Sonntag, 9. März 2025

So isses, Musik!#185

Bloodhound Gang Discography: Hefty Fine (2005)

Mittlerweile fünftes Album der Bloodhound Gang, erschienen ganze sechs Jahre nach "Hooray For Boobies". Erstes und einziges Album mit einem Typen namens "Willie The New Guy" am Schlagzeug - nachdem Spanky G die Band verlassen hat.

Sechs Jahre nachdem sie weltweit/europaweit die Charts erobert haben und in aller Munde (sexuelle Anspielung hier einfügen) waren. Es ist dieses schwierige Album, welches irgendwie gar nicht mal so schlecht ist, aber doch nicht so an den Vorgänger herankommen kann. 


Nun, trotz der überaus schlechten Kritiken: So schlecht ist es nicht. Es gibt hier einige Songs die wirklich verdammt gut geschrieben sind - sowohl textlich als auch musikalisch. "Balls Out" beispielsweise ist eine hervorragende Parodie auf Nu Metal Fratboy-einer-gegen-alle-Texte. Und gleichzeitig auch der Abschied davon. BHG haben nämlich in ihrer Karriere des öfteren Crossover-Parodien gemacht. Die Nu Metal Zeit war damals (2005) allerdings vorbei. Ich werte diesen Song als eine Art Abschied. Ansonsten wälzt sich "Hefty Fine" zwischen verschiedenen Stilen. Größtenteils allerdings Pop Punk, Techno und Synthpop. "Foxtrot Uniform Charlie Kilo" (ja, das heißt FUCK) ist ein großartiger Pop-Punk-Klassiker inzwischen. Es sind im Prinzip nur sexuelle Umschreibungen die zu einem Song umfunktioniert wurden. "Ralph Wiggum" besteht nur aus Zitaten von Ralph Wiggum aus "Die Simpsons". "Something Diabolical", die Kollaboration zwischen BHG und Ville Vallo von HIM klingt zunächst wie ein großartiger Tribut an Goth Metal. In Wahrheit sind es aber nur aneinander gereihte Klischeefloskeln die so klingen sollen. "I'm The Least You Could Do" klingt verdächtig nach Paradise Lost während ihrer Synthpop-Phase. Kein Wunder, schließlich wurde hier eine Melodie von Jimmy Pops ehemaliger Band verwendet - diese hat sich stark an Depeche Mode orientiert. 

Im Großen und Ganzen: Songs über Sex, Lustig machen über sich selbst. Popkulturelle Anspielungen wie früher sucht man hier vergebens. Nicht mal das ganz witzige "Uhn Tiss Uhn Tiss Uhn Tiss" (mit welchem die Band später Werbung für Blaupunkt gemacht hat) kann alles irgendwie wieder gut machen. Es ist kein besonders super schlechtes Album. Im Vergleich zu den Vorgängern wirkt es allerdings irgendwie...zahm und zahnlos. Schade eigentlich, denn BHG wären wirklich zu mehr fähig. 

6/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: I'm The Least You Could Do, F.U.C.K., Ralph Wiggum




Primus Discography: Brown Album (1997)

Mittlerweile fünftes Album von Primus. Das erste ohne Schlagzeuger Tim Alexander, an dessen Stelle nun Bryan Mantia tritt. 

Diesmal bewegen sich Primus ein Stück weit zurück zu ihren Funk/Crossover-Wurzeln. Es bleibt also durchaus psychedelisch, funky und ziemlich progressiv. Man findet hier wie zuvor auch großartige Riffs und Arrangements. Meiner Meinung nach funktioniert das Album auf rein instrumentaler Art und Weise wirklich echt gut. Es gibt hier Songs die durchaus im Ohr hängen bleiben und die alles andere als schlecht sind. Irgendwie scheinen Intro und Outro ein ähnliches Konzept zu haben. Zu Beginn hört man eine Ansage an das Publikum und am Ende die Beschreibung einer Ansage an ein Publikum. Zuerst
geht es um Paraoida, danach um Evangelismus. Die Texte sind wie sonst auch sehr kryptisch. Beispielsweise dachte ich, dass es bei "Shake Hands With Beef" um eine Ode an die Masturbation handelt. Tatsächlich geht es aber um Freunde von Les Claypool, die Vegetarier sind aber ab und zu Fleisch essen und diesen Vorgang "Shaking Hands With Beef" nennen. 

"Brown Album" ist durchaus okay. Es hat seine Momente, seine wirklich richtig guten ohrwurmtauglichen Riffs und Gesangseinlagen. Allerdings fehlt es hier an wirklichen riesenhits die einen für immer und ewig verfolgen. Nicht unbedingt Singles, sondern einfach hits. Darum erscheint mir das Album insgesamt leider irgendwie zu flach. Und leider auch stellenweise doch etwas langweilig. Als hätte das Trio im Studio einfach irgendwie ihren Job gemacht und das wars. Schade eigentlich. Aber ich weiß, dass es später noch richtig gut wird.

6,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Shake Hands With Beef, Arnie, Camelback Cinema

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt

Philipp:

"Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerade ein Fan der Farbe braun (bitte Hyperlink zu "Scheiße ist braun" von Wolfgang Petry einfügen lol) bin und das hat nicht mal ausschließlich politische Gründe.
Jedenfalls ist mein Hauptkritikpunkt am Cover, dass es hässlich ist. Aber damit weisen die Cover der Primus-Alben auch bezogen auf das Artwork eine beeindruckende Kontinuität auf. 
Hässlich sind alle aber irgendwie passen auch alle wahnsinnig gut zum Inhalt. Dieses Album ist irgendwie erdig-bodenständig, was sich vor allem in der Reduktion der Komplexität der Songs zeigt und schmutzig, was an der sehr basslastigen und trockenen Produktion liegt. Der Gesamteindruck passt daher gut zur Farbe braun. Trotz des Ausstiegs von Tim "Herb" Alexander - welcher ironischerweise vor wenigen Wochen erneut ausgestiegen ist - wird die musikalische Entwicklung zu höherer Eingängigkeit, weniger Metal und weniger Düsternis fortgesetzt. Das Teil groovt wie Sau und ist stellenweise richtiggehend funky. 
Neuer Schlagzeuger ist übrigens Bryan "Brain" Mantia, welcher später mit seinem häufigen Kollaborationspartner Buckethead auch in Claypools Nebenprojekt "Les Claypools Bucket Of Bernie Brains" gespielt hat.
Mein persönlicher Favorit ist übrigens der Song "Golden Boy", welcher ein wenig wirkt als hätte man die erste Mr. Bungle genommen, der ganzen Band eine Packung Ritalin zur Verfügung gestellt und Les Claypool ans Mikrofon gestellt. Geil. 

9/10 Pfandflaschen 

Anspieltipps: Golden Boy, Shake hands with beef, Camelback Cinema"

Raphael:

"Wieder einmal haben sich Primus über den Winter im Rancho Relaxo Studio in Sebastopol, Kalifornien eingerichtet. Les Claypool hatte dieses Mal eine etwas kleinere Sammlung an Instrumenten dabei: E-Bass und Kontrabass sollten dieses Mal genügen. Und auch Larry LaLonde hat das Banjo im Schrank gelassen und nur mit Gitarren aufgenommen. Timothy Wayne Alexander, besser bekannt als Herb, hatte vor den Aufnahmen im Einvernehmen Primus verlassen und sich seiner Band Laundry zugewandt. Es sollte das erste von bis dato drei Malen sein, dass Herb ausstieg. An der Schießbude saß jetzt Bryan Kei Mantia, der besser unter dem Namen Brain bekannt ist und zuvor schon den Limbomaniacs, Praxis, Bullmark, Giant Robot, und auf dem Tom Waits-Album „Bone Machine“ mitgespielt hat. In dieser Konstellation entstand ein knapp einstündiges Album, das als eine musikalische Rückbesinnung auf die frühen Jahre von Primus betrachtet werden kann.

Veröffentlicht wurde das „Brown Album“ wieder bei Interscope am 8. Juli 1997. Im selben Jahr trat der SPÖ Politiker Viktor Klima sein Amt als Bundeskanzler Österreichs an, wurde The Notorious B.I.G. erschossen, wurde in Kyoto die Senkung der Treibhaus-Emissionen beschlossen, und wurde das Wanzen-Knabenkraut zur Orchidee des Jahres gekürt. Außerdem veröffentlichten die Deftones ihr Album „Around The Fur“; unser Senf dazu hier.

Wenn Bands oder Musikerinnen ihre Alben nach Farben benennen, dann handelt es sich oft um besondere Releases. Schwarze Alben gibt es viele, beispielsweise von Metallica, Prince, oder Amy Whinehouse. The Beatles wiederum hatten ihr weißes Album, und sowohl die EASTIE RO!S als auch Primus eben ihr braunes Album. Als „gedämpfte Kackwurst“ („muffled turd“) bezeichneten Primus den Langspieler. Und Tom Waits soll gesagt haben, es klänge, als bräuchte es eine ordentliche Wäsche.

Im Intro taucht direkt wieder Sathington Willoughby auf, den wir schon von „Frizzle Fry“ und „Sailing the Seas of Cheese“ kennen. Nachdem hier gut Spannung aufgebaut wurde, hauen Primus in neuer Konstellation den Hörenden ihren gut gereiften Bastard aus Prog, Jazz und Funk Metal um die Ohren. Die Hillbilly-Thematik haben sie fast gänzlich abgelegt und sich stattdessen auf technische Finesse und Fingerfertigkeit konzentriert. Der zweite Track „Fisticuffs“ erinnert stark an Pink Floyd’s „Money“, und in „Bob’s Party Time Lounge“ wird es gleichermaßen jazzy und heavy. Herausstechend ist außerdem der sedierende Offbeat in „Duchess and the Proverbial Mind Spread“, das gewisse Ähnlichkeit mit der Version des „Alabama Song“ von The Doors“ hat. Das Lied „Coddingtown“ ist noch ein ziemlicher Banger im letzten Drittel des Albums und hört sich etwas an, als könnte es die Vorlage für den South Park Theme Song gewesen sein, und mit „The Chasisting of Renegade“ erleben die Ohren nochmal eine flotte Offbeat-Attacke. Zum Abschluss unterstreicht „Arnie“ noch die psychedelische Stimmung, die sich wie ein brauner Faden durch das Album gezogen hat.

Mit ihrem „Brown Album“ haben sich Primus nicht neu erfunden, aber dennoch ihre Stärken gebündelt und selbstbewusst vorgetragen. Es ist ein großartiges und überzeugendes Album voller Referenzen auf frühe Primus und die umliegende Musiklandschaft.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Fisticuffs, Bob’s Party Time Lounge, Coddingtown"





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