Freitag, 14. August 2026

So isses, Musik!#217

FROM FIRST TO LAST: From First To Last

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Unterrubrik bei "So isses, Musik!". Diesmal geht es nicht um irgendwelche Listen oder ganze Discographies oder so. Stattdessen habe ich beschlossen von Bands die mich irgendwie interessieren bzw. die es eigentlich evtl. Wert wären, dass man einen Blick auf ihre Discography riskiert, das erste und das letzte Album zu reviewen. Und damit meine ich das letzte Album, das bisher veröffentlicht wurde. Für einige Discographies fehlt einfach die Zeit und manchmal auch die Lust. Und weil die Rubrik so heißt wie sie heißt, habe ich beschlossen als erstes der Post-Hardcore Band From First To Last eine Chance zu geben.

Das erste Album heißt....

"Dear Diary, My Teen Angst Has A Bodycount" (2004)

Nun, es ist wie es ist. Ein absolutes scene-iges Album, dass sowas von in irgendeinem us-amerikanischen Einkaufszentrum hätte aufgenommen sein können. Die Band bestand zu dem Zeitpunkt aus Derek Bloom (dr), Jon Weisberg (b,voc), Travis Richter (git,voc), Matt Good (git, voc) und Sonny Moore (voc, git). Nach seiner Zeit bei der Band war es für Moore zu Ende. Seine Stimme hat die Anstrengung nicht vertragen. Kurze Zeit später wurde er Dubstep DJ, bekannt als Skrillex. Aber das nur so am Rande.


FFTL sind vielleicht nicht mit My Chemical Romance zu vergleichen, aber wenn dann eher mit The Used. Das sage ich, weil es die einzigen zwei Bands aus diesem Spektrum waren, die ich in meinem Leben gehört habe. Es ist genau das was ich erwartet habe. Ein Albumtitel das ein Filmzitat von Wynona Rider ist. Songtitel wie "I Liked You better Before You Were Naked On The Internet" oder "The One Armed Boxer vs. The Flying Guillotine". Verschachtelte Lyrics, die sich anhören als würde man 10 Sätze gleichzeitig anstelle von nur einem sagen. Sonny Moore klingt besonders schwermütig, manchmal aber besonders verheult und traurig. Zum Beispiel auf "Emily". Meine Fresse, wenn ein Song Emo ist, dann ist es dieser. Er sollte eigentlich im Musik-Wörterbuch stehen, wenn man nachschlagen möchte was "Mall Screamo" oder "2000s Emo" sein soll.

Es ist insgesamt eher durchwachsen, midtempo und für meinen Geschmack doch ein wenig zu weinerlich. Ich mag es eher, wenn man seinen Schmerz rausschreit und wütend ist als traurig. Also, schlecht ist es nicht, aber nun mal nicht ganz mein Fall. Das isses.

Anspieltipps: Kiss Me! I'm Contagious, Note To Self, Ride The Wings of Pestilence
6/10 Pfandflaschen



...und das letzte Album

"Dead Trees" (2015)

Das letzte bisher veröffentlichte Album heißt also "Dead Trees" und wurde in der Besetzung Matt Good (git, voc), Travis Richter (git), Taylor Larson (git), Matt Manning (b), Ernie Slenkovich (dr) und Spencer Sotelo (voc) aufgenommen. Wie ihr lesen könnt, ist bis auf Matt Good und Travis Richter niemand mehr vom Line-Up des ersten Albums da. Nachdem Sonny Moore ausgestiegen ist, hat Matt Good den Gesang übernommen. Travis Richter stieg zwischendurch ebenfalls aus, ist hier aber wieder da. Am Gesang haben wir Spencer Sotelo, den Leadsänger der Prog/Djent Metal Band Periphery. Dieser variert seinen Gesang definitiv anders als Moore, allerdings ebenfalls zwischen cleanen und nicht
cleanen Vocals. Die Instrumentals gehen definitiv in eine andere Richtung - es hört sich "metallischer" an, progressiver, mehr wie eine mathematische Formel. Weitaus weniger scene-ig auch wenn das Albumcover das irgendwie so rüberbringt. Stellenweise höre ich auch definitiv etwas Nu Metal raus - und zwar marke Linkin Park bzw. Spineshank. Andererseits wird es auch ziemlich emo-mäßig, vor allem was den poppigen Gesang betrifft. Wirklich großartiges Werk. Gefällt mir wesentlich besser als das erste Album.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Black And White, I Solemnly Swear That I Am Up To No Good, 



DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

DxBxSx – Der Mittelstand

Raphi:

"Drive By Shooting aus Berlin machen Musik, die verdammt nach Berlin klingt. Das Ganze klingt ein bisschen nach einer Mischung aus Stoner Rock, Deutschpunk, einer Suppe aus Bier und dem Boden eines Aschenbechers, und jeder Menge keine Lust auf Arschlöcher. Und zu den vielen Leuten, denen DxBxSx mal den gestreckten Mittelfinger zeigen wollen, gehören auch Neoliberale."

Philipp:

"Ich kann mit dieser Band aus Prinzip nichts anfangen, das könnte unter anderem daran liegen, dass Berlin für mich die überbewertetste Stadt Europas ist, Berliner für mich Pfannkuchen heißen und ich die Berliner Schnauze für eine Infektionskrankheit halte.
Zudem kann ich dieser Stadt einfach nicht verzeihen, dass einer meiner liebsten Musikerkollegen seine Thüringer Provinz für sie im Stich ließ und lieber dort sein neues Glück (murxpunx.bandcamp.com) suchte. Und es gibt kaum eine Band, die mehr nach Berlin klingt, aussieht und riecht als DXBXSX. Wer's mag. Ich gehe dann mal heimlich unter der Bettdecke "Ihr!Alle!Immer!" hören."

Ich:

Ich weiß nicht an welche Deutschpunk-Legende mich der Sänger erinnert. Aber irgendwie kommt mir die Stimme bekannt vor. Wirklich sehr kurzweilige Lyrics. "Unterstützt den Mittelstand, Mittelstand, Mittelstand (...) gebt die Kinder aus der Hand!". Ziemlich cooles Gitarrensolo. Und später noch ein Riff dass an "Too Drunk To Fuck" von Dead Kennedys erinnert. Eine ironische "Auseinandersetzung" mit dem äh Mittelstand, also irgendwie ein Mittelfinger an äh den Mittelstand. Es ist irgendwie....belanglos. Also, klar nach allen Regeln des Deutschpunks tatsächlich gut durchgespielt. Der Song bleibt im Ohr stecken und ist simpel aufgebaut. Ich finde das allerdings schon beim zweiten Durchhören äußerst nervig. Ich kann mir nicht vorstellen, ein ganzes Album davon anzuhören.

Dödelhaie – Stolz

Raphi:

"Die Dödelhaie haben einen ziemlich dummen Namen und waren eng mit Daily Terror befreundet. Auch musikalisch finde ich die Band aus Duisburg eher unangenehm und unreflektiert. Ein paar Hits hatten sie dennoch, und dazu gehört eben die stark verkürze Kritik am Nationalstolz namens „Stolz“."

Philipp:

Dass uns Raphael solch einen Sondermüll zum reviewen vorsetzt, zeugt von einer sympathisch sadistischen Ader. Die beschissene Band mit dem beschissenen Namen scheint es wohl tatsächlich immer noch zu geben, sie ziehen immer noch 16Jährigen das Geld aus der Tasche und lassen ab und zu durch Nazi-Hacker ganze Kontaktdatenlisten veröffentlichen. Das war zumindest das letzte was ich mitbekommen habe, bevor ich zu alt war, mich jemals wieder mit dieser Bums-Kapelle zu beschäftigen. Schlechte Musik für schlechte Menschen, schlechte Texte, die von 16jährigen Jungpunks wohl okay wären aber nicht von angeblichen Szene-Helden. Deutsche Exploited (so abfällig wie möglich gemeint.).

Ich:

Ich habe diese Band tatsächlich nie kontinuierlich gehört. Meiner Erinnerung zufolge hatte ich irgendwelche einzelnen Tracks, die es kostenlos zum Download gab. Zum Beispiel das Lied "Radikal". Ich verstehe den Bandnamen nicht. Was habt ihr mit Pimmeln und Haien? Warum macht ihr solch beschissene Musik? Okay, das Riff am Anfang ist irgendwie cool. Dieser Gesang und die Art und Weise wie der Sänger bestimmte Worte ausspricht ist unfassbar nervig ("in der Schweiiiiiiz!"). Der Text sowieso. Soll eine Auseinanderstzung mit Nationalstolz sein, klingt aber eher wie "ugga ugga wir singen das was andere schon gesungen haben". Meine Fresse, warum? Waruuuuuuuuuum? Mir fällt dazu dieses Meme ein mit dem alten Mann der sich vor seiner Haustür auf den Boden legt, weil irgendjemand ihn dahin gepinkelt hat und er dabei "waruuuuum was hab ich dir getaaaaan?" schreit.

DritteWahl – Sonne und Meer

Raphi:

"Den Song habe ich mir damals mit einem 28.8K Modem heruntergeladen und ich bereue bis heute keine der vielen Minuten, die ich dafür gebraucht habe. Bis heute riecht das Lied für mich nach frischer Seeluft und all dem Ekel, den ich auf meinem einzigen Besuch beim Force Attack Festival erlebt habe. Seitdem habe ich Dritte Wahl bestimmt vier mal live gesehen, aber kenne eigentlich bis auf „Hash“ und „Sonne und Meer“ fast keinen Song. Ich liebe aber das lange Outro und den Gesangseinsatz zu Beginn der zweiten Strohpe."

Philipp:

"Dritte Wahl waren tatsächlich eine der wichtigsten Bands meiner Jugend. Die erste Punkband, die ich wirklich für hart hielt, die erste Band, die mir musikalisch die Tür in andere Genres geöffnet hat und dazu noch echt annehmbare Texte hatte. Es gibt kaum eine andere Band, die ich zwischen 2007 und 2016 so oft live gesehen habe, von der ich jedes Lied von "Fasching In Bonn" bis "Gib Acht" frenetisch mitgrölen konnte und dafür bin ich bis heute dankbar. Mit allen Alben nach diesem Album und einer etwas unliebsamen Begegnung mit den Bandmitgliedern selbst haben sie mich leider völlig verloren. Das ändert nichts daran, dass sie ein paar wirklich großartige Songs geschrieben haben und immer herrlich unangepasst zwischen sämtlichen Stühlen zwischen Punk, Metal und irgendwie etwas peinlichem Rockertum saßen. "Sonne Und Meer" ist dabei bereits zu DDR-Zeiten entstanden und lässt einigen Interpretationsspielraum zu, ja könnte tatsächlich sogar von einer misslungenen Fluchtgeschichte handeln. Toller Song von einer einstmals tollen Band, die mittlerweile leider ziemlich belanglos geworden ist."

Ich:

Dritte Wahl sind jahrelang an mir vorbeigegangen. Ich weiß nicht ob es an dem Namen lag oder oder oder. Jedenfalls waren sie in meinem Kopf nie präsent. Vielleicht lag es auch daran, dass sie auf mich relativ unspektakulär wirkten. Wenn ich mir den Text so anhöre, kann ich Philipp nur zustimmen. Meiner Meinung nach geht es hier auch um eine Fluchtgeschichte. Vielleicht geht es dabei um jemanden aus dem Bekanntenkreis der Band. Ich mag die Zusammenstellung des durchaus einfachen aber intensiven Textes, etwas Gitarrensoli und einfachen Arrangement. Ebenfalls gefällt mir das Intro mit dem ausklingenden Schlagzeug, dem Meer und den Möwen. Es ist catchy und irgendwo wohl typisch Deutschpunk. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie theoretisch mein 17-jähriges ich auf der Mainwiese sitzt und Sangria trinkt und irgendwoher läuft dieses Lied aus einem Tapedeck.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Ulver Discography: Silence Teaches You How To Sing EP (2001)

Das nenne ichmal ein gelungenes Experiment. Erschienen zwischen "Perdition City" und dem Sountrack zu "Lyckantropen". Direkt danach werde ich mich übrigens mit einer ähnlich betitelten EP beschäftigen, die "Silencing The Singing" heißt. Aber das nur so nebenbei. 

Die EP besteht aus einem einzigen Song, der genauso heißt. Teile davon wurden für den Score des Horrorfilms "Sinister" verwendet, als auch dessen Sequel. Ich fand beide unsäglich schlimm. Aber das


auch nur so nebenbei. Das Werk ist wieder mal ein Beweis dafür, dass Ulver quasi alles können. Es ist nämlich nicht "Post Metal" oder "Synthpop" und nicht bloß "Ambient" sondern ein wirklich experimentelles Werk dass irgendwo in der Dark Ambient Sphäre anzusiedeln ist. Im Grunde genommen hört sich "Silence Teaches You How To Sing" an wie ein defekter Radiosender bei welchem man ganz lange nach einem Signal suchen muss. Man kriegt also typische Radiogeräusche zu hören. Statisches Rauschen, Surren, Wirren. Und dann irgendwann mal tatsächlich ein Musiksignal. Fast so als würde man durch eine post-apokalyptische Landschaft in seinem uralten Auto fahren und versuchen irgendwie ein Lebenssignal von überlebenden Menschen zu finden. Irgendwann kommt dann auch tatsächlich typischer Gesang von Kristofer Rygg. Ehrlich gesagt ist es ganz schön schwierig für Ulver, mich irgendwie zu enttäuschen. Auch hier schaffen sie es so überhaupt gar nicht. Es ist wunderschön, kryptisch und faszinierend.

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: lol es gibt nur einen Song



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