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Montag, 30. Juni 2025

Happenings des Monats: Juni'25

SPASTIC FANTASTIC LABELFEST 2025 am 07.06.2025 im FZW, Dortmund

Traditionen muss man pflegen, oder so. Oder? Naja. Jedenfalls gehe ich beinahe ununterbrochen seit fast 12 (?) Jahren zum Spastic Fantastic Festival ins FZW und bin eigentlich ganz selten enttäuscht. Aber lasst uns anfangen direkt anfangen.



Soweit ich mich erinnern kann, war die erste Band die Genosse H, Genosse A und ich an dem Nachmittag/Abend gesehen haben eine Powerviolence-Gruppierung namens CHRONIC PISSED. Wobei es mich schon gestört hat. Ich dachte ehrlich gesagt, dass es richtigerweise "chronically pissed" heißen sollte. Jedenfalls waren die 2-3 Minuten die wir nach unserem kleinen Einkauf bei REWE noch mitbekommen haben schon ziemlich geil. Geht steil. Danach gings runter zu FLASCHENBECHER. Der Bandname ist mir, ob seiner Merkwürdigkeit, schon desöfteren aufgefallen. Was uns dann erwartet hat war eine vierköpfige Deutschpunk-Gruppe, die sich allerdings eher an der melodischeren, frecheren Sparte des Genres aus den 1980er Jahren orientiert hat. Jemanden im Publik sind tatsächlich "Ideal" als Vergleich eingefallen. Ich wäre nicht auf den Vergleich gekommen, wenn dann eher Bärchen und die Milchbubis oder so. Jedenfalls, sympathische Mischung aus politischen und trivialen (oder trivial wirkenden) Texten. Flaschenbecher waren auch der Ersatz für "Pisstole", die ich bis dato mir immer noch nicht angehört habe. Jedenfalls ging es nach ihren Auftritt ziemlich schnell nach oben zu den Surfpunks von WAX MINDS. Eine wirklich bezaubernde, lockere und gleichzeitig energische Art und Weise zu singen, aufzutreten...Naja, zu performen halt. Sehr interessant fand ich auch wie die als Erdbeere verkleidete Sängerin, um irgendwo weiter oben sich fortbewegen zu können, sich einfach am Kopf eines Zuschauers festgehalten hat. Großartig. WIR SIND FLIEGEN und SABOTAGE haben Genosse H. und ich tatsächlich gekonnt verpasst weil wir beschäftig waren, uns Essen zu holen als auch bei der Rückkehr vom Security Mann abgetastet zu werden. Darum war es an der Zeit für drei Bands, die mich seit längerer als auch kürzerer Zeit begeistert haben, denne ich teilweise aber viel zu wenig Beachtung schenke. HYSTERESE habe ich das letzte Mal gesehen, als ich noch in Würzburg gewohnt habe. Soweit ich mich erinnere, war das mein letztes Konzert dort, vor dem Umzug. Und zwar das Trainspotting Festival in Cairo. Ich fand sie fantastisch und habe mir zwei Aufnäher geholt, einer davon ist immer noch auf meiner Bomberjacke lol. Jedenfalls war es diesmal nicht anders. Großartiges, Post-Punk-Irgendwas-Gedöns mit Gesang, der tatsächlich an 80er Jahre NWOBHM-Bands erinnert. Zumindest so ein Bisschen. Das ist übrigens Genosse A. aufgefallen, und nicht mir. Also mir auch, aber erst später. Als es dann wieder vom Keller nach Oben ging, wurde es schlimmer. Wir waren nur ganz kurz im Garten des FZW und währenddessen wurde der Andrang bei BRIEFBOMBE einfach immer größer. Wir haben versucht uns durch die Menge irgendwie durchzudrängen. Haben es grade mal so geschafft und tatsächlich auch den Song "Jugendlicher im DHL Postfach aufgefunden" (oder so) mitgehört. Ansonsten wurd es mir zumindest sowas von zu viel. Darum ab nach unten und darauf warten, dass Amen81 los legen können. Zu dieser Band habe ich eine ganz besondere Beziehung. Tatsächlich waren sie die musikalische Untermalung für meinen politischen Wandel von "alle Staaten sind blöd"-Kiddie zum israelsolidarischen Gigachad, der ich heute bin (als ob). Ich habe sie insgesamt drei mal gesehen. Einmal am Ende einer großen antifaschistischen Demo gegen die Eröffnung des Nazi-Klamotteladens Tönsberg in Nürnberg, irgendwaann im Aschaffenburger JUKUZ und dann tatsächlich beim oben genannten Trainspotting-Festival in Würzburg. Vorletztes (?) Jahr hätten sie ebenfalls im FZW auftreten sollen, aber war nicht. Jedenfalls habe ich sie endlich wieder zu Gesicht bekommen. Ein kleines Banner von "Artists against Antisemitism" am Amp, Drummer Thorsten trägt ein "Never Again Is Now"-T-Shirt. Leider ist das Publikum an dem Zeitpunkt schon stark angetrunken und checkt das nicht oder alt genug um es still schweigend gut zu finden. Alle drei Mitglieder: Rene, Heiko und Thorsten teilen sich den Gesang. Man spielt Songs aus verschiedenen Phasen der Band. Sprich sowohl aus der Crustcore-Zeit, als auch neueres Material, was in meinen Ohren stellenweise etwas zu Indie klingt. So kann jeder sich eine Lieblingsepoche aussuchen und mitsingen. Ich kannte einige der Songs leider nicht, was bedeutet dass dieser Blog irgendwann eine riesige Amen81-Discography erleben wird. Das wird geil. Richtig schön wars auch bei der Durchsage "Torsun fehlt mir schon, wen ich auf jeden Fall nicht vermissen werde ist Greta Thunberg" (oder so). Grandioser Mittelfinger an die fürchterliche PR-Aktion der schwedischen Antisemitin. Leider haben sich Teile des Publikums nicht dafür interessiert, sondern eher dafür sich auf die Bühne zu setzen, sich zu besaufen und anderen Leuten (wie mir) die Sicht zu versperren und sich lauthals zu unterhalten. Meine Fresse, geht doch auf eure fünf Euro Pipikakapimmelpogo Schimmelpunk-Konzerte im lokalen JUZ aber lasst mich in Frieden. Nach Amen81 ging's einfach mal nach Hause, weil ich die anderen Bands nicht kannte und kein Bock mehr hatte. Naja. War schon geil, irgendwie.


Stricher guckt sich "Conclave" (2024) am 08.06.2025

Was musste ich, finstererweise, lachen als ich gelesen habe dass irgendjemand meinte der Film würde alles tun, um gute Promo für sich zu machen. Das war als Papst Franziskus gestorben ist, also wesentlich später nach Filmstart. Das macht nicht besonders viel Sinn, irgendwie. Jedenfalls hatte ich den Eindruck, durch die Promo, der Film wäre eine Art Verschwörungsthriller der irgendwelche finsteren Machenschaften des Vatikan aufdeckt. Das ist er aber nicht, er ist aber auf eine andere Art und Weise spannend. Ein Thriller eben, nur im direkten Sinne des Wortes. Kein Horror-, oder Actionfilm.

Wir befinden uns irgendwann in der gegenwärtigen Zeit. Der Papst ist gestorben. Das


Kardinalskollegium im Vatikan versammelt sich nun, um einen neuen Papst zu wählen. Ein Mitglied des besagten Kollegiums ist Kardinal Lawrence (Ralph Fiennes), der die Aufgabe bekommt das Konklave (also die eigentliche Papstwahl) zu leiten. Am ersten Tag der Wahl taucht urplötzlich ein Bischof aus Kabul auf, Kardinal Vincent Benitez (Carlos Diehz). Dieser wurde heimlich vom verstorbenen Papst zum Kardinal berufen und darf laut den Gesetzen an der Wahl teilnehmen. Bei der besagten Wahl gibt es mehrere Spitzenkandidaten: der liberale Kardinal Bellini (Stanley Tucci), der Quebec'sche konservative Kardinal Tremblay (John Lithgow), ein weiterer konservativer Kardinal namens Adeyemi (Lucian Msamati) aus Nigeria und der traditionsbewusste Kardinal Tedesco (Sergio Castellitto), der alte Traditionen wieder auferleben lassen will. Im Laufe des Films scheiden diverse Kandidaten aus der Wahl aus. Nicht weil sie umgebracht werden, sondern weil Kardinal Lawrence riecht, dass irgendwas nicht stimmt. So gibt es die üblichen Dinge: Korruption, Sexskandal und fremdenfeindliche Äußerungen. 

"Conclave" funktioniert wie ein Thriller. Es ist ein sehr spannender Film, der sich mit unangenehmen Aspekten der katholischen Kirche auseinandersetzt und eine Situation erschaffen möchte, in welcher es auch progressive Kardinäle gibt, die die Institution in ein positives Licht rücken möchten. Gleichzeitig gibt es wunderschöne Bildkompositionen zu sehen und die Ungewissheit, was denn bitte schön als nächstes passieren würde ist gelinde gesagt ziemlich präsent. Es ist nicht das, was ich erwartet habe. Liegt wahrscheinlich daran, wie der Film beworben wurde, oder zumindest wie ich die Promophase wahrgenommen habe. Ich wurde trotzdem positiv überrascht. Es ist ein Film über die Papstwahl und alles was da so mit sich kommt. Es ist jetzt schon ein moderner Klassiker.

8/10 Pfandflaschen

Trailer:



CARCASS + WALLS OF JERICHO + PHANTOM CORPORATION im Bochumer Eventcenter am 21.06.2025

Ich habe von dem Konzert irgendwie ein Monat vorher erfahren und habe einfach gehofft, dass ich am Samstag frei haben werde. Zum Glück war das so, zum Glück war das BEC nicht so weit vom Bochumer Bahnhof entfernt und zum Glück war es klimatisiert. 

Kaum in der für mich neuen Location angekommen, erstmal ne Dreiviertelstunde gewartet oder so, bis dann endlich Phantom Corporation auf die Bühne kamen. Ich spotte sofort mit Wolfbrigade und Morne T-Shirts von Bands, die ich schon mal gesehen habe. Sehr sympathisch. Das was die Herren dann zustande bringen ist sowas wie Crust Punk mit Thrash/Death Metal Einschlag. Wobei sie auf der Bühne mehr nach Metal klingen - auf Bandcamp höre ich definitiv mehr Crust heraus. Vielleicht liegt es daran, wie man die Sachen live mischt oder so. I don't know. Jedenfalls, großartige Verneigung vor


Wolfpack/Wolfbrigade und garantiert auch diversen Thrash/Death-Größen die ich nicht alle aufzählen kann. Ich fand's richtig cool - auch wie sympathisch sie mit dem Publikum umgegangen sind. Sie haben sogar viel zu schnell gespielt, sodass noch ein Song übrig war, höhö.

Walls of Jericho habe ich das erste Mal vor über zehn Jahren gesehen. Das war zu dem Zeitpunkt, als ich noch in Würzburg gewohnt habe und gerne auf solche Festival-Touren gegangen bin, wie "Persistence Tour". Damals war eine Ausgabe davon in der Würzburger Posthalle zu sehen. Mit dabei unter anderem Sick Of It All und Walls of Jericho. Damals schon eine große Nummer und dieses Mal in Bochum auf jeden Fall auch. Es war zu einem Zeitpunkt, als dieser Blog noch nicht aktiv war bzw. ich ein Jahr lang nichts geschrieben habe. Ich war schon lange nicht mehr auf solch einen Hardcore-Konzert, diese ganze Szene ist mir inzwischen auch komplett fremd. Es war trotzdem erfrischend, mal eine Band zu sehen/zu hören, die viel mehr mit dem Publikum interagiert, es einbezieht, anheizt, sich viel mehr auf der Bühne bewegt. Candace Kucsulain ist ne absolute Top-Frontfrau. Richtig cool, wie publikumsnah die Band sich gezeigt hat. Auch keine Angst, runter zu kommen und die Leute zu high-fiven, nach dem Auftritt. Großartig.

Carcass höre ich schon ziemlich lange und bin sehr froh über deren Existenz als Pioniere des Grindcore, Death Metal als auch dessen melodischer Sparte. Sie sind zudem auch (unfreiwillige) Pioniere des Goregrind, ob sie es wollen oder nicht. Leider. Wie auch immer. Als Carcass die Bühne betreten, merkt man sofort den Altersunterschied zwischen zwei Hälften der Band. Aus dem (beinahe) Original-Lineup sind nur noch Sänger/Bassist Jeff Walker und Gitarrist Bill Steer übrig. Gitarrist Tom Draper und Drummer Daniel Wilding sind beinahe in meinem Alter. Also ein Jahr und sieben Jahre älter als ich. Während Walker und Steer ungefähr so alt sind wie mein Vater. Walker hat sich inzwischen die Haare kürzer schneiden lassen, sodass er mit seinem Hemd und Jeans wie ein stinknormaler britischer Vater aussieht, der genauso zu mir in die Abteilung hätte kommen und fragen können "Ja moin, habt ihr Krombacher im Angebot, ich brauch was für meinen Verein". Super nett und down to earth. Schmeißt ständig Gitarrenplektrums in die Menge, bis keins mehr übrig ist als auch Wasserflaschen - und trifft damit jemanden auf dem Kopf, nur um dann "Aw, sorry" zu sagen. Wirklich sehr sympathisch. Umso sympathischer ist es, dass einerseits die beiden jungen Typen richtig fit sind und meisterhaft ihre Instrumente beherrschen, ohne abgehoben zu wirken - während die beiden älteren Herren großartigen Spaß auf der Bühne haben und kein Bisschen arrogant rüber kommen. Was ich dann alles mitbekommen sind für mich persönliche Klassiker wie "No Love Lost", "Buried Dreams" (wenn ich mich richtig erinnere) als auch "Heartwork". Ich habe keine Worte mehr, um das zu umschreiben. Wirklich phänomenaler Auftritt. Ich bin richtig froh, aus dem Haus gegangen zu sein - für einen durchaus fairen Preis. Okay, vor 15 Jahren hätte ich dafür, garantiert noch fünf weitere Bands sehen können, aber egal. Das ist leider so. 



Stricher guckt sich endlich "Captain America: Brave New World" (2025) an am 26.06.2025

Ich warne schon mal vor, dass ich in diesem Review auf jeden Fall spoilern werde, weil es mir unmöglich erscheint hier ein Review spoilerfrei zu gestalten. Habe den Film zuhause auf DVD gesehen, weil nun ja, Kinostart verpasst und äh sowieso wollte ich in keinen Marvel-Film mehr ins Kino gehen. Außer am 24.07. wenn endlich "Fantastic Four - First Steps" ins Kino kommt. Das muss ich einfach erleben. Anyway, dieser Film hier ist die Fortsetzung der MCU-Serie "Falcon and the Winter Soldier", die ich niemals gesehen habe. Ich finde, dass es trotzdem funktioniert hat und ich alles irgendwie verstanden habe.


"Captain America: Brave New World" ist der inzwischen 35. Film innerhalb des Marvel Cinematic Universe. Das heißt für mich, dass ich wohl 35 MCU-DVDs mein Eigen nennen darf. Meine Fresse, das wird noch ein richtig witziger Marathon, wenn ich mir das alles noch mal zuhause reinziehen werde. Wie auch immer: Der Film spielt, wie gesagt, nach "Falcon and the Winter Soldier". Sam Wilson (Anthony Mackie) ist inzwischen nicht mehr Falcon sondern der offizielle Nachfolger von Steve Rogers als Captain America. Zu Beginn des Films ist er gemeinsam mit seinem Partner (aber nicht Sidekick) der nun als Falcon agiert, Joaquin Torres (Danny Ramirez) an einer geheimen Operation beteiligt. Ein nicht näher benannter Behälter wurde von der Söldnergruppe Serpent gestohlen. Sam, Joaquin und ein Haufen speziell ausgebildeter Soldaten kommen nach Mexico, um ihn wiederzuerlangen. Seth Voelker aka Sidewinder (Giancarlo Esposito) kann allerdings entkommen. Mit dem sichergestellten Behälter geht's allerdings wieder nach Hause. In den USA weht ein anderer Wind. Der ehemalige General und Premierminister Thaddeus "Thunderbolt" Ross (diesmal gespielt von Harrison Ford) hat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Nun sind Sam und Joaquin zu einem geheimen Gipfel im Weißen Haus eingeladen, als auch Sams guter Freund Isaiah Bradley (Carl Lumbly). Dieser saß 30 Jahre im Gefängnis und war dort ein Versuchskaninchen für das Supersoldaten-Serum. Im Laufe des Gipfels erfahren wir auch, worum es überhaupt geht. Ein Celestial-Körper, der aus dem Indischen Ozean herausragt ist ein umstrittenes Thema für mehrere Länder (USA, Japan, Indien und Frankreich) gewesen. Es beinhaltet ein neues, bisher auf der Erde nicht dagewesen Metall: Adamantium. In dem gestohlenem Behälter war Adamantium drin. Während des Gipfels kommt es allerdings zu einem schweren Zwischenfall. Mehrere Besucher, darunter Isaiah, drehen plötzlich durch und wollen den Präsidenten töten. Isaiah kann sich bei seiner Verhaftung später allerdings an gar nichts erinnern. Sam und Joaquin kommen schnell dahinter, dass es sich um Gedankenmanipulation handeln könnte. Zudem wird Präsident Ross immer aggressiver.

Es erinnert mich in gewissen Sinne an "24", nur nicht so verwinkelt und abgefahren. Irgendjemand versucht also den USA bzw. ihren Bild in der Öffentlichkeit zu schaden. Es ist niemand von außerhalb, sondern jemand der ganz tief im Lande sitzt und über die Fähigkeit der Gedankenmanipulation verfügt. Wie man sicherlich schon im Trailer (oder auf dem Cover der DVD) gesehen hat, gibt es hier einen Red Hulk. Wer die Comics kennt, weiß dass Thaddeus Ross der Red Hulk ist. Demzufolge ist der Film im Grunde genommen reiner Fan-Service. Ich find's schade, dass es keinen Überraschungseffekt mehr gibt und solche Filme im Prinzip nur dafür da sind um Fans zu befriedigen. Es besteht kaum noch ein Anreiz für neue Zuschauer, rauszufinden worum es eigentlich geht. Absolut jeder weiß, dass Harrison Ford sich in den Hulk verwandeln wird. Nur nicht wie. Die Story ist durchaus genießbar, allerdings auch vorhersehbar. Es geht um eine Realität am Rande eines Kriegs wegen eines neuen Rohstoffs, um das öffentliche Bild der USA etc. etc. Ich muss sagen, es hat Spaß gemacht das Ganze zu sehen. Allerdings ist der Film niemals so packend, wie so viele MCU-Filme zuvor. Schade eigentlich, aber hätte schlimmer sein können.

6/10 Pfandflaschen

Trailer:



Stricher guckt sich "Masel Tov Cocktail" (2020) an am 28.06.2025 im Druckluft, Oberhausen

Im Rahmen eines Filmabends (und Cocktailabends) zeigte die Polit-Gruppe "Dissens" den Film "Mazel Tov Cocktail". Ich fand den Plot gut und wollte unbedingt mal dabei sein. War ein sehr angenehmer, gar nicht mal so heißer Abend mit leider keiner Diskussion über den Film hinterher, aber dafür mit lauter Geschichten "von früher" und so Zeug. Gerne wieder.


"Masel Tov Cocktail" erzählt, aus der Ich-Perspektive, die Geschichte von Dmitri Liberman (Alexander Wertmann). Der junge Mann ist Sohn von jüdischen Kontigentflüchtingen aus der ehemaligen Sowjetunion und wohnt in einer Plattenbausiedlung im Ruhgebiet. Er geht aufs Gymnasium und ist mit Michelle (Gwentsche Kollewijn) zusammen. Eines Tages macht sich sein Mitschüler Tobi über Dmitris jüdische Herkunft lustig. Er imitiert das Sterben in einer Gaskammer, wofür er von Dmitri eine kassiert, auf dem Boden fällt und sich die Nase bricht. Daraufhin wird er von der Schule suspendiert. Als sein Vater das mitbekommt, streicht er die Abifahrt für ihn - es sei denn, Dmitri entschuldigt sich. So begleitet der Film Dmitri auf der Suche nach Tobi (der irgendwo in der Stadt nun Stolpersteine putzen darf). Dabei monologisiert der junge Mann vor der Kamera über sich selbst, seine Herkunft und das Jüdischsein an sein.

Es werden viele Aspekte angesprochen, die durchaus wahr sind. So werden jüdische Kontigentflüchtlinge zunächst gar nicht als Juden wahrgenommen sondern als "Russen". Dazu kommen noch verschiedene Sichtweise von klischeehaften Deutschen, wie einer Lehrerin von Dmitri die stolz darauf ist Juden zu mögen oder eines Mitschülers der fest davon überzeugt ist, dass seine Großeltern keine Nazis waren. Dazu kommt noch, dass (wie so oft) Juden generell mit Israel gleichgesetzt werden - was für Dmitri völlig mißverständlich weil seine Familie mit dem Land kaum Berührungspunkte hat. Er selbst zumindest nicht. Was ich auch definitiv sehr gut dargestellt fand, war die Vereinnahmung von der Generation über Dima durch russische Propaganda. So guckt seine Mutter 23 russischsprachige Kanäle und sein Großvater lässt sich von einem AfD-Fatzken an einem Stand vollabern. Das sind alles Sachen, die vielleicht überzogen wirken aber durchaus ihren realen Standtpunkt haben. Dabei möchte der Junge einfach sein Leben leben und sich nicht a) dafür rechtfertigen müssen dass er Jude ist oder b) dafür gelobt werden dass er Jude ist oder c) angetrieben zu werden ein besserer Jude zu sein. Ich finde es interessant wie einfach Antisemitismus und Philosemitismus hier dargestellt werden. Guter Film, zweifelsohne.

8/10 Pfandflaschen

Trailer:


Freitag, 3. Februar 2023

Album der Woche#572: Carcass - Symphonies of Sickness (1989)

Fun Fact, den keine Sau wissen will: Dieses Album wurde ein Tag und ein Jahr vor meiner Geburt rausgebracht. 

"Symphonies of Sickness" ist das zweite Album von Carcass, nach ihren grindigen Debüt "Reek of Putrefaction". Tatsächlich war auf "Reek of Putrefaction" kein Song zu finden, der "Reek of Putrefaction" heißt. Hierauf allerdings schon. Was für eine rikische Pütrefaktion, diese. Es gibt auch ein Re-Release, dass ganze 16 (von 22) Songs vom Debüt als Bonustracks beinhaltet. Während sie darauf noch komplett in der Grindcore-Blase schwammen und ihre Songs durchschnittlich 1,5-2 Minuten lang waren bewegen sie sich hier einen großen Schritt näher an Death Metal. Es sind insgesamt nur 10 Songs mit durchschnittlicher Länge von 4,5-5 Minuten. 


Wie es schon das Cover, als auch das Cover des Vorgängers anmutet geht es hier inhaltlich größtenteils um den menschlichen Körper...vom inneren. Songtitel lauten "Exhume to Consume" (Konsum von toten Menschen), "Empathological Necroticism" (Arbeit als Gerichtsmediziner), "Embryonic Necropsy and Devourment" (Abtreibung), "Cadaveric Incubator of Endoparasites" (Der Prozess des Sterbens und Verwesens)... und vieles mehr. Die Texte sind sehr direkt und beschreiben allerlei Prozesse bzw. Gedankenwelten in höchsten Details. Jeff Walkers Gesang ist stellenweise entweder krächzend, meistens aber richtig ekelhaft und guttural. Hätte ich Grindcore/Death Metal nicht vorher schon gekannt, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ein Mensch solche Geräusche von sich geben kann. Wenn man aber einige Rentner vor Schmerzen stöhnen gehört hat, kann man den vorherigen Satz auch hierfür verwenden. I don't know.

"Symphonies Of Sickness" ist ein Meilenstein des "richtigen" Goregrind oder Deathgrind oder wie auch immer man das nennen will. Sprich eine realistische Herangehensweise an Schauergeschichten. Man braucht keinen Satan, keine Dämonen oder sowas um "gruselige" Musik zu machen. Das Leben ist schon schrecklich genug. Zu Schade was aus diesem Genre später geworden ist, nämlich obskure und sexistische Rotze, die sich mit irgendwelchen Leichenfick-Geschichten und Porno beschäftigt. Was Carcass später gemacht haben, hat auch hiermit nichts mehr am Hut. "Heartwork" zum Beispiel ist ein wunderwolles technisches Death Metal Meisterwerk, aber das ist eine andere Geschichte.

Anspieltipps: Exhume to Consume, Swarming Vulgar Mass of Infected Virulency, Empathological Necroticism
8/10 Pfandflaschen


Sonntag, 29. August 2021

So isses, Musik!#128

Was läuft so?

Seitdem Limp Bizkit diesen Monat auf dem Lollapalooza Festival aufgetreten sind und am Ende ihren neuen Song "Dad Vibes" präsentiert haben läuft bei mir (wieder) ganz schön viel Nu Metal. Und da ich einen neuen MP3-Player habe, der viel mehr Speicherplatz hat, habe ich auch wieder die ersten drei Alben von LB drauf. Dazu kommt noch "Hybrid Theory" von Linkin Park, "Infest" von Papa Roach und...... "Introduction To Mayhem" von Primer55.


Letzteren sind in Europa, so meine ich, gänzlich unbekannt. Es handelt sich dabei, textlich als auch musikalisch um einen Klon von Linkin Park, Limp Bizkit und KoRn. Allerdings ist das Album wesentlich Hip-Hop-lastiger. Es funktioniert nach dem altbewährten Schemata. Jeder Song hat ein großes Intro, dann kommt ein Rap-Part, im Refrain dreht der Sänger komplett durch. Dazu kommt noch eine ruhigere Bridge und ein famoses, ebenso großes Outro. Zum Beispiel, hier in "Loose":


Sänger J-Sin ist übrigens vor ein paar Jahren an Hepatits C gestorben. Sehr schade um ihn und die Band, aus der etwas hätte werden können, hätten sie nicht immer wieder dasselbe gemacht. "Introduction To Mayhem" ist nämlich ein absoluter Banger. Ein klischeebeladenes, großartiges Album.

Um auf Limp Bizkit zurückzukommen. Ich feier den neuen Song absolut. Ich bin auch nicht blöd und habe schon verstanden, dass Fred Dursts neuer Look (sieht aus wie ein Undercover Cop) eigentlich nur ein Promo Move für die neue Single ist. Ich bin gespannt, ob dieses Jahr, nach zehn Jahren warten, endlich der Nachfolger zu "Gold Cobra" kommt. Der neue Song ist zwar nicht so "rockig", wie ich ihn gerne hätte, aber er "slappt" trotzdem. Anyways, hier ist der ganze Auftritt auf dem Lollapalooza und hier ist "Dad Vibes":





Igor K - Der Crackdance (2017)

Diesen Song hier habe ich vor Ewigkeiten auf YouTube gefunden, leider gibt es ihn dort nicht mehr. Wahrscheinlich war das dazugehörende Video wohl zu krass. Es geht um Frankfurt am Main und es geht um Crack. Hier ist der Rapper Igor K mit dem "Crack Dance". 

HIER ist der Soundcloud-Link weil ich leider nichts einfügen kann -.-


MC Heroin - Mein Train (2010)

Kam auf diesen Song, weil ich letztens das erste Mal seit 5 Jahren (legal) malen war. Der Song ist gar nicht mal so gut. Aber ja. 


Taqbir - s/t (2021)

Auf dem Cover ist eine Frau in Verschleierung zu sehen, im Hintergrund eine Abrissbirne die Mekka trifft. Die 7inch erschien bereits in Februar, tauchte aber immer wieder auf meinem YouTube-Feed auf (meine das Video von Vinod Karki) und ich war die ganze Zeit vom Artwork angetan, schaffte es aber nie so wirklich reinzuhören. Vielleicht habe ich es aber schon getan und irgendwie wieder vergessen. Jedenfalls: Taqbir bestehen aus einer Sängerin aus Tangier, Marokko und vier Typen aus anderen Städten. Sie selbst befindet sich gar nicht in Morokko zur Zeit und ihre konservative Familie wäre alles andere als begeistert darüber, dass sie Sängerin in einer Band ist die ein furchtbar böses islamfeindliches Album veröffentlicht. Oder eine EP. "Taqbir" ist im Grunde genommen der "Allahu Akbar"-Ruf bzw. der Name dafür, der Song "Al-Zuki Akbar" bedeutet dann sowas wie "Gott ist im Arsch groß" oder so. Wenn man sich noch die Aussage "Mecca for me, is the representation of capitalism" reinzieht, dann merkt man dass die Band sehr islamkritisch eingestellt. Ich verstehe kein Wort von den Texten, bin aber sehr froh darüber dass es solche Bands da draußen gibt, die in solchen Ländern solche Meinungen vertreten. Und ich weiß, dass es äußerst schwer sein kann, das als "Punk" zu tun.

9/10 Pfandflaschen
Bandcamp

Full Of Hell werden im Oktober ein neues Album veröffentlichen.

Ich habe den Nachfolger von "Trumpeting Ecstasy", "Weeping Choir" leider wenig Gehör schenken können. Zu viel Arbeit in den letzten drei Jahren. Aber ich werde das nachholen. Spätestens wenn "Garden Of Burning Apparitions" draußen ist. Und hier ist das Video zum neuen Song: "Industrial Messiah Complex": 


Ähnlicher Fall bei Carcass

Im September wird "Torn Arteries" rauskommen. Finds schön, dass sie irgendwo eine Art Hommage an ihr Erstlingswerk (ich meine natürlich das Cover-Artwork) machen. Hier jedenfalls das Video zu "Kelly's Meat Emporium":


Das ist aber nicht das einzige neue. Hier ist das allerneueste!!!






2. Metallica - s/t (1991)

1. Nirvana - Nevermind (1991)

So isses. Wir sind am Ende. Ich danke an dieser Stelle, nochmal, allen Beteiligten: Marlyn, Philipp und Raphael für die Reviews bzw. die Video-Reviews. (Hier noch mal das letzte) Ich denke, dass es dieses Jahr keine solche oder ähnliche Liste mehr geben wird. Dafür fange ich in September mit Discographies von verschiedensten Künstlern/Bands an. Teilweise um Lücken zu schließen, teilweise weil ich einfach Bock drauf hab. Lange geredet, auf geht's:

Es ist nicht das erste Album von Nirvana. Dieses war "Bleach" mit Dale Crover von den Melvins am Schlagzeug. Im Jahre 1989. Das sage ich nur mal so, falls irgendjemand tatsächlich denkt, das hier wäre ihr Erstling, weil sie damit sich in die Charts katapultiert haben. 


Ich hatte, wie viele Jugendliche, irgendwann auch eine Nirvana Phase. Ich glaube das war ungefähr mit 13 oder 14. MTV zeigte zum Todestag Kurt Cobains den ganzen Tag Nirvana-Videos und Kurt Cobain Dokus. Damals (oder vielleicht 1-2 Jahre davor) kam auch die Best-Of, schlicht "Nirvana" betitelt mit dem neuen, unveröffentlichten Song "You Know You're Right". Ich war vom Video begeistert, welches Cobains Destruktivität bei Live-Auftritten gezeigt hat. War absolut im Nirvana-Hype. Und dennoch habe ich kein einziges Album besessen. Das kam erst später.

Es existiert ein Verständnis meinerseits für die Leute, die von Nirvana genervt waren. Die Band wurde bis zum geht nicht mehr gehypt. So sehr, dass der Leadsänger sich aufgrund des enormen öffentlichen Drucks, seiner Heroinsucht und noch dutzend anderen Gründen umgebracht hat. Sie waren augenscheinlich auch verantwortlich für einen Haufen Bands die Metal umgebracht haben. Ich verstehe, dass man sich auf den Schlips getreten fühlt. Allerdings liegt das in der Natur des Ganzen. Neue Bands/Musikrichtungen schlucken alte, die Musik evolutioniert usw. usf. Dabei war es gar nicht der Tod des Metals. Dieser evolutionierte ebenfalls mit. Hätten wir Nirvana, Faith No More oder andere Bands aus der Zeit nicht gehabt, hätten wir kein Nu Metal, kein Crossover gehabt. Ich wäre nicht der Punker/Metalhead gewesen der ich bin/war. Je nachdem wie man das betrachtet. 

Mal ganz nüchtern betrachtet: Ich hätte dieses Album nicht auf die Spitze gewählt. Ich tue mir sowieso schwer mit sowas. Allerdings lässt es sich nicht leugnen, wie einflussreich es war. Wie viel Herzen es hat höher schlagen lassen. Es stinkt und trieft nach dem Jahr 1991. Ein einziges Lied hat eine Stadt namens Seattle überhaupt in den öffentlichen Fokus gerückt. Musikalisch gesehen. Natürlich waren Nirvana nicht die einzigen Grunge-Pioniere. Da wären noch Alice In Chains, Soundgarden und naja natürlich auch Pearl Jam. Doch sie waren es, die rein zufällig, den richtigen Tritt in den Arsch getätigt haben.

"Nevermind" ist ehrlich gesagt, sehr sauber produziert. Trotzdem hört man viele Hardcore Punk Einflüsse, Metal Einflüsse... Melvins, Hüsker Dü (vor allem in Territorial Pissings meiner Meinung nach) und tatsächlich auch ganz wenig Celtic Frost. Wobei letztere viel mehr auf "Bleach" zu spüren sind. Ich bin nicht der Meinung, dass es besser ist als das vorherige Nirvana-Album in dieser Liste, nämlich "In Utero", oder schlechter. Es ist einfach wesentlich anders. Das hier ist voll mit "Hits", das andere voll mit Songs die anders reinhauen. Und weil das Thema in letzter Zeit in den Medien ist: Ich sehe das etwas zwiespältig, dass das ehemalige "Kindermodel" jetzt die Band (bzw. die übriggebliebenen Mitglieder Dave Grohl und Krist Novoselic) wegen Kinderpornographie verklagt. Und das nachdem er das Foto in seinem Leben mindestens vier Mal nachgestellt hat und sich den Albumtitel auf die Brust hat tattoowieren lassen. Trotzdem hätte das Cover so nicht sein müssen und bei Re-Releases hätte man es retuschieren oder zensieren können. Definitiv.

Ich sag: 9,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Ich würde fast schon sagen, alles. Aber bleiben wir mal sachlich: Breed, Come As You Are, Smells Like Teen Spirit, In Bloom, Come As You Are, Lithium, Polly, Territorial Pissings

Und weil Marlyn auch was dazu zu sagen hat, sagt sie nun auch was dazu:

"Auf Platz 1 der Liste steht also "Nevermind", was meines Erachtens nicht sonderlich überraschend ist. Hier also mein Senf zu dem Album mit dem neuerdings so umstrittenen Artwork:

Auch "Nevermind" habe ich als Teenie mit meinem mickrigen Taschengeld im örtlichen Kaufhaus erstanden. Und trotz meiner ebenso mickrigen Englischkenntnisse riss es mich schon damals aus den Converse All Stars. Die im Vergleich zu den anderen Alben Nirvanas zugänglicheren Songs holten mich einfach ab und waren ein idealer Einstieg in „alternative“ Musik. Heute höre ich "Nevermind" mit jeder Menge Nostalgie. Obwohl es sich insgesamt als runde Produktion anfühlt, ist es doch ein Widerspruch in sich. Wollten Nirvana der damaligen florierenden Seattler Grungeszene den Rücken kehren, wurden sie dadurch zu deren Sinnbild schlechthin. Die Produktion ist gleichzeitig punklastig, dennoch glatt. Cobain wurde durch Nevermind zu einem Popidol, das er nie sein wollte.
Gleich der erste Song des Albums ist DIE Hymne der 90er – Smells Like Teen Spirit. Kaum einer kennt das Riff nicht. Die erste Hälfte des Albums beinhaltet alle vier Singleauskopplungen, nämlich Smells Like Teen Spirit, In Bloom, Come As You Are und Lithium. Sozusagen ein Banger nach dem anderen. Fast, wenn man Breed übersieht, das etwas aggressiver und punkiger daherkommt. Polly ist zwar rein musikalisch recht ruhig gestaltet, lyrisch aber wohl der aufwühlendste Song auf dem Album. Explizit wird die Folter und Vergewaltigung einer Minderjährigen aus Tacoma beschrieben. Als Highlights der zweiten Hälfte sehe ich Drain You, in dem der für Nirvana so typische Gitarreneffekt schön zur Geltung kommt, On a Plain (trotz der Suchtthematik poppig mit einem sehr catchy Chorus) und das vorläufige Schlusslicht Something in the Way (melancholisch und wunderschön unterlegt mit Cello und einer leicht verstimmten Akustikgitarre). Nevermind hat aber noch einen Hidden Track, der nicht unerwähnt bleiben soll. Es handelt sich hierbei um einen Mitschnitt einer Jamsession, wobei die Instrumente regelrecht malträtiert werden. Cobains Gitarre hat die Jam übrigens nicht überlebt. Zusammengefasst würde ich sagen, dass Nevermind den Titel als das prägendste Album der 90er absolut verdient hat. Ich finde, dass es den Zeitgeist der Generation X unheimlich gut eingefangen hat. Zudem besteht immer noch ein großer Einfluss auf heutige Produktionen. Zwar gefällt mir sein Nachfolger In Utero besser, aber auch Nevermind gebe ich die volle Punktzahl: 10/10 Pfandflaschen.  
Anspieltipps: Smells Like Teen Spirit, In Bloom, Lithium, Polly, Something in the Way"



Sonntag, 10. Januar 2016

Album der Woche#229: Carcass - Heartwork (1993)

Wir haben immer noch den Metal-Monat Januar, wir hören immer noch Metal und wir habens immer noch nicht satt. Es gibt halt immer noch 10000000 Bands/Künstler da draußen, die ich nicht kenne - deswegen habe ich dieses Jahr beschlossen mich jeden Monat einer bestimmten Musikrichtung zu widmen. Heute sind Carcass dran, dessen Sänger Jeff Walker früher bei den Electro Hippies (dürften einigen Crustpunkers unter euch bekannt sein) mitgemacht hat.

Das Objekt der Begierde (das Album was ich heute reviewe) heißt "Heartwork" und wurde 1993 bei Earache rausgebracht. Man hat sich nach dem Durchbruch dem Death Metal zugewandt und kam weg vom Grindcore. Carcass' Art zu spielen erscheint mir sehr technisch, nicht stümperhaft und chirurgisch/klinisch steril. Die Songs mit ihren Blastbeats, Gitarrensolos (meistens zwei Solos pro Stück) als auch Walkers krächzigen (aber nicht Quorthonmäßigen) Gesang wirken wie bestens aufgehende mathematische Gleichungen. Man merkt eine sehr hohe Ambitioniertheit an. Ebenfalls bei den Songtexten die von medizinischen Fachbegriffen als auch von solcherlei Oxford-Englisch nur
so strotzen. Ernsthaft, ich habe die Hälfte des Vokabulars noch nie in meinem Leben gehört, geschweige denn irgendwann im Englischunterricht benutzt. Niemals. Kritisch wirds dann bei so Sachen wie "Arbeit macht Fleisch" bei welcher man haarscharf an einem Holocaustvergleich vorbeischlendert. Das ist schade, aber ich muss sagen dass ich leider viel zu viele Bands kenne die irgendwie mit NS-Begriffen/Vokabular rumhantierten. In diesem Song beschreiben Carcass die Verwertung von Fleisch und bezeichnen sie als "by mincing machinery industrialised - pulped and pulverised". Das klingt in meinen Ohren nach viel Arbeit (die "Fleisch macht", höhö) und somit ziemlich vertretbar.

Jedenfalls sind die Texte sehr direkt und volle kleiner Brutalitäten. Aber das muss so. Deswegen mag ich das auch. Zum Schluß präsentiere ich euch noch einen kleinen Auszug aus "Buried Dreams":

"When aspirations are squashed
when life's chances are lost
when all hope is gone
when expectations are squashed
when self esteem is lost
when ambition is mourned
.... All you need is hate

In futility, for self preservation
We all need someone
- Someone to hate"

Anspieltipps: Carnal Forge, No Love Lost, Heartwork, This Mortal Coil

8/10 Pfandflaschen