Dienstag, 14. Juni 2022

So isses, Musik!#145

 M: Ich höre immer noch die Musik auf meinem Laptop und bin immer noch bei M. Allerdings schon bei "The XY" angelangt. Und welche Band mit M fängt mit einem "The" an? Natürlich: The Meteors. Die selbsternannten Kings of Psychobilly. Tatsächlich musste ich sowohl vor Fremdscham mich wegdrehen als auch ordentlich Kopfnicken. Einiges was sie rausgebracht haben war mehr als geil. Anderes nicht so.

"Voodoo Rhythm" ist ein sehr positives Beispiel:


Mindestens genauso geil ist das Rolling Stones Cover "Get Off My Cloud":


Es gibt auch diese Split-EP mit Entertainer-Legende "Screaming Lord Sutch". Der Mann hat Horrorpunk gemacht bevor es Horrorpunk überhaupt gab. Oder Shock Rock. Vor Alice Cooper. Dave Vanian von The Damned muss auch definitiv bei ihm geklaut haben, was Image betrifft.


MOTU/Just Went Black/Surf-Nazis Must Die

Der nächste Subordner im Ordner "M" war eine 3-Way-Split zwischen den Bands MOTU (Masters of the Universe), Just Went Black und Surf Nazis Must Die. MOTU haben damals sehr angesagten Thrashcore gemacht - sprich nicht ganz Hardcore Punk, nicht ganze Thrash Metal, nicht ganz Crossover Thrash. Irgendwas dazwischen, mit einer unfassbar schrillen Stimme am Mikrophon und natürlich Ausschnitten aus "He-Man and the Masters of the Universe". Hier ist übrigens ihr Anteil an der Split:




Just Went Black habe ich einmal in Baden-Württemberg gesehen. Sie gesehen in eine ganz andere Richtung. Emo-beeinflusster äääh Emo-Irgendwas, allerdings ohne lange Wimpern und Make-Up. Oder auch einfach Dark Hardcore Punk. Ich weiß es nicht. Mir hat es damals sehr gut gefallen. Habe tonnenweise solcher Bands auch live gesehen, die wahrscheinlich von JWB beeinflusst waren. Hier gehts zur Demo auf Bandcamp. 

Von den großartigen Surf Nazis Must Die, deren Sänger inzwischen mit Herpes und Ecke Schönhauser deutschsprachigen Indie macht oder gemacht hat (keine Ahnung), kriegen wir volle Ladung vollkommen primitiver Hardcore Punk, wie man ihn von früher kennt. Songs die grade mal eine Minute lang sind, mit Texten darüber was grade so einem im Kopf herumspukt. Sprich: Nerd-HC ohne Baggie Pants und Gym-Attitüde. Zu hören ist die "Anti-Everything"-EP, eine unveröffentlichte Aufnahme und eine Demo. Auf der "Anti-Everything" ist übrigens auch der Song "Emo Kids Blown To Shit", wozu ich einst ein YouTube-Video gebastelt hab. Es ist allerdings leider nicht mehr zu finden. SNMD haben mich sehr beeinflusst. Sie sind meines Erachtens das was Punk einst ausgemacht hat. Musik, die jeder machen konnte und durfte, weil sie so einfach war. Ohne jegliche Szene-Restriktionen. Die Band hat sich nach einem Klassiker-Film von Troma benannt und die Vorgänger-Band hieß ganz anders. Nämlich "Adolf Hitler Klan", was denke ich mal heutzutage nicht so cool rüber gekommen wäre. Anyways, hier ist die ganze EP:


The Mummies - Death By Unga Bunga!! (2003)

Als nächstes haben wir eine Compilation namens "Death By Unga Bunga!!" von der us-amerikanischen Garage Punk Band "The Mummies", die sich als Mumien verkleidet haben. Herrlich. So simpel, so einfach, so herrlich.


Was läuft sonst so?

Jetski Accidents - Demo (2022)

Das Demo dieser Dortmunder (und nicht Dortmunder) Band erschien Mitte/Ende Mai dieses Jahres und es könnte für ein Demo nicht besser sein. Für meine Ohren ist es eine sehr willkommene Abwechslung,
da ich eher misanthropische Musik gewöhnt bin. Jetski Accidents hingegen scheinen zwar in ihren drei Songs wohl auch schlechte Dinge zu besingen (ich mutmaße mal weil es keine Lyrics zu finden gibt), wie in "I Hate Too Many Things". Allerdings wird durch den hellen, freundlichen Klang das Gefühl transportiert, dass alles irgendwie schon gut wird. Was genau zu hören ist: Garage/Surf Punk, der mich an Bands erinnert die vor zehn Jahren bei Spastic Fantastic veröffentlicht haben. Aber auch an King Khan, Fuzztones usw. Allerdings mit einem wesentlich poppigeren Unterton. Ich bin gespannt, wann sich (für mich) die Zeit findet und ich sie live sehen kann. 

Hier gehts zur Demo.

Autumn Kids - Letters (2022)

Autumn Kids aus Bamberg also. Hatte ich schon länger auf den Schirm, wusste dass da bald ein neues Album rauskommt - bzw. das erste. Allerdings habe ich die Musik tatsächlich kein einziges Mal angehört. Das war ein Fehler. Denn es ist tatsächlich qualitativ einfach richtig guter Hardcore Punk, der verschiedene Elemente des Genres bedient. Der erste Song "Flightless Birds" holt mich nicht ganz ab, weil er zu Beginn zu sehr nach HC Marke Sick Of It All klingt, nur um dann in eher langsamere Gefilde abzudriften (Gott, ich hasse Journalistensprech). Das gefällt mir dann wesentlich besser. Schmerzvoll, verbittert. Hach. Mein Favorit hierauf ist "Monument" der mit erstaunlich gotischen Cleangesang


anfängt und Klavier. Danach klingt der Song nach Deftones, nur nicht wirklich wie Chino Moreno. Insgesamt eine erstaunliche Mischung aus emotionaleren und den eher "stumpfen" Elementen des Hardcore Punk. Fast als würde man sich langsam in die Abgründe seines inneren Lebens begeben. Ich finds gut. Bin trotzdem der Meinung, dass es immer Luft nach Oben gibt. 

Hier gehts zum Album. 


Black Sabbath Discography: Master Of Reality (1971)

Da ihr mein Senf dazu schon mal gelesen habt, nämlich hier, könnt ihr nun die Meinung der beiden anderen Experten lesen. Nur noch ein paar Alben, dann bin ich auch wieder dabei.


Philipp:
"Meddl Loide,
Mal ganz ehrlich, es ist scheisse, über Black Sabbath zu schreiben. Ich habe mir (in Abstimmung mit den anderen 2 beiden) bewusst diese Band herausgesucht weil ich mir dachte "Haha, easy, muss ich mir gar nicht alles noch mal aktiv anhören, die ersten 6 Alben hab ich eh gefressen und die mit Dio auch." Nunja, soweit die Theorie - nun zur Praxis:

Es ist wirklich schwer und es tut weh über so legendäre Alben zu schreiben, man kann ihnen einfach nicht gerecht werden, nicht mit Metaphern, nicht mit lustigen Geschichten, nicht mit irgendwelchen kecken Provokationen (wäre ja auch ne fingerkuppenlose Frechheit gegenüber Tony Iommi lel), nie im Leben. Diese Alben sind größer als das Leben selbst und alles, was wir kennen, deal with it.

Master Of Reality hat mit Tonys großartiger Idee, seine Gitarre einfach mal 3 Halbtöne tiefer zu stimmen, um auch mit deutlich lädierten Fingerkuppen besser und schmerzfreier Gitarre spielen zu können, ganz schön was losgetreten, sprich Sludge und Doom Metal und die ganze langweilige Scheisse. (Spässle!)


Naja, jedenfalls sind die Songs kürzer und langsamer als auf Paranoid, aber allesamt legendär. Da das diesmal auch wirklich nicht so sonderlich viele sind, werde ich mich im Folgenden mal kurz zu dem äußern, was hier so fabriziert wurde:

Es beginnt mit husten (no 'Rona though) und kiffne, nicht so mein Thema aber Sweet Leaf ist n verdammt toller Song. A propos nicht mein Thema, in "After Forever" geht's dann letztendlich um Religion bzw. Katholizismus, aber eben nicht auf die okkult-satanistische Art und Weise,

die man hinter Black Sabbath als Laie vermuten könnte sondern man bezieht sich wirklich positiv auf Gott und Spiritualität und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich den Text immer aktiv ignoriert habe. Andererseits wurde der Song auch schon von Shelter (Hare Krishna du weißt) gecovert und das sogar ziemlich gut (Link bidde dange) und nunja, er ist schon tolerierbar, halt eben auch wirklich n großartiger Song, egal wie man nun zu der Message steht oder nicht.

Danach geht's dann weiter mit dem kurzen Instrumental "Embryo", das einen quasi in Stimmung und Tonart schon hervorragend auf den nächsten Song einstimmt, die Anti-Atomkriegs-Hymne "Children Of The Grave", der für mich tatsächlich so ziemlich der beste Song des Albums ist, unfassbar groovender Scheiss, schönes simples Riff, geil.

"Orchid" ist erneut ein Übergangs-Instrumental und danach folgt das doomige "Lord Of This World", diesen Text habe ich als Beschreibung der Menschheit wahrgenommen, welche sich vom Guten (und Gott) abgewendet hat und nun am laufenden Band böse Dinge tut.

Das nun folgende "Solitude" ist eine Ballade, in der es um Einsamkeit (Surprise!) und verlassen werden geht, ich hab übrigens das gesamte Internet durchforstet, um irgendwie herauszufinden, wer das hier eigentlich singt, es klingt nämlich erstaunlich wenig nach Ozzbert Ozzington, gefunden hab ich aber leider nix. Ist auch nicht meine Aufgabe, ich mag diesen Song, zumal Tony Iommi hier zusätzlich Orgel und Flöte spielt, Multitalent, dieser. Keine Ahnung, ob er die Flöte auch tiefer gestimmt hat für seine Plastikfingerkuppen, kenne mich nicht mit Blasinstrumenten aus.

Das Album endet mit "Into The Void", das davon handelt, dass man sich auf einem anderen Planeten nieder lässt, soll man die Erde doch Satan und seinen Sklaven überlassen. Puh, Sweet Leaf als Opener zu wählen, sollte wohl bereits andeuten, dass man WIRKLICH viel gekifft hat, das macht sich halt auch in dem ein oder anderen Text bemerkbar. Aber wer bin ich, das zu beurteilen.
DiesesAlbum passt thematisch und textlich wirklich gut in die (etwas verkifften) frühen 70er, da werde ich mich natürlich auch nicht drüber beschweren.

Um ganz ehrlich zu sein, wollte ich diesem Album eigentlich wirklich auch 10/10 Pfandflaschen geben, weil es halt eben zu diesen unangefochtenen Klassikern der Band gehört, aber beim schreiben fällt mir gerade auf, wie absurd ich diese verkifften Texte finde, vor allem wenn es in jedem zweiten Lied dann doch um einen Gott geht, den die Menschen verlassen haben, um böses zu tun und sich Satan zuzuwenden.
Ich frage mich ehrlich gesagt, ob hier an dieser Stelle, kompensiert werden musste, dass die Band als böse und satanistisch dargestellt wurde, das schien wohl dem ein oder anderen Musiker nicht gefallen zu haben. Wie gesagt, ich beschwere mich nicht, aber da ich hier am Drücker bin und mich heute wirklich ein bisschen frech fühle, 10/10 für Musik, 7/10 für Texte, also insgesamt:

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Children Of The Grave, Sweet Leaf, Into The Void"

Raphael:

"Allein schon optisch ist „Master of Reality“ ein legendäres Album. Das Coverdesign wurde inzwischen locker umptzigtrausend mal nachgemacht und ist bei allem Minimalismus einfach großartig. Und dann ist da ja noch die Musik!
Direkt zum Einstieg kommt das Joint-Husten von Tony Iommi und damit der Einstieg in die ewig relevanteste Liebeserklärung an den Salat des Teufels: ‚Sweet Leaf‘ darf in keiner Stoner- und 420-Playlist fehlen und endet in atmosphärischen Rauchschwaden. Und aus diesem Dunst erhebt sich der Einstieg in ‚After Forever‘. So vieles an diesem Song ist bizarr: der christliche Kontext; die Bridge, welche später von den Rembrandts verhunzt wurde; der Heavy Metal-lastige Hauptpart; die Bluescoda; und natürlich die Tatsache, dass das alles stimmig zusammenpasst. Weird. Ich liebe es, und ich weiß nicht warum.
Thematisch geht es dann rund, denn vom Kiffen über das Leben nach dem Tod, sind wir nun beim Instrumental ‚Embryo‘ gelandet, das uns in ‚Children of the Grave‘ überleitet. ‚Embryo‘ ist ein kräftiger psychedelischer Strudel mit hypnotischer Wirkung – eins der besten Sabbath Instrumentals. Faszinierend finde ich dann ‚Children of the Grave‘ (und verbumster Kot, warum korrigiert MS Word ‚of the‘ immer wieder zu ‚oft he‘?). Das Strophenriff und der dazugehörige Rhythmus sind genau der Stoff, aus dem Iron Maiden mindestens acht ihrer Alben gebastelt haben. Irre gut finde ich auch die Percussions in den Bridges.

Ozzy Osbourne, Bill Ward, Tony Iommi, Geezer Butler


Danach kommt es direkt zum nächsten Instrumental ‚Orchid‘, welches ich so beiläufig finde, dass ich es meistens eher als verlängertes Intro für ‚Lord of this World‘ wahrgenommen habe. Hier wird wieder die Brücke von Blues Rock zu Proto-Doom offensichtlich. Black Sabbath zeigen uns hier die dunkelste Seite des Mississippi Delta – beziehungsweise die Birmingham-Version des Catfish Sounds. Inzwischen hat sich der eigene Stil manifestiert und so funktioniert auch ‚Lord of this World‘ nach dem Sabbath-Erfolgrezept aus eingängigen, dynamisch-repetitiven Strophen, atmosphärischen Refrains, und einem virtuosen Solo-Part als Bridge vor dem Schluss.
Und was dann kommt, ist bis heute die sicherste Quelle für Gänsehaut auf meinem Körper. Die Akustik-Nummer ‚Solitude‘ ist tiefenentspannende, dunkelst melancholische, und absolut meditative Psychedelik. Diesem Song alleine gebe ich jede Pfandflasche, die ich je gesehen habe.
Zum Abschluss gibt es also mit ‚Into the Void‘ noch sechs Minuten, die man heutzutage wohl in Richtung Stoner Doom packen würde. Die rollende – oder eher walzende – Bewegung sowie die leicht versetzten Akzente sorgen für schöne Dynamik und sind trotz des eher behäbigen Tempos ein schicker Headbanger.

Im Vergleich zu den beiden vorigen Alben wirkt „Master of Reality“ in sich kohärenter – thematisch wie auch musikalisch. Black Sabbath scheinen sich hier (vorerst) wirklich auf einen Sound eingegroovet haben. Gemächlicher, finsterer und mit mehr Gewicht als je zuvor (und danach) ist 1971 das Album erschienen, das wahrscheinlich mein Lieblingsalbum der Band ist. Deshalb gebe ich auch hier
10/10 Pfandflaschen"



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