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Sonntag, 18. September 2022

So isses, Musik!#151

O:

Ich bin ja schon längst im Ordner O meiner Musiksammlung angekommen. Jetzt bin ich bei O wie OST. OST steht für Original Soundtrack. In diesem Ordner sind einfach mal 32 Unterordner für verschiedene Film/Videospiele-Soundtracks. Ich werde das hier nun zum Teil kurz anreißen, mehr nicht. 

"This Is How We Do It" von Montell Jordan aus dem Soundtrack zu "ALI G IN DA HOUSE"




"Fat Lip" von SUM 41 aus dem Soundtrack zu "American Pie 2"




"The Hunter Gets Captured" von Massive Attrack aus dem Soundtrack zu "Batman Forever"




"Ratfinks, Suicide Tanks and Cannibal Girls" von White Zombie aus dem Soundtrack zu "Beavis and Butt-Head Do America"




"Unchained" von James Brown & 2pac aus dem Soundtrack zu "Django Unchained"




"Crushed" von Limp Bizkit aus dem Soundtrack zu "End of Days"



"Go Your Own Way" von Fleetwood Mac aus dem Soundtrack zu "Forrest Gump"




"Enforcer" von Leeway aus dem Soundtrack zum Radiosender "LCHC" aus "Grand Theft Auto 4"




"La Raza" von Kid Frost aus dem Soundtrack zum Radiosender "Radio Los Santos" aus "Grand Theft Auto: San Andreas"




"Movin' On Up" von Primal Scream aus dem Soundtrack zum Radiosender "Radio X" aus "Grand Theft Auto: San Andreas"




"Stranglehold" von Ted Nugent aus dem Soundtrack zum Radiosender "V-Rock" aus "Grand Theft Auto: Vice City Stories"




"Moonage Daydream" von David Bowie aus dem Soundtrack zu "Guardians of the Galaxy"




"Somebody's Gonna Get Their Head Kicked In" von The Rezillos (im Original von Fleetwood Mac) aus dem Soundtrack zu "Jackass: The Movie"




"Karazy" von Chris Pontius aus dem Soundtrack zu "Jackass Number 2"







Momentan läuft "Drippy" von Banco De Gaia, aber ich kann nur empfehlen sich den kompletten Soundtrack reinzuziehen. Das Review zum Film findet ihr Hyperlink






Black Sabbath Discography: Heaven and Hell (1980)

Und nun sind wieder bei einem neuen Kapitel angekommen. Nämlich Black Sabbath ohne Ozzy Osbourne. Manch einer, der nur die klassischen Alben kennt würde sich wahrscheinlich fragen ob das überhaupt funktioniert. Tatsächlich tut es das. Es ist das erste Album mit Ronny James Dio am Gesang...von drei. Das dritte kam dann erst in den Neunzigern. Interessanterweise war Dio früher Sänger in der Band Rainbow, die ein Soloprojekt des Ex-Deep-Purple-Gitarristen Ritchie Blackmore war. Der damals bei Deep Purple ausgestiegene Sänger Ian Gillan wurde hingegen Dios Nachfolger bei Black Sabbath, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

"Heaven and Hell" klingt wie eine Wiedergeburt. Nicht wie eine Band die auf dem letzten Meter nicht mehr wirklich atmen kann und reanimiert werden muss oder irgendwie sich Ideen aus dem Ärmel schütteln muss. Es ist eine vollkommen andere Richtung. Dio verfügt über eine höhere Stimmlage als Ozzy und verleiht den Songs eine noch größere Theatralik. Dazu kommt noch der Einsatz von Keyboards von Geoff Nicholls, der vorher schon Gastmusiker war und erst später offizielles Bandmitglied wurde. Musikhistoriker und Genrespezialisten, nennen das was hier dargeboten wird "Epic Doom" oder zumindest einen Vorläufer dessen. Damit ist die Art von Doom Metal gemeint, die im Gegensatz zu den eher traurigen/schwereren Varianten des Genres (Funeral Doom, Stoner Doom) wesentlich melodischer daherkommt. Wie eine Mischung aus Doom und Power Metal. Tatsächlich habe ich das Album in meinen Kopf in die fiktive Sparte "Magic and Wizardry Rock" eingefügt. Ja, man könnte, wenn man wollte das irgendwo bei Power Metal unterordnen. Schließlich heißt der erste Song "Neon Knights" und handelt zumindest metaphorisch von Rittern. Aber es ist im Grunde einfach nur verdammt guter Heavy Metal. Der Rest der Band, allen voran Tony Iommi macht sich auch verdammt gut. Man hört förmlich die Begeisterung neue Ideen umzusetzen. Wunderschön, melodisch, sehr anders.

8,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Neon Knights, Heaven and Hell, Wishing Well, Lonely Is The Word

Und weil drei Reviews besser sind als eins, hier kommt

Philipp:

"Ich verstehe es nicht. Wirklich nicht. Und zwar auf die bestmögliche Art und Weise. Wie kann eine wegweisende Band so kurz davor stehen, in der Bedeutungslosigkeit – oder zumindest im Drogensumpf - zu versinken, mit 2 Alben beweisen, dass sie das, was sie auszeichnete, verloren hat und dann plötzlich mit einem kräftigen Tritt in den Hintern – in Form eines Besetzungswechsels – wieder derartig auf ihren Kurs zurückfinden?

Heaven and Hell ist großartig, ich würde so weit gehen zu sagen, dass es sich um eins der besten 5 Black Sabbath-Alben handelt. Angesprochener Besetzungswechsel ist in diesem Fall der von Ozzy Osbourne (der kurz vor Never Say Die ja eigentlich bereits durch einen anderen Sänger ersetzt wurde, der so bedeutungslos ist, dass ich gerade nicht mal seinen Namen googeln möchte) zu Ronny James Dio, der zu diesem Zeitpunkt vor allem durch seine Bands Elf und (Richie Blackmore‘s) Rainbow bekannt war, und der sich wohl auch maßgeblich in das Songwriting eingemischt hat, was diesem Album mehr als gut tut.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal festhalten, dass ich Black Sabbath immer als eine Band mit einem sich unfassbar schnell drehenden Besetzungskarussell in Erinnerung hatte, Tony Iommi ist der einzige, der auf jedem Album zu hören ist. Denkt man jetzt aber einmal darüber nach, dass der erste (offizielle und auf einem Album zu hörende) Besetzungswechsel nach fast 10 Jahren und 8(!) Alben stattfand, ist das schon wirklich bemerkenswert, vor allem weil keines (ich muss mich eventuell an späterer Stelle korrigieren höhö) der folgenden Alben in der gleichen Besetzung wie das jeweils

Tony Iommi, Bill Ward, Ronny James Dio, Geezer Butler

vorherige entstanden ist. Nun zurück zum Text:

Diese Band ist endlich wieder verdammt gut aufeinander abgestimmt und spielt miteinander statt gegeneinander. Und das obwohl Bill Ward sich laut eigener Aussage aufgrund seines übermäßigen Alkoholkonsums nicht mal mehr an die Aufnahmen erinnern kann und kurz danach auch aus der Band flog.

Witzigerweise klingt diese Rückkehr zur alten Form sehr wenig nach den ersten 4 Sabbath-Alben, eher nach Spät-70er-Hardrock, wie er in Versatzstücken schon auf „Never Say Die!“ zu hören war, nur hat sich Tony Iommi diesmal seiner größten Stärke besonnen und auf gute Riffs konzentriert. Waren sie auf dem letzten Album eher sparsam eingesetzt worden, hat der Geiz nun wirklich ein Ende und es ist einfach auch jedes einzelne davon großartig, Geezers Bassarbeit bildet die perfekte Ergänzung dazu (es mutet fast absurd an, dass er zwischendurch die Band verlassen hatte und kurz vor den Aufnahmen erst wieder kam und dem Bass noch seinen durchaus markanten Stempel aufgedrückt hat) und Dios Stimme macht das ganze dann wirklich noch besser. Egal wie kleinkariert und kritisch ich auch sein möchte, ich finde keine Schwachstelle, kein einziger Song ist schlecht oder auch nur mittelmäßig und langweilig, selbst die langsamen Songs bzw. Songs mit balladesken Parts (wie z.B. Die Young oder Children Of The Sea) sind einfach stimmungsvoll und atmosphärisch.

Ich möchte mich hier nicht weiter in salbungsvollen Worten verlieren, wie viel mir das Album bedeutet, dürfte jeder mitbekommen haben und ich empfehle dringendst nicht auf die „Nur mit Ozzy ist es wirklich Sabbath“-Stimmen zu hören und sich dieses Album zu Gemüte zu führen, es lohnt sich.


10/10 Pfandflaschen


Anspieltipps: Neon Knights, Heaven And Hell, Die Young"

Raphael:

"Wir schreiben das Jahr 1980. Das Birkhuhn ist Vogel des Jahres (Glückwunsch!), Indira Gandhi wird Premierministerin von Indien, in Suriname kommt es zum Militärputsch, und die ehemalige britische Kolonie Südrhodesien wird als Simbabwe zum unabhängigen Staat. Auch in der Industriemetropole Birmingham gibt es Neuigkeiten: im Hause Black Sabbath hat man im Verlauf der Tour zum Album „Never say die“ endgültig erkannt, dass sich die Interessen der Bandmitglieder in unterschiedliche Richtungen entwickelten. Auch wenn es bereits ein paar Aufnahmen gab, gab es keinen Weg zurück. Also wurde Ozzy Osbourne in seiner Rolle als Sänger durch den US-Amerikaner Ronnie James Dio ersetzt – ironischerweise war es Ozzys spätere Ehefrau Sharon Arden, die Dio zu Black Sabbath brachte.

Neues Jahrzehnt, neuer Sabbath! Zusammen mit dem energiegeladenen Heavy Metaller, der seine Texte selber schreibt, präsentieren sich auch Bill Ward, Geezer Butler und Tony Iommi wieder voller Energie. Das merkt man direkt im ersten Song „Neon Knights“ – Black Sabbath haben wieder zu härteren, flotteren Gangarten gefunden. Ohne große Spielereien geht es weiter, bis „Children of the Sea“ wieder den doomigen Sabbath Sound vor den Heavy Metal stellt. Auffällige Elemente sind der deutlich weiterentwickelte Gitarrensound, die markante Stimme des neuen Sängers und die unverkennbaren Butler-Licks am Bass. Spätestens in der choralen Bridge dürften alle Hörenden die miserablen Alben der späten 1970er vergessen haben, und selbst Osbourne-Ultras werden hier zufrieden mitnicken. Im fröhlich stampfenden „Lady Evil“ wird das Blitzlicht aus Gitarrenspiel durch einen mächtig fuzzigen Bass von Geezer Butler unterlegt – letzterer war übrigens auch zwischenzeitlich ausgestiegen, weil er frisch geschieden und mit anderen Dingen als Musik beschäftigt war. Zum Ende der A-Seite kommt der wohl bekannteste Song dieser Platte „Heaven and Hell“. Die atmosphärische Heavy Metal Ballade gehört bis heute in den Schrank aller Kuttenträger*innen, und sie ist vor allem für Sänger Dio zum Aushängeschild geworden. Wenngleich der Song in seinem Aufbau recht überschaubar ist, stellt er doch ein großartiges Gegenbeispiel zum Loserimage vieler Metaller*innen dieser Zeit dar.

Die Rückseite beginnt mit „Wishing Well“, das eingangs sehr an die bessere Version jedes Liedes von „Technical Ecstasy“ oder „Never say die“ erinnert. Dabei sind es im Endeffekt nur wenige Schalter, die umgelegt werden mussten: mehr Geschwindigkeit, weniger Spielerei, kein Ozzy. Nach diesem relativ poppigen Cock Rock Knaller folgt der nächste Hit – das imposante Stück „Die young“. Von den Drums zum Bass und von der Gitarre zum Gesang wurden hier ausnahmslos neue Maßstäbe gesetzt. In seiner einzigartigen Struktur und in seiner abwechslungsreichen Stimmung ist „Die young“ einer der großartigsten Sabbath-Songs aller Zeiten. In dessen Schatten folgt „Walk away“, ein Lied das ein bisschen zu sehr nach KISS klingt, an sich aber kein Totalausfall ist. Davon gab es im Allgemeinen gar keine auf „Heaven and Hell“; obgleich „Wishing Well“ und „Walk Away“ nur in Maßen zu überzeugen wissen. Auch der mächtig schwere Kopfnicker „Lonely is the Word“ ist hier keine Ausnahme.

Der Sängerwechsel hat Black Sabbath musikalisch sehr gutgetan. Wo sich die Band zuvor von der Occvlt Doom Hard Rock Sensation zur Indie Prog Brit Pop Weichwäsche entwickelt hat, hat der Beitritt Dios samt seiner schwermetallenen Einflüsse die Band gerettet. Das heißt übrigens nicht, dass die Drogen- und Saufeskapaden abgerissen wären. Die Verbrennungen dritten Grades an den Beinen von Bill Ward sind nur einer von vielen Scherzen, die im Studio passiert sind. Nichtsdestotrotz ist „Heaven and Hell“ ein starkes Album und bekommt zurecht
8/10 Pfandflaschen"



Montag, 30. Mai 2022

So isses, Musik!#144

THE ULTIMATE BEAVIS AND BUTT-HEAD EXPERIENCE, SEASON EIGHT


Link ist natürlich oben im Titel. Diesmal handelt es sich um die letzte und allerletzte Staffel. Bevor Mike Judge dieses oder nächstes Jahr uns mit einem neuen Beavis and Butt-Head Film und Kurzserie bescheren wird. Ich hoffe doch dieses Jahr. Die achte Staffel kam 13 Jahre nach der siebten. Darin haben sich die zwei nicht nur moderne Musikvideos angeguckt sondern auch MTV-Reality-Shows. Ich habe nur die Musikvideos reingenommen.

Was läuft sonst so?

Macroblank - 肉と魂 ep


Habe sowas wie Black Metal mit einer Hipster-Ader erwartet. Irgendwas post-BMiges. Oder so. Stattdessen habe ich träumerische Ambient-artiges, irgendwas-wave-iges Gedöns bekommen. Ich bin positiv überrascht.


Cosmic Putrefaction - Crepuscular Dirge For The Blessed Ones

Was für ein selten dämlicher Bandname. Was für ein komischer Albumtitel. Großartiges Artwork. Death Metal mit gutturalen, fast schon gurgelnden Gesang und überraschenden melodischen Akkustikpassagen. Gar nicht mal so schlecht. Jedoch meines Erachtens nicht ganz der Bringer. Rausgekommen bei Profound Lore.



Haunter - Discarnate Ails 

Wieder Death Metal. Diesmal eine Spur tiefer. Wesentlich gruseliger, nicht weniger melodisch. An den richtigen Stellen. Sehr angenehm.


Ich bin letztens beim Stöbern von Wikipedia-Artikeln auf DJ Groove gestoßen. Der Moskauer DJ ist nicht nur das Gesicht auf dem Albumcover von Sneaker Pimps' "Bloodsport" sondern gleichzeitig auch eine Größe in der russischen Techno- und Hip-Hop-Szene. Mir ist sofort ein Song aufgefallen. Er heißt "Otvet" ("Die Antwort") und darin geht es dass er als DJ von mehreren merkwürdigen Gestalten in der Disco genervt wird. Sie wollen alle was anderes hören, als das was er grade auflegt. Doch die Vorschläge die sie ihm erbringen, bringen ihm zum Ausrasten weil sie scheinbar einfach fürchterlich sind. Damit disst er die Pop-Bands "Virus" und "Demo" als auch den mittlerweile verstorbenen, damals grade mal 18-jährigen Rapper Detsl. Das Video dazu ist 3D-animiert. Die Tanzeinlagen erinnern mich tatsächlich an diese "Was ist dein Lieblingsfach?"-YouTube-Videos die aus dieser englischen Kindersendung stammen, die dazu da war Kindern Deutsch beizubringen. Lange Rede, kurzer Sinn. Hier ist "Otvet" von DJ Groove aus dem Jahr 2000:


Durch das Stöbern der Kommentare habe ich rausgefunden, dass es sich um eine Hommage an den Track "The Request" des DJs 95 North handelt, der exakt nach dem selben Schema vorgeht. Allerdings werden hier westliche Künstler wie "Spice Girls" durch den Kakao gezogen.


M:

Ich höre immer noch meine Musiksammlung durch und bin immer noch bei M. Nach der ganzen, kurzen Discography von Mr. Bungle (schon wieder) bin ich auf "Bordsteinkantengeschichten" von Muff Potter gestoßen. Ich brauch nicht noch mal erwähnen, tu es aber trotzdem, dass es ein großartiges Stück Musik ist. So gar nicht gut hingegen fand ich "Mühlheim Asozial". Aus heutiger Sicht erzwungen lustig und ehrlich gesagt, einfach schlecht. Ich verstehe nicht mehr was ich an dieser Band gut fand. Besonders gut fand ich allerdings das Album "1977" der ostdeutschen Punkband Müllstation. Das war insgesamt, auch weil der "M"-Ordner größtenteils Alternative, Metal und Hip-Hop enthielt, überraschend erfrischend, herrlich lustig und ja, einfach verdammt gut. Hier ist das Titellied




Black Sabbath Discography: Paranoid (1970)

Da ich zu "Paranoid" alles gesagt hab, was ich sagen wollte - hier die Meinung der beiden Genossen Philipp und Raphael. Viel Spaß.

Philipp: "Fangen wir erst mal mit dem offensichtlichen an:

Dieses Album ist wohl das bekannteste Black Sabbath Album, mit dem offensichtlichen Überhit, den wohl jedermann und jedermanns Mutter kennt und der sogar von Cindy und Bert gecovert wurde („Der


Hund von Baskerville“ bitte verlinken!). Aber abseits von Paranoid, das lustigerweise ähnlich wie Smoke On The Water von Deep Purple oder Breaking The Law von Judas Priest recht wenig repräsentativ für das restliche Werk der Band ist, ist der Rest des Albums nicht minder großartig.

Ein Album, das mit einem Song wie „War Pigs“ beginnt, ist eh von vorneherein über alle Zweifel erhaben (habe sogar mit dem Gedanken gespielt, das Review nur aus dem Satz „Ein Album, das mit War Pigs beginnt, hat ohnehin nicht weniger als 10 Pfandflaschen verdient, bestehen zu lassen), was für ein großartiger Song, schleppend, doomig, heavy, diese verdammte Gesangsmelodie, dieser Bass, dieses Schlagzeug, was soll man auch sonst dazu sagen, einfach einer der besten Songs des klassischen/frühen Heavy Metal.

Paranoid ist aufgrund seiner Simplizität und Länge schon fast als Proto-Punk zu bezeichnen, Planet Caravan eine ätherische, proggige Ballade, die bereits unter anderem von Pantera gecovert wurde.

Warum Marvel Studios niemals „Iron Man“ für einen Filmtrailer/Soundtrack verwendet haben, erschließt sich mir nicht, aber der Text hat damit ja auch absolut nichts zu tun, haha. Das Riff ist jedenfalls – wie ungefähr jedes auf diesem Album – absolut ikonisch und man kriegt es so schnell nicht aus dem Kopf. Das gesamte Album wechselt quasi beständig zwischen langsamen, schleppenden Passagen und schnellerem Heavy Metal und ist damit wie schon das erste Album wirklich stilprägend für mehr als nur ein Genre.

Bevor ich mich jetzt stetig mit anderen Worten selbst wiederhole: Es ist ein großartiges Album, für viele das beste von Black Sabbath, so weit würde ich dann vielleicht nicht gehen, da es generell schwer fällt, zwischen den ersten 4 Alben überhaupt einen Qualitätsunterschied auszumachen, aber dieses hat definitiv die größten Hits.


10/10 Pfandflaschen


Anspieltipps: War Pigs, War Pigs, War Pigs, Paranoid und Iron Man"

Raphael:

"Dieses Album zu rezensieren, ohne Superlative zu benutzen, ist wohl eine der schwierigsten Aufgaben. Zum Glück habe ich sie bereits im ersten Satz verfehlt. Es gibt wohl kaum ein Album, das so sehr für Black Sabbath steht wie das 1970 veröffentlichte Zweitwerk „Paranoid“.

Es fängt schon großartig mit ‚War Pigs‘ an. Das Intro erinnert zwar noch sehr an das vorangehende Debüt, aber sowohl in Songstruktur, Soundqualität, und Atmosphäre haben Black Sabbath hier deutlich zugelegt. Es genügt, die perkussiven Bewegungen von Schlagzeug und Bass zu beobachten, um vor Freude bekloppt zu werden. Und so kann man direkt weitermachen, denn mit ‚Paranoid‘ kommt an zweiter Stelle der Song, der etwas Unmögliches geschafft hat. Nicht nur kann man viele Bereiche der kontemporären Rockmusik auf den Klang dieses Liedes zurückführen. Interessant ist vor allem, dass es sich um einen All-Time Classic handelt, der auch nach dem drölfzigtausendsten Mal nicht langweilig wird. Egal ob im Intro eines Michael Mittermeier Programms, ob auf Singstar, oder bei gemütlichen 666 Bier am Abend – diese Nummer geht immer.

Geezer Butler, Tony Iommi, Bill Ward, Ozzy Osbourne

And now for something completely different, ‘Planet Caravan’: Black Sabbath kehren mit Vollgas dem Proto Metal den Rücken zu, und legen die wohl entspannteste Blues Hymne der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufs Parkett. Der Basslauf ist pures Meskalin und jede einzelne Nuance dieses Liedes ist in LSD getränkt. Zusammen mit ‚Solitude‘ vom 1971er Album „Master of Reality“ ist das wohl das großartigste ruhige Stück der Band. Und weil es gesagt werden muss: Die Cover Version von Pantera ist furchtbar, und der einzige Grund dafür sind Pantera selbst.

Kaum ist der letzte Ton des luziden Traums verklungen, kommt der nächste Knaller. Auch wenn ‚Iron Man‘ inzwischen zu Tode gecovert wurde, auch wenn der Song heute primär mit Marvel Comics verbunden wird, ist und bleibt er eine Offenbarung. So simpel das Riff erscheint, so sehr Gesang und Gitarre sich parallel bewegen, das Lied darf bei keiner Feier fehlen. Und der eigentliche Höhepunkt des Songs ist natürlich die Bridge vor der letzten Strophe. Oder doch das Doom-artige Outro?

Und wo wir gerade beim Thema Doom sind, passt der Übergang auf die B-Seite wie die Faust aufs Auge. In ‚Electric Funeral‘ haben Black Sabbath mal wieder ordentlich mit Effekten und Atmosphäre experimentiert. Nicht nur haben wir hier mal wieder ein lupenreines apokalyptisches Szenario, sondern auch einen der zentralen Ausgangspunkte für die Geburt des Doom Metal. Wer viel Doom und Sludge in der Bibliothek stehen hat, kann mal alle Bands deren Namen mit ‚Electric‘ beginnen, auflisten, und überlegen, wie viele davon von Black Sabbath beeinflusst sind. Diese Odyssee zu den Anfängen des eschatologischen Metal kann dann direkt mit dem folgenden Song ‚Hand of Doom‘ weitergeführt werden. Hier kommt der für das Album typische schnelle Wechsel von düsteren und langsam Passagen zu bewegungsreichem Blues Rock oder Metal besonders stark zum Vorschein.

Das Instrumental ‚Rat Salad‘ geht beim Durchhören gerne etwas unter, was vielleicht daran liegt, dass man sich gerne von Ozzys Stimme betören lässt. In erster Linie handelt es sich um eine Jazzdarbietung von Bill Ward am Schlagzeug, und in gewisser Weise kann man ‚Rat Salad‘ auch als sehr langes Intro für den letzten Track ‚Fairies wear Boots‘ betrachten. Der Erzählung nach singt Osbourne über sein eher unangenehmes Zusammentreffen mit einer Gruppe Skinheads (oder Boneheads?), was aber in diesem mitreißenden Blues Rock Gewitter stark untergeht.

Und so endet mit einem Mark Knopfler-artigen Gitarrensolo das zweite Album von Black Sabbath. Ob „Paranoid“ das beste Album der Band ist, darf diskutiert werden. Zweifelsohne ist es das Album, das man am meisten mit Black Sabbath verbindet – und das liegt nicht nur an der hohen Dichte an Hits, sondern an jedem einzelnen Track auf „Paranoid“. Deshalb vergebe ich dieses Mal die vollen 10/10 Pfandflaschen."



Sonntag, 15. Mai 2022

So isses, Musik!#143

Hallo und herzlich willkommen zur neuesten Ausgabe von "So isses, Musik!". Natürlich habe ich die nächste "Beavis &  Butt-Head"-Playlist - zur Staffel 7:


Diesmal sind es allerdings größtenteils Musikvideos die in Staffeln 5-6 zu sehen waren. Nichts neues, also. Bis auf ein paar vereinzelte. Das war auch damals die letzte Staffel, bis die Serie nach mehr als zehn Jahren eine achte Staffel bekam.




Und ansonsten habe ich nicht so viel neues zu berichten:

Watain haben ein neues Album veröffentlicht, namens "The Agony & Ecstasy Of Watain". Und zwar schon vor zwei Wochen. Habe heute das erste Mal die Single "We Remain" gehört. Bin positiv überrascht. Hätte nicht gedacht, dass das Lied so ruhig und atmosphärisch ist. Außerdem dürfte es das erste Mal sein, dass ich bei einem Watain-Song eine Frau höre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Ende des Jahres auch das Album reviewen werde, hehe.


Ebenfalls im April dieses Jahres ist ein neues Album der Industrial-Hip-Hop-Formation Dälek rausgekommen. Es heißt "Precipice" und ist hier auf Bandcamp zu hören. Der erste Track "Lest We
Forget" ist im Prinzip eine astreine instrumentelle Shoegaze-Performance. Bin mir ziemlich sicher, dass hier Adam Jones von TOOL mitgearbeitet hat. Danach geht es wie gewohnt weiter. Experimentelle, ungewöhnliche, ambient-lastige Beats auf gelassenen Flow mit aggressiven Lyrics. Großartig.










Ich habe meine riesige Musik-Kollektion weiter gehört und bin mittlerweile bei M angekommen.

Naja, eigentlich bin ich immer noch bei M. So wie beim letzten Mal. Jedenfalls, das wären die Perlen:

Meinhof - The Rush Hour Of Human Misery

Ein eher mäßiger Crust-Album, größtenteils mit Drummachine. Habe die Band zwei Mal hintereinander gesehen und frage mich was ich damals daran gut fand.




Method Man & Redman - Blackout!



Missy Elliott - Miss...E... So Addictive




Mops Wanted

Es handelt sich um einen Conscious Rapper, der "Gesellschaft" auf "Weltmacht" reimt. Es ist vielleicht nicht ganz so schlimm, wie ich es mir ausgemalt hab, aber es ist schlimm. Leider weiß ich gar nicht wie der Song heiß, weil die alle unbetitelt sind. Anyways, here is Mops Wanted:




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Philipp, Raphi und ich fangen eine neue Discography an. Und weil ich bereits die ersten vier (oder fünf) Alben dieser Band schon reviewt habe, sind die beiden Schreiberlinge nun vorerst alleine dran. Here we go.

Black Sabbath Discography: Black Sabbath (1970)

Mein Take dazu könnt ihr hier nachlesen.

Philipp:

"Puh, neue Diskografie, neues Glück, diesmal mit Black Sabbath.

Ich bin mir tatsächlich der Unmöglichkeit bewusst, noch etwas über diese Band sowie ihre (vor allem klassischen) Alben zu schreiben, was nicht schon bereits 1000mal von irgendwem geschrieben wurde.


Jeder und jedermanns Mutter kennen mittlerweile Ozzy Osbournes Eskapaden, Drogengeschichten, Neigungen, Vögeln und flugfähigen Säugetieren die Köpfe abzubeißen, sowie (natürlich) großartige Stimme. Wäre er nicht mit dieser Band zu einer absoluten Ikone geworden, hätte er wohl eine kleinkriminelle Karriere eingeschlagen, bis zum Durchbruch der Band hielt sich der bekennende Legastheniker Osbourne mit Gelegenheitsjobs und Einbrüchen über Wasser.

Über Tony Iommi werde ich an späterer Stelle noch etwas mehr schreiben, da er tatsächlich auf diesem Album noch 2 komplette Hände mit vollständigen und voll funktionsfähigen Fingern besitzt. Nun...

Das an Freitag, dem 13. (!) Februar 1970(!) veröffentlichte Album ist nicht weniger als ein Klassiker, einer DER Klassiker des Heavy Metal überhaupt, wenn nicht die Initialzündung eines (bzw. mehrerer) gesamten Genres, musikalisch wirkt das Album noch sehr blueslastig und von Bands wie The Jimi Hendrix Experience oder Led Zeppelin beeinflusst, die Gitarren sind noch nicht so heruntergestimmt, wie es Iommis spätere Verletzung notwendig machte. Textlich finden sich sowohl okkulte (Black Sabbath, N.I.B.), als auch fantastische (The Wizard) sowie an eine Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft (Behind The Wall Of Sleep) angelehnte Inhalte wieder, mit Evil Woman und The Warning sind auch noch Coverversionen zweier Ende der 60er veröffentlichter Songs auf dem Album zu finden.

Um mal nicht zu viel um den heißen Brei herum zu reden, es ist einfach großartig, die Band ist – bedenkt man das junge Alter der Musiker (21 bis 22 Jahre) – verdammt gut auf einander eingespielt, Ozzys Gesang ist nicht mehr als gespenstisch, man fragt sich gelegentlich, woher eigentlich diese Stimme kommt.

Für heutige Maßstäbe wirkt das Album – vor allem im Bezug auf Düsternis und Bedrohlichkeit – ziemlich brav aber man kann sich natürlich in etwa vorstellen, was dieser düstere, schleppende und gespenstische Klang vor 52 Jahren in den Menschen ausgelöst haben muss.

An dieser Stelle weniger als 10 Pfandflaschen zu geben, wäre eine absolute Frechheit, egal, ob man spätere Alben nicht sogar noch besser findet.


10/10 Pfandflaschen


Anspieltipps: Black Sabbath, The Wizard, N.I.B.,"

Raphael:

"Ich möchte bei dieser Diskographie möglichst wenig mit Hintergründen, Querverweisen oder interessanten Fakten arbeiten. Dafür hatten andere Musikjournalist*innen und andere Leute schon bis zu 52 Jahre Zeit für. Ich möchte die Alben der Band aus Birmingham lieber aus meiner eigenen Perspektive angehen. Dabei fällt mir immer meine Sabbath-Epiphanie ein, die mit ca. 17 Jahren im Jahr 2005 (vermute ich) relativ spät kam. Ozzy Osbourne kannte ich damals vorrangig durch sein furchtbares Solo Album „Down to Earth“ und seine noch peinlichere Hauptrolle in der MTV Reality Soap „The Osbournes“. Und dann gab mir mein Kumpel F.M. vom Ruderverein seine Festplatte mit, auf der sich sämtliche bis dato veröffentlichten Black Sabbath Alben befanden. Mein Zugang zu Musik hat sich hierdurch grundlegend geändert. Plötzlich war alles Black Sabbath, überall versteckte sich Black Sabbath, und ich fühlte mich wie ein Wissenschaftler, der den Missing Link entdeckt hat.

Flash-forward ins Jahr 2022: für diese Review höre ich zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Black Sabbath Album bewusst komplett. Das letzte Mal war wahrscheinlich im Jahr 2019, als ich eine Seminararbeit zum Thema apokalyptische Literatur und Doom Metal Lyrics an der Uni geschrieben habe.

Und ebenso eschatologisch ist die Stimmung beim Einstieg in den ersten Stück: de Titeltrack des selbstbetitelten Debütalbums. Ich versuche mir manchmal vorzustellen, wie die Reaktion der Hörenden damals war, als Bill Ward, Geezer Butler, Tony Iommi und Ozzy Osbourne damals diesen noch kaum bekannten Stil gespielt haben. Und auch heute – über ein halbes Jahrhundert später – sorgt das Thema für Gänsehaut, bis sich der Spannungsaufbau in die psychedelische Heavy Metal Spirale schraubt. Plötzlich ist Stille und das Mundharmonika Intro von ‚The Wizard‘ beschert direkt die nächste Überraschung. Blues, Rock’n’Roll, diese ungreifbare Dunkelheit und das Einwerfen von harten Riffs ergeben diese einmalige Stimmung. Den dritten Titel ‚Behind the Wall of Sleep‘ habe ich früher ein wenig unterschätzt. Inzwischen ist es gerade die lässige Gangart des Stückes, die mir so gefällt. Vielleicht geht der Track oft zu Unrecht zwischen den beiden Titeln ‚The Wizard‘ und ‚N.I.B.‘ unter – zweiterer ist zumindest laut den Spotify Daten der beliebteste Song des Albums. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich angefangen habe, Bass zu spielen, und mich sehr oft an diesem Lied vergangen habe. Hier passt einfach alles: Dynamik, Atmosphäre, der Aufbau und Spannungsbogen, jedes kleine Detail (vor allem am Bass). Als nächstes kommt ‚Evil Woman‘, und dabei handelt es wahrhaftig um meinen persönlichen Track des Albums. Es mag an der einzigartigen Bewegung des Liedes liegen oder

Raphi wollte dass ich dieses Bild unbedingt hier einfüge :~

vielleicht ist es auch eine gewisse Nähe zu Punk und Garage Rock à la frühe Stranglers, die mich hier so überzeugen – so oder so bleibt ‚Evil Woman‘ mein Favorit auf „Black Sabbath“. Mit ‚Sleeping Village‘ folgt darauf eine Nummer, an die ich mich erst gewöhnen musste. Mittlerweile ist mir dieser Zugang gelungen, und ich kann dementsprechend nachempfinden, warum sich
Sleeping Village Reviews oder auch die Stoner Doom Band Sleeping Village aus New Jersey ebenjenen Namen gegeben haben. Es ist vor allem der harte Bruch, der die Hörenden aus einem farbenfrohen Blues Lick direkt in die Tiefen des Doom fallen lässt, was an dieser Nummer so überzeugt. Dass es sich beim nachfolgenden Longtrack ‚The Warning‘ um eine Coverversion handelt, die ursprünglich von Aynsley Dunbar Retaliation stammt, wissen die Lesenden wahrscheinlich alle – ich habe es wirklich geschafft, diese Information bis eben vor mir selbst geheim zu halten. Durch seine Länge verliere ich bei diesem Stück hin und wieder kurz den Faden, bin dann aber umso glücklicher, wenn im finalen Abschnitt das Hauptthema wieder zurückgebracht wird. Der achte Titel ‚Wicked World‘ hat in der ursprünglichen Version des Albums nicht mehr auf die 12‘‘ der Platte gepasst, und wird deshalb manchmal als dem Album zugehörig genannt, und manchmal eben nicht. Hier gefällt mir wieder das Ende besonders gut, das mit seinen Stopps an 1960er und 70er Prog à la Focus erinnert. In der Gesamtheit des starken Albums geht der Song aber fast ein bisschen unter.

Und wie bewerte ich jetzt ein Album, das fast zwanzig Jahre älter ist als ich selbst? Black Sabbath’s „Black Sabbath“ ist ein Meilenstein, der wahrscheinlich noch viele Jahrzehnte nicht zu verrücken ist. Dieses Album mit seinen sieben bzw. acht Stücken allein bietet für Musikhistoriker*innen Raum, um ganze Bücher oder Lerneinheiten aufzusetzen. Und doch sollte man auch heute hinterfragen: Ist das Debüt Black Sabbath wirklich so großartig? Ich sage: ja, und gebe
9,5/10 Pfandflaschen"






Montag, 14. März 2022

So isses, Musik!#141





Der Link ist wie bei den letzten Playlists wieder im Titel verlinkt, weil ich das Ganze hier nicht einbetten kann. Diesmal sind es Musikvideos aus insgesamt 50 10-minütigen Episoden der fünften Staffel. Wieder mal sehr vielfältig, poppig, meddl-ig, sprachgesanglich und und und. 

Ministry Discography: Moral Hygiene (2021)

Das neueste Ministry Album ist vollkommen an mir vorbeigegangen, ehrlich. Der Vorgänger "AmeriKKKant" war schon so scheiße, dass ich ehrlich gesagt absolut nichts gute erwartet habe. Ich wurde allerdings eines besseren belehrt. "Moral Hygiene" ist nämlich das beste seit langem.

Al Jourgensen hat hier beinahe auf allen Tracks Gitarre gespielt weil Gitarrist Sin Quirin kein Bestandteil des Projektes mehr ist - er wird wegen sexuellen Übergriff auf eine Minderjährige verdächtigt. Wir haben hier aber noch Paul d'Amour (ehemals TOOL) am Bass und Roy Mayorga (ehemals Nausea, Amebix, Soulfly) am Schlagzeug. 


Onkel Al bewegt sich hier weg von richtig schlechten und stumpfen Industrial Metal, wie er auf den Alben seit 2003 zu hören war. Stattdessen kriegen wir tatsächlich fast schon die guten Alten Ministry zu hören. Samples von korrupten Politikern, Industrial Rock, Mundharmonika und ein Feature mit Jello Biafra auf "Sabotage Is Sex". Das ist als wären Lard wieder zurück, naja zumindest für einen Song. 

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist gut gemischt, geht verdammt gut ins Ohr und klingt meines Erachtens so absolut gar nicht peinlich. Es ist fast wie früher. Aber nur fast. Aber gut.

7,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Sabotage Is Sex, Alert Level, Search And Destroy (Stooges Cover)




Mr. Bungle Discography: California (1999)

Drittes Album von Mr. Bungle. Das Record Label Warner Bros. Records verschob den Releasetermin, damit man nicht dem Release von "Californication" von Red Hot Chili Peppers in die Quere kommt. Es wäre sonst am selben Tag rausgebracht worden. Daraufhin folgte eine unschöne Reaktion seites RHCP-Sänger Anthony Kiedis, der alles in seiner Macht gesetzt hat um Mr. Bungle aus verschiedenen internationalen Festivals auszuladen. Die Reaktion der Band war unter anderem ein Konzert an Halloween, wobei sie sich als RHCP verkleidet haben. Sie coverten auch mehrere Songs wie "Give It Away". Während des Auftritts machten sie sich über die Songtexte lustig und imitierten Heroin-Schüsse in den Arm. Ein Bandmitglied verkleidete sich als verstorbener RHCP-Gitarrist Hillel Slovak. Ich verstehe, dass man hinsichtlich der Absagen sauer war, trotzdem war die Aktion sehr drüber. Aber witzig.

Um mal einen deutlichen Unterschied zu "Californication" herauszuarbeiten. Das RHCP-Album bzw. der Titelsong handelt von der Kalifornisierung der Welt. Währenddessen ist "California" von Mr. Bungle ein düsteres Abbild von Kalifornien. Auf diesem Album gehen sie noch einen Schritt weiter Richtung Obskurität. Während das erste Album auf recht humoristische Weise mit eigenen Dämonen

umgegangen ist, das zweite sehr tief in die Depression gestürzt ist, macht dieses hier einen Flip-Flop. Es klingt wieder wesentlich positiver als das zweite, gleichzeitig jedoch mindestens genauso absurd wie das erste. Wir bedienen uns weiterhin an Polka, Schlager, Ska und Punk Rock/Metal und natürlich Jazz. Insgesamt hört sich "California" wie eine Art Post-Apokalyptisches Radio, dass versucht 50er/60er Jahre US-Feelgood-Musik zu wiedergeben, was die damalige obere Mittelschicht gehört hat. Kein Rock'N'Roll sondern eher Doo-Wop und Schlager. "Goodbye Sober Day" ist meines Erachtens der kreativste und durchgeknallteste Song hierauf. Er fängt relativ ruhig an, nur um nach zwei Minuten in bizarres "TSCHAK TSCHAK TSCHAKKA TSCHAKKA TSCHAK TSCHAK TSCHAKKA TSCHAKKA" auszurarten. Wie Philipp schon im Review zum ersten Album (beziehend auf den YouTube-Channel "Lie Likes Music") gesagt hat, wie ein Horror-Kabinett: Man weiß überhaupt nicht, was als nächstes um die Ecke lauert. Absolut fantastisch. Schade, dass es die letzte Veröffentlichung mit neuen Songs ist. Das vierte Album ist "lediglich" eine Neuaufnahme des ersten Demos "The Raging Wrath Of The Easter Bunny".

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Pink Cigarette, Goodbye Sober Day, Sweet Charity

Und weil zwei Meinungen besser sind als eine, hier die Meinung von Philipp:

"Dies ist also das dritte und letzte offizielle Album von Mr. Bungle und die Overalls und Masken wurden gegen Hawaiihemden und blonde Zöpfe (es ist immer noch Trevor Dunn...) getauscht. Man gewinnt vom Opener "Sweet Charity" an den Eindruck, Mike Patton hätte mit seiner Vorliebe für Easy Listening und italienische Opern das Steuer übernommen. Während "Disco Volante" noch sehr nach Trevor Dunns und Trey Spruances chaotischen Free Jazz-inspirierten Ausbrüchen klang, ist das hier (mal wieder) etwas komplett anderes, nämlich düstere und eingängige Popmusik mit unterschiedlichsten Einflüssen, orientalische Musik, Electronica, Spaghetti-Western, Jazz und hin und wieder doch etwas Metal (Goodbye Sober Day endet sogar mit einem Ausbruch, der auf Disco Volante hätte sein können.) Leicht verdaulich und kommerziell ist das ganze trotzdem nicht, die Texte handeln von so illustren Themen wie Suizid, Tod, langsamem Dahinsiechen im Altenheim und dem Wunsch, sich selbst zu kastrieren, zumindest habe ich das so interpretiert, es gibt eine Menge Spielraum zwischen den Zeilen. Etwas weniger Chaos (und eine enorme Kürzung der Spielzeit) als auf den ersten 2 Alben tut der Band übrigens alles andere als schlecht, diese Platte macht alles in allem einen sehr kohärenten Eindruck und zeichnet ein wunderbar düsteres Bild von Kalifornien.

10/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Vanity Fair, Pink Cigarette, Air-Conditioned Nightmare"



Sonntag, 27. Februar 2022

So isses, Musik!#140


Link ist wie immer im Titel enthalten. Weil ich die Playlist nicht einbetten kann. Jedenfalls haben wir hier knapp 100 Videos. Einige davon waren schon in Staffel 2 oder 3 zu hören/sehen. Absolut wilde Mischung. Salt and Peppa treffen auf Slayer treffen auf Bel Biv Devoe treffen auf Death. Herrlich.


Was läuft sonst so?

Ich habe mir endlich Zeal & Ardor angehört. Mir wurde gesagt, es wäre "Rhythm & Blues mit satanistischen Texten". Der Meinung kann ich mich leider nicht anschließen, muss aber sagen dass "Run" ein gottverdammt gelungener Song ist. Fuck yeah.


The Most Unwanted Song

Dass russisch-amerikanische Künstler-Kollektiv Komar & Melamid kollaborierte vor ca. zwanzig Jahren mit dem Neurowissenschaftler Dave Soldier. Es ging um Umfragen und Musik. Genauer gesagt wollte man rausfinden, was die Bevölkerung für Musik gut findet und was sie eher abstößt. Insgesamt fand man mehr Material dass abstoßend war. Anschließend komponierte man gemeinsam zwei Songs. "The Most Wanted Song", der insgesamt eher poppig klang und "The Most Unwanted Song". Letzterer bestand aus unfassbar nervigen Elemanten wie Opera Rap, einem Kinderchor und Polka-Sounds. Er ist insgesamt eine halbe Stunde lang und es geht unter anderem um Wal-Mart. Es ist so dumm, ich liebe es. Und eigentlich ist es ganz lustig. Hier isses. Den Opera Rap Part übernahm die Sopranistin Dina Emerson.


Lustmord & Ihsahn - Dark Awakening

Der Ambient-Künstler Lustmord (bekannt unter anderem von seiner Zusamenarbeit mit Melvins) und der Ihsahn (von der BM-Legende Emperor) haben sich zusammengetan. Auf der bald erscheinenden Compilation "The Others (Lustmord Deconstructed)" werden außerdem hoffentlich weitere Killer-Tracks (yeaaaah boiii) enthalten sein.

Geil!


Deadyellow - Deluge

Könnt ihr euch an diesen Typen erinnern, der zu jeder Melodie - sei es jetzt Bring me to Life vo Evanescence oder Smells Like Teen Spirit von Nirvana - "All Star" von Smash Mouth gesungen hat? Nun er spielt Bass und Schlagzeug bei der Black Metal/Blackgaze Band Deadyellow. Es ist so gottverdammt gut, dass mir die Ohren rauswachsen.




L:

Ich höre die Musik auf meinem Laptop weiter alphabetisch und bin nun bei L angekommen. Selbstverständlich habe ich die gesamte Limp Bizkit Discography durch (schon wieder). Allerdings gab es noch weitere Bands/Künstler die man hier hervorheben könnte.

Landverraad
Ich kann zwar (außen)politisch wahrscheinlich nicht mehr viel mit ihnen anfangen, aber ich habe einmal Landverraad gesehen und fand sie wirklich unfassbar gut. Heute, immer noch spaßig:


Lard - Pure Chewing Satisfaction (1997)

Lard war ein Projekt von Jello Biafra (ehemals Dead Kennedys) und Al Jourgensen (Ministry). Herausgekommen ist eine Art Industrial Rock mit Punkrock-Gesang. Und naja, man kommt nicht umhin es als "DK trifft Ministry" zu bezeichnen. Denn was anderes ist es einfach nicht. Wie auch immer. It slaps.



Leatherface - Mush (1991)

Ich habe vor einiger Zeit dieses Album der sentimentalen Motörhead des Punkrocks bzw. Motörhead-trifft-Joy-Division-Punkrocker Leatherface reviewt. Beim Durchhören ist es mir wieder aufgefallen. Es ist wirklich immer noch so so so gut. 


Les Trucs - Schönen Grusz vom Getriebe (2009)

Damals waren Egotronic sehr im Trend und auch die Bands die sie inspiriert oder nachgemacht haben wie Mediengruppe Telekommander oder Frittenbude. Les Trucs war ein Projekt was definitiv vom Trend profitiert hat. Aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so nachvollziehbar. Ich kann wirklich nicht mehr viel damit anfangen. 




KoRn Discography: Requiem (2022)

Hurra, KoRn sind wieder da! Naja eigentlich waren sie gar nicht weg - nur das letzte Album "The Nothing" ist schon drei Jahre alt. Sänger Jonathan Davis verarbeitet dort u.a. den Freitod seiner Ehefrau. "Requiem" ist das bereits vierzehnte Album der Band und gleichzeitig das erste was ohne Bassist Reginald "Fieldy" Arvizu beworben wird. Er ist jedoch hier zu hören, aber nicht auf Konzerten vertreten, aufgrund privater Probleme. 

Meines Erachtens sind KoRn wohl eine der innovativsten Nu Metal Bands. Erinnere mich sehr gut an die Industrial-Experimente auf "See You On The Other Side" oder das Dubstep-Album "The Path of Totality". Mittlerweile wagt man sich nicht mehr, solche Eskapaden zu versuchen. Stattdessen blickt man zurück auf die glorreichen Alben wie "Untouchables", "Issues" oder "Follow The Leader". Ganz zurück jedoch nicht. So dreckig wie auf dem Debütalbum oder auf "Life Is Peachy" wird es wohl nie
zugehen. Stattdessen haben wir typischen KoRn-Sound mit fetten Bass, bizarren Riffs, stampfenden Drums und abwechselnden Gesang von Jonathan Davis. Und verdammt, er scattet wieder. Wenn ich richtig liege, war davon auf "The Nothing" nichts zu hören. Insgesamt ist "Requiem" jedoch wesentlich ruhiger und melodischer. Gleichzeitig hat man auch das Gespür richtige Singles rauszuhauen. Ich wusste zum Beispiel nicht dass "Lost In The Grandeur" eine Single ist. Hört sich aber danach an. KoRn wissen was für Lyrics und musikalische Stilmittel sie verwenden können, damit der Song auch im Kopf stecken bleibt. 

Meines Erachtens ein gelungenes Werk, dass auf die Klassiker der Band zurückgreift ohne sich in absoluter Nostalgie und Zitaten zu verlieren. Kommt vollkommen ohne Features und Remixe aus. Dafür ist die Länge einfach viel zu kurz. Neun Songs in einer knappen halben Stunde. Japan-Bonustrack "I Can't Feel" nicht mitgezählt. Allerdings ist das auch nur zeitgemäß. Die aktuelle Hörerschaft würde glaub ich mit einem Album das länger als eine halbe Stunde geht etwas überfordert oder gelangweilt gewesen. Außerdem: Wieso die Länge überziehen, nur um mehr Tracks rauszuhauen wenn es auch so ganz gut ist? Meiner Meinung nach gibt es hier zwar etwas schwächere Songs, aber kein Füller-Material. Approved.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Forgotten, Lost In The Grandeur, Start The Healing, Disconnent, Worst Is On It's Way, I Can't Feel


Mr. Bungle Discography: Disco Volante (1995)

Es gibt da dieses Meme was Philipp und Raphi in der "SIMPSONS KVLTPOSTING"-Gruppe auf Facebook gefunden haben. Ich würde das gerne noch mal kommentieren, kann ich aber nicht weil ich für 26 Tage dafür von Facebook gesperrt wurde. Habe einem Typen gesagt, er bräuchte neue Batterien für seine Taschenlampe weil er schon zu weit in Putins Arsch reingekrochen ist. Jedenfalls, fasst das Meme es schon ziemlich gut zusammen.


"Disco Volante" heißt ja sowas wie "Fliegende Untertasse" auf Italienisch und ist unter anderem auch ein Modell der Automobilmarke Alpha Romeo. Vielleicht war Mike Patton damals schon von italienischen Opern begeistert? I dunno. Jedenfalls ist das zweite Album sehr viel anders als das Debüt. Man stelle sich vor, dass diese ganzen Elemente die dort vorhanden waren, hier wieder vorkommen. Polka, Akkordeon, Trompete, unvorhersehbare Tempowechsel, schwankende Songlängen (von 5 bis 11 Minuten), Metal, Punk etc. Nur diesmal hat man sie in einen schwarzen Mantel gehüllt und alles sehr viel mysteriöser erscheinen lassen. Das ist wie damals als Björn Peng plötzlich keinen Kirmestechno sondern Dark Techno gemacht hat. In "Violenza Domestica" sind Mike Patton übrigens auf Italienisch und zum Teil erinnert mich der Song an Musik aus "Giallos", italienischen Billo Crime Horror Filmen. Allerdings wollte man sich eigentlcih an Ennio Morricone und Mafia Filme beziehen. Die Überlänge der Songs lässt sich dadurch erklären, dass sie eine längere Geschichte erzählen und dementsprechend auch in mehrere Kapitel unterteilt sind. Man erzählt komplexe und zum Teil auch sehr traurige Geschichten. "After School Special" handelt von einem jungen Mann der seine Mutter verehrt und nahezu in sie verliebt ist und das obwohl sie es zulässt dass sein Vater ihn verprügelt. Woran ich auch denken muss, ist der Soundtrack zu Twin Peaks bzw. die Serie an sich. Meiner Meinung nach klingen einige Passagen wie die Musik aus der Serie. Gleichzeitig zaubert es mir ein noch größeres Fragezeichen ins Gesicht als das Album davor. Das schafft sonst auch Filme von David Lynch. Gleichzeitig fühle ich mich auch an ein anderes Machwerk von Lynch erinnert, nämlich "Eraserhead". Außerdem höre ich auf jeden Fall das heraus, was später von Patton/Buzz Osbourne/Dave Lombardo bei Fantomas fabriziert wurde. Genauer gesagt auf dem Album "Delirium Cordia". Wirklich exzellent.

Anspieltipps: Phlegmatics, Violenza Domestica, After School Special, The Bends
9/10 Pfandflaschen

Und da zwei Stimmen besser sind als eine, hier ist die Meinung von Philipp:

gepostet von James Brooks in SIMPSONS KVLTPOSTING
"Die Fäkalien treffen den Ventilator. Jetzt wird es richtig weird. Wie der Albumtitel (auf deutsch so viel wie "Flugscheibe" oder "Fliegende Untertasse") schon anmuten lässt, wurden die durchgedrehten Clowns des selbstbetitelten Albums wohl von Außerirdischen entführt, das unten sichtbare Simpsons-Meme ist also durchaus zutreffend, zumindest stellt das eine akkurate Beschreibung dessen dar, was es hier zu hören gibt. Funk und geslappte Bassläufe findet man hier nicht mehr, es geht recht düster zu und es dominiert ein ADHS-Albtraum aus Free Jazz und Metal, garniert mit Techno, Klezmer, orientalischer und italienischer Folklore, Easy Listening und Surfrock. Der geneigte Franke würde wohl "Was is des Oida?" rufen, das ist nichts zum entspannt nebenbei hören, hier regiert das Chaos.
Bei Bungle-Fans hat die Platte tatsächlich eine nahezu kultische Anhängerschaft – naja, so wie jede eigentlich lel – ich war mir anfangs durchaus unsicher, ob ich einem Insiderwitz der Band auf den Leim gegangen war oder ob man hier vor einem nackten Kaiser steht, von dem steif und fest behauptet würde, er hätte wunderschöne neue Kleider an, ihr wisst schon.
Nach ein paar Durchläufen (und Jesus, der erste Durchlauf hat mit Sicherheit erst mal 3 Anläufe gebraucht und avantgardistische Musik ist mir nicht gerade fremd aber dies – dies ist Wahnsinn.) entdeckt man jedoch erst einmal die Genialität dieser Platte, hinter dem ganzen Chaos steckt eine akribische Planung, jeder Ton ist da, wo er sein sollte, die Melodiebögen sind schräg aber großartig, die Texte mitunter wirklich witzig. Wenn Mike etwa in „After School Special“ vor seinen Schulkameraden mit seiner Mutter prahlt oder Trevor im nach „Carry Stress In The Jaw“ zu findenden Hidden Track in bester Abe-Simpson-Stimme darüber singt, dass bloß niemand dem Rest der Band sagen sollte, dass er diesen gefunden hat und jetzt mit seinem „Gesang“ veredelt, ist das nichts anderes als einfach großartig. Mr. Bungle haben eben einen wirklich eigenen Humor.
Musikalisch ist das ganze tatsächlich über jeden Zweifel erhaben, gerade Trevor dreht komplett an der Uhr, Mike Patton ist bei weitem nicht so dominant wie bei den anderen Alben, zieht gesanglich aber ungeachtet dessen sämtliche Register. Ich empfehle tatsächlich, diesem Album ein paar Chancen zu geben, wenn man sich erst einmal reingehört hat, fallen einem immer wieder neue absurde Ideen auf und man will wirklich nicht mehr auf dieses Album verzichten.

Anspieltipps:

Carry Stress In The Jaw, Ma Meeshka Mow Skwoz, Platypus

9/10 Pfandflaschen"



Sonntag, 13. Februar 2022

So isses, Musik!#139


So, der Link ist im Titel zu finden. Es sind insgesamt 119 Videos. Leck mich fett, ist das viel. Und nein, das sind größtenteils Original-Videos OHNE die Kommentare der beiden. Viel Spaß.




K:

Ich habe letztens meine Musiksammlung auf meinem Laptop weiter gehört und bin mit dem Buchstaben K fertig geworden. Unter anderem hatte ich diese Perlen dabei:

Das insgesamt neunte Album der Techno-Pioniere Kraftwerk, "Electric Café". Wer nicht die Einflüsse raushört, die auf die zeitgenössische Hip-Hop-Szene ausgeübt wurden, der ist taub. Das ist der Sound dem Afrika Bambaata und die Furious Five gehört haben.


"Artikulationsversuche" von Kriebel und die Kumpels ist das erste Solo-Projekt des ehemaligen Mitglied der mittlerweile non-existenten Dresdner Hip-Hop Crew KapuDDniks, Kriebel. Hierauf versammeln sich zahlreiche Gäste und rappen über Drogen, Dresden, Feiern und andere sachen. Damals habe ichs maßlos gefeiert und fands witzig. Heute muss ich leider innerlich sehr kringeln. Ich finds leider sehr furchtbar.


Krum Bums - As The Tide Turns (2006)

Das Albumcover lässt einen erahnen, es könnte sich irgendwie um Vikinger Kram, sei es Metal oder irgendwelche Heidenmusik, handeln. Aber nein, stattdessen kriegt man reinen Street Punk mit rotzigen Gesang zu hören. Nach all den Jahren tatsächlich alles andere als schlecht, jedoch ziemlich vergänglich. Und nein im Bandnamen geht es nicht darum jemanden krumm zu bumsen. Es handelt sich um "Krümmeljungen".



Kreator - Pleasure To Kill

Nuff said.


Was läuft sonst so?

Vatican Shadow - Harbingers Of Things To Come


Also ich würde nicht sagen, dass das "läuft" weil ich letztens einfach mal reingehört habe und nicht pausenlos gehört hab. Das ist also Vatican Shadow was diese ganzen Doomer auf Instagram abfeiern. Klingt geil, gefällt mir. Was ist das? Werde ich nicht beschreiben, klickt einfach drauf.

Ash Code - A New Dawn

Was mir mindestens genauso gut gefällt, wenn nicht gar ein wenig beser ist der Song "A New Dawn"on der italienischen Darkwave Band "Ash Code", den ich vor kurzem auf Instagram gefunden hab. Während ich das tippe, gucke ich traurig und müde. Geil.





Darkthrone Discography: Eternal Hails...... (2021)

Ich weiß nicht genau wie viele Punkte hinter das "Eternal Hails" kommen, aber ich habe mal fünf gemacht. Das letzte Werk Darkthrones "Old Star" fand ich definitiv gut, jedoch gefällt mir der Nachfolger sogar noch mehr. Gut, natürlich können sie eher schlecht an ihre Frühwerke, aber auch an ihre späteren BlackNRolligen oder schlicht crustigen Werke anknüpfen. Trotzdem gilt: Es ist Doom Metal, Mötörhead und Amebix. Kein Soprano, kein klassischer Heavy/Speed Metal. Einfach nur sehr
kratzige Stimme auf old school Gitarren. Fünf lange Tracks. Ich würde sagen, dass es spätestens beim zehnten Hören doch relativ langweilig wird. Aber immerhin habe ich bei den ersten fünf Malen doch tatsächlich Spaß. Und das zählt. Nein, es ist nicht super innovativ. Jedoch kann ich wieder behaupten, dass sie irgendwie das Genre gewechselt haben. Dass sie sich behaupten können. Zumindest ein Bisschen. Meines Erachtens ne verdammt gute Scheibe, jedoch erwarte ich als nächstes (das wäre dann das zwanzigste Album) schon eine Nummer größer.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Hate Cloak, His Master's Voice, Voyage To A North Pole Adrift




Mr. Bungle Discography: s/t (1991)

Hurra, eine neue Discography. Dafür dürft ihr Philipp danken, der unbedingt diese vollkommen abgefahrene Band reviewen wollte. Eigentlich haben sie mehr als vier Alben, allerdings ist das Material was auf den Demos zu hören ist, auch auf den vier Alben drauf. Darum nur vier Alben. Und zum Schluß gibts die wieder aufgenommene erste Demo "The Raging Wrath Of The Easter Bunny". Aber erstmal dieses offizielle erste Album.


Man kommt nicht umhin, einen Namen zu droppen, der hier nun mal dazu gehört. Sänger Mike Patton, der zu dem Zeitpunkt fest bei Faith No More war, wollte seine alte Band nicht im Stich lassen. Man könnte meinen hier gehe es in eine ähnliche Richtung wie bei FNM. Man verbindet hier verschiedene Genres. Also ist es ein Crossover. Aber doch anders. Im Fachjargon nennt man das "Jazzcore". Wir haben hier Einflüsse aus Metal, Punk, Jazz, Ska und irgendwie auch Polka und Funk. Es ist ein fantastisches Chaos. Man könnte meinen, dass es keiner Struktur folgt. Doch man irrt sich. Es gibt ganz eindeutig eine Struktur, die allerdings wie völliges Durcheinander erscheint. Ruhige, fast schon ambient-ige Passagen werden durch funky Shice und Saxophon unterbrechen. Ganz viel Bass-Einsatz wie bei Primus. Dazu ist Mike Pattons Stimmbandbreite so gut wie sonst auch. Nur, dass er hier seine kreative Seite mehr auszuleben scheint. Mein Favorit ist übrigens "Squeeze Me Macaroni". Mittendrin hört man einfach sowas wie Hühnergeräusche, dabei ist es einfach nur Pattons Stimme. Und zwischendurch gibt es Turntables zu hören. Es ist also zu 1/8 Nu Metal! Wow! "Carousel" ist wohl der karusellste Song auf diesem Album. Es ist einfach Polka. Fehlt nur noch Akkordeon. Das klingt als hätte Miles Davis noch heftigere Drogen genommen. Teilweise aber tatsächlich nach frühen Red Hot Chili Peppers. Aber in anstrengend. Jedoch nur auf den ersten Blick. Ich würde an eurer Stelle dem Album mehr als eine Chance geben. Es ist heftig, abgefahren, chaotisch und doch so einzigartig. Auch textlich geht es um viele verschiedene Dinge wie Masturbation und Sex. Als auch Atemkontrolle. Achja, "Blue Velvet" von David Lynch (den ich noch sehen muss) wird auf dem gesamten Album zitiert. 

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Carousel, Squeeze Me Macaroni, Egg

Und weil zwei Meinungen besser sind als eine, hier ist dem Philipp seine:

"Das erste mal von Mr. Bungle habe ich durch irgendein beschissenes Clickbait-Video erfahren, dass aus der relativ unbedeutenden Fehde zwischen Mr. Bungle und den Red Hot Chili Peppers eine riesengroße Sache machen wollte. Tatsächlich kann absolut jeder, den das interessiert, die Geschichte nachlesen und sich gerne auf irgendeine Seite schlagen, ich persönlich werde das nicht.
Jedenfalls habe ich – unter anderem anlässlich der Wiederaufnahme ihres „The Raging Wrath Of The Easter Bunny“-Demos die Gelegenheit genutzt, um mich während der Pandemie Hals über Kopf in die Diskografien von unter anderem Faith No More und Mr. Bungle zu stürzen.
Seltsam auch, dass ich bisher von beiden Bands relativ wenig (abseits der Singles, die Musikvideos zu Falling To Pieces und Epic auf MTV fand ich immer grandios) gehört hatte, obwohl zumindest Faith No More genau nach meiner Baustelle aussah. Naja, was auch immer, mittlerweile bin ich sehr glücklich, mich mal etwas näher mit Mr. Patton und seinen Mitmusikern beschäftigt zu haben, aber hier geht es schließlich um Mr. Bungle und das ist wesentlich mehr als nur „die andere Band von Mike Patton“. 

Mr. Bungle besteht aus (meist) 6 absolut virtuosen Musikern mit einem Hang zum Wahnsinn.
Was hier geboten wird ist gar nicht so einfach zu beschreiben, oszilliert das ganze doch fröhlich zwischen Funk, Polka, Ska, Easy Listening, Metal und Zirkusmusik hin und her. Und das oft innerhalb eines Songs. Wirklich einfach macht es diese Mischung einem nicht, wirkt sie doch recht zerfahren und schizophren. Man fühlt (und dieses Zitat habe ich aus irgendeinem YouTube-Video geklaut, Gregor sagt von LielikesMusik, und das klingt nicht unwahrscheinlich) als würde man durch irgendein ziemlich weirdes und grusliges Spiegelkabinett auf einem Jahrmarkt spazieren und das wäre die musikalische Untermalung dazu, man weiss nie, was hinter der nächsten Ecke lauert, mal ist das ganze eingängig und fröhlich und dann wieder düster und sperrig. Lässt man sich aber einmal wirklich aufmerksam auf die Musik ein, entdeckt man immer wieder neue Facetten und Perlen, es bleibt keine Zeit daran zu zweifeln, dass man es hier mit Profis zu tun hat, die genau wissen, was sie da tun, allen voran Bassist Trevor Dunn, dessen Basslines sehr im Vordergrund stehen und teilweise sehr funky, andererseits aber auch sehr düster und perkussiv sind. 
Die Texte sind mindestens genauso weird wie die Musik, geht es doch auf recht humorvolle Art und Weise unter anderem um menschliche Abgründe, verstorbene/sterbende Familienhunde, Sex mit Lebensmitteln oder Pornos.

Mike Patton stand bei diesem Album übrigens noch ziemlich am Anfang seiner Stimmakrobatik, deswegen gibt es hier lediglich Rap, Gesang und hin und wieder etwas Geschrei zu hören, die Darbietung unterstützt den Wahnsinn dieser Musik auf jeden Fall ziemlich eindrucksvoll. Alles in allem ein großartiges Album, dem man sicherlich einiges an Aufmerksamkeit und Zeit geben muss, aber dafür lohnt sich das umso mehr. 

Anspieltipps: Squeeze Me Macaroni, Carousel, Quote/Unquote

10/10 Pfandflaschen"