Mittwoch, 14. Januar 2026

Film der Woche#665: Die Farbe des Granatapfels (1969)

Der Originaltitel lautet "Sayat Nova" bzw. "Nran Guyne" (Armenisch: "Նռան գույնը") bzw. "
Цвет граната" ("Tswet Granata" auf Russisch). Im Titel des Reviews steht der deutsche Name, allerdings nur um jegliche Verwirrung zu vermeiden. Der Film wurde im Jahre 1969 in der Armenischen SSR unter dem Titel "Nran Guyne" veröffentlicht und ein Jahr später hatte er eine Premiere in Moskau als "Sayat Nova". Nun, worum geht es?


"Die Farbe des Granatapfels" ist ein Biopic über das Leben des armenischen Musikers Sayat Nova (Wilen Galustjan), der zwischen 1712 und 1795 gelebt hat. Der Film zeigt die Geschehnisse in seiner Kindheit, hin zu seiner Zeit als Jugendlicher als auch sein Aufenthalt in einem Kloster. Aufgesplittet in acht Kapiteln, wobei Sayat Nova, bis auf die Zeit im Kloster von der georgischen Schauspielerin Sofiko Tschiaureli dargestellt wird. Wir kriegen mit wie Sayat Nova als Kind schon in Kontakt mit Büchern gekommen ist, während er in einer Art Familienbetrieb gearbeitet hat - seine Familie hat sie auf die Herstellung von Tüchern spezialisiert. In einer seiner Lebensstationen arbeitet er auf dem Hofe des georgischen Königs und verliebt sich in seine Tochter. Was wir ebenfalls mitkriegen ist der Tod den persische Soldaten mit sich bringen, als auch die Flucht Sayat Novas in ein Kloster - nachdem er vom Hofe des Königs verbannt wurde. 

Der Film folgt keinem klassischen Schema. Es gibt keine traditionellen Dialoge. Stattdessen gibt es lediglich Ausrufe und Aufzählungen von Gedichten (?) in den Sprachen Armenisch, Aserbaidschanisch und Georgisch. Wiederkehrende Elemente sind Waschungen, Verzehr von Essen, Schafe, Bücher und immer wieder die Farbe Rot. Es kommt einem vor als würde man versuchen reale altertümliche Gemälde in Bewegung zu setzen. Die Charaktere bewegen sich quasi zweidimensional als wären sie auf Papier aufgemalt. Immer wieder ertönen Gesänge und man hört den Klang der Natur. Es gibt auch zwei Szenen, in welchen Schlachtungen zu sehen sind, allerdings nur teilweise - sprich der Moment des Todes der Tiere ist nicht genau zu sehen. Zum Glück. Die Titlecards, die die jeweilige Phase des Lebens von Sayat Nova ankündigen sind auf Russisch gehalten, da es damals die Staatssprache der Sowjetunion war. Von daher, lohnt es sich den Film mit englischen Untertiteln zu gucken, wenn ihr kein Russisch versteht. Diese Titlecards sagen, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt, mehr über den Film aus als die Bilder. Diese sind im Prinzip frei interpretierbar. Es ist kein banaler Kunstfilm sondern ein großes Stück armenischer Geschichte und Kultur. Es gab sogar früher Briefmarken mit dem Gesicht Sayat Novas. "Die Farbe des Granatapfels" ist sehr eindrucksvoll, mit 1 Stunde und 12 Minuten definitiv nicht zu lang und schafft es ohne jegliche übertriebene Handlung den Zuschauer zu fesseln und bei sich zu behalten. Ein wirklich fantastisches Werk.

8,9/10 Pfandflaschen
Trailer:


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