Donnerstag, 22. Januar 2026

So isses, Musik!#206

Kaum zu glauben, aber wahr. Dieses Jahr werden gewisse Alben ganze zwanzig Jahre alt. Ich habe, wie schon ein-zwei mal vergessen, das direkt in der ersten "So isses, Musik!"-Ausgabe in diesem Jahr zu erwähnen. Deswegen mache ich das jetzt.

Alben, die dieses Jahr zwanzig Jahre alt werden:


Ich reviewe Marlyns Plattensammlung:

Jean Michel Jarre: Equinoxe (1978)

Ich kann mich daran erinnern, wie vor mehr als zwanzig Jahren mein Opa mir von diesem französischen Künstler erzählt hat. Der Zufall wollte es so, dass diese monumentale Platte ihren Weg in Marlyns Plattensammlung fand. Es handelt sich dabei um das vierte Album von JMJ. Es tat mir sehr gut, das anzuhören. Ich lag auf dem Boden und haben meine Physio-Übungen gemacht. Umschreiben würde ich es als "elektronische Musik, die kein Ambient und auch kein Techno ist". Tatsächlich steckt auch ein

Konzept dahinter. Die Songs heißen "Equinoxe" Part 1-8 und umschreiben musikalisch den Tagesablauf eines durchschnittlichen Menschen vom frühen Morgen nach dem Aufwachen bis späten Abend vorm Einschlafen. Für das Cover wurde ein Bild von Michel Granger benutzt. Es zeigt eine Zuschauermenge aus der Sicht eines Künstlers auf der Bühne - die Leute sind mit Ferngläsern ausgestattet. Fast so als würden sie jemanden beim besagten Tagesablauf zusehen. 

Es ist faszinierend, weil es so einfach ist. Und es tut verdammt gut, sich das anzuhören während man entweder entspannt auf dem Boden liegt oder seine Übungen macht. 

Anspieltipps: Alles
9/10 Pfandflaschen



---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
REIN IN DIE SAMPLERHÖLLE:

49. This is the ALF

Rausgebracht auf Mortarhate, den Label der Anarcho Punk Übergrößen Conflict. "Ths is the ALF" vereint allerlei Beiträge von damals tätigen Anarcho Punk Bands wie Existance, Icons of Filth, CRASS, Poison Girls, Subhumans, Citizen Fish, Dirt, Lost Cherrees und natürlich Conflict selbst. Letztere sind mit ganzen sechs Songs vertreten. Ich weiß nicht ob es ein Benefiz-Sampler ist für die Animal Liberation Front oder eher ein Agit-Prop-Sampler, dessen Booklet wahrscheinlich voll mit Infos gespickt war. Die Hauptthemen der Songs sind natürlich Tierbefreiung und ethisches Veganismus. Als jemand der seit knapp 20 Jahren kein Fleisch mehr isst, kitzelt mich das immer noch innerlich. Auch wenn gewisse Sachen gar nicht klar gehen. Zum Beispiel vergleiche der Tierunterdrückung mit dem Holocaust, die hier leider auch stattfinden.

50. Tomorrow will be worse

Hierbei handelt es sich um eine 8-Way-Split die auf vier 7inches rausbgebracht wurde. Darauf sind acht Powerviolence-Bands zu hören. Und zwar Flash Gordon, Capitalist Casualties, Nice View, Hellnation, SPAZZ, Fuck on the Beach, Real Reggae und Charles Bronson. Insbesondere letztere fallen mir auf, weil sie die Geräusche einer Live Audience unter gemischt haben, sodass sich alles anhört als wäre es eine Konzertaufnahme vor einem Riesenpublikum. Man hört aber durchaus dass es Fake ist. Großartig.

51. Until every cage is empty

Eine weitere Tierrechtscompilation, die aber eher weniger mit Anarcho Punk zu tun hat - und stattdessen Künstler verschiedenster Genres vereinigt. Ich vermute mal, es war die Piraten-Website Nix-Pop. Hier drauf haben wir Los Fastidios, Die Ärzte, Maroon, Conflict aber auch solche Leute wie Nic Knatterton und Albino. Letzterer ist mir auch negativ aufgefallen, durch seine Israelfeindschaft und  Kollbaration mit einer gewissen dummdeutschen Antiimp-Combo aus Berlin (unterm Pseudonym Public Sellerie). My Favorit hierauf ist "Nailing Descartes To The Wall" von Propagandhi. A mixed bag of feelings, diese.

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Linkin Park Discography:
Living Things (2012)

Again: Wenn man "Reanimation" ausklammert, ist es das fünfte Album - wenn man es miteinbezieht das sechste. Egal. Wie schon beim Vorgänger wurde das Werk von Rick Rubin (mit)produziert.

Man hat sich, wie schon so oft gesagt, mittlerweile komplett von Nu Metal entfernt. Stattdessen erschafft man eine Art Crossover zwischen Alternative Rock und jede Menge Synthesizern. Ohne jedoch irgendwie New Wave-ig oder Post Punk-ig zu klingen. Was LP jedoch schaffen und das immer wieder. Ganz wie sie selbst zu klingen, weil sie das machen worauf sie gerade Lust haben - und gleichzeitig so radiofreundlich wie eh und je. Die Singles hierauf, "Burn It Down", "Lost In The Echo", "Castle of Glass" und "Powerless" (das auf dem Soundtrack zu "Abraham Lincoln - Vampire Hunter" drauf ist, lel) sind...nunja, Singles. Sie hören sich an, wie irgendwas was extra komponiert wurde, um in die Charts zu kommen. Durchaus hörbare Musik, die Ohrwürmer erzeugt und wieder erkennbare
Rhythmen aufweist. Auf Songs wie "Lies Greed Misery" hört Chester Bennington allerdings die ultimative Schreigesang-Keule und ist so laut wie seit Meteora nicht mehr. Das ist dann keine Single, natürlich. "Victimized" ist auch so ein großartiger Song. Nie wieder Opfer sein. Never again victimized.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde dass mir hierauf nichts gefällt. Das würde nicht stimmen. Es gibt hier einige echt gute Songs, die nicht trotz sondern gerade wegen dieser Synthesizer und Chesters ruhige Stimme funktionieren. Einige funktionieren gerade wegen Mike Shinodas Rap-Einlagen sehr gut. Er schafft es sogar Notorious B.I.G. zu zitieren bzw. Bezug auf ihn zu nehmen. Allerdings entsteht hier eine Art Formel, die immer wieder wiederholt wird. LP sind zu einer vorhersehbaren, poppigen, radiotauglichen Band geworden, die nur bedingt was neues und interessantes bringt. Schade.

5,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Lies Greed Misery, Burn It Down, Powerless, Victimized


Opeth Discography: Ghost Reveries (2005)

Nun sind wir also schon beim achten Studio-Alben der schwedischen Prog/Death Metal Giganten angekommen. Es haben sich einige Sachen geändert. "Ghost Reveries" ist das letzte Album mit Schlagzeuger Martin Lopez und Gitarrist Peter Lindgren. Außerdem ist es das erste mit Keyboarder Per Wiberg als offizielles Bandmitglied. Dieser wendet die Hammond Orgel an, als auch Mellotron und


Moog Synthesizer sodass gewisse Einflüsse aus dem Psychedelic Rock zu hören sind. Man kehrt hier zum ursprünglichen Sound zurück, während der Vorgänger "Damnation" größtenteils sehr ruhig gehalten war. Wobei, was heißt "größtenteils"? Es war eigentlich ein reines Akkustik-Album, was weitestgehend auf Death Metal Elemente verzichtet hat. Bei "Ghost Reveries" ist hingegen alles wie vorher: Death Metal trifft auf Progressive Rock. Cleaner Gesang trifft auf Growling. Nicht zu schnelle und nicht zu langsame Death Metal Riffs, die auf ruhige Passagen treffen. Dazu kommt noch eine durchschnittliche Songlänge von mindestens 10 Minuten. Und selbstverständlich sollte es auch ein Konzept-Album werden. Und zwar über jemanden, der in größter psychischer Not ist weil er etwas fürchterliches getan hat. Nämlich seine eigene Mutter umgebracht. Aber irgendwie hat Sänger 
Mikael Åkerfeldt sich aufgrund von ihm favorisierten okkulten Themen, entschieden diese einzubringen - sodass, es nicht wirklich ein Konzept-Album ist.

Im Großen und Ganzen ist das schon...ziemlich nice. Muss ich ehrlich zugeben. Allerdings ist es schon das achte Album und langsam kriege ich den Eindruck, dass sich eine gewisse Formel bei Opeth eingeschlichen hat. Und zwar genau das, was ich oben beschrieben habe. Formeln sind Formeln und sie funktionieren meistens gut. Doch irgendwann wird's alt, wie ein Brot dass man schon so oft gegessen hat dass es einen zum Hals raushängt. Zum Beispiel dieses eine vom Discounter mit den Kernen. Ich habe die Befüchtung, dass obwohl ich dieses Album hier mag, mir das nächste wirklich zum Hals raushängen wird. I don't know.

7,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Ghost of Perdition, The Baying of the Hounds


 

Slayer Discography: Repentless (2015)

Letztes Album von Slayer. Erstes mit Gary Holt anstelle von Jeff Hannemann. Rausgekommen am 11.09.2015, wahrscheinlich als Referenz zu "God Hates Us All", dass am 11.09.2001 rausgekommen ist. Vielleicht aber auch weil es offiziell betrachtet das elfte Album ist, wenn man das Cover-Album "Undisputed Attitude" nicht einbezieht.


Ich bin an der Stelle ehrlich zu mir selber und zu euch. Vermutlich wollten Slayer mit einem Bang aufhören. Sie hätten gedacht ihr verstorbener Bandkollege Jeff Hannemann hätte das so gewollt. Noch ein Album, eine oder mehrere Touren, ein Abschiedskonzert usw. usf. Und dann richtig übel reindreschen. So wie es früher war. Und das haben sie auch gemacht. "Repentless" ist ein typisches Slayer-Album mit viel 0-0-0-0-0-0-0-0-0-0, diesen Gitarrensoli die sich wie eine Bohrmaschine anhören, Songtexten über Tod, Ende der Welt...aber auch Alkoholismus. So ist "Chasing Death" ein Song über süchtige, die "dem Tod hinterrennen". Gary Holt hat seiner Angabe nach alle Gitarrensoli an einem Tag aufgenommen, mit einem Sixpack Bier als Begleitung....

Leider hört sich das ganze Album so an. Es gibt hier Songs, die mir durchaus gefallen - weil es dazu großartige Musikvideos gab: "Repentless", "Pride and Prejudice" und "You Against You". Darin sind die Schauspieler Danny Trejo und Jason Trost. Das sind großartige, brutale Musikvideos gewesen - und die Songs passen verdammt gut dazu. "Repentless" ist außerdem ein richtig geiler Opener-Song. Und ich würde auch lügen, wenn ich sagen würde dass es mir keinen Spaß gemacht hätte, das Album zu hören. Allerdings ist es halt...Slayer. Metal nach dem Motto "Malen nach Zahlen". Ich hätte mir ehrlich gesagt mehr Innovation gewünscht - aber ich bin auch nicht Teil der Slayer-Fangemeinde. Ergo, was soll's.

6,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Pride and Prejudice, You Against You, Repentless





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen