindruck bekommt, man würde in einem Theaterstück sitzen. Ein wirklich sehr lesens- und sehenswertes Spektakel, das Ganze.

8,5/10 Pfandflaschen
Made by: Gerry Finley-Day, Dave Gibbons, Cam Kennedy
Hier ein Preview zu einem Audiobook:


Montag, 6. Juli 2026

Album der Woche#688: Bomfunk MC's - In Stereo (1999)

Ich erinnere mich noch sehr gut. Ein Kindheitsfreund von mir, nennen wir ihn D., war damals absolut begeistert von dem "In Stereo"-Tape dass er hatte. Außerdem war er ein großer Freund von Breakdancing. Mittlerweile hat er in einer Metalband gespielt und hoffentlich spielt er noch in seiner Punkband. Ich grüße dich, wo auch immer du grade sein magst.

"In Stereo" ist das Debütalbum von Bomfunk MC's (diesen Apostroph habe ich nie verstanden), eines Hip-Hop-Duos aus Turku, Finnland. Sicherlich sind einige Songs von hier nicht unbekannt. Allen voran "Freestyler", "B-Boys & Fly Girls" oder "Sky's the Limit". Über den letztgenannten haben wir uns in der Grundschule ordentlich lustig gemacht. Der Typ der den Refrain singt ist Kärtsy Hattake von der

finnischen Rockband Waltari. Er klingt als hätte man ihn irgendwie dazu gezwungen. Aber genug davon. "In Stereo" ist ein gekonnter Mix aus Breakbeat, Techno, Drum and Bass und Hip-Hop. Reimtechnisch orientiert sich B.O.W. (Brother of Words aka Raymond Ebanks) an 1980er Hip-Hop, dessen Hörer auf Pappe (nicht das was ihr denkt) gebreakdanced haben. Die Reime sind simpel und durchaus generisch. Es geht die ganze zeit um "rock rocking the spot", "the mic I will rock" oder "rock the microphone" als auch andere Formen der Selbstdarstellung. Tatsächlich geht es aber auch um die Musik. So wird diese in den lyrics als "funky flow" der einen die Kontrolle verlieren lässt dargestellt. Ich glaube, dass Bomfunk MC's die einzige Gruppe sind die in einem Song sowohl sich selbst als auch den Albumtitel erwähnen. So heißt es in "In Stereo": "It really makes me lose controlBomfunk MC's in stereo".

Das Album ist ein durchaus wilder Mix aus schamloser Selbstdarstellung, sich ständig wiederholenden Lyrics und großartigen Musikgenres. DJ Gizmo macht wirklich höllisch gute Arbeit und macht B.O.W.s teils echt cringige Lyrics durchaus genießbar. Es ist ein Produkt seiner Zeit als man sich für so gut wie gar nichts geschämt hat. Man muss es so betrachten: Kaum jemand hat die Lyrics von "Freestyler" wirklich verstanden und es war auch gut so. Und selbst wenn man sie sich heutzutage durchliest und versteht, dass es tatsächlich ums "Freestylen" geht und darum dass man ein krasser Lyricist ist müsste man doch eigentlich innehalten und denken "ach...ist doch egal, rakamakafon". Es ist nicht alles gold hierauf. Einige Songs sind wirklich fürchterlich kringelig. Aber die Beats machen es wieder wett. Und selbst wenn es kringelig ist, ich hatte wirklich sehr viel Spaß beim Hören. Vor allem weil es für mich insgesamt doch ein Novum ist. Bis auf die oben erwähnten Tracks kannte ich hiervon nämlich gar nichts.

Anspieltipps: Freestyler, B-Boy's & Fly Girls, Rocking Just To Make You Move
7/10 Pfandflaschen


Sonntag, 5. Juli 2026

Film der Woche#685: Meshes of the Afternoon (1943)

Wichtige Info zuerst:
Es gab nach der Blogpause im April einen kleinen organisatorischen Fehler. Aus Versehen habe ich die Pause eine Woche länger durchgezogen. Somit ist das "Album der Woche", "Comic Book Review" und "Film der Woche" die in der ersten Maiwoche erscheinen sollten, erst eine Woche später erschienen. Logischerweise hat sich dann alles verschoben. Damit ich nicht Anfang Oktober (den Halloween-Monat SHOCKTOBER wohlgemerkt) nicht immer noch "normalen" September-Content veröffentliche, habe ich beschlossen diesen Fehler JETZT auszubügeln. Und zwar erscheinen in der Woche vom 29.06.-05.07.2026 ganze zwei "Alben der Woche", zwei "Comic Book Reviews" und zwei "Filme der Woche". Das hier ist der zweite "Film der Woche". Here we go:

Ich weiß nicht genau, wie ich auf diesen Film kam. Kann gut sein, dass ich eine Aufnahme von einer mysteriösen Gestalt mit einem Spiegel als Gesicht irgendwo in irgendeinem Social-Media-Posting gesehen habe und das mein Interesse geweckt hat. Bei der Sichtung fiel mir ein, dass jemand aus meinem Verwandtenkreis etwas Ähnliches in seinem Leben schon mal gesehen hat - und sich nicht sicher war ob es ein Traum, eine Halluzination oder Realität gewesen ist. Kann gut sein, dass die besagte Person einfach nur diesen Film gesehen hat. I don't know.


Ein Werk des Regisseurs Alexander Hackenschmied und der Regisseurin Maya Deren, rausgekommen im Jahre 1943. Zählt bis heute als eines der inspirierendsten Werke des Experimental/Avantgarde-Films unter anderem für solche Größen des Filmgenres wie David Lynch. Ich sehe hier ganz eindeutig Elemente des Lynchismus. Die beiden spielen hier auch die Hauptrollen, die keine zugeordneten Namen haben außer "Mann" und "Frau". Tatsächlich waren Deren und Hackenschmied auch verheiratet und die Tatsache, dass Deren alleine die Hauptverantwortung für das Werk zugeschrieben wurde hat die Ehe stark belastet. Der Film ist komplett stumm, es existiert allerdings auch eine Version aus dem Jahre 1959 die mit Musik des Komponisten Teiji Ito unterlegt ist. Genau diese habe ich gesehen und war tatsächlich leicht fasziniert. Mir gefällt die wackelige Kameraführung sehr als auch die dauernde Wiederholung von Sequenzen, die einem das Gefühl nahe legt, dass es sich hier tatsächlich um einen verfilmten Traum handelt bzw. dass man selbst im Traum von jemand anders zu Gast ist. Mir gefallen auch die verschiedenen Methoden die hier angewendet werden: Split Screening, Slow Motion. Der Traum gibt einen den Eindruck als ob die darin dargestellte Träumerin nicht weiß wo sie ist, wo sie hingehört und auf der Suche nach etwas oder jemanden ist der ihr aus ihrer Situation raus helfen kann. Allerdings gelangt sie immer wieder auf eine unsichtbare Grenze, die sie immer wieder in eine "Wiederholung" schickt. So trifft sie sich selbst wieder und das nicht nur ein oder zwei mal. Es ist eine Art visuelle Darstellung von einem beklemmenden Gefühl, einer Depression. Der wiederholte Versuch, einen Ausweg zu finden, der immer wieder scheitert und man dabei jedes mal aufs neue sich selbst begegnen muss. 

Ich habe die Handlung hier schon quasi beschrieben, also mache ich das nicht noch mal. Deswegen: Entschuldigt, falls es kein 08/15 Review mit Einleitung/Handlung/Fazit ist. Ich dachte mir mal, ich schreibe fix das auf, was ich über den Film so denke. 

9/10 Pfandflaschen
Trailer:




Samstag, 4. Juli 2026

Comic Book Review#683: Judge Dredd: Luna-1 (2015)

Wichtige Info zuerst:
Es gab nach der Blogpause im April einen kleinen organisatorischen Fehler. Aus Versehen habe ich die Pause eine Woche länger durchgezogen. Somit ist das "Album der Woche", "Comic Book Review" und "Film der Woche" die in der ersten Maiwoche erscheinen sollten, erst eine Woche später erschienen. Logischerweise hat sich dann alles verschoben. Damit ich nicht Anfang Oktober (den Halloween-Monat SHOCKTOBER wohlgemerkt) nicht immer noch "normalen" September-Content veröffentliche, habe ich beschlossen diesen Fehler JETZT auszubügeln. Und zwar erscheinen in der Woche vom 29.06.-05.07.2026 ganze zwei "Alben der Woche", zwei "Comic Book Reviews" und zwei "Filme der Woche". Das hier ist das zweite "Comic Book Review". Here we go:

Eine weitere Leihgabe vom Kollegen M. Danke dafür. Diesmal wurden die Stories ursprünglich in den Ausgaben 42-58 des britischen Comic-Magazins "2000AD" veröffentlicht. Tatsächlich ist mir mittendrin aufgefallen, dass ich sie schon mal gelesen habe. Ich darf nämlich die erste Ausgabe von "Judge Dredd: The Complete Case Files" mein Eigen nennen. Darin sind die Comics aus den "2000AD"-Ausgaben 2 bis 60 enthalten. Allerdings finde ich, dass man das hier durchaus besprechen darf weil ich es zuvor nur grob angerissen habe.

In der Ausgabe 42 kriegt Judge Joe Dredd mitgeteilt, dass er für ein halbes Jahr woanders gebraucht wird. So verfrachtet man ihm auf die menschliche Kolonie auf dem Mond. Dort darf er ein halbes Jahr lang den Marshall spielen und für Zucht, Ordnung und Gesetz sorgen. Sein treuer Diener, der Roboter Walter (der mit dem Sprachfehler, er kann kein "R" aussprechen) schleicht sich in eines seiner Koffer

und kommt auf diese Weise auch mit, obwohl Dredd es ihm untersagt hat. Was den Cop aus Megacity One hier nun erwartet, ist nicht viel anders als auf der Erde. Eine korrupte Organisation, die gefühlt die Hälfte aller unternehmen hier verschluckt. Man treibt einen Mitarbeiter dermaßen in den Wahnsinn, dass er Amok läuft. Doch JD erschießt ihn nicht, sondern nur so leicht ins Bein weißte, damit er verhaftet werden kann. Grund: Der Sohn des Amokläufers sieht zu und macht sich sorgen. Viel wichtiger als das, als auch irgendwelche Banküberfalle die von Leuten begangen werden, deren Gesichter mithilfe einer Maschine verändert werden können ist die Story der Mond-Olympiade. Mehrere Länder nehmen teil, darunter auch die Sowjetunion bzw. die "Soviet Cities", wie man sie in der Zukunft nennen wird. Es gibt einen Anschlag auf einen sowjetischen Sportler, sodass die Sowjetunion einen Krieg erklärt. Zum Glück werden Kriege in der Zukunft nur noch in Kleinstgruppen von 4 Männern geführt und von der Öffentlichkeit als eine Art Sport betrachtet. Genau das schmeckt Judge Dredd aber nicht. Menschen sind wegen nichts und wieder nichts drauf gegangen und man sieht das als Amusement. Kein Wunder, dass er dem "Sportkommentator" das Mikrofon in die Fresse stopft.

Es ist ein interessantes Kapitel. Eins dass eine Gesellschaft beleuchtet, die noch mal ein kleines Bisschen bekloppter ist als die auf der Erde in den Mega Cities. Weil mehr Korruption und weniger Schwerkraft. Es ist keine einheitliche Story sondern mehrere voneinander unabhängige Kapitel, die allesamt zu der Zeit spielen als Judge Dredd Marshall der Mondkolonie wurde. Durchaus witzig, over the top und höllisch gut gezeichnet. Vor allem von Brian Bolland und Ian Gibson. Die Sachen von Mick McMahon gefallen mir etwas weniger. Geschrieben wurde alles von Schöpfer John Wagner. Mir hat es schon enormen Spaß gemacht, allerdings bevorzuge ich die Stories die wie ein riesiger Fortsetzungsroman sind.

7/10 Pfandflaschen
Hier ein Review von wyrmberg malcolm zu den Complete Case Files#1:


Freitag, 3. Juli 2026

Album der Woche#687: Дельфин - Не в фокусе (1997)

Wichtige Info zuerst:
Es gab nach der Blogpause im April einen kleinen organisatorischen Fehler. Aus Versehen habe ich die Pause eine Woche länger durchgezogen. Somit ist das "Album der Woche", "Comic Book Review" und "Film der Woche" die in der ersten Maiwoche erscheinen sollten, erst eine Woche später erschienen. Logischerweise hat sich dann alles verschoben. Damit ich nicht Anfang Oktober (den Halloween-Monat SHOCKTOBER wohlgemerkt) nicht immer noch "normalen" September-Content veröffentliche, habe ich beschlossen diesen Fehler JETZT auszubügeln. Und zwar erscheinen in der Woche vom 29.06.-05.07.2026 ganze zwei "Alben der Woche", zwei "Comic Book Reviews" und zwei "Filme der Woche". Das hier ist das zweite "Album der Woche". Here we go:

Um es in lateinischen Buchstaben auszudrücken: Das Album heißt "Ne w fokuse" also "Nicht im Fokus". Es ist das erste Solo-Album des russischen Künstlers Andrey Lysykov aka Delfin. Oder Dolphin, um es auf Englisch auszudrücken. Lysykov war ursprünglich Breakdancer (und Matrjoschka-Verkäufer) auf dem berühmten Arbat in Moskau und gleichzeitig auch Mitglied und Hauptsongwriter der Alternative Rock Band "Dubovyi Gaaj" (auf Deutsch "Eichenlaub), die schon Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger Rap-Elemente in ihre Songs eingebracht hat. Doch das Projekt wurde unterbrochen, weil...Lysykov Mitglied in einer Boyband wurde. Diese hieß "Maltschischnik" ("Junggesellenabschied"). Er selbst war auch da Hauptsongwriter und hat radikal die musikalische Ausrichtung verändert. So wurde aus einer Boyband eine provokative Rapcrew mit anstößigen, sexuell anrüchigen Lyrics. Der Song "Sex Non-Stop" war eine gewollte, stumpfe Provokation. Die Öffentlichkeit war schockiert und die Aufmerksamkeit war da. Ursprünglich sollte "Ne w fokuse" ein weiteres Album der Gruppe werden. Allerdings sind die beiden anderen Mitglieder, Mutabor und Den, eher selten im Studio aufgetaucht und überhaupt war man am Ende der Meinung, dass die Band sowieso hin ist. So hat Delfin das meiste aufgenommen und der Rest wurde verworfen. Auf diese Art entstand sein erstes Solo-Album.

Es handelt sich um ein Hip-Hop-Album mit Elementen von Trip-Hop. Der Titel ist eine Anspielung auf die Tatsache, dass Menschen die Drogen konsumieren sich nicht "im Fokus" befinden. Ihre Aufmerksamkeit gilt anderen Dingen, sie sind geistig nicht wirklich da. Der Opener des Albums, "Diler" ("Dealer") zeigt alles aus der Perspektive eines Drogendealers. Es heißt, zusammengefasst: "Oh ja, ich bin ein fieser Typ, doch ich kann mir das erlauben (...) du wirst mir all dein Geld geben und mich

angucken, als wäre ich so ein Arschloch (...)". Oder im Grunde: Ich bin schlecht für dich, doch du wirst immer wieder kommen und du kannst nicht anders. "Wojna" ("Krieg") handelt von einem inneren Krieg gegen sich selbst. "Delfin" ist eine Art Metapher auf Lysykovs Leben und erzählt eigentlich die Story vom Leben des letzten Delfins in einem Ozean. "Ja lyublyu ljudej" ("Ich liebe Menschen") ist ein Disstrack gegen all diese Leute die "einen in einer merkwürdiger Weise Danke sagen" bzw. "viel zu viel von sich selbst halten". Der Song ist voll mit Beleidigungen und als dieser das erste Mal live performt wurde, war ein Fernsehsender dermaßen schockiert, dass er viel zu spät die Übertragung abgebrochen hat. 

"Ne w fokuse" bietet typischen Hardcore Rap der in den 1990ern in Russland populär war. Allerdings ohne jegliche Poserscheiße oder "Gangster"-Getue. Viel eher beschäftigt sich Lysykov mit persönlichen Geschichten die er mal mehr mal weniger direkt verwurstet. Die Beats sind mal trip-hop-chillig mal "rock"-artig bzw. gitarrenlastig. Entweder rappt er ebenfalls auf eine entspannte, fast schon apathische Art oder allerdings auf eine passiv-aggressive. Man merkt ganz eindeutig, dass das Album beinahe in Eigenregie entstanden ist und er einfach das gemacht hat, worauf er Lust hatte. Bis heute ist Delfin zwar ein anerkannter Künstler, allerdings kein Teil irgendeiner russischen "Künstler-Elite". Das heißt, dass er bis jetzt keine direkten, eindeutigen Worte über den Angriff Russlands auf die Ukraine gefunden hat. Zwischen den Zeilen, in früheren Interviews, merkt man aber eindeutig dass er gegen eine Militarisierung der russischen Gesellschaft ist. Ein wirklich herausragendes Lo-Fi-Album, dass trotzdem höllisch gut produziert klingt. 

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Ja lyublyu lyudej, Diler, Vera, Wojna


Donnerstag, 2. Juli 2026

Mittwoch, 1. Juli 2026

Film der Woche#684: L’Année dernière à Marienbad (1961)

In Deutschland bekannt als "Letztes Jahr im Marienbad", wobei der Film nicht in Marienbad (damals Tschechoslowakei) gedreht wurde sondern in Deutschland. Der Film ist ein Versuch des Regisseur Alain Resnais einen Film nach dem Schema Nouveau Roman zu drehen. Also, der Film ist keine Verfilmung eines Buches sondern ein eigenständiges Werk mit eigenständigen Drehbuch. Allerdings ist dieses Drehbuch wie ein Nouveau Roman geschrieben.

Die Handlung spielt sich in einem Grand Hotel ab. Wo genau, in welchem Land, das wird nicht wirklich klar gestellt. Zunächst mal kriegen wir mit wie ein Mann genaustens beschreibt, wie er schon oft durch die barocken Räume des Hotels gegangen ist. Das Ganze mündet in einem Theaterstück dass von

Hotelgästen angesehen wird. Darin versucht ein Mann eine Frau zu überzeugen, mit ihm mitzugehen und ein neues Leben anzufangen. Tatsächlich fokussiert sich die Handlung daraufhin auf ein ähnliches Szenario. Ein Mann (Giorgio Albertazzi) versucht eine Frau (Delphine Seyrig) zu überzeugen, dass sie sich letztes Jahr in diesem Hotel getroffen haben. Außerdem soll er sie überredet haben, ihren Partner zu verlassen und mit ihm ein neues Leben anzufangen. Sie hat ihm das versprochen. Doch sie kann sich absolut nicht daran erinnern oder hat es komplett verdrängt. Vielleicht war es auch ein harmloser Flirt und sie bereut ihr Verhalten - möchte das aber nicht zugeben. Immer wieder fordert der Typ den Partner der Frau zu einem Nim-Spiel heraus.

Es ist nicht klar, was von der Handlung tatsächlich Vergangenheit oder Gegenwart ist, was in einer Fantasie und was in der Realität stattfindet. Insgesamt wirkt der Film auf mich wie eine Umsetzung eines Versuchs von Gaslighting bzw. eines aufdränglichen Typen eine Frau "zu verführen". Alles in allem eine sehr kryptische Angelegenheit, gefüllt mit seltsamen Dialogen, die die Schauspieler erscheinen lassen als wären sie in einem Traum. Generell bewegen sich diese ganzen Figuren auch so. Es fiel mir im Grunde genommen schwer, mich in diesem Film einzufinden. Ein durchaus merkwürdiges Erlebnis. Ich mochte allerdings die Kulissen und die Aufnahmen der einzelnen Orte. Das war wirklich sehr gut. Da ich nicht komplett durchgestiegen bin und den Film aber nicht schlecht fand, entziehe ich mich dieses eine Mal der Bewertung.

Keine Bewertung 

Trailer: