PARADISE LOST auf dem NORD OPEN AIR in Essen am 30.07.2022
Ich habe schon das Festival für mich stark eingegrenzt. Habe mich gegen den Punk-Tag (mit Sick Of It All etc.) entschieden und gesagt, dass ich nur am Samstag für die Metal-Bands kommen möchte. Genauer gesagt vllt. Death Angel, Asphyx und Paradise Lost. Am Ende haben Marlyn und ich uns für Asphyx und Paradise Lost entschieden. Sind rechtzeitig losgefahren und angekommen als Asphyx angefangen haben. Dummerweise haben die Security uns gesagt, dass ein Rücksack nicht aufs Festivalgelände darf und so mussten wir zu einen Schließfach im Essener Bahnhof und dann wieder zurück. Man hätte uns auch sagen können, dass wir ihn im Café Nord abgeben können aber nein. Egal. Schließfach war definitiv sicher. Waren dann wieder da als Asphyx kurz vorm Ende ihres Sets waren. Das was ich gehört habe, hat mir auch live gefallen. Kürzlich habe ich nämlich die komplette Discography der Band geschluckt und hab sie insgesamt mehr oder weniger für ziemlich gut befunden, bin aber eher Fan der ersten Alben. Sei's drum.
Nach ca. einer halben Stunde Wartezeit waren dann endlich Paradise Lost dran. Sie spielten einige Songs aus ihren letzten zwei-drei Alben "Obsidian", "Medusa" und "The Phantom Within", "Eternal" vom 1991er Klassiker "Gothic", "Faith Divides Us - Death Unites Us", "One Second", "Say Just Words", "As I Die"... Also im Grunde genommen eine Ansammlung von Lieblingssongs des Publikums. Insgesamt eher langsam und ruhig, melodisch. Natürlich keine Death Metal Klassiker vom ersten Album "Lost Paradise". Dafür aber einiges aus ihrer Nicht-Metal sonder "Goth Rock"-Phase, gemischt mit neueren Songs. Ich hätte mir gewünscht, dass sie alles mögliche aus allen ihren Phasen gespielt hätten, aber sie hatten nur 70 Minuten Zeit. Nick Holmes meinte dann auch zwanzig Minuten vor Schluß "Fuck it" und es blieben nur noch zwei Songs übrig. Schade schokolade. Trotzdem ein grandioses, wunderschönes Set.
Außerdem: Marlyn hat eine Jack Daniel's-Bauchtasche geschenkt bekommen und wir haben insgesamt 18 Rammstein- und 19 Amon Amarth-Shirts gezählt.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Stricher hört seine Musiksammlung alphabetisch durch:
N:
Nasum - Inhale/Exhale (1998)
Boah was habe ich mich darüber gefreut, dass Nasum endlich dran waren. Neben Skitsystem, Nausea und Discharge war es eine meiner meistgehörtesten Bands damals. Damals, als ich Litfaßsäulenhosen getragen haben und ständig neue Aufnäher auf meine Kutte kamen. Also so wie heute, nur in nicht so gut und selbstgemacht. Nasum gibt es heutzutage leider nicht mehr, weil u.a. der Sänger Mieszko Talarczyk in diesem einem Tsunami ums Leben gekommen ist. "Inhale/Exhale" ist eines der besten Alben:
Negative FX - s/t (1984)
Negative FX waren eine der ersten Bands von Jack "Choke" Kelly, der mittlerweile viel eher als Sänger von Slapshot, Stars & Stripes und Last Rights bekannt ist. Ungeschliffener DIY-Hardcore. Ein Album mit einer Länge von ganzen 16 Minuten. Das erste Lied "Feel Like A Man" ist wohl das bekannteste - wurde sogar mal von Das Oath für ihre Split mit Ampere gecovert. Der Rest ist im Gegensatz zum relativ melodischen Opener ziemlich chaotisch. Unfassbar wie schnell dieses Album vorbei ist.
Nein Nein Nein - Deine Szene ist ein Zombie (2006)
Das letzte Mal vor gefühlt 10 Jahren gehört. NEIN NEIN NEIN waren eine Punkband aus Mönchengladbach, die sich höchstwahrscheinlich nach diesem einen Song von The Buttocks benannt haben. Sehr gerade aus gehender, melodischer, deutschsprachiger Punkrock mit nicht gerade stumpfen, allerdings teils furchtbar kryptischen Texten. Zumindest auf dem ersten Blick. Songtitel wie "Kevin am Bord" oder "Christen fisten!". Großartig.
Neurotic Arseholes - Bis zum bitteren Ende (1983)
Und wenn wir schon beim melodischen deutschsprachigen Punkrock sind, so darf ich diese Perle aus den 1980er Jahren nicht vergessen. Natürlich kommt sie heute nur vor, weil ich alphabetisch bei "N" angelangt bin.
Nig-Heist - Snort My Load LP (1984)
Eine Band/ein Projekt bestehend aus allerlei Leuten, unter anderem Mugger, den Roadie von Black Flag und Bill Stevenson, Schlagzeuger von Black Flag/Descendents. Allerdings haben wir kein Hardcore Punk zu erwarten sondern eine garagig klingende Shock Rock Band mit unfassbar bescheuerten vulgären Texten, die stumpfe Provokation sind. Natürlich sexuellen Charakters. Stellenweise echt ziemlich ekelhaft und dumm, aber insgesamt irgendwie amüsant.
Jetski Accidents - The most radical about us is our conformism (2022)
Heute (30.07.22) ärgere mich darüber, dass zwei Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden und ich nicht gleichzeitig auf zwei Veranstaltungen sein kann. Aber ich muss halt abwägen wohin ich lieber gehen möchte, was mein Körper auf längere Zeit verträgt und was mich mehr interessiert. Darum heute lieber zu Paradise Lost in Essen als zum Spastic Fantastic Fest in Dortmund, wo unter anderem die Jetski Accidents spielen. Ich habe vor einiger Zeit mal das Demo kurz besprochen, jetzt gehts an das erste richtige Album der Band ran. Ich habe ehrlich gesagt auch gar nicht so viel hinzuzufügen, außer dass sich alles beim ersten Hören nicht mehr wirklich surfig sondern wunderbar poppig, verträumt und unfassbar locker anhört. Meines Erachtens fehlt es momentan an guten Punkbands bzw. irgendwie reißt mich das Genre einfach nicht vom Hocker. Darum bin ich auch sehr froh darüber, dass es solche wenn auch kleinen aber irgendwie hell leuchtenden Lichter gibt. Der Name Jetski Accidents erscheint einem zuerst wie eine typische Trashpunk Band, weil er so witzig klingt und man irgendwelche geisteskranken Unfallvideos vor Auge hat. Sie klingen aber wie Hüsker Dü in weniger depressiv und wesentlich cleaner. I still like.
Hallo, hier bin ich wieder! Endlich sind wir an den Punkt angekommen, an dem ich auch an der Discography teilnehmen kann, weil jetzt die Alben dran sind die ich noch nicht reviewt hab.
Und zwar zum wirklich bestmöglichen Zeitpunkt. Es ist nämlich, laut internationalen Musikkritikern vllt. das beste Sabbath-Album seit "Paranoid". Meiner Meinung nach das beste Seit "Masters of Reality", wobei ich "Sabbath Bloody Sabbath" immer noch sehr gut finde. "Sabotage" ist eine ganze Ecke anders als die ersten Alben der Band. Man bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung und verzichtet auf finsteres, doomiges, schweres. Stattdessen setzt man opernhaften Backgroundgesang, Synthesizer, Progressivität und verdammt noch mal sehr großen Pop-Appeal. Vielleicht liegts daran, dass die Band während der Aufnahme eine "Jamsession mit Led Zeppelin" hatte, auch wenn das historisch nicht wirklich belegt ist. Vielleicht haben sie einfach sehr viel Led Zep gehört und haben sich eingebildet, dass sie mit im Studio gewesen sind - woran natürlich wohl die Drogen Schuld gewesen sein könnten. Aber das ist nur eine Theorie.
Meines Erachtens ist "Sabotage" ein tatsächlich sehr massentaugliches Album. Ganz gute Beispiele dafür sind, finde ich "Megalomania", "Supertzar" oder "Am I Going Insane (Radio)". Doch es gibt auch einen Song, der später gar nicht mal wenige Bands beeinflusst hat, nämlich "Symptom of the Universe". Dieser ist fast schon klassisches Sabbath. Und trotzdem unfassbar catchy. Finde, dass das Album sich insgesamt anhört, wie zukünftige Ozzy Osbourne Songs. Selbes Gefühl, teils ähnliche Arrangements, Songtexte die nach Ozzys Solo-Ideen klingen. Irgendwie merkwürdig, aber doch ganz natürlich. Wer weiß. Der Albumtitel bezieht sich auf die Querelen mit dem Label und dem Gefühl bei seinem künstlerischen Schaffen sabotiert zu werden.
Mit diesem Album sind Black Sabbath wohl im "klassischen" Heavy-Metal-Gefilde gelandet. Das erklärt auch, wieso sie später so klangen wie sie später klangen. Interessant. Ich liebe das Teil. Ehrlich.
9/10 Pfandflaschen
Supertzar, Megalomania, Symptom Of The Universe, Am I Going Insane (Radio)
Und weil drei Meinungen besser sind als zwei, hier kommt erst Philipp und dann Raphael:
Philipp:
Philipps Review muss leider nächste Woche nachgereicht werden.
Edit: (04.08.2022):
"Meddl Loide,
Sabotage ist nicht nur ein (wirklich legendäres) Album von Matthias Reim sondern auch (wie ich gehört habe) ein Black Sabbath-Album, an dem sich schon sehr die Geister scheiden, für die einen ist es das letzte wirklich gute Album der Urbesetzung, für die anderen der Anfang vom Ende und nicht so wirklich Sabbath.
Nun, so richtig doomig ist es nicht, es geht auch nicht um Okkultismus (in "The Thrill of it all" jedoch um Religion), für mich persönlich ist es aber trotzdem ein wirklich großes Stück Musik und reiht sich nahtlos in die Großtaten der ersten 5 Alben ein.
Geboten wird hier gut gespielter (immer noch fantastisch aufeinander eingestimmte Band) Heavy Metal und Hardrock, in Symptom of The Universe wird ein Riff gespielt, das Thrash Metal-Riffing quasi vorwegnimmt.
Mein persönlicher Favorit ist aber immer noch "Megalomania", das balladesk und ruhig anfängt und sich dann aber zu einem treibenden Hardrock-Song entwickelt, hier zeigt Ozzy übrigens große Teile seiner Bandbreite und zeigt, was er für ein großartiger und charismatischer Sänger ist. Mit Raphi bin ich mir übrigens in so weit einig, dass ich "Am I Going Insane (Radio)", Radio übrigens Cockney Rhyming Slang für Mental (Mental - Radio Rental) für den schwächsten Song der Platte halte, ein schlechter Song ist das aber mitnichten.
9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Hole In The Sky, Symptom Of The Universe, Megalomania (unbedingt komplett hören!)"
Raphael:
"Beginnen wir mit einem kleinen Querverweis auf den
vorletzten Teil dieser Serie: auf „Vol. 4“ ging es im Nebensatz
um die Doom Metal Band Saint Vitus. Ebenjene haben sich zu ihrer
Gründung als die Fortsetzung des Sounds von Black Sabbath nach deren
sechsten Album „Sabotage“ verstanden. Auch war vorliegendes Album
laut Saint Vitus die letzte relevante Black Sabbath Veröffentlichung,
bevor sich die Band aus Birmingham endgültig an den Mainstream
verkauft hat. Um Verkauf und Marktwirtschaft geht es im weiteren
Sinne auch beim Albumtitel, der eine Abrechnung mit dem vormaligen
Bandmanager Patrick Meehan ist. Somit ist „Sabotage“ ein letzter
Gruß mit dem Mittelfinger an das Management, von dem sich Black
Sabbath über den Tisch gezogen fühlten – eine Praxis, die bis
heute gängig ist, wie auch der Song ‚Fly
on the Pie‘ von Congoroo
zeigt; aber das nur nebenbei!
Musikalisch
ist der Einstieg in „Sabotage“ eine gelungene Fortsetzung von
„Sabbath Bloody Sabbath“. Die Band brettert mit dem
atmosphärischen Heavy Metal Opener ‚Hole in the Sky‘ los und
lässt die Zuhörenden im Instrumental ‚Don’t start (too late)‘
kurz verschnaufen, bevor mit ‚Symptom of the Universe‘ die
nächste Abrissbirne folgt. Das jazzig-proggige Outro mit nicht zu
verleugnenden Led Zeppelin-Parallelen führt die Hörenden in den
ersten Teil der Verarbeitung des damals präsenten Rechtsstreits.
Wütend, emotional, zwischen Verzweiflung und Tobsucht adressieren
Black Sabbath hier ihren ehemaligen Manager und dessen
Rechtsabteilung. Musikalisch baut sich hier ein nebliger Sumpf aus
doomigen Klängen auf, bis die undurchsichtige Wand weggeblasen wird
und ‚Megalomania‘ zum knackigen und schweren Prog’n’Roll
Monster wird. Von der inhaltlichen Umsetzung sowie dem
Phönix-aus-der-Asche Bild, mit dem sich die Band hier gegenüber
ihrem Gegner präsentieren, ist das große Kunst – musikalisch
reißt es mich nur in Teilen vom Sofa, obwohl die Cowbell es wirklich
versucht.
Bill Ward, Tony Iommi, Geezer Butler, Ozzy Osbourne
Der
Auftakt der B-Seite mit ‚Thrill of it all‘ ist erstmal holprig.
Das Intro (oder eher die Intros?) landen in einem abgehackten Riff,
das insgesamt etwas verloren wirkt. Einen kurzen bluesigen Übergang
später befindet sich das Lied plötzlich in einer Art Heavy Prog
Höhenflug. Es ist ein ähnliches Phänomen wie bei ‚Spiral
Architect‘ auf dem vorigen Album „Sabbath Bloody Sabbath“:
irgendwie passen die Elemente in meinem Kopf nicht zusammen. Aber
dann kommt das mitreißende ‚Supertzar‘ – ein atmosphärisches
Instrumental, auf dem der English Chamber Choir für zusätzliche
Stimmung und Gänsehaut sorgt. Und dann sollte doch eigentlich eine
mächtige Doom Hymne eine massiv schwere Rock’n’Roll Abrissbirne
oder ein Heavy Metal Geschützfeuer kommen, oder nicht? Stattdessen
wird das imposante ‚Supertzar‘ von ‚Am I going insane (Radio)‘
abgelöst – meiner Meinung eine gewaltige Enttäuschung. Wie auch
schon bei ‚Changes‘ von „Vol. 4“ scheinen musikalische Themen
durch, die vor allem die späteren Solowerke von Ozzy beeinflusst
haben. Das macht das Ganze eigentlich nur noch schlimmer. Das Lied
endet in irrem Gelächter und Geschrei, worauf der zweite Teil der
„Sabotage“ Thematik folgt: ‚The Writ‘. Auch hier sprechen
Black Sabbath ihren ehemaligen Manager direkt an und sparen dabei
nicht mit anklagenden Worten. Es mag der wütende Unterton sein, der
dieses Stück so mächtig macht. Und tatsächlich ist ‚The Writ‘
der Höhepunkt der zweiten Seite, was nicht nur an der schwachen
Konkurrenz liegt.
Insgesamt
ist „Sabotage“ ein wildes Wechselbad der Gefühle. Das Album
startet unheimlich stark und bleibt bis Ende der ersten Hälfte
zumindest solide. Der Einstieg in die B-Seite und insbesondere der
harte Bruch zwischen ‚Supertzar‘ und ‚Am I going insane
(Radio)‘ sind allerdings solch starke Enttäuschungen, dass die
positiven Seiten fast überleuchtet werden. So rettet sich „Sabotage“
zu einem durchwachsenen Album, das zwischen Wut, Enttäuschung,
Aufbruch und Wirrwarr verläuft.
M: Ich höre immer noch die Musik auf meinem Laptop und bin immer noch bei M. Allerdings schon bei "The XY" angelangt. Und welche Band mit M fängt mit einem "The" an? Natürlich: The Meteors. Die selbsternannten Kings of Psychobilly. Tatsächlich musste ich sowohl vor Fremdscham mich wegdrehen als auch ordentlich Kopfnicken. Einiges was sie rausgebracht haben war mehr als geil. Anderes nicht so.
"Voodoo Rhythm" ist ein sehr positives Beispiel:
Mindestens genauso geil ist das Rolling Stones Cover "Get Off My Cloud":
Es gibt auch diese Split-EP mit Entertainer-Legende "Screaming Lord Sutch". Der Mann hat Horrorpunk gemacht bevor es Horrorpunk überhaupt gab. Oder Shock Rock. Vor Alice Cooper. Dave Vanian von The Damned muss auch definitiv bei ihm geklaut haben, was Image betrifft.
MOTU/Just Went Black/Surf-Nazis Must Die
Der nächste Subordner im Ordner "M" war eine 3-Way-Split zwischen den Bands MOTU (Masters of the Universe), Just Went Black und Surf Nazis Must Die. MOTU haben damals sehr angesagten Thrashcore gemacht - sprich nicht ganz Hardcore Punk, nicht ganze Thrash Metal, nicht ganz Crossover Thrash. Irgendwas dazwischen, mit einer unfassbar schrillen Stimme am Mikrophon und natürlich Ausschnitten aus "He-Man and the Masters of the Universe". Hier ist übrigens ihr Anteil an der Split:
Just Went Black habe ich einmal in Baden-Württemberg gesehen. Sie gesehen in eine ganz andere Richtung. Emo-beeinflusster äääh Emo-Irgendwas, allerdings ohne lange Wimpern und Make-Up. Oder auch einfach Dark Hardcore Punk. Ich weiß es nicht. Mir hat es damals sehr gut gefallen. Habe tonnenweise solcher Bands auch live gesehen, die wahrscheinlich von JWB beeinflusst waren. Hier gehts zur Demo auf Bandcamp.
Von den großartigen Surf Nazis Must Die, deren Sänger inzwischen mit Herpes und Ecke Schönhauser deutschsprachigen Indie macht oder gemacht hat (keine Ahnung), kriegen wir volle Ladung vollkommen primitiver Hardcore Punk, wie man ihn von früher kennt. Songs die grade mal eine Minute lang sind, mit Texten darüber was grade so einem im Kopf herumspukt. Sprich: Nerd-HC ohne Baggie Pants und Gym-Attitüde. Zu hören ist die "Anti-Everything"-EP, eine unveröffentlichte Aufnahme und eine Demo. Auf der "Anti-Everything" ist übrigens auch der Song "Emo Kids Blown To Shit", wozu ich einst ein YouTube-Video gebastelt hab. Es ist allerdings leider nicht mehr zu finden. SNMD haben mich sehr beeinflusst. Sie sind meines Erachtens das was Punk einst ausgemacht hat. Musik, die jeder machen konnte und durfte, weil sie so einfach war. Ohne jegliche Szene-Restriktionen. Die Band hat sich nach einem Klassiker-Film von Troma benannt und die Vorgänger-Band hieß ganz anders. Nämlich "Adolf Hitler Klan", was denke ich mal heutzutage nicht so cool rüber gekommen wäre. Anyways, hier ist die ganze EP:
The Mummies - Death By Unga Bunga!! (2003)
Als nächstes haben wir eine Compilation namens "Death By Unga Bunga!!" von der us-amerikanischen Garage Punk Band "The Mummies", die sich als Mumien verkleidet haben. Herrlich. So simpel, so einfach, so herrlich.
Was läuft sonst so?
Jetski Accidents -Demo (2022)
Das Demo dieser Dortmunder (und nicht Dortmunder) Band erschien Mitte/Ende Mai dieses Jahres und es könnte für ein Demo nicht besser sein. Für meine Ohren ist es eine sehr willkommene Abwechslung, da ich eher misanthropische Musik gewöhnt bin. Jetski Accidents hingegen scheinen zwar in ihren drei Songs wohl auch schlechte Dinge zu besingen (ich mutmaße mal weil es keine Lyrics zu finden gibt), wie in "I Hate Too Many Things". Allerdings wird durch den hellen, freundlichen Klang das Gefühl transportiert, dass alles irgendwie schon gut wird. Was genau zu hören ist: Garage/Surf Punk, der mich an Bands erinnert die vor zehn Jahren bei Spastic Fantastic veröffentlicht haben. Aber auch an King Khan, Fuzztones usw. Allerdings mit einem wesentlich poppigeren Unterton. Ich bin gespannt, wann sich (für mich) die Zeit findet und ich sie live sehen kann.
Autumn Kids aus Bamberg also. Hatte ich schon länger auf den Schirm, wusste dass da bald ein neues Album rauskommt - bzw. das erste. Allerdings habe ich die Musik tatsächlich kein einziges Mal angehört. Das war ein Fehler. Denn es ist tatsächlich qualitativ einfach richtig guter Hardcore Punk, der verschiedene Elemente des Genres bedient. Der erste Song "Flightless Birds" holt mich nicht ganz ab, weil er zu Beginn zu sehr nach HC Marke Sick Of It All klingt, nur um dann in eher langsamere Gefilde abzudriften (Gott, ich hasse Journalistensprech). Das gefällt mir dann wesentlich besser. Schmerzvoll, verbittert. Hach. Mein Favorit hierauf ist "Monument" der mit erstaunlich gotischen Cleangesang anfängt und Klavier. Danach klingt der Song nach Deftones, nur nicht wirklich wie Chino Moreno. Insgesamt eine erstaunliche Mischung aus emotionaleren und den eher "stumpfen" Elementen des Hardcore Punk. Fast als würde man sich langsam in die Abgründe seines inneren Lebens begeben. Ich finds gut. Bin trotzdem der Meinung, dass es immer Luft nach Oben gibt.
Black Sabbath Discography:Master Of Reality (1971)
Da ihr mein Senf dazu schon mal gelesen habt, nämlich hier, könnt ihr nun die Meinung der beiden anderen Experten lesen. Nur noch ein paar Alben, dann bin ich auch wieder dabei.
Philipp: "Meddl Loide, Mal ganz ehrlich, es ist scheisse, über Black Sabbath zu schreiben. Ich habe mir (in Abstimmung mit den anderen 2 beiden) bewusst diese Band herausgesucht weil ich mir dachte "Haha, easy, muss ich mir gar nicht alles noch mal aktiv anhören, die ersten 6 Alben hab ich eh gefressen und die mit Dio auch." Nunja, soweit die Theorie - nun zur Praxis:
Es ist wirklich schwer und es tut weh über so legendäre Alben zu schreiben, man kann ihnen einfach nicht gerecht werden, nicht mit Metaphern, nicht mit lustigen Geschichten, nicht mit irgendwelchen kecken Provokationen (wäre ja auch ne fingerkuppenlose Frechheit gegenüber Tony Iommi lel), nie im Leben. Diese Alben sind größer als das Leben selbst und alles, was wir kennen, deal with it.
Master Of Reality hat mit Tonys großartiger Idee, seine Gitarre einfach mal 3 Halbtöne tiefer zu stimmen, um auch mit deutlich lädierten Fingerkuppen besser und schmerzfreier Gitarre spielen zu können, ganz schön was losgetreten, sprich Sludge und Doom Metal und die ganze langweilige Scheisse. (Spässle!)
Naja, jedenfalls sind die Songs kürzer und langsamer als auf Paranoid, aber allesamt legendär. Da das diesmal auch wirklich nicht so sonderlich viele sind, werde ich mich im Folgenden mal kurz zu dem äußern, was hier so fabriziert wurde:
Es beginnt mit husten (no 'Rona though) und kiffne, nicht so mein Thema aber Sweet Leaf ist n verdammt toller Song. A propos nicht mein Thema, in "After Forever" geht's dann letztendlich um Religion bzw. Katholizismus, aber eben nicht auf die okkult-satanistische Art und Weise,
die man hinter Black Sabbath als Laie vermuten könnte sondern man bezieht sich wirklich positiv auf Gott und Spiritualität und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich den Text immer aktiv ignoriert habe. Andererseits wurde der Song auch schon von Shelter (Hare Krishna du weißt) gecovert und das sogar ziemlich gut (Link bidde dange) und nunja, er ist schon tolerierbar, halt eben auch wirklich n großartiger Song, egal wie man nun zu der Message steht oder nicht.
Danach geht's dann weiter mit dem kurzen Instrumental "Embryo", das einen quasi in Stimmung und Tonart schon hervorragend auf den nächsten Song einstimmt, die Anti-Atomkriegs-Hymne "Children Of The Grave", der für mich tatsächlich so ziemlich der beste Song des Albums ist, unfassbar groovender Scheiss, schönes simples Riff, geil.
"Orchid" ist erneut ein Übergangs-Instrumental und danach folgt das doomige "Lord Of This World", diesen Text habe ich als Beschreibung der Menschheit wahrgenommen, welche sich vom Guten (und Gott) abgewendet hat und nun am laufenden Band böse Dinge tut.
Das nun folgende "Solitude" ist eine Ballade, in der es um Einsamkeit (Surprise!) und verlassen werden geht, ich hab übrigens das gesamte Internet durchforstet, um irgendwie herauszufinden, wer das hier eigentlich singt, es klingt nämlich erstaunlich wenig nach Ozzbert Ozzington, gefunden hab ich aber leider nix. Ist auch nicht meine Aufgabe, ich mag diesen Song, zumal Tony Iommi hier zusätzlich Orgel und Flöte spielt, Multitalent, dieser. Keine Ahnung, ob er die Flöte auch tiefer gestimmt hat für seine Plastikfingerkuppen, kenne mich nicht mit Blasinstrumenten aus.
Das Album endet mit "Into The Void", das davon handelt, dass man sich auf einem anderen Planeten nieder lässt, soll man die Erde doch Satan und seinen Sklaven überlassen. Puh, Sweet Leaf als Opener zu wählen, sollte wohl bereits andeuten, dass man WIRKLICH viel gekifft hat, das macht sich halt auch in dem ein oder anderen Text bemerkbar. Aber wer bin ich, das zu beurteilen. DiesesAlbum passt thematisch und textlich wirklich gut in die (etwas verkifften) frühen 70er, da werde ich mich natürlich auch nicht drüber beschweren.
Um ganz ehrlich zu sein, wollte ich diesem Album eigentlich wirklich auch 10/10 Pfandflaschen geben, weil es halt eben zu diesen unangefochtenen Klassikern der Band gehört, aber beim schreiben fällt mir gerade auf, wie absurd ich diese verkifften Texte finde, vor allem wenn es in jedem zweiten Lied dann doch um einen Gott geht, den die Menschen verlassen haben, um böses zu tun und sich Satan zuzuwenden. Ich frage mich ehrlich gesagt, ob hier an dieser Stelle, kompensiert werden musste, dass die Band als böse und satanistisch dargestellt wurde, das schien wohl dem ein oder anderen Musiker nicht gefallen zu haben. Wie gesagt, ich beschwere mich nicht, aber da ich hier am Drücker bin und mich heute wirklich ein bisschen frech fühle, 10/10 für Musik, 7/10 für Texte, also insgesamt:
8,5/10 Pfandflaschen Anspieltipps: Children Of The Grave, Sweet Leaf, Into The Void"
Raphael:
"Allein schon optisch ist „Master of Reality“
ein legendäres Album. Das Coverdesign wurde inzwischen locker
umptzigtrausend mal nachgemacht und ist bei allem Minimalismus
einfach großartig. Und dann ist da ja noch die Musik!
Direkt
zum Einstieg kommt das Joint-Husten von Tony Iommi und damit der
Einstieg in die ewig relevanteste Liebeserklärung an den Salat des
Teufels: ‚Sweet Leaf‘ darf in keiner Stoner- und 420-Playlist
fehlen und endet in atmosphärischen Rauchschwaden. Und aus diesem
Dunst erhebt sich der Einstieg in ‚After Forever‘. So vieles an
diesem Song ist bizarr: der christliche Kontext; die Bridge, welche
später von den Rembrandts verhunzt wurde; der Heavy Metal-lastige
Hauptpart; die Bluescoda; und natürlich die Tatsache, dass das alles
stimmig zusammenpasst. Weird. Ich liebe es, und ich weiß nicht
warum.
Thematisch geht es dann rund, denn vom Kiffen über das
Leben nach dem Tod, sind wir nun beim Instrumental ‚Embryo‘
gelandet, das uns in ‚Children of the Grave‘ überleitet.
‚Embryo‘ ist ein kräftiger psychedelischer Strudel mit
hypnotischer Wirkung – eins der besten Sabbath Instrumentals.
Faszinierend finde ich dann ‚Children of the Grave‘ (und
verbumster Kot, warum korrigiert MS Word ‚of the‘ immer wieder zu
‚oft he‘?). Das Strophenriff und der dazugehörige Rhythmus sind
genau der Stoff, aus dem Iron Maiden mindestens acht ihrer Alben
gebastelt haben. Irre gut finde ich auch die Percussions in den
Bridges.
Ozzy Osbourne, Bill Ward, Tony Iommi, Geezer Butler
Danach kommt es direkt zum nächsten Instrumental
‚Orchid‘, welches ich so beiläufig finde, dass ich es meistens
eher als verlängertes Intro für ‚Lord of this World‘
wahrgenommen habe. Hier wird wieder die Brücke von Blues Rock zu
Proto-Doom offensichtlich. Black Sabbath zeigen uns hier die
dunkelste Seite des Mississippi Delta – beziehungsweise die
Birmingham-Version des Catfish Sounds. Inzwischen hat sich der eigene
Stil manifestiert und so funktioniert auch ‚Lord of this World‘
nach dem Sabbath-Erfolgrezept aus eingängigen, dynamisch-repetitiven
Strophen, atmosphärischen Refrains, und einem virtuosen Solo-Part
als Bridge vor dem Schluss.
Und was dann kommt, ist bis heute
die sicherste Quelle für Gänsehaut auf meinem Körper. Die
Akustik-Nummer ‚Solitude‘ ist tiefenentspannende, dunkelst
melancholische, und absolut meditative Psychedelik. Diesem Song
alleine gebe ich jede Pfandflasche, die ich je gesehen habe.
Zum
Abschluss gibt es also mit ‚Into the Void‘ noch sechs Minuten,
die man heutzutage wohl in Richtung Stoner Doom packen würde. Die
rollende – oder eher walzende – Bewegung sowie die leicht
versetzten Akzente sorgen für schöne Dynamik und sind trotz des
eher behäbigen Tempos ein schicker Headbanger.
Im
Vergleich zu den beiden vorigen Alben wirkt „Master of Reality“
in sich kohärenter – thematisch wie auch musikalisch. Black
Sabbath scheinen sich hier (vorerst) wirklich auf einen Sound
eingegroovet haben. Gemächlicher, finsterer und mit mehr Gewicht als
je zuvor (und danach) ist 1971 das Album erschienen, das
wahrscheinlich mein Lieblingsalbum der Band ist. Deshalb gebe ich
auch hier
10/10 Pfandflaschen"