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Montag, 18. Juli 2022

So isses, Musik!#147


GATECREEPER am 29.06.2022 im Junkyard, Dortmund

Als dieses Konzert stattfand, habe ich bereits "Happenings des Monats" für Juni veröffentlicht. Darum erscheint der kurze Bericht anschließend hier. Ich musste an dem Tag arbeiten und zwar bis 19 Uhr. Das heißt im Endeffekt: Schnell die Europaletten reinfahren und ab nach Dortmund. Ich habe die Vorband, die nicht Scalpture waren, sondern Eye Master, gnadenlos verpasst. Als ich ankam haben Gatecreeper schon angefangen zu spielen. Insgesamt habe ich vllt. 40 Minuten des Sets mitbekommen. Aber es hat sich gelohnt.


Denn, das wessen Zeuge ich wurde war verdammt gut gemacht melodischer Death Metal, von Typen die offensichtlich der Hardcore Szene entstammen. Denn sonst würden sie das Publikum nicht zu Circle Pits aufrufen und nicht diese Hardcore-Sänger-Haltung auf der Bühne einnehmen. "From The Ashes" eines der bekanntesten Songs der Band erinnert einen tatsächlich an dieses eine Lied von Amon Amarth, das damals in der Würzburger Metal-Disco "Labyrinth" rauf und runter gespielt wurde. Das meine ich übrigens gar nicht böse. Vielleicht haben Gatecreeper als US-Bürger einen weitaus positiveren Bezug zu Amon Amarsch als ich. Ich fand den Auftritt verdammt gut. Technisch absolut auf der Höhe. Angenehmer, wenn auch nicht allzu dreckiger Death Metal. Manch einer würde sagen, dass es zu modern oder zu weich ist. Ich bin da relativ offen. Für die kurze Zeit hat sich das tatsächlich gelohnt.

N:

NAIV

Ich habe vor hundert Jahren eine mp3-Kollektion der russischen Punk-band NAIV geholt, als auch das Album "Post-Alkogolnye Strahi" (post-alkoholische Ängste). Neben Seitenhieben gegen Straight Edgen, die Regierung und Songs übers Besoffen sein als auch Ablehnung von harten Drogen haben wir hier eine durchaus sympathische Band die sich an Vorbildern wie Sex Pistols oder Offspring orientiert. Sprich klassischer Punk-Sound gemischt mit kalifornischen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das nach Jahren gefallen würde, aber ja das tut es.

Hier ist der Song "Utro", der von einem höllischen Morgen, gewürzt mit einem ekelhaften Kater handelt:




Napalm Death - "Scum" (1987)

Ich habe zwei Alben von Napalm Death auf dem Rechner. Eines davon ist der Death-Metal-Erstling der Band "Harmony Corruption". Das andere ist das Debüt "Scum". Auf diesem sind zwei verschiedene Besetzungen zu hören. Auf der A-Seite noch Nick Bullen am Bass und Gesang, Justin Broadrick (der später die Projekte Godflesh und Jesu ins Leben gerufen hat) an der Gitarre und Mick Harris am Schlagzeug. Auf der zweiten Seite ist Sänger Lee Dorrian zu hören, der später bei der Doom Metal Band Cathedral angefangen, die mittlerweile auch eine Legende ist. Außerdem Bill Steer (u.a. Carcass) an der Gitarre und Jim Whiteley am Bass. Mick Harris wieder am Schlagzeug. Es ist nicht die erste Veröffentlichung der Band und schon damals nur ein Mitglied von der Originalbesetzung übrig. Wobei nicht mal das. Mick Harris war auch kein Originalmitglied. WTF. Ich kenne, glaube ich keine Band bei der niemand von der Originalbesetzung mehr dabei ist. Fest steht: "Scum" ist ein phänomenales Grindcore-Album, definitiv noch entfernt von allerlei typischen Genre-Klischees. Es ist ein raues, gnadenloses Werk einer Band, die wahrscheinlich zu wenig Geld für die Aufnahmen hatte und einfach möglichst viel Aufnehmen wollte. Faszinierend. Ja, auch dieses berühmte kürzestes Lied der Welt "You Suffer" ist hier zu hören. Nein, "Scum" bietet wesentlich mehr als das. Selbst das Albumcover ist das erste seiner Art. Eine Collage von verschiedensten Brutalitäten dieser Welt. Politischer Terror. Konsum. All das was später eine 08/15-Vorlage für Grindcore oder Crust-Bands wurde ist hier zu sehen. Gestaltet von Jeff Walker, Sänger von Carcass.

28 SONGS!!!




Narziss - Solang das Herz schlägt (2006)

Eine Metalcore-Band aus Jena, mit deutschsprachigen Texten. Heutzutage tatsächlich immer noch eine Ausnahme, damals sowieso. Ich habe mich gewundert, wie gut diese ganzen Breakdowns mit deutschen Texten zusammenpassen. Vor allem, weil einiges davon doch voll mit Clean Gesang ist und ganz und gar nicht cringy. Gut, cringy mögen Texte wie "Meine kleine Seele weint" heutzutage schon rüberkommen. Aber das ist halt Geschmackssache. Es ist überrascht catchy und ganz und gar nicht schlecht. Im Gegensatz zu publikumswirksamen Metalcore, der heute größtenteils gespielt wird.




Nas & MF DOOM - Nastradoomus (2008)

"Nastradamus" war das vierte Album von Nasir "Nas" Jones, einen der bekanntesten, smoothesten New Yorker Hip-Hop-Größen der 90er Jahre. Bei "Nastradoomus" handelt es sich um ein Remix-Album, dass von einer anderen Legende, MF DOOM, produziert wurde. Im Prinzip ist es einfach eine Art wesentlich düsterere Variante von "Nastradamus". Die Beats klingen mysteriöser und verleihen den Songs ein undergroundiges "Feeling". Im Vergleich dazu, der meines Erachtens beste Track. 

Im Original:

"Some Of Us Have Angels":



Und natürlich der MF-DOOM-Remix:

Der eigentliche Song fängt bei ca. 3:50 an.


Auf "Shoot'Em Up" hat MF Doom übrigens das gleiche Sample wie auf "Dead Bent" vom eigenen Album "Operation Doomsday" verwendet. Schön, das wiederzuerkennen. Das ist übrigens "Walk On By" von Isaac Hayes, welches wiederum auch von Wu-Tang Clan in "I Can't Go To Sleep" verwendet wurde - das auch Hayes gefeatured hat. Achja, "Hood Took Me Under" von Compton's Most Wanted verwendet es übrigens auch. Zu hören auf "Radio Los Santos" im Videospiel Grand Theft Auto: San Andreas. Das Lied von Hayes ist tatsächlich auch noch n Cover von Dionne Warwick, das von Burt Bacharach geschrieben wurde. 

Black Sabbath Discography: Sabbath Bloody Sabbath (1973)

Philipp:

"Nun, nachdem zumindest der gute Raphi und ich uns über Vol. 4 etwas uneinig waren, kehrt die Eintracht zurück auf diesen Blog, das hier ist wirklich eine geile Hütte, das sehe ich exakt genau so. Allein der Opener und Titeltrack ist schon mal mindestens 6 Pfandflaschen wert, dieses Riff, dieser (noch doomigere) langsamere Part an denlm Ozzy hörbar an die Grenzen seiner stimmlichen Kapazität stößt und der dadurch noch an Bedrohlichkeit gewinnt, unfassbarer Song, definitiv in meiner Top 10 der besten Sabbath Songs, vielleicht sogar in der Top 5, da müsste ich aber noch mal drüber schlafen. 
Iommi hat noch mal einen Zahn zugelegt und arbeitet auf diesem Album recht oft mit Overdubs und zweistimmigen Gitarrenriffs, meines Erachtens nach ein Novum in der Geschichte der Band. 

Der Rest des Albums ist übrigens wesentlich weniger düster als das Cover vermuten ließe, eher sehr guter 70s-Rock, aber dafür wirklich fantastisch, wie bereits angedeutet, das Trio Iommi Butler Ward hat sich erneut selbst übertroffen, Ozzy zieht da auf jeden Fall (noch) bereitwillig mit, stößt aber hier und da schon an seine stimmlichen Grenzen. 
Ich muss übrigens zu meiner Schande gestehen, dass ich im Gesamtkanon der Band dieses Album immer sehr geschätzt aber doch immer auf den Opener reduziert habe. Aber da gibt es wirklich noch viel mehr zu entdecken, großartiges Album, dieses.

10/10 Pfandflaschen

Anspieltipps:

Sabbath Bloody Sabbath, Sabbra Cadabra, Looking for Today"

Raphael:

 „Sabbath Bloody Sabbath“ entstand angeblich aus einem ähnlichen kokainbedingten Burnout wie das vorangehende „Vol. 4“. Obgleich alle Bandmitglieder im Nachhinein von Ideenarmut und Erschöpfung sprechen, wenn es um das fünfte Black Sabbath Album geht, klingt diese Scheibe für mich deutlich selbstbewusster als ihre Vorgängerin.

Der Einstieg mit dem Titeltrack ist eine breitschultrige Ansage, die in meinem Kosmos bis heute zu den unantastbaren Heavy Metal Hymnen gehört. Der Song alleine lässt mich vergessen, wie durchwachsen ich „Vol. 4“ finde. Das Main Riff ist eine Bestie, die Bridge animiert mich jedes Mal, Extremitäten in die Luft zu strecken, und der schiefe Gesang zum Schluss passt wie die Faust aufs Auge. Das Niveau bleibt hoch, denn an zweiter Position kommt mit ‚A National Acrobat‘ ein eigensinniger, aber großartiger Song, in dem Black Sabbath darüber sinnieren, wer eigentlich entscheidet, welches Spermium mit der Eizelle verschmilzt, und welches nicht. Interessanter ist aber die Musik, die nicht nur zum großen Teil aus der Feder von Bassist Geezer Butler stammt, sondern für mein Gehör auch eine sehr frühe Protoform des Stoner oder Desert Rock darstellt. Legt mal Paisley Underground Acts wie Thin White Rope oder schwerere Desert Rock Bands wie Dozer daneben – Parallelen sind auf jeden Fall zu finden. Es folgt ein Instrumental, das in erster Linie eine dankbare Verbeugung ist: Alan „Fluff“ Freeman war wohl einer der wenigen Radio DJs bei BBC, der regelmäßig Black Sabbath auflegte; Tony Iommi bedankte sich mit dieser kleinen Hymne. Nach diesem schönen Instrumental kommt das Ende der A-Seite, das dynamische Heavy Metal Liebeslied ‚Sabbra Cadabra‘. Der Song ist ein absoluter Kracher, der die berauschende Luft auf Wolke 7 perfekt in Musik umsetzt – und dann ist da auch noch der Synthie von Gastmusiker Rick Wakeman! Das Yes-Mitglied bringt ein bisschen Prog mit und mischt den liebestrunkenen Heavy Metal ordentlich auf. Die A-Seite endet und bis jetzt sind mir noch keine Makel aufgefallen.

Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Bill Ward, Geezer Butler
Einmal das Vinyl umgedreht, und schon geht es mit dezent psychedelischem Metal weiter. Der Song ‚Killing yourself to live‘ wurde von Bassist Geezer Butler geschrieben, der darin seine alkoholbedingten Gesundheitsprobleme behandelt – ein Song, in dem sich auch Drummer Bill Ward gut wiedergefunden hat. In der ersten Hälfte überzeugt vor allem der eingespielte Sitar zusammen mit den Stopps im Mainriff. Zum Ende hin wird ‚Killing yourself to live‘ zu einem mächtigen Strudel, der mit der Kraft des Heavy Metal nach unten zieht. Und diese Bewegung geht mit dem hypnotischen Moog Track ‚Who are you?‘ weiter. Nein, mit Heavy Metal oder Doom und Konsorten hat das nichts zu tun, aber sowohl an seiner Position zwischen ‚Killing yourself to live‘ und ‚Looking for today‘ ist der Song ein Brecher. Letzteres nimmt dann nochmal ein beschwingtes Tempo auf. So ungewöhnlich der progressive, leicht folkige, Prog Pop Rock Bastard klingen mag, ist dieses uneheliche Kind aus Britpop, Folk und Prog Rock doch die logische Konsequenz aus Liedern wie ‚After Forever‘. Nach diesem sehr agilen Track kommt zum Schluss der zweite Teil der Gedanken über Erbgut und die Individuen, die
daraus erwachsen: ‚Spiral Architect‘ knüpft inhaltlich an ‚A National Acrobat‘ an. Der Song ist an sich schön abwechslungsreich aufgebaut und hat hymnischen Charakter, und auch das Orchester macht gut was her. Im Gegensatz zu ‚Sabbra Cadabra‘ und ‚Looking for today‘ passt der Prog-Einschlag hier aber nicht so gut zum üblichen Sabbath Sound, finde ich. Es wirkt ein wenig, als hätte man auf einem Ohr Black Sabbath und auf dem anderen Symphony X.

Das Ende stellt aber meines Erachtens den einzigen partiellen Aussetzer des Albums dar. „Sabbath Bloody Sabbath“ zeigt nicht nur, wie stark sich die Band in den ersten Jahren ihrer Arbeit entwickelt hat, sondern beweist auch, dass sich Black Sabbath nach einem Ausfall wie „Vol. 4“ schnell wieder aufrappeln konnten. Die fünfte Platte ist ein weiterer Meilenstein des frühen Heavy Metal und verdient ihre 

9,5/10 Pfandflaschen.



Sonntag, 17. Januar 2021

So isses, Musik!#115

Was gibts neues?

Nichts besonders viel. Aber ich habe diese Blackgaze-Band namens MØL gezeigt bekommen und ich finde sowohl den Song als auch das Video richtig schön.

Ihr Name bedeutet übrigens auf Dänisch "Motte".


Achjoa. GATECREEPER haben eine neue relativ kurez EP rausgehauen. Mit Songtiteln wie "Superspreader". Sie heißt "An Unexpected Reality" und ist auf Bandcamp als auch Spotify als auch YouTube zu hören. Ein ausführliches Review gibts dazu jetzt nicht. Fest steht: Standhafter, moderner Death Metal. Man hat sich IN ein Hardcore Punk Fenster gelehnt und haut ein knapp 18 Minuten langes Werk mit unfassbar kurzen Songs, bis auf "Emptiness", dass einfach mal 11 Minuten geht. Da wirds plötzlich sehr Doom-ig, was absolut unerwartet war. Geht sehr gut rein!

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Alles



50 Best Rock Albums of the 90s, Teil 9

So, ihr wisst wie der Hase läuft. Hier ist das Video von Raphi und hier gehts weiter mit der Liste: 

34. Foo Fighters - The Colour And The Shape (1997)

Dieses Album hatte es relativ schwer bei mir. Foo Fighters haben es generell ziemlich schwer bei mir. Ich bin ein Freund von Dave Grohls übrigen Projekten und ich mag tatsächlich auch die Songs die Foo Fighters als Singles ausgekoppelt haben. Auf diesem Album sind es das melancholisch-schöne "Everlong", das knackige "Monkey Wrench" und das leicht pathetische "My Hero". Allerdings haben es die anderen Songs auf dem Album ziemlich schwer gehabt. Dasselbe gilt für eines der Nachfolgealben, "There Is Nothing Left To Loose". FF sind dazu in der Lage richtige Hits rauszuballern bzw. Radiotaugliche Singles. Der Rest des Albums ist mir größtenteils entweder zu wehleidig bzw. zu melancholisch. Der Song "Hey, Johnny Park" der direkt nach "Monkey Wrench" passt von der Reihenfolge her einfach nicht und weiß meiner Meinung nach nicht so richtig wo er hin soll. 

Und so gehts mir mit dem Großteil des Albums. Das heißt natürlich nicht, dass es hier keine guten Songs gibt. "My Poor Brain" ist so einer. "The Colour And The Shape" schaffts jedoch leider nicht ganz mich wirklich abzuholen. Meiner Meinung nach gibt es hier außer den paar Singles kaum richtige "Mitreißer". Ich finds schade, weil ich weiß dass dahinter absolut fähige Musiker stecken. Nicht nur Dave Grohl sondern auch Pat Smear (Nirvana Live Besetzung bzw. The Germs) als auch Nate Mendel und William Goldsmith (beide Sunny Day Real Estate). Ich sags sehr ungern, aber vielleicht sind Foo Fighters halt einfach nicht ganz mein Fall. Aus Respekt entziehe ich mir hier der Bewertung.

Keine Bewertung:

Anspieltipps: Monkey Wrench, My Hero, Everlong, Wind Up, Up In Arms



33. Nirvana - Unplugged In New York (1994)

Seltsam. Da existiert der Blog schon (mehr) als zehn Jahre und ich habe kein einziges Mal ein Nirvana-Album reviewt. Aber, na gut, dafür ist diese Liste auch da. Um meinen eigenen musikalischen Horizont zu erweitern und zu vertiefen. Denn obwohl ich diese ganzen Songs die hier zu hören sind alle kenne, habe ich mich mit diesem Album bzw. diesem Konzert schon sehr lange nicht beschäftigt.

Im Jahre 1993 haben Nirvana ein MTV Unplugged Konzert gespielt welches knapp ein Jahr später und somit auch nach dem Tode Kurt Cobains veröffentlicht wurde. Es ist kein typisches Live-Album wie man ihn später (und davor) aus der Unplugged-Reihe kannte. Von bekannteren Songs ist hier bloß "Come As You Are" zu hören. Ansonsten haben wir hier "About A Girl" vom ersten Album "Bleach" als Opener, "Polly", "Pennyroyal Tea" oder "Something In The Way". Alles keine Hitsingles, sondern viel mehr ruhigere Songs die besser in ein Akustik-Set passen. Ebenso wie die Coversongs. Und davon gibt es viele. Alleine drei Songs der Meat Puppets, dessen Musiker Curt und Chris Kirkwood die Band auf der Bühne unterstützten. "The Man Who Sold The World" von David Bowie, "Jesus Doesn't Want Me for a Sunbeam" von The Vaselines und der Blues-Klassiker "Where Did You Sleep Last Night?" von Leadbelly. Letzterer Song ist ein ultimativer Abschluß für dieses Album und wirkt wie eine Grabrede für mich. Wobei ich nicht mehr weiß, ob es beim Konzert auch der letzte vorgetragene Song gewesen ist.

Ich mag es wie anders Nirvana hier klingen. Zwar weiß ich deren nihilistische Ader sehr zu schätzen - und das obwohl ich nie ein großer Fanboy gewesen bin - allerdings wirken sie hier tatsächlich wesentlich angenehmer und gefasster auf mich. Für mich fühlt sich das an, als würde ich in eine Paralleldimension blicken. Die Songs sind nicht einfach Akustik-Versionen ihrer elektrischen Ebenbilder sondern erscheinen wie extra für dieses Konzert einstudierte, vollkommen neue Songs. Mir gefällt auch dieses "glamouröse" Auftreten, mit klatschenden, sitzenden Publikum, auch wenn es absolut nicht zur Band passt. I really really like it.

Anspieltipps: The Man Who Sold The World, Come As You Are, Where Did You Sleep Last Night?

9/10 Pfandflaschen

Und weil zwei Meinungen manchmal besser sind als eine, erzählt euch Marlyn was sie vom Album hält.

"Vor über 27 Jahren fand also dieses Konzert in New York statt, das die moderne Musikgeschichte prägte. Ein Konzert, an welchem sich bis heute MusikerInnen messen, wenn es um Akustikkonzerte geht. Natürlich spreche ich von Nirvanas "Unplugged in New York"-Konzert, welches 1994 nach dem Tod Cobains auch als Album erschien.

Was aber macht diesen Konzertmitschnitt zu etwas Einzigartigem, zu einem Meilenstein? Zum einen die Tatsache, dass Nirvana überhaupt und dann auch noch in einem so ungewöhnlichen Rahmen - sie hatten zuvor noch nie ein Akustikkonzert gespielt - ausgerechnet bei MTV auftraten. Es sprach eigentlich wenig dafür, dass der Auftritt tatsächlich stattfinden würde. Zum anderen das Endresultat "Unplugged in New York". Nirvana klingen authentisch, aber im Vergleich zu ihren Studioalben und gewohnten Konzerten ungewohnt. Als ob die "emotionale Essenz", insbesondere Kurt Cobains, vor Publikum destilliert worden wäre. In "Pennyroyal Tea"und "All Apologies" ist es besonders gut zu hören, wie die Wut einer in sich gekehrten Traurigkeit gewichen ist. 

Eine weitere Besonderheit ist die Auswahl der Songs. Kaum aus den Charts bekannte Hits, stattdessen Coverversionen der befreundeten Meat Puppets (welche als musikalische Unterstützung vor Ort waren), The Vaselines, David Bowie und einem Folksong. Und das alles klingt wie aus einem Guss. 

Insgesamt ein sehr angenehmes und doch trauriges Album. Wie vorher kurz angemerkt, merkt man Cobain die Resignation an, trotz seiner Freundlichkeit gegenüber dem Publikum und den Musikern ist er in sich gekehrt und um einiges klarer, als man es sonst von seinen Auftritten gewohnt war. Der Auftritt war die Ruhe vor dem Sturm. Was danach passierte, brauche ich an dieser Stelle nicht erwähnen.

Anspieltipps: "Jesus Doesn't Wan Me For A Sunbeam", "Pennyroyal Tea", "Plateau", "Lake Of Fire", "All Apologies", "Where Did You Sleep Last Night"

9/10 Pfandflaschen"






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 Ceremony Discography: Zoo (2012)

"Zoo" war der Punkt an welchem Ceremony vom "HC"-Ordner in den "Post-Punk & New Wave"-Ordner auf meinem mp3-Player wanderten. 

Mit Hardcore oder Powerviolence hat das hier nichts mehr zu tun, und das ist auch verdammt gut so. Ich glaube wenn ein viertes, weiteres Album in ähnlichen Stil gehalten worden wäre, dann wäre es ziemlich schnell ziemlich eintönig. Jedenfalls bietet "Zoo" einen sehr großen Stilwechsel. Ceremony haben sich nicht einfach "entschieden" anstelle von Powerviolence/HC träge wirkenden Post-Punk/etc. zu machen, sondern entwickelten sich ganz natürlich in die Ecke. Auf "Rohnert Park" war das, meine ich, in einem Song zu hören. Und auch die Tatsache, dass die Band nach einem New Order Song benannt ist zeigt auch dass diese Entwicklung keine Überraschung sein sollte.

"Zoo" ist vor allem eins: Sehr catchy, langsam (im Vergleich zu vorherigen Alben) und auf eine andere Art und Weise Punk Rock. Man nahm den Riffs zwar die Aggression weg, aber den Songtexten nicht. Zudem muss ich einfach feststellen, dass diese Riffs auf diesem Album in einer anderen Tonlage genauso von einer "krassen" und "schnellen" HC/Punk-Band gespielt werden könnten. Ich höre Einflüsse von Wipers, Joy Division und Wire aber auch 60s/70s Garage Rock. Der Sound wirkt auf mich, als hätte man einfach nur das Grundgerüst genommen - ohne viele Effekte, ohne viel Soli.

Ich nenne das Slacker Musik. Und ich meine das gut. 

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Brace Yourself, Adult, Video, Hotel


Ceremony Discography: The L-Shaped Man (2015)

Ich bin stolzer Besitzer des "The L-Shaped Man"-Gedichtbandes von Sänger Ross Farrar. Nur so nebenbei.

Hierauf gehen Ceremony noch einen Schritt weiter (oder zurück wenn man sich die Timeline der Musik reinzieht) und machen kopieren schamlos Joy Division. Das mag jetzt harsch wirken, wenn ich das jetzt so sage, aber es ist nun mal wahr. Macht das Album übrigens keinen deut schlechter. Es ist schlicht und einfach eines der besten nie veröffentlichten Joy Division Alben, die es zu Ian Curtis Zeiten nicht gegeben hat. Farrar hat damals eine schwerwiegende Trennung mitgemacht, die sein Innenleben scheinbar enorm beeinflusst hat, sodass das Album nach krasser Depression klingt. Also wirklich, richtig richtig krass. Die Songtexte sind depressiv, die Musik klingt auch sehr leidend. Dabei schafft man es solche Akrobatiken/Stilmittel einzusetzen wie Wiederholung. Bestimmte Zeilen werden richtig oft wiederholt sodass eine Monotonie einsetzt. Es ist ebenfalls ein Stilmittel welches Joy Division eingesetzt haben.

Man hätte meinen können, dass Ceremony es hätten besser machen können anstelle JD zu kopieren. Allerdings bin ich der Meinung dass Künstler das tun sollten worauf sie Bock haben. Und wenn es heißt dass man eine Art Tribut an Joy Division rausbringt um mit einer Trennung fertig zu werden, dann ist es so. Wirklich großartig trauriges Album.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: The Bridge, The Pattern, The Understanding



Samstag, 25. Juli 2020

Album der Woche#449: Gatecreeper - Deserted (2019)

Okay, dieser musikalische Monat ist der Monat der wenigen Worte. Denn so richtig viel will ich über Death Metal nicht wirklich schreiben. Meiner Meinung nach steht die Musik tatsächlich mehr für sich selbst. So betrachtet möchte ich nicht unbedingt fachsimpeln. Allerdings habe ich beschlossen ein neueres Album vom letztem Jahr zu reviewen, weil ich die Band (meine auch letztes Jahr) entdeckt habe und bis jetzt verdammt gut finde.

Zweites Album von Gatecreeper aus Arizona.

Mal ganz logisch überlegt: Sie machen absolut nichts neues, sie erfinden kein neues Genre und brechen auch nicht unbedingt irgendwelche Schranken/Schubladen. Na gut. Es ist kein Slam Death, kein Melodic Death. Viel eher orientieren sie sich am klassischen Florida Death Metal und teilweise an ihren schwedischen Kollegen. Sie bringen also sowohl die Wucht als auch die Melodie. Ohne jedoch zu stumpf oder zu melodisch zu klingen. Gleichzeitig ist die Produktion auch nicht "zu" sauber. So klingt es jedenfalls, wenn ich mir "Deserted" anhöre: Growls, Gitarrensoli, quietschende Gitarren und unfassbar viel Geschredder. Sie erfinden also nicht viel neu, aber sie machen ihren Job einfach nur verdammt gut.

Lyrisch betrachtet sind sie allerdings so einigen (Ur-)Bands tatsächlich weit voraus. Keine Texte über den Gore/Tod sondern viel eher sowas:

"Anxious
Self-mutilation
I let the weight of my own choices bleed me dry
Overwhelmed
Wounded and bled
Suffocating
Buried by dreams
Undying will to dominate"

(aus "Anxiety")


Summa Summarum: Das baller ich mir nei.
8,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Absence of Light, From The Ashes, Anxiety