Montag, 31. August 2026

Happenings des Monats: August'26

Stricher guckt sich "Spider-Man: Brand New Day" an am 02.08.2026 mit Genosse M. und Kollege M. in Filmwelt Herne

Streitet euch ruhig wer von euch beiden Genosse und wer Kollege ist. Ist mir egal lel. Jedenfalls ist es schon fast ein Monat her, dass ich vor lauter Stress und Klausurvorbereitungen vergessen habe, darüber zu schreiben. Jedenfalls, here it goes. Aber vorher eine

SPOILERWARNUNG SPOILERWARNUNG SPOILERWARNUNG SPOILERWARNUNG







Wir befinden uns also im mittlerweile 38.(ernsthaft jetzt?!) Film des "Marvel Cinematic Universe" und gleichzeitig vier Jahre nach den Ereignissen in "Spider-Man: No Way Home". Nachdem die ganze Welt durch einen Zauberspruch von Doctor Strange vergessen hat, dass Peter Parker (Tom Holland) tatsächlich Spider-Man ist - inklusive seiner Freundin MJ (Zendaya) und seines besten Freundes Ned Leeds (Jacob Batalon) agiert der junge Mann als "Superheld im Untergrund". Er ist weder Teil der Avengers noch irgendeiner anderen Superheldencrew noch Teil von irgendeinem wichtigen kosmischen Ereignis. Er ist ein stinknormaler Street Level Superhero der gegen Bösewichte kämpft wie Tombstone (Marvin "Krondon" Jones III), Scorpion (Michael Mando), Ramrod oder Boomerang. Bei den Bewohnern New Yorks ist er äußerst beliebt. Zudem arbeitet er mit Detective Jean DeWolff (Liza Colón-Zayas) zusammen, die ihn sehr schätzt. Ihm wurde sogar mal der Schlüssel zur Stadt New York übergeben. Doch gleichzeitig ist er einsam und alleine und beobachtet heimlich die Livestreams von Ned und MJ, die wie schon gesagt, nicht mehr wissen wer er ist. Relativ kurz nach der Einleitung des Films passiert folgendes: Ein Panzerwagen fährt scheinbar unkontrolliert durch New York. Spidey versucht ihn aufzuhalten, der Punisher Frank Castle (Jon Bernthal) tatsächlich auch. Allerdings sind die Methoden der beiden durchaus unterschiedlich. Der Wagen rast direkt zum Gebäude der "Department of
Damage Control", die es sich zur Aufgabe gemacht hat Superschurken gefangen zu nehmen. Im Panzerwagen sitzt eine ältere verwirrte Frau am Steuer, die offensichtlich nicht weiß, wie sie dahin gekommen ist. Peter stellt schnell fest, dass irgendwas oder irgendwer der von Körper zu Körper springen kann für den Angriff verantwortlich ist. So befreit dieses Wesen/dieser Mensch Scorpion, der gerade dabei war in ein Hochsicherheitsgefängnis transportiert zu werden (oder so). Was das Ziel ist und welche Hintergründe für diese Aktionen existiert, weiß keiner. Peter stürzt sich in Detektivarbeit und findet durch Yelena Belova (Florence Pugh) aka Black Widow heraus, dass es nicht der erste Angriff ist. Dazu kommt noch, dass Peters Körper sich verändert. Er mutiert scheinbar weiter und wacht eines morgens in einem Kokon aus Spinnenweben auf - dabei kann er plötzlich Spinnennetze aus seinen Handgelenken schießen.

Es gab viel Wirbel um den Film im Vorfeld. Man vermutete, es wäre der Spider-Man-Film mit den meisten Bösewichten/Gegenspielern. Tatsächlich sind die Auftritte von Ramrod, Tombstone, Boomerang, Tarantula oder Gruppierung "The Hand" eher sowas wie extended Cameos. Einzig Scorpion ist länger zu sehen. Der Fokus liegt hier nicht auf irgendwelchen klassischen Spider-Man-Gegnern sondern auf dem klassischen Trope der "wichtigen Behörde, die eigentlich gar nicht so cool ist und finstere Ziele" verfolgt. Dazu kommt noch ein klassisches Spider-Man-Team-Up mit dem Punisher - klassisch weil "ungleich und ungleich gesellt sich gern". Außerdem noch ein (großer) Ausblick in die Zukunft des Marvel-Films, die bei den X-Men liegt. So viel habe ich schon mal verraten, ohne zu viel zu verraten. Aber wahrscheinlich wisst ihr schon eh, was hier passiert. Jedenfalls schafft "Brand New Day" mehrere Sachen gleichzeitig: Eine coole und interessante Story zu erzählen (die meinetwegen schon auf ähnliche Weise schon mal stattgefunden hat) und nicht zu viel Fan-Service zu bieten. Gleichzeitig gefällt mir die Idee, Spider-Man zu einem "grounded, street level Superhero" zu machen ohne ihn bis an sein Lebensende todunglücklich zu machen. Scheinbar ist es das Erfolgsrezept bei Marvel gewesen, schon seit Jahrzehnten. Doch hier ist es irgendwie anders. Zwar ist Peter super traurig, dass sein vorheriges Leben nicht mehr existiert - doch er findet irgendwie einen Weg daraus. Ich finde, dieser Film findet erfolgreich den Weg zurück in das ursprüngliche Spider-Man-Schema. Nämlich ganz ohne Weltraumabenteuer oder irgendeinen Thanos oder irgendeiner superkrassen Multiverse-Geschichte. Nach den ersten beiden Sam-Raimi-Filmen ist das hier wohl der beste Spider-Man-Film. Bis jetzt.

8,75/10 Pfandflaschen
Trailer:



MIDNIGHT + SPECTRAL WOUND am 10.08.2026 in Junkyard Dortmund

Es geht scheinbar kaum ein "Happenings des Monats" ohne ein Bisschen Meddl. Ergo, here it goes. Habe mich seit Monaten darauf gefreut, endlich mal wieder Midnight zu sehen. Dabei habe ich das schon zwei Mal getan. Doch es reichte natürlich nicht. Diesmal waren Midnight auf Tour um das fünfzehnjährige Jubiläum ihres Albums "Satanic Royalty" zu feiern. Und eigentlich waren Phantom Corporation als Vorband, doch aufgrund des Bahn-Chaos und meines Später-Ankommens konnte ich sie leider nicht sehen.


Darum war die erste Band des Abends für mich Spectral Wound. Ich kannte sie schon seit geraumer Zeit und war Fan dieses Albumcovers, dass mich entfernt daran erinnert wie jemand eine Ballerina-Pose mit einem weißen Schuh auf einem schwarzen Tisch macht. Dabei ist es gar nicht auf dem Cover zu sehen sondern irgendein Schädel. Wer weiß, wieso ich diese Assoziation habe. Keine Ahnung. Jedenfalls war ich an dem Abend zwar irgendwie fit, war aber vorher auf der Cranger Kirmes und habe dementsprechend schon einiges erlebt. Also stand ich da rum in einer Ecke, gab mir diese furiosen, großartigen, vielleicht nicht ganz trven Black Metal und meine Gedanken wanderten umher, hierhin und dahin und wieso ist das so und das andere so und nicht anders und was muss ich noch so machen. Ich weiß nicht ob mein Gehirn so gestresst ist, dass es damit versucht sich zu entspannen oder ob ich mich tatsächlich wohl fühle auf dem Konzert und es die Art des Gehirns ist das Wohlsein auszudrücken. Keine Ahnung. Jedenfalls war der Auftritt zwar relativ kurz, aber bombastisch. Im Gegensatz zu Midnight machen Spectral Wound keinen Black'N'Roll sondern straighten Black Metal der neuen Art (ohne "Post-" in der Genrebezeichnung). Es ist ein konstanter Lärmteppich der mich umgibt. Es ist sehr schön.

In der Pause begebe ich mich nach vorne und stelle mich rechts hin, sodass ich alles von der Seite beobachten kann. Nach einem kurzen Intro kommen endlich Midnight auf die Bühne. Alle drei gekleidet in Lederkluft, Ketten, Patronengürtel und natürlich diese Strumpfmasken über den Gesichtern. Sie spielen das Album "Satanic Royalty" in Gänze. Sie interagieren mit dem Publikum, was wahrscheinlich für sie auch leichter fällt, weil man ihre Gesichter nicht sehen kann. Zumindest hätte ich dabei weniger Hemmungen. Ich kenne leider die Songs von "Satanic Royalty" so gar nicht. Stellt euch vor, ihr hört immer wieder Musik und holt was nach aber für irgendwas bleibt einfach keine Zeit. Die Songs daraus sind wesentlich simpler, punkrockiger und schneller als das spätere Material. Zum Glück spielen sie danach noch "Fucking Speed and Darkness", das ich tatsächlich kenne und mitsingen kann. Es gibt keine Zugabe, allerdings kommen die Mitglieder hinterher zurück und fassen alle in der ersten Reihe mit ihren schwitzigen Händen an. Irgendwie cool und unerwartet - ist mir auch nicht so unangenehm, schließlich kann ich mir ja später die Arme waschen.

Anyways: Super angenehme Band, ganz und gar ohne jegliche Rockstarattitüden, die mit dem Publikum auf einer Ebene ist. Ganz schön Punkrock ganz und gar ohne irgendeine trveness. Mir gefiel außerdem die Aussage nach dem Motto "Scheiß darauf, dass heute Montag ist und du morgen arbeiten musst!". Very awesome.




KAZ Open Air am 29.08.2026 in Hibernia, Herne

Nach einer längeren Zeit mit Klausuren (und Vorbereitungen dazu) als auch einer Frühschicht (am selben Tag) war es mal wieder zeit unter die Leute zu gehen. Und zwar irgendwohin wo es absolut niemanden juckt, wie ich aussehe, was ich anhabe oder welche Musik ich höre. Ich rede natürlich vom KAZ Open Air, das jährlich vom KulturAlternativen Zentrum in Herne veranstaltet wird. Ich bin tatsächlich bis jetzt kein einziges Mal im KAZ gewesen, dafür aber auf dem Open Air. Seltsame Sache, das. Muss ich wohl mal nachholen. Wie auch immer, als ich ankam traf auf Genossen A. und einige seiner Freunde. Es war ein tatsächlich sehr angenehmer Nachmittag.


Die erste Band, die ich mir angesehen habe waren SHOK GÜZEL. Eine wirklich herausragende Punkband mit Texten die teilweise auf Türkisch waren und unter anderem die Frauenrechtslage in Afghanistan, Türkei, Syrien angesprochen haben. Aber auch mal gegen andere Macker (zum Beispiel in der Skateboardszene) ausgeteilt haben. Dazu noch eine Art Crossover Part in einem Song. Fand ich sehr angenehm. ANGRY YOUTH ELITE  nehme ich nur teilweise wahr. Irgendwie klingt das in meinen Ohren nach Pennywise. Irgendwann komme ich nach vorne, weil ein Song nach "Boxcar" von Jawbreaker klingt. Stellt sich heraus, dass sie sich etwas am Riff bedient haben. Ist insgesamt leider nicht wirklich mein Fall. PISSCHARGE sind es viel eher. Die vier Mitglieder aus Deutschland, Chile und Brasilien (die allesamt in Linden wohnen) machen (selbstverständlich, der Name verrät es ja schon) sowas wie D-Beat bzw. orientieren sich daran. Die Texte sind auf Spanisch. Beim späteren Nachrecherchieren merke ich dass sie in "Ahora ex...Ucraina" ganz "reflektiert" die ukrainische mit der russischen Regierung gleichsetzen und den Krieg auf ein "Böse vs. Böse" reduzieren. Naja, ich habe nicht viel erwartet. Der Sound ist aber echt geil und fetzig. Später dann DOSENSTOLZ mit Geschrei übers Biertrinken, "Heten treten" und Arbeitszeitbetrug. Es ist so herrlich stumpf, dass es schon wieder Spaß macht. Als würde man...ach keine Ahnung, als würde man sich in seiner WG Küche lauthals übers Bier das einen weggetrunken wurde streitet und dazu verprügelt einer seine Instrumente. So in etwa.

Als ich merke, dass zwischen Dosenstolz und Waving The Guns super viel Zeit dazwischen ist, ich tierisch müde bin und mir kalt ist (trotz des DIY-Regenponchos aus einer Mülltüte) beschließe ich, nach Hause zu gehen. Bis nächstes Jahr.

Sonntag, 30. August 2026

So isses, Musik!#218

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

In dieser Ausgabe ist es vorbei mit dem Buchstaben D und wir gehen mit E weiter. Somit nehmen wir uns vor...


Raphi:

"Musikalisch wird hier immer wieder die Grenze zwischen Depro-, Deutsch-, und Deutschpunk aufgelöst. Duesenjaeger sind meines Erachtens nach eine der wichtigsten Bands der zweiten und dritten Punk Rock-Welle in Deutschland. Und in den 2020ern, als viele Bands wie Bubonix, Amen 81, oder auch Hammerhead große Comeback feierten, gehörte auch das Album „Die Gespenster und der Schnee“ zu einer meiner liebsten Veröffentlichungen. Hier hätten einige Titel stehen können; ich habe mich für „Brandmelder“ entschieden."

Philipp:


"Eine der stabilsten und konsistentesten deutschen Punkbands, mittlerweile selbst netto deutlich über 20 Jahre auf dem Buckel. Sonic Youth und Wipers sind hierbei Religion und Herr Neumann ihr Hohepriester.
Kluge, aber nicht zu verklausulierte Texte und dabei ein ziemlich rauher Charme. Hier spielt die Band auf dem Boden und alle stehen in der ersten Reihe. Danke, Duesenjaeger." 

Ich:

Cooles Video. Ich glaube, der Drummer trägt ein T-Shirt der Powerviolence-Band "ILL!", wenn ich mich nicht irre. Der Name "Duesenjaeger" ist immer wieder vor meinen Augen aufgetaucht. Wahrscheinlich in irgendwelchen Reviews in der VISIONS oder der OX. Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls habe ich bis grade eben noch keinen einzigen Song gehört. Keinen einzigen. Und meine Fresse, was habe ich verpasst. Es ist so fantastisch. Ich mag diesen Gesangsstil, irgendwo zwischen deutschsprachigen Hüsker Dü, EA80 und irgendwas aus Hamburg. Was die Instrumentals betrifft, so hört sich das, finde ich, auch relativ ähnlich an. Irgendwas zwischen traurig und doch so hoffnungsvoll. Ich mag das, ganz ehrlich und ich glaube dass ich nächstes Jahr ein Deutschpunk-Monat machen werde. Dazu haben mich jetzt speziell Duesenaeger gebracht.

Ich:

"Noch 3":

Ich habe EA80 für mich im Würzburger Plattenladen H2O entdeckt. Die "Alle Ziele" CD hat mich irgendwie angesprochen. Sie wurde angehört, gekauft und mit nach Hause genommen. Ich würde sie niemals hergeben. Ich liebe dieses schlichte Artwork und diese durchaus, sagen wir mal, deprimierenden Texte. Damals schon, also vor rund 18 Jahren (?) ist mir der Song "Noch 3" aufgefallen. Ich weiß nicht ob ich eine Trennung durchgemacht habe oder ob mich irgendwas anderes runter gezogen hat. Aber die Zeile "Drei Tage noch wirst du existieren in meinen Tränen, dann werd ich nicht mehr weinen und dich hat es nie gegeben" hat mich sehr beeindruckt. Ich weiß nicht ob es im Song um eine gescheiterte Beziehung geht oder um den Tod eines Mitmenschen. Aber das ist mir egal. Der Song ist mir trotzdem sehr wichtig.

"Tot sind wir noch lange nicht":

Alle Achtung. Dies ist eine Coverversion. Und zwar von EA80 selbst. Tatsächlich haben sie 2004 diesen Song von ihrem älteren Album "Vorsicht Schreie" noch mal aufgenommen. Ihr findet ihn irgendwo hier. Im Gegensatz zu "Noch 3" ist "Tot sind wir noch lange nicht" vielleicht nicht "aggressiv" aber definitiv "angriffslustig" und zumindest für meine Ohren der deutschpunkigste Song dieser nicht sehr deutschpunkigen Deutschpunkband EA80. Auch das Original schlägt in eine ähnliche Kerbe. Etwas "upbeat", etwas "zackiger". Und lyrisch natürlich erste Sahne. Es geht augenscheinlich darum, trotz aller Widrigkeiten wegen welcher man auf die Schnauze fällt immer wieder aufzustehen - oder um es anders auszudrücken, nicht nur Widrigkeiten entgegentreten sondern auch Leuten die es einen im Leben schwer machen. Mir gefällt die 2004er Version tatsächlich etwas besser weil sie in meinen Ohren gefestigter und aggressiver klingt.

Philipp:

"Noch 3" und "Tot sind wir noch lange nicht"

EA80 sind wirklich ein Phänomen, keine Internetpräsenz, kein Merch, Tonträger so gut wie nur Vinyl, alle 3-4 Jahre ein neues Album in gleichbleibend hoher Qualität und diese Konsequenz seit über 40 Jahren. Von den richtigen Leuten völlig zu Recht nahezu kultisch verehrt. Düster, sperrig, poetische Texte, absolute Ausnahmeband. Wer sie nicht kennt, möge sie kennen lernen.

Raphi:

"Noch 3"

"EA80 befassen sich ja selten mit den einfachen oder farbenfrohen Themen, und so ist auch "Noch 3" ein Ausflug in die dunkleren Gefilde des Seins. Wenn ich den Song richtig verstehe, geht es um Schmerzen, um gesellschaftlichen Druck, um Aushalten, und um Suizidalität. Wir sollten alle mehr über unsere Gefühle sprechen, und mehr EA80 hören. Ich liebe diese Band."

"Tot sind wir noch lange nicht":

"Panzerfaust heißt jetzt EA80; also schon seit 1980, aber das wollte ich nur mal eben erwähnen. Ich finde es faszinierend, wie sich die Band mit ihrem melancholischen Klang seit Jahrzehnten erfolgreich in den Sphären des Punks beweisen kann. Und der Songtitel spricht Bände, denn EA80 sind zum Glück noch immer da. Fun Fact: als ich in der TIDAL App nach dem Song gesucht habe, wurde mir „Wir ham‘ noch lange nicht genug“ von einer Band aus Hösbach vorgeschlagen. Naja…"

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FROM FIRST TO LAST: Die Toten Hosen

Nun sind wir also bei einer Band angekommen, die ich in meiner Jugend durchaus oft gehört habe. Allerdings ist mein Interesse irgendwann verflogen. Ich bin der Meinung, dass die komplette Discography hier meine Zeit und Kapazitäten sprengen würde. Genauso wie die Motörhead, Iron Maiden, Judas Priest oder so. Deswegen gibt es diese Rubrik hier. Wir betrachten also das erste Album

"Opel-Gang" (1983)

Aufgenommen in folgender Besetzung: Campino (voc), Andreas von Holst (git), Michael Breitkopf (git), Andreas Meurer (b), Trini Trimpop (dr)


Meine Fresse, habe ich dieses Album lange nicht gehört. Beziehungsweise, habe ich es überhaupt gehört? Ich glaube, ich habe in meiner Jugend schon fast alles von den Hosen mindestens einmal gehört. Allerdings ist die Erinnerung daran nicht wirklich hängen geblieben. Ich frage mich bloß, wieso. Vielleicht hat es mich damals nicht ganz angesprochen wie "Kauf MICH!" oder "Unsterblich". 

"Reisefieber" ist ein großartiger Song über eine Flucht nach vorn aus einem tristen Leben, dass einen doch nachholt. "Allein vor deinem Haus oder dein Vater der Boxer" ist eine witzige Geschichte über einen Jugendlichen der seine Angebetete besucht, nur um festzustellen dass ihr Vater seinen Konkurrenten verprügelt hat. "Kontakthof" handelt von Prostitution in Bordellen und hinterfragt das Ganze allerdings eher aus gefühlstechnischer Sicht, ohne jedoch den zwanghaften Charakter des Ganzen zu beleuchten. Immerhin stellt man sich die Frage ob Sex ohne Gefühle für Geld denn überhaupt das Richtige ist. In "Willi muss ins Heim" geht es nicht um einen Hund der zurück ins Tierheim muss sondern um die Unfähigkeit der Eltern mit ihrem schwierigen Kind umzugehen. So wird sinnlos mit einer Abschiebung ins Heim gedroht. Vom Titeltrack will ich gar nicht erst reden. Es ist eines dieser Punkrock-Hymnen die man sofort mitsingen kann, trotz des holprigen Gesangs.

Das Album ist kaum zu vergleichen mit den Werken von DTH aus den 1990ern oder den frühen 2000ern. Das war nämlich genau die Phase die ich mir reingezogen habe - größtenteils. Es ist ein...Punkrock-Album, stellenweise durchaus deutschpunkig, also nach ähnlichen Mustern von gängigen deutschsprachigen Bands der Zeit. Größtenteils durchaus kurze Punkrocksongs stellenweise gewürzt mit Post-Punkigen Elementen. Allein "Ülüsü" könnte aus dem Feder eines Post Punk Band stammen. Meines Erachtens ein schnelles, punkrockiges, jedoch abwechslungsreiches Album, dass ganz und gar nicht langweilig ist. Bis auf "Hofgarten". Schreckliches Lied.

Anspieltipps: Ülüsü, Reisefieber, Opel-Gang, Willi muss ins Heim
7,5/10 Pfandflaschen




und nun auch das letzte Album, weil Die Toten Hosen sich dieses Jahr offiziell auflösen. Es heißt

"Trink aus! Wir müssen gehen" (2026)

Aufgenommen in folgender Besetzung: Campino (voc), Andreas von Holst (git), Michael Breitkopf (git), Andreas Meurer (b), Vom Ritchie (dr)

Ich habe in meiner Jugend neben Hosen und einer gewissen Band aus Frankfurt auch die Ärzte gehört. Bin mittlerweile eigentlich der Meinung, alle drei gehören längst aufgelöst. Ich bin weiterhin der Meinung, dass zumindest DÄ komplett überflüssig geworden sind. Trotz alledem ist es doch ganz angenehm, zu Beginn des letzten Hosen-Albums Farin Urlaub zu hören. Und zwar im Song "Hier sind die Hosen". Er gibt sich betont ärzte-typisch ironisch. Es ist irgendwie erfrischend und gleichzeitig doch ganz schön. Weiterhin heißt es "Hamsterrad statt Looping-Bahn" in "Die Show muss weitergehen". Und es wird richtig schön typisch Toten Hosen. Ich hasse es. Alles ist irgendwie "alt", man blickt zurück auf das eigene Leben und irgendwie muss alles weiter gehen. Das habe ich schon tausend mal gehört.

"Schlechte Nachbarn" gefällt mir etwas besser. Mehr uptempo, mehr Punkrock. Was mir an diesem Album gefällt ist der Verzicht auf irgendwelche Songtitel die irgendwie nachdenklich sind. So heißt es hier "Lass mal nicht machen", "Was ist mit uns los", "Was früher einmal war". Dabei ist "Lass mal nicht machen" ein fürchterlich peinlicher Song über füchterliche Peinlichkeiten wie "im Rammstein T-Shirt zum Weltfrauentag unterwegs" oder "einen weißen Hai streicheln". Irgendwie soll das lustig sein, aber ich finde es nicht lustig. "Was früher einmal war" ist tatsächlich eine Reminiszenz auf die ganze frühere Karriere, gespickt mit typischen Hosen-Pathos. Ich könnte schwören schon mal sowas ähliches wie "Wir werden nie VERGESSEN woher wir gekommen siiiiiiind" aus Campinos Mund gehört zu haben. 

Und am Ende ist alles irgendwie scheißegal. Also mit "scheißegal" meine ich ein typisches Wort im DTH-Vokabular. Ich habe die Hälfte durchgehört und ich bin nicht wirklich schlauer draus gewort. Alles ist so typisch Hosen. "Oaaaah oaaah oooh oh", "Hoffnung", "Alles kommt in Ordnung", "Scheißegal" irgendwas irgendwas. Dabei geht es doch durchaus, dass man auf alles das verzichtet und endlich wieder sowas wie Punkrock macht. "Keine Macht den Proben" ist fantastisch. Aber insgesamt muss ich sagen, dass es mir leider sogar nicht taugt. Oder zumindest nicht halb so viel wie "Opel-Gang". Daran ändern auch einige der besten Cover-Songs auf dem Bonus-Album "Alles muss raus!" nichts.

4/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Keine Macht den Proben, Hier sind die Hosen


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Ulver Discography: Silencing The Singing EP (2001)

Nun sind wir also beim Nachfolger von "Silence Teaches You How To Sing" (diesen überlangen Song auf der gleichnamigen EP), der ähnlich heißt und zusammen mit der eben erwähnten EP auf "Teachings in Silence" wieder veröffentlicht wurde. 


Im Gegensatz zur vorherigen EP lässt man hier den Gesang komplett weg. Es ist weitaus mehr als ein einziges Ambient-Stück. Man bewegt sich (wie inzwischen gewohnt) irgendwo zwischen Trip-Hop (nach meiner Meinung) und einen gewissen Genre dass sich "Glitch" nennt. Letzteres hört sich genau danach an, was der Name auch beschreibt. Verschiedene Audio-"Fehler" in der Aufnahme, die aus beschädigter Hardware resultieren. Später hat man angefangen eben diese "fehlerhaften" Sounds mit vernünftiger Software zu reproduzieren. Ich weiß allerdings nicht ob Ulver hier mit kaputter Hardware gearbeitet haben oder diesen Sound "nachgeahmt" haben. Jedenfalls fühlt sich das hier an wie eine expandierte Version der vorherigen Veröffentlichung - die aber gleichzeitig noch mal introvertierter ist. "Silencing The Singing" hört sich ähnlich an, wie eine Tonaufnahme von einem defekten Radio in einem uralten Auto. Es ist düster und irgendwie creepy aber gleichzeitig familiär. Faszinierend jedoch doch so simpel.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Darling didn't we kill you, Speak dead speaker, Not saved




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Was läuft sonst?

Feindesland - Teufelselexier (2026)

Was macht man eigentlich wenn man gotisch anmutenden Krächzgesang mit Electrobeats a lá Egotronic verbinden möchte? Was singt man da für Texte? Keine Ahnung, aber die Idee Bands wie Troopers, Rasta Knast, Tanzwut, Yohazid, Die Toten Hosen (da sind die schon wieder) und ASP dafür zu covern ist schon sehr außergewöhnlich und frisch.

Die Idee dazu hatte H. (Immer noch keine Ahnung, wie du wirklich heißt, Kollege!) und hat sie von Januar bis Juni 2026 umgesetzt. Ich bin ja Freund der Unterstützung von "kleinen" Musikern/Bands und daher dachte ich mir, es würde super gut in diese Rubrik hier passen. Wirklich großartige Beats die an frühe Egotronic (bevor sie zu einer Band mit Instrumenten wurden) bzw. Björn Peng erinnern. Also quasi "dunkles Kirmestechno" der kein dunkler Kirmestechno ist sondern irgendwas deutlich finsteres. Auf den ersten Blick eine durchaus eigenartige Mischung, die gleichzeitig zeigt dass verschiedene
Songtexte dafür da sind neuinterpretiert zu werden. Niemand hätte gedacht, dass "Ein Fehler der Natur" von Troopers als Dark Electro Song funktioniert würde. Man braucht einfach nur den Willen dazu und tatsächlich keine KI-Tools. Die beiden "gotischen" Coversongs (von ASP und Tanzwut) sind zwar ganz cool, aber mir gefallen die "punk" Coversongs (DTH, Troopers, Rasta Knast, Yohazid) viel viel mehr. Die ungewohnte Mischung macht es tatsächlich besonders. 

PS: Warum eigentlich "TeufelselExier" und nicht "TeufelselIxier"?

7,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Armee der Verlierer, Ein Fehler der Natur



Mittwoch, 26. August 2026

Film der Woche#693: Sanatorium pod klepsydrą (1973)

"Sanatorium pod klepsydrą" bedeutet wortwörtlich "Sanatorium unter der Sanduhr" und würde wohl stilistisch richtig betrachtet "Sanatorium zur Sanduhr" heißen. Allerdings lautet der offizielle deutsche Titel "Sanatorium zur Todesanzeige". Der Film stammt aus dem Jahre 1973 und wurde zuerst bei den Filmfestspielen in Cannes ausgestrahlt nachdem die Regierung der Volksrepublik Polen die Veröffentlichung im eigenen Land zuerst zurückgehalten hat. Regisseur war Wojciech Has. Eine der Hauptrollen spielt Tadeusz Kondrat - der Vater des inzwischen mehr als nur bekannten Marek Kondrat. In einer weiteren Rolle ist Szymon Szurmiej zu sehen, der unter anderem auch mehrere Stücke im Jüdischen Thater in Warschau inszeniert hat. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Buch von Bruno Schulz, eines jüdisch-polnischen Autors, Malers und Literaturkritikers.


Wann genau sich die Handlung abspielt, kann man so sicher gar nicht sagen. Fest steht allerdings folgendes. Józef (Jan Nowicki) ist mit dem Zug unterwegs zu einem Sanatorium. Im Zug selbst befinden sich sowohl unter anderem schlafende halbnackte Frauen als auch ein blinder Schaffner. Angekommen, findet er den Weg zum Sanatorium. Dort möchte er nämlich seinen schwerkranken Vater (Tadeusz Kondrat) besuchen. Józef befürchtet nämlich, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Es stellt sich heraus, dass er faktisch betrachtet tatsächlich schon gestorben ist - in seiner Heimat. Hier in diesem Sanatorium ist allerdings alles etwas anders. Es scheint nämlich so, dass alle Patienten hier am Schlafen sind. Józefs Vater ist irgendwie in einem Dauerdämmerzustand und nicht ansprechbar - und das obwohl er eigentlich schon gestorben ist. Die Zeit hier ist tatsächlich "stehengeblieben" bzw. befindet sich auf einer Art anderen Ebene. So kriegen hier Menschen die Chance noch mal in ihr Leben zurückzukehren. So gelangt Józef zurück in seine Kindheit. Er trifft auf seine Mutter und lernt einen Jungen kennen der von Briefmarken und Geographie begeistert ist. Józef selbst spricht und verhält sich so als er wäre ein Kind und wird von anderen Menschen auch so behandelt. Es folgen mehrere Episoden aus seiner Kindheit die surrealer nicht sein könnten. 

Die Geschichte ist voll mit Anspielungen auf die Ereignisse nach dem ersten Weltkrieg, die Shoah und die polnische Gesellschaft nach dem zweiten Weltkrieg. Alles ist durch eine Art surrealen Filter erzählt. So kriegt man nicht alles erklärt, sondern muss sich alles zusammenreimen. Spätestens als lauter orthodoxe Juden ihre Koffer packen und fliehen, weiß man allerdings was Sache ist. Auch das Józefs Gedanken/Träume nicht gerne gesehen werden und er dafür "verhaftet" werden kann ist meiner Meinung nach durchaus eine Anspielung auf das realsozialistische Zeitalter. Die ursprüngliche Geschichte ist auf jeden Fall autobiographisch gefärbt - allerdings wurde der Autor Bruno Schulz 1942 im Drohobyczer Ghetto erschossen und erlebte den polnischen Realsozialismus nicht. Allerdings jedoch 1939 die Besatzung durch die Rote Armee. So denke ich, dass man im Film versucht hat seine Erinnerungen irgendwie als unterschwellige Kritik des damaligen Realsozialismus umzudeuten, was auch zum Versuch der Zensur führte. Allerdings erschien das ursprüngliche Buch 1936, also vor den deutschen als auch sowjetischen Einmarsch in Polen. Ich würde das so interpretieren, dass der Film eine erweiterte Version des Buches ist. Der Film ist wirklich sehr surreal und voll mit merkwürdig klingenden Sätzen. Er wirkt wie ein Traum, der einfach nicht aufhören will. So kann es durchaus sein, dass er verstörend auf die Zuschauer wirkt. Nichtsdestotrotz ein surrealistisches Meisterwerk, dass etwas mehr Konzentration erfordert.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:

 


Dienstag, 25. August 2026

Comic Book Review#691: Captain Carrot and his Amazing Zoo Crew!#1 (1982)

Eine weitere Leihgabe vom Kollegen M. Vielen Dank dafür. Diesmal muss ich wieder feststellen, dass ich diesen Comic schon mal gelesen und reviewt habe. Das ist aber schon so lange her, dass mir wahrscheinlich das eigene Review selbst nicht mehr gefällt. Naja, hier ist es. Ach nee, doch nicht. Es ist die #0. Aha. 

Es ist die Fortsetzung von Ausgabe#0. Tatsächlich. Superman ist auf der Earth-C angekommen, der Heimat von anthropomorphen Tieren. Einer davon ist Karikaturist Roger Rodney Rabbit, der insgeheim der springende Superheld Captain Carrot ist. Wie schon im vorherigen Review erwähnt, benehmen sich die anthropomorphen Tiere plötzlich wie...Tiere. Also wie ihre tierischen Vorfahren. Superman ist der Meinung, dass der Grund dafür die Strahlung vom Planeten Pluto ist. Also reisen Supes und CC dorthin um sich der Sache anzunehmen. Allerdings bleibt Superman dort "stecken", wie das verrate ich nicht.

Also hat Captain Carrot es nun als Aufgabe, seinen menschlichen Freund zu retten. Zurück auf der Erde, trifft er auf lauter illustre Gestalten. Neue tierische Superhelden, die alle ihre Kräfte durch Meteoriten bekommen haben, die plötzlich vom Himmel gefallen sind. Nach und nach trifft CC auf seine neuen Kameraden und sie erzählen ihre Origin Stories. So haben wir das stählerne Schwein Pig-Iron, die superschnelle Schildkröte Fast-Back, die magische Katze Alley-Kat-Abra, die mit Kräften ähnlich des Plastic Man ausgestattete Ente Rubberduck und Yankee Poodle. Bei letzterer handelt es sich um eine Journalistin die urplötzlich Stars und Stripes aus ihren antropomorphen Händen schießen kann. Gemeinsam reisen sie also zum Planeten Pluto um Superman zu retten. Dort stellen sie fest, wer für das tierische Debakel überhaupt verantwortlich ist. Es ist niemand geringeres als Starro, der übergroße hypnotische intergalaktische Seestern, ein Erzfeind von Superman und der Justice League.

Kaum zu glauben, aber wahr. Ich habe die Originalausgabe von 1982 in meinen Händen gehalten. Voll mit superbunten Bildern, Originstories die nach jedem Zusammentreffen zu lesen sind und natürlich Werbung. Eine dieser "Werbespots" in dem Comic ist Batmans Werbung für Twinkies. Aber das ist nur Nebensache. Hauptsache ist: Es ist voll mit tierischen Anspielung auf die echte Welt. So gibt es Städte wie Fullywood in Califurnia. Die United Species of America, Gnu York, Cornsas, Cornada oder Waspington, D.C. Natürlich geht es auch um Teamgeist und gemeinsamen Kampf gegen das Böse. Es ist eine relativ stinknormale, vollkommen überdrehte Originstory, die es schon so oft in der Form gegeben hat. Tatsächlich super witzig, kindgerecht und wie schon gesagt: sehr over the top. Mir hat's gefallen, auch wenn ich mit dem Stil nicht 100% zurecht komme. Gezeichnet von Scott Shaw!, geschrieben von Roy Thomas.

7,5/10 Pfandflaschen
Hier der Comic als Video, gedubbt von Media Calico Comics:


Montag, 24. August 2026

Album der Woche#695: Etnobotanika - Leśne duchy (2024)

Ich habe dieses Album rein zufällig durch den scheinbar völlig verrückten YouTube-Algorithmus empfohlen bekommen. Kurze Zeit später beschloss ich die Gruppe bzw. das Duo zu unterstützen und habe mir das Album auf Bandcamp geholt. 

"Leśne duchy" heißt auf Polnisch sowas wie "Waldgeister" und ist das zweite Album von Etnobotanika nach ihrem selbstbetitelten Debüt. Ich kann leider nicht sagen, wie die beiden Mitglieder heißen, da ich keine Infos finde. Fest steht aber, dass es ein absoluter Banger ist und eine großartige Empfehlung. Der Bandname als auch der Albumtitel suggeriert einen, es könnte sich um irgendeine Art Folk heißen.
Sprich irgendwas über etnische Musik und irgendwas über die Natur. Weil Botanik und so. Tatsächlich liegt man da gar nicht so falsch, wenn man die Namen so einordnet.

Musikalisch bewegen wir uns auf jeden Fall im elektronischen Bereich. Ich bin kein Experte darin, aber die Experten sagen es wäre sowas wie Downtempo, House und äh Nu-Disco. Was auch immer das letztgenannte ist. Aber ich schätze mal, eine neue Form des Disco. Ich höre auf jeden Fall sehr ruhige Beats, hin und wieder ambientige Sounds, Dub, Mundharmonika und ganz viel Hall. Es hört sich für meine Ohren definitiv nach einem halb-legalen Rave in einem dunklem Wald an. Dazu kommen noch jede Menge Samples. Ich kann nicht genau sagen, woher sie kommen - aber sie hören sich definitiv nach irgendwelchen polnischen Dokusendungen (über den Wald) oder irgendwelchen Serien (über den Wald und seine Bewohner) an. Die Songs tragen Titel wie "Der älteste Baum der Welt", "Regen Regen", "Planet Wald", "Wald Ambient", "Zauberinnen" oder "Sümpfe". 

Ich will nicht sagen, dass es sich um großartige Musik für einen Trip handelt. Aber es ist großartige Musik für einen Trip. Oder großartige, trippy Musik. Eine großartige Mischung aus Ambient, Trip-Hop, House und einer Unmenge an Samples aus polnischen Fernsehen von vor 40 Jahren. Sehr gut auf dem Weg zur Arbeit um 5 Uhr morgens wenn die Stadt komplett dunkel und still ist. Großartig.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Najstarsze drzewo świata, Deszcz deszcz, Tajemnice


Donnerstag, 20. August 2026

My Favorite TV-Show: Batman: Caped Crusader

Wow, ich hätte nicht gedacht, wenn man mich vor ca. 10 Jahren gefragt hätte, dass ich noch mal irgendeine Batman-Serie reviewen würde. Aber tatsächlich ist es geschehen. Rausgebracht im Jahre 2024, direkt für eine gewisse Online-Plattform. Mittlerweile ist auch die zweite Staffel draußen und ich werde sie mir bald reinziehen. Betrachtet daher dieses Review als eins zur ersten Staffel.

"Batman: Caped Crusader" wird desöfteren als eine Art "Fortsetzung im Geiste" der klassischen 1992er Batman-Zeichentrickserie betrachtet. Diese war damals Teil des DC Animated Universe und wurde von Bruce Timm (mit)entwickelt. Damals war Paul Dini Autor - leider ist er es hier nicht, dafür hat Bruce Timm seine Finger im Spiel.


Die Serie spielt, anders als "Batman: The Animated Series" definitiv in den 1940er Jahren. Was damals irgendwie vage angedeutet wurde (Gotham City sah aus wie in den 1940er Jahren, die Handlung spielte aber definitiv in der Gegenwart) ist hier definitiv Gesetz. Allerdings fehlen all die Einschränkungen die man sich damals festgesetzt hat. So ist "Caped Crusader" definitiv nichts für Kinder. Es kommt nämlich genau das vor, was man damals vermeiden wollte: Gewalt und böse Schimpfwörter. Wir treffen auf einen noch recht jungen Bruce Wayne (Hamish Linklater), der seinen Butler Alfred Pennyworth (Jason Watkins) immer noch mit Nachnamen anspricht und eine eher distanzierte Beziehung zu ihm hat. Er ist natürlich insgeheim Batman und bekämpft nachts das Verbrechen mithilfe von gewissen Gadgets. Allerdings hat er noch nicht die Erfahrung, die er später haben wird und auch nicht ganz die Skills. So wirkt es auf mich so, dass er wesentlich direkter agiert und unentspannter ist als sonst. Zu seinen Gegnern gehören klassische Batman-Bösewichte wie Clayface, Catwoman, Gentleman Ghost, Two-Face und Penguin. 

Man bedient sich gleichzeitig am "Monster of the week"-Prinzip und hält eine zusammenhängende Geschichte aufrecht. Im Fokus steht dabei insbesondere die Korruption der Gothamer Polizisten, die gemeinsame Sache mit der Mafia machen als auch eben die Mafia die versucht Politiker zu beeinflussen oder es schon längst tut. Die "kostümierten Spinner" sind dabei allerdings nicht nur Beiwerk - auch ihre Geschichten sind interessant, geraten aber etwas zu kurz. So lernen wir den Staatsanwalt Harvey Dent kennen und erfahren was für ein Mensch er ist - was auch seine späteren Verhaltensweisen als Two-Face erklärt. Worüber wir kaum was erfahren ist Batmans Hintergrundstory. Ich meine, diese ist allgemein bekannt, darum war es wohl nicht nötig alles in detail zu erzählen. Aber, so meine ich, wäre es vielleicht interessant gewesen zu erfahren was man sich für diesen Batman ausgedacht hat. So ist die Story zwar immer irgendwie gleich, jedoch gibt es Variationen. Darum war ich gespannt was man sich hierfür ausgedacht hat. Vielleicht kommt es aber in der zweiten Staffel vor. Mir gefällt außerdem das Design. Batman hat "pointy ears" und wirkt super finster und skrupellos. So als würde er beinahe Menschen vom Dach runterschmeißen um an Informationen zu gelangen. Das Design der Umgebung ist dem Design in "Batman: TAS" relativ ähnlich. 1940er Jahre Film Noir in bunt.

Ich war wirklich sehr zufrieden und habe mich dabei erwischt, wie ich den Genuss der Folgen hinausgezögert habe, damit ich länger was davon habe. So wollte ich die einzelnen Folgen immer auf einem großen Bildschirm sehen, bis ich irgendwann eingeknickt habe und die letzten Episoden beim Kochen geguckt habe. Fakt ist: Es lohnt sich, auch als jemand der mit Batman bis jetzt wenig am Hut hatte. Diese Serie hat nichts mit irgendeinem bunten Batman für Kinder zu tun, noch ist sie zu gewalttätig oder übertrieben edgy. Es ist genau richtig. 



Mittwoch, 19. August 2026

Film der Woche#692: Justice League Double Feature#8

Justice League: Crisis on Infinite Earths – Part Two (2024)

Um nachzulesen, was im ersten Teil geschehen ist, klickt hier. Der zweite Teil beschäftigt sich wesentlich mehr mit den Hintergrundgeschichten einzelner Charaktere, vergisst aber nicht die eigentliche Handlung ebenfalls voranzutreiben. So erfahren wir, dass der von Harbinger (die sich am Ende des ersten Teils als Supergirl herausgestellt) rekrutierte Bösewicht Psycho Pirate in der Vergangenheit versucht hat, mehrere Erden zu "übernehmen". Seine Fähigkeit, Menschen psychisch zu manipulieren wird von der Gruppe der Superhelden, die hier versuchen das Multiversum zu retten, benutzt um die Bevölkerung nicht in Panik geraten zu lassen. Wir erfahren auch, wie es dazu kam, dass Supergirl Harbinger wurde. Einst, als ihre Rettungskapsel das brennende Krypton verlassen hat, entdeckte sie der Monitor und nahm sie, zunächst widerwillig, auf. Supergirl aka Kara Zor-El verlor ihr Gedächtnis und hat erst später durch die gespeicherten Informationen in der Rettungskapsel

rausgefunden, dass ihr Heimatplanet zerstört wurde. Der Monitor, der ein beobachtendes Wesen ist, hat dies geschehen lassen. Außerdem kriegen wir mit, wie die Justice League in drei Teams auf drei verschiedenen Erden versucht gegen die Anti-Materie-Wellen anzukämpfen. Es hat sich nämlich rausgestellt, dass es mehrere Wellen sind und die erste nicht die letzte war. Auf verschiedenen Erden installieren sie eine Art antennenartige Türme, die die Wellen neutralisieren sollen. Es kommt zu einer Teambildung mit Batman (Erde-1), Dick Grayson aka Robin und Huntress (beide Erde-2), Batman aus der Zukunft und Batwing die gemeinsam gegen Joker, Solomon Grundy und Killer Croc kämpfen - diese versuchen wiederum eins der Türme zu zerstören. Wonder Woman ist in einem anderen Team auf der Insel Themyscira (wiederum auf einer anderen Erde) und lernt dort eine Alternativversion ihrer Adoptivmutter kennen. Der Psycho Pirate wurde von einem Wesen namens Anti-Monitor korrumpiert, der ihn die ultimative Macht verspricht - wenn er den Monitor verrät.

Ein weiterer Film aus der Reihe, der sich sowohl ziemlich genau an die Comicvorlage hält, allerdings auch einige neuen Sachen miteinbringt. Künstlerische Freiheiten, quasi. Harbinger war nämlich niemals Supergirl und einige Superhelden und Superheldinnen die hier vorkommen, haben in der Comicvorlage noch gar nicht existiert. Es wäre aber eine Schande, sie nicht einzubringen. Ich meine so jemanden wie Batman Beyond, Huntress oder John Constantine. Natürlich kommen hier auch noch einige vor, die keine Sprechauftritte haben. Soll heißen, dass sie irgendwie im Hintergrund zu sehen sind, aber kein Wort sagen. Da muss ich sagen, dass man vllt. etwas mehr in den Film hätte investieren oder diese Filler-Charaktere einfach weg lassen können. Andererseits wirkt die Kulisse sonst wahrscheinlich ziemlich leer. Ansonsten kann ich nicht meckern. Großartige Story, die im dreiteiligen Filmformat sich ordentlich Zeit lässt und nicht zu hastig erzählt wirkt. Dieser Teil fokussiert sich, wie schon gesagt, auf zwei Hintergrundstories ohne allerdings die Haupthandlung zu vergessen. So schafft man es, dass eine große Story nicht bloß in 1,5 Stunden gequetscht wird. Mal gucken, wie es weiter geht.

8/10 Pfandflaschen
Trailer:



Justice League: Crisis on Infinite Earths – Part Three (2024)

Nun sind wir also am Ende angekommen und es kann nicht mehr Meta werden als es schon ist.

Im dritten Teil der Reihe kriegen wir die Folgen des (versehentlichen) Mordes am Monitor mit. Richtig gelesen. Supergirl hat ihn umgebracht - wurde aber währenddessen vom Psycho Pirate manipuliert (ähnlich wie andere Superhelden die plötzlich gegeneinander gekämpft haben). Während er starb transportierte sich seine gesamte Energie in den Satelliten (der immer noch als Stützpunkt für die verschiedenen Teams dient). So konnte die zusammengewürfelte Justice League mehrere Welten (und ihre Sonnen) in eine Art Zwischendimension transportieren. Diese wird "The Bleed" genannt. Hier existieren nun mehrere überlebende Welten weiter und die Menschen werden mit allem nötigen versorgt. Oder zumindest versucht man es. Der Anti-Monitor hat es bis jetzt nicht geschafft in diese Dimension vorzudringen. Es gibt aber auch einen Nachteil. Dadurch dass alles gleichzeitig in einer

Dimension existiert, überlappen sich die Welten. Und so kommt es dazu dass US-Soldaten aus dem 2. Weltkrieg und Dinosaurier auf einer Erde landen während anderswo Batman und seine Sidekicks gegen Nazis kämpfen die allerlei Sachen aus dem Arkham Asylum stibitzt haben. Als Batman unter Scarecrows Angsttoxin leiden muss, erinnert er sich plötzlich an ein Ereignis aus dem Film "Justice League: Warworld". Er realisiert, dass der alte Mann welchen er auf einer der drei Welten traf niemand war als eine ältere Version von Flash, die ihm sagte dass er "zurück an den Anfang" muss. So stellt Batman fest, dass die Lösung für das "Problem" mit dem Multiversum ist, alles zu "resetten". 

Ich glaube, ich habe alles gut genug umschrieben, ohne irgendwie zu spoilern. Nun gut, jedenfalls ist die Saga zu Ende als auch eine Reihe an DC-Filmen (das "Tomorrowverse"). Ich habe keine Ahnung, inwiefern es noch weitere Justice-League-Animationsfilme geben wird - aber ich denke schon. The ride never ends und so. Im Grunde genommen ist das hier nicht nur eine Umsetzung einer großartigen Comicreihe, die dafür da war alles für neue Leser zugänglicher zu machen. Nein, es ist gleichzeitig der Versuch das gleiche umzusetzen, nämlich ein Reset. Und natürlich auch ein Move um ewige Nostalgiker zu befriedigen, damit die mit dem Finger auf dem Fernseher zeigen können und "OH!" rufen können. Wir begegnen hier mehreren Universen, die dem gemeinen DC-Fan definitiv nicht fremd sind. Das DCAU (das mit dem kantigen Gesichtern) bspw., das "Super Friends"-Universum oder die Welt von "Teen Titans Go!". Natürlich in den ursprünglichen Zeichenstilen. Das Ende hat für mich was von "Joa wir sehen uns alle irgendwann wieder". Wie bei diesem Cartoon-Film gegen Drogen aus den 1990ern als Disney und Warner Bros. und hastenichtgesehenwersonstnoch aufeinander getroffen sind um Kindern beizubringen dass Drogen scheiße sind. Aber gut, es ist wie es ist. Ein großartiges Stück Nostalgie ohne zu viel Nostalgie zu sein. In erster Linie einfach eine echt gute Comicverfilmung.

8/10 Pfandflaschen
Trailer:



Dienstag, 18. August 2026

Comic Book Review#690: Catwoman/Tweety & Sylvester#1 (2018)

Wieder mal eine Leihgabe von Kollegen M. Danke dafür.

Es handelt sich hierbei um einen von mehreren Comics aus einer Reihe von Crossover-Comics von DC. Darin treffen DC-Charaktere auf Figuren aus Looney Tunes Cartoons. In diesen One-Shot Geschichten trafen beispielsweise Batman auf den Jäger Elmer Fudd, Wonder Woman auf den Tasmanian Devil, Lobo auf den Road Runner oder wie ihr den Titel entnehmen könnt Catwoman auf das ungleiche Duo Tweety und Sylvester.


Zunächst mal befinden wir uns irgendwo in einer anderen Dimension oder so. Mehrere Hexen sind bei einem Treffen versammelt und streiten sich irgendwann welches Tier für immer sterben soll: Vogel oder Katze? Denn beides sind eigentlich durchaus gängige Begleiter von Hexen. So kommt es dass die beiden Hexen-Fraktionen aus der Looney Tunes Dimension zwei Cartoon-Character nach Gotham schicken: den kleinen Kanarienvogel Tweety und den reinrassigen Streunerkater Sylvester, der stets darauf aus ist den Vogel zu fressen. Sylvester trifft auf Catwoman und Tweety auf die Superheldin Black Canary. Die Hexen haben alles so manipuliert, dass wenn einer von den beiden Cartoon-Charakteren stirbt, alle Vertreter der jeweiligen Spezies auf der Welt sterben werden. Also nicht nur Vögel oder Katzen sondern auch menschliche Vertreter wie eben Catwoman oder Black Canary. Die beiden Frauen kämpfen gegeneinander und rufen aber auch nach Hilfe. So kämpfen auf Catwomans Seite solche Helden/Villains wie King Tiger, Cheetah, Catman oder Starfire (die von Katzen abstammt), auf Black Canarys Seite hingegen Hawman, Hawkgirl, Raven oder Robin. Es kommt zu einem heftigen Kampf - jeder gegen jeden. Bis man irgendwann erkennt, dass man manipuliert wurde. Die zweite Story ist im Looney Tunes Stil gehalten. Darin möchte Sylvester in das Apartment der Besitzerin von Tweety (einer netten alten Frau) einbrechen um den Vogel zu fressen, Catwoman aber auch, um Juwelen zu stehlen. Die beiden tun sich zusammen und kriegen am Ende von Black Canary und Tweety auf die Schnauze.

So weit, so gut. Kurzweiliges, lustiges Vergnügen. Alle von einer Spezies (oder so) tun sich zusammen gegen andere von einer anderen Spezies (oder so), nur um am Ende zu erkennen dass sie eigentlich nicht gegeneinander zu kämpfen brauchen. Sehr witzige Zusammenstellung. Ich feier das extrem, wie Tweety und Sylvesters Sprachfehler wieder prominent sind. So lispelt der Kater und der Kanarienfogel spricht das "W" wie ein "L", das "S" wie ein "T" oder "D" aus. Auch haut Tweety sowohl Sylvester als auch Catwoman mit einem übergroßen, cartoonesken Hammer auf dem Kopf. Wie schon oben gesagt: Sehr kurzweiliges Vergnügen, was im Grunde nur auf Unterhaltung abzielt. Super witzig und nur dafür da den Leser ca. 30 Seiten lang irgendwie zum Lachen zu bringen. Absolut verrückte Idee, die auch gar nicht auf die düstere Art durchgezogen wird. Geschrieben von Gail simone, gezeichnet von Inaki Miranda. Die Cartoon-Story wurde von Shea Fontana geschrieben und von Walter Carzon gezeichnet.

7/10 Pfandflaschen
Hier der Comic als Video von DC Universe:


Montag, 17. August 2026

Album der Woche#694: King Crimson - In the Court of the Crimson King (1969)

Ich wollte dieses Album schon so lange reviewen. Und weil dieses Jahr, zumindest in dieser Rubrik, das Jahr der verpassten und aufgeholten Chancen zu sein scheint, ist es jetzt soweit. Lange habe ich auch dieses Cover immer und immer wieder in irgendwelchen Bestenlisten gesehen und war durchaus daran interessiert, zu erfahren was denn eigentlich dahinter steckt. Und es ist ziemlich viel.


"In the Court of the Crimson King" ist das erste Album von King Crimson, die im Jahre 1969 aus Robert Fripp, Ian McDonald, Greg Lake, Michael Giles und Peter Sinfield bestanden. Es ist eines der Alben, die Progressive Rock überhaupt erst ins Rollen gebracht haben. Quasi sowas wie eines der Prototypen, wobei ich fast schon behaupten würde, dass es einzigartig ist. Es ist natürlich "progressiv", sprich es legt sich nicht fest auf typische Rock'N'Roll-Rhythmen, zieht die Songs unglaublich in die Länge (bis zu 12 Minuten) und manövriert irgendwo zwischen super entspannten, ruhigen Klängen ("I Talk To The Wind") und jazzigen, abgedrehten Wahnsinn geflutet mit einer Ficktonne an Bläsern, verrückten Schlagzeugspiel und verzerrten Gesang ("21st Century Schizoid Man"). Dennoch hat Progressive Rock, im weiteren Verlauf der Geschichte des Genres durchaus typische Bestandteile der Musik, die sich nun mal etabliert haben. 

Ich bin der Meinung, dass King Crimson anders als zum Beispiel spätere Pink Floyd nicht unbedingt in den "typischen" progressiven Klang fallen. Hier steht das Genre noch am Anfang und man kann, denke ich, natürlich noch nicht "festlegen" wie es klingen sollte. Zum Glück. Das Album ist meines Erachtens eine Art Spagat zwischen großartigen Ausraster und einer nicht weniger großartigen Meditationssenssion. So ist "21st Century Schizoid Man" so ziemlich das Gegenteil zum Titeltrack. Opener und Closer stehen in meinen Ohren für das gestresste Aufwachen und beruhigte Einschlafen. Es ist faszinierend. Nicht weniger faszinierend ist die Tatsache wie viel Instrumente hierfür verwendet wurden. Alleine Ian McDonald bedient hier ein Saxophon, Flöte, zwei Klarinetten, Vibraphon, Mellotron, Orgel, Klavier und Cembalo. Und natürlich singt er auch nebenbei. Den Hauptgesang übernimmt Robert Fripp (der inzwischen irgendwelche Instagram-Reels macht wobei er unter anderem Limp Bizkit covert). Heilige Scheiße, ist das überwältigend. Ich glaube an dem Punkt ist auch das Review zu Ende.

10/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: 21st Century Schizoid Man, Moonchild, In the Court of the Crimson King


Freitag, 14. August 2026

So isses, Musik!#217

FROM FIRST TO LAST: From First To Last

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Unterrubrik bei "So isses, Musik!". Diesmal geht es nicht um irgendwelche Listen oder ganze Discographies oder so. Stattdessen habe ich beschlossen von Bands die mich irgendwie interessieren bzw. die es eigentlich evtl. Wert wären, dass man einen Blick auf ihre Discography riskiert, das erste und das letzte Album zu reviewen. Und damit meine ich das letzte Album, das bisher veröffentlicht wurde. Für einige Discographies fehlt einfach die Zeit und manchmal auch die Lust. Und weil die Rubrik so heißt wie sie heißt, habe ich beschlossen als erstes der Post-Hardcore Band From First To Last eine Chance zu geben.

Das erste Album heißt....

"Dear Diary, My Teen Angst Has A Bodycount" (2004)

Nun, es ist wie es ist. Ein absolutes scene-iges Album, dass sowas von in irgendeinem us-amerikanischen Einkaufszentrum hätte aufgenommen sein können. Die Band bestand zu dem Zeitpunkt aus Derek Bloom (dr), Jon Weisberg (b,voc), Travis Richter (git,voc), Matt Good (git, voc) und Sonny Moore (voc, git). Nach seiner Zeit bei der Band war es für Moore zu Ende. Seine Stimme hat die Anstrengung nicht vertragen. Kurze Zeit später wurde er Dubstep DJ, bekannt als Skrillex. Aber das nur so am Rande.


FFTL sind vielleicht nicht mit My Chemical Romance zu vergleichen, aber wenn dann eher mit The Used. Das sage ich, weil es die einzigen zwei Bands aus diesem Spektrum waren, die ich in meinem Leben gehört habe. Es ist genau das was ich erwartet habe. Ein Albumtitel das ein Filmzitat von Wynona Rider ist. Songtitel wie "I Liked You better Before You Were Naked On The Internet" oder "The One Armed Boxer vs. The Flying Guillotine". Verschachtelte Lyrics, die sich anhören als würde man 10 Sätze gleichzeitig anstelle von nur einem sagen. Sonny Moore klingt besonders schwermütig, manchmal aber besonders verheult und traurig. Zum Beispiel auf "Emily". Meine Fresse, wenn ein Song Emo ist, dann ist es dieser. Er sollte eigentlich im Musik-Wörterbuch stehen, wenn man nachschlagen möchte was "Mall Screamo" oder "2000s Emo" sein soll.

Es ist insgesamt eher durchwachsen, midtempo und für meinen Geschmack doch ein wenig zu weinerlich. Ich mag es eher, wenn man seinen Schmerz rausschreit und wütend ist als traurig. Also, schlecht ist es nicht, aber nun mal nicht ganz mein Fall. Das isses.

Anspieltipps: Kiss Me! I'm Contagious, Note To Self, Ride The Wings of Pestilence
6/10 Pfandflaschen



...und das letzte Album

"Dead Trees" (2015)

Das letzte bisher veröffentlichte Album heißt also "Dead Trees" und wurde in der Besetzung Matt Good (git, voc), Travis Richter (git), Taylor Larson (git), Matt Manning (b), Ernie Slenkovich (dr) und Spencer Sotelo (voc) aufgenommen. Wie ihr lesen könnt, ist bis auf Matt Good und Travis Richter niemand mehr vom Line-Up des ersten Albums da. Nachdem Sonny Moore ausgestiegen ist, hat Matt Good den Gesang übernommen. Travis Richter stieg zwischendurch ebenfalls aus, ist hier aber wieder da. Am Gesang haben wir Spencer Sotelo, den Leadsänger der Prog/Djent Metal Band Periphery. Dieser variert seinen Gesang definitiv anders als Moore, allerdings ebenfalls zwischen cleanen und nicht
cleanen Vocals. Die Instrumentals gehen definitiv in eine andere Richtung - es hört sich "metallischer" an, progressiver, mehr wie eine mathematische Formel. Weitaus weniger scene-ig auch wenn das Albumcover das irgendwie so rüberbringt. Stellenweise höre ich auch definitiv etwas Nu Metal raus - und zwar marke Linkin Park bzw. Spineshank. Andererseits wird es auch ziemlich emo-mäßig, vor allem was den poppigen Gesang betrifft. Wirklich großartiges Werk. Gefällt mir wesentlich besser als das erste Album.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Black And White, I Solemnly Swear That I Am Up To No Good, 



DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

DxBxSx – Der Mittelstand

Raphi:

"Drive By Shooting aus Berlin machen Musik, die verdammt nach Berlin klingt. Das Ganze klingt ein bisschen nach einer Mischung aus Stoner Rock, Deutschpunk, einer Suppe aus Bier und dem Boden eines Aschenbechers, und jeder Menge keine Lust auf Arschlöcher. Und zu den vielen Leuten, denen DxBxSx mal den gestreckten Mittelfinger zeigen wollen, gehören auch Neoliberale."

Philipp:

"Ich kann mit dieser Band aus Prinzip nichts anfangen, das könnte unter anderem daran liegen, dass Berlin für mich die überbewertetste Stadt Europas ist, Berliner für mich Pfannkuchen heißen und ich die Berliner Schnauze für eine Infektionskrankheit halte.
Zudem kann ich dieser Stadt einfach nicht verzeihen, dass einer meiner liebsten Musikerkollegen seine Thüringer Provinz für sie im Stich ließ und lieber dort sein neues Glück (murxpunx.bandcamp.com) suchte. Und es gibt kaum eine Band, die mehr nach Berlin klingt, aussieht und riecht als DXBXSX. Wer's mag. Ich gehe dann mal heimlich unter der Bettdecke "Ihr!Alle!Immer!" hören."

Ich:

Ich weiß nicht an welche Deutschpunk-Legende mich der Sänger erinnert. Aber irgendwie kommt mir die Stimme bekannt vor. Wirklich sehr kurzweilige Lyrics. "Unterstützt den Mittelstand, Mittelstand, Mittelstand (...) gebt die Kinder aus der Hand!". Ziemlich cooles Gitarrensolo. Und später noch ein Riff dass an "Too Drunk To Fuck" von Dead Kennedys erinnert. Eine ironische "Auseinandersetzung" mit dem äh Mittelstand, also irgendwie ein Mittelfinger an äh den Mittelstand. Es ist irgendwie....belanglos. Also, klar nach allen Regeln des Deutschpunks tatsächlich gut durchgespielt. Der Song bleibt im Ohr stecken und ist simpel aufgebaut. Ich finde das allerdings schon beim zweiten Durchhören äußerst nervig. Ich kann mir nicht vorstellen, ein ganzes Album davon anzuhören.

Dödelhaie – Stolz

Raphi:

"Die Dödelhaie haben einen ziemlich dummen Namen und waren eng mit Daily Terror befreundet. Auch musikalisch finde ich die Band aus Duisburg eher unangenehm und unreflektiert. Ein paar Hits hatten sie dennoch, und dazu gehört eben die stark verkürze Kritik am Nationalstolz namens „Stolz“."

Philipp:

Dass uns Raphael solch einen Sondermüll zum reviewen vorsetzt, zeugt von einer sympathisch sadistischen Ader. Die beschissene Band mit dem beschissenen Namen scheint es wohl tatsächlich immer noch zu geben, sie ziehen immer noch 16Jährigen das Geld aus der Tasche und lassen ab und zu durch Nazi-Hacker ganze Kontaktdatenlisten veröffentlichen. Das war zumindest das letzte was ich mitbekommen habe, bevor ich zu alt war, mich jemals wieder mit dieser Bums-Kapelle zu beschäftigen. Schlechte Musik für schlechte Menschen, schlechte Texte, die von 16jährigen Jungpunks wohl okay wären aber nicht von angeblichen Szene-Helden. Deutsche Exploited (so abfällig wie möglich gemeint.).

Ich:

Ich habe diese Band tatsächlich nie kontinuierlich gehört. Meiner Erinnerung zufolge hatte ich irgendwelche einzelnen Tracks, die es kostenlos zum Download gab. Zum Beispiel das Lied "Radikal". Ich verstehe den Bandnamen nicht. Was habt ihr mit Pimmeln und Haien? Warum macht ihr solch beschissene Musik? Okay, das Riff am Anfang ist irgendwie cool. Dieser Gesang und die Art und Weise wie der Sänger bestimmte Worte ausspricht ist unfassbar nervig ("in der Schweiiiiiiz!"). Der Text sowieso. Soll eine Auseinanderstzung mit Nationalstolz sein, klingt aber eher wie "ugga ugga wir singen das was andere schon gesungen haben". Meine Fresse, warum? Waruuuuuuuuuum? Mir fällt dazu dieses Meme ein mit dem alten Mann der sich vor seiner Haustür auf den Boden legt, weil irgendjemand ihn dahin gepinkelt hat und er dabei "waruuuuum was hab ich dir getaaaaan?" schreit.

DritteWahl – Sonne und Meer

Raphi:

"Den Song habe ich mir damals mit einem 28.8K Modem heruntergeladen und ich bereue bis heute keine der vielen Minuten, die ich dafür gebraucht habe. Bis heute riecht das Lied für mich nach frischer Seeluft und all dem Ekel, den ich auf meinem einzigen Besuch beim Force Attack Festival erlebt habe. Seitdem habe ich Dritte Wahl bestimmt vier mal live gesehen, aber kenne eigentlich bis auf „Hash“ und „Sonne und Meer“ fast keinen Song. Ich liebe aber das lange Outro und den Gesangseinsatz zu Beginn der zweiten Strohpe."

Philipp:

"Dritte Wahl waren tatsächlich eine der wichtigsten Bands meiner Jugend. Die erste Punkband, die ich wirklich für hart hielt, die erste Band, die mir musikalisch die Tür in andere Genres geöffnet hat und dazu noch echt annehmbare Texte hatte. Es gibt kaum eine andere Band, die ich zwischen 2007 und 2016 so oft live gesehen habe, von der ich jedes Lied von "Fasching In Bonn" bis "Gib Acht" frenetisch mitgrölen konnte und dafür bin ich bis heute dankbar. Mit allen Alben nach diesem Album und einer etwas unliebsamen Begegnung mit den Bandmitgliedern selbst haben sie mich leider völlig verloren. Das ändert nichts daran, dass sie ein paar wirklich großartige Songs geschrieben haben und immer herrlich unangepasst zwischen sämtlichen Stühlen zwischen Punk, Metal und irgendwie etwas peinlichem Rockertum saßen. "Sonne Und Meer" ist dabei bereits zu DDR-Zeiten entstanden und lässt einigen Interpretationsspielraum zu, ja könnte tatsächlich sogar von einer misslungenen Fluchtgeschichte handeln. Toller Song von einer einstmals tollen Band, die mittlerweile leider ziemlich belanglos geworden ist."

Ich:

Dritte Wahl sind jahrelang an mir vorbeigegangen. Ich weiß nicht ob es an dem Namen lag oder oder oder. Jedenfalls waren sie in meinem Kopf nie präsent. Vielleicht lag es auch daran, dass sie auf mich relativ unspektakulär wirkten. Wenn ich mir den Text so anhöre, kann ich Philipp nur zustimmen. Meiner Meinung nach geht es hier auch um eine Fluchtgeschichte. Vielleicht geht es dabei um jemanden aus dem Bekanntenkreis der Band. Ich mag die Zusammenstellung des durchaus einfachen aber intensiven Textes, etwas Gitarrensoli und einfachen Arrangement. Ebenfalls gefällt mir das Intro mit dem ausklingenden Schlagzeug, dem Meer und den Möwen. Es ist catchy und irgendwo wohl typisch Deutschpunk. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie theoretisch mein 17-jähriges ich auf der Mainwiese sitzt und Sangria trinkt und irgendwoher läuft dieses Lied aus einem Tapedeck.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Ulver Discography: Silence Teaches You How To Sing EP (2001)

Das nenne ichmal ein gelungenes Experiment. Erschienen zwischen "Perdition City" und dem Sountrack zu "Lyckantropen". Direkt danach werde ich mich übrigens mit einer ähnlich betitelten EP beschäftigen, die "Silencing The Singing" heißt. Aber das nur so nebenbei. 

Die EP besteht aus einem einzigen Song, der genauso heißt. Teile davon wurden für den Score des Horrorfilms "Sinister" verwendet, als auch dessen Sequel. Ich fand beide unsäglich schlimm. Aber das


auch nur so nebenbei. Das Werk ist wieder mal ein Beweis dafür, dass Ulver quasi alles können. Es ist nämlich nicht "Post Metal" oder "Synthpop" und nicht bloß "Ambient" sondern ein wirklich experimentelles Werk dass irgendwo in der Dark Ambient Sphäre anzusiedeln ist. Im Grunde genommen hört sich "Silence Teaches You How To Sing" an wie ein defekter Radiosender bei welchem man ganz lange nach einem Signal suchen muss. Man kriegt also typische Radiogeräusche zu hören. Statisches Rauschen, Surren, Wirren. Und dann irgendwann mal tatsächlich ein Musiksignal. Fast so als würde man durch eine post-apokalyptische Landschaft in seinem uralten Auto fahren und versuchen irgendwie ein Lebenssignal von überlebenden Menschen zu finden. Irgendwann kommt dann auch tatsächlich typischer Gesang von Kristofer Rygg. Ehrlich gesagt ist es ganz schön schwierig für Ulver, mich irgendwie zu enttäuschen. Auch hier schaffen sie es so überhaupt gar nicht. Es ist wunderschön, kryptisch und faszinierend.

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: lol es gibt nur einen Song



Mittwoch, 12. August 2026

Film der Woche#691: Justice League Double Feature#7

Justice League x RWBY: Super Heroes & Huntsmen, Part Two (2023)

Ach....Okay, also im letzten "Justice League Double Feature" gab es eine Kritik zum ersten Teil zu lesen. Diese könnt ihr hier nachlesen. Und äh naja, im Grunde genommen habe ich zum zweiten Teil nicht besonders viel zu sagen, ehrlich gesagt. Es ist im Prinzip eine sehr ähnliche Handlung, nur dass alles auf der Erde stattfindet. Sprich: Die RWBY-Jägerinnen gelangen auf die Erde und kämpfen gemeinsam mit der Justice League (die nun wieder erwachsen ist) gegen die Grimm-Monster. Es stellt sich heraus, dass hier hinter, wie im ersten Teil, eines der Gegner der JL steckt, eine äh KI namens Kilgore

- ihr Partner dabei ist Doctor Arthur Watts, der tatsächlich aus der Welt der RWBY stammt und irgendwie sein äh Bewusstsein digital in die andere Welt übertragen hat. Also, RWBY und Justice League kämpfen gemeinsam mit den Batman/The Flash-Schurken Killer Croc, Mirror Master und Weather Wizard gegen die Grimm Monster usw. usf.

Ich habe dazu nichts mehr zu sagen. Es ist scheiße, sieht aus wie eine Fortnite-Live-Übertragung, der Plot ist austauschbar. Es ist in meinen Augen absoluter Müll. Selbst wenn der Film an jüngere Zuschauer gerichtet ist, warum nicht trotzdem etwas anspruchsvolleres kreieren? Meine Fresse ey. Ich wollte eigentlich ein Bild von einem eingeschlafenen alten Mann in seinem Sofa hier drunter posten - sinnbildlich für mich während der Sichtung des Films, aber so gemein bin ich nun doch nicht. Anyway:

0/10 Pfandflaschen
Trailer:




Justice League: Crisis on Infinite Earths, Part One (2024)

Es gab ja vor einiger Zeit ein Comic Book Review zum gleichnamigen Comic. Und wie es der (nicht)Zufall will, kommt jetzt das Review zum darauf basierenden Animationsfilm.

Barry Allan (Matt Bomer) aka Flash durchlebt immer wieder Zeitsprünge in verschiedene Phasen seines Lebens, als würde er alles noch mal durchleben. Eines dieser großen Momente ist der Kampf von ihm, Batman, Superman, Wonder Woman und Martian Manhunter gegen den Androiden Amazo. Das ist schon der zweite Kampf, nach dem ersten wurde Superman verwundet und man suchte Hilfe bei Bruce Wayne aka Batman. Der erste Kampf war auch die quasi Inspiration für die Gründung eines Teams, der Justice League. Amazo hingegen wurde von einem Wissenschaftler namens Professor Ivo erschaffen - und von Lex Luthor missbraucht. Dieser beeinflusste den Androiden so, dass er anfing Superhelden ihre Kräfte zu rauben. Während der scheinbar unkontrollierbaren Zeitsprünge wird Barry aber auch zwei mal auf die Erde-3 geschickt, wo das skrupellose Crime Syndicate herrscht. Dieses besteht aus "bösen" Versionen der Justice League: Ultraman, Superwoman, Johnny Quick, Owlman und Power Ring.

Nachdem das CS Flash foltert finden sie durch sein Geständnis heraus, dass Multiversen existieren und beschließen andere Welten ebenfalls zu unterwerfen. Jedoch besteht eine multiverselle Gefahr. Eine Welle von Anti-Materie droht verschiedene Welten zu zerstören. Erde-3 ist als nächstes dran. Während eines anderen Zeitsprungs zu Barrys Hochzeit taucht ein Wesen namens Harbinger (Meg Donnelly) auf und fordert Flash und seine anwesenden Superhelden/Trauzeugen mitzukommen. Sie sammelt nämlich die besten Kämpfer/Schlaumeier/Taktiker von den verschiedensten Erden - im Auftrag eines die Welten beobachtenden Wesens namens Monitor (Jonathan Adams). Gemeinsam sollen nun die verschiedensten Superhelden einen Weg finden die Anti-Materie Wellen zu stoppen und somit auch die Zerstörung des Multiversums. Dabei sind nun zwei verschiedene Supermen, Huntress (die Tochter von Bruce Wayne von Erde-2), Robin (ebenfalls von Erde-2, zu dem Zeitpunkt hat der Erde-1 Batman noch keinen Robin), Green Arrow, Hawkman, Vixen, Mister Terrific - nur um ein paar zu nennen.

In erster Linie ist das eine interessante Story. Ich stehe drauf, wenn jemand wortwörtlich durch sein Leben springt und immer wieder alte Erinnerungen auffrischt. Was mir auch gefällt ist, wenn ein riesiges Team aus Helden von verschiedenen Welten gebildet wird. Tatsache ist aber, dass sowas mittlerweile eher eingesetzt wird um Nostalgie-Punkte bei alten Fans zu kassieren. Denn, es gab bis auf das Arrowverse-Serienevent keine vernünftige Verfilmung von "Crisis On Infinite Earths". Ich vermute mal, dass in diesem DC-Animated/wieauchimmersichdasjetztnennt-Universum dieser Film zu einem Reboot führen wird. So wie die Comic Reihe damals zu einem Reboot geführt hat. Einfach weil alles für neue Fans unübersichtlich wurde. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass es vor einigen Jahren auch einen Reboot gegeben hat, aus dem gleichen Grund. Überhaupt gibt es eine Reihe von Standalone-Filmen, zusammenhängenden Filmen und wenn man keine Ahnung von hat, muss man sich ganz schön einlesen. Anyway: Der Zeichenstil erinnert mich ein klein wenig an die DCAU-Serien aus den 90ern nur dass die Gesichter nicht ganz so kantig sind. Mir gefällt dieser Ausflug in unterschiedliche DC-Welten. Allerdings wirkt der erste Film wie eine Art Teaser. Nicht weil wenig passiert sondern weil noch viel mehr passieren wird. Es ist im Grunde nur ein Vorgeschmack für ganz schön viel Zeug. Ich hoffe es wird nicht komplett verhunzt indem man einfach nur einen Haufen Superhelden in eine Suppe schmeißt in der Hoffnung, es würde schon irgendwie funktionieren. 

7,5/10 Pfandflaschen
Trailer:




Dienstag, 11. August 2026

Comic Book Review#689: Batman: Legends of the Dark Night Annual#5 (1995)

Wieder mal eine Leihgabe von Kollegen M., wieder mal vielen Dank dafür.

Diesmal handelt es sich um eine Annual Ausgabe (also eine jährliche Ausgabe) von "Batman: Legends of the Dark Knight". Eine Annual Ausgabe erscheint einmal im Jahr (nein echt) und behandelt eigentlich immer eine in sich abgeschlossene Geschichte und ist auch etwas dicker als die monatlichen Ausgaben. Bei "Batman: Legends of the Dark Knight" handelt es sich um eine Reihe, die in den 1990ern rausgekommen ist und bereits bekannte Stories über Batman noch mal im neuen Gewand präsentiert hat.


In der Ausgabe#5 befinden wir uns scheinbar immer noch (der Überschrift "Year One" nach zu urteilen) im ersten Jahr der Karriere Bruce Waynes als Batman. Es existieren hier zwei Handlungsstränge, die irgendwann aufeinander treffen. Zum einen ist es die Story des Forscher Kirk Langstrom, der gehörlos ist und sich mit genetischen Experimenten beschäftigt. Er fragt sich ob man ein Serum, welches auf der DNA von Fledermäusen basiert, Menschen injizieren kann - damit unter anderem Gehörlosigkeit geheilt werden kann. Allerdings wird seine Forschung irgendwann nicht mehr finanziert weil sie als pseudowissenschaftliches und unprofitables Mambo Jambo verstanden wird. So testet er das Medikament an sich selbst und es funktioniert. Sein Gehör ist wieder da und er ist so selbstsicher, wie nie zuvor. Doch es verwandelt ihn nach und nach in eine übergroße Fledermaus. Sein Bewusstsein als Mensch verschwindet immer mehr, sodass nur noch das Tier da ist, was nachts durch Gotham streift. Seine Partnerin Francine will ihn suchen, doch sein Laborpartner Darryl will ihr währenddessen an die Wäsche und versucht sie davon zu überzeugen, sie solle ihn vergessen. Zum anderen geht es hier auch um Batman, der eine Gruppe von Einbrechern jagt und dabei immer wieder versagt. In seiner Batcave arbeitet er gemeinsam mit seinem Butler Alfred Pennyworth an Verbesserungen am Batkostüm. Einer der Verbrecher wird irgendwann fest genommen und erzählt irgendwas über ein Monstrum, dass wie eine riesige Fledermaus aussieht. Er ist fest davon überzeugt, dass das Batman ist. Auch die Zeitungen greifen die Behauptung auf und es entsteht eine "steile These", Batman wäre ein tatsächliches Fledermaus-Mann-Hybrid. Fest steht: die Wege von Langstrom und Wayne müssen sich einfach kreuzen. Dem Mann im Körper einer riesigen Fledermaus muss geholfen werden.

Zeichnungtechnisch ist das hier sowieso grandios. Ich finde, dass Quique Alcatenas Darstellung des Dunklen Ritters irgendwie auf der von "Batman: The Animated Series" basiert. Generell fühle ich mich hier an die erste Folge der Serie erinnert - schließlich basiert sie auf der gleichen Story auf welcher dieser Comic hier basiert. Mir gefällt außerdem wie man das Thema "das Tier im Menschen" aufgreift und vielleicht deswegen die Gesichtszüge der meisten Menschen hier so animalisch und aggressiv wirken. Dazu kommt noch der Umgang mit dem Verlust von Sinnen bzw. der Überreizung durch die Übersteigerung der Sinne. So ist Langstrom zuerst taub und völlig unsicher. Als jedoch das Serum ihm sein Gehör wieder gibt, wird er zum selbstsicheren coolen Typen. Bis dann seine radarmäßigen Supersinne komplett überreizt sind und er irgendwann das Steuer an das Tier abgibt, dass diese Sinne wesentlich besser kontrollieren kann. Fantastisches Aufeinandertreffen von Batman und Man-Bat. Wirklich großartige Story von Chuck Dixon. Ich stehe auf diese inneren Monologe. Es ist fantastisch.

9/10 Pfandflaschen
Hier ein Video von der Southgate Media Group:




Montag, 10. August 2026

Album der Woche#693: Earth - The Bees Made Honey in the Lion's Skull (2008)

Kann mich grob daran erinnern, viel über diese Band gelesen zu haben - als auch das Gitarrist Dylan Carlson in den Schlagzeilen war, weil er das Gewehr besorgt mit welchem Kurt Cobain sich erschossen hat. Aber darum geht's hier nicht. Auch nicht, dass Earth sich letztens (Ende Januar 2026) in Italien geweigert haben neben einer Palästina-Fahne zu spielen, ich das begrüßt habe und dumme Kommentare

abbekommen habe. Darum geht's nicht. Diesmal geht es um das fünfte Album von Earth namens "The Bees Made Honey in the Lion's Skull". Ich habe seltsamerweise den Titel falsch in Erinneung gehabt und habe irrtümlicherweise geglaubt, es würde sich um einen Bären- und nicht um einen Löwenschädel handeln.

Der Titel ist ein Bezug auf eine Zeile im "Buch der Richter" im Alten Testament. Darin hat Samson einen Löwen geschlachtet und hat hinterher gesehen wie Bienen in dessen Schädel angefangen haben Honig auszubreiten. Die Songtitel beziehen sich teilweise auf das Buch "Blood Meridian" von Cormac McCarthy. 

Da ich zwar viel über Earth gelesen habe, aber bis jetzt nicht wirklich das Vergnügen hatte, mir die Band anzuhören war ich doch ziemlich überrascht. Ich erwartete eine Art Hybrid aus Doom Metal, Sludge und Grunge. Was ich stattdessen bekommen habe waren Songs mit Überlänge, die zwar ein wenig das Doom Metal Feeling rübergebracht haben, allerdings ohne schwere langatmige Riffs. Und auch ohne Gesang. Ich habe mich beim Anhören gefühlt, als würde ich den Soundtrack zu "They Live" anhören. Als würden sich die Menschen um mich herum als Nicht-Menschen entpuppen und als wäre alles irgendwie da aber auch nicht. Wenn ich ehrlich bin, lässt sich das schwer einsortieren. Ich nenne es "Undoomed Metal". Es sind dieselben Merkmale da, es ist progressiv, monoton und irgendwie auch langatmig. Allerdings fehlen jegliche Kontexte zum Weltuntergang, Cannabis oder irgendeiner Art von Depression geschweige denn irgendwelche Referenzen zu Sabbath, Pentagram usw. Im Grunde genommen ist es leicht schwere (aber nicht zu schwere) langatmige Rockmusik - die eine Hammond Orgel inkludiert und ein elektrisches Piano. Interessante Sache, das. Wirklich sehr interessant. Und unglaublich entspannend.

Anspieltipps: Miami Morning Coming Down II (Shine), Hung From The Moon
8,5/10 Pfandflaschen