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Mittwoch, 13. September 2023

So isses, Musik!#173

Deftones Discography: Around the Fur (1995)

Freundlichst weise ich auf mein Review hin, was hier zu finden ist. Und natürlich, ganz obligatorisch weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt:

Philipp:

"Beim zweiten Deftones-Album "Around The Fur" werden definitiv keine Gefangenen mehr gemacht. Während mir persönlich "Adrenaline" noch zu eintönig und vorhersehbar war, wird die "Laut-Leise-Laut-Leise"-Dynamik gegen eine etwas progressivere Vorgehensweise getauscht, es gibt gesungene Strophen, gebrüllte Zwischenparts, gesungene Refrains, gebrüllte Refrains, laute Strophen, leise Strophen, teilweise im gleichen Lied, die Besetzung Moreno-Carpenter-Cheng-Cunningham bleibt bestehen, ansonsten hat sich verdammt viel weiter entwickelt: die Riffs haben noch mal einen guten Zahn zugelegt, die Band wirkt noch mal um einiges tighter, die Bassläufe kontrapunktieren die Gitarrenriffs, die Drums sind verdammt großartig und Chino hält sein Niveau nicht nur sondern rappt, keift, säuselt, schreit und singt noch mal um einiges besser, es ist einfach eine deutlich interessantere Platte. 
Bereits mit "My Own Summer" beginnt man mit einem verdammten Hit und mit "Lhabia" geht es nahtlos und unfassbar gut weiter, gefolgt von der "Ballade" Mascara, in der Chino über seine Ehe und die negativen und positiven Eigenschaften seiner Frau singt. (Diese verdammten schwachen Handgelenke!!1!!11). Die nächsten 2 Songs plätschern dann im weiterentwickelten Deftones-Stil vor sich hin, mit Hausverbot im Flixbus (ich lasse den Witz mal so stehen, mir auch bums, wer das liest und nicht versteht) kommt dann der nächste große Hit der Platte, was ein geiler Song. Lotion is classical anyway. Dai The Flu ist musikalisch einer der interessantesten Songs, man mag fast an Bands wie Smashing Pumpkins (mit besserem Gesang versteht sich) denken, das hat schon sehr dreampop-eske Anleihen (kleiner Ausblick auf spätere Deftones-Alben vielleicht?). Mit "Headup" ist dann auch wieder ein Nu-Metal-Song vertreten, ist halt auch geil, kann man nicht viel dagegen sagen. Nach der Hälfte des Songs wird daraus dann irgendwie Ambient Jazz, kann man machen. MX besteht aus den drei Songs "MX" (geil), Bong Hit (selbsterklärend) und "Damone" (auch geil) und damit ist die wilde Fahrt auch schon vorbei und man möchte eigentlich nur sofort wieder auf Play drücken so kurzweilig und unterhaltsam war das. Ich bin definitiv Fan dieses Album und finde die Steigerung zum ersten Album mehr als nur beachtlich. Der von mir im letzten Review schon unangebracht verwendete Vergleich mit System Of A Down drängt sich mir da natürlich wieder auf, die Steigerung vom ersten zum zweiten Album ist ähnlich bemerkenswert, die Band hat sich gefunden, traut sich mehr, arbeitet nicht mehr komplett nach dem gleichen Schema.
Leider kenne ich White Pony schon gut genug um zu sagen, dass da definitiv noch Luft nach oben ist, was mich selbstverständlich davon abhält die Höchstpunktzahl zu vergeben, es ist aber schon ein wirklich außergewöhnlich geiles Album.

9,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: My Own Summer (Shove It), Be Quiet And Drive (Far Away), Dai The Flu"

Raphael:

"Ich beginne mit einem kleinen Verweis auf dieses Video
Deftones 1997 (Photo: Mark Leialoha)
. Ich habe mich schon einmal kurz mit diesem Album befasst, als die Top 50 Rock Alben der 1990er Thema auf dieser Seite war. „Bring back the old Nu Metal“ habe ich gesagt. Aber genug davon; wir sind also im Jahr 1997 angelangt. In unverändertem Line-Up haben die Deftones ihr zweites Studoialbum ebenfalls bei Maverick Records veröffentlicht. Außerdem wurde die Europäische Äsche zum Fisch des Jahres gewählt, Notorius B.I.G. wurde ermordet, und Zaire wird in Demokratische Republik Kongo umbenannt.

Fast ein Jahrzehnt lang waren die Deftones schon unterwegs, als sie ihre zweite Langspielplatte auf den Markt brachten. Nun sollte es also so weit sein, dass der große Durchbruch kam. Es ist schwierig, es anders zu sagen, denn „Around the Fur“ ist schlichtweg bahnbrechend. Der raue Sound des vorigen Albums wurde in jeglicher Hinsicht verfeinert und aufpoliert. Mit besserer Produktion, feinerem Fokus, und einer insgesamt kräftigeren aber gleichzeitig filigraneren Umsetzung übertreffen die zwölf Titel alles, was „Adrenaline“ vorgelegt hat. Mit zwei versteckten Bonustracks wurde außerdem die Kapazität des Datenträgers CD bis aufs Letzte ausgereizt.

Around the Fur“ entführt die Hörer*innen in eine finstere Welt, in der blendendes Licht und absolute Dunkelheit dicht an dicht existieren. Es geht um Oberflächlichkeit, um äußere Schönheit zur Kaschierung der inneren Hässlichkeit, um die Diskrepanz zwischen Schein und Sein. Die Deftones öffnen einen tiefen Abgrund, indem sie die schöne Zier und Fassade aufreißen, um den darunterliegenden Ekel bis ins kleinste Detail zu beleuchten. Es ist wahrlich kein einfaches Thema, aber es ist ja auch keine einfache Musik.

Das Album hat die Gewalt eines Kugelblitzes, der sich immer wieder entlädt, um die Finsternis in taghelles Licht zu tauschen. Spannung baut sich auf, verschwindet stellenweise in kleinen Verstecken, um sich dann in einem unerwarteten Moment mit voller Kraft zu entladen. Es wird viel mit Erwartungshaltungen gespielt, und die Deftones schaffen es, mit geschickter Strukturierung für großartige horny Spannungsbögen zu sorgen.

9,5/10 Pfandflaschen

Aspieltipps: Rickets, Dai the Flu"



Nirvana Discography: Incesticide (1992)

Da Philipp und Raphael mit den ersten vier Deftones-Alben beschäftigt sind und ich nicht untätig sein will, bespreche ich weiterhin Lücken in Discographies auf diesem Blog. Letztes Mal hatte ich Metallicas desaströses Neuwerk "72 Seasons". Diesmal nehme ich mir Nirvana vor. Weiterhin werden dieses Jahr noch Samhain, Sisters of Mercy und Ulver dran sein. Vielleicht sogar noch Code Orange. Das schon mal zur Info. Wenn ihr Bock habt nachzulesen, was ich über "Bleach" und "Nevermind" gesagt habe so klickt auf die Hyperlinks.

"Incesticide" ist chronologisch gesehen Nirvanas drittes Album. Gleichzeitig ist es allerdings kein vollwertiges Album sondern das Produkt der Plattenfirma Geffen die Nirvanas pre-Major-Material von Sub Pop Records lizensiert hat um der Nachfrage nach Grunge Musik gerecht zu werden. Es war sozusagen ein Joint Venture zwischen Sub Pop und Geffen. Kurzum: Es ist ein Compilation-Album bestehend aus sechs zuvor unveröffentlichten Stücken, darunter drei Alternativ-Versionen von "Polly", "Been A Son" und "Aneurysm". Der Single "Sliver", "Slain" von der "Blew"-EP. "Beeswax" vom "Kill Rock Stars"-Labelsampler. Der "Hormoaning"-EP mit dem Devo-Cover "Turnaround" als auch "Mexican Seafood" vom Sampler "Teriyaki Asthma". Das Line-Up variiert je nach Song bzw. Abschnitt. Wir haben Cobain und Novoselic am Gitarre/Gesang und Bass aber sowohl Dale Crover
(Melvins) als auch Dan Peters (Mudhoney) als auch Chad Channing und Dave Grohl an den Drums. Im Musikvideo zu "Sliver" ist Grohl auch zu sehen obwohl er bei dem Song gar nicht mitgespielt hat. So gesehen sind die Stimmungen bei den Songs auch absolut unterschiedlich und so unterscheiden sich auch die Qualitäten der Aufnahmen. Das "The Vaselines"-Cover "Molly's Lips" (das der polnische Künstler Kazik erfolgreich in seinem Song "Nie lubie juz Polski" gesamplet hat) ist gleichzeitig das fröhlichste und Lo-Fi-este was ich jemals von Nirvana gehört hab. "Sliver" handelt von Cobains Sehnsucht nach seinen Eltern die ihn einen Abend lang bei seinen Großeltern gelassen haben. Es mag banal klingen aber das kann ein durchaus traumatisches Erlebnis für ein Kind sein. Es ist kein Wunder, dass dieses Album so abwechslungsreich ist. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es einfach aus verschiedenen Phasen der Band zusammengekleistert ist. Ich find's interessant wie Lo-Fi, Punkrock, schnell, langsam und Sludgy diese Compilation ist. Aber das ist halt Nirvana. Und Nirvana waren verdammt gut.

Wenn ihr Lust habt nachzulesen, was ich zum Nachfolger "In Utero" als auch zum Unplugged-Album zu sagen habe, so klickt auf die Hyperlinks.
8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Sliver, Dive, Downer, Mexican Seafood, Molly's Lips

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W:

Weiter geht es mit W. Die großartigen Wolvennest habe ich schon mal live gesehen und bin seitdem irgendwie auch Fan (allerdings nicht von deren Logo). Fantastischer Doom Metal mit außerorderntlicher Atmosphäre. Ähnlicher Fall bei Wormrot. Fantastisch Live, jedoch kein Doom sondern Grindcore. Achja, reviewt habe ich das auch. Letzes(?) Jahr in Dortmund gesehen, es war absoluter Abriss:




Es gab irgendwann mal eine Hardcore Band namens WRAKK. Ich habe deren Demo "no gods. no mastering". Feinster, finsterer, nihilistischer klingender Hardcore Punk der damals seine Hochzeit hatte. Heutzutage aber immer noch beliebt. Ich habe leider keine Ahnung, was die Leute von WRAKK heute so treiben. Danach kommt mit Wugazi das wohl interessanteste Projekt in dieser Ausgabe. Mit "13 Chambers" haben Andy Lund und Kyle Smith ein großartiges Mash-Up-Album veröffentlicht. Bei ihrem Projekt "Wugazi" vermischen sie die Sounds von Wu-Tang Clan und Fugazi. Mein Favorit war damals "Sleep Rules Everything Around Me", was eine Mischung aus "C.R.E.A.M." (Wu-Tang) und "I'm So Tired" (Fugazi) war. 




Und zum Ende von "W" natürlich Wu-Tang Clan mit zwei Alben. "Iron Flag" ist ein absoluter Banger, wohingegen "The W" tatsächlich einige schwache Momente, ziemlich viel Füller-Material und drei richtig gute Hitsingles hat ("Gravel Pit", "I Can't Go To Sleep" und "Protect Ya Neck (The Jump Off")


X:

Und nun sind wir tatsächlich im letzten Ordner angelangt. Dieser heißt "XYZ" und hat tatsächlich....keine einzige Band mit X im Bandnamen. Ja, ich habe diese ganzen Straight Edge Bands einfach "richtig" sortiert. So sind "xBishopx" einfach in "B" drin. Ist so.

Y:

Darum geht es jetzt mit Y weiter. Den Anfang machen Yacöpsae, die ich vor kurzem erst wieder live gesehen habe. In meinem Ordner befinden sich lauter Veröffentlichungen unter anderem die Alben "Tanz Grozny Tanz", "Fuck Punk Rock...This Is Turbo Speed Violence" als auch "Einstweilige Vernichtung". Natürlich auch jede Menge Splits: die mit "Active Minds", die mit "Sanity's Dawn", die mit "Massgrav". Und natürlich die EP "Krank Ist Normal". Ich liebe diese Band absolut, trotzdem muss ich sagen dass es hier ein paar murksige Tracks gibt. Ich finde, den heutigen metallischeren Sound wesentlich besser - allerdings fehlen mir diese bescheuerten Interludes die eine gute Powerviolence-Band ausmachen. Finde ich.




Danach dann "Electr-O-Pura" von den großartigen Yo La Tengo und "Fever To Tell" von Yeah Yeah Yeahs. Gefolgt von den Youth Crew/Hardcore Punk Legenden Youth Of Today. Kaum zu glauben, dass deren Songs so unfassbar kurz sind. Die "Can't Close My Eyes", "Break Down The Walls" und "We're Not In This Alone" gehen unfassbar schnell vorbei. Wahnsinn.



Freitag, 26. November 2021

Album der Woche#515: Nirvana - Bleach (1989)

Irgendwann vor länger Zeit auf CD gekauft und ebenfalls vor längerer Zeit auf eine "To Review"-Liste gepackt. Und weil der Zufall es so wollte, wird dieses Album eben jetzt reviewt. Und weil ich damit eine Discography mehr auf diesem Blog erfülle. Also fast. Fehlt nur noch ein Album.

"Bleach" ist das erste Album von Nirvana, zwei Jahre bevor sie mit diesem einen Album mit dem Baby auf dem Photo Karriere gemacht haben. Aufgenommen für 606$, die Zweit-Gitarrist Jack Everman geblecht hat. Allerdings ist er hierauf gar nicht zuhören. Man war ihn aber für das Geld so dankbar, dass man im Booklet ihm Credis gegeben und als zweiten Gitarristen aufgezählt hat. An den Drums ist hier noch lange nicht Dave Grohl sondern ein gewisser Chad Channing, der auch auf "Nevermind" im Song "Polly" zu hören ist. Auf "Floyd The Barber", "Papercuts" und "Downer" hört man jedoch nicht ihn, sondern Dale Crover von den Melvins, die damals gut mit Nirvana befreundet waren. "Love Buzz" ist ein Cover der niederländischen Band Shocking Blue. 

Ich habe irgendwann vor ca. 10 Jahren in einer Ausgabe von VISIONS gelesen, dass die Mitglieder vor den Aufnahmen zu "Bleach" die ganze Zeit ein Tape gehört haben. Auf einer Seite waren Songs von der Indie-Rock-Band The Smithereens und auf der anderen Seite die schweizerischen Metaller von Celtic Frost. Und nach einer Mischung aus beiden sollte dieses Album klingen. Tatsächlich ist es in gewissen Maßen so. Man hört einen Hang zu Melodie und eher weniger nihilistisch-abgefuckt klingenden Riffs. Andererseits dann aber absolute Stampfer-Drums und richtig harte Riffs. "Paper Cuts" ist so ein Song der beide Aspekte vereint. "Negative Creep" ist wohl einer der interessantesten Nirvana-Songs überhaupt. Er klingt so als hätten sie Minuten vorher Discharge gehört. Das Tempo ähnelt einem typischen Discharge-Song. Und Kurt Cobain klingt als hätte er kaputte Stimmbänder. Die Lyrics sollen angeblich nicht lange vor den Aufnahmen entstanden sein, sodass sie dementsprechend nicht wirklich fertig waren und Cobain teilweise improvisiert hat. So klingt's für mich teilweise auch. Aber gottverdammt noch mal, für ein Album dass mit so wenig Budget und relativ wenig Vorbereitung aufgenommen wurde ist das hier höllisch gut. Wirklich höllisch gut. Ohne Scheiß.

Anspieltipps: Negative Creep, About A Girl, Paper Cuts, Blew
8,5/10 Pfandflaschen


Sonntag, 29. August 2021

So isses, Musik!#128

Was läuft so?

Seitdem Limp Bizkit diesen Monat auf dem Lollapalooza Festival aufgetreten sind und am Ende ihren neuen Song "Dad Vibes" präsentiert haben läuft bei mir (wieder) ganz schön viel Nu Metal. Und da ich einen neuen MP3-Player habe, der viel mehr Speicherplatz hat, habe ich auch wieder die ersten drei Alben von LB drauf. Dazu kommt noch "Hybrid Theory" von Linkin Park, "Infest" von Papa Roach und...... "Introduction To Mayhem" von Primer55.


Letzteren sind in Europa, so meine ich, gänzlich unbekannt. Es handelt sich dabei, textlich als auch musikalisch um einen Klon von Linkin Park, Limp Bizkit und KoRn. Allerdings ist das Album wesentlich Hip-Hop-lastiger. Es funktioniert nach dem altbewährten Schemata. Jeder Song hat ein großes Intro, dann kommt ein Rap-Part, im Refrain dreht der Sänger komplett durch. Dazu kommt noch eine ruhigere Bridge und ein famoses, ebenso großes Outro. Zum Beispiel, hier in "Loose":


Sänger J-Sin ist übrigens vor ein paar Jahren an Hepatits C gestorben. Sehr schade um ihn und die Band, aus der etwas hätte werden können, hätten sie nicht immer wieder dasselbe gemacht. "Introduction To Mayhem" ist nämlich ein absoluter Banger. Ein klischeebeladenes, großartiges Album.

Um auf Limp Bizkit zurückzukommen. Ich feier den neuen Song absolut. Ich bin auch nicht blöd und habe schon verstanden, dass Fred Dursts neuer Look (sieht aus wie ein Undercover Cop) eigentlich nur ein Promo Move für die neue Single ist. Ich bin gespannt, ob dieses Jahr, nach zehn Jahren warten, endlich der Nachfolger zu "Gold Cobra" kommt. Der neue Song ist zwar nicht so "rockig", wie ich ihn gerne hätte, aber er "slappt" trotzdem. Anyways, hier ist der ganze Auftritt auf dem Lollapalooza und hier ist "Dad Vibes":





Igor K - Der Crackdance (2017)

Diesen Song hier habe ich vor Ewigkeiten auf YouTube gefunden, leider gibt es ihn dort nicht mehr. Wahrscheinlich war das dazugehörende Video wohl zu krass. Es geht um Frankfurt am Main und es geht um Crack. Hier ist der Rapper Igor K mit dem "Crack Dance". 

HIER ist der Soundcloud-Link weil ich leider nichts einfügen kann -.-


MC Heroin - Mein Train (2010)

Kam auf diesen Song, weil ich letztens das erste Mal seit 5 Jahren (legal) malen war. Der Song ist gar nicht mal so gut. Aber ja. 


Taqbir - s/t (2021)

Auf dem Cover ist eine Frau in Verschleierung zu sehen, im Hintergrund eine Abrissbirne die Mekka trifft. Die 7inch erschien bereits in Februar, tauchte aber immer wieder auf meinem YouTube-Feed auf (meine das Video von Vinod Karki) und ich war die ganze Zeit vom Artwork angetan, schaffte es aber nie so wirklich reinzuhören. Vielleicht habe ich es aber schon getan und irgendwie wieder vergessen. Jedenfalls: Taqbir bestehen aus einer Sängerin aus Tangier, Marokko und vier Typen aus anderen Städten. Sie selbst befindet sich gar nicht in Morokko zur Zeit und ihre konservative Familie wäre alles andere als begeistert darüber, dass sie Sängerin in einer Band ist die ein furchtbar böses islamfeindliches Album veröffentlicht. Oder eine EP. "Taqbir" ist im Grunde genommen der "Allahu Akbar"-Ruf bzw. der Name dafür, der Song "Al-Zuki Akbar" bedeutet dann sowas wie "Gott ist im Arsch groß" oder so. Wenn man sich noch die Aussage "Mecca for me, is the representation of capitalism" reinzieht, dann merkt man dass die Band sehr islamkritisch eingestellt. Ich verstehe kein Wort von den Texten, bin aber sehr froh darüber dass es solche Bands da draußen gibt, die in solchen Ländern solche Meinungen vertreten. Und ich weiß, dass es äußerst schwer sein kann, das als "Punk" zu tun.

9/10 Pfandflaschen
Bandcamp

Full Of Hell werden im Oktober ein neues Album veröffentlichen.

Ich habe den Nachfolger von "Trumpeting Ecstasy", "Weeping Choir" leider wenig Gehör schenken können. Zu viel Arbeit in den letzten drei Jahren. Aber ich werde das nachholen. Spätestens wenn "Garden Of Burning Apparitions" draußen ist. Und hier ist das Video zum neuen Song: "Industrial Messiah Complex": 


Ähnlicher Fall bei Carcass

Im September wird "Torn Arteries" rauskommen. Finds schön, dass sie irgendwo eine Art Hommage an ihr Erstlingswerk (ich meine natürlich das Cover-Artwork) machen. Hier jedenfalls das Video zu "Kelly's Meat Emporium":


Das ist aber nicht das einzige neue. Hier ist das allerneueste!!!






2. Metallica - s/t (1991)

1. Nirvana - Nevermind (1991)

So isses. Wir sind am Ende. Ich danke an dieser Stelle, nochmal, allen Beteiligten: Marlyn, Philipp und Raphael für die Reviews bzw. die Video-Reviews. (Hier noch mal das letzte) Ich denke, dass es dieses Jahr keine solche oder ähnliche Liste mehr geben wird. Dafür fange ich in September mit Discographies von verschiedensten Künstlern/Bands an. Teilweise um Lücken zu schließen, teilweise weil ich einfach Bock drauf hab. Lange geredet, auf geht's:

Es ist nicht das erste Album von Nirvana. Dieses war "Bleach" mit Dale Crover von den Melvins am Schlagzeug. Im Jahre 1989. Das sage ich nur mal so, falls irgendjemand tatsächlich denkt, das hier wäre ihr Erstling, weil sie damit sich in die Charts katapultiert haben. 


Ich hatte, wie viele Jugendliche, irgendwann auch eine Nirvana Phase. Ich glaube das war ungefähr mit 13 oder 14. MTV zeigte zum Todestag Kurt Cobains den ganzen Tag Nirvana-Videos und Kurt Cobain Dokus. Damals (oder vielleicht 1-2 Jahre davor) kam auch die Best-Of, schlicht "Nirvana" betitelt mit dem neuen, unveröffentlichten Song "You Know You're Right". Ich war vom Video begeistert, welches Cobains Destruktivität bei Live-Auftritten gezeigt hat. War absolut im Nirvana-Hype. Und dennoch habe ich kein einziges Album besessen. Das kam erst später.

Es existiert ein Verständnis meinerseits für die Leute, die von Nirvana genervt waren. Die Band wurde bis zum geht nicht mehr gehypt. So sehr, dass der Leadsänger sich aufgrund des enormen öffentlichen Drucks, seiner Heroinsucht und noch dutzend anderen Gründen umgebracht hat. Sie waren augenscheinlich auch verantwortlich für einen Haufen Bands die Metal umgebracht haben. Ich verstehe, dass man sich auf den Schlips getreten fühlt. Allerdings liegt das in der Natur des Ganzen. Neue Bands/Musikrichtungen schlucken alte, die Musik evolutioniert usw. usf. Dabei war es gar nicht der Tod des Metals. Dieser evolutionierte ebenfalls mit. Hätten wir Nirvana, Faith No More oder andere Bands aus der Zeit nicht gehabt, hätten wir kein Nu Metal, kein Crossover gehabt. Ich wäre nicht der Punker/Metalhead gewesen der ich bin/war. Je nachdem wie man das betrachtet. 

Mal ganz nüchtern betrachtet: Ich hätte dieses Album nicht auf die Spitze gewählt. Ich tue mir sowieso schwer mit sowas. Allerdings lässt es sich nicht leugnen, wie einflussreich es war. Wie viel Herzen es hat höher schlagen lassen. Es stinkt und trieft nach dem Jahr 1991. Ein einziges Lied hat eine Stadt namens Seattle überhaupt in den öffentlichen Fokus gerückt. Musikalisch gesehen. Natürlich waren Nirvana nicht die einzigen Grunge-Pioniere. Da wären noch Alice In Chains, Soundgarden und naja natürlich auch Pearl Jam. Doch sie waren es, die rein zufällig, den richtigen Tritt in den Arsch getätigt haben.

"Nevermind" ist ehrlich gesagt, sehr sauber produziert. Trotzdem hört man viele Hardcore Punk Einflüsse, Metal Einflüsse... Melvins, Hüsker Dü (vor allem in Territorial Pissings meiner Meinung nach) und tatsächlich auch ganz wenig Celtic Frost. Wobei letztere viel mehr auf "Bleach" zu spüren sind. Ich bin nicht der Meinung, dass es besser ist als das vorherige Nirvana-Album in dieser Liste, nämlich "In Utero", oder schlechter. Es ist einfach wesentlich anders. Das hier ist voll mit "Hits", das andere voll mit Songs die anders reinhauen. Und weil das Thema in letzter Zeit in den Medien ist: Ich sehe das etwas zwiespältig, dass das ehemalige "Kindermodel" jetzt die Band (bzw. die übriggebliebenen Mitglieder Dave Grohl und Krist Novoselic) wegen Kinderpornographie verklagt. Und das nachdem er das Foto in seinem Leben mindestens vier Mal nachgestellt hat und sich den Albumtitel auf die Brust hat tattoowieren lassen. Trotzdem hätte das Cover so nicht sein müssen und bei Re-Releases hätte man es retuschieren oder zensieren können. Definitiv.

Ich sag: 9,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Ich würde fast schon sagen, alles. Aber bleiben wir mal sachlich: Breed, Come As You Are, Smells Like Teen Spirit, In Bloom, Come As You Are, Lithium, Polly, Territorial Pissings

Und weil Marlyn auch was dazu zu sagen hat, sagt sie nun auch was dazu:

"Auf Platz 1 der Liste steht also "Nevermind", was meines Erachtens nicht sonderlich überraschend ist. Hier also mein Senf zu dem Album mit dem neuerdings so umstrittenen Artwork:

Auch "Nevermind" habe ich als Teenie mit meinem mickrigen Taschengeld im örtlichen Kaufhaus erstanden. Und trotz meiner ebenso mickrigen Englischkenntnisse riss es mich schon damals aus den Converse All Stars. Die im Vergleich zu den anderen Alben Nirvanas zugänglicheren Songs holten mich einfach ab und waren ein idealer Einstieg in „alternative“ Musik. Heute höre ich "Nevermind" mit jeder Menge Nostalgie. Obwohl es sich insgesamt als runde Produktion anfühlt, ist es doch ein Widerspruch in sich. Wollten Nirvana der damaligen florierenden Seattler Grungeszene den Rücken kehren, wurden sie dadurch zu deren Sinnbild schlechthin. Die Produktion ist gleichzeitig punklastig, dennoch glatt. Cobain wurde durch Nevermind zu einem Popidol, das er nie sein wollte.
Gleich der erste Song des Albums ist DIE Hymne der 90er – Smells Like Teen Spirit. Kaum einer kennt das Riff nicht. Die erste Hälfte des Albums beinhaltet alle vier Singleauskopplungen, nämlich Smells Like Teen Spirit, In Bloom, Come As You Are und Lithium. Sozusagen ein Banger nach dem anderen. Fast, wenn man Breed übersieht, das etwas aggressiver und punkiger daherkommt. Polly ist zwar rein musikalisch recht ruhig gestaltet, lyrisch aber wohl der aufwühlendste Song auf dem Album. Explizit wird die Folter und Vergewaltigung einer Minderjährigen aus Tacoma beschrieben. Als Highlights der zweiten Hälfte sehe ich Drain You, in dem der für Nirvana so typische Gitarreneffekt schön zur Geltung kommt, On a Plain (trotz der Suchtthematik poppig mit einem sehr catchy Chorus) und das vorläufige Schlusslicht Something in the Way (melancholisch und wunderschön unterlegt mit Cello und einer leicht verstimmten Akustikgitarre). Nevermind hat aber noch einen Hidden Track, der nicht unerwähnt bleiben soll. Es handelt sich hierbei um einen Mitschnitt einer Jamsession, wobei die Instrumente regelrecht malträtiert werden. Cobains Gitarre hat die Jam übrigens nicht überlebt. Zusammengefasst würde ich sagen, dass Nevermind den Titel als das prägendste Album der 90er absolut verdient hat. Ich finde, dass es den Zeitgeist der Generation X unheimlich gut eingefangen hat. Zudem besteht immer noch ein großer Einfluss auf heutige Produktionen. Zwar gefällt mir sein Nachfolger In Utero besser, aber auch Nevermind gebe ich die volle Punktzahl: 10/10 Pfandflaschen.  
Anspieltipps: Smells Like Teen Spirit, In Bloom, Lithium, Polly, Something in the Way"



Dienstag, 30. März 2021

So isses, Musik!#120

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von "So isses, Musik!". Und somit zur letzten Ausgabe für den Monat März 2021. Fangen wir mit den leichten Sachen an. 

Was läuft so?

Spice Girl treffen auf Slipknot. Aus "Sulfur" und "Wannabe" wird "If you wanna breathe my Sulfur". Es ist sehr gut und unfassbar catchy.


L.G. Petrov, der Sänger von Entombed, ist diesen Monat verstorben. Ich finde Entombed ziemlich ziemlich geil. Hier ist ein Video von deren Roky Erickson Cover "Night Of The Vampire".


Reek Minds - Rabid 7" (2021)

Ich habe absolut keine Ahnung wie ich auf diese 7inch gekommen bin. Wahrscheinlich hat mich irgendein Video-Vorschlag angelächelt. Eine Art Mischung von Extreme Noise Terror und Poison Idea. Finde ich gut.


HotBox - Who's The Champ (2021)

Ja, der Song ist von 2021. Nicht von 2002. Ein gottverdammter, fresher Nu Metal/Crossover Song der dieses verdammte Jahr rausgekommen ist. Ich weiß nicht wer HotBox sind aber ich prophezeie großes. Wenn Limp Bizkit schon kein neues Album rausbringen werden, gibt es wenigstens HotBox.


Urban Dance Squad - Demagogue (1995)

Feinster Crossover/Funk Metal aus dem Jahre 1995. Genuin. Echt. Großartig.


And now to something completely different:
Kanonenfieber - Menschenmühle (2021)

Black/Death Metal aus Deutschland mit der Thematik "Terror und Schrecken des Ersten Weltkrieges". Drei Daumen hoch.



50 Best Rock Albums of the 90s by loudersound.com, Teil 13

Wie gewohnt, hier der Link zu Raphis Video in welchem er diese hier besprochenen Alben ebenfalls bespricht. Das neueste Video soll in mache sein, wurde mir gesagt. Und weiter gehts:


23. Nirvana - In Utero (1993)

Drittes und letztes Studioalbum von Nirvana. Die B-Seiten/Raritätensammlung "Incesticide" nicht eingeschlossen.

Ich finds beeindruckend, wie eine Band die innerhalb kürzester Zeit hoch hinaus in den Rock Mainstream geschossen ist, auf der Spitze der Charts steht und dann so ein Album raushaut mit Songtiteln wie "Rape Me" oder solche rotzigen Punkrock Nummern wie "Tourette's". Andererseits gibt es hier noch "Dumb" und "All Apologies" die ihren Akkustik-Versionen beinahe 1:1 ähneln. Und natürlich "Heart Shaped Box", eines DER Nirvana-Songs schlechthin, bei dessen Refrain ich immer "Hey, wait, I got a new cocaine" raushöre. Dazu kommt noch "Very Ape", dass ein paar Jahre später von Prodigy für "Voodoo People" gesamplet wurde. Interessanterweise sind jetzt beide Sänger, Keith Flint und Kurt Cobain, tot.

In Großen und Ganzen ist "In Utero" ein relativ radio-unfreundliches Album. Klar, hiervon wurden auch Singles ausgekoppelt. Es ist eine Mischung von "poppigeren" Songs und ansonsten ziemlich nihilistischen angepissten Liedern. Ich mag die Tatsache, dass es ein radio-unfreundliches Album von einer zu dem Zeitpunkt radio-freundlichen Band gewesen ist. Sie wollten weg von ihrem "Nevermind"-Image, weil ihnen die Songs die sie nach oben gebracht haben wohl selbst schon zum Hals hinaus hingen. 

Nirvana waren leider kein großer Teil meiner Jugend. Sicher, ich guckte jedes Jahr die Kurt Cobain Specials auf MTV und als die selbstbetitelte Best Of rauskam, hörte ich meine selbst aufgenommene Kassette mit "You Know You're Right" rauf und runter. Umso mehr freue ich mich jetzt darüber dieses Album bzw. diese Songs für mich neu zu entdecken und sie mit einem erwachsenem Ohr zu betrachten.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: All Apologies, Heart Shaped Box, Very Ape, Tourette's

Marlyn hat zu diesem Album übrigens auch was zu sagen:

"Was für andere die Misfits, Metallica oder die Backstreet Boys waren, waren für mich Nirvana – und zwar DIE Band meiner Jugend. So ziemlich genau zehn Jahre nach dem tragischen Tod Kurt Cobains wurde ich zum Fan und In Utero zu meinem absoluten Lieblingsalbum. Warum ich mich immer noch als Nirvana-Fan bezeichne und warum ich In Utero immer noch sehr mag, erzähle ich euch kurz zusammengefasst in diesem Review.

Als Dreizehnjährige besaß ich lediglich Nevermind, das zweite und wohl bekannteste Studioalbum der besagten Band. Nachdem ich In Utero etwas später in der Stadtbibliothek fand und umgehend ausgeliehen hatte, wurde mir schnell bewusst, dass ich dieses Album lieben würde. Zwischen eingängigen Popmelodien und wütendem Gekreische, zwischen schmuckloser Direktheit und nahezu blumiger Poesie zeichnet Cobain Bilder seines Innenlebens, dem Hauptthema von In Utero und seinen Vorgängern. Im Gegensatz zu Bleach und Nevermind hat man der Band offenbar mehr künstlerische Freiheit eingeräumt. Ganz nach dem Motto: Egal, was ihr für eine Scheiße baut, es wird sowieso ganz oben in den Charts landen. Steve Albini, der weniger Wert auf seine Rolle als Produzent legt, sondern vielmehr den Sound einer Band unterstützt, war also die beste Wahl. Nirvana geizen auf In Utero nicht mit Kritik an der Musikindustrie, wenn auch eher passiv-aggressiv. „Teenage angst paid off well, now I'm bored and old“ - gleich in der ersten Zeile äußert Cobain indirekt den Wunsch, dass der Medienzikus endlich von ihm abließe. Die Ironie der Titel Serve the Servants, Milk It und Radio Friendly Unit Shifter spricht für sich. Das Riff zu Rape Me ist ganz offensichtlich abgewandelt vom allseits bekannten Smells like Teen Spirit. Und letztendlich hatten Nirvana wohl darauf gehofft, dass sie die „Moderate Rock“ hörenden Mitläufer-Fans mit dem lärmenden Sound vertreiben würden. Auch lyrisch ist das Album eher radiountauglich. Analogien anstatt konkreten Aussagen, Aneinenderreihungen von Assoziationen, Themen wie Krankheit, Suizid, diverse Körperflüssigkeiten, sexueller Missbrauch. Trotzdem ist In Utero nicht nur laut in seiner Wut und Verzweiflung. Mit dem Ohrwurm Heart-Shaped Box, dem etwas untergegangenen Dumb, Pennyroyal Tea und All Apologies finden sich vier eingängigere Songs, die es auf das Best Of und zu drei Vierteln auf die Setlist des legendären Unplugged in New York-Konzertes geschafft haben. Wie auch immer, mich hat dieses Album geprägt. Als Teenager habe ich mich durch die Musik verstanden gefühlt. Mit Cobain, dem sympathischen, depressiven Weirdo konnte ich mich besser identifizieren als mit den lebendigen Pop- und Rockstars. In Utero stand im krassen Gegensatz zu dem glattpolierten Pop der frühen 2000er, den meine Mitschülerinnen und Mitschüler hörten und der Hippiemusik meiner Eltern. So konnte ich mich auch musikalisch allseits abgrenzen. Ob das gesund war, bezweifle ich. Aber ich wusste es eben nicht besser. Heute mag ich In Utero immer noch sehr gerne. Einerseits aus nostalgischen Gründen, andererseits aufgrund der Vielschichtigkeit, die sich erst nach mehrmaligem Hören auftut. Allein die Bildsprache lässte endlose Interpretationsmöglichkeiten zu. MfG, das Nirvana-Fangirl 

10/10 Pfandflaschen"



22. Queen - Innuendo (1991)

21. Manic Street Preachers - The Holy Bible (1994)

Schon wieder kommt ein Album von einer Band, von dem ich nicht gedacht hätte dass es mir gefallen wird.



"The Holy Bible" ist das dritte Album der Manic Street Preachers und das letzte mit Richey James Edwards an der Rhythmusgitarre. Dieser ist zeitgleich Texter der Band gewesen. Seit 1994 ist er verschwunden und gilt als "vermutlich tot", da bis jetzt kein Leichnam gefunden wurde. Es ist das am schlechtesten verkaufte Album der Band. Man gibt als Grund dafür die linken und zeitweise auch "zu" metaphorischen Texte. Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht ganz vorstellen, weil MSP bis dato schon sozialistisch gewesen sind bzw. Sympathien für die Ideen gehegt haben, was auch nicht unbekannt war. Viel eher würde ich sagen, dass die Öffentlichkeit immer noch vom Tode Kurt Cobains schockiert war und darum die ganzen Texte über Selbstverletzung, Autoaggression, Anorexie nicht grade wohlwollend aufgenommen hat. Dazu kommen noch Thematiken wie Selbstmord, die Shoah und Konsum. "Of Walking Abortion" verinnerlicht die These von Valerie Solanas, dass Männer primitive Wesen und damit quasi "laufende Abtreibungen" sind. "Archives Of Pain" handelt von Serienkillern und spricht auch die Todesstrafe an, was dazu geführt hat, dass der Song als "rechts" aufgenommen wurde.

Wie man herauslesen kann, ist "The Holy Bible" ein sehr vielfältiges und wenn nicht sogar komplexes Album. Man muss sich tatsächlich in die Texte reinlesen um sie überhaupt mitsingen zu können. Dabei ist das ganze unverkennbar Punk/Post-Punk/Glam/Wasauchimmer. Dabei habe ich irgendein Video von der Band im Kopf gehabt wo Soldaten am Strand zu sehen waren und sie eher poppig/soulig klangen. Darum war das hier eine RIESIGE Überraschung für mich. Ich habe das Album bestimmt an die 10-15 Mal gehört jetzt und kriege diverse Songs nicht aus mir raus. Bis jetzt kein Fan der Band gewesen, aber von diesem Album bin ich definitiv Fan.

8,75/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Revol, Faster, PCP, Of Walking Abortion

Philipp (aka Phil Th. Pig) hat übrigens auch was zu diesem Album zu sagen:

"Die Manic Street Preachers sind eine durch und durch weirde Band. Weird von der sympathischen Sorte.Eine Punkband aus der relativ schnell eine Glamrockband wurde,nur um dann zu einer Alternative-Rock- und später Britpopband zu werden, die von sich selbst behauptete gelacht zu haben, als John Lennon erschossen wurde.

Mit einem Gitarristen namens Richie, der weder live noch auf Studioaufnahmen Gitarre spielte, sondern mit Bassist Nicky Wire lediglich für das schreiben der Texte zuständig war. Mein lieber Scholli und was für Texte das waren. Politisch, introspektiv und unfassbar düster. Ein Gitarrist, der sich live in einer britischen Talkshow mit einem Rasiermesser "4real" in dem Arm schnitt als er gefragt wurde, wie ernst es ihm mit der Band sei.

Verdammt ernst sind auch die Texte dieses Albums, das letzte, an dem Richie wirklich aktiv beteiligt war. Nach Veröffentlichung des Albums verschwand Richie spurlos und die Band machte fortan als Trio weiter, immer noch verdammt gut, nicht weniger politisch aber durchaus weniger gefährlich und bissig.

Die Texte auf "The Holy Bible" zeichnen durchaus ein deutliches Bild von Richies Psyche. Völlig desillusioniert vom Musikbusiness, angekotzt von der Political Correctness des politischen Mainstreams, schwer von seiner Essstörung gezeichnet und allen voran die Behauptung, im Sommer seines Lebens sterben zu wollen. Verdammt düster und absolut großartig.

Für die Musik waren in erster Linie Gitarrist und Sänger (was für eine Stimme und was für ein großartiger Gitarrist) James Dean Bradfield und Schlagzeuger Sean Moore zuständig und machen dabei auch einen verdammt guten Job.

Musikalisch bewegt sich das ganze irgendwie zwischen der Energie des Punk, der "Laut-Leise"-Dynamik des Früh-Alternative-Rocks, der Düsternis

und Selbstzerstörung des Grunge und der Melodik des Britpop.

Anspieltipps:

Yes, Of Walking Abortion, Die in the Summertime

11/10 Pfandflaschen"



Sonntag, 17. Januar 2021

So isses, Musik!#115

Was gibts neues?

Nichts besonders viel. Aber ich habe diese Blackgaze-Band namens MØL gezeigt bekommen und ich finde sowohl den Song als auch das Video richtig schön.

Ihr Name bedeutet übrigens auf Dänisch "Motte".


Achjoa. GATECREEPER haben eine neue relativ kurez EP rausgehauen. Mit Songtiteln wie "Superspreader". Sie heißt "An Unexpected Reality" und ist auf Bandcamp als auch Spotify als auch YouTube zu hören. Ein ausführliches Review gibts dazu jetzt nicht. Fest steht: Standhafter, moderner Death Metal. Man hat sich IN ein Hardcore Punk Fenster gelehnt und haut ein knapp 18 Minuten langes Werk mit unfassbar kurzen Songs, bis auf "Emptiness", dass einfach mal 11 Minuten geht. Da wirds plötzlich sehr Doom-ig, was absolut unerwartet war. Geht sehr gut rein!

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Alles



50 Best Rock Albums of the 90s, Teil 9

So, ihr wisst wie der Hase läuft. Hier ist das Video von Raphi und hier gehts weiter mit der Liste: 

34. Foo Fighters - The Colour And The Shape (1997)

Dieses Album hatte es relativ schwer bei mir. Foo Fighters haben es generell ziemlich schwer bei mir. Ich bin ein Freund von Dave Grohls übrigen Projekten und ich mag tatsächlich auch die Songs die Foo Fighters als Singles ausgekoppelt haben. Auf diesem Album sind es das melancholisch-schöne "Everlong", das knackige "Monkey Wrench" und das leicht pathetische "My Hero". Allerdings haben es die anderen Songs auf dem Album ziemlich schwer gehabt. Dasselbe gilt für eines der Nachfolgealben, "There Is Nothing Left To Loose". FF sind dazu in der Lage richtige Hits rauszuballern bzw. Radiotaugliche Singles. Der Rest des Albums ist mir größtenteils entweder zu wehleidig bzw. zu melancholisch. Der Song "Hey, Johnny Park" der direkt nach "Monkey Wrench" passt von der Reihenfolge her einfach nicht und weiß meiner Meinung nach nicht so richtig wo er hin soll. 

Und so gehts mir mit dem Großteil des Albums. Das heißt natürlich nicht, dass es hier keine guten Songs gibt. "My Poor Brain" ist so einer. "The Colour And The Shape" schaffts jedoch leider nicht ganz mich wirklich abzuholen. Meiner Meinung nach gibt es hier außer den paar Singles kaum richtige "Mitreißer". Ich finds schade, weil ich weiß dass dahinter absolut fähige Musiker stecken. Nicht nur Dave Grohl sondern auch Pat Smear (Nirvana Live Besetzung bzw. The Germs) als auch Nate Mendel und William Goldsmith (beide Sunny Day Real Estate). Ich sags sehr ungern, aber vielleicht sind Foo Fighters halt einfach nicht ganz mein Fall. Aus Respekt entziehe ich mir hier der Bewertung.

Keine Bewertung:

Anspieltipps: Monkey Wrench, My Hero, Everlong, Wind Up, Up In Arms



33. Nirvana - Unplugged In New York (1994)

Seltsam. Da existiert der Blog schon (mehr) als zehn Jahre und ich habe kein einziges Mal ein Nirvana-Album reviewt. Aber, na gut, dafür ist diese Liste auch da. Um meinen eigenen musikalischen Horizont zu erweitern und zu vertiefen. Denn obwohl ich diese ganzen Songs die hier zu hören sind alle kenne, habe ich mich mit diesem Album bzw. diesem Konzert schon sehr lange nicht beschäftigt.

Im Jahre 1993 haben Nirvana ein MTV Unplugged Konzert gespielt welches knapp ein Jahr später und somit auch nach dem Tode Kurt Cobains veröffentlicht wurde. Es ist kein typisches Live-Album wie man ihn später (und davor) aus der Unplugged-Reihe kannte. Von bekannteren Songs ist hier bloß "Come As You Are" zu hören. Ansonsten haben wir hier "About A Girl" vom ersten Album "Bleach" als Opener, "Polly", "Pennyroyal Tea" oder "Something In The Way". Alles keine Hitsingles, sondern viel mehr ruhigere Songs die besser in ein Akustik-Set passen. Ebenso wie die Coversongs. Und davon gibt es viele. Alleine drei Songs der Meat Puppets, dessen Musiker Curt und Chris Kirkwood die Band auf der Bühne unterstützten. "The Man Who Sold The World" von David Bowie, "Jesus Doesn't Want Me for a Sunbeam" von The Vaselines und der Blues-Klassiker "Where Did You Sleep Last Night?" von Leadbelly. Letzterer Song ist ein ultimativer Abschluß für dieses Album und wirkt wie eine Grabrede für mich. Wobei ich nicht mehr weiß, ob es beim Konzert auch der letzte vorgetragene Song gewesen ist.

Ich mag es wie anders Nirvana hier klingen. Zwar weiß ich deren nihilistische Ader sehr zu schätzen - und das obwohl ich nie ein großer Fanboy gewesen bin - allerdings wirken sie hier tatsächlich wesentlich angenehmer und gefasster auf mich. Für mich fühlt sich das an, als würde ich in eine Paralleldimension blicken. Die Songs sind nicht einfach Akustik-Versionen ihrer elektrischen Ebenbilder sondern erscheinen wie extra für dieses Konzert einstudierte, vollkommen neue Songs. Mir gefällt auch dieses "glamouröse" Auftreten, mit klatschenden, sitzenden Publikum, auch wenn es absolut nicht zur Band passt. I really really like it.

Anspieltipps: The Man Who Sold The World, Come As You Are, Where Did You Sleep Last Night?

9/10 Pfandflaschen

Und weil zwei Meinungen manchmal besser sind als eine, erzählt euch Marlyn was sie vom Album hält.

"Vor über 27 Jahren fand also dieses Konzert in New York statt, das die moderne Musikgeschichte prägte. Ein Konzert, an welchem sich bis heute MusikerInnen messen, wenn es um Akustikkonzerte geht. Natürlich spreche ich von Nirvanas "Unplugged in New York"-Konzert, welches 1994 nach dem Tod Cobains auch als Album erschien.

Was aber macht diesen Konzertmitschnitt zu etwas Einzigartigem, zu einem Meilenstein? Zum einen die Tatsache, dass Nirvana überhaupt und dann auch noch in einem so ungewöhnlichen Rahmen - sie hatten zuvor noch nie ein Akustikkonzert gespielt - ausgerechnet bei MTV auftraten. Es sprach eigentlich wenig dafür, dass der Auftritt tatsächlich stattfinden würde. Zum anderen das Endresultat "Unplugged in New York". Nirvana klingen authentisch, aber im Vergleich zu ihren Studioalben und gewohnten Konzerten ungewohnt. Als ob die "emotionale Essenz", insbesondere Kurt Cobains, vor Publikum destilliert worden wäre. In "Pennyroyal Tea"und "All Apologies" ist es besonders gut zu hören, wie die Wut einer in sich gekehrten Traurigkeit gewichen ist. 

Eine weitere Besonderheit ist die Auswahl der Songs. Kaum aus den Charts bekannte Hits, stattdessen Coverversionen der befreundeten Meat Puppets (welche als musikalische Unterstützung vor Ort waren), The Vaselines, David Bowie und einem Folksong. Und das alles klingt wie aus einem Guss. 

Insgesamt ein sehr angenehmes und doch trauriges Album. Wie vorher kurz angemerkt, merkt man Cobain die Resignation an, trotz seiner Freundlichkeit gegenüber dem Publikum und den Musikern ist er in sich gekehrt und um einiges klarer, als man es sonst von seinen Auftritten gewohnt war. Der Auftritt war die Ruhe vor dem Sturm. Was danach passierte, brauche ich an dieser Stelle nicht erwähnen.

Anspieltipps: "Jesus Doesn't Wan Me For A Sunbeam", "Pennyroyal Tea", "Plateau", "Lake Of Fire", "All Apologies", "Where Did You Sleep Last Night"

9/10 Pfandflaschen"






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 Ceremony Discography: Zoo (2012)

"Zoo" war der Punkt an welchem Ceremony vom "HC"-Ordner in den "Post-Punk & New Wave"-Ordner auf meinem mp3-Player wanderten. 

Mit Hardcore oder Powerviolence hat das hier nichts mehr zu tun, und das ist auch verdammt gut so. Ich glaube wenn ein viertes, weiteres Album in ähnlichen Stil gehalten worden wäre, dann wäre es ziemlich schnell ziemlich eintönig. Jedenfalls bietet "Zoo" einen sehr großen Stilwechsel. Ceremony haben sich nicht einfach "entschieden" anstelle von Powerviolence/HC träge wirkenden Post-Punk/etc. zu machen, sondern entwickelten sich ganz natürlich in die Ecke. Auf "Rohnert Park" war das, meine ich, in einem Song zu hören. Und auch die Tatsache, dass die Band nach einem New Order Song benannt ist zeigt auch dass diese Entwicklung keine Überraschung sein sollte.

"Zoo" ist vor allem eins: Sehr catchy, langsam (im Vergleich zu vorherigen Alben) und auf eine andere Art und Weise Punk Rock. Man nahm den Riffs zwar die Aggression weg, aber den Songtexten nicht. Zudem muss ich einfach feststellen, dass diese Riffs auf diesem Album in einer anderen Tonlage genauso von einer "krassen" und "schnellen" HC/Punk-Band gespielt werden könnten. Ich höre Einflüsse von Wipers, Joy Division und Wire aber auch 60s/70s Garage Rock. Der Sound wirkt auf mich, als hätte man einfach nur das Grundgerüst genommen - ohne viele Effekte, ohne viel Soli.

Ich nenne das Slacker Musik. Und ich meine das gut. 

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Brace Yourself, Adult, Video, Hotel


Ceremony Discography: The L-Shaped Man (2015)

Ich bin stolzer Besitzer des "The L-Shaped Man"-Gedichtbandes von Sänger Ross Farrar. Nur so nebenbei.

Hierauf gehen Ceremony noch einen Schritt weiter (oder zurück wenn man sich die Timeline der Musik reinzieht) und machen kopieren schamlos Joy Division. Das mag jetzt harsch wirken, wenn ich das jetzt so sage, aber es ist nun mal wahr. Macht das Album übrigens keinen deut schlechter. Es ist schlicht und einfach eines der besten nie veröffentlichten Joy Division Alben, die es zu Ian Curtis Zeiten nicht gegeben hat. Farrar hat damals eine schwerwiegende Trennung mitgemacht, die sein Innenleben scheinbar enorm beeinflusst hat, sodass das Album nach krasser Depression klingt. Also wirklich, richtig richtig krass. Die Songtexte sind depressiv, die Musik klingt auch sehr leidend. Dabei schafft man es solche Akrobatiken/Stilmittel einzusetzen wie Wiederholung. Bestimmte Zeilen werden richtig oft wiederholt sodass eine Monotonie einsetzt. Es ist ebenfalls ein Stilmittel welches Joy Division eingesetzt haben.

Man hätte meinen können, dass Ceremony es hätten besser machen können anstelle JD zu kopieren. Allerdings bin ich der Meinung dass Künstler das tun sollten worauf sie Bock haben. Und wenn es heißt dass man eine Art Tribut an Joy Division rausbringt um mit einer Trennung fertig zu werden, dann ist es so. Wirklich großartig trauriges Album.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: The Bridge, The Pattern, The Understanding