Montag, 22. Juni 2026

Album der Woche#685: Screaming Trees - Dust (1996)

Ich bin auf dieses Album nur aufmerksam geworden, weil Philipp es ganz kurz mal eingestreut hat. Es ist das letzte Album der Screaming Trees, deren Sänger Mark Lanegan wohl auch aufgrund seiner Solokarriere nicht unbekannt ist. Alles was danach kam waren irgendwelche Best-Ofs und Compilations. Laut Musikmedien das bis dahin beste Album der Band - und wie schon gesagt, das letzte bevor sie sich im Jahre 2000 offiziell aufgelöst haben.


ST stammten aus Washington - dem Bundesstaat, nicht der Hauptstadt. Also könnte man sie ganz gut in Verbindung bringen mit all diesen Bands in Holzfällerhemden die über fürchterliche Teenage Angst, Suizid-Gedanken und das Gewicht der Welt auf den eigenen Schultern singen. Doch die 1986 gegründeten Screaming Trees haben zwar auch Grunge gemacht, der Fokus lag aber auch auf anderen Subgenres. Garage Rock, Psychedelic Rock und irgendwas was man irgendwie in den 1990ern als Alternative verbuchen könnte. "Dust" hat nichts von yarlenden Gesang, keine schreddernden Gitarren, kein Garage/Punk Rock Feeling. Wir bewegen uns irgendwo zwischen Lagerfeuer-Romantik, Winterdepression und der Hoffnung auf einen neuen Morgen. So klingt es für mich zumindest.

Man versucht äußerst vielfältig zu klingen und es funktioniert. Psychedelische Gitarren, eindringlicher cleaner Gesang der einen glauben lässt, er würde in eigenen Kopf entstehen. Die Auswahl an Schlagzeug bzw. Trommelinstrumenten ist äußerst vielfältig: Conga und Djembe. Es gibt eine Sitar zu hören als auch einen Cello. Ich mag Streicher tatsächlich sehr gerne und begrüße hiermit ihren Einsatz. Screaming Trees klingen als hätten sie all den 1970er Hard Rock und 1960er Psychedelia konsumiert und beschlossen alles in einem moderneren Gewand aufzunehmen. Hätte ich ein Auto und würde auf einer menschen/autoleeren Autobahn fahren, dann würde ich das wahrscheinlich hören.

Anspieltipps: Gospel Plow, Traveler, Halo Of Ashes

8,5/10 Pfandflaschen


Freitag, 19. Juni 2026

My Favorite TV-Show: The Boys

Allrighty then. Kaum habe ich im Juni die letzte Folge der fünften (und somit finalen) Staffel verschlungen, geht es hier eins Eingemachte und äh ja, hier kommt ein Review. Falls ihr die Comics noch nie gelesen habt, so empfehle ich euch die Reviews dazu: Und zwar hier (#1), hier (19-22), hier (Herogasm: 1-6),  hier  (52-56 & 72), hier (Dear Becky: 1-8), hier (Highland Laddie: 1-6). Ich meine bei der jetzigen Auflistung nichts vergessen zu haben. 

Jedenfalls: Im Grunde genommen brauche ich die Serie nicht beschreiben, schließlich habe ich ja die Comics reviewt. Allerdings ist sie eine ganze Ecke anders als ihre Vorlage. Hughie Campbell Jr. (Jack Quaid) sieht in den Comics Schauspieler Simon Pegg sehr ähnlich - allerdings wäre er für die Serie bzw. für den Character zu alt gewesen. Daher spielt Pegg Hughies Vater. Hughie selbst ist hier ein

stinknormaler Verkäufer von Fernsehern und anderen Home Media. Eines Tages wird seine Freundin Robin Ward (Jess Salguiero) umgebracht. Ein Superheld namens A-Train aka Reggie Franklin (Jessie Usher) rennt durch sie durch. Der Speedster war offenbar in Eile und hat sie einfach übersehen. Hughie ist am Boden zerstört. Die multinationale Firma Vought die hinter dem Marketing der Superhelden steckt bietet ihm eine Wiedergutmachung in Form eines Schmerzensgeldes an. Doch kein Geld der Welt kann seinen Schmerz heilen. A-Train ist Teil der "Seven", einer Gruppe von Superhelden angeführt von Homelander (Anthony Star), eine Art narzisstischen Superman-Verschnitt. In dieser Welt existieren Superhelden zwar, allerdings ist es für die Öffentlichkeit nur Schein. Sie "retten" Menschen in Not, scheißen dabei auf jegliche Sicherheitsvorkehrungen oder sind teilweise einfach nicht vorsichtig genug. Einige von ihnen pflegen rassistische und sexistische Einstellungen, sind korrupt und selbstverliebt. Sie treten in Filmen auf, nehmen an PR-Kampagnen für Produkte Teil und schützen Menschen in Kriegsgebieten, irgendwie. Der Fall Hughies ruft William Butcher (Karl Urban) auf den Plan. Dieser glaubt, dass Homelander seine Ehefrau Becca vergewaltigt und umgebracht hat. So rekrutiert Butcher Hughie und dieser wird Teil der "The Boys". Dabei handelt es sich um eine geheime Gruppe, die zunächst von der CIA finanziert wird. Dazu gehören noch: Marvin "Mother's Milk" Milk (Laz Alonso) und Frenchie (Tomer Capone). Später im Laufe der Serie befreien sie die mit Superkräften ausgestattete Kimiko (Karen Fukuhara). Die Aufgabe der "The Boys" ist zunächst den Superhelden das Leben schwer zu machen, "auf die Finger zu klopfen", "zur Strecke bringen" doch nach und nach wird die Aufgabe immer größer. Die Superhelden müssen weg. In einem weiteren Story-Strang lernen wir Annie "Starlight" January (Erin Moriarty) kennen, die neuestes Mitglied der Seven wird und nach und nach einsehen muss, wie korrupt die Superheldenwelt tatsächlich ist.

Während Garth Ennis' und Darick Robertsons Comic-Reihe zwar einige sozialkritische bzw. verzerrte historische Elemente gebracht hat war sie vor allem eins: stürmisch, ekelhaft und voll mit Sex und Gore. Die Streaming-Serie hingegen zieht den Gore-Regler auf mindestens 9 und zeigt gleichzeitig eine verzerrte Version unserer Realität. Als erstes fallen mir die Manipulation der Menschen durch soziale Medien, die Jagd nach Clicks und Clout, fehlende Empathie für miteinander und eine Verschiebung der Narrative von "nicht sagbar" zu "komplett akzeptiert". Einige würden Homelander als die hiesige Version von Donald Trump betrachten. Einen machthungrigen Narzissten mit Minderwertigkeitskomplexen, der Menschenleben für weniger wert als Müll betrachtet. Während in den Comics die "Supes" noch zu 100% (bis auf Ausnahme von Annie) als feindlich eingestuft wurden, kriegt man in der Serie doch irgendwann Skrupel "sie alle auszurotten". Es ist keine 1:1-Umsetzung des Comics. Bis zu einem gewissen Punkt schon, allerdings betrachte ich sie schon eher als "freie Umsetzung" der Dinge. Es scheint mir fast schon so, als hätte man sich gedacht: "Wir haben eher weniger Bock auf 24/7 Ekligkeiten a lá Garth Ennis und machen etwas eigenes daraus". Und es funktioniert sehr gut. Klar, es gibt einige Hänger und insbesondere zwischen der vierten und der fünften Staffel kriegt man den leichten Eindruck, man würde die Serie künstlich am Leben erhalten wollen. Trotzdem ist "The Boys" super genießbar, wenn man auf künstliche Gewalt, Gore und Sexjokes steht - allerdings auch auf "Black Mirror"-eskes Spiegeln der Gesellschaft in welcher wir Leben. Für all diejenigen, die sich am Serienfinale gestört haben: Ich habe es genossen, weil es genau das war, was ich erwartet habe. Und ihr solltet etwas mehr von der Vorlage lesen. 



Mittwoch, 17. Juni 2026

Film der Woche#682: Pee-Wee's Big Adventure (1985)

Zu diesem Film habe ich so einiges zu sagen. Tatsächlich habe ich ihn in einer etwas weiter entfernten Vergangenheit 2 mal (oder so) gesehen. Leider war ich dabei entweder so dermaßen besoffen oder müde sodass ich gegen Ende eingeschlafen bin und nie das Ende mitbekommen habe. Oder ich habe das Ende einfach vergessen. Egal. Das hier ist der erste Full Length Film von Tim Burton. Basierend auf einer Kindersendung namens "Pee-Wee's Playhouse" (bei welcher Rob Zombie als Production Assistant gearbeitet hat). Die Hauptfigur dieser Sendung war ein Typ namens Pee-Wee Herman (gespielt von Paul Rubens). 


Genau um diese Figur (oh Wunder) dreht sich auch dieser Film. Pee-Wee Herman ist ein kindischer, sonderbarer Mann der in einem Haus voller seltsamer Dinge und Gerätschaften wohnt - zusammen mit seinem Hund Speck. Sein bestes und teuerstes Gut ist sein wunderschönes, hochmodernes und mit lauter Gadgets ausgestattetes Fahrrad. Sein Nachbar, der hochnäsige reiche Bengel Francis (Mark Holton aus Leprechaun) möchte es ihn unbedingt abkaufen. Doch Pee-Wee hält dagegen. Nachdem Pee-Wee einen Gadget-Laden besucht hat (und das Fahrrad währenddessen sorgfältig angekettet hat) verschwindet das Gefährt. Es ist offensichtlich, dass Francis es gestohlen hat. Nachdem eine Vermisstenanzeige mit Finderlohn nichts bringt begibt er sich zu einer äußerst professionellen Wahrsagerin die ihm offenbart, dass das Fahrrad sich äh in Alamo, Texas befindet. So macht sich der sonderbare kindliche Mann auf nach Texas um endlich sein Fahrrad zu finden. Es soll angeblich dort im Keller sein. Jedenfalls trifft er jede Menge merkwürdige Gestalten auf seiner Reise. Einen entkommenen Strägling, einen Obdachlosen, eine untote LKW-Fahrerin und eine Gruppe Biker. Es ist lustig.

Ja, es ist wirklich lustig. Auch wenn einige von euch meinen würden, das hier wäre schon ziemlich viel Uncanny Valley und überhaupt ziemlich gruselig. Ich verstehe das. Es ist absolut out of place wie alles stattfindet. Die Grimassen, die Stimmen, die absolut merkwürdigen Charaktere so wie auch die Dynamik der Handlung. Man weiß einfach nicht, was als nächstes passiert und fühlt sich einfach vorm Kopf gestoßen. Zurecht. Das ist, glaube ich, auch das Ziel des Films. Die Handlung ist auf mehreren Ebenen absurd: Man weiß nicht was als nächstes passiert. Die Verhaltensweisen der Charaktere sind over-the-top. Alles ist in grellen Farben gehalten. Nach mehr als vierzig Jahren wirklich null an Qualität eingebüßt. Ich liebe diesen Film. Eben weil er so grenzdebil und behämmert ist. 

9,75/10 Pfandflaschen
Trailer: 


Dienstag, 16. Juni 2026

Comic Book Review#680: Godzilla vs. The Mighty Morphin Power Rangers#1-5 (2022)

Kaum ist diese Sache mit DC und Godzilla als auch Marvel und Godzilla vorbei geht es hier auf dem Blog weiter mit dem King of the Monsters als Gast in anderen Comic-Reihen. Diesmal sind wir bei einer Zusammenarbeit zwischen Boom! Studios, IDW Publishing und Toho Co. angelangt.


Der grüne Ranger Tommy (ja, genau der) ist unterwegs in geheimer Mission. Zordon hat ihn beauftragt, die böse Hexe Rita Repulsa auszuspionieren. Gemeinsam mit ihren Schergen Scorpina, Goldar und Finster hat sie einen geheimen Tempel aufgesucht der seit tausenden von Jahren von Mönchen beschützt wurde. Darin findet sie eine Art multidimensionalen Artefakt, der in der Lage ist, sie von Dimension zu Dimension zu teleportieren. Genau das geschieht und weil Tommy das verhindern möchte, wird er unfreiwillig mit auf die Reise genommen. Rita und die anderen tauchen auf einer anderen Erde auf. Dort ist die Stadt Angel Grove komplett zerstört und zwei riesige Monster kämpfen gegeneinander: Godzilla und Megalon. Es stellt sich heraus, dass Godzilla irgendwie der Beschützer dieser Erde ist und Außerirdische vom Planeten X (die Xilians) immer wieder Monster auf die Erde bringen um gegen ihn zu kämpfen. Ihr Ziel ist die Erde komplett zu zerstören und am Ende ihre Ressourcen zu stehlen. Doch bis jetzt hat das nicht so funktioniert. Ritas Crew tut sich mit ihnen zusammen und schon bald tauchen auch die übrigen Rangers auf: Trini (gelb), Zack (schwarz), Jason (rot), Kimberly (pink) und Billy (blau). So kommt es zu spektakulären Kämpfen. Erst zwischen den Rangers und Godzilla, anschließend aber zwischen Godzilla und den Rangers und herbei teleportierten Monstern wie Gigan und am Ende auch King Ghidorah. Zwischendurch ruft Rita allerdings ihre Monster auf den Plan: zum Beispiel Eye-Guy und Rhinoblaster.

Ich dachte erst, das wird interessant. Dann wurde es einfach vollkommen bonkers. Dann wurds wieder interessant. Ein typisches multi-franchise Höllen-Inferno in welchen alle auf einander treffen und sich gegenseitig in die Fresse hauen. Untypische Allianzen werden geschmiedet und wieder gebrochen. Monsterkloppe. Monsterkloppe. Kann mich noch erinnern, dass "Justice League vs. Godzilla vs. Kong" schon ordentlich googoogaga war, aber das hier ist vollkommen off the hook. Ich glaube, dass ich alle fünf Ausgaben in einer Dreiviertelstunde gelesen habe. Cullen Bunn hat mal Deadpool Stories geschrieben, die ich tatsächlich echt geil fand. Das hier wirkt wie ein Kinderspiel für ihn, weil es so super einfach ist. Freddie E. Williams II hat schon mal die Turtles (und Batman!) gezeichnet, sein Stil sticht besonders durch dieses typische "shit happening all over the place" raus. Ein tatsächlich sehr spaßiges, wenn auch ziemlich kurzweiliges Werk.

Made by: Cullen Bunn, Freddie E. Williams II
6/10 Pfandflaschen
Video von Unknown Kaijuverse:


Montag, 15. Juni 2026

Album der Woche#684: Ляпис Трубецкой - Рабкор (2012)

Ich erinnere mich noch ganz gut an Ljapis Trubezkoi. Die Band benannte sich nach einem Character aus dem Roman "12 Stühle" (von Ilja Iljif und Jewgeni Petrow). In den 1990ern und Anfang der 2000er war sie sehr populär in ihrer Heimat Belarus, Ukraine, Russland und anderen Ländern der GUS. 


Besonders ins Auge bzw. Ohr ist mir damals der Song "Au" aufgefallen. Es war eine Coverversion eines nicht unbekannten sowjetischen, russischsprachigen Schlagers, wenn ich mich recht entsinne. Im Video dazu wurden lustig wirkende Effekte eingesetzt und insgesamt machte die Band auf mich den Anschein als würde sie generell witzig sein wollen. Erinnere mich auch nur grob an ein paar andere Songs die auf MTV Russia liefen. Irgendwie war alles sehr humoristisch angehaucht. Nachdem ich schon Ewigkeiten nicht mehr in Russland war und auch nur die paar wenigen Bands aus meiner Kindheit weiter gehört habe, bin ich vor ein paar Jahren wieder auf "Ljapis" gestoßen. Und zwar auf das Video zu "Schelesnyj" (aus Stahl gemacht). Darin war die ganze Band in einer tristen Lagerhalle zu sehen. Sänger Sergej Michalok ist plötzlich nicht mehr der etwas dicke langhaarige lustige Typ. Stattdessen sehen wir einen trainierten, teils oberkörperfreien, angepissten Mann mit rasierten Kopf der über seine Kindheit im Altaj spricht und dass er eigentlich längst tot sein sollte. Schon vor zwanzig Jahren. Er hätte zwischen Steinen liegen sollen, schon längst. Darum sollte er keine Angst vor "diesen dummen Schweinen" haben und erst recht keine Angst um seinen aus Stahl gemachten Arsch.

Tatsächlich gab es eine Art Politisierung der Band. Seit 2011 haben sie ein Auftrittsverbot im diktatorisch regierten Belarus. Ich würde mal sagen, dass die Politisierung schon vorher statt gefunden hat. Auch musikalisch und textlich hat sich einiges verändert. So bewegt man sich nicht mehr im poppigen Comedy-Rock sondern irgendwo zwischen Ska-Punk und Hardcore. Mit Elementen von Dub und Reggae. "Rabkor" ist meiner Meinung nach ein Neologismus zwischen dem russischen Wort "Rab" (Sklave) und "Core". Es ist das erste Mal für mich, dass ich Songs auf Belarusisch höre. "Ne byt' Skotam!" (Kein Vieh sein) ist eine Vertonung eines Gedichts des belarusischen Dichters Janka Kupala. Darin geht es um die Grundbedürfnisse des Menschen, unter anderem "kein Vieh sein" sondern ein selbstbestimmter Mensch. Kupala ist auch der Urheber der Losung "Zhyve Belarus!" ("Es lebe Belarus!"). Ähnlich geht es auch später weiter in "Ubej Raba!" ("Töte den Sklaven"). Im Prinzip bedeutet es "töte den Sklaven in dir" bzw. "steh für deine Rechte auf". "Putinaroda" ("Wege des Volkes") behandelt satirisch das "Streben des Volkes nach Freiheit". Die Freiheit wäre dann "Wurst, Gas, Erdöl, Beförderung, Mindestlohn".

Meines Erachtens ein sehr abwechslungsreiches, politisch vertretbares und gleichzeitig sehr kurzes Album. Grade mal 35 Minuten. Professionell Revolutionäre Musik. Weckt Gefühle auf wie Wut, Selbstbewusstsein, Freude als auch Trauer. Besonders positiv möchte ich hervorheben, dass auch das Gefühl vertont wird, alleine in einer völlig brutalen Welt zu sein. Hilflos, als wäre man ein kleines Kind ("Liliput").

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Rabkor, Ne byt' Skotam!, Zhelesnyi, Putinaroda


Sonntag, 14. Juni 2026

So isses, Musik!#213

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

Wir sind nun mit "A" fertig und machen mit "B" weiter. Los geht's mit:


Raphi:
"Einen echten Klassiker haben wir noch. Getragen von dystopischen Synthies ist „Nazis Raus“ von der West-Berliner Beton Combo ein wahrlich geisterhaftes Stück Deutschpunk-Geschichte. Völlig zurecht wurde und wird das Lied immer wieder gecovert und neu interpretiert."

Philipp:

"Beim Buchstaben B begegnen wir mehreren Klassikern des deutschen Hardcore Punk, begonnen mit diesem. Ein Song so ikonisch, dass Slime ihn sogar live und als B-Seite gecovert haben. Viel ist mir ehrlich gesagt nicht über die Band bekannt außer dass sie aus dem Umfeld des heute noch ikonischen SO36 und des damals äußerst ikonischen AGR-Labels stammen. Die LP "Perfektion ist Sache der Götter" steht seit Ewigkeiten auf meiner Liste der Platten, mit denen ich mich näher befassen möchte, aber irgendwie immer hinten runter gefallen sind. Vielleicht ein Projekt für die Zukunft? Mit diesem Song haben sie sich auf jeden Fall für ewig ein Denkmal gesetzt, auch vor allem im Bezug zum Weird System Sampler von 1991. Textlich einfaches aber dringliches und ganz ganz großes Deutschpunk-Kino!" 

Ich:
Ich kannte eine Version dieses Songs bis jetzt nur von diesem "Nazis Raus!"-Sampler von Anfang der 90er. Diese war wesentlich "schwerer" und schneller. Und natürlich das Cover von Slime. Das hier ist komplett anders und kommt absolut unerwartet. Ein sehr langsamer Deutschpunk/Wave-Stampfer mit Synthesizer-Sounds der mir vorkommt wie eine Art abstruser Kirchenchor-Song der in einer abstrusen Deutschpunk-Kirche performt wird. Ich frage mich, weil ich die genauen Umstände nicht raus recherchieren kann: Wenn das hier vor der Auflösung der Band im Jahre 1985 erschienen ist - wer hat die Version auf dem "Nazis Raus!"-Sampler eingespielt? Ist es haargenau die gleiche Band oder hat man sich für eine Reunion kurz zusammengetan? Oder gibt es einfach zwei verschiedene Versionen des Songs von der gleichen Band? Jedenfalls, hier könnt ihr die andere Version anhören. Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand weiterhelfen könnte.

Die Bockwurschtbude – Müssen wir uns gegenseitig bekämpfen?

Raphi:

"Das Intro zum Album „Für eine Handvoll Bockwurscht“ beinhaltet eine Judas Priest-Referenz. Damit hat sich die Band direkt die ersten Sympathiepunkte eingespielt. Ein beliebtes Thema der Gruppe aus Frankfurt an der Oder sind szeneinterne Konflikte. So geht es bei „Der Schnorrerpunk bei Leipzig“ um Zecken, die auch bei anderen Punks klauen. Das Lied „Motor Suhl“ handelt unter anderem von den Kämpfen zwischen autoritären und emanzipatorischen Linken. Man bedenke: das Lied ist jetzt etwa zwanzig Jahre alt! Und dann ist da noch der Deutschpunkreggae-Knaller „Müssen wir uns gegenseitig bekämpfen?“, der gleich mehrere szeneinterne Probleme behandelt: Edgelords, Alkohol- und Suchtprobleme, und linke Macker. Habe ich erwähnt, dass das zwei Jahrzehnte her ist?"


Philipp:

"Fast wäre mein Review hier wahnsinnig kurz ausgefallen, die Band ist für mich persönlich erst wirklich relevant geworden als Deutschpunk-Legende Andreas Löhr als Bassist dazugestoßen ist, außerdem bin ich Vegetarier - daher schreckt mich der Name schon ab - und dieser Song ist irgendwie... Ska?! Oder Balkan Beat oder was weiß ich aber eigentlich nicht die Musik, die ich mir freiwillig anhöre.
Die Band aus FFO ist mir schon des öfteren über den Weg gelaufen - unter anderem sind sie recht gut mit der für mich in einer gewissen Lebensphase sehr wichtigen Band Telekoma befreundet und ich habe den ein oder anderen Saalepower-Sampler im Regal, auf dem die Band vertreten ist, wirklich nachhaltig beeindruckt hat mich aber bisher tatsächlich nichts.
Textlich mag das zwar nicht der Weisheit letzter Schluss sein aber hier haben wir es zumindest mit einem äußerst stabilen Song gegen unpolitische Spinner in der Punkszene zu tun. Also falls ich die Ironie verstanden habe, ich bin echt nicht gut mit sowas. Ich denke das geht schon in Ordnung." 

Ich:
Zuallererst: Ich find es gut, dass hier diese Themen angesprochen werden. Szeneinterne Probleme. "Das hat er nicht so gemeint", "du legst das falsch aus" usw. sind durchaus gängige Probleme als auch das Unverständnis gegenüber Leuten die kein Bock haben auf irgendwelche Edgelords die aus "Provokation" den rechten Arm heben. Man soll sich ja nicht so haben, es sei ja alles irgendwie Punkrock. Es ist sehr gut, dass eine Band genau diese Probleme anspricht - noch mal gesagt. Der Refrain ist verdammt catchy und simpel. Ich mag wohin sich der Song entwickelt - trotzdem nervt mich dieses Ententröten-Intro zu Beginn. Ich finde es zu albern für einen doch durchaus ernsten Song.



Boskops – Bulle Halt’s Maul

Raphi:

"Die Boskops aus Hannover waren vor allem in den 1980ern aktiv, und sind aus der vorhergehenden Band namens Blitzkrieg entstanden. Vier Alben und etliche Samplerbeiträge bescherten der Band in Westdeutschland und darüber hinaus. Auf ihrem ersten Album „Sol 12“ war der Titel „Bulle Halt’s Maul“ enthalten, der in seiner Einfachheit und (musikalischer) Brutalität nach seinesgleichen sucht. Und wenn mir jemand erklären kann, was mit der Drohung „… sonst gibt’s Banane“ gemeint ist, bin ich sehr glücklich."


Philipp:

"Aus den Überresten der Band Blitzkrieg - übrigens einer der häufigsten Bandnamen der Musikgeschichte, von NWOBHM über Rechtsrock bis zu Deutschpunk alles dabei - entstanden haben wir es hier mit absolut herrlichen Asis aus Hannover zu tun, man muss sich nur mal das "offizielle" Video zum Song "Leben" ansehen, pures Chaos, absolute Schnauzen, großartig. Musikalisch ist das Proto-Hardcore der etwas chaotischeren Sorte, zusammen mit Blut+Eisen diesbezüglich eine der wichtigsten Bands der Region."

Ich:
Es gibt diesen einen Song von Boskops der "Können Schweine schwimmen?" heißt. Er besteht im Grunde genommen nur aus "Poliere ihnen die Nase, Bullenschweineeeee". Hier ist es etwas anders. Immerhin gibt es einen ganzen zusammenhängenden Text. Allerdings höre ich tatsächlich "Banane" anstelle von "Randale" raus. Und das liegt nicht an Raphis Review. Damit bin ich scheinbar nicht alleine - das beweist auch die YouTube-Kommentarspalte. Fazit: Es mag sein, dass das hier zurecht als Klassiker gilt. Aber für mich klingt das doch etwas zu stumpf, zu sehr nach "hauptsache dahingeschissen".

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Rein in den .mp3-Himmel:

"Rockabilly, Rock'N'Roll & Surf" heißt der nächste Ordner und ich kriege Kopfschmerzen. Nicht unbedingt wegen des Inhalts. Sondern weil mir direkt einfällt, wer mir das alles geschickt hat. Eine Person die früher mal Punk war, dann Skinhead, dann Rockabilly und jetzt irgendso ein Gauleiter irgendwo im Osten oder Bayern ist. Keine Ahnung. Jedenfalls sind hier Unmengen an klassischen Rockabilly/Rock'N'Roll-Künstlern: Crazy Cavan, Buddy Holly, Johnny Horton, Link Wray. Wirklich großartige Klassiker. Dazu kommen noch so Garage Rock Bands/Künstler wie The Monsters oder The Sonics. Und natürlich der schwedische Rock'N'Roller Eddie Meduza - sogar mit Techno Remix. Insgesamt ein doch durchaus genießbarer Ordner, auch wenn mir die Musik irgendwann aus den Ohren bzw. Hals hing.

Der Ordner "Schwachsinn" ist tatsächlich voll mit...naja, um es mal kurz auszudrücken Comedy Bits, Ausschnitten aus Fernsehsendungen und richtig dummer Musik. Am dämlichsten ist vielleicht der Song "Opa war Kloputzer beim BGS" von einer Band namens Brutal Gartenzaun. Damit wollten sie einen gewissen Song einer gewissen rechtsradikalen Band parodieren - allerdings konnten das andere schon mal besser. Hier haben wir auch andere Parodien wie "Niemals zu den Toten Hosen gehen" von den Yeti Girls oder "Neckarstadt" (was eine Parodie ist von "Warschauer Pakt" von OHL) von den Pennerrockern von Kommando Vollsaufen. Dazu kommt noch Helge Schneider, Olaf Schubert, Floh De Cologne...oder Die Pest. Ich weiß nicht wer diese Band gegründet hat und auch nicht ob es sie noch gibt. Was ich da zu hören bekam war "Komm wir fressen eine Leiche, du das harte ich das weiche, du ein Auge ich das Ohr und dann singen wir im Chor: EVILLLLLLL". Den Song finde ich tatsächlich wieder auf YouTube. Was auch immer der Channel "Couchkartoffelsalat" heutzutage macht, ich hoffe er ist glücklich. Das Video ist schon 19 Jahre alt. Wow. Doch zurück zum Thema: Der wohl allerbeste Song in diesem Ordner ist auf jeden Fall "Moo" von Matterhorn Project.

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Achtung, achtung. Ich kündige hiermit folgendes an: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es hier zumindest in nächster Zeit zu größeren Discography-Reviewreihen kommen wird. Es kann sein, dass es irgendwann in der Zukunft solche recht kurze Discographies wie die von Fear Factory oder Machine Head reviewt werden. Auch plane ich eine neue Subrubrik namens "From First To Last" (wie die Emo-Band, genau) in welcher schlicht und einfach das erste und letzte Album einer Band/eines Künstlers reviewt wird. Es gibt außerdem Bands die mich grundsätzlich nicht mehr interessieren, sodass ihre Alben hier einfach nicht mehr vorkommen werden. Dadrunter: Blink-182, Gorillaz, Green Day. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Alles andere wird sehr wahrscheinlich hier vertreten sein. Sprich neue Alben von Bands/Künstlern die hier schon mal reviewt worden sind. Ulver, Rob Zombie, Mayhem, Opeth. Lange Rede, kurzer Sinn: Let's Go.

Rob Zombie Discography: The Great Satan (2026)

Neuestes Album von Robert Zombert oder Robert Cummings, wie der Mann früher mal hieß. Man könnte meinen, dass das neue Album nach all diesen verwirrenden ellenlangen Albumtiteln sowas wie "The Big Fat Fucking Fuckedy-Fuck of the Fuckery of the Fuckiest" heißen könnte. Aber nein. Es heißt einfach "The Great Satan". Kurz und knapp. 

Es macht den Anschein als würde sich RZ und seine Band (diesmal bestehend aus Ginger Fish (dr, ex-Marilyn Manson), Keys Mahoney (keyboards) und tatsächlich Riggs (git) und Blasko (b)) sich mehr um

die Musik als um das drumherum scheren. Zwar stehen Riggs und Blasko nicht in den Linernotes aber allem Anschein nach sind sie wieder Teil der Band. Das erste Mal seit "The Sinister Urge" bzw. "Educated Horses". Es ist also fast das gleiche Line-Up wie auf dem ersten Zombie-Album "Hellbilly Deluxe". Und das hört man definitiv raus. Man bewegt sich weg von sowas wie einen 70s-Hard-Rock-Revival (mit Grand Funk Railroad Cover oder ähnlichem) und zurück zu diesem Bastard aus Groove Metal und Industrial. "Heathen Days" zum Beispiel klingt für mich fast schon als wäre es auf "The Sinister Urge" erschienen, irgendwo zwischen "Feel So Numb" oder "Never Gonna Stop". 

Ich habe auch den Eindruck, dass RZ das erste Mal politisch wird - mehr oder weniger. So prangert er eine "Big Brother Mentalität" an im Song "F.T.W 84". Andererseits wird es in "(I'm A) Rock'N'Roller" richtig albern. So heißt es darin: "I'm an alligator/I'm a space invader/Well, I'm a rock 'n' roller/Well, I'm a rock 'n' roller/Well, I'm a rock 'n' roller/Wahhhh!". Das ist schon mal gut, dass man sich weiterhin nicht so ernst nimmt. Es ist fast schon so wie früher. Irgendwelche Songtexte die sich an B-Movies orientieren, die aber irgendwie irgendeinen sozialkritischen Anspruch haben (könnten) - die aber gleichzeitig viel zu kryptisch sind. Zum Beispiel "Black Rat Coffin". Einerseits findet RZ wieder zur alten Form zurück, andererseits liegt es nicht nur an ihm sondern an seinen Mitmusikern. Wiederum andererseits gibt es hier Songs, die ich links liegen gelassen hätte. "Sir Lord Acid Wolfman" und "Devilman" sind so uninspiriert und gefühlt in 10 Minuten geschrieben. Insgesamt ergibt das Album ein doch recht gutes Bild. Es ist bis auf 1-2 Ausfälle doch ein ziemlich kompaktes Album was nicht komplett "all over the place" ist. Sehr solide Arbeit und ein Beweis dafür, dass man es im Alter noch mal schaffen kann - vor allem wenn man die richtigen Leute um sich hat.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Punks and Demons, Heathen Days, Unclean Animals, The Black Scorpion


Mittwoch, 10. Juni 2026

Film der Woche#681: Future-Kill (1985)

Ich glaube, dass ich den Film (mal wieder) von Instagram habe. Das Poster ist von H.R. Giger designt worden und sieht einfach nur cool aus. Allerdings steht es im absoluten Kontrast zum Filmgeschehen. Worum geht es denn?

Wir befinden uns in einer alternativen Version der 1980er Jahre. Irgendwo in einer nicht näher benannten Großstadt. Auf einer Seite haben wir mehrere Jugendliche die eine Gang bilden und sich "Mutanten" nennen. Sie tragen post-apokalyptisch anmutende Kostüme und Make-Up um äh wie

"Mutanten" auszusehen. Einer von ihnen nennt sich Splatter (Edwin Neal aus "Texas Chainsaw Massacre"). Die Gruppe hat sich sich der Ablehnung von Gewalt verschrieben. Splatter allerdings, ist wirklich mutiert, und hat schon mindestens einen Menschen umgebracht. Der Rest der Gruppe fängt an, seine Persönlichkeit kritisch zu betrachten. Auf der anderen Seite: Eine Gruppe von Verbindungsstudenten, die eine Party crashen und dort einen Streich spielen. Im weiteren Verlauf der Story, beschließen sie, ähnlich wie die Mutanten in Make-UP verkleidet in die City zu gehen und dort "aus Spaß" einen Mutanten zu entführen. Das Vorhaben schlägt allerdings fehl und einer von ihnen wird von Splatter umgebracht. Was folgt ist ein fürchterliches Abenteuer in einer verdreckten, gewalttätigen Innenstadt. Schlußendlich tun sich die Verbindungsstudenten mit einigen der Mutanten zusammen um gegen Splatter vorzugehen, der selbst ganz sektenmäßig eigene Anhänger um sich geschart hat. Ein Verbindungsstudent fängt sogar an, sich in Dorothy Grim (Marilyn Burns aus "Texas Chainsaw Massacre") zu verlieben. Sie ist eine der Mutanten, die das ursprüngliche Vorhaben der Gruppe aufrechterhalten wollen. Nämlich "Raising awareness about toxic pollution".

Ich bin nicht der einzige den es so ergangen ist. Das Poster ist total cool und macht den Eindruck, es würde sich um einen düsteren, post-apokalyptischen Film handeln. Stattdessen kriegen wir eine unfassbar unlustige Fratty-Boys vs. Mutants Sci-Fi-Horror-Comedy. Die, um es noch mal zu betonen, unglaublich unlustig ist. Was hier zu sehen ist, ist sogenannter Frat Boy Humor. Sprich: Streiche spielen, horny sein und äh naja das wars. Doch es dauert nicht zu lange an. Der Film schlägt schnell um ins Düstere. Das Meiste was wir zu sehen kriegen ist die Flucht der Jungs vor Splatter und seinen Schergen. Das Make-Up ist cool. Auch der Auftritt der (Post-)Punk Band "Max and the Make-Ups" ist durchaus ein Highlight. Ach was sage ich... Es ist definitiv das Beste an dem Film. Ansonsten musste ich aufpassen entweder nicht einzuschlafen oder vor Langeweile zu kotzen. Es ist ein fürchterlicher Low-Budget-Film der innerhalb von sechs Wochen gedreht wurde und seine Aufmerksamkeit nur durch das Poster bekommen hat. Grausam. Wirklich unfassbar schlecht. Und nicht mal so schlecht, dass es witzig wäre.

1/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 9. Juni 2026

Comic Book Review#679: Godzilla vs. Thor (2025)

Endlich. Endlich ist es soweit. Tatsächlich der letzte Comic aus der Reihe von den "Godzilla vs. Marvel"-One-Shots. Und es ist endlich mal soweit: Ein Marvel-Superheld kämpft tatsächlich gegen Godzilla ohne am Ende irgendwie eine Art Frieden mit ihm zu schließen oder geschweige denn eine Allianz.


Es geht los im Hauptquartier der Untergrund-Assassinen-Organisation "The Hand". Die Archpriestess des Geheimbundes hat mehrere flüchtige Killer um sich herum versammelt. Doch nicht etwa, damit sie an ihrer Seite töten - die Frau selbst sieht Mord nämlich als etwas schönes und erstrebenswertes. Nein, die Männer werden geopfert und all das Blut wird benutzt um Godzilla wieder zu beleben. Genauer gesagt, das was von ihm nach seinem Tod übrig blieb: ein riesiges Herz. Schon bald stampft sich Big G wieder durch die Straßen von Tokyo bis ein ebenbürtiger Gegner erscheint: Thor hat die Schreie um Hilfe der Japaner gehört und taucht auf um Godzilla auf die Fresse zu hauen. Er schafft es sogar, Godzilla im Endeffekt einzufrieren. Doch Wochen später taucht "The Hand" wieder auf und schickt die Riesenechse mithilfe eines uralten Artefaktes nach...Asgard. Dort schlachtet Godzilla alle Götter ab, was am Ende Thor wieder auf den Plan ruft der grade noch irgendwo anders unterwegs ist um jemand anders die Fresse einzuschlagen. Es kommt zu einem immerwährenden Kampf zwischen Godzilla und dem Gott des Donners. Bis nach Hel.

Was für ein wunderbarer Haufen vollkommen verwirrender ineinander krachender Ereignisse. Ein Ninja-Assassinen-Geheimbund erweckt Godzilla wieder zum Leben indem es sein Herz in Blut von Mördern badet. Daraufhin kämpft Thor gegen Godzilla. Das ist so unfassbar bonkers. Schon wieder. Aber diesmal auf die Hau-Drauf-"Monster geh endlich zu Boden!"-Asgard-Sprech-Art. Scheinbar hat man sich das beste und witzigste für den Schluß aufgehoben. Was für ein herrlicher Blödsinn. Und dann auch noch so detailliert gezeichnet. Fantastisch

8/10 Pfandflaschen
Made by: Jason Aaron, Aaron Kuder
Hier ein Video dazu von DopeSpill Comics:


Montag, 8. Juni 2026

Album der Woche#683: Post Regiment - s/t (1992)

Letztens (also irgendwann 2025) bei einem Ausflug nach Bochum in einem Einkaufszentrum bei einem mobilen Vinyl-Verkauf geholt. Tatsächlich aber schon wesentlich länger digital besessen. Klassischer polnischer Hardcore Punk, der melodischen Sorte. Mit Sicherheit von einigen von euch, die früher auf Crust Konzerte gegangen sind, auf irgendwelchen Aufnähern gesehen. Falls ihr euch gefragt habt, was das ist und ständigt verpeilt habt, es zu recherchieren - hier habt ihr die Antwort. 


Erstes, selbstbetiteltes Album der Band - nach dem Weggang von Sänger Darek Gracki, der eher einen für HC/Punk typischen Gesang verwendet hat. An seiner Stelle tritt Dominika Domczyk, und alles ändert sich. "Nika", wie sie in Punk-Kreisen genannt wurde verwendet melodischen Gesang, der für Anarcho/Hardcore Punk Gruppen zu dem Zeitpunkt eher unüblich ist. Selbiges gilt für die Instrumentals. Anstelle von uffta-uffta Hardcore Punk, sprich schreddernden Riffs und stumpfen Drums hören wir durchaus seichte, aber schnelle Gitarrenklänge. Meines Erachtens revolutionär für die Zeit. Auch textlich bewegen wir uns weniger im direkten, frontalen Anarcho-Bereich. Es geht zwar auch um Religion ("Religia"), die Punk-Szene ("Wstyd" - Scham) und andere typische Anarcho Themen. Allerdings sind die Texte bewusst persönlich bzw. kryptisch gehalten. Ich musste genau zuhören um zu verstehen um was es bei "Religia" geht. Man behandelt darin die Sinnlosigkeit von organisierter Religion bzw. die Augenwischerei des modernen Glaubens. So wird das "unnötige Falten der Hände" behandelt. Es heißt unter anderem "Die Wahrheit ist Hass, Fabrik der Lügen, Fabrik der Lügen." Interessante Zusammenstellung. In "Nowy Dzien" ("Neuer Tag") geht es um tristen Alltag im Durchschnittskapitalismus. Besonders kryptisch wird es in "Wstyd" ("Scham"). Zu Beginn des Textes geht es um irgendeine Scham, Hände kalt wie der Wind...doch am Ende um drei Akkorde die in meiner Hand explodieren und das "nichts uns mehr aufhalten wird". Vor Jahren ist mir zudem "Ostatni raz" ("Das letzte Mal") ins Ohr gefallen. Darin heißt es "Das letzte Mal gebe ich dir die Hand, küsse dich im Gesicht".

Es gibt hier auch einige Songs auf Englisch, aber ich muss sagen dass mir die polnischsprachigen wesentlich besser gefallen. Sie sind viel authentischer, gefühlvoller. Post Regiment schaffen es gleichzeitig kryptisch, mysteriös und melancholisch zu klingen. Ein wirklich außerordentlich wichtiges und originelles Werk. Passt sowohl für den Arbeitsweg als auch für den Weg nach Hause. Vor allem wenn's dunkel ist und man sich ein wenig melancholisch fühlen möchte.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Nowy Dzien, Wstyd, Kurwy, Ostatni Raz, Religia



Mittwoch, 3. Juni 2026

Film der Woche#680: Antz (1998)

Es ist also schon 28 Jahre her, dass dieser Film rausgekommen ist. Damals war ich immer noch sehr begeistert von allem was irgendwie computeranimiert war und riesiger Fan von "Toy Story". Tatsächlich war ich sogar in den ersten beiden "Toy Story"-Filmen im Kino, was immer noch eine sehr schöne Erinnerung für mich ist. Allerdings hat es irgendwie zeittechnisch niemals mit "Das große Krabbeln"

(aka "A Bug's Life" von 1999) von Disney/Pixar geklappt und auch nicht mit dessen "Konkurrent" "Antz" von Dreamworks. Konkurrent in Anführungsstrichen weil die beiden Filme ein Jahr nacheinander rauskamen und nur eine Sache gemeinsam haben: Ameisen. Die Stories sind unterschiedlich, allerdings geht es in beiden Filmen irgendwie um Flucht und Zusammenhalt. Trotzdessen betrachtet mein Gehirn "Antz" irgendwie als eine Art "erwachsene" Version von "A Bug's Life". Auch wenn es faktisch betrachtet nicht so ist.

Worum geht es? Wir befinden uns in einer Ameisenkolonie, irgendwo in einem Park in New York. Z (Woody Allen) ist eine neurotische Ameise. Ein Arbeiter, der angefangen hat das Leben im Ameisenstaat zu hinterfragen. Er ist unzufrieden mit seinem Leben und erzählt dem Ameisenpsychiater zu Beginn des Films, dass er das Gefühl hat "einer unter vielen" zu sein und dass "sein Leben nichts besonderes ist". Genau das ist auch der springende Punkt, den der Psychiater bestätigt. Z ist nichts besonderes, wie alle anderen Ameisen und das ist auch völlig normal so. Es ist allerdings nicht so, dass er eine seelenlose Arbeitskraft ist. Er hat durchaus Freunde: den Soldaten Weaver (Sylvester Stallone) und die Arbeiterin Azteca (Jennifer Lopez). Irgendwas besonderes fehlt in seinem Leben. Eines Abend lernt er in einer Bar die Prinzessin Bala (Sharon Stone) die einen heimlichen Ausflug in die "Welt des Pöbels" gemacht und sich unter die "einfachen Ameisen" gemischt hat. Er verknallt sich sofort in sie. Zudem erzählt ein sichtlich unter PTSD leidender Ameisen-Soldaten von einer Welt außerhalb der Kolonie namens "Insectopia". Dort können Ameisen frei leben ohne jegliche Arbeit. Einen Tag später gehen die Soldaten auf eine Mission. Z hofft bei der zu Beginn stattfindenden Parade die Prinzessin wieder zu sehen, also tauscht er den Platz mit Weaver - letzterer wird nun zum Arbeiter. Die "Mission" stellt sich heraus als ein präventiver Kampfeinsatz gegen Termiten, den kein einziger Soldate überlebt. Außer Z. In seinen Armen stirbt auch der heldenhafter Barbatus (Danny Glover), der ihn zuvor beschützt hat. Z kehrt nun als einziger Überlebender und Kriegsheld zurück. Er wird für seinen tapferen Einsatz gefeiert. Sehr zum Missfallen des General Mandibel (Gene Hackman). Dieser hat nämlich andere, finstere Pläne für die Ameisenkolonie.

Der Titel allein wirkt auf mich schon "edgy". Ich meine, es ist ein "Z" im Namen. Das könnte irgendwas cooles und abstraktes sein. Jedenfalls: Wenn ich den Film mit "A Bug's Life" vergleichen muss, vergleiche ich ihn am Liebsten gar nicht. Meiner Meinung nach ist das hier pure Erwachsenenunterhaltung. Es geht nicht einfach darum einen "Bösewicht" zu besiegen oder um einen Kampf "Gut gegen Böse". "Antz" behandelt das Leben in einen voll funktionalen Ameisenstaat in welchen die Arbeiter ihr Leben der Arbeit gewidmet haben. Das kollektive Bewusstsein kennt nichts anderes. Im Mittelpunkt steht jemand der dieses Leben hinterfragt und etwas besseres für sich will. Dazu kommt noch der Grundgedanke "nur der Stärkere gewinnt" und eine bösartige Ideologie für deren praktische Umsetzung Ameisenleben dran glauben müssen. Meiner Meinung nach ist "Antz" ein großartiger Film der den Horror eines bürgerlichen (Ameisen)Staates zeigt der grade dabei ist, sich in einen totalitären Staat zu verwandeln. Es braucht Menschen (oder in dem Falle Ameisen), die sich dagegen wehren und der indoktrinierten Masse zeigen, dass es auch anders geht. Ich frage mich, wie zur Hölle dieser Film als Kinderzeichentrick durchgegangen ist. Hier gibt es Mord und Totschlag zu sehen, auch wenn es nur 3D-animierte Figuren sind. Holy shit.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 2. Juni 2026

Comic Book Review#678: Godzilla vs. Avengers (2025)

Es vergeht keine Woche ohne "Godzilla vs. Marvel"! Diesmal haben wir es mit einem moderneren Godzilla zu tun - genauer gesagt mit dem Design der "Millennium"-Staffel. Also, ich bin mir nicht sicher ob es der gleiche Godzilla wie in den vorherigen Ausgaben ist oder nicht - vor allem weil er aufgrund der unterschiedlichen Godzilla-Film-Staffeln anders aussieht. Aber egal.


Wir befinden uns in den USA. Genauer gesagt in Astoria, Oregon. Die New Avengers, bestehend aus Captain America, Luke Cage, Iron Man, Spider-Man, Spider-Woman und Wolverine müssen sich vor der SHIELD-Direktorin Maria Hill verantworten. Sie haben ganz schön Scheiße gebaut. Die berühmte Brücke von Astoria ist komplett zerstört. Wie kam es dazu? Nun, die Helden versuchen in einem Rückblick alles zu erklären. Es kam zu einem Kampf zwischen dem (sprechenden) Drachen Fing Fang Foom und Godzilla als plötzlich der riesige Roboter Jet Jaguar aufgetaucht ist, sodass es zu einem Dreikampf zustande kam. Also, eigentlich hat JJ versucht die beiden Riesenechsen voneinander fern zu halten. Dabei ging einiges zu Bruch (inklusive der Brücke lol) und die Anwohner mussten evakuiert werden. Bei der Besprechung ist auch ein Team von jungen Erwachsenen dabei: Bonnie Ibuki (die Nichte von Goro Ibuki, den Erfinder von Jet Jaguar), Sebastian und Ohgene. Die drei nennen sich "Kaiju Chasers United" und haben vor kurzem aus Altmetall und einer künstlichen Intelligenz den Jet Jaguar nachgebaut. Der übrigens weder wie ein Jet noch wie ein Jaguar aussieht, aber egal. Sie haben es satt gehabt, einfach nur zuzusehen während Kaijus die Städte zerstören und wollten was unternehmen. Auch interessant: Fing Fan Foom trägt lilane Hosen wie der Hulk. Maria Hill ist stinksauer. Niemand weiß genau wieso der Kampf zwischen Big G und FFF überhaupt stattgefunden hat. Also muss man am Ende den letztgenannten nach dem Grund fragen. So einfach ist das.

Diesmal eine etwas andere Art von Szenario. Klar, der Titel suggeriert dass die Avengers gegen Godzilla kämpfen. Und das tun sie auch! Tatsächlich. Wolverine wird heftigst verbrannt (zur Hälfte), Spider-Man tut sich schwer irgendwo umher zu schwingen, weil es einfach keine Gebäude gibt und alle sind irgendwie von der Situation genervt. Es ist wie ein Film, der mit Hintergrundkommentaren versehen wird. Wenn die Story in einen Rückblick wechselt, werden die Kommentare der Helden in Gedanken-Boxen dargestellt. Das ist ziemlich witzig, vor allem weil die meisten entweder clueless oder sarcastic sind. Noch witziger wird es allerdings, als man den Grund für den Kampf zwischen Godzilla und Fing Fam Foom erfährt. Den verrate ich allerdings nicht. Insgesamt: Eine Abwechslung zu den vorherigen Ausgaben. Eine mehr als willkommene Abwechslung. Nicht, dass die anderen Comics schlecht waren, aber das hier ist komplett anders. Und unfassbar witzig.

8,5/10 Pfandflaschen
Made by: David F. Walker, Georges Jeanty
Hier ein Video von DopeSpill Comics:


Montag, 1. Juni 2026

Album der Woche#682: Fear Factory – Soul of a new Machine (1992)

Fun Fact zuerst: "Soul of a New Machine" ist nicht nur das erste Album von Fear Factory sondern gleichzeitig auch der Name eines Non-Fiction-Buches von Tracy Kidder. Darin geht es um ein Team von Computer Ingenieuren, die unter großen Zeitdruck einen neuen intelligenten Computer entwickeln. Passend zu dem grundlegenden Thema von Fear Factory: Mensch vs. Maschine dies das ananas. Weiterer Fun Fact: Eigentlich ist es das zweite Album der Band, nach "Concrete" das allerdings erst elf Jahre später veröffentlicht wurde. Zu dem Zeitpunkt bestand die Band aus Burton C. Bell (voc), Dino Cazares (git), Raymond Herrera (dr) und Andrew Shives (b).


Und, wie schon oben gesagt, beschäftigt man sich hierauf mit dem Thema "Mensch erfindet Maschine", allerdings gibt es hier auch einige sozialpolitische Texte. So ist "Crisis" ein Antikriegssong und in "Leechmaster" geht es um eine toxische Beziehung. Man sampelt Anti-Kriegs-Filme wie "Apocalypse Now" oder "Full Metal Jacket". So hören wir die folgende Passage aus dem sogenannten "Rifleman's Creed": "Without me, my rifle is useless. Without my rifle, I am useless. I must fire my rifle true. I must shoot straighter than my enemy who is trying to kill me. I must shoot him before he shoots me. I will ..." gesamplet aus "Full Metal Jacket" in "Crisis". Besonders gut gefallen mir allerdings so Ausfälle wie in "Natividad" oder "Big God/Raped Souls".

Stilistisch bewegt man sich irgendwo zwischen Death Metal und Industrial, wobei gleichzeitig Sänger Burton C. Bell cleane Vocals verwendet. Diese könnten ebenso gut zu einer Alternative Metal Band passen die zu dem Zeitpunkt grade ihren Höhenflug gehabt hätte. Es ist eine wirklich sehr gute, und zu dem Zeitpunkt außergewöhnliche, Fusion von zwei Metal-Subgenres. Um es in klischeehaften Metal Magazin Redakteur-Worten zu sagen: Ein schepperndes, knallendes Monstrum, dass sich wie ein Cyborg auf Gleisketten bewegt und mit Hilfe von aus seinen Körper ausschwärmenden Kabel alle Menschen um sich herum ansteckt und ebenfalls zu Cyborgs macht. 

Anspieltipps: Martyr, Crisis, Leechmaster, Self Immolation
8/10 Pfandflaschen