Interessant. Irgendwer hat mir damals Chris Rea madig gemacht. Ich glaube, das war der deutsche Comedian Thomas Herrmanns, der den Künstler als "diesen kleinen miesen Hobbit" bezeichnet hat. Oder so. Jedenfalls war das ganz schön ungerecht.
"Water Sign" ist das fünfte Album von Chris Rea. Ursprünglich wollte die Plattenfirma die Songs nicht finanzieren und so sah sich Rea gezwungen beinahe alle Instrumente selbst zu spielen. Bis auf die Drum Machine. Herausgekommen ist ein Werk irgendwo zwischen Mitte-80er-Soft-Rock, keyboardgetankten Wave und äh erdiger/kerniger Divorced Dad Music.
Doch es funktioniert erstaunlich gut. Sehr simpler, unkomplizierter Sound. Mit durchaus unkomplizierten Lyrics. Dazu kommen aber auch noch Einsätze von Saxophon und Mundharmonika. "Deep Water" ist meines Erachtens der beste Songs hierauf. Dicht gefolgt von "Candles".
Wahrlich schön und unkompliziert. Nicht aufgeblasen. Einfach n Typ, der mit etwas Unterstützung versucht gute Musik zu machen. Mehr nicht.
Anspieltipps: Deep Water, Candles, Let It Loose
7/10 Pfandflaschen
Santana:Abraxas (1970)
Carlos Santana und seine Mitmusiker kenne ich unter anderem durch meinen Vater (der mir einmal irgendwas von "Supernatural" gezeigt hat, ich glaube das war "Smooth" mit Rob Thomas) als auch durch meinen (Stief)Großvater mütterlicherseits der sich eins über eine Santana-Compilation (von Tchibo) sehr gefreut hat.
"Abraxas" ist das zweite Album von CS, erschienen im Jahre 1970. Als Cover ist ein Gemälde namens "Annonciation" von Mati Klarwein zu sehen. Der Titel bezieht sich auf den Roman "Demian" von Herman Hesse. Ich habe tatsächlich vor dieses Jahr "Supernatural" als Review rauszubringen, ich weiß leider nicht wann. Allerdings hat mich dieses Album so sehr auf "Abraxas" scharf gemacht, sodass ich mich besonders gefreut habe als ich es in Marlyns Plattensammlung entdeckt habe. Heiliger Fick. Es hat alels. Blues, Jazz, Salsa - in anderen Worten genau das wofür Santana berühmt wurde. Latin Rock. "Black Magic Woman", eines der bekannteren Songs auf dem Album hat meiner Meinung nach durchaus Anleihen an die späteren bombastischeren Werke von The Who.
Ein musikalisches Meistererzeugnis dass schafft verschiedene Stile zu verbinden, ohne das alles erzwungen klingen sondern wie aus einem Guss. Ich habe nun nichts mehr zu sagen und verlinke hier weiter unten "Oye Como Va".
Anspieltipps: Oye Como Va, Black Magic Woman, Samba Pa Ti
Alles klar, ich beende das Ganze jetzt. Wobei, so ganz richtig ist das nicht. Es kommen jetzt zwei Sampler, die am Ende des Alphabets stehen weil kyrillisches Alphabet.
58. КИНОпробы
Dabei handelt es sich um einen zweiteiligen Sampler. Ein Tribute an das Schaffen von Viktor Tzoi bzw. der Band KINO, die jedem Liebhaber von traurig klingender, russischsprachiger Musik bekannt sein dürften. Der Sampler kam Anfang der 2000er Jahre raus und beinhaltet Beiträge von damals populären russischsprachigen Alternative Rock Künstlern. Da wären Vopli Vidoplyasova (Ukraine), Zdob Si Zdub (Moldawien), Mumij Troll, Tanzy Minus, Zemfira oder Naiv. Die Songs variieren zwischen Punkrock, Alternative Rock und Indie. Das traurige ist, dass einige der Künstler - allerdings zumindest der Großteil der hier aufgezählten zum Glück nicht - mittlerweile absolute Z-Idioten geworden sind.
Ein weiteres Tribute-Album. Diesmal an Grazhdanskaya Oborona, das berühmte und durchaus umstrittene Projekt von Egor Letov. Wieder ein Album von Anfang der 2000er. Wieder mal namhafte Alternative Rock Künstler: Leningrad, Lyapis Trubetskoy, Tschish i Ko als auch einige Namen die mir relativ wenig sagen. Durchaus vielfältiger Sampler, der wie "KinoProby" die Bandbreite der russischsprachigen Alternative Szene abdeckt. Und wieder mal sind einige Künstler dabei die inzwischen Z-Idioten geworden sind.
Ich habe hier einige Sachen geschafft, die ich für unmöglich gehalten habe. Meine Plattensammlung (7inches und LPs) ist reviewt, genauso wie meine Tapesammlung. Ich habe auf dem Blog meine digitale Sammlung reviewt und nun komme ich zu einer Art Resteverwertungsprozess. Neben den Alben auf meiner externen Festplatte befinden sich zwei Ordner. Sie heißen "Einzelne Songs" und "Einzelne Songs 2". Darin finden wir überreste von alten MP3-Playern usw. usf. Im ersten Ordner sind tatsächlich "Überreste", also Sachen die irgendwann runter geschmissen wurden weil zu wenig Speicherplatz.
- Einzelne Songs:
Meine Fresse ist das wild. Ich finde hier zwei Unterordner: "Dolphin" und "Saalschutz". Im ersten natürlich ein paar Songs des russischen Rap/Trip-Hop-Künstlers "Delfin", im zweiten einige wenige Songs der Electro Punk Band "Saalschutz". Unter anderem "Während du feierst stirbt dein Volk". Dazu kommen aber noch so Sachen wie "Hybrid Stigmata" von Dimmu Borgir (wie kommt es hierhin???), "No Emotions" von Combichrist und das Cover von KoRns "Make Me Bad" von Rapper Danny Brown. Wenn wir schon bei KoRn-Covern sind. "Need To" wird hier von Staind gecovert. Keine Ahnung wie ich dran gekommen bin. Nicht weniger interessant ist aber "What Have I Done" - ein Synthpop Song von einem jungen Jonathan Davis. Was "Warum" von GZUZ hier zu suchen hat kann ich auch beantworten. Ich fand's damals halt ziemlich geil und hab's mir von YouTube gezogen. Ebenso wie "Ich und mein Pony" von The Toten Crackhuren im Kofferraum.
Das wars mit dem ersten Ordner. In zwei Wochen fang ich an, den zweiten hier auseinderzupflücken.
Letztes Album von Linkin Park mit Chester Bennington am Gesang vor seinem Suizid im Jahre 2017. "One More Light" bewegt sich ein großes Stück weg von "The Hunting Party". War das Album davor noch ein Schritt zurück zu den Nu Metal Wurzeln der Band und eine Art Verneigung vor "Hybrid Theory" ist von eben dieser Verneigung oder geschweige denn Gitarren eigentlich gar nichts mehr hier zu hören.
Es ist ein durchweg emotionales Album, welches sehr viele persönliche Dinge anspricht, die im Chesters Privatleben passiert sind. Mit den Texten wollte er auch ein Publikum erreichen, dass ähnliches durchgemacht hat um zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Eines der Songs hierauf, die für viel Aufruhr gesorgt haben war "Heavy". Ein sehr poppiger, emotionaler Song der viel im Radio gespielt wurde. Ich verstehe den Text heutzutage viel mehr als damals. Ich verstehe Chester generell viel mehr als damals.
Dazu kommen noch selbstverständlich Rap Parts von Mike Shinoda, Gastparts von den Rappern Stormzy (yeah) und Pusha T (meh) als auch Sängerin Kiiara (auf "Heavy"). Wie schon gesagt: Ich verstehe das alles, warum die Texte so sind wie sie sind. Im Grunde nicht viel anders als auf anderen LP-Veröffentlichungen. Das hat alles seine Daseinsberechtigung. Mir gefällt allerdings dieser Schritt Richtung Electro Pop/Wasauchimmerdasseinsoll absolut nicht. Es fehlt die Schärfe des ursprünglichen LP-Sound, die den Texten die nötige Schwere und eine gewisse Echtheit verliehen hat. So klingt alles auf einmal plötzlich sehr weinerlich und in meinen Ohren einfach unnötig poppig. Ich find's wirklich sehr schlimm. Wie gesagt: Das liegt nicht an den Texten sondern am Sound. Das ist nicht mein cup of tea.
Keine Bewertung
Anspieltipps: Good Goodbye
Opeth Discography:Heritage (2011)
Erstes Album von Opeth nach "Watershed" (2008). Damals zeichnete sich schon seit ein paar Alben eine langsame Abkehr von Death Metal. Hier hat man den Schritt zu Ende durchgeführt. Opeth sind nun, zumindest auf diesem Album, keine Progressive Death Metal Band mehr. Stattdessen fokussiert man sich komplett auf dem "Progressive" Teil in der Genre-Bezeichnung. Das heißt: Keine shreddernden Riffs, keine gutturalen Vocals mehr, kein immer mal wieder vorkommendes Blast Beat Inferno. Opeth
sind nun eine Progressive Rock Band, die aufgrund der Komplexität bei den Instrumentals auch etwas ins leicht Jazzige abdriftet.
Im Grunde genommen bleibt man beim alten - nur wechselt man das Genre. Und ich meint das ernst mit "jazzig". Es gibt hier einige Momente, die auch auf alten Jazz Rock Alben der 1970er auftauchen könnten. Wie schon auf vorherigen Alben wechselt man zwischen ruhigen und aufwühlenden, energischen Passagen. Nur sind die letztgenannten keine komplexen Death Metal Riffs sondern, wie jetzt zum dritten Mal erwähnt, jazziges, progressives Gefrickel. Es ist merkwürdig, wie plötzlich das kommt - dabei empfinde ich das nur so, weil ich die Alben nacheinander höre. In Wirklichkeit liegen ja drei Jahre dazwischen. Eine Band die einst düsteren DM gemacht hat, macht jetzt groovy progressive Jazz Rock. Abgefahren. Das Artwork ist gleichzeitig eine Verneigung vor den eigenen Wurzeln als auch eine Art Hinwendung zu der Zukunft. Der Baum stellt eine Verwurzelung in der Hölle (Death Metal) und eine Zukunft mit sonnigen Aussichten. Selbst ehemalige Bandmitglieder sind hier als Totenschädel verewigt. Steven Wilson von Porcupine Tree hat das Ganze produziert und betrachtet es als Teil einer Trilogie - die anderen Teile sind sein Soloalbum "Grace for Drowning" und dem selbstbetiteln Album von Storm Corrosion (dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen und Mikael Akerfeldt). Ein bestimmtes Konzept kann ich bei dem Album nicht erkennen - allerdings geht es, wie der Titel schon anmutet um das Erforschen eigener musikalischer Wurzeln. Überraschend gutes, eingängiges Werk.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Famine, Haxprocess, The Devil's Orchard
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