"Einen echten Klassiker haben wir noch. Getragen von dystopischen
Synthies ist „Nazis Raus“ von der West-Berliner Beton Combo ein
wahrlich geisterhaftes Stück Deutschpunk-Geschichte. Völlig zurecht
wurde und wird das Lied immer wieder gecovert und neu interpretiert."
Philipp:
"Beim Buchstaben B begegnen wir mehreren Klassikern des deutschen Hardcore Punk, begonnen mit diesem. Ein Song so ikonisch, dass Slime ihn sogar live und als B-Seite gecovert haben. Viel ist mir ehrlich gesagt nicht über die Band bekannt außer dass sie aus dem Umfeld des heute noch ikonischen SO36 und des damals äußerst ikonischen AGR-Labels stammen. Die LP "Perfektion ist Sache der Götter" steht seit Ewigkeiten auf meiner Liste der Platten, mit denen ich mich näher befassen möchte, aber irgendwie immer hinten runter gefallen sind. Vielleicht ein Projekt für die Zukunft? Mit diesem Song haben sie sich auf jeden Fall für ewig ein Denkmal gesetzt, auch vor allem im Bezug zum Weird System Sampler von 1991. Textlich einfaches aber dringliches und ganz ganz großes Deutschpunk-Kino!"
Ich:
Ich kannte eine Version dieses Songs bis jetzt nur von diesem "Nazis Raus!"-Sampler von Anfang der 90er. Diese war wesentlich "schwerer" und schneller. Und natürlich das Cover von Slime. Das hier ist komplett anders und kommt absolut unerwartet. Ein sehr langsamer Deutschpunk/Wave-Stampfer mit Synthesizer-Sounds der mir vorkommt wie eine Art abstruser Kirchenchor-Song der in einer abstrusen Deutschpunk-Kirche performt wird. Ich frage mich, weil ich die genauen Umstände nicht raus recherchieren kann: Wenn das hier vor der Auflösung der Band im Jahre 1985 erschienen ist - wer hat die Version auf dem "Nazis Raus!"-Sampler eingespielt? Ist es haargenau die gleiche Band oder hat man sich für eine Reunion kurz zusammengetan? Oder gibt es einfach zwei verschiedene Versionen des Songs von der gleichen Band? Jedenfalls, hier könnt ihr die andere Version anhören. Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand weiterhelfen könnte.
"Das Intro zum Album „Für eine Handvoll Bockwurscht“ beinhaltet
eine Judas Priest-Referenz. Damit hat sich die Band direkt die ersten
Sympathiepunkte eingespielt. Ein beliebtes Thema der Gruppe aus
Frankfurt an der Oder sind szeneinterne Konflikte. So geht es bei
„Der Schnorrerpunk bei Leipzig“ um Zecken, die auch bei anderen
Punks klauen. Das Lied „Motor Suhl“ handelt unter anderem von den
Kämpfen zwischen autoritären und emanzipatorischen Linken. Man
bedenke: das Lied ist jetzt etwa zwanzig Jahre alt! Und dann ist da
noch der Deutschpunkreggae-Knaller „Müssen wir uns gegenseitig
bekämpfen?“, der gleich mehrere szeneinterne Probleme behandelt:
Edgelords, Alkohol- und Suchtprobleme, und linke Macker. Habe ich
erwähnt, dass das zwei Jahrzehnte her ist?"
Philipp:
"Fast wäre mein Review hier wahnsinnig kurz ausgefallen, die Band ist für mich persönlich erst wirklich relevant geworden als Deutschpunk-Legende Andreas Löhr als Bassist dazugestoßen ist, außerdem bin ich Vegetarier - daher schreckt mich der Name schon ab - und dieser Song ist irgendwie... Ska?! Oder Balkan Beat oder was weiß ich aber eigentlich nicht die Musik, die ich mir freiwillig anhöre. Die Band aus FFO ist mir schon des öfteren über den Weg gelaufen - unter anderem sind sie recht gut mit der für mich in einer gewissen Lebensphase sehr wichtigen Band Telekoma befreundet und ich habe den ein oder anderen Saalepower-Sampler im Regal, auf dem die Band vertreten ist, wirklich nachhaltig beeindruckt hat mich aber bisher tatsächlich nichts. Textlich mag das zwar nicht der Weisheit letzter Schluss sein aber hier haben wir es zumindest mit einem äußerst stabilen Song gegen unpolitische Spinner in der Punkszene zu tun. Also falls ich die Ironie verstanden habe, ich bin echt nicht gut mit sowas. Ich denke das geht schon in Ordnung."
Ich:
Zuallererst: Ich find es gut, dass hier diese Themen angesprochen werden. Szeneinterne Probleme. "Das hat er nicht so gemeint", "du legst das falsch aus" usw. sind durchaus gängige Probleme als auch das Unverständnis gegenüber Leuten die kein Bock haben auf irgendwelche Edgelords die aus "Provokation" den rechten Arm heben. Man soll sich ja nicht so haben, es sei ja alles irgendwie Punkrock. Es ist sehr gut, dass eine Band genau diese Probleme anspricht - noch mal gesagt. Der Refrain ist verdammt catchy und simpel. Ich mag wohin sich der Song entwickelt - trotzdem nervt mich dieses Ententröten-Intro zu Beginn. Ich finde es zu albern für einen doch durchaus ernsten Song.
"Die Boskops aus Hannover waren vor allem in den 1980ern aktiv, und
sind aus der vorhergehenden Band namens Blitzkrieg entstanden. Vier
Alben und etliche Samplerbeiträge bescherten der Band in
Westdeutschland und darüber hinaus. Auf ihrem ersten Album „Sol
12“ war der Titel „Bulle Halt’s Maul“ enthalten, der in
seiner Einfachheit und (musikalischer) Brutalität nach
seinesgleichen sucht. Und wenn mir jemand erklären kann, was mit der
Drohung „… sonst gibt’s Banane“ gemeint ist, bin ich sehr
glücklich."
Philipp:
"Aus den Überresten der Band Blitzkrieg - übrigens einer der häufigsten Bandnamen der Musikgeschichte, von NWOBHM über Rechtsrock bis zu Deutschpunk alles dabei - entstanden haben wir es hier mit absolut herrlichen Asis aus Hannover zu tun, man muss sich nur mal das "offizielle" Video zum Song "Leben" ansehen, pures Chaos, absolute Schnauzen, großartig. Musikalisch ist das Proto-Hardcore der etwas chaotischeren Sorte, zusammen mit Blut+Eisen diesbezüglich eine der wichtigsten Bands der Region."
Ich:
Es gibt diesen einen Song von Boskops der "Können Schweine schwimmen?" heißt. Er besteht im Grunde genommen nur aus "Poliere ihnen die Nase, Bullenschweineeeee". Hier ist es etwas anders. Immerhin gibt es einen ganzen zusammenhängenden Text. Allerdings höre ich tatsächlich "Banane" anstelle von "Randale" raus. Und das liegt nicht an Raphis Review. Damit bin ich scheinbar nicht alleine - das beweist auch die YouTube-Kommentarspalte. Fazit: Es mag sein, dass das hier zurecht als Klassiker gilt. Aber für mich klingt das doch etwas zu stumpf, zu sehr nach "hauptsache dahingeschissen".
"Rockabilly, Rock'N'Roll & Surf" heißt der nächste Ordner und ich kriege Kopfschmerzen. Nicht unbedingt wegen des Inhalts. Sondern weil mir direkt einfällt, wer mir das alles geschickt hat. Eine Person die früher mal Punk war, dann Skinhead, dann Rockabilly und jetzt irgendso ein Gauleiter irgendwo im Osten oder Bayern ist. Keine Ahnung. Jedenfalls sind hier Unmengen an klassischen Rockabilly/Rock'N'Roll-Künstlern: Crazy Cavan, Buddy Holly, Johnny Horton, Link Wray. Wirklich großartige Klassiker. Dazu kommen noch so Garage Rock Bands/Künstler wie The Monsters oder The Sonics. Und natürlich der schwedische Rock'N'Roller Eddie Meduza - sogar mit Techno Remix. Insgesamt ein doch durchaus genießbarer Ordner, auch wenn mir die Musik irgendwann aus den Ohren bzw. Hals hing.
Der Ordner "Schwachsinn" ist tatsächlich voll mit...naja, um es mal kurz auszudrücken Comedy Bits, Ausschnitten aus Fernsehsendungen und richtig dummer Musik. Am dämlichsten ist vielleicht der Song "Opa war Kloputzer beim BGS" von einer Band namens Brutal Gartenzaun. Damit wollten sie einen gewissen Song einer gewissen rechtsradikalen Band parodieren - allerdings konnten das andere schon mal besser. Hier haben wir auch andere Parodien wie "Niemals zu den Toten Hosen gehen" von den Yeti Girls oder "Neckarstadt" (was eine Parodie ist von "Warschauer Pakt" von OHL) von den Pennerrockern von Kommando Vollsaufen. Dazu kommt noch Helge Schneider, Olaf Schubert, Floh De Cologne...oder Die Pest. Ich weiß nicht wer diese Band gegründet hat und auch nicht ob es sie noch gibt. Was ich da zu hören bekam war "Komm wir fressen eine Leiche, du das harte ich das weiche, du ein Auge ich das Ohr und dann singen wir im Chor: EVILLLLLLL". Den Song finde ich tatsächlich wieder auf YouTube. Was auch immer der Channel "Couchkartoffelsalat" heutzutage macht, ich hoffe er ist glücklich. Das Video ist schon 19 Jahre alt. Wow. Doch zurück zum Thema: Der wohl allerbeste Song in diesem Ordner ist auf jeden Fall "Moo" von Matterhorn Project.
Achtung, achtung. Ich kündige hiermit folgendes an: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es hier zumindest in nächster Zeit zu größeren Discography-Reviewreihen kommen wird. Es kann sein, dass es irgendwann in der Zukunft solche recht kurze Discographies wie die von Fear Factory oder Machine Head reviewt werden. Auch plane ich eine neue Subrubrik namens "From First To Last" (wie die Emo-Band, genau) in welcher schlicht und einfach das erste und letzte Album einer Band/eines Künstlers reviewt wird. Es gibt außerdem Bands die mich grundsätzlich nicht mehr interessieren, sodass ihre Alben hier einfach nicht mehr vorkommen werden. Dadrunter: Blink-182, Gorillaz, Green Day. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Alles andere wird sehr wahrscheinlich hier vertreten sein. Sprich neue Alben von Bands/Künstlern die hier schon mal reviewt worden sind. Ulver, Rob Zombie, Mayhem, Opeth. Lange Rede, kurzer Sinn: Let's Go.
Rob Zombie Discography: The Great Satan (2026)
Neuestes Album von Robert Zombert oder Robert Cummings, wie der Mann früher mal hieß. Man könnte meinen, dass das neue Album nach all diesen verwirrenden ellenlangen Albumtiteln sowas wie "The Big Fat Fucking Fuckedy-Fuck of the Fuckery of the Fuckiest" heißen könnte. Aber nein. Es heißt einfach "The Great Satan". Kurz und knapp.
Es macht den Anschein als würde sich RZ und seine Band (diesmal bestehend aus Ginger Fish (dr, ex-Marilyn Manson), Keys Mahoney (keyboards) und tatsächlich Riggs (git) und Blasko (b)) sich mehr um
die Musik als um das drumherum scheren. Zwar stehen Riggs und Blasko nicht in den Linernotes aber allem Anschein nach sind sie wieder Teil der Band. Das erste Mal seit "The Sinister Urge" bzw. "Educated Horses". Es ist also fast das gleiche Line-Up wie auf dem ersten Zombie-Album "Hellbilly Deluxe". Und das hört man definitiv raus. Man bewegt sich weg von sowas wie einen 70s-Hard-Rock-Revival (mit Grand Funk Railroad Cover oder ähnlichem) und zurück zu diesem Bastard aus Groove Metal und Industrial. "Heathen Days" zum Beispiel klingt für mich fast schon als wäre es auf "The Sinister Urge" erschienen, irgendwo zwischen "Feel So Numb" oder "Never Gonna Stop".
Ich habe auch den Eindruck, dass RZ das erste Mal politisch wird - mehr oder weniger. So prangert er eine "Big Brother Mentalität" an im Song "F.T.W 84". Andererseits wird es in "(I'm A) Rock'N'Roller" richtig albern. So heißt es darin: "I'm an alligator/I'm a space invader/Well, I'm a rock 'n' roller/Well, I'm a rock 'n' roller/Well, I'm a rock 'n' roller/Wahhhh!". Das ist schon mal gut, dass man sich weiterhin nicht so ernst nimmt. Es ist fast schon so wie früher. Irgendwelche Songtexte die sich an B-Movies orientieren, die aber irgendwie irgendeinen sozialkritischen Anspruch haben (könnten) - die aber gleichzeitig viel zu kryptisch sind. Zum Beispiel "Black Rat Coffin". Einerseits findet RZ wieder zur alten Form zurück, andererseits liegt es nicht nur an ihm sondern an seinen Mitmusikern. Wiederum andererseits gibt es hier Songs, die ich links liegen gelassen hätte. "Sir Lord Acid Wolfman" und "Devilman" sind so uninspiriert und gefühlt in 10 Minuten geschrieben. Insgesamt ergibt das Album ein doch recht gutes Bild. Es ist bis auf 1-2 Ausfälle doch ein ziemlich kompaktes Album was nicht komplett "all over the place" ist. Sehr solide Arbeit und ein Beweis dafür, dass man es im Alter noch mal schaffen kann - vor allem wenn man die richtigen Leute um sich hat.
7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Punks and Demons, Heathen Days, Unclean Animals, The Black Scorpion
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