Sonntag, 26. Juli 2026

So isses, Musik!#216

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

Wir verlassen heute "C" und gehen weiter zu "D". Es bleibt spannend...


Raphi:
"Die Creeks waren eigentlich eher eine deutschsprachige Pop Punk Band, aber ich höre sie bis heute noch sehr gerne, und finde, dass sie hier reingehören. Mal nachdenklich, mal humorvoll, und immer melodisch und mit intelligenten Texten haben sie sich eine Sonderstellung im Genre geschaffen. Bis auf das selbstbetitele Album aus dem Jahr 2006 ist mir keine weitere Veröffentlichung bekannt. Hier sind viele starke Songs vertreten wie „Crash Test Dummies“, „Knast d’Amoure“, „Er sucht sie“, oder eben das verträumte Lied „Utopia“."

Philipps Beitrag kommt noch nach.

Ich:
Beim ersten Hören erinnert mich das auf eine sehr seltsame Art an eine bis dato nicht existierende Mischung aus The Shocks (wegen der rock'n'rolligen Gitarren) und an ...But Alive. Weil der Sänger sich zu Beginn wie Marcus Wiebusch anhört. Ich musste bei der Crash Test Dummy Optik (wortwörtlich) auf dem Albumcover an Liquidos "Ordinary Life" denken. Zum Glück hören sie sich anders an. Die besagte Marcus Wiebusch Stimme verändert sich allerdings nach einer kurzen Zeit. Ich nenne es "clean singing Deutschpunk". Klingt nach "sehr gut gelaunt mit kryptisch klingenden Texten wo sich alles auf "-sion" reimt". Eigentlich nichts was ich mir sonst so anhören würde, but I like it.


Ich:
Zugegeben, ich kannte dieses Lied zuerst als Version von den Ärzten - veröffentlicht auf ihren einzigen Deutschpunk-Album "5,6,7,8, Bullenstaat!". Das Original ist allerdings so viel besser. Aus heutiger Sicht ist dieses Lied vielleicht provokativ, wenn man ein engstirniger konservativer Boomer ist. Damals muss es lyrisch definitiv auf die Fresse gehauen - auch wenn der Song an sich unfassbar locker und witzig ist. Ich find's großartig wie hier, ganz ungeniert Homosexualität gefeiert wird und alles in super einfache Lyrics gepackt wird. "Ich habe Samen im Darm, mir ist so warm im Darm mit seinem Samen im Darm". Die etwas hohe Stimme erinnert mich tatsächlich an den Sänger von den Sad Neutrino Bitches - auch wenn seine noch höher klingt. Ich habe mich, ehrlich gesagt, noch nie mit The Cretins beschäftigt. Ich kannte immer nur dieses eine Lied und mehr nicht. Lag vielleicht daran, dass mein .mp3-Player nicht immer so viel Platz hatte oder weil ich nicht mehr als diesen einen Song gebraucht habe. Es ist fantastisch, geht super ins Ohr und verlässt dieses auch lange nicht. Sehr lange.

Philipps Beitrag kommt noch nach.

Raphi:

"Während seiner kurzen Schaffensphase hat das Kieler Trio drei Alben und zwei EPs veröffentlicht. Außerdem habe ich die falsche Band recherchiert; es geht nämlich gar nicht um The Creetins sondern um die Hannoveraner Legende Cretins. Der Klassiker "Samen im Darm" entstammt der frühen Phase, als die Cretins noch auf deutsch sangen und rau klangen. Der Sound erinnert mich teilweise an The Ruts oder an A+P. Beeindruckend finde ich, dass das Stück trotz sich wiederholender Motive nicht langweilig wird. Achja, und auch diesen Klassiker habe ich zuerst in der Version der Ärzte (5,6,7,8 Bullenstaat) gehört."


Raphi:

"DDP haben mit ihren melodischen und schnellen Tracks immer eine Sonderstellung im Deutschpunk für mich gehabt. Ein bisschen dilettantisch, aber dennoch treffsicher hat sich die Band vor allem mit ihren Texten in meinem Gedächtnis eingebrannt. Als perfektes Beispiel hierfür dient die düstere Hymne „Wenn der Sturm beginnt“ vom Album „Es geschah am hellixten Tag“."


Philipps Beitrag kommt noch nach.

Ich:
Es war einer von diesen Nix-Gut Samplern namens "Es lebe der Punk", die noch irgendwo in meinem Keller liegen. Dadrauf waren Der Dicke Polizist mit "Und die Hoffnung stirbt zuletzt" und noch irgendeinem Song. Sie stachen tatsächlich sehr heraus mit einem durchaus tiefsinnigem Text während die anderen Bands über Bullenschweine und Nazischweine schwadroniert haben. Sehr im Kontrast nicht nur zu den anderen sondern auch zu ihrem lustigen Namen, der eher nach Fun-Punk klingt. Kein Wunder dass sie sich irgendwann für eine kurze Zeit in ddp umbenannt haben. Jedenfalls ist das hier wieder mal ein ziemlich ernster Song über eigene Wünsche und Sehnsüchte nach Freiheit - wieder mal als Kontrast zu diesem "witzigen" Albumcover. Ich finde ihren Ansatz nach wie vor sehr gut, allerdings zündet es bei mir leider überhaupt nicht. Mich stört der Gesang leider viel zu sehr. 



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Ulver Discography: Metamorphosis EP (1999)

Allrighty. Wir springen (mal wieder) zurück in die Zeit. Als Ulver grade dabei waren sich von einer Black Metal zu einer experimentellen wasauchimmer-Band zu verwandeln. Dafür spricht auch der Titel dieser (ersten) EP. Ursprünglich habe ich mir gedacht, dass ich hier nur ganze Alben von Bands reviewen werde. Aber wenn es schon "Discography" heißt, dann alles - vor allem wenn es um Ulver geht. Wenn ich mit den EPs fertig bin, vllt. nehme ich mir dann auch die Singles und all den Klein-Kleinkram vor. Jedenfalls:

"Metamorphosis" ist, wie die Generation Z sagen würde (oh gott, Kringel) tatsächlich on fire, ngl. Huehuehue. Es ist ein fantastisches Werk, dass sogar für Ulver Maßstäbe ganz anders anfängt. Es ist

definitiv was ganz anderes als Black Metal und auf jeden Fall auch etwas anderes als ihre ambientigen oder späteren synthpoppigen Werke. Der erste Song hierauf, "Of Wolves & Vibrancy" ist genau das, was ich Techno nennen würde. Richtig utz utz utz. Könnte auf dem Soundtrack zum ersten Teil von Matrix sein. In irgendeiner Club-Szene wo nicht grade "Dragula" läuft. "Gnosis" wird dann wieder typisch Electro-Ulver: trip(hop)pig, ambient-ig und irgendwann voll mit mysteriösen, tragisch anmutenden Gesang. "Limbo Central" hat sogar klitzekleine Drum&Bass-Verschnitte, gewürzt mit verzerrten Gitarren. Der Abschlußtrack "Of Wolves & Withdrawal" ist dann aber das krasse Gegenteil. Man hört kaum was, bis auf etwas Hintergrundnoise. Wie in einem unterirdischen Labyrinth, wo sich irgendwelche Gefahren lauern.

Es ist wahrlich experimentell und eine wahre "Metamorphosis". Ein Wandel von Ulvers ursprünglichen Sound zu etwas vollkommen neuen. Diese EP ist quasi das fehlende Glied zwischen "Themes From William Blake's The Marriage of Heaven and Hell" und "Perdition City". Es ist spannend, anders und leicht verstörend zugleich. Fantastisch.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: "Of Wolves & Vibrancy", "Gnosis", "Limbo Central"


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