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Sonntag, 23. März 2025

So isses, Musik!#186

Bloodhound Gang Discography: Hard-Off (2015)

Bis jetzt das letzte Album von BHG, aber wahrscheinlich nicht das letzte überhaupt, weil die Band scheinbar immer noch existiert. Das Line-Up für dieses Album ist wieder mal ein anderes. Lüpüs Thünder hat die Band verlassen. An seiner Stelle tritt Daniel P. Carter, von der britischen Band A (ja, die heißen wirklich so). Willie the New Guy ist nun auch weg vom Fenster. Sein Ersatz ist ein Typ namens The Yin (aka Adam Perry) - ebenfalls von A. "Evil" Jared Hasselhoff bleibt am Bass, ebenso wie DJ Q-Ball der für die ganzen Beats und Keyboard-Einlagen verantwortlich ist. Sänger Jimmy Pop ist somit das einzige verbliebene Originalmitglied.
Ich sah mich gezwungen, das Cover zu zensieren    


Es beginnt mit einem durchaus vielversprechenden Titel: "My Dad Says That's For Pussies". Darin macht man sich über alteingesessene Boomer lustig, die die heutige Generation als verweichlicht ansehen. Alles ist für Muschis. Selbst Reserve-Fallschirme und nicht geladene Waffen. Leider behält man das Niveau nicht bei. Zu Schade, weil das war wirklich sehr witzig. Der Techno-Song "Dimes" ist weder witzig noch irgendwie unterhaltsam. "American Bitches", eine Ode an äh "Amerikanische frivole Frauen" ist es auch nicht. "Chew Toy", der Song über "die eine Frau, die das Tier in einem weckt" ist sowohl textlich als musikalisch wirklich unterste Schublade. Unlustig und irgendwie auch...müde. "Uncool As Me", das Feature mit Joey Fatone (N*SYNC) ist ein kleiner Höhepunkt. Darin "beleidigen" sich Fatone und Pop gegenseitig auf eine kreative Weise. Meines erachtens ein durchaus guter Pop Punk Song. "Clean Up In Aisle Sexy" ist eine grauenhafte sexuelle Phantasie mit Synthesizer-Beats, die einen an LMFAO erinnert. Die Dynamik des Songs ist eine ähnliche wie bei "I'm Sexy And I Know It". Fürchterlich. Die NDW-Hommage und der einzige Song hierauf über Durchfall "Diary of A Stranger" ist tatsächlich irgendwie ganz witzig. Speziell die Zeilen über die Konsistenz von Durchfall. "Socially Awkward Penguin" ist tatsächlich mein Favorit hierauf. Ich glaube, dass es der erste und einzige ernste Song von BHG ist. Eine Abhandlung über ein falsches Selbstbild, Unsicherheiten und Angst davor mit Frauen zu sprechen. "Think Outside The Box" handelt von Groupies und dass Leute wie Jimmy Pop sie ausnutzen - gleichzeitig wird das aber hinterfragt. Wieder mal ein textlicher und musikalischer Reinfall. Trotz seines klischeehaften Titels ist "We're Gonna Bring The Party To You" ein durchaus cooler Song. Wirkt auf mich wie eine Selbstreferenz nach über 20 Jahren.

Insgesamt muss ich sagen, dass "Hard-Off" ein mehr schlechtes als rechtes Album. Es wirkt wie eine sehr müde Version eine Band, die einst unfassbar kreativ und wild war. Die Tatsache, dass es 10 Jahre für ein neues Album gebraucht hat ist für mich die Bestätigung dafür dass man sich mit den Aufnahmen sehr gequält hat und nichts mehr locker aus dem Ärmel schütteln kann. Das ist manchmal so, ich weiß es. Da fragt man sich allerdings, wieso man weiter macht und ob es nicht besser wäre, einfach aufzuhören. Trotzdem bin ich gespannt ob noch was kommt oder eher nicht. Who knows.

3,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Uncool As Me, My Dad Says That's For Pussies




Primus Discography: Antipop (1999)

Auf dieses Album habe ich mich schon Ewigkeiten gefreut. Habe es doch damals, als ich desöfterem im MediaMarkt oder Müller meines Vertrauens anzutreffen ware doch ein paar mal gehört, zusammen mit anderen Primus-Alben. Sicher, es hat mich nicht unbedingt umgehauen, weil die Aufmerksamkeitsdichte doch nicht so groß war. Allerdings wollte ich es damals unbedingt hören, weil ich großer Limp Bizkit-Fan war und Fred Durst hierauf den Track "Lacquer Head" produziert hat. Doch er war damit nicht alleiniger Gastproduzent. Dabei sind auch noch Matt Stone (of South Park Fame), Tom Waits, Tom Morello (Rage Against The Machine) und der Schlagzeuger von The Police: Stewart Copeland. Tatsächlich gibt es hier nicht nur Gastproduzenten sondern auch musikalische Gastauftritte. So hat Tom Waits im Intro als auch im letzten Song kurz was zu sagen. Darüber hinaus hören wir die Gitarrenkünste von Tom Morello, James Hetfield (Metallica) und Jim Martin (Faith No More). Die letzten beiden sogar auf dem gleichen Song: "Eclectic Eletric".

Im Gegensatz zu dem eher flachen und weniger Hits enthaltenden Vorgänger "Brown Album" ist "Antipop" wirklich überladen mit Hits, verführerischen und mitsingbaren Songs, großartigen Gitarrenriffs und Soli. Generell ein sehr zugängliches, jedoch nicht zu poppiges Album. Lyrisch geht es um die US-Regierung die einen auslöschen kann, wenn man an ihre Geheimnisse rankommt ("Electric Uncle Sam"). Um hochgradige Abhängigkeit von bestimmten Substanzen als auch Fernsehen ("Lacquer Head") als auch um die Vergänglichkeit moderner Popmusik ("Antipop"). Die Songs sind entweder aus der Ich-Perspektive geschrieben oder aus einer Erzählersicht. Les Claypool schafft es treffende, jedoch kryptische Metaphern in seinen Kurzgeschichten unterzubringen. Seine Stimme klingt dabei schriller denn je und wird passend mit seinem weirden, funkigen Bass untermalt. Hier passt alles wie Arsch auf Eimer. Ironischerweise ist "Antipop" zwar nicht zu poppig, aber doch das poppigste Primus-Album bis jetzt. Es ist einfach fantastisch wie gut alles miteinander harmoniert. Endlich wieder Weirdo Funky Psychedelic Polka Nu Metal.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Antipop, Lacquer Head, Electric Uncle Sam


Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Album Nummer 7. Weil meine 2 Kollegen das sicherlich schon erwähnen und vermutlich niemand wirklich Lust hat, die gleiche Aufzählung von Namen das dritte Mal zu lesen, verzichte ich an dieser Stelle auf die Erwähnung sämtlicher Gastmusiker und -Produzenten. Primus haben ungeachtet dessen den Geniestreich vollbracht, sich von der Anzahl an Köchen den Brei nicht verderben zu lassen, im Gegenteil, Antipop ist ein großartiges und stringentes Album geworden, lediglich ein recht Primus-untypisches. 
Die Vertracktheit und Verschrobenheit der ersten 6 Alben weicht einer fetten Produktion, nachvollziehbaren Songstrukturen und einer nahezu poppigen Eingängigkeit, was den Albumtitel ein wenig absurd wirken lässt, aber darüber könnte man sowieso herrlich diskutieren, was ist schon populäre Musik und was nicht?
Naja mit solchen Klugscheißereien und wissenschaftlichen Fragen müssen wir uns nicht beschäftigen.
Fakt ist, dass sich Primus mit Antipop ziemlich stark an den Spät-90er-Alternative-Metal und frühen Nu Metal anschmiegen und man teilweise frappierende Ähnlichkeiten zu frühen Incubus, Red Hot Chili Peppers, Faith No More, Rage Against The Machine oder Korn feststellt und es trotzdem nach einem kohärenten, nachvollziehbaren und runden Album klingt. Für mich gibt es hier nichts zu meckern deshalb verbleibe ich mit 

9,5/10 Pfandflaschen 

und die halbe habe ich nur abgezogen, weil hier James Hetfield beteiligt ist und ich möchte niemals ein Album mit Beteiligung von James Hetfield mit einer 10/10 bewerten. 

Anspieltipps: Lacquer Head, The Ballad Of Bodacious, Mama didn't raise no fool"

Raphael:


"Kurz vor dem Millenium war wohl irgendwie der Wurm drin im Hause Primus, denn retrospektiv blickt die Band nicht allzu gerne auf die Entstehungsphase ihres sechsten Albums „Antipop“ zurück. Neben dem üblichen Studio Rancho Relaxo wurden die Aufnahmen dieses Mal auch in Los Angeles und Berkeley unternommen, und überall war die Stimmung wohl angespannt. Nichtsdestotrotz ist das Album mit den vielen Gastauftritten das eine oder andere Ohr wert, das darauf geworfen werden darf.

1999 also nahmen Primus „Antipop“ auf, um es am 19. Oktober desselben Jahres bei Interscope zu veröffentlichen. Die Vereinten Nationen widmeten dieses Jahr den Senioren, in Pakistan kam es zum Militärputsch, in der Columbine High School in Colorado ereignet sich einer der wohl berühmtesten Amokläufe an einer amerikanischen Schule, und John F. Kennedy Jr. Kommt zusammen mit Ehefrau Carolyn Bessette-Kennedy bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Außerdem veröffentlichten Mr Bungle in diesem Jahr ihr Album „California“, mit dem sich Philipp und Gregor schon befasst haben. Zur Review hier entlang.

Les, Ler und Brain befanden sich wohl in einer Art kreativer Sackgasse, wie sie später berichteten. Dennoch schusterten sie ein Dutzend neue Tracks zusammen, die von einem Intro und einer Studioversion des Songs „The Heckler“ umrahmt wurden. Außerdem hören wir auf „Antipop“ zahlreiche Gäste: Tom Morello, Tom Waits, Jim Martin, James Hetfield, und Martina Topley-Bird steuerten Instrumental- und Gesangsparts bei, Stewart Copeland, Fred Durst, und Matt Stone leisteten Unterstützung bei der Produktion. Und so einfallslos wie es in den Aussagen der Band klingt, hört sich „Antipop“ gar nicht an. Allerdings wird hier schon ein deutlich anderer Sound geboten. Im Vergleich zu „Brown Album“ ist das sechste Album sehr viel sauberer und weniger ausladend. Man kann hier zurecht von einem Stilwechsel sprechen, denn „Antipop“ ist viel metallener als alle vorigen Releases. Zurecht werden oft die Begriffe Alternative Metal und Nu Metal mit dem Langspieler assoziiert. Dass sie den Funk nicht beiseite gelegt haben, beweisen Primus mit Bravour im indisch angehauchten Knaller „Greet the Holy Cow“, dem Schwergewicht „Mama didn’t raise no Fool“ oder „Dirty Drowning Man“, und mit „Eclectic Electric“ sorgen sie für ordentliche Gruselatmosphäre. Gerade zum Ende des Album hin macht sich aber doch das Gefühl breit, dass Primus viel Schema F anwenden und irgendwie nicht so richtig zum nächsten Schritt kommen. Hier ist alles solide und kraftvoll, aber die zündende Idee scheint unterwegs verloren gegangen zu sein. Die beiden Lieder „The Ballad of Bodacious” und “Power Mad” sind geladen mit mächtigen Riffs, schwerem Funkbass und schicken Abwechslungen, aber irgendwie dreht sich die Band im Kreis. Der Todeswalzer „Coattails of a Dead Man“ mit Tom Waits reißt dann noch mit cinematischer Stimmung den Karren aus dem Dreck, und die neue Aufnahme von „The Heckler“ erwärmt die Herzen der Fans der ersten Stunde.

Alles in allem lässt sich festhalten, dass „Antipop“ ein Seitensprung in Richtung Nu Metal ist, und dass das Album an und für sich schon solide ist. Dennoch ist das Album im Großen und Ganzen unausgereift, und lässt sich nicht so einfach durchhören wie seine Vorgänger.
6/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Greet The Holy Cow, The Antipop, Coattails of a Dead Man"



Sonntag, 9. März 2025

So isses, Musik!#185

Bloodhound Gang Discography: Hefty Fine (2005)

Mittlerweile fünftes Album der Bloodhound Gang, erschienen ganze sechs Jahre nach "Hooray For Boobies". Erstes und einziges Album mit einem Typen namens "Willie The New Guy" am Schlagzeug - nachdem Spanky G die Band verlassen hat.

Sechs Jahre nachdem sie weltweit/europaweit die Charts erobert haben und in aller Munde (sexuelle Anspielung hier einfügen) waren. Es ist dieses schwierige Album, welches irgendwie gar nicht mal so schlecht ist, aber doch nicht so an den Vorgänger herankommen kann. 


Nun, trotz der überaus schlechten Kritiken: So schlecht ist es nicht. Es gibt hier einige Songs die wirklich verdammt gut geschrieben sind - sowohl textlich als auch musikalisch. "Balls Out" beispielsweise ist eine hervorragende Parodie auf Nu Metal Fratboy-einer-gegen-alle-Texte. Und gleichzeitig auch der Abschied davon. BHG haben nämlich in ihrer Karriere des öfteren Crossover-Parodien gemacht. Die Nu Metal Zeit war damals (2005) allerdings vorbei. Ich werte diesen Song als eine Art Abschied. Ansonsten wälzt sich "Hefty Fine" zwischen verschiedenen Stilen. Größtenteils allerdings Pop Punk, Techno und Synthpop. "Foxtrot Uniform Charlie Kilo" (ja, das heißt FUCK) ist ein großartiger Pop-Punk-Klassiker inzwischen. Es sind im Prinzip nur sexuelle Umschreibungen die zu einem Song umfunktioniert wurden. "Ralph Wiggum" besteht nur aus Zitaten von Ralph Wiggum aus "Die Simpsons". "Something Diabolical", die Kollaboration zwischen BHG und Ville Vallo von HIM klingt zunächst wie ein großartiger Tribut an Goth Metal. In Wahrheit sind es aber nur aneinander gereihte Klischeefloskeln die so klingen sollen. "I'm The Least You Could Do" klingt verdächtig nach Paradise Lost während ihrer Synthpop-Phase. Kein Wunder, schließlich wurde hier eine Melodie von Jimmy Pops ehemaliger Band verwendet - diese hat sich stark an Depeche Mode orientiert. 

Im Großen und Ganzen: Songs über Sex, Lustig machen über sich selbst. Popkulturelle Anspielungen wie früher sucht man hier vergebens. Nicht mal das ganz witzige "Uhn Tiss Uhn Tiss Uhn Tiss" (mit welchem die Band später Werbung für Blaupunkt gemacht hat) kann alles irgendwie wieder gut machen. Es ist kein besonders super schlechtes Album. Im Vergleich zu den Vorgängern wirkt es allerdings irgendwie...zahm und zahnlos. Schade eigentlich, denn BHG wären wirklich zu mehr fähig. 

6/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: I'm The Least You Could Do, F.U.C.K., Ralph Wiggum




Primus Discography: Brown Album (1997)

Mittlerweile fünftes Album von Primus. Das erste ohne Schlagzeuger Tim Alexander, an dessen Stelle nun Bryan Mantia tritt. 

Diesmal bewegen sich Primus ein Stück weit zurück zu ihren Funk/Crossover-Wurzeln. Es bleibt also durchaus psychedelisch, funky und ziemlich progressiv. Man findet hier wie zuvor auch großartige Riffs und Arrangements. Meiner Meinung nach funktioniert das Album auf rein instrumentaler Art und Weise wirklich echt gut. Es gibt hier Songs die durchaus im Ohr hängen bleiben und die alles andere als schlecht sind. Irgendwie scheinen Intro und Outro ein ähnliches Konzept zu haben. Zu Beginn hört man eine Ansage an das Publikum und am Ende die Beschreibung einer Ansage an ein Publikum. Zuerst
geht es um Paraoida, danach um Evangelismus. Die Texte sind wie sonst auch sehr kryptisch. Beispielsweise dachte ich, dass es bei "Shake Hands With Beef" um eine Ode an die Masturbation handelt. Tatsächlich geht es aber um Freunde von Les Claypool, die Vegetarier sind aber ab und zu Fleisch essen und diesen Vorgang "Shaking Hands With Beef" nennen. 

"Brown Album" ist durchaus okay. Es hat seine Momente, seine wirklich richtig guten ohrwurmtauglichen Riffs und Gesangseinlagen. Allerdings fehlt es hier an wirklichen riesenhits die einen für immer und ewig verfolgen. Nicht unbedingt Singles, sondern einfach hits. Darum erscheint mir das Album insgesamt leider irgendwie zu flach. Und leider auch stellenweise doch etwas langweilig. Als hätte das Trio im Studio einfach irgendwie ihren Job gemacht und das wars. Schade eigentlich. Aber ich weiß, dass es später noch richtig gut wird.

6,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Shake Hands With Beef, Arnie, Camelback Cinema

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt

Philipp:

"Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerade ein Fan der Farbe braun (bitte Hyperlink zu "Scheiße ist braun" von Wolfgang Petry einfügen lol) bin und das hat nicht mal ausschließlich politische Gründe.
Jedenfalls ist mein Hauptkritikpunkt am Cover, dass es hässlich ist. Aber damit weisen die Cover der Primus-Alben auch bezogen auf das Artwork eine beeindruckende Kontinuität auf. 
Hässlich sind alle aber irgendwie passen auch alle wahnsinnig gut zum Inhalt. Dieses Album ist irgendwie erdig-bodenständig, was sich vor allem in der Reduktion der Komplexität der Songs zeigt und schmutzig, was an der sehr basslastigen und trockenen Produktion liegt. Der Gesamteindruck passt daher gut zur Farbe braun. Trotz des Ausstiegs von Tim "Herb" Alexander - welcher ironischerweise vor wenigen Wochen erneut ausgestiegen ist - wird die musikalische Entwicklung zu höherer Eingängigkeit, weniger Metal und weniger Düsternis fortgesetzt. Das Teil groovt wie Sau und ist stellenweise richtiggehend funky. 
Neuer Schlagzeuger ist übrigens Bryan "Brain" Mantia, welcher später mit seinem häufigen Kollaborationspartner Buckethead auch in Claypools Nebenprojekt "Les Claypools Bucket Of Bernie Brains" gespielt hat.
Mein persönlicher Favorit ist übrigens der Song "Golden Boy", welcher ein wenig wirkt als hätte man die erste Mr. Bungle genommen, der ganzen Band eine Packung Ritalin zur Verfügung gestellt und Les Claypool ans Mikrofon gestellt. Geil. 

9/10 Pfandflaschen 

Anspieltipps: Golden Boy, Shake hands with beef, Camelback Cinema"

Raphael:

"Wieder einmal haben sich Primus über den Winter im Rancho Relaxo Studio in Sebastopol, Kalifornien eingerichtet. Les Claypool hatte dieses Mal eine etwas kleinere Sammlung an Instrumenten dabei: E-Bass und Kontrabass sollten dieses Mal genügen. Und auch Larry LaLonde hat das Banjo im Schrank gelassen und nur mit Gitarren aufgenommen. Timothy Wayne Alexander, besser bekannt als Herb, hatte vor den Aufnahmen im Einvernehmen Primus verlassen und sich seiner Band Laundry zugewandt. Es sollte das erste von bis dato drei Malen sein, dass Herb ausstieg. An der Schießbude saß jetzt Bryan Kei Mantia, der besser unter dem Namen Brain bekannt ist und zuvor schon den Limbomaniacs, Praxis, Bullmark, Giant Robot, und auf dem Tom Waits-Album „Bone Machine“ mitgespielt hat. In dieser Konstellation entstand ein knapp einstündiges Album, das als eine musikalische Rückbesinnung auf die frühen Jahre von Primus betrachtet werden kann.

Veröffentlicht wurde das „Brown Album“ wieder bei Interscope am 8. Juli 1997. Im selben Jahr trat der SPÖ Politiker Viktor Klima sein Amt als Bundeskanzler Österreichs an, wurde The Notorious B.I.G. erschossen, wurde in Kyoto die Senkung der Treibhaus-Emissionen beschlossen, und wurde das Wanzen-Knabenkraut zur Orchidee des Jahres gekürt. Außerdem veröffentlichten die Deftones ihr Album „Around The Fur“; unser Senf dazu hier.

Wenn Bands oder Musikerinnen ihre Alben nach Farben benennen, dann handelt es sich oft um besondere Releases. Schwarze Alben gibt es viele, beispielsweise von Metallica, Prince, oder Amy Whinehouse. The Beatles wiederum hatten ihr weißes Album, und sowohl die EASTIE RO!S als auch Primus eben ihr braunes Album. Als „gedämpfte Kackwurst“ („muffled turd“) bezeichneten Primus den Langspieler. Und Tom Waits soll gesagt haben, es klänge, als bräuchte es eine ordentliche Wäsche.

Im Intro taucht direkt wieder Sathington Willoughby auf, den wir schon von „Frizzle Fry“ und „Sailing the Seas of Cheese“ kennen. Nachdem hier gut Spannung aufgebaut wurde, hauen Primus in neuer Konstellation den Hörenden ihren gut gereiften Bastard aus Prog, Jazz und Funk Metal um die Ohren. Die Hillbilly-Thematik haben sie fast gänzlich abgelegt und sich stattdessen auf technische Finesse und Fingerfertigkeit konzentriert. Der zweite Track „Fisticuffs“ erinnert stark an Pink Floyd’s „Money“, und in „Bob’s Party Time Lounge“ wird es gleichermaßen jazzy und heavy. Herausstechend ist außerdem der sedierende Offbeat in „Duchess and the Proverbial Mind Spread“, das gewisse Ähnlichkeit mit der Version des „Alabama Song“ von The Doors“ hat. Das Lied „Coddingtown“ ist noch ein ziemlicher Banger im letzten Drittel des Albums und hört sich etwas an, als könnte es die Vorlage für den South Park Theme Song gewesen sein, und mit „The Chasisting of Renegade“ erleben die Ohren nochmal eine flotte Offbeat-Attacke. Zum Abschluss unterstreicht „Arnie“ noch die psychedelische Stimmung, die sich wie ein brauner Faden durch das Album gezogen hat.

Mit ihrem „Brown Album“ haben sich Primus nicht neu erfunden, aber dennoch ihre Stärken gebündelt und selbstbewusst vorgetragen. Es ist ein großartiges und überzeugendes Album voller Referenzen auf frühe Primus und die umliegende Musiklandschaft.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Fisticuffs, Bob’s Party Time Lounge, Coddingtown"





Donnerstag, 20. Februar 2025

So isses, Musik!#184

Bloodhound Gang Discography: Hooray For Boobies (1999)

Okay. Eigentlich sollte an dieser Stelle das nächste Album "One Fierce Beer Coaster" kommen. Aber ich habe es vor Ewigkeiten schon mal reviewt. Das könnt ihr hier nachlesen. Tatsächlich habe ich auch schon über "Hooray For Boobies" geschrieben, und zwar hier. Allerdings handelte es sich damals um das Review des russischen Bootleg Tapes, dass ich besitze. Es verfügte über eine nicht komplette Tracklist und ein falsches Cover. Ich finde, dass das Album ein vernünftiges Review verdient hat. 

Achja, das Line-Up ist hier genau das gleiche wie bei "One Fierce Beer Coaster". Also ein anderes als auf "Use Your Fingers": Jimmy Pop Ali am Gesang und Gitarre, Evil Jared Hasselhoff am Bass, DJ Q-Ball an den Turntables, Lüpüs Thünder an der Gitarre und Spanky G am Schlagzeug. Es ist das letzte Album mit Spanky G, der sich mehr seinem Studium widmen wollte. (als ob)

"Hooray For Boobies" ist das insgesamt dritte Album der Bloodhound Gang und genau das Werk was die Band in den Mainstream katapultiert hat. Sicher, "Fire Water Burn" vom Vorgängeralbum hat sie schon in die richtige Richtung gerückt, allerdings ist dieses großartige Unding hier wohl der endgültige
Durchbruch gewesen. Fünf Singles sind hier drauf. "Along Comes Mary" (Cover der Rock Band The Association), "The Bad Touch" (was wohl jeder kennen dürfte), "The Ballad of Chasey Lain" (eine Ode an eine Pornodarstellerin gleichen Namens), "Mope" und "Inevitable Return of the Great White Dope".

Wie schon beim ersten Album "Use Your Fingers" benutzt man hier jede Menge Querverweise zu 80er/90er Popkultur und Popmusik. Man wälzt zwischen verschiedenen Musikstilen und parodiert sie. Größtenteils befinden sich BHG allerdings irgendwo zwischen Alternative Rock und Rap. Ab und an hört man aber auch Techno/EDM-Einflüsse, wie in "The Inevitable Return of..." oder "The Bad Touch". Dazu kommen noch Zwischenspiele wie ein hustender Mensch in "That Cough Came With A Prize" oder ein Gespräch zwischen Sänger Jimmy Pop und seiner Mutter in "Mama's Boy". Darin geht es darum, dass er ein Reim auf "Vagina" finden will. Im darauffolgenden Song "Three Point Four" geht es auch darum. Insgesamt dreht sich das Album um Langeweile, Loserdasein, Sex und andere Osbkuritäten. "A Lap Dance Is So Much Better When The Stripper Is Crying" handelt von sexuellen Abenteuern eines Serienmörders der Menschen Gesichter abzieht - als Parodie auf Country-Songs eines Typen namens Red Sovine, der größtenteils über Trucker-Thematiken geschrieben hat. 

Aus heutiger Sicht ist das ein unglaublich obskures und fragwürdiges Album, dass aber natürlich trotzdem sehr viel Spaß macht. Es würde, denke ich, zumindest in den heutigen USA nirgendwo in den Charts auftauchen. Niemand würde irgendwelche Texte über Blowjobs, zumindest nicht in dieser Ausführung, oder Arsch essen (again: zumindest nicht in dieser Ausführung) hören wollen. Es ist ein Relikt aus einer Zeit in der sowas äh "erlaubt" war. Faszinierendes Zeitzeugnis.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Mope, Three Point Four, Magna Cum Nada, Inevitable Return of the Great White Dope




Primus Discography: Tales from the Punchbowl (1995)

Okay, ich hätte nicht gedacht dass Primus sich in Puncto Absurditität noch mal steigern werde. Aber ja, das tun sie. Es ist eindeutig, wie ich grade gesagt bekommen habe, "Musik zum Rechen verschrecken". Holy Guacamoly.

Fangen wir mal bei den Äußerlichkeiten an. "Tales from the Punchbowl" hat (wieder mal) ein unfassbar hässliches Albumcover. Ich verstehe beim ersten Hinsehen nicht ob das Teelöffel mit Gesichtern oder verbrannte Streichhölzer mit Gesichtern sein sollen. Jedenfalls sind es drei, also sollen sie wohl die drei Bandmitglieder Les Claypool, Larry LaLonde und Tim Alexander darstellen. 

Musikalisch ist "Tales from the Punchbowl" einerseits ein Schritt zurück Richtung Funk Metal bzw. ähnliche Gefilde und andererseits ein weiterer Schritt in Richtung Psychedelia. Im Gegensatz zu "Pork Soda" sind die Riffs weniger hart. Im Gegenteil, das Album trieft nur so vor Melodie. Meiner Meinung nach tritt Larry LaLonde deutlich mehr in den Vordergrund. Finde, dass es hier auch 

etwas Richtung Country & Western geht. Was die Texte betrifft: Les Claypool bringt hier wirklich ordentlich merkwürdiges auf den Tisch. Es ist allerdings astreines Storytelling. "Wynona's Big Brown Beaver" handelt von einem Biber der einer Frau namens Wynona gehört. Sie hat ihm hinter einem Zaun eingesperrt. Eines Tages kam ein Typ namens Rex (aus Texas!) und wurde von dem Biber in die Eier gebissen sodass er 1,5 Wochen lang nicht pinkeln konnte. Doch auch wenn es um ernstere Themen geht, enttäuscht Mr. Claypool nicht. In "Mrs. Blaileen" geht es um eine manipulative Lehrerin, die ihre Schüler mobbt. "Southbound Pachyderm" handelt von der sinkenden Population von Elefanten.

Meiner Meinung nach ist das alles andere als ein schlechtes Album. Tatsächlich klingt es aber, insgesamte, stellenweise doch etwas "hohl" und ein kleines Bisschen als hätte man hier ein paar Lückenfüller eingebaut. Andererseits ist man wiederum, weiterhin echt kreativ. Eine psychedelische, country space Polka mit Songtexten über Elefanten und Biber. Herrgott, hier gibt es sogar einen Song namens "Space Farm", der voll ist mit Grunz- und Miaugeräuschen. Allerdings komplett instrumentell. Holy Moly. Mir bleibt nicht viel zu sagen, als dass ich nach wie vor begeistert bin. Jedoch gleichzeitig immer noch überrumpelt. Ich komme auf diese Band nicht ganz klar. Aber es ist gut so.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Wynona's Big Brown Bieber, Southbound Pachyderm, Del Davis Tree Farm

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Ein weiteres Primus-Album, ein weiteres sehr hässliches Cover, diesmal etwas bunter und ich halte mich vornehm mit irgendwelchen Interpretations-Ansätzen zurück.
Die Besetzung Ler/Les/Herb blieb weiterhin unverändert, musikalisch begab man sich meiner bescheidenen Meinung nach in etwas gefällig-eingängigere Gefilde und ließ die Düsternis von Pork Soda hinter sich. Textlich bleibt alles absurd-bescheuert. Zum Glück. Mein unangefochtener Favorit des Albums ist das großartig-countryeske "Wynonas Big Brown Beaver", in dem Les' Bass klingt als würde er ungefähr 3 gitarrenähnliche Instrumente gleichzeitig spielen. Textlich gibt es hierbei absolut keine sexuellen Anspielungen, es geht einfach um ein Mädchen mit einem Biber.
Southbound Pachyderm beispielsweise erinnert an 60er Psychedelic Rock, ich habe an "No Quarter" von Led Zeppelin und ein paar gute nicht ganz so antisemitische Momente von Pink Floyd denken müssen. 
Ansonsten bewegt sich die Musik weiterhin im Spannungsfeld seltsamer Polka und Progressive Rock. Der Metal-Anteil wurde etwas zurückgeschraubt, was dem Album aber keinesfalls schlecht tut. 
Insgesamt vergebe ich hier solide 

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps:

Wynonas Big Brown Beaver, Southbound Pachyderm, Space Farm"

Raphael:

"Im Jahr 1995 erschien das vierte Studioalbum von Primus, und danach kam es tatsächlich mal zu einem richtigen Besetzungswechsel – dazu aber im nächsten Text mehr. Hier geht es erstmal um „Tales from the Punchbowl“, das vorerst letzte Album mit Schlagzeuger Tim „Herb“ Alexander. Mit dabei im Rancho Relaxo Studio in Sebastopol, Kalifornien waren natürlich Larry LaLonde, der neben seiner Gitarre auch ein sechssaitiges Banjo gespielt hat, und Les Claypool dessen Basssammlung immer wahnsinniger wurde. Neben einem regulären E-Bass, einem Sechssaitiger, einem bundlosen Bass und einem Kontrabass gehörte auf „Tales from the Punchbowl“ auch ein Bass Banjo zum Sortiment.

Nach Aufnahmesessions, die von November 1994 bis März 1995 andauerten, wurde am 06. Juni 1995 das fertige Album bei Interscope und Prawn Song veröffentlicht. Das Jahr 1995 kommt bei der Review Task Force wirklich häufig vor: im selben Jahr erschien „Disco Volante“ von Mr. Bungle (Reviews), „Forbidden“ von Black Sabbath (Reviews), und „Adrenaline“ von den Deftones (Reviews). Nur bei Slime war nach der Veröffentlichung von „Schweineherbst“ im jahr 1994 erstmal eine längere Pause angesagt. Es war auch das Jahr, in dem sich das Massaker von Srebrenica beziehungsweise Potočari ereignete, in dem Jitzchak Rabin bei einer Friedenskundgebung in Tel Aviv erschossen wurde, und in dem Lagumot Gagiegem Nimidere zum Präsidenten Naurus gewählt wurde.

Primus klingen auf ihrem vierten Album gewohnt funky, haben allerdings eine ordentliche Note Hillbilly-Sound dazubekommen. Außerdem klingt „Tales from the Punchbowl“ stellenweise etwas schwerfällig. In vielen zeitgenössischen Rezensionen wurden die Begriffe Prog Rock und Prog Metal verwendet, und so falsch ist das wirklich nicht. Der Sound wirkt deutlich glatter, nicht mehr so dreckig, und trotz des Einflusses der Banjos etwas glattgebügelt. Irgendwo zwischen verkünstelt und nicht ausgereift mag das Mango liegen, das meine Hörfreude einschränkt.
6/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Hellbound 17½ (Theme From), Wynona’s Big Brown Beaver"



Freitag, 7. Februar 2025

So isses, Musik!#183

Bloodhound Gang Discography: Use Your Fingers (1995)

Hurra, eine neue Discography! Diesmal werde ich mit der vollkommen unbeschreiblichen, grundsätzlich sehr abgedrehten Discography der grundsätzlich sehr abgedrehten Bloodhound Gang beschäftigen. 

"Use Your Fingers" ist das erste Studio-Album der Band, die damals in eine etwas anderen Konstellation existiert hat. Am (Sprech)Gesang waren hier der allseits bekannte Jimmy Pop und ein Typ namens Daddy Long Legs, der nach diesem Album ausgestiegen ist und die Horrorcore-Gruppe "Wolfpac" gegründet hat. Dazu kommen noch Lüpüs Thünder an der Gitarre, der bis 2009 mitgemacht hat, Skip O' Pot2Mus am Schlagzeug und ein DJ namens MSG. Von den beiden letztgenannten ist
keiner übrig geblieben - so haben Jimmy Pop und Lüpüs Thünder für das zweite Album "One Fierce Beer Coaster" ein neues Line-Up zusammengestellt. Dieses Album hier ist wesentlich anders als die Sachen, die man sonst so von BHG kennt. 

Es ist nämlich zu 90% HipHop lastig und vollgeladen mit Samples, ähnlich wie der Beastie Boys Klassiker "Paul's Boutique". Allerdings mit wesentlich bescheuerteren Lyrics über deine Mutter, besoffenes Rumknutschen oder die Liebe zu einer Person ohne Beine. Grundsätzlich schaffen es Daddy Long Legs und Jimmy Pop einfach über vollkommenen Nonsens zu rappen, Hauptsache die Reime stimmen. So reimt man in "Mama Say" folgendes: 

"With my itsy bitsy teeny weenie shrunken small white peenieSo rinse spit swallow brain blank kinda hollowNot too deep leap wow oh kinda shallow
'Cause we're in your face like Ed Gein
Purple rain purple rain"

Anderswo (in "We Are The Knuckleheads") heißt es "My mom's got opposable thumbsYour mom's Weezie Jefferson". Das nenne ich mal einen kreativen Diss. Dieses Album lebt von dieser Wortakrobatik und zahlreichen Anspielungen auf die Popkultur der 80er Jahre: Michael Jackson, Kajagoogoo, Duran Duran, Blondie und nicht zu vergessen Kim Wilde. BHG covern hier nämlich "Kids In America" mit Robert Vitale von der Hardcore Band Black Train Jack am Gesang. Dieser ist nicht unbekannt und evtl. sagt euch der Name "Nine Lives" was. Tatsächlich waren Bloodhound Gang solch große Fans von Black Train Jack dass sie ihn um diesen Beitrag gebeten haben. 

Meiner Meinung nach ist das hier BHG auf Steroiden, wenn sowas überhaupt existieren kann. Durch die schnelle Wiedergabe der Lyrics und das pausenlose Zitieren von Popkultur kommt es mir vor wie Family Guy in musikalischer Form. In anderen Worten: Wahnsinn.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Legend In My Sparetime, Kids In America, Mama Say, She Ain't Got No Legs



Primus Discography: Pork Soda (1992)

Okay, mit diesem Album hatte ich tatsächlich zuerst etwas Schwierigkeiten gehabt. Das dritte Album von Primus, Pork Soda, verfügt nicht nur über ein sehr hässliches Artwork sondern auch über einen meines erachtens sehr groovigen

, jedoch auf den ersten Blick nicht wirklich zugänglichen Sound. Der Raum wird erfüllt mit diesem kosmischen Bass, dieser komischen verzerrten Gitarre und diese merkwürdigen Schlagzeugmustern. Doch irgendwann ergibt das alles Sinn. Vor allem in Verbindung mit den Lyrics, die auf den ersten Blick irgendwie komisch erscheinen, weil man sie nicht wirklich versteht. Als Beispiel nehme ich zwei Songs: "Bob" und "My Name Is Mud". Im zweiteren Song geht es um jemanden der jemand anderes umgebracht hat, und zwar indem er ihn mit dem Baseballschläger den Kopf zertrümmerte. Die Person, die das getan hat scheint absolut nicht psychisch stabil zu sein. Währenddessen wird in "Bob" unter anderem Selbstmord besungen. "I had a friend who took a belt, took a belt and hung himself, hung himself in the doorway of the apartment where he lived". Die Texte erscheinen allerdings nur komisch weil Les Claypool auf diese eigentümliche, vermeintlich lustige Weise rüberbringt. Dabei kriegt man den Eindruck, das hier wäre "oh so weird" und so "komisch" und "lustig". Vielleicht ist es allerdings ein Vehikel um die eigenen morbiden Gedanken als auch fürchterliche Erfahrungen zu verarbeiten. 

Ich jedenfalls habe einige Anläufe gebraucht um das Album richtig zu verstehen. Als ich aber angekommen, bin ich angekommen. Es hat wenig mit irgendwelchen "Alternative Rock" oder "Crossover" zu tun. Psychedelic Polka bleibt das Schlagwort. Großartige, pulsierende, weirde, Psychedelic Polka. Ohja und dieser Bass. Dieser Bass!

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Bob, My Name Is Mud, DMV, Hamburger Train

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Ich hatte ja beim letzten Mal schon irgendwie umrissen, wie schwierig ich es finde, über Primus zu schreiben. Es wird nicht einfacher. Pork Soda ist irgendwie textlich und musikalisch viel düsterer als noch "Sailing On The Seas Of Cheese", müsste man Triggerwarnungen aussprechen, wären da solche Sachen wie "TW: Suizid, Mord, Kraftfahrzeugzulassungsbehörden" dabei, also teilweise recht harter Tobak. Es ist schon beachtlich, wie schnell und wie sehr sich Primus in dieser Besetzung gefunden haben, der Stil ist absolut unverkennbar. Tatsächlich ist es aber andererseits nicht wie bei den Ramones, Motörhead oder AC/DC (Pfui Deivel), dass dasselbe Album immer wieder wiederholt wird, sondern es geht durchaus abwechslungsreich zur Sache, allein Mr. Krinkle stellt durch den Einsatz eines (gestrichen, nicht geslappt gespielten) Kontrabasses eine musikalische Anomalie im bisherigen Primus-Mikrokosmos dar (das "Seas Of Cheese"-Intro ignoriere ich hierbei aus dramaturgischen Gründen) und die Palette reicht weiterhin von Polka über Jazz bis hin zu Thrash Metal. Am Ende des Albums hat man irgendwie den Eindruck, man hätte einen ziemlich düsteren, psychedelischen Comic mit komplett abseitigem Humor gelesen, die Musikvideos zu "Mr. Krinkle" und "My Name Is Mud" (die beide sehr großartig sind) tun dabei natürlich ihr übriges. 

Ein absolut verstörendes, verqueres aber trotzdem eingängiges und großartiges Album. Primus waren hier so ziemlich auf ihrem Zenit. Dazu später jedoch mehr.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps:

Bob, Mr. Krinkle, Hamburger Train"

Raphael:

"Wikipedia weist mich darauf hin, „Pork Soda“ nicht mit „Bacon Soda“ zu verwechseln. Vielen Dank dafür! Erfrischungsgetränke mit Speckgeschmack sind sicherlich ein wichtiger Teil unserer westlichen Kultur. Der Name des Albums bezieht sich auf den Sound von Primus, der wie eine fleischige Limonade von einigen Menschen hochgeschätzt wird, aber niemals massentauglich sein wird. Ironischerweise war „Pork Soda“ eins der erfolgreichsten Alben der Band, und wurde sogar als eines der merkwürdigsten Alben tituliert, die es jemals in die Top 10 geschafft haben.

„Pork Soda“ wurde am internationalen Puff-Puff-Pass-It Tag im Jahr 1993 bei Interscope und Les Claypools Label Prawn Song veröffentlicht. Im selben Jahr fanden in der Russischen Föderation erstmals freie Wahlen statt, in der Bundesrepublik Deutschland wurden fünfstellige Postleitzahlen eingeführt, und der Speierling wurde zum Baum des Jahres gekürt.

Primus waren fast zwei Jahre lang ununterbrochen auf Tour, bis sie sich Ende 1992 im kalifornischen San Rafael an die Aufnahmen zu „Pork Soda“ machten. Einerseits soll die lange Phase der Rastlosigkeit Grund für die deutlich dunklere Thematik auf dem Album gewesen sein, andererseits hat Les Claypool im Nachhinein erklärt, es seien grundsätzlich sehr gute Zeiten für alle Beteiligten gewesen. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass „Pork Soda“ textlich wie musikalisch einen düsteren Anstrich vorzuweisen hat, der auf den vorigen Alben nicht zu finden ist. Dazu zählt auch die Reflektion über die blutige Geschichte des weißen Nordamerikas, welche auf Vertreibung, Genozid, und Massakern wie dem von Wounded Knee aufgebaut sind.

Nichtsdestotrotz waren Primus immer noch Primus, und darum sind die durchaus ernsten Themen hintern Sarkasmus, Zynismus, und massivem Funk Metal versteckt. Der Sound ist unheilvoller, experimenteller, und etwas feiner geworden. Auch die Wahl der Instrumente wurde stark erweitert: neben Marimba und Mandoline kam auch eine Fahrradklingel zum Einsatz. Primus beweisen hier festen Stand bei ihrem Balance-Akt zwischen Genie und Wahnsinn, und haben mit „Pork Soda“ ihr bis dato stärkstes Album veröffentlicht.
8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: My Name is Mud, Pork Soda"



Freitag, 29. Mai 2020

Album der Woche#441: Bloodhound Gang - One Fierce Beer Coaster (1996)

Hallo und herzlich willkommen zum neuesten Eintrag im "Guilty Pleasure"-Monat Mai. Diesmal haben wir einen Klassiker vor uns...

"One Fierce Beer Coaster" ist das Majordebüt von Bloodhound Gang. Auf ihrem ersten Album "Use Your Fingers" waren sie viel eher eine White-Boy-Hip-Hop-Group, hierauf geht man jedoch viel mehr in Richtung Alternative/Crossover/Funk Metal. Zudem kamen noch drei neue Mitglieder dazu: Drummer Spanky G, DJ Q-Ball und Gitarrist Evil Jared. Somit ist es das erste Album mit der klassischen, bekannten Besetzung der Band.

Das Album lebt von ironischen Sampling/Anspielungen auf bestimmte Genres und unfassbar merkwürdigen Lyrics. Außerdem: Ganz ganz viel Toiletten/Fäkalhumor. Manch einer würde sagen, BG wären sowas wie ein Relikt aus der Steinzeit das begraben gehört. Ich hingegen, höre sie tatsächlich ziemlich gerne und feiere diese unfassbar genialen jedoch teils ziemlich grenzdebilen Texte. Darum Guilty Pleasure.

Das bekannteste Lied hierauf ist wohl "Fire Water Burn", dass ein bekanntes Stück von Rock Master Scott and the Dynamic Three namens "The Roof Is On Fire" zitiert. Es ist eine Art ironische Referenz auf das White-Boy-Rapper-Dasein und das absolute Versagen im puncto Realness. Dann gibt es noch solche Songs über Cunnilingus wie "Kiss Me Where It Smells Funny" oder Suizid ("Lift Your Head Up High (And Blow Your Brains Out). Und natürlich auch Einschlafen am Steuer ("Asleep at the Wheel"). Sänger Jimmy Pop meinte mal, dass die hohe Kunst darin liege immer wieder dieselben Dinge, jedoch auf eine andere Art zu sagen. Die Menge würde das als Kunst und besonders innovativ sehen. Im Prinzip bestehen die meisten Songs aus ähnlichen Anspielungen. In "Fire Water Burn" sagt er irgendwas von "stroking my own wookie", in "Why's Everybody Always Picking On Me" erzählt er davon, dass bei seiner Geburt sein Vater den Arzt verprügelt hat, weil das Baby wie Chewbacca ausgesehen hat. Außerdem: Vanilla Ice ist bei "Boom" zu hören und ist tatsächlich gar nicht mal so Scheiße. Ausnahmsweise. Außerdem mag ich den Song "I Wish I Was Queer So I Could Get Chicks", in dem es darum geht dass Frauen angeblich nur auf schwul(wirkend)e Männer stehen. Herrlich witzig.

Insgesamt ein sehr spaßiges und unterhaltsames Ding. 1A Comedy. Wirklich jetzt. Darum:
8,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Fire Water Burn, Kiss Me Where It Smells Funny, Why's Everybody Always Picking On Me?

Sonntag, 13. September 2015

Album der Woche#213: Strichers Tapes#2

Awkay, ich würde das hier sehr gerne weiterführen. Deswegen führe ich es weiter. Außerdem bin ich total müde.



6. Blink-182 - Take Off Your Pants And Jacket (2001)

Ein weiteres Kassetchen aus Russland und mein zweites von Blink-182. Als ich viel jünger war fuhr ich nicht nur auf New Metal ab sondern auch auf Pop-Punk-Bands die Songs über Partymachen, Saufen und Nacktsein hatten und ständig Furzwitze rissen. Ja, so waren Blink-182 damals. Doch auch wenn der Albumtitel eben reinen Toilettenhumor verspricht, so ist es leider doch nicht ganz. Zwar waren sie in ihren Musikvideos gewohnt witzig (wie bspw. zu "The First Date"), aber man merkt langsam dass hier hin und wieder auch seriösere Themen angesprochen werden. Okay, die gabs auf "Enema of the State" auch, jedoch klingt dieses Album rein instrumental schon wesentlich gereifter. Aber gut, man konnte sich ein paar dumme Witze nicht verkneifen. So gibt es Alternativvarianten davon, auf welchem Songs wie "Fuck a dog" drauf sind. :D Außerdem habe ich mich damals mega aufgeregt dass der Albumtitel nicht drauf geschrieben steht. Also hab ich ihn selber draufgemacht.

Großartiges Album mit verdammt schönen Ohrwürmern
8/10 Pfandflaschen

7. Bloodhound Gang - Hooray for Boobies (1999)

Wow, also Congratulations an den Piraten der das Cover dafür in Wordart (oder so) erstellt hat. So viele graphische Verbrechen. Erstens ist es anstelle des Originalcovers ein Bandphoto. Zweitens prangt da dieses seltsame "New Music 99". Drittens hat da jemand nicht mal hinbekommen den Albumtitel richtig zu schreiben. Da steht "Hooray For Robies". Das konnte ich natürlich auch nicht auf mir sitzen lassen und habe es "ausgebessert". Viertens ist die Tracklist komplett falsch. Es fehlen einige Songs. Wie ich später festgestellt habe, fehlen sie auch nicht nur auf dem Papier.

Was für ein selten obskures und seltsames Album. Der Sänger von Bloodhound Gang, Jimmy Pop Ali, hat eine olympische Disziplin drauf. Nämlich "Sage immer wieder dasselbe und zwar so oft und auf verschiedene Arten dass Leute glauben du würdest dich nicht wiederholen". Bloodhound Gang sind vielleicht unterhaltsam gewesen und ja sie waren auch erfinderisch. Trotzdem wundere ich mich, wie ich das damals permanent hören konnte. Ja, sogar nachts. Zum Einschlafen. Schließlich ist das Musik zur totaler Betrunkenheit bei welcher man sich gegenseitig in den Mund kotzt. Besonders hängengeblieben sind bei mir der Sketch "Mama's Boy", in welchem Jimmy Pop seine Mama anruft und sie nach einem Reim für "Vagina" fragt, als auch "A Lap Dance Is So Much Better When The Stripper Is Crying". Was für ein großartiger Haufen Scheiße.

7/10 Pfandflaschen

8. Citizen Fish - Free Souls in a Trapped Environment (1990)

Ich weiß gar nicht mehr woher ich das hab. Es kann gut sein, dass ich es auf irgendeinem DIY-Festival aufgegriffen hab. Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls ist das ein Nebenprojekt eines Mitglieds der großartigen Subhumans (die aus UK). Es ist wesentlich melodischer und skalastiger als die eben erwähnten. Ja, man könnte fast schon sagen es handele sich um erstaunlich gut gemachten, gar nicht hysterischen, aber trotzdem wütenden Ska-Punk, fernab von jeglichen "Intifada ugga ugga"-Gebrüll marke Ska-P. Jahre später haben die Boys eine Platte mit den anderen hotten Boys von Leftöver Crack rausgebracht, wobei Löc diesen Klassiker gecovert haben. Insgesamt sehr catchy und immer noch genießbar, wen auch ungewohnt weil ich Ska, Dub und Reggae eigentlich gar nicht mehr höre.

8/10 Pfandflaschen

9. Common Enemy - 7inches & Splits (2010?)

Ich habe mal wieder keinen blassen Schimmer wo ich das her hab. Ernsthaft. Ich weiß allerdings dass ich ne weile übelst auf Trashpunk und Thrashcore abgefahren bin und diesen ganzen direkten, superprimitiven jedoch großartigen Bands abgefeiert hab. CE habe ich einmal sogar live sehen können. Vielleicht stammt das Tape von einem Konzert? Jedenfalls wurde es von Knochentapes rausgebracht und war auf 50 Stück limitiert. Das Tape ist schwarz und mit einem graffitti-grünen "CE" beschmiert. Sauschön. Es beinhaltet alle möglichen Singles der Band, Samplerbeiträge und Material von Split-EPs. Ich finde, dass auch wenn man das musikalische Können hier nicht verneinen kann, so ist das keine Mucke für mein Wohnzimmer. (Ich sage das jetzt weil ich mir letztens alle Tapes daheim angehört hab). Dafür muss ich sie entweder live genießen oder in meinen Kopfhörern haben wenn ich irgendwo hin unterwegs bin.

So kitschig das klingt, aber viele Tapes in dieser Sammlung bringen Erinnerungen hervor. Diese hier erinnert mich irgendwie an die Zeit als ich und Chocolate Banana eine Band namens "Adolf Flanders" gegründet haben und ich dafür schreckliche Songtexte über geschlachtete Enten in asiatischen Restaurant in mein Aufnahmegerät gebrüllt hab. A Capella Powerviolence is Serious Business.

7/10 Pfandflaschen