Wann genau sich die Handlung abspielt, kann man so sicher gar nicht sagen. Fest steht allerdings folgendes. Józef (Jan Nowicki) ist mit dem Zug unterwegs zu einem Sanatorium. Im Zug selbst befinden sich sowohl unter anderem schlafende halbnackte Frauen als auch ein blinder Schaffner. Angekommen, findet er den Weg zum Sanatorium. Dort möchte er nämlich seinen schwerkranken Vater (Tadeusz Kondrat) besuchen. Józef befürchtet nämlich, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Es stellt sich heraus, dass er faktisch betrachtet tatsächlich schon gestorben ist - in seiner Heimat. Hier in diesem Sanatorium ist allerdings alles etwas anders. Es scheint nämlich so, dass alle Patienten hier am Schlafen sind. Józefs Vater ist irgendwie in einem Dauerdämmerzustand und nicht ansprechbar - und das obwohl er eigentlich schon gestorben ist. Die Zeit hier ist tatsächlich "stehengeblieben" bzw. befindet sich auf einer Art anderen Ebene. So kriegen hier Menschen die Chance noch mal in ihr Leben zurückzukehren. So gelangt Józef zurück in seine Kindheit. Er trifft auf seine Mutter und lernt einen Jungen kennen der von Briefmarken und Geographie begeistert ist. Józef selbst spricht und verhält sich so als er wäre ein Kind und wird von anderen Menschen auch so behandelt. Es folgen mehrere Episoden aus seiner Kindheit die surrealer nicht sein könnten.
Die Geschichte ist voll mit Anspielungen auf die Ereignisse nach dem ersten Weltkrieg, die Shoah und die polnische Gesellschaft nach dem zweiten Weltkrieg. Alles ist durch eine Art surrealen Filter erzählt. So kriegt man nicht alles erklärt, sondern muss sich alles zusammenreimen. Spätestens als lauter orthodoxe Juden ihre Koffer packen und fliehen, weiß man allerdings was Sache ist. Auch das Józefs Gedanken/Träume nicht gerne gesehen werden und er dafür "verhaftet" werden kann ist meiner Meinung nach durchaus eine Anspielung auf das realsozialistische Zeitalter. Die ursprüngliche Geschichte ist auf jeden Fall autobiographisch gefärbt - allerdings wurde der Autor Bruno Schulz 1942 im Drohobyczer Ghetto erschossen und erlebte den polnischen Realsozialismus nicht. Allerdings jedoch 1939 die Besatzung durch die Rote Armee. So denke ich, dass man im Film versucht hat seine Erinnerungen irgendwie als unterschwellige Kritik des damaligen Realsozialismus umzudeuten, was auch zum Versuch der Zensur führte. Allerdings erschien das ursprüngliche Buch 1936, also vor den deutschen als auch sowjetischen Einmarsch in Polen. Ich würde das so interpretieren, dass der Film eine erweiterte Version des Buches ist. Der Film ist wirklich sehr surreal und voll mit merkwürdig klingenden Sätzen. Er wirkt wie ein Traum, der einfach nicht aufhören will. So kann es durchaus sein, dass er verstörend auf die Zuschauer wirkt. Nichtsdestotrotz ein surrealistisches Meisterwerk, dass etwas mehr Konzentration erfordert.
8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:
