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Freitag, 27. Februar 2026

Happenings des Monats: Februar'26

DEFTONES + DENZEL CURRY + DRUG CHURCH am 07.02.2026 in Westfalenarena, Dortmund

Ich habe irgendwann letztes Jahr die Karte auf Raten gekauft und ich war sehr froh nicht die Sitzplatzoption ausgewählt zu haben. Eigentlich kaufe ich gar nichts auf Raten und es bleibt auch so. Aber dafür hat es sich echt gelohnt. 


Zunächst mal: die Woche war durchaus anstrengend und am Samstag habe ich bei einem großflächigen Umzug von Genossin V und Genosse M mitgeholfen. Trotz dessen wollte ich Abends noch unbedingt auf das Konzert, auch wenn ich relativ fertig war. Irgendwie haben mir diese ganzen Anstrengungen aber gut getan. Insgesamt war ich ziemlich im Eimer, aber zufrieden.

 Als ich aus der U-Bahn gestiegen bin, habe ich ziemlich schnell gemerkt wo die Schlange ist. Dann habe ich aber gemerkt, wo das andere Ende ist. Es war mindestens ein Kilometer, also ging es weiter

rein in diesen Westfalenpark und irgendwo ein Gebüsch finden, damit diese ganzen Leute mir nicht beim Pissen zusehen können. Kaum in der Schlange angestellt, bewegten wir uns ziemlich schnell fort. Irgendwann kamen die typischen Rufe: "Wodka, Whisky, Jägermeister!", "Leergut!", "Tickets?!" usw. usf. Ich bin durchaus schnell drin gewesen und hatte kein Bock mich extra in der Garderobenschlange anzustellen. Also ging mein Jutebeutel mit und ich habe gehofft, einen Platz rechts neben der Bühne zu ergattern. Tatsächlich war das dann so. Ich war, trotz der Gigaschlange vorhin, ganz vorne und konnte mir (auf Zehenspitzen wohlgemerkt) alles angucken. 

Den Anfang machten Drug Church. Habe noch nie von dieser Band gehört. Na gut, vielleicht habe ich den Bandnamen irgendwo gelesen, aber ich bin nicht in den Genuss des Musikhörens gekommen. Was mich dann erwartet hat war eine Art Mischung aus Hardcore Punk und Seattle Sound. Sprich Hardcore Shouts und Grunge Gitarren. Oder um es super professionell auszudrücken: Post Hardcore mit Grunge Kante. Durchaus genießbar, zu Beginn schien mir alles erstmal zu verkrampft doch es dauerte nicht lange, bis die Band sich warm gespielt hat und das Publikum begeistern konnte. Immer wieder nett, wenn Bands dazu aufrufen aufeinander im Pit aufzupassen usw. usf. Ziemlich kurzer Auftritt (20-25 Minuten?) leider.

Ich habe beinahe vergessen, wer als nächstes auftreten wird. Nämlich gottverdammtnochmal Denzel Curry. 2019 habe ich sein Album "ZUU" reviewt und seitdem keinen Song mehr gehört. Umso überrascht war ich dann als er sein Set mit "RICKY" angefangen hat. Mir war es dann auch völlig egal ob es komisch wirkt, dass irgendso n bärtiger, langhaariger Typ mit Mayhem-Patch auf der Jacke zu Florida-Rap fast ausrastet. Leider konnte ich mich an keinen anderen Song erinnern - vielleicht weil sie jünger als 2019 waren - dafür aber an "Ultimate" und an das Cover von "Bulls On Parade", das zum Schluß kam. Mit Denzel Curry kamen auch die absolut weirden Video-Einblendungen. Während bei Drug Church noch das Bandlogo immer wieder auf und abtauchte zeigte man hier unter anderem einen sehr dicken halbnackten Mann der in einer Art Deep Fried Meme auftaucht und seine Haut purpur gefärbt war, sodass er wie Barney der Dinosaurier ausgesehen hat. Spannend. Ich find's nur noch spannend zu dem Zeitpunkt und habe enormen Spaß. 

Und dann irgendwann eine halbe Stunde später nach Denzel Curry betreten diese Shoegaze/Nu Metal Veteranen die Bühne und alles ist noch tausend mal besser. Deftones spielen mehrere Klassiker wie "Be Quiet And Drive (Far Away)", "Change (In The House Of Flies)" als auch "7 Words". Allerdings auch "neuere" Sachen wie "Hole In The Earth". Auf "Back To School" hat man komplett verzichtet, ich habe auch "Minerva" leider nicht gehört. Das hat mir tatsächlich sehr gefehlt. Ansonsten kann ich absolut nicht meckern. Ich mein, man hat als Band ja auch durchaus die Schnauze voll davon, gewisse Songs zu spielen. Jedenfalls ist sehr viel positive Energie da. Chino Moreno ist der Alternative Michael Jackson, wie er sich auf der Bühne bewegt und super viel Spaß hat. Dazu kommen noch die interessanten Visuals die auf der Leinwand hinter der Band mit den Aufnahmen der Band in Echtzeiten kombiniert werden. So sehen wir (mal wieder) Deftones in einer Art Crispy Deep Fried Meme Filter als auch irgendwelche Ausschnitte aus einem sowjetischen Cartoon, Wellen eines Ozeans die auf einen Strand einschlagen usw. usf. Das Publikum ist durchaus in Ordnung. Eine Mischung aus älteren Semestern (bärtiger Typ mit Brille und Cap aka Mark Forster in alt aka Sido) und jüngeren Semestern, die ich erstmal pauschal als TikTok Goths bezeichne. Allerdings ist es vollkommen egal, aus welchen Zusammenhängen diese jungen Leute Deftones kennen - denn sie sind gekommen um sie zu sehen und können ALLES mitsingen. Sie sind enthusiastisch und froh darüber, hier zu sein. Das freut mich wirklich enorm. Für mich hat sich ein kleines Träumchen erfüllt. Fühle mich irgendwie wie bei dieser "Anger Management"-Tour mit Limp Bizkit, Eminem, XZibit und Papa Roach. Nur dass ich damals natürlich nicht dabei war - das hier ist der Ersatz dafür für mich. 





Trauerkundgebung für Alexej Navalny am 15.02.2026 in Düsseldorf

Ich war schon ziemlich lange bei keiner Kundgebung von "Freies Russland NRW" und dies schien mir die optimale Gelegenheit zu sein irgendwie mich auszudrücken. Dies ist ganz wichtig im heutigen politisch wahnsinnigen Zeitalter. Der 16.02.2024 ist der Tag gewesen an dem Navalny in Haft gestorben ist. Der Putin/Kremlkritiker wurde einst nach einem Giftanschlag und seiner Rückkehr von Berlin nach Moskau verhaftet und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Vor zwei Jahren hat man ihm im Gefängnis umgebracht, behauptete aber er starb aufgrund einer "Komplikation". Mittlerweile sind mehrere europäische Laboratorien einig, dass er mit Gift eines Pfeilgiftfrosches vergiftet wurde. Ich

muss sagen, dass ich kein großer Navalny-Fan war. Ich sah einige seiner Aussagen durchaus kritisch - mehr als kritisch. Ich würde behaupten, dass Navalny in seiner Vergangenheit nationalistisch agitiert hat und einige Dinge gesagt hat, die gar nicht klar gingen. Zum Beispiel über die Halbinsel Krim die nicht einfach so zurück gegeben werden darf, man müsse ein richtiges Referendum abhalten. Oder die Behauptung Georgier wären Nagetiere. Das sind alles Sachen, die gesagt wurden und gar nicht in Ordnung waren. Ich muss allerdings sagen, dass ich festgestellt habe dass er sich während seines Knastaufenthalts verändert hat. Er sagte, dass die Grenzen von 1991 wieder hergestellt werden müssen, also im Grunde dass die Ukraine die Krim wieder zurück bekommen soll (und andere besetzte Gebiete auch). Er verurteilte den Krieg auch eindeutig - sogar vor Gericht, auch wenn ihm das wahrscheinlich weitere Strafen eingebracht hat. Trotz meiner Kritik an ihm bin ich allerdings immer noch der Meinung dass kein "politischer Gegner" in ein Gefängnis gehört - bloß weil er einer anderen politischen Meinung ist. Wir haben uns also versammelt, nicht nur um ihn zu trauern sondern auch um uns als auch andere zu ermutigen, irgendwie weiter zu kämpfen. Auf die Straße zu gehen, Spenden zu sammeln - egal ob für (Rettungs)Drohnen, Hitzegeneratoren, medizinische Hilfe oder viele andere Sachen. Es ist, so klischeehaft das auch klingt, immer noch verdammt wichtig ein politisches Zeichen zu setzen, zu zeigen dass es Gleichgesinnte gibt. Übrigens: Falls ihr Lust habt die Spendenaktion "Energy For Life" zu unterstützen (wir sammeln Elektrogeneratoren für verschiedene Institutionen in der Ukraine) so klickt auf den PayPal-Link. Jede Spende, egal wie klein oder groß, ist willkommen.

Freitag, 19. September 2025

So isses, Musik!#198

REIN IN DIE SAMPLERHÖLLE:

9. Crust As Fuck

Kann sich irgendjemand von meinen Lesern an "Nix-Pop" erinnern? Es war eine Download-Plattform für allerlei alternative Musik. Man konnte wirklich tonnenweise (illegal) Alben runterladen. Die Community hat auch irgendwann angefangen eigene Sampler hochzuladen. Wie beispielsweise "Crust As Fuck". Es ist, wie unschwer zu erkennen, ein Sampler mit Crust Punk/Crustcore/Neocrust und D-Beat Bands. Unter anderem sind da "Arise" von Amebis zu hören als auch "Deutscher Mob" von His Iro Is Gone, "Ficken Oi!" von Dead Kaspar Hausers, "Police Bastard" von Doom und und und. Ein wirklich generischer, weil er alle Evergreens enthält, Sampler der jedoch wunderbar dazu geeignet ist neue Hörer an die Musik zu bringen.

10. Crust Poland

"Crust Poland" hingegen ist eine Sammlung von Songs von polnischer Crust Punk Bands. Neben Klassikern wie Homomilitia, Evil, Infekcja, Silna Wola und Filth of Mankind findet sich hier allerlei Zeug dass ich überhaupt gar nicht kenne. Größtenteils auch von ziemlich mieser Qualität - also eigentlich wie es sich gehört. Leider nicht meine can of mixery, das Ganze.


Erster Teil der Samplerreihe, erschienen auf Snake Records. Mit dabei solche Perlen wie "1990" von Die Fremden, "Verkohltes Land" von Die Kellergeister, "Pöbel und Gesocks" von Beck's Pistols oder "Geh'n wie ein Proll" von Die Lokalmatadore. Daneben aber auch Bands die mich tatsächlich niemals angefixt haben wie Vandals, Maniacs, Kapitulation B.o.N.n. oder Daily Terror. Ein gutes Zeitzeugnis deutschsprachiger Punkgeschichte. Tatsächlich jetzt. 

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Deftones Discography: Private Music (2025)

Also eigentlich heißt es ja "private music", in Kleinbuchstaben. Genauso wie alle anderen Songs hierauf, wie "milk of the madonna" oder "my mind is a mountain". Erstes Deftones-Release seit "Ohms", also seit fünf Jahren. Offiziell längster Abstand zwischen zwei Alben in der Discography der Band. 


Ich muss sagen, dass es ganz schön schwierig ist nach einer quasi zu Ende gebrachten Discography noch eins draufzusetzen. Es ist gar nicht mal so lange her, dass wir zu dritt "Ohms" reviewt haben und es hat Spaß gemacht. Genauso wie es Spaß gemacht hat, "private music" zu hören. Ich wundere mich immer noch über diesen Albumtitel, aber egal. Ich wiederhole mich, aber es ist immer noch schwer was konkretes dazu zu sagen. Es ist halt ein verdammt gutes Deftones-Album, dass genauso wie "Koi No Yokan" oder "Diamond Eyes" in der Lage ist Kontraste miteinander zu verbinden. Sprich Alternative Rock Riffs, Chino Morenos mal verzweifelter mal horny Gesang als auch shoegaze-y Elemente. Im Grunde genommen, schafft man es (mal wieder) alten Sound in modernen Gewand einzukleiden. Es heißt "wenn Deftones ein weißes Tier auf dem Albumcover haben, dann wird's richtig ernst". So hatten wir ein weißes Pony, eine Schneeeule und nun eine weiße Schlange. Und es wird ernst. Ich frage mich, wie zur Hölle man es schafft nach mehr als 30 Jahren immer noch so frisch zu klingen, so gar nicht müde. Ich halte eine der ersten Singles "milk of the madonna" für einen der stärksten Tracks. Vielleicht sogar weil er so groovy und quasi radio-tauglich ist. Fast so wie damals "Back to School", nur dass Deftones ihren Klassiker als Trotz-Reaktion veröffentlicht haben. Das hier scheint mir ein gewollter, radiotauglicher Song zu sein. Eine gewollte Single. Aber das klingt gut. Der einzige Schwachpunkt hierauf sind die Sprechgesang-Parts auf "metal dream". Diese erscheinen mir fast schon gewollt aber nicht ganz gekonnt, als wäre man aus der Form. Aber insgesagt: Holy fuck, was für ein gutes Album. Und ich freue mich enorm, Deftones im Februar endlich mal live zu sehen.

8,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: cut hands, milk of the madonna, my mind is a mountain

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt

Philipp:

"Ja, geil, eine Woche nach neuer Slime die neue Deftones-Platte. Ich habe ehrlich gesagt die Singles bisher nicht so wirklich verfolgt und lieber auf das komplette Album gewartet. Ja, ich bin diese Art Musikkonsument.
Schade fand ich, dass im Vorfeld der Albumaufnahme  (genau genommen im Jahr 2022) Sergio Vega die Band verlassen musste. Dieser hat wohl tatsächlich die Frechheit besessen, nach 13 Jahren seine Position und Bezahlung in der Band zu hinterfragen, wurde er doch Newsted-esk immer irgendwie als "der Neue" und als Session-Musiker behandelt, obwohl er an 4 Alben der Band maßgeblich beteiligt war. Naja, meine Vermutung ist, dass die Trauer über Chi Chengs Unfall und Ableben einigen der Protagonisten so tief in den Knochen saß, dass sie einfach nicht zulassen konnten, den Platz dauerhaft neu zu besetzen. Was Männer halt so machen statt zur Therapie zu gehen. Egal, der neue trägt den Namen Roberto Agustín Miguel Santiago Samuel Trujillo Veracruz. Nein Quatsch, kleiner Scherz am Rande, neuer Bassist ist Fred Sablan, welcher unter anderem als Tourbassist für Chelsea Wolfe und Marilyn Manson tätig war und dass der Typ ein Profi ist, merkt man dem Album echt an. Er fügt sich wirklich gut in die Einheit Carpenter/Cunningham ein, die Band klingt wahnsinnig tight.
Ich bin echt wahnsinnig beeindruckt, vor allem auch davon, wie gut sich Chungus Morongus' (der übrigens in den Videos gar nicht mehr so chunky aussieht) Stimme gehalten hat. Generell sind die Songs super dicht und atmosphärisch und auch die Produktion ist wieder einmal nahezu perfekt. Es klingt wieder einmal wie eine warme Decke, die einen einhüllt und trotzdem besitzt die Musik eine wahnsinnige Kraft und Energie, die zwei Deftones-Pole Shoegaze und Alternative Metal sind nahezu verschmolzen und ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album, es ist aggressiv, es ist horny, es ist melodisch, es ist wunderschön. Kleine Bemerkung am Rande: Selbst ein paar wirklich neue Facetten sind zu hören, so wie im Intro zu "Departing The Body" klang Chingo Madengo noch nie, ich musste tatsächlich googeln, wie der Gastsänger heißt, haha. 
Ich möchte mich gar nicht unnötig mit Details aufhalten, Deftones bleiben Deftones und haben die minimale kreative Flaute von "Ohms" hinter sich gelassen und klingen so innovativ und frisch wie eh und jeh.

9,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Ecdysis, Milk Of The Madonna, Departing The Body"



Raphael:

"Vier Jahre und elf Monate nach der Veröffentlichung von „Ohms“ erscheint das zehnte Studioalbum der Deftones. Die längste Pause zwischen zwei Full-Length Releases in der bald vierzigjährigen Bandgeschichte wurde somit beendet, und halle-flipping-lujah, was ist denn das für ein Geschoss von Album?!

Das Jahr 2025 war musikalisch äußerst vielseitig. Stellenweise dramatisch, und ist gesäumt von Highlights und Abgründen. Unter anderem haben Berlin 2.0, The Great Machine und Kombynat Robotron wirklich starke Platten veröffentlicht. Und nun reiht sich in der Liste der großen Banger auch noch „private music“ ein. Weitere Ereignisse des Jahres kurz zusammengefasst: der Hausrotschwanz ist der Vogel des Jahres, die Schafgarbe die Arzneipflanze des Jahres, und der Chashewbaum die Giftpflanze des Jahres (danke Philipp!). Außerdem ist Roger Waters immer noch nicht müde, der ganzen Welt zu zeigen, was für ein hirntoter Depp er ist.

Die Deftones verzichten auf ihrem neuen Album nahezu komplett auf Großbuchstaben. Lediglich im sechsten Track „cXz“ gibt es ein großes X. Des Weiteren haben sie ihre Besetzung um Fred Sablan erweitert, der zuvor schon ihr Tour-Bassist war. Sonst wird hier allerdings an gar nichts gespart, denn „private music“ ist genau das Deftones Album, das wir anno 2025 brauchen. Knapp eine Dreiviertelstunde lang geht es emotional, kraftvoll, emotional, und in jeder Hinsicht vielschichtig zur Sache. Um den Genrefetischismus zu bedienen, lassen sich Begriffe wie Alternative Metal, Shoegaze, Grunge, Ambient, und stellenweise auch Prog Metal verwenden.

Wenn wir aber von Kategorien absehen, dann entfaltet sich hier eine kunterbunte Welt, die in unzähligen Grautönen die gegenwärtige Realität widerspiegelt. Zwischen scharfkantigen Riffs und unheilvoller Atmosphäre sucht ein fragiles Individuum Ruhe und Geborgenheit. Alles ist privat und individualisiert, alle stehen nackt in der Masse und sind dennoch allein. Innerer Frieden oder Erholung scheinen unmöglich in dieser schnellen und lauten Welt, und so rutschen die schreienden Seelen auf der Suche nach Wärme durch das Raster.

Musikalisch wie auch inhaltlich haben sich die Deftones neu erfunden und ihre bisherigen Veröffentlichungen übertroffen. Auf dem Album „private music“ treffen die Extreme aufeinander, während ein kohärenter Strang mit gewaltiger Sogkraft kontinuierlich nach unten zieht, dabei aber stets den Blick in Richtung Licht offenlässt. Dies ist ein Meisterwerk.
10/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: locked club, milk of the madonna"




Incubus Discography:
Light Grenades (2006)

Sechstes Album von Incubus. Diesmal wesentlich weniger bombastisch und abgefahren als der Vorgänger "A Crow Left Of The Murder", aber auf seine eigene Art und Weise doch sehr speziell. Gitarrist Mike Einziger beschrieb es als ein Album mit 13 Songs, das klingt als wären sie von 13 verschiedenen Bands aufgenommen worden und dass sie es jedes Mal versuchen ein zusammenhängenden Sound zu produzieren und es nie so recht klappt. Tatsächlich hat er in beiden Punkten Recht, jedoch muss ich hinzufügen, dass es trotzdem einen roten Faden gibt und man klipp und klar erkennen kann dass es von Incubus stammt. 


"Light Grenades" vollzieht einen Spagat zwischen Pop Appeal marke später Red Hot Chili Peppers und Experimentierfreude von Patton'schen Bands wie Faith No More. Man hört also nach wie vor den Einfluss dieser Bands, egal ob Incubus Crossover/Rap Rock machen oder Alternative Rock. Meiner Meinung nach ein sehr gelungener Spagat. Verdammt gelungene Mischung aus innovativen Ideen, progressiven Melodien, klaren Gesang und innerer Ruhe. Böse Zungen würden behaupten, Incubus würden nur noch poppigen Alt-Rock zur Befriedigung der Massen machen. Ich sage, hier steckt noch mehr Innovation und schöpferische Kraft als auf den vorherigen Alben. Das ist tatsächlich das Album aus dieser Discography, dass mir am meisten Spaß macht. Es ist träumerisch schön, in den richtigen Momenten aufgeweckt und in anderen sehr seicht. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Oil and Water, Kiss to the send us off, Light Grenades



Kid Rock Discography: Cocky (2001)

Fünftes Album von Kid Rock. Diesmal merkt man ganz gut, dass der Mann mit Hut und Sonnenbrille zeitweise doch etwas träge geworden ist was das Rappen betrifft. Aber im Großen und Ganzen gelingt es ihm doch. Genauso wie weiterhin die Vermischung von Country, klassischen Hard Rock, Metal und Hip-Hop.

Insgesamt ist "Cocky" ein "Mixed Bag of Feelings". Richtige "große Eier"-Tracks wie "I'm Wrong But You Ain't Right" (absoluter Nu Metal Song) oder "Forever" (in welchem er mal wieder aufzählt was er für Musik macht: "I make Punk Rock, and I mix it with Hip-Hop [...]I'll forever be the Kid Rock") mischen sich mit sehr seichten Country-Balladen wie "Lonely Road of Faith", "Midnight Train To Memphis" oder dem Duett "Picture", welches mit der Country-Sängerin Sheryl Crow aufgenommen wurde. Die ruhigeren, melodischen Songs sind dabei tatsächlich der beste Teil des Albums. Man hört

eindeutig: Der Mann kann wirklich gut singen und möchte das allen zeigen. Daneben gibt es aber so Songzeilen wie "I'm a bad mamajama from Detroit City" und den fürchterlichen Song "WCSR" (das steht für World Class Sex Rhymes) bei welchem Snoop Dogg einen Gastpart hat. Darin geht es unter anderem darum, dass Kid Rock zusammen mit Präsident Bill Clinton Sex mit einer Flugbegleiterin im Flugzeug hat. Es ist Königsdisziplin des Kringels. Insgesamt muss ich sagen: KR schafft es weiterhin ein fiktives Image von sich aufrechtzuerhalten. Nämlich das des Redneck-Cowboy-Trailerpark-Pimp-Daddy mit einem Herz aus Gold der gerne Hip-Hop hört und Lynyrd Skynyrd zitiert. Es funktioniert. Das Album ist alles andere als schlecht. Ich erinnere mich, dass vor ca. 24 Jahren auf Kassette gehabt zu haben und es nicht so gut gefunden zu haben. Man kann sich auch irren.

7,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: You Never Met A Motherfucker Quite Like Me, Forever, Lonely Road Of Faith, Picture



Slayer Discography: Show No Mercy (1983)

Hurra, eine neue Discography!

Erstes Album der Thrash Metal Titanen Slayer, veröffentlicht im Dezember 1983. Das heißt, dass es dieses Jahr ganze 42 Jahre alt wird. "Show No Mercy" ist ein typisches Erstlingswerk einer jungen Thrash Band aus den 1980ern. Man hört ordentlich, dass sie noch grün hinter den Ohren sind. Die Qualität der Aufnahmen ist ziemlicher underground, gar nicht auf Hochglanz poliert oder so. Die Texte drehen sich um Satan, Tod und Schmerz (beliebige ähnliche Stichworte hinzufügen). Auf dem

Albumcover ist Satan zu sehen, auf der Rückseite der Platte steht "Side 666". Allerdings kann man oberflächlich betrachtet nur zwei Titel mit Satanismus in Verbindung bringen. "The Antichrist" und "Black Magic". Vor diesem Album haben Slayer ordentlich Material aus der "New Wave of British Heavy Metal" gecovert, unter anderem Iron Maiden. Ich höre hier auf jeden Fall Judas Priest Einfluss. Zumindest kann ich mir vorstellen, dass Sänger Tom Araya von Rob Halfords Falsetto abgekupfert hat. Es kann aber auch sein, dass ich mich irre und Halford damals diese Art von Stimme noch nicht angewendet hat. Und ich bin zu faul, das nachzurecherchieren. "Hit The Lights" von Metallica kam ein Jahr vorher raus und irgendwie erinnert mich vom Intro her, als auch diversen Textstellen der Opener "Evil Has No Boundaries" daran. Lyricstechnisch trieft "Show No Mercy" nur so vor Satan/Antichrist-Klischees. Aus heutiger Sicht vielleicht irgendwie generic, aus damaliger Sicht aber durchaus innovativ. Sympathisches Werk einer noch sehr jungen Band, die sich grade erst entdeckt, sozusagen.

7,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Evil Has No Boundaries, Fight Till Death, Crionics, Show No Mercy



Ulver Discography: Sunn O)))/Ulver - Terrestrials Split EP (2014)

Okay, das hier ist keine neue Discography. Aber irgendwie hatte ich mal wieder Lust ein paar Lücken zu schließen und etwas einzubringen, was kein Album ist. Bald wird hier aber auch das neueste Album von Ulver reviewt, keine Sorge. Für die Komplettisten unter euch. "Terrestrials" ist zwischen Ulvers "Messe I.X-VI.X" und "ATGCLVSSCAP" erschienen als auch zwischen Sunn O)))s "LA REH 012" und "Soused". 


Es ist, wie natürlich nicht schwer zu erkennen , eine Split EP zwischen den beiden Bands Ulver und Sunn O))). Allein aufgrund der nicht geringen Bedeutsamkeit der beiden für mich (wobei Ulver da deutlich schwerer wiegt) und der Einzigartigkeit des Sounds, wollte ich dieses Review machen. Wobei ich, ehrlich gesagt gestehen muss, dass es hier nicht so besonders viel zu besprechen gibt. Sunn O))) sind bekannt für ihren Doom/Drone Metal Sound und Ulver waren schon für ihre Abkehr von Black Metal und Hinwendung zu experimentellen Sounds/Ambient ebenfalls nicht unbekannt. Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich allerdings nicht wirklich um eine Split sondern um eine direkte Kollaboration. Sprich, es gibt hier keine 2 Tracks von jeder Band sondern ganze drei Songs die jeweils eine Zusammenarbeit darstellen. Auf "Let There Be Light", "Western Horn" und "Eternal Return". Meiner Meinung nach ergibt sich durch die Zusammenarbeit eine Art Zugänglichkeit. Wir hören, selbstverständlich, den typischen Sunn O))) Sound von dröhnenden, langsamen Gitarren - allerdings wieder dieser mit Trompeten und Synthesizern garniert sodass er wie eine Art Soundtrack zu einer fiktiven Auferstehung wirkt. Wirklich wunderschöne, magische Soundscapes. Mindestens genauso gut wird es, wenn im letzten Song "Eternal Return" Kristofer Rygg anfängt zu singen. Eine wirklich, außerordentlich schöne, produktive Zusammenarbeit zweier unterschiedlicher jedoch gleichwertig verdammt guter Bands. Ich bin froh, das nachgeholt zu haben.

Anspieltipps: Alles
9/10 Pfandflaschen


Samstag, 30. Dezember 2023

So isses, Musik!#180

Deftones Discography: Ohms (2020)

Das bis jetzt letzte Album von Deftones wurde im Pandemie-Jahr 2020 aufgenommen. Über mehrere Kanäle und aufgrund von gesundheitlichen Bedenken auf Distanz aufgenommen. Ich frage mich wie Gitarrist Stephen Carpenter, der ja der Meinung war dass die Erde flach ist, dazu stand. Also zu Pandemie und Impfungen und so weiter. But anyways...


Ich sage "das bis jetzt letzte" weil 2024 ein Nachfolger kommen wird. Bis jetzt ist es aber das letzte und wir beenden das Projekt "Deftones Discography" erstmal. Zum zwanzigjährigen Jubiläum des Überwerks "White Pony" besinnen sich die Kalifornier tatsächlich auf ihre Alternative Metal Wurzeln. Diesmal geschieht das Genremischen auf eine andere, umgekehrte Art. Anstelle schwere Klänge mit Dreampop/Shoegaze-Versatzstücken zu würzen lassen die Deftones einen mit dem Gefühl zurück, sie hätten Shoegaze mit Metal gemischt. Nicht andersrum. "Ohms" fühlt sich nicht unbedingt an wie ein Nostalgie-Trip und das obwohl ein Song wie "Headless" mich beinahe an das selbstbetitelte Album von 2003 erinnert. Ich habe den Eindruck, dass die Band lang genug experimentiert hat, sich weiter entwickelt hat und nun mit diesen neu angeschafften Erfahrungen ein Schritt zurück geht. Allerdings ohne an Qualität einzubüßen. 

Meiner Meinung nach war "Gore" kein schlechtes Album, aber ich glaube ich hatte es nicht ganz so lieb gewonnen wie dieses hier. Lag auch nicht an Dreampop oder Shoegaze oder sowas. Vielleicht ist der Sound einfach nicht 100%ig bei mir angekommen. "Ohms" schafft es allerdings absolut. Mir gefallen dieses Synthesizer-Intro bei "Genesis". Dieser unfassbar sanfte Beginn von "Pompeji", der ziemlich schnell in die Defones'sche Mischung aus Verträumtheit und Hornyness ausschweift. Und es endet mit einem wunderschönen Ambient-Outro. Herrlich. Ich mag mich vielleicht dabei etwas zu sehr aus dem Fenster lehnen, aber "Ohms" bietet bis dato fast schon den besten Spagat zwischen Dreampop, Shoegaze und Alternative Metal. Vielleicht lag es daran, dass die Musiker es auf Distanz aufgenommen haben und ihre physischen Freiräume hatten. Who knows. Ich bin gespannt aufs nächste.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Pompeji, Genesis, Ohms, Radiant City

Philipp:

Deftones 2020
"Kinder, wie die Zeit vergeht, wir sind tatsächlich schon beim bisher letzten und neusten Deftones-Album angekommen, schicke schwarz-weiße digitale Pixel-Optik und interessantes Artwork, herausgekommen im durchaus sehr schwierigen 2020. Im Gegensatz zu den 3 Vorgängern wird der eingeschlagene Weg jedoch nicht konsequent weiterverfolgt, sondern sowohl was die Produzentenwahl angeht (der alte Bekannte Terry Date), als auch rein musikalisch durchaus mit einem lachenden und einem weinenden Auge (Bezug zum Cover) auf die alten Tage geschielt. Sicherlich nicht ganz zufällig stand 2020 schließlich auch das 20. Jubiläum der unbestrittenen Klassikerscheibe "White Pony" ins Haus, was den Reiz eines kleinen Rückblicks sicherlich noch erhöht haben dürfte. Ohms ist um einiges härter, lärmiger und sperriger geraten als seine Vorgängeralben und weist sehr große Parallelen zum selbstbetitelten Album von 2003 auf, es wird wieder mehr gemeddld und gebrüllt. Dass Chino in seinem Alter (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war er bereits 47 Jahre alt) immer noch so großartig keifen kann, ist schon super beeindruckend. 
Die Melodik und Atmosphäre wird dabei trotzdem nicht außer Acht gelassen, Ohms ist wieder einmal schön düster und trotzdem warm und horny.
Da dies die letzte Deftones-Scheibe ist die wir reviewen werden, hier ein kleines Resümee:
Ich persönlich habe mich sehr mit dieser Band angefreundet, es ist einfach der Wahnsinn, wie schnell sie ihren eigenen Stil gefunden und diesen stetig weiterentwickelt haben, ich bin auf jeden Fall ein großer Fan geworden und bin sehr gespannt, wie es mit der Band weiter geht, Stephen Carpenter ist wohl ein bisschen durchgedreht, glaubt die Erde sei flach und weigert sich, die USA zu verlassen und Sergio Vega wurde herausgeworfen, nachdem er nach fast 13 Jahren in der Band den berechtigten Anspruch äußerte, endlich als festes Bandmitglied akzeptiert und bezahlt zu werden. Leute, ihr seid doch nicht Metallica, aber ja, was Männer alles lieber tun, als zur Therapie zu gehen, um mal mit dem Tod ihres alten Bassisten klarzukommen. The future is unwritten, es bleibt spannend. Das Dia de los Deftones-Festival 2023 muss jedenfalls stattgefunden haben. 
Ungeachtet dessen gebe ich diesem Album recht kritische

8,5/10 Pfandflaschen 

Anspieltipps: 

Pompeji, Urantia, Ohms"

Raphael:

"Bei den Deftones hat sich die Anzahl der Saiten mal wieder vermehrt. Erst beim vorigen Album „Gore“ ist Bassist Sergio Vega auf einen Sechssaiter umgestiegen, und auf dem vorliegenden neunten Album hat sich Stephen Carpenter eine neunsaitige Gitarre umgehängt. „Ohms“ ist bis jetzt das letzte Album der Band, und es ist wahrscheinlich das letzte Release mit Bassist Sergio Vega, welcher ein Jahr nach Veröffentlichung ausstieg. Die Deftones existieren noch, sie touren, sie veranstalten die Dia de los Deftones, und scheint in neuer Besetzung nicht ans Aufhören zu denken. Und erst kürzlich wurde bekannt gegeben, dass ein neues Album für 2024 geplant ist.

Bevor wir aber ins Jahr 2024 schauen, werfen wir den Blick noch einmal in die Vergangenheit. Im Jahr 2020 hat die COVID Pandemie auch die Häuser der Deftones Mitglieder erreicht, was die Fertigstellung von „Ohms“ beeinflusst hat. Doch im digitalen Zeitalter müssen Bandmitglieder nicht mehr alle im gleichen Raum sein, und so konnten Aufnahme, Mix und Master vollendet werden. Das Album erschien dann Ende September 2020. Es war das Jahr der Black Lives Matter-Proteste nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd, das Land der bisher größten Proteste gegen das Regime Lukashenko in Belarus, und das Jahr, in dem die FDP in Thüringen so nonchalant mit den Faschisten geflirtet hat, dass man kotzen möchte.

Und die Deftones? Die sind sich treu geblieben, indem sie sich immer wieder weiterentwickeln, verwandeln und neue Gestalten annehmen, ohne sich jemals von sich selbst zu entfremden. Auf „Ohms“ ist ein starker Einschlag von atmosphärischen Stilmitteln à la Post Rock, Dream Pop, Ambient zu spüren. Nichtsdestotrotz mangelt es nicht an scharfkantigen Riffs und der typischen melancholisch-emotionalen Horniness. Ein weiterer Aspekt, in welchem sich die Band auch dieses Mal treu geblieben ist, ist ihre omnipräsente Überdurchschnittlichkeit. Nach wie vor hat es kein schlechtes Deftones Album gegeben.

Jedes der zehn Stücke auf „Ohms“ ist von einer starken Vielfalt bestimmt, die sich aus atmosphärischen, emotionalen und giftigen Passagen zusammensetzt. Dennoch hat jeder Song seinen ganz eigenen Klang, und diese einzelnen Stücke fügen sich passgenau in das Gesamtthema des Albums ein.
8/10 Pfanflaschen
Anspieltipps: Urantia, The Link is dead"



Was läuft sonst?

Uratsakidogi haben einen Song draußen. Die russische Black-Hop-Gopnik-Combo bezieht sich in "Gaahl" irgendwie auf Gaahl, also den ehemaligen Sänger von Gorgoroth. Oder auch nicht. Es ist irgendwie sehr undurchsichtig. Ich checke das nicht ganz. Jedenfalls ist der Track leider nicht ganz so auf Höhe wie "Black Hop na Rajone" und wie die ganzen anderen Songs auch hießen. Aber spaßig ist das trotzdem. Die Kombination "Rap", "Gopnik Kultur" und "Black Metal" funktioniert immer noch. Hier geht es zum Song.

Keys To The Astral Gates And Mystic Doors sind eine äh Zwei-Mann-Black-Metal-Band die einen unheimlich langen Bandnamen hat, das gleichzeitig auch der Albumtitel ist. Die Typen sehen aus als wären sie in einen Farbeimer gefallen bzw. als wären sie zu lange im Pandagehege gewesen. Das Bandlogo ist komplett unleserlich und das Album hört sich an als wäre es in einem Mülleimer aufgenommen. Es ist großartig. Danke an Marlyn fürs Zeigen, genauso wie für den unteren Teil dieses Beitrags.

Ein YouTube-Account namens tvnalad produziert Beats auf Black Metal Basis. Mir sind auf jeden Fall zwei Videos aufgefallen. Als erstes die komplette Verwurstung bzw. Ver-Trap-ung von Burzums "Filosofem". Varg Vikernes wäre sicherlich erbost gewesen über die Verwestlichung seiner Musik. Daher ist dieser Remix mehr als unterstützenswert. Nicht weniger gut ist das Dungeon Rap/Funeral Synth/Black Metal Projekt "Isihizam" mit dem Album (oder viel eher Tape) "Patron Rekvijem". Faszinierend wie bedrückend und gleichzeitig smooth und groovy dieses Ding ist. Herrlich.

Mindestens genauso großartig, wenn auch anders ist die EP "Nebula" von Morkesis. Hierbei handelt es sich um einen pillen werfenden Stiefbruder von Dungeon Synth - Kellersynth. Es ist dunkel, "flippig" und gleichzeitig vollkommen abgedreht. Viel viel Synthesizer und Black Metal Ästhetik. Aber eher die von Zwergen im Wald die Crack Pfeifen rauchend um die Bäume schlängeln. Und etwas Blastbeats die definitiv auch mit Synthesizer aufgenommen wurde. Was zum eigentlichen fick ist das? Doch es geht noch viel viel abgedrehter. Der Song "Teknokesis" kommt nicht nur mit einer absoluten Verwurstung von Dungeon Synth zu einem Techno-Pillen/Koks-Alptraum der Gabba Gandalf sicher gefallen würde. Sondern auch mit entsprechenden Grafiken!!! JUNGE WAS IST DAS????

Einmal ins Rabbit Hole gestiegen, kommt man nicht mehr raus. Was zum fick ist denn bitte Hexenmeister mit "Tänzelsession um Mitternacht"? Einmal angeklickt und sofort verliebt. Das hört sich an wie eine Dungeon Synth Version von Gabber/Happy Hardcore. Stellt euch einen schwarz geschminkten Gabber Piet vor, der in einem schwarzen Umhang im Wald herumgroovt. Um Mitternacht, natürlich.

Und es geht natürlich noch weiter. Scheinbar ist "Kellersynth" nicht das einzige Untergenre von Dungeon Synth. Tänzelcore verbindet Techno und Dungeon Synth noch eindeutiger. Darum gibt es "Blutrausch" von Ruprecht 4500. Hier. Bitteschön. Ja, genau HIER.

Hole Dweller: Hobbit-themed Dungeon Synth. Am 26.12. auf einer Weihnachtsfeier das erste Mal gehört. Grandios. Empfehle das Album "flies the coop" auf Bandcamp. Und zu guter letzt Rhan Tegoth: Ctulhu-themed Ambient. Absolut fantastisch.

TOP TEN

Da ich sowas eher selten mache, weil ich Ende des Jahres eh immer die Alben des jeweiligen Jahres reviewe, lasse ich nun die beiden anderen Kollegen dran. Hier kommen die beiden Top Tens of 2023 von Philipp und Raphael:

Philipp:

Raphael:

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Philipp und Raphi bedanken. Dafür dass sie jetzt (fast) zwei Jahre lang diesen Discography-Zirkus mitgemacht haben. Ich bin sehr froh darüber, dass wir das gestartet haben. Vor allem weil ich dadurch mein Horizont erweitern konnte. Ich höre viel zu wenig neue Musik. Anyways, thank you.

Donnerstag, 14. Dezember 2023

So isses, Musik!#179

Deftones Discography: Gore (2016)

Ich habe dieses Album glaube ich insgesamt an die sechzehn Mal gehört. Oder so. Chino Moreno meinte damals, es wäre ein "sehr kopflastiges" Album, was ich tatsächlich bestätigen kann. "Gore" klingt insgesamt wesentlich ruhiger, nachdenklicher und entspannter. 

Meines Erachtens hört es sich an, als würde die Band jetzt noch bewusster von jeglichen Nu Metal/Alternative Metal Spuren zurücktreten. Außer einigen wenigen, ja klitzekleinen, Riffs hier und
da, hört man wirklich wenig davon. Wenn sie zu hören sind, dann auf eine langsame, eigenartige und bedrohende Weise. In Vordergrund geraten dann, wie so oft, Chinos verträumter Gesang und generell diese entsprechende Wall of Sound. Der einzige Song, der meiner Meinung nach ziemlich "metallisch" rüberkommt ist "Doomed User". Statt irgendwelchen Wutausbrüchen haben wir das exakte Gegenteil und das auf Albumlänge. Der ruhigste Song ist "Hearts/wires". Um mal einen unangemessenen Vergleich zu bringen: Für Deftones-Verhältnisse ist das hier eine Ballade. 

Mir gefällt es, wie sich dieses Album anfühlt. Insgesamt ergänzen sich die Atmosphäre der Musik, der Titel als auch das Albumcover. Diese Flamingos passen eigentlich gar nicht zum Titel, aber zum Sound. Es ist äußerst verwirrend, hat aber was von "diesem in jenem zu finden". Sprich das "Schöne" im "Bösen" oder andersherum. "Gore" ist kein fröhliches Album, gleichzeitig aber auch kein wütendes aber sehr horny-iges. Vielleicht ist es eine Art Ansammlung von Mood Swings. So könnte man das doch formulieren. Nicht ganz so mein Ding, wie "Koi No Yokan" oder die anderen Alben, aber auf keinen Fall schlecht.

7,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Xenon, Doomed User, Hearts/wires

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt

Philipp:

Deftones 2016
"Im Prinzip hat sich im direkten Vergleich zu "Koi No Yokan" sehr wenig verändert, die Band selbst sagte, sie wollten das Gegenteil des letzten Albums und alles anders machen, in der Tat ist es aber nur der nächste Schritt einer konsequenten Entwicklung, viel Melodie, viel Shoegaze, großartige Alt Metal-Riffs (obwohl Stephen Carpenter wohl den geringsten Anteil von allen an diesem Album hatte), düster-warme Deftones-typische Atmosphäre, schönes Cover (fliegende Flamingos sieht man eher selten, meistens stehen die ja nur doof in der Gegend rum) und mir wird nun die schwierige Aufgabe zuteil, das ganze irgendwie zu kritisieren und im künstlerischen Kontext der Band einzuordnen. Ich sehe die letzten 3 Alben irgendwie als Trilogie, seit Sergio Vega den Bass übernommen hat, wurde der Stil, den die
Band bereits seit White Pony gefunden hatte, weiter gefestigt und nicht ein einziges Mal auf die alten Nu Metal-Tage zurückgeschaut. Es ist schon beeindruckend, was diese Band seit allerspätestens dem zweiten Album für eine wahnsinnige Kontinuität an den Tag legt, selbst in den schwächsten Momenten sind sie absolut groß- und einzigartig, nie ein einziger schlechter Song (Pink Cellphone zählt hier etzala mal gar ned), geschweige denn ein schlechtes Album, ich bin absolut begeistert, daher hat Gore auch gar nichts anderes verdient als

9/10 Pfandflaschen 

Anspieltipps: Prayers/Triangles, Geometric Headdress, Hearts/Wires"


Raphael:

"Die Veröffentlichung der Nachfolgeplatte von „Koi No Yokan“ wurde immer wieder nach hinten geschoben. Aus einem ursprünglich für Ende 2014 angedachten Release wurde letzten Endes der 8. April. Schon im Januar wurde der Titel angekündigt und im Februar folgte die melodische Vorabsingle „Prayers / Triangles“. Zur zeitlichen Einordnung nenne ich schnell noch einige Dinge, die ebenfalls im Jahr 2016 passiert sind: in der Türkei scheitert ein Putschversuch, im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland geht das Referendum zugunsten des Austritts aus der EU aus, Donald John Trump wird zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, und der Hecht war Fisch des Jahres.

In diesem Jahr – dem Jahr der Hülsenfrüchte – erscheint also das achte Deftones Album mit dem Namen „Gore“. Das Album ist wieder bei Frank Sinatra’s Label Reprise Records erschienen und ist in den US Charts aus dem Stand auf Platz 2 geschossen. Seit dem selbstbetitelten Album hat sich außerdem kein Langspieler der Deftones mehr so lange in den Top 10 gehalten wie „Gore“. Das ausgiebige und zeitintensive Feintuning hat sich also ausgezahlt.

Heute – siebeneinhalb Jahre später – überzeugt „Gore“ noch immer. Das Album ist emotional, horny, rau, düster. Für den cleanen Gesang hat Moreno mal wieder Bestnoten verdient und die Screams schlagen immer genau im richtigen Moment zu. Auf heftig wogenden Spannungsbögen mischt sich dem Alternative Metal Sound wieder mehr (Post) Hardcore unter, und stellenweise ergibt sich durch repetitive Muster eine gewisse Psychedelik.

Einen dominanten Part im neuen Sound nimmt dieses Mal der Bass ein, was wohl vor allem an Sergio Vegas neuem sechssaitigen Tieftöner liegt. Aber auch die Gitarren, Synths und Samples sowie das Schlagzeug sorgen für ein äußerst vielfältiges und gewaltiges Klangspektrum. Die Deftones klingen auf „Gore“ wieder etwas wütender, definitiv rauer, und vernachlässigen dabei keineswegs ihre melancholisch-emotionale Linie.
8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Geometric Hairdress, Heart / Wires, Xenon"



Donnerstag, 30. November 2023

So isses, Musik!#178

Deftones Discography: Koi No Yokan (2012)

Ich kann mich ziemlich gut daran erinnern, wie dieses Album 2012 rausgekommen ist...und absolut an mir vorbei, weil ich damals komplett andere Musik gehört habe. Trotzdem habe ich paar Jahre später seinen Vorgänger "Diamond Eyes" reviewt. Aber das hier nicht. Obwohl ich das durchaus hätte tun können. Hätte nämlich wie die Faust aufs Auge dazu gepasst. Es ist nämlich wunderwunderschön.

"Koi No Yokan" soll sowas bedeuten wie "Vorahnung von Liebe" bedeuten. Philipp hat aber eine weitere Übersetzung, die er weiter unten in seinem Review einbringen wird. Jedenfalls ist es eines dieser Alben, die den Hörer bei den ersten Klängen ziemlich gut packen, überraschen und dann eine ganze Albumlänge lang nicht loslassen.


Ich bin mir ziemlich sicher, dass gleich zu Beginn auf dem Song "Swerve City" Chino Moreno einen Gesang einsetzt, der vorher nicht wirklich zu hören war. Klar, der Mann hat immer gekeift, geflüstert, gerappt, geschrien aber auch wunderschön und melodisch gesungen. Hier gibt es wirklich die schönsten "Ooooooh"s zu hören. Und nicht nur hier, sondern auch auf dem darauffolgendem "Romantic Dreams". Eines DER Songs, die hier absolut herausstechen ist "Entombed". Und zwar so, dass ich beim Immerwiederhören des Albums wiederholt den Song gemerkt habe und nachgeguckt habe, wie der heißt. Es war jedes Mal "Entombed", das mich gepackt hat. Mir gefällt es, wie Deftones hier (und nicht nur hier) einen dieses warme, weiche Gefühl geben. Als wäre man in eine Decke eingehüllt. Dann kommen im Hintergrund diese triphoppigen Beats, die ganz leise zu hören sind. Trotz dieses warmen, weichen Gefühls gibt es klitzekleine Ausreißer in die alten Zeiten. "Gauze" beispielsweise bietet einige Alternative Metal Elemente. Generell lässt sich sagen, dass "Koi No Yokan" die perfekte Symbiose aus wenigeren Alternative Metal Elementen (die einen nach vorn und zurück wippen lassen) und einer absolut einlullenden, dreamigen, spacigen Soundwand ist. Wirklich fantastisches Album. Und um das ganze in sehr cringy boomersprache auszudrücken, so als würde ein älterer Typ versuchen einen auf jung zu machen: "Heidewitzka, oida, richtig nice, yo!"

Anspieltipps: Goon Squad, Entombed, Swerve City
8,5/10 Pfandflaschen

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt

Philipp:

"Koi No Yokan, frei übersetzt: Der Karpfen macht keine Witze. Zunächst die harten Fakten: Siebtes Deftones-, zweites mit Sergio Vega am Bass, zweites von Nick Raskulinez produziertes Album. 2012 - beschissenstes Jahr meines bisherigen Lebens, dieses Album hätte ich damals gut gebrauchen können, stattdessen Black Metal für mich entdeckt, auch gut. 
Deftones 2012
Verändert hat sich im direkten Vergleich zu "Diamond Eyes" nicht besonders viel, außer dass hier wesentlich mehr Wert auf Atmosphäre und weniger auf Härte gelegt wird, dadurch klingt es nicht so zwingend wie "Diamond Eyes", vielleicht finde ich es deswegen sehr diffus nicht ganz so gut, wenn auch trotzdem echt großartig. Chino hält nach wie vor sein verdammt hohes Niveau zwischen Schreien, Singen, Säuseln und gelegentlichen "Woooo"-Rufen, Abe Cunningham festigt seinen Ruf als verdammt unterschätzter Schlagzeuger, Stephen Carpenter spielt tonnenschwere zähe Riffs, die gut als Kontrapunkt der poppigen Melodien und großen Refrains funktionieren und Sergio Vega fügt sich einfach wirklich gut in die Band ein. Die Songs scheinen alle sehr aus einem Guss, die Pole Meddl, Dreampop, Hardcore und Trip Hop bleiben verschmolzen, die Atmosphäre ist düster aber nicht tiefschwarz, eher sehr dunkel, aber auf eine unglaublich warme Art und Weise.
Hervorzuheben sind das sehr groovige, fast bluesige "Romantic Dreams", der Wutausbruch "Leathers", der wunderschöne Trip Hop-Dreampop-Metal-Song "Entombed" (trotz des Titels kein Death 'n' Roll), sowie die offensichtlichen Single-Kandidaten Tempest und Rosemary, das als wunderschöner Shoegaze-Metal-Song beginnt und mit einem finsteren Gitarrengroove und einem erneuten Dreampop-Outro endet.

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Leathers, Rosemary, Entombed"

Raphael:

"Der zeitliche Abstand zwischen „Diamond Eyes“ und „Koi No Yokan“ ist der Zweitkürzeste in der Deftones Bandgeschichte – lediglich zwischen den ersten beiden Alben lag noch weniger Wartezeit. Und mit diesem nutzlosen Fakt widmen wir uns nun dem siebten Album der Deftones. „Koi No Yokan“ war die zweite Full-Length Veröffentlichung der Band bei Reprise Records. Erschienen ist das Album in der 46. Kalenderwoche des Jahres 2012. Etwa zur gleichen Zeit fand die Operation Wolkensäule statt, bei welcher die israelische Armee nach starkem Raketenbeschuss der Hamas auf die Zivilbevölkerung Israels Terrorstrukturen in Gaza zerstörte. Außerdem war das Jahr 2012 unter anderem vom arabischen Frühling und der Eurokrise geprägt. Die Auszeichnung „Lurch des Jahres“ erhielt 2012 die Erdkröte.

„Koi No Yokan“ ist ein sehr bewegungsreiches Album. Auch wenn es mit „Swerve City“ nahezu sanft losgeht, ist es vor allem die Dynamik, welche hier die erste Geige spielt. Ein schönes Beispiel hierfür ist das Stück „Poltergeist“, welches sich von scharfkantigen Strophen über massive Bridges zu horny Refrains abspielt. Begriffe wie Alternative Metal, Post Hardcore, Shoegaze decken die oberflächliche Betrachtung ab.

Die Stimmung ist finster, die Instrumentalsektion animiert Körper und Geist zum Weitermachen, und über allem thront der Gesang, der sich wie ein weicher Schal um den Nacken der Hörenden legt und aufmunternd stützt. Auf „Koi No Yokan“ werden (mal wieder) melancholische und ermutigende Themen miteinander in Einklang gebracht. Das Album ist schwer, hart, experimentell, und trotz alledem empathisch und warm. Von der Ballade „Entombed“ bis zu den schroffen Klängen in „Gauze“ haben die Deftones erneut eine äußerst vielseitige Klangwelt zusammengestellt. Und das Schöne daran ist, wie es alles zusammenpasst. Trotz experimenteller Anleihen geht „Koi No Yokan“ gut ins Ohr, weder die melodischen noch die dissonanten Töne fallen im Gesamtbild störend auf: ein weiteres Highlight!


9/10 Pfandflaschen

Anspieltippps: Romantic Dreams, Graphic Nature, Tempest"



Mittwoch, 15. November 2023

So isses, Musik!#177

Deftones Discography: Diamond Eyes (2010)

Ich habe vor Äonen dieses Album zum "Album der Woche" gekürt. Daher kommt an dieser Stelle kein neues Review von mir. Hier könnt ihr dieses nachlesen. Aber weil bekanntlich drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Diamond Eyes ist das sechste Deftones-Album und das erste Album nach Chis Unfall, ersetzt wurde dieser durch den Quicksand-Bassisten Sergio Vega. Der Nachfolger zu Saturday Night Wrist namens "Eros" war schon fast fertiggestellt, wurde nach Chis Unfall aber verworfen.
Chino hatte trotz oder gerade wegen der Situation die Schnauze voll von negativen Texten und Emotionen, wollte stattdessen ein positives Album schreiben, musikalisch können Deftones aber natürlich nicht aus ihrer Haut, dadurch ist das Album musikalisch trotzdem ziemlich düster, inhaltlich aber deutlich positiver.

Ich kann nicht besonders viel über Sergios tatsächlichen Einfluss sagen, finde aber, dass dieses Album wesentlich mehr nach Post-Hardcore klingt als noch der Vorgänger. Musikalisch schreitet die Verschmelzung der Deftones-Pole weiter voran, es gibt quasi keine Stilwechsel innerhalb des Albums mehr, es taucht in heftig metallischen Songs hin und wieder ein waberndes Dreampop-Keyboard auf, oder ein wunderschöner atmosphärischer Refrain in einem Hardcore-Song oder eben eine heftig bratende Gitarre in einem Shoegaze-Song aber es ist nie NUR das eine oder das andere. Trotz des einheitlichen Stils ist das Album aber keineswegs langweilig sondern sowohl deutlich mehr aus einem Guss als auch abwechslungsreicher als noch "Saturday Night Wrist". Es fällt fast schwer, irgendeinen Song besonders hervorzuheben, zu erwähnen ist aber unter anderem "You've Seen The Butcher", das mit einem Palm-Mute-Stakkato-Riff beginnt, dass an die ersten Takte von "Bored" auf Adrenaline erinnert, schließlich aber in einem bluesigen Riff und Refrain kulminiert, der angenehm nach Soundgarden klingt.
Beauty School beginnt wie ein Tool-Song und gipfelt in sphärischem Dreampop-Metal und Sextape ist einer der besten Deftones-Shoegaze-Songs überhaupt.
Generell ist dieses Album einfach wirklich großartig und reicht in seinen besten Momenten definitiv an Around The Fur und White Pony heran.
Und ich muss definitiv - nachdem ich mich mit Kommentaren bisher zurückgehalten habe - das Cover hervorheben, was für ein wunderschönes Artwork auch.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: You've Seen The Butcher, Beauty School, Sextape"

Raphael:

"An dieser Stelle unserer Serie hätte die Besprechung des Albums „Eros“ stehen können. Doch nachdem Bassist Chi Cheng nach einem Motorradunfall im Koma lag, wurden die Aufnahmen für das sechste Album für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Inzwischen ist Chi Cheng bereits seit zehn Jahren verstorben, und über eine mögliche Veröffentlichung des Materials zu „Eros“ wird noch immer spekuliert. Im Jahr 2009 begannen dann die neuen Studiosessions mit Bassist Sergio Vega zu vorliegendem Album „Diamond Eyes“.

Erschienen ist das kürzeste Album der Deftones im Jahr 2010. Der Gemeine Efeu wurde zur Arzneipflanze des Jahres gewählt, Israel trat der OECD bei, und in Duisburg ereignete sich ein verheerendes Massengedränge im Rahmen der Love Parade.

„Diamond Eyes“ steht im Zeichen des Schocks über Chengs Unfall, auch wenn die Band absichtlich das Material für „Eros“ in die Schublade packte. Nun könnte man hier natürlich eine Klangwelt erwarten, die selbst für Deftones-Verhältnisse finster, melancholisch und geradezu schwermütig ist. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Sänger Moreno hat später berichtet, dass die Ungewissheit über die Zukunft des im Koma liegenden Mitgliedes den Zusammenhalt innerhalb der Band massiv gestärkt hat – und das hört man! Freilich haben die Deftones nicht plötzlich angefangen, Feelgood Indie Rock zu spielen, und blieben sich stilistisch im Sinner der vorigen Veröffentlichungen treu. Das soll heißen, vorrangig kann man sich an Schubladen wie Alternative Metal, Shoegaze und diversen Post Genres sowie dem unverkennbaren Deftones-Sound orientieren. Nichtsdestotrotz wird ein äußerst positives

Deftones 2010

Gesamtbild nach vorne getragen. Melancholie trifft auf Empowerment – mitten im Leben ist der Tod am nächsten, und vor allem durch Schmerz und Angst wird oft sichtbar, wie lebenswert das Leben ist.

„Diamond Eyes“ ist gefühlvoll, antreibend, motivierend, und selbstverständlich immer noch horny as a hornet. Die Deftones laden zum bedächtigen und reflektierten Headbanging ein, und bei jeder Bewegung darf ein negativer Gedanke fortgeschleudert werden. Im Vergleich zu den vorigen Alben – insbesondere der Post-Nu Metal Phase – fällt „Diamond Eyes“ nicht ganz so auf. Das Album ist dennoch solide und überzeugt durch seine einfühlsame Art.
7,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Diamond Eyes, 976-EVIL"




Ulver Discography: Riverhead (2016)

Ein weiteres Soundtrack-Album von Ulver. Diesmal für den Film "Riverhead" des Regisseurs Justin Oakley, der selbst großer Ulver-Fan ist. Im Vorfeld befand er sich mit Ulver-Mitglied Kristofer Rygg im Austausch, was die erforderliche Klangkulisse betrifft. So entstand dieses Album größtenteils bevor der Film überhaupt fertig gestellt wurde. Ich weiß übrigens nicht, was das genau für ein Film ist. Deswegen deute ich hiermit an, dass irgendwann in naher Zukunft alle Filme reviewt werden, zu welchen Ulver die Soundtracks beigesteuert haben. Ja. Das wird so.

"Riverhead" ist ein typisches Ambient-Album von Ulver, das jedoch nicht dauerhaft an einer Stelle stehen bleibt sondern tatsächlich recht dynamisch ist. Wenn man mit Ambient-Maßstäben misst, natürlich. Es ist nämlich hier und da trotzdem eine Art Rhythmus zu hören. Man arbeitet mit
Instrumenten wie Hardangerfiedel, Violine, Bratsche oder Fidla. Insgesamt ergibt sich ein recht merkwürdiges Gefühl. Das Album hört sich an, als wäre es der Soundtrack zu einem Film wie "Midsommar". Man hat einerseits diese Folk-Elemente die auf irgendeine nordische Folklore hinweisen und andererseits diesen bedrohlichen Ambient-Sound wie in "A Waste Of Your Father's Life". So könnte man auf die Idee kommen, es gehe hier um einen Ritualmord in einem kleinen norwegischen Dorf. Irgendein Kripobeamter namens Sven Rasmusson untersucht das Ganze und wird selbst zur Zielscheibe. Heute in Tatort: Bergen um 20:15 im ZDF. 

Ich finds schön, wie zweigeteilt dieses Album ist. Es hört sich an wie etwas echt furchtbar schönes und gleichzeitig so furchtbar bedrohliches. Unter den Ambient-Alben dieser Welt sicherlich kein besonderes Merkmal. In meinen Augen allerdings schon.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: A Waste Of Your Father's Life, Spiteful Things, Riverhead



Samstag, 28. Oktober 2023

So isses, Musik!#176

Deftones Discography: Saturday Night Wrist (2006)

Holy shit, here we go again! Das fünfte Album von Deftones. Das erste nach "Deftones" und für mich, ohne scheiß das letzte woran ich mich erinnern kann wenn ich an Deftones in denn 00ern denke. 
Real Talk jetzt. Ich habe die Band seit "Deftones" nicht wirklich verfolgt. Den Nachfolger kenn ich. Nevermind. Über dieses "Samstag Nacht Handgelenk" habe ich tatsächlich schlimmes gehört.
"Yikes", das dachte ich mir.

Jedenfalls ist das Album niemals so schlecht, wie einige behaupten, inklusive der Band selber. Meiner Meinung nach wirkt es trotzdem ziemlich aus einem Guss. Auch wenn man sagt es wäre "gefrankensteinert", sprich aus verschiedenen Ideen einfach irgendwie zusammengekleistert. Man vereint hier unterschiedliche Aspekte. Die Songtexte sind fürs erste ziemlich kryptisch, drehen sich aber um Drogenkonsum, Depressionen und Kommunikationsprobleme. De facto war die Band insgesamt gar nicht mal so gut drauf und Chino Moreno, der viel Drogen und Alkohol konsumiert hat, war sich nicht sicher ob er nach den Aufnahmen wieder zurückkehren wird. Ich finde, man hört dass seine Stimme sich noch ein Ticken mehr leidend anhört. Musikalisch eine Mischung aus Alternative Metal und ruhigeren, shoegazy Tönen. Definitiv kein Nu Metal mehr, obwohl sich trotzdem Elemente davon wieder finden. Beispielsweise im Song "Rats! Rats! Rats!", der aber auch definitiv irgendwie
(Post-)Hardcore (Punk) ist. Andererseits gibt es da so einen Song wie "Mein", mit Serj Tankian (System of a Down) als Gastpart, der es schafft gleichzeitig so müde und verschlafen und energiegeladen zu klingen. Der schlimmste Song hierauf ist "Pink Cellphone", eine Art Abgesang an die Suchtzustände. Begleitet wird er von einem Spoken Word Part von Annie Hardy (Giant Drag), der von Vorhäuten und darin enthaltenden Bakterien handelt. Es ist das dümmste was die Deftones je gemacht haben und macht den Hörfluss kaputt. Der Song beginnt direkt nach "Rats! Rats! Rats!" und erweckt das Gefühl, dass das Album hier zu Ende wäre. Weil man danach eigentlich nicht weiter hören will. Aber egal, man kann das ja auch skippen. Ich mag "U, U, D, D, L, L, R, A, B, Select, Start", welcher nach einem Cheatcode (den sogenannten Konami-Code) benannt ist und vollkommen ohne Gesang auskommt. Fast schon progressiv, einlullend und einfach schön. Mir gefällt es, wie dieses Auf und Ab von Schnell und wütend (Vin Diesel lässt grüßen) und langsam und friedlich von stattfindet. Meines Erachtens ein sehr starkes Album, welches in echt schlechten Zeiten entstanden ist. 

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: U, U, D, D, L, L, R, A, B, Select, Start, Rats! Rats! Rats!, Hole In The Earth, Mein

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...


Philipp:

"Das fünfte Album Saturday Night Wrist war für die Band selbst ein schwieriges Album, Chino hatte mit Alkohol, Drogen und dem zerbrechen seiner Ehe zu kämpfen, es war das letzte Album mit Bassist Chi 
Cheng, der 2013 in Folge eines schweren Autounfalls, durch den er seit 2008 im Koma lag, verstarb. Somit ist es das letzte Deftones-Album in der klassischen Besetzung. Es ist das erste Album, das nicht von Terry Date produziert wurde, welcher mit der Arbeitsweise der Band während ihres selbstbetitelten Albums wohl ziemlich unzufrieden war. Stattdessen entschied man sich nach längeren Sondierungsgesprächen für den Kanadier Bob Ezrin (Pink Floyd, Kiss u.a.). Die Band selbst bezeichnet das Album als zusammengeflickt und unfokussiert und war mit der Ausrichtung selbst wohl nicht so ganz zufrieden.
Deftones 2006


Interessant ist, dass die beiden Extreme (Nu Metal/Alt-Metal und Shoegaze/Dreampop) des Deftones-Sounds auf diesem Album stärker denn je zusammen wachsen und es kaum noch stilistische Unterschiede zwischen den Songs gibt.

Der offensichtliche Single-Kandidat dieses Albums ist "Cherry Waves", ein wunderbar eingängiger und verträumter Song mit genialem Intro, toller Bassline und großem Refrain. Für "Mein" hat man sich System Of A Down-Frontmann Serj Tankian ins Boot geholt, es ist in diesem Fall aber leider nicht so ein wunderbares Duett wie "Passenger" auf White Pony geworden, Serj singt lediglich die 2-3 Zeilen einer etwas verschrobenen Bridge und war am Songwriting beteiligt, entstanden ist dennoch ein melodisch recht ungewöhnlicher und interessanter Song.
Unverständlich ist für mich persönlich "Pink Cellphone", dieser Song wirkt zu 100% wie Füllmaterial, ich habe in einem Interview gelesen, dass der Song mehr oder weniger das Resultat von Rumgealber war und die Band das Album ohnehin für derartig zusammengestückelt hielt, dass sie es einfach mit drauf gelassen haben. 
Trotz der Stringenz der Songs und des sonstigen musikalischen roten Fadens (einzige weitere Ausnahme ist das Cars-Cover "Drive") hat das Album leider einige Längen und klingt leider doch etwas unfokussiert und abgenutzt, daher gebe ich gut gemeinte

7/10 Pfandflaschen

Anspieltipps:

Cherry Waves, Mein, Xerces"

Raphael:

"Nicht lange nach dem Erscheinen des selbstbetitelten Albums haben sich die Deftones in Malibu verschanzt, wo sie einen großen Teil des Sommers 2004 verbrachten. Es gibt wahrlich schlechtere Arten, sich die Zeit zu vertreiben – zumindest oberflächlich betrachtet. Natürlich hatte die Band andere Dinge zu tun als sich am kalifornischen Strand die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Hier wurde mit Hochdruck am neuen Material gearbeitet, welches die nächsten Entwicklungsschritte der Deftones belegen sollte. Technisch anspruchsvoller und finsterer denn je zuvor nannten die Bandmitglieder die neuen Lieder, mit deren Aufnahme noch Ende 2004 begonnen wurde. Allerdings sorgten ein paar Unterbrechungen für Aufschub der Fertigstellung. Tourneen, Nebenprojekte, eine gescheiterte Ehe, Drogen- und Alkoholprobleme nahmen einen weiten Teil des Deftones-Jahres 2005 in Anspruch.

Doch im Jahr 2006 war es so weit, dass Album Nummer fünf, „Saturday Night Wrist“ erschien. Es war das Jahr, in dem Zinedine Zidane mittels Kopfstoßes gegen Marco Materazzi endgültig weltweit berühmt wurde. Außerdem wurde das deutsche Sattelschwein zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres gewählt, und die Bevölkerung von Montenegro entschied sich mit knapper Mehrheit für die Unabhängigkeit von Belgrad. In jenem Jahr erschien also das erste Deftones Album, das von Robert Alan Ezrin produziert wurde, und das letzte Album mit Bassist Chi Cheng.

Der Entwicklungsschritt der Band lässt sich vor allem anhand von zwei Aspekten zeigen. Zunächst ist da ein radikaler Rückgang der Electronica-Elemente zugunsten einer deutlichen Orientierung in Richtung Alternative Metal mit Horny Shoegaze Einfluss. Deutlich auffälliger ist jedoch, wie stark konzentriert das fünfte Album ist. Bei der Besprechung der selbstbetitelten Platte ging es darum, wie die Deftones zwischen Extremen hin- und hergependelt sind, und mit atemberaubender Dynamik von schwindelerregenden in infernale Tiefen abstürzten, um sich im nächsten Moment wieder wie ein Yo-Yo nach oben zu katapultieren. Auf „Saturday Night Wrist“ wiederum wirkt das ganze deutlich glatter, ohne jedoch das Spektrum dabei zu verkleinern. Die Deftones reißen also nicht mehr abwechselnd in unterschiedliche Extrempunkte aus, sondern haben sich insgesamt stärker aufgestellt und sind überall gleichzeitig.

Technisch anspruchsvoll, reflektiert, emotional, aber alles andere als schwach präsentieren sich die Deftones auf „Saturday Night Wrist“ konstant souverän. Von Mathcore bis Post Rock liefern sie ein vielseitiges Programm ab, das in sich schlüssig und kohärent ist.
8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Rapture, U,U,D,D,L,R,L,R,A,B,Select,Start, Rats!Rats!Rats!"




Sonntag, 15. Oktober 2023

So isses, Musik!#175

Ja, moin. Diese Ausgabe ist leider ziemlich kurz gehalten. Ich bin mir nicht sicher ob ich die nächste für Oktober als auch die beiden für November und die beiden für Dezember wieder wortreicher gestalten kann. Es stehen große Veränderungen bevor und ich werde künftig wahrscheinlich auch noch weniger Zeit für den Blog haben. Anyways, hier kommt ze Discography:

Deftones Discography: Deftones (2003)

Und bei diesem Mal verhält es sich ähnlich wie bei den letzten drei Malen. Ich war schon dran, daher sind jetzt Philipp und Raphael dran. Dafür bin ich beim nächsten Mal wieder dabei. Yippie. Und wie schon so oft gesagt, weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Deftones ist allein schon deswegen ein interessantes Album, weil es der Nachfolger von White Pony ist, das Album, das Deftones endgültig definiert und auf die Karte gesetzt hat. Deftones spielen - und dafür schätze ich die Band bereits jetzt sehr - keine Sekunde auf Sicherheit sondern führen die Entwicklung der ersten 3 Alben fort. Wenig Nu Metal, dafür unfassbar dichte Atmosphäre, sperrige Songs, aber auch wirklich große Hymnen. Das Album beginnt mit 2 sperrigen Hardcore-Songs mit
Shoegaze-Einfluss, generell ist es wirklich heavy, vor allem durch Stephen Carpenters (vermutlich neu erworbene) 7-Saiten-Gitarre, welche manche Riffs schon fast nach Djent klingen lässt. Darauf folgt der offensichtliche Single-Kandidat "Minerva", ein großartiger, dreampoppiger Alt-Metal-Klassiker.
Was ich bei diesem Album unfassbar spannend finde, ist, dass die Band sehr selten zwischen verschiedenen Stilen oszilliert, sondern sehr viele Einflüsse sehr gut unter einen Hut gebracht werden, Beispiel dafür ist der unfassbar melodische Brecher "Battle-Axe". "Ausreißer" wie der Trip-Hop-Song "Lucky You" und das positiv an die späteren The Cure erinnernde "Anniversary Of An Uninteresting Event" sind dann aber doch vorhanden, machen es aber auch nicht weniger spannend. Die reinen Brüll-Hardcore-Songs trüben dann eher meinen Eindruck, da ich die dann doch sehr austauschbar finde, es reicht aber ungeachtet dessen für sehr solide

8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps:

Battle-Axe, Anniversary Of An Uninteresting Event, Minerva"

Raphael:

"Drei Jahre nachdem sie sich mit dem Album „White Pony“ offenkundig vom Nu Metal abgekehrt haben, entfernen sich die Deftones auf dem folgenden Album mittels eines gewaltigen Stoßes noch weiter von diesem Genre. Es ist das selbstbetitelte vierte Album, welches ursprünglich „Lovers“ heißen sollte. Wir sind im Jahr 2003 angekommen. Es ist das Jahr des dritten Golfkrieges, der SARS-Pandemie, und der Gefangennahme des PFLP-Terroristen Abu Abbas.

Bei den Deftones wurden die Gitarren inzwischen auf G# runtergestimmt, um dem Klangbild noch mehr Gewicht zu verpassen. Das Spektrum ihrer Musik hat die Band mit ihrem vierten Album nochmal in mehrere Richtungen erweitert. Die Shoegaze-Elemente sind deutlich stärker in den Vordergrund geraten. Gleichzeitig aber versorgen die Deftones ihre Hörer*innen mit massiven Riffs, die beim

Deftones 2003

Ausholen die Melancholie des Alternative Metals mitnehmen und mit voller Wucht bis in die Gefilde des Sludge herunterprügeln. Und damit nicht genug, denn in eisigen Hochtönen bestimmen atmosphärische Post Rock Themen das musikalische Geschehen, und seit Frank Delgados Umzug vom DJ-Pult an den Synthesizer sind auch die Einflüsse von Glitch und Trip Hop intensiver geworden. Letzteres ist vor allem im Song „Lucky You“ prägend.

Die Deftones sind also bei ihren bis dato härtesten Songs, sowie ihrem vielseitigsten Album angelangt. Und trotz aller neu gewonnener Vielfalt weiß das selbstbetitelte Album nicht ganz so sehr zu überzeugen wie sein Vorgänger. Alles in allem ist der Auftritt souverän. Dennoch wirkt das Album oft zu schwerfällig in der einen Dimension und zu vielschichtig in der anderen. Leicht überladen liefert die Band nichtsdestotrotz eine solide Leistung ab.
7/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: When Girls Telephone Boys, Minerva, Moana"

Ulver Discography:
Svidd Neger (2003)

Wow. Dieser Soundtrack wurde letzten Monat tatsächlich ganze zwanzig Jahre alt. What a coincidence. Anyways, worum geht es uns hier?

"Svidd Neger" oder "Scorched Negro" ist ein norwegischer Film des Regisseurs Erik Smith Meyer. Ulver lieferten dafür den kompletten Soundtrack. Soweit ich weiß, bewegt sich der Film irgendwo zwischen Drama, Comedy und irgendwie auch Thriller (?). Da ich ihn aber nie gesehen habe, kann ich nichts dazu sagen. Jedenfalls kann ich mir in meinem Kopf schon irgendwelche Bilder ausmalen, alleine weil ich den Soundtrack gehört habe. Es hört sich nämlich an nach absoluter Tristesse. Die Songs sind mal ganz Ulver-typisch, mal ganz Ulver-untypisch entweder 6 Minuten lang oder 2 Minuten kurz. 


Zu hören sind nicht ganz so horror-mäßige, introvertierte, träumerische Soundscapes. Wir hören viel Piano, manchmal Saxophon aber auf jeden Fall gar keinen Gesang. Stilistisch irgendwie zwischen Ambient Music und Trip Hop anzusiedeln. Bis dann so n Gassenhauer wie "Rock Massif" kommt, der einfach nach klassischer Musik mit modernen Touch klingt. Plötzlich hört man hier scheinbar ein ganzes Orchester (?) oder zumindest etwas was so tut als ob. 

Wieder mal ein sehr angenehm zu hörendes, ambientisches, elektronisches Gigachad-Album. 

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Rock Massif Pt. I, Rock Massif Pt. II, Wheels of Conclusion



Samstag, 30. September 2023

So isses, Musik!#174

Deftones Discography: White Pony (2000)

Da ich schon alles dazu gesagt habe, sage ich es nicht noch mal. Stattdessen klickt ihr hier und erfahrt alles. Und nun sind die anderen beiden Experten dran, weil drei Meinungen besser sind als eine. Hier kommt...

Philipp:

"Eins vorweg: Es ist nicht einfach, über eine so großartige Platte zu schreiben und ihr gerecht zu werden. Deftones haben sich komplett vom Nu Metal verabschiedet (außer das Industriepflänzchen "Back To School" (Mini Maggit)). Stattdessen verarbeitet die Band nun vermehrt Einflüsse aus Shoegaze, Postrock und Trip-Hop. Und was soll man sagen, es ist tatsächlich gelungen, das hohe Niveau des Vorgängers noch zu überbieten, die Band hat auf dieser Platte einfach einen komplett eigenen und einzigartigen Stil gefunden, die Atmosphäre ist im gesamten Alternative-Metal und NuMetal-Sektor einmalig. 

Besonders großartig finde ich (auch begründet durch meine durch Kollege Gregor erweckte Liebe zu Tool, Blog-Hardliner erinnern sich vielleicht) Passenger als Kollaboration mit MJ Keenan, diese Atmosphäre, dieser Aufbau, einfach Wahnsinn. Das gesamte Album ist einfach ein wunderbar düsteres, emotionales Stück Musik. 

10/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Passenger, Knife Party, Change (In The House Of Flies)"

Raphael:

"Die 90er sind vorbei, Y2K hat nicht unsere Computer zerstört, und die Deftones veröffentlichen zum ersten Mal ein Album in einem Schaltjahr. Letzteres wird noch drei weitere Male vorkommen. Wir schreiben also das Jahr 2000: der Rosmarin ist die Heilpflanze des Jahres, Ernst August Prinz von Hannover pieselt an den türkischen Pavillon bei der EXPO 2000, und Baschar Al-Assad wird syrischer Staatspräsident. Im sonnigen Kalifornien wiederum sind die Deftones endgültig in der Welt des großen Musikbusiness‘ angekommen. Nach der sehr erfolgreichen Tour ihres ebenfalls erfolgreichen Albums „Around the Fur“ wird die Band direkt unter Druck gesetzt. Sie sollen das nächste Album schnell fertig stellen, das Eisen schmieden, solange es heiß ist, den Goldesel füttern. Und haben die Deftones da mitgespielt? Nö.

Stattdessen hat sich die Band extra viel Zeit gelassen, um an den neuen Liedern und an ihrem Sound zu schrauben. Frank Delgado wurde nun offiziell als Bandmitglied begrüßt und Sänger Chino Moreno spielte die Rhythmusgitarre. Letzteres sorgte bei Stephen Carpenter nicht für die größte Freude, jedoch entstand aus den internen Spannungen eine immense Energie. Doch das ist nicht alles, was sich im Vergleich zu den ersten beiden Alben änderte.

Deftones im Jahr 2000

Dem Nu Metal Sound, den die Deftones selbst mit groß gemacht haben, drehten sie nun entschieden den Rücken zu. Es wurde viel mit neuen Einflüssen gespielt. Der starke Trip Hop-Einschlag im Song „Teenager“ steht beispielsweise für die Aneignung elektronischer Elemente. Der Tenor des Albums aber ist eine klare Orientierung in Richtung Alternative Metal mit Anleihen aus Post Hardcore und Shoegaze. Mächtige Riffs knallen wie Sturmfluten auf diesig-intransparente Küsten aus melancholischen Klangwelten, während zwischendurch unerwartete Blitzschläge in Form von Breakdowns die musikalische Nacht taghell erleuchten. Und wie klingt das? Das klingt erfrischend gut!

Auf „Around the Fur“ konnten nur zwei Szenarien folgen: die Deftones hätten noch tiefer in den Nu Metal Sound abtauchen können, oder sie hätten eine Wiedergeburt vollziehen können. Die Band aus Sacramento hat sich für die zweite Option entschieden. Und so schießen sie wie Phönix aus der Asche des eigenen Erfolges empor, um zu noch weiter entfernten Sternen zu greifen. Im direkten Vergleich mag „White Pony“ nicht einmal das bessere Album sein, aber es ist in jedem Fall das Beste, was auf „Around the Fur“ hätte folgen können.
8,5/Pfandflaschen

Anspieltipps: Back to School, Korea"




Ulver Discography: Lyckantropen Themes (2002)

Als ich vor 2-3 Jahren (oder so) die ganze Ulver Discography durchgepaukt habe, habe ich aus welchem Grund auch immer die ganzen Soundtracks weggelassen. Dabei sind es sogar ganze drei. Jedenfalls: Lange Geschichte kurz, Ulver haben 2002 den Soundtrack zum Kurzfilm "Lyckantropen" von Regisseur Steve Ericsson gemacht. Das Werk an sich bietet wenig Dialog und erzählt die Geschichte über eine Familie in einer Kleinstadt die von persönlichen Problemen geplagt ist. Oder so. Jedenfalls besteht der Soundtrack aus ganzen zehn Songs, die allesamt unbetitelt sind. Ulver sind zu dem Zeitpunkt schon längst weg vom Black Metal, machen auch keine folkigen Klänge und haben sich stattdessen elektronischer/Ambient Kunst zugewandt. So klingt auch "Lyckantropen Themes". Es sind im Prinzip zehn, sehr subtil klingende, ruhige, Ambient-Stücke deren Länge von einer bis sieben Minuten variiert. Man hört keinen Gesang, nur den Klang von Keyboards. Man könnte als

Laie/Banause sagen, dass sich das alles irgendwie gleich anhört aber nein. Die Songs klingen tatsächlich sehr unterschiedlich und wirken auf mich sehr meditativ bzw. beruhigend. Soweit ich weiß sollen die Tracks (wieder mal) wie der Soundtrack zum inneren Horrorfilm klingen. Dabei kommt allerdings nur Track 8 an sein Ziel heran. Dieser ist der einzige der leicht verstörend ist, weil ein bestimmter Keyboard Sound mich an Verdauungsgeräusche erinnert. Ansonsten von Horror keine Spur. Insgesamt muss ich sagen: Vielleicht habe ich damals nicht besonders viel verpasst als ich die Soundtracks weggelassen habe. Andererseits: Mir hats nicht geschadet, das jetzt anzuhören. Anyways: Gutes Album, nicht mehr und nicht weniger.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Das Album sollte schon als Ganzes betrachtet werden. 



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Was geht sonst?

Raphi hat letztens eine ganz spannende Band aus Ukraine in unsere lustige Review-Runde eingebracht. Obrij kommen aus Kyiv und machen eine sehr feine Mischung aus Death Metal und crustigen Klängen (vor allem gesangsweise). Die Texte auf der EP "Imperiya Bydla" (Imperium of Scum) drehen sich um die letzten 1,5 Jahre. Sprich: Russische Aggression, Schüren von Angst und Terror. Sehr bemerkenswert wie ich finde, vor allem da ich bis jetzt keine guten ukrainischen Bands gekannt habe die dieses Thema aufgreifen. Hier geht es zum Bandcamp

Ich habe letztens in einer Facebook-Gruppe über schlechte Albumcover einige gefunden die so komisch/schlecht/interessant waren, dass ich unbedingt wissen wollte, was für Bands dahinterstecken.

"I Sweat Tabasco" von Twig

Ich finde kein einziges YouTube-Video, kein Bandcamp oder ähnliches. Also kann ich nur vermuten, was sich hinter diesem Album-Cover verbirgt. 




Tassack - Mega...Dożynki (2019)

Unter Dożynki versteht man in Polen eine Art Erntedankfest. Bei Tassack handelt es sich laut Eigenangabe um eine Crossover Thrash Band. Dieses Albumcover ist höchst verstörend. Die Musik hingegen nicht so. Es fängt ziemlich "normal" an nur um dann ziemlich schnell in Thrash Metal bzw. Crossover Thrash zu mutieren. Polnisch ist die perfekte Sprache dafür. Es hört sich jedoch ziemlich scheiße an, wenn ihr ehrlich sein will. Ich hätte mir denken können, dass es Thrash ist, weil der Schriftzug so einiges über die Band verrät.




"Living With The Pigs" von Chakal

Diesmal wieder Thrash Metal. Aus Brasilien. Aus dem Jahr 1988. Was ist das für ein Cover. Was ist das für ein Sound. Was ist diese Band. Wobei beim zweiten Hinhören ist es gar nicht mal so schlecht. Ist trotzdem nichts für mich, auf Dauer.


"Screaming from the Depths of Hell" von Black Knife

Wie Fenriz von Darkthrone sagen würde "a little bit boring Thrash". Wie ich sagen würde "eigentlich gut hörbarer, jedoch ziemlich durchschnittlicher Blackened Thrash Metal". Rausgekommen auf "Wise Blood Records" und in meine YouTube-Vorschläge reingespült worden. Äh ich habe keine Ahnung was es mit diesem Musikvideo auf sich hat. Ist es eine Ausstellung oder ein Themenpark? Jedenfalls haben wir bewegliche Figuren/Skulpturen, die mit besonders viel Aufwand hergestellt wurden. Ich hoffe der zuständige Künstler hat genug Credit dafür bekommen. Hier ist das Video:



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Y: 

Ich stöbere immer noch im "XYZ"-Ordner rum. Nach Youth of Today kommen nun Youth of ToGAY und bieten großartigen Hardcore Punk mit schwulen Themen in den Texten. Auf "Tossed Salad Days" (lol) werden unter anderem einige Hardcore Punk Klassiker parodiert als auch (damals) neuere Songs wie "The Last Laugh" von Slapshot - als "The Lust Laugh". Allerdings ist genau dieser Song doch ziemlich missraten. Puh. Als nächstes dann eine großartige, sozialkritische und satirische Hardcore Band, die ich ein einziges Mal in meinem Leben gesehen habe: Yuppicide mit ihrem Klassiker "Fear Love". 




Somit verlassen wir den Buchstaben Y und kommen nun langsam zum Ende...

Z:

Wir fangen an mit "Three Years In The Desert" von den großartigen Zann. Ich weiß, dass ich diesen Ordner vor über zehn Jahren ziemlich oft gepumpt habe. Mindestens genauso war ich begeistert als ich erfuhr, dass ich bei dem Sänger einfach Platten kaufen kann. Für mein jüngeres ich war es beinahe unmöglich, dass der Sänger einer Rockband einen so nah sein kann. Ich empfehle an der Stelle übrigens den Laden "Bis aufs Messer" in Berlin. Und ich muss meinen viereckigen Zann-Button irgendwie finden.




Danach geht es weiter mit "14 Nedel' Tischiny" von der russischen P.J. Harvey aka Zemfira. Review findet ihr hier. Ihr folgen dann die Anarcho Punks von Zounds mit ihrer Seven Inch "This Land/Alone". Darauf befindet sich der großartige Song "This Land". Wir haben es hier nicht mit Anarcho Punk Marke Crass/Conflict zu tun, sondern mit etwas vollkommen anderen, leicht avantgardistischen. Immer noch n Ohrwurm, nach all den Jahren. Und ich kenne keine weiteren Songs, haha.




Das Schlußlicht des Ordners bildet der Ordner "Zugezogen Maskulin" mit dem Solo-Album von Grim104 (der einen Hälfte von ZM), der aus heutiger mir etwas zu holprig erscheint. Wobei da natürlich solche Klassiker drauf sind wie "Crystal Meth in Brandenburg" und "Ich töte Anders Breivik". Der Rest des Ordners besteht aus den Alben "Kauft nicht bei Zugezogenen!", "Alles brennt!" und "Alle gegen Alle". Das erste ist wirklich sehr interessanter, abstruser und urkomischer Novelty Rap. Mit einen Song über eine ungleichmäße Beziehung zwischen zu einer "Sparkassen Girl", einer kritischen Sicht auf den Konflikt "Zugezogene vs. Einheimische in Berlin" in "Häuserkampf". Das Intro zum Album ist das abgewandelte Interview von Ton Steine Scherben Drummer Nikel Pallat (genau das in dem er die Axt rausholt) - nur hier stellt er sich gegen "die Whackness". Absolut großartiges Album. Auf "Alles Brennt" gibt man sich nicht weniger kritisch, jedoch wesentlich persönlicher. So teilt man aus gegen Hippies, Kunst-Bourgeouise oder Agenturen. Diesmal in wesentlich tanzbarer. Ähnlich geht es dann weiter auf "Alle gegen Alle". Im Grunde sehe ich das Album als die Fortsetzung von "Alles brennt", nur dass man es geschafft nicht genau das gleiche zu machen. 




Damit ist meine Musiksammlung fertig besprochen. Ich habe hier, auf diesem Blog, meine komplette Schalplattensammlung zur Schau gestellt, als auch die Tape-Sammlung. Die CDs habe ich nicht besprochen, wahrscheinlich werde ich das auch nicht machen. Das wäre bisschen viel, das einzeln zu machen. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich erst ab einem bestimmten Buchstaben angefangen habe hier die .mp3-Ordner zu reviewen, nicht ab "A". Ich werde aber den Teufel tun und alles noch mal von vorne anfangen. Nie im Leben. Was momentan noch fehlt ist der Ordner "Various Artists" mit seiner Unmenge an Samplern. Ich werde das irgendwann besprechen in der Subrubrik "Sampler Hölle". Momentan höre ich wieder die Discography-Ordner von AFI, Darkthrone usw. usf. weil ich die ausgelassen habe. Mal gucken was hier so in den nächsten Monaten passieren wird.