Samstag, 15. Juli 2023

So isses, Musik!#169

Slime Discography: Hier und jetzt (2017)

Album nummer zwei nach der zweiten Reunion. Und das erste was mich so unfassbar kringeln ließ.

Stephan Mahler schreibt nicht mehr die Texte. Auf dem letzten Album stammten sie von Erich Mühsam. Hier frage ich mich, wer zum fick das hier verzapft hat. "Hier und jetzt" ist ein Sammelsurium aus 16(!) verschiedenen Songs die zum Teil so gleich sind, dass es weh tut. 


Es geht los mit "Unsere Lieder", was tatsächlich eine ganz interessante Sichtweise ist. Man möchte eigentlich, dass die eigenen Songs nicht mehr aktuell sind, aber sie sind es doch weil die Welt ist immer noch so beschissen wie damals. Eigentlich ein ganz schönes Konzept. Beim ersten Mal hört man aber eindeutig Tote Hosen Einfluß und kringelt etwas. Beim zweiten Mal ist es schon ganz schön. "Brandstifter" handelt von geistigen Brandstiftern und ist der erste Song gegen Rechts. "Sie wollen wieder schießen dürfen" handelt von der Ignoranz gegenüber Menschen die an den EU-Außengrenzen sterben. Trotz all des Pathos ist es meines Erachtens ein durchaus gelungenes Lied. "Patrioten" ist der zweite Song gegen rechts und beinhaltet ein Feature von den grauenhaften Rappern Swiss und Mal Eleve. Er ist voll mit Plattitüden und Durchhalteparolen. "Banalität" des Bösen ist der dritte Song gegen Rechts und handelt von denjenigen bürgerlichen Rechten die "keine Nazis sein wollen". Durchaus banal aber tatsächlich auch treffend. "Hier und jetzt" ist eine klassische Deutschrock-Durchhalteparole. In "Die Stummen" singen Slime gegen diejenigen die ihr Maul gegen all die scheiß Umstände nicht aufmachen. "Ernie und Bert in Guantanamo" ist ein osbkurer Song über das US-Gefängnis auf Guantanamo Bay. Ich habe beim zehnten Mal Hören immer noch nicht verstanden was es mit der Sesamstraße zu tun hat - wahrscheinlich hat man die beiden Figuren nur dafür benutzt um "Wer nicht fragt bleibt dumm" einzusetzen. "Let's Get United" featured Los Fastidios und The Wakes. Es ist ein Song für den Zusammenhalt in der Linken und trifft auch zu Beginn paar richtige Töne. Insgesamt aber ein fürchterlicher linker Schlagerscheißsong, der nur dafür da ist auf Konzerten rumgebrüllt zu werden. Was aber niemals passieren wird, weil Slime nicht auf Italienisch singen können. "Die Geschichte des Andreas T." ist einer der letzten guten Songs hier - handelt vom NSU und dem V-Mann Andreas T. "Spinner" ist so fürchterlich langweilig, dass mir nichts dazu einfällt. "Der siebte Kontinent", ein Song gegen Überwachung und Internet ist super merkwürdig und klingt als würde die beiden zwanghaft cool wirken wollen. Ich höre Ärzte-Einfluss und kringele. In "Ich kann die Elbe nicht mehr sehen" zitieren Slime sich selbst mit "Deutschland". Es geht um Gentrifizierung. Der Song ist mit seinen Reggae bzw. Ska-Einflüssen tatsächlich der letzte originelle hierauf. Es ist cool, dass hier ein scheiß Thema angesprochen wird und man fröhlich darüber singt. Das ist meiner Meinung nach die letzte Spur von Zynismus der alten Slime die noch übrig geblieben ist. "Entweder bist du ein Teil der Lösung oder du bist ein Teil des Problems" heißt es dann in "Bekenntnis zu einem Paradoxon". Nein. Bitte nicht. Das sind noch mehr Klischees als das man sich ausdenken kannt. Ach du Scheiße. "Schöne neue Welt" handelt irgendwie von Digitalisierung und ist einfach scheiße und unlustig. Schön dass Slime in "Für alle Zeit" "Keinen Fußbreit den Faschisten" brüllen aber hiermit ist es der Song gegen Nazis nummer Vier. Damit hat man vier Songs gegen Nazis und alle Parolen die es gab durchgespielt. Slime sind hier eine absolute Klischeeband, die ihre Songtexte mit Dartpfeilen und per Zufallsprinzip geschrieben hat. Heilige Scheiße, ist das peinlich. Ich habe sie so gern gehört, weil sie eben nicht dasselbe gemacht haben wie all diese Nix-Gut/Impact Records Einheitsbrei-Bands. Und hier sind wir nun. Genau da. Scheiße.

4/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Unsere Lieder, Sie wollen wieder schießen dürfen, Ich kann die Elbe nicht mehr sehen, Die Geschichte des Andreas T.

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Puh, das ist dann wohl diese Stelle, an der es anfängt, interessant (oder unangenehm, je nachdem wie man das sehen möchte) zu werden. Die Besetzung hat sich zu „Sich fügen heißt lügen“ nicht verändert, dafür gibt es die ersten neuen Texte seit der Reunion.

Ich muss fairerweise an dieser Stelle gestehen, dass ich schon lange nicht mehr so wenig Bock hatte, eine Platte zu reviewen. Ich bin sehr unvoreingenommen an dieses Album herangegangen und habe mir bereits nach den ersten 4 der 16(!!!!) Songs vorgenommen, dass ich sie definitiv zum letzten mal gehört habe. Nun versucht mal eine Platte zu reviewen, die ihr nur einmal gehört habt, das ist nicht nur eine Frechheit sondern auch wirklich schwierig, aber ich wäre nicht Mitglied unseres lustigen Trios, wenn ich nicht selbst diese Herausforderung annehmen würde. Nun sitze ich hier in der Nacht vor dem Ende der (weichen) Deadline um 2 Uhr vor meinem Laptop, höre The Gits (hier an dieser Stelle unbedingte Empfehlung, großartige Band mit sehr tragischer Geschichte) und versuche, meine Enttäuschung über dieses Monstrum in möglichst griffige Worte zu schmeißen.

Potential für wütende und kämpferische Texte ist ja durchaus gegeben, es ist 2017, Donald Trump wurde Präsident der USA, mit der AfD stellt in Deutschland eine rechte Partei wieder eine ernstzunehmende Gefahr dar, Erstarken der alternativen und neuen Rechten, neuer Konservativismus, Islamismus etc., Themen gibt es viele, da muss man eigentlich nicht das tausendste generische Lied gegen Nazis schreiben, Slime ist das aber herzlich egal. Man bleibt textlich eben in der Deutschpunk-Komfortzone.

Es gibt natürlich nicht nur schlechte Seiten an „Hier und Jetzt“, die guten Songs sind definitiv vorhanden, der Opener „Unsere Lieder“ beginnt bereits mit einer sehr guten Idee, dem philosophieren über das eigene Werk, ob die Songs von früher überhaupt den Test der Zeit bestehen oder ob die Gesellschaft sich so weit verändert hat, dass frühere politische Songs nur noch anachronistisch wirken. Musikalisch ist das nicht unbedingt ein Glanzmoment für Slime aber zumindest ein griffiger Rocksong, wirklich meckern möchte ich darüber auch nicht, da gibt es ganz anderes Potential. Brandstifter konnte ich noch ertragen, „Sie wollen wieder schießen dürfen“ (tatsächlich auch ein modernes Thema, ein Rundumschlag gegen die AfD und über neue Fluchtbewegungen) fand ich auch noch ganz gut, „Patrioten“ tatsächlich auch, zumindest die eine Minute bis ich diesen Haufen Sondermüll skippen musste, weil: Swiss. Dieser verfickte Hundesohn Swiss. Ich hasse den so sehr, es tut weh, wie kann man denn als Rapper schon allein in seinem Flow so unsympathisch sein? Ich halte diesen Trottel keine 5 Sekunden aus.

Ab diesem Moment hatte ich schon absolut keinen Bock mehr, das war auch generell in meiner kurzen Review-Karriere das erste mal, dass ich einen Song nicht zu Ende hören konnte und ich habe mich (mehrmals) durch Technical Ecstasy und Cross Purposes gequält. Demzufolge habe ich auch über alles, was danach kam wenig positives zu sagen, ich hatte nämlich einfach die Schnauze voll, „Hier und Jetzt“ ist ein furchtbar deutschrockiger Schunkelsong, den hätte man für gutes Geld an Matthias Reim verkaufen können, da hätte er weniger Schaden angerichtet aber nunja, macht was ihr wollt, ihr seid ja alt genug und eurer Szenereputation wird das ja auch nicht schaden.

Achja, zu ein paar Songs hatte ich mir noch Notizen gemacht, „Ernie und Bert in Guantanamo“ ist einfach dämlich, ich verstehe wirklich nicht, was Ernie und Bert hier zu suchen haben, vermutlich wirklich, damit man „Wieso, Weshalb, Warum“ und „Wer nicht fragt bleibt dumm“ hier einbauen konnte und weil „Samson und Tiffi in Guantanamo“ oder „Krümelmonster und Grobi in Guantanamo“ einfach noch bescheuerter klangen.

„Let’s Get United“ ist ein unangenehmer Zusammenhalts-Song, ähm, ich glaube das ist Oi! Zumindest sind Los Fastidios dabei, eine italienische Oi!-Band, die einen Hit hat, den ich aber irgendwie auch nicht mehr hören kann. Sorry. Nein.

„Ich kann die Elbe nicht mehr sehen“ fand ich als Anti-Gentrifizierungs-Song ganz interessant und musikalisch ist das Wiederaufgreifen von „Deutschland“ eine ganz nette Idee, textlich wäre es kaum unangenehmer umzusetzen gewesen, es ist einfach ein furchtbarer lokalpatriotischer „Was habt ihr aus meinem Hamburg gemacht?“ Boomer-Song, kann dann doch auch weg.

Slime 2017: Campino, Andi, Breiti, Vom Ritchie, Wölli
Foto: Viktor Schanz

Was mir noch aufgefallen ist, ist, wie oft die politischen Gegner auf diesem Album als „dumm“ bezeichnet werden, sein wir mal ehrlich, wer auch immer die Texte auf diesem Album fabriziert hat, ist definitiv auch kein Soziologie-Professor und so hölzern und stumpf und Deutschpunk-generisch diese Texte wirken, wurde definitiv beim kreativen Prozess für dieses Album keine umfassende politische Recherche betrieben. Und dieses „die anderen sind einfach alle dumm, wir sind die Guten, die anderen die Bösen“-Blabla ist auch echt nur noch langweilig.

So positiv überrascht ich von „Sich fügen heißt lügen“ war, so schade finde ich, dass hier einfach unfassbar viel Potential verschenkt wurde, das war leider nix.

2/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Unsere Lieder, Sie wollen wieder schießen (dürfen)"

Raphael:

"Vielleicht erinnert sich jemand, dass ich die Suggestivfrage gestellt habe, ob sich Slime mit der Neugründung einen Gefallen getan haben. Nun hätte man nach „Sich fügen heißt lügen“ sagen können es sei doch alles super. Aber dann kam „Hier und jetzt“.

Fangen wir mit der Musik an. Die Toten-Hosisierung von Slime hat volle Fahrt aufgenommen. Was hier zu hören ist, ist nur noch schunkeliger Deutschrock mit Punk Rock-Einfärbung. So weit ist das aber immer noch nicht furchtbar. Dann ist da als nächstes der Gesang von Diggen, der hier so schlimm klingt wie auf keinem vorherigen Album.

Als nächstes ist da das Songwriting. Musikalisch betrachtet passt mein Verriss zu oben genannter Toten-Hosisierung: irgendwie hat man wohl versucht, den Slime-Sound weiterzuentwickeln und hat sich dabei massiv zurückentwickelt. Es klingt als hätten Zaunpfahl nach fünf Kästen Asbach versucht, den simpelsten Song aller Zeiten zu schreiben – sechzehn Mal. Und dann sind da die Texte: die sind furchtbar und peinlich. Ein perfektes Beispiel ist „Sie wollen wieder schießen (dürfen)“. Der Refrain ist so unfassbar lang, dass er nahezu jede Strophe verschlingt, und die lyrische Leistung hier ist ebenfalls grausig.

Ja, inhaltlich ist „Hier und jetzt“ natürlich immer noch ein Slime-Album, und die Band aus Hamburg zeigt, dass sie keinen Bock auf neue wie alte Nazis hat. Dennoch sind sie okay damit, mit einem sexistischen Widerling wie SWISS zusammenzuarbeiten – ekelhaft!

Fazit: dieses Album ist es nicht wert, heruntergeladen zu werden. „Hier und jetzt“ spielt in einer Liga mit „Technical Ecstasy“.
2/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Das Album „Sich fügen heißt lügen“"




Wir sind weiterhin bei T und ich zweifele mittlerweile an meinem Musikgeschmack.

T:

Die selbstbetitelte von Transplants": Eine wilde Mischung aus Punkrock, Dub, Hip-Hop. Die Band bestand/besteht aus Tim Armstrong (Operation Ivy, Rancid), Travis Barker (Blink-182) und einem Typen der sich "Skinhead Rob" nennt. Es wirkt wie eine punkrockige Version von dem Zeug von Danny Diablo. Es ist äußerst merkwürdig, wie die Band sich innerhalb der Jahre verändert hat. Ich weiß, dass sie auch einige Cover-EPs aufgenommen und auf Konzerten CRASS gecovert haben. Dabei haben sie vorher noch einen Song in einer Shampoo-Werbung gehabt.
Dann Trash Talk mit "No Peace". Die Band, die Tyler the Creator auf T-Shirts getragen hat. Hardcore Punk mit kleineren Hip-Hop-Samples. Review siehe hier. Tribulations "Down Below" bleibt nach fünf Jahren immer noch ein kleines Meisterwerk."Das Schweigen Vieler" von Tristis habe ich hier auch erwähnt, äh siehe hier und so.
"Mein Kopf dem Henker" von den Troopers bietet einen unfassbar guten Abschlußtrack, der so tatsächlich auch bei irgendeiner Viking Metal Band veröffentlicht werden könnte. Es ist überraschend gut. Das ganze Album läuft aber sonst unter Guilty Pleasure. Alter Schwede. Troopers sind einfach eine beinahe 1:1 Kopie von den Onkelz. Nicht nur vom Klang her (metallisch angehauchter Streetpunk) sondern auch von Texten her. Es geht die ganze Zeit darum, dass früher alles besser war, dass sie keine netten Jungs sind, dass die anderen irgendwie Verräter sind. Junge. JUUUUUUNGE. Was ist diese? Ich habe ganz vergessen wie cringe das ist. Danach kommen eigentlich nur noch Alben, die ich hier schon mal reviewt habe. "Dance with me" von TSOL, "Apocalypse Dudes" von Turbonegro, "Nonstop Feeling" und "Glow On" von Turnstile als auch die nicht weniger großartigen "Step To Rhythm" und "Pressure To Succeed"




"The Attraction Of All Things Uncertain" von Tweaker und "Scum Fuck Flower Boy" von Tyler the Creator waren hier auch schon zu Gast. Genauso wie die komplette Discography von Type O Negative.

U:

Wir beginnen mit dem quasi Klassiker "State of Discontent" von The Unseen. Wow, ich hätte nicht gedacht, dass ich "Scream Out" nach all den Jahren immer noch so gut finden würde. Es ist ein unfassbar simpler Text über Punk als Therapie für sich. Das ganze Album schwankt für mich irgendwie zwischen modernen Streetpunk und sowas wie einer poppigeren Variante von The Casualties. Geschriene Texte, schwungvolle Melodien und ein Cover von "Paint It Black". Ja, das hält sich nach all dieser Zeit.




Dem folgen "The Used" mit ihrem selbstbetitelten Album, "Djinn" von Uada und "All That Has Never Been True" von Ultha. Danach dann die Discography von Ulver, die ich auf später vertage, so wie alle Discographies die ich mein eigen nennen darf. Und dann kommt etwas, was ich lange verdrängt habe. Nämlich eine Art Nebenprojekt oder Nachfolgeprojekt von Alarmstufe-Gerd-Mitgliedern. Es ist auf jeden Fall derselbe Sänger. Die Band hieß "Undressed Army" und das Album "Jede Hardcore Band braucht eine Disco". Im Gegensatz zu Gerd ist das hier fürchterlich unlustig. Schade eigentlich. Die Stimmung wird dann von dem nach wie vor sehr sehr sportlichen "Es grauet" von Ungfell gerettet, die mir irgendwann Philipp empfohlen hat. Danke nochmal dafür. Weiter geht es mit dem Verlinken von alten Reviews "Teufelsgeist" von Urfaust. Ja. Geil. Und als letzter Verweis in dieser Ausgabe "Seveso Kids" von Urlaub im Rollstuhl. 80er Jahre (genauer gesagt 1987) Deutschpunk über die Zustände der damaligen Zeit:







Donnerstag, 13. Juli 2023

Film der Woche#587: Soviet Animation Double Feature!

Hallo und herzlich willkommen zu einem weiteren "Film der Woche". Diesmal habe ich mir zwei unterschiedliche Zeichentrickfilme aus der Sowjetunion vorgenommen. Mit "unterschiedlich" meine ich wirklich zwei gegensätzliche Konzepte.

1. Steklyannaya Garmonika/Die Glasharmonika (1968)

Erschaffen von Regisseur Andrey Chrschanowskij, wurde das Werk in der Sowjetunion zensiert. Man hat sich mit der Zensurbehörde auf eine eindeutige Einleitung zum Film geeinigt, die erklärt hat worum es überhaupt geht. Allerdings selbst danach ist der Film nicht erschienen, da es nicht genügend Filmrollen gab.


Was wir zu sehen kriegen ist eine triste, simpel gestaltete Stadt in welcher Menschen leben die von der Macht des Geldes und Gier korrumpiert sind. Die "Stadt des gelben Teufels" wird von einem Mann im Melonenhut kontrolliert, der die Anwohner mit goldenen Münzen bezirzt. Die Menschen wirken nicht nur innerlich sondern auch äußerlich entstellt und sehen aus wie animalischen Monstren. Das ändert sich als ein Musiker mit einer Glasharmonika in der Stadt auftaucht. Seine Musik verwandelt die Menschen zurück, sodass sie sich zurück in ihre menschliche Gestalt verwandelt haben. Das hat dem Mann im Melonenhut nicht gefallen, sodass er sein Instrument zerstört hat was die Anwohner wieder zurückverwandelt hat. Der Musiker wurde abgeführt. Erst später als ein weiterer Musiker auftaucht und das gleiche vollbringt, führt es dazu dass die Anwohner ihre Menschlichkeit wieder erkennen und gegen ihren Machthaber rebellieren.

Als Vorlage für die Charaktere wurden Gemälde von verschiedenen Künstlern benutzt. Für die "missgestalteten" Eigenschaften nahm man Bilder von mittelalterlichen Künstlern wie Hieronymus Bosch oder Giuseppe Arciumboldo - während die "menschliche" Gestalt von Renaissance-Künstlern bzw. ihren Bildern dargestellt wird: Dürer oder El Greco. Der "Mann im Melonenhut" ist ein Bild von René Magritte. Die Gegensätze sind sehr stark sodass man den Unterschied ordentlich aufgezeigt bekommt. Die Handlung wird nicht erklärt, es gibt keine Untertitel und auch keine Dialoge. Stattdessen hat man eine musikalische Untermalung des Komponisten Alfred Schnittke. Tatsächlich weist der Film auch Ähnlichkeit mit dem Beatles-Zeichentrickfilm "Yellow Submarine", zumindest der Handlung wegen. Allerdings sind die Filme ungefähr zeitgleich entstanden sodass da keine Rede vom Plagiat sein kann. Ich fand das sehr eindringlich und faszinierend, zuzusehen wie Mensch immer hässlicher und korrupter wird und danach wieder seine "menschliche" Seite wiederfindet. Sehr gut grafisch inszeniert und absolut hineinziehend.

9/10 Pfandflaschen

2. Tayna tretyey planety/Das Geheimnis des Dritten Planeten (1981)

Regie führte hier Roman Katschanow, das Drehbuch wurde geschrieben vom Sci-Fi-Autor Kir Bulytschow.

"Das Geheimnis des Dritten Planeten" ist ein Sci-Fi-Kinderzeichentrickfilm der irgendwann Ende des 22. Jahrhunderts spielt. Ein Raumschiffpilot namens Seljonyj fliegt zusammen mit seinem Kollegen den Professor Selesnjow und dessen Tochter Alissa mit dem Raumschiff "Pegas" in den Weltraum. Sie sollen für den Moskauer Zoo selten Tierarten aus den Untief der Galaxie finden. Zwischendurch treffen sie auf einen Weltraum-Archäologen und Selesnjows Kollegen Gromoseka. Dieser rät ihnen einen Direktor eines Museums zu treffen, namens Dr. Werchowzew zu treffen. Das Museum ist der Erinnerung an zwei verschwundene Weltraumpiloten gewidmet. Werchowzew könnte ihnen mit der Expedition helfen, als auch verschiedene Tierarten zu finden. Er selbst verhält sich jedoch höchstmerkwürdig und fängt an, die Expedition heimlich auszuspionieren. Im weiteren Verlauf der Geschichte entsteht der Eindruck als ob er selbst hinter dem Verschwinden verschiedener Tierarten in der Galaxis steht als auch anderen Verbrechen.

Hört sich so ernst an, ist es aber nicht. "Das Geheimnis des Dritten Planeten" ist ein super süßer Kindertrickfilm, der seine Zuschauer allerdings nicht komplett in Watte einwickelt und auch manchmal sowas wie Gewalt zeigt, die allerdings nicht "cartoony" und somit auch nicht absolut übertrieben ist. Einer der Bösewichte sieht sogar aus wie Jewgenij Prigozhin, was den Film irgendwie etwas...prophetisch macht. Man könnte meinen, dass man hier sich irgendwie auf die Geschichte der Arche Noah bezogen hat, das allerdings auf eine wissenschaftliche Art umsetzen wollte. Gleichzeitig fühle ich mich an US-Serien wie Star Trek erinnert, auch weil die Bösewichte hier als auch die Landschaften so abstrakt und lustig wirken. Ich bezweifle allerdings, dass man das im Sinn hatte. Viel eher, wirkt es als hätte man eine Art Rollenspiel umgesetzt, dass man als Kind mit besonders viel Fantasie mit seinem Vater/Opa/Mutter/Oma umgesetzt hat. Im Gegensatz zum ersten Eintrag in diesem Review ein durchaus süßer und harmloser Film.

8/10 Pfandflaschen

Mittwoch, 12. Juli 2023

Album der Woche#590: My Bloody Valentine - Loveless (1991)

Es ist nicht das erste Mal, dass ich beim Genre "Shoegaze" "reingucke", aber ganz sicher das erste Mal dass My Bloody Valentine - die Meister des Genres - hier ein Review bekommen. 

"Loveless" ist das zweite Album der Band und für eine gute Zeit, bis zum Jahre 2013 (als "m b v" erschienen ist) auch das letzte. Die Aufnahmen dauerten beinahe zwei Jahre und es hat mehrere Studio-Ingenieure als auch 19 verschiedene Studios gebraucht. Die Summe der Produktionskosten soll im sechsstelligen Bereich gelegen haben. 


Doch genug drumherum geredet. Kommen wir zum Punkt: Ich weiß, dass dieses Album einen sehr hohen Stellenwert bei den Fans des Genres als auch bei Musikhistorikern genießt. Und das zurecht. Beim Hören entsteht nämlich ein Gefühl der Zeitlosigkeit und dass man hier in einer Hinterhofgarage aufgenommen hat mit sehr wenigen Hilfsmitteln. Dabei sind die Aufnahmen unfassbar klar und sehr minimalistisch. Als Sängerin fungiert Bilinda Butcher die über eine verträumte Stimme verfügt, die einen an die "Radiator Lady" aus Eraserhead oder wahlweise Julee Cruises Song "Falling" aus Twin Peaks. Oder aber auch Kevin Shields, der nicht weniger verträumt klingt. Ich habe absolut keinen blassen Schimmer worum es in den Songs geht. Die Texte sind einfach unfassbar kryptisch und lassen einen darauf schließen dass Sex bzw. romantische Gefühle ein Thema sind. Die Single "Only Shallow" als auch "To Here Knows When" sind gute Beispiele dafür. Vor allem der erste Song könnte tatsächlich von Selbstbefriedigung handeln. Der musikalisch schönste Song ist zweifelsohne "When You Sleep". Was sich dann ergibt ist ein Gesamtbild, dass im Kopf des Hörers aus pastellfarbenen Landschaften, Slow Motion Live Videos und irgendwas was ich grade nicht beschreiben kann, besteht. 

"Loveless" klingt wie eine softere, verzerrtere Version von Sonic Youth. Es ist Musik, die man nach dem Aufwachen im Kopf hat und vllt. auch vorher zum einschlafen gehört hat. Nicht, dass sie langweilig wäre. Jedoch so unfassbar wohltuend und beruhigend. Es muss gar nichts konkretes in den Texten stehen und die Musik auch nicht "greifbar" sein, damit diese gut ist. MBV klingen als hätten sie Musik aus formlosen Wolken entstehen lassen.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Sometimes, Only Shallow, To Here Knows When, When You Sleep



Dienstag, 11. Juli 2023

Comic Book Review#586: The Mask: I Pledge Allegiance To The Mask#1-4 (2019)

Okay, jetzt ist es irgendwie doppelt gemoppelt, weil ich die erste Ausgabe schon mal hier reviewt habe. Andererseits ist es für diesen Blog der Abschluss einer unglaublich langen Reise. Mit diesem Review ist der Zyklus der Maske (vorerst, bis Dark Horse keine neue Reihe auf den Markt bringt) abgeschlossen.

"I Pledge Allegiance To The Mask" ist im Vorfeld der US-Präsidentschafts-Wahlen rausgebracht worden - im Jahre 2019, die vierte Ausgabe allerdings im Jahr 2020. Der Träger der Maske ist diesmal ein Lokalpolitiker aus Edge City, der in allerlei Umfragen ganz unten landet. Er ist ein Ehemann und Vater von zwei Kindern, sein Name ist Abner Mead und er könnte nicht durchschnittlicher sein. Die Maske findet er im See von Edge City nachdem der Träger davor sie dort rein geschmissen hat. Dieser wiederum war ein Waisenkind dass von einem psychotischen Ehepaar adoptiert wurde, genauso wie
mehrere andere Kinder. An den beiden hat er sich gerächt, indem er die Superkräfte der Maske genutzt hat. Als Abner zum Träger wird, manipuliert ihm die Maske zu mehreren Morden. So bringt sie verschiedene Präsidentschaftskandidaten zur Strecke. Außerdem knüpft sie einen Kontakt zu einem großen Tier der Unterwelt von Edge City und wird in kürzester Zeit zum Gegenkandidaten von Kathy. Genau der Kathy, die noch in der ersten Serie Stanley Ipkiss' Freundin war, nun Bürgermeisterin ist und jetzt als Präsidentin der Vereinigten Staaten kandidiert. Während sie noch versucht als eine Art "gemäßigte" Politikerin zu agieren, zieht die Maske mit allerlei absurden Forderungen (Kanada erobern, Obdachlose exekutieren, Webcams in Genitalien) die Mehrheit der Bevölkerung zu sich.

Diese Miniserie geht mit den ursprünglichen Charakteren auf eine etwas andere Art und als man es erwartet hätte. Mitch Kellaway, der Cop der früher mal die Maske getragen hat und immer wieder versucht hat, alle abzuhalten dasselbe zu tun ist wieder da und versucht Kathy zu helfen. Sie beide wirken etwas....zermürbt, zynisch und ehrlich gesagt wie Schatten ihrer selbst. Wir erfahren zudem, was zwischendurch mit der Maske passiert ist. Dass ein gewisser Kollege von Kellaway sie benutzt hat um Nazis auszulöschen. Darüber hinaus ist der Comic eine ganz gute Parodie auf Donald Trumps exorbitanten Populismus. Man hat seine großen Reden einfach auf den Kopf gestellt und um 360 Grad gedreht. Es gibt ordentlichen Gore, zynische Kommentare, trockenen Humor und natürlich auch einen politischen Kommentar. Schade eigentlich, dass es nach nur vier Ausgaben zu Ende ist. It was a hell of a ride.

Made by: Christopher Cantwell, Patric Reynolds
8,5/10 Pfandflaschen