Sonntag, 13. September 2026

So isses, Musik!#219

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

So. Wir bleiben bei E und schließen damit dieses Kapitel ab. Nächstes mal geht es mit F weiter. Here we go again...

Egotronic Von nichts gewuszt:

Gregor:

Mich macht dieser Song leicht wütend. Nicht wegen des Inhalts und der Einstellung die darin propagiert wird. Sondern eher weil im Background dort jemand singt, den der Krebs uns weggenommen hat. Ich habe Egotronic in meinem Leben (ähnlich wie bei Hammerhead in 2-3 unterschiedlichen Phasen) live gesehen und habe sie in meiner Jugend (sprich mit 17-18 Jahren) eine Weile lang wirklich konstant gepumpt. Und das obwohl ich damals noch gar nicht "antideutsch" war bzw. sogar irgendwie dagegen weil als junger Linker findet man "Nationalstaaten ja generell doof" oder irgendwie so ein Scheiß. Ich werde diesen für mich ersten Auftritt auf dem Würzburger "Umsonst & Draußen" niemals vergessen. Später dann irgendwann im Cairo, dann im Oberhausener Druckluft, irgendwann auch auf dem KAZ Open Air. Immer eine Stimmung dabei, die auf positive Weise die Luft sprengt, quasi die Luft in die Luft jagt. Apropos in die Luft jagen: Ganz antideutsch-typisch hat irgendjemand damals ein Musikvideo hochgeladen dazu, dass eigentlich nur aus einem Standbild von Arthur Harris bestand. Dieser spricht auch im Intro. Es geht nicht darum ganz edgelord-mäßig die Bombardierung von Dresden abzufeiern, nein. Es geht um den deutschen Opferkult und was für eine gehirngewaschene Scheiße das ist. Dabei singt Torsun hier nur im Background und im Vordergrund wahrscheinlich Hoerm. Ich weiß es aber nicht, da ich die Namen der anderen beiden Gründungsmitglieder nie vollständig auf dem Schirm hatte. Asche auf meinem Haupt. Die Message ist klar, der Song ist fetzig. Ich habe alles gesagt.

Philipp: 

"Ich habe Torsun immer dafür respektiert, dass er große Teile der deutschen Punkszene dazu gebracht hat, sich noch mal auf eine andere Art und Weise mit Israel auseinander zu setzen. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr seine Worte und seine Präsenz fehlen. Musikalisch habe ich ihm sicherlich des Öfteren Unrecht getan, habe Egotronic mehrfach live gesehen, fand es nie besonders gut und habe mich auch sonst nie eingehender damit beschäftigt. Manche Dinge lernt man erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Retrospektiv vielleicht eine der wichtigsten Punkbands der frühen 2000er. Möge die Erde dir leicht sein."

Raphael:

"Ich wünsche mir manchmal, ich hätte schon früher den Zugang zu Egotronic gefunden. Immerhin habe ich es geschafft, die Band an meinem 32. Geburtstag live zu sehen. Hier liegt uns ein Song vom 2006 veröffentlichten Debutalbum "... die richtige Einstellung" vor, und ich kann die Wut und die Energie sehr gut nachvollziehen. Vielen Dank für alles Torsun!"

Eisenpimmel – Malle Mallorca:


Gregor:

Irgendwann vor knapp 20 Jahren in einer Sendung von "Radio69" entdeckt und sofort fasziniert gewesen. Was zur Hölle ist das? Ein Song über "Mallorca" wobei es komplett falsch ausgesprochen wird. Dabei habe ich den Text nicht wirklich verstanden. Als ich mit meiner Schule auf einer Fahrt nach England unterwegs war habe ich ganz kurz den Text "Sangria macht die Nudel hart" eingestimmt und wurde sofort von einer Lehrerin gerügt. Ich wusste nicht warum, weil naja ich habe den Text sowieso nicht verstanden. Egal. Viele Jahre später habe ich Eisenpimmel für mich noch mal entdeckt. Es ist quasi das gleiche wie mit den Kassierern. Eine Band die von ihren Fans falsch verstanden wird und irgendwie auch ernst genommen wird. Dabei parodieren sie gekonnt alles an Ruhrpottklischees was es nur so gibt. Und hier haben wir einen Schlagersong der sich mit einer Reise auf die Insel Mallorca beschäftigt. Dabei nimmt man JEDES textliches Klischees eines solchen Party-Schlagersongs und ballert es raus: "Scheißegal", "Kotzabteil", "Unten ohne oben nackt". Ich würde ja nicht mal sagen, dass es Parodie mit Augenzwinkern ist sondern eine direkte Verhöhnung. Ich feier diesen dummen, großartigen Song mit all diesen debilen Passagen: "Ich hab n Eimer, dat ist jetzt meiner(...) geh wech du Tier du krichst kein Bier!".

Philipp: 

Puh, meine Humorlosigkeit wird hier gerade auf eine harte Probe gestellt. Tatsächlich kaufe ich Eisenpimmel die Satire noch mal wesentlich besser ab als diesen furchtbaren Kassierern und das hier ist so herrlich überdreht Petry-esk, dass es einen komplett anspringt. So sehr ich auch die Funpunk- und Prolo-Fraktion verachte, das ist einfach großartig. 

Raphael:

"Wir haben es hier mit dem klügsten dummen Text zu tun. Ein Meisterwerk der Satire. So gut, dass es wehtut. Überall. Eisenpimmel nehmen den Spaß so ernst, dass man manchmal genau hinschauen muss, wie spaßig dieser Ernst ist. Es ist großartig und sehr anstrengend."

Ernte 77 – Faszination Hubschrauber:

Raphael:

"Die selbsternannten Toten Hosen des Punk Rock sind seit einiger Zeit eine meiner Lieblingsbands mit ihren schnellen und eingängigen Riffs und den teils dödeligen und teils klugen Texten. Das 2024 veröffentlichte Album „Gruß aus der Küche“ ist eine Sammlung von 19 Hits; einer schöner als der andere. Als Höhepunkte möchte ich erwähnen „Das Konzept Deutschland ist mir zuwider“, „Landungsbrücken rein“, „Kostenfalle Ballern“, und natürlich die Ode an die Fortbewegung in der Luft „Faszination Hubschrauber“."

Philipp: 

"Wie konnte diese Band an mir riesengroßem Supernichts-Fan vorbei laufen? Abgedrehter melodischer Punk eindeutig Kölscher Ausprägung, gespickt mit Referenzen (allein die Doppelreferenz bei "Und ich weiß nicht genau...") über die wirklich wichtigen Themen des Lebens (siehe Titel)."

Gregor:

Alter. Scheisse, ist das geil. Ein Song als Liebeserklärung an Hubschrauber. "Ich weiß nicht genau wie das physikalisch funktioniert" "Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah, HubschrauBÄR!". Ich kann mir jetzt schon vorstellen bei einem Live-Auftritt vor der Bühne zu stehen und genau nach diesem Song zu rufen. Okay, gegen Ende, also die letzten paar Sekunden wird es schon etwas merkwürdig, aber ansonsten finde ich es großartig. Nicht semi-ironisch, nicht dumm-lustig sondern einfach awkward. Das beweist mal wieder dass ein Punkrocksong über so gut wie alles geschrieben werden kann. Ich feier es.

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FROM FIRST TO LAST: Motörhead

Wieder mal so eine Band die zig Alben veröffentlicht hat und bei welcher es interessant wäre, sich die komplette DIscography reinzuziehen. Allerdings fehlt dafür einfach die Zeit. Daher....

das erste Album ist

Motörhead (1977)

Veröffentlicht im Jahre 1977 ist "Motörhead" nicht das erste Album von Motörhead. Eigentlich war es "On Parole" von 1975, das allerdings erst im Jahre 1979 von United Artists veröffentlicht. Es gab nämlich so einige Probleme mit dem Label als auch eine Entlassung der Band...und so wurde das erste offiziell veröffentlichte Album auf Chiswick Records rausgebracht.

Was man heutzutage vielleicht als "Joa, ist halt Motörhead" bezeichnen könnte, war damals noch gar nicht gang und gäbe und definitiv etwas neues. Obwohl das Album irgendwie als "Heavy Metal" kategorisiert wird ist es für mich in erster Linie ein uneheliches Kind von Punkrock und Rock'N'Roll. Genauso schnell, dreckig, "roh" und ziemlich lo-fi. Eine Wall of Sound aus äh unglaublicher


Schnelligkeit (die natürlich irgendwann übertroffen wurde) trifft auf Lemmy Kilmisters Whiskey/Zigaretten-Stimme. Eddie Clarke an der Gitarre. Phil Taylor am Schlagzeug. 

Klingt für mich stellenweise irgendwie psychedelisch (wenn ich daran zurückdenke, dass Lemmy mal bei Hawkwind gesungen hat), zum Beispiel bei "Iron Horse"/"Born to Lose". Es gibt einen Song hierauf, der "Motörhead" heißt. Von einer Band namens Motörhead auf einem Album namens "Motörhead". Wenn man da nicht bei Black Sabbath abgekupfert hat. Der Beste Song hier ist definitiv "White Line Fever". Klingt für mich am ehesten nach Heavy Psych. Es ist euch offengelassen, um welche weißen Linien es hier geht. Aber ich glaube, das könnt ihr euch schon denken. 

Meiner Meinung nach nach ein gutes Album, vor allem wegen seiner Lo-Fi-ness, dem Gefühl dass alles irgendwie nach dem ersten Take aufgenommen wurde oder an einem Tag. Tatsächlich waren es einige wenige Tage. Allerdings ist es, trotzdem nicht das beste was Motörhead jemals gemacht haben. Es geht definitiv noch besser. 

7/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: White Line Fever, The Watcher, The Train Kept A-Rollin'




und nun sind wir beim 23. und somit letzten Studioalbum angekommen. Es heißt

Bad Magic (2015)

Ich könnte jetzt so schlechte Witze machen und sagen "Ha, kaum habe ich es angemacht, klingt es nach Motörhead". Aber ich mache das nicht. Auch die Behauptung "Das ist zwar ihr letztes Album, könnte aber gleichzeitig das erste sein" stimmt nicht. "Bad Magic" klingt definitiv nicht wie "Motörhead" sondern zeigt 40 Jahre Bandentwicklung. Ob es einem gefällt oder nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Auf "Bad Magic" ist nichts mehr von irgendeinem "Heavy Psych" oder "Space Rock"-Einfluß zu hören. Stattdessen genau das, wofür die Band berühmt wurde. Heavy Rock'N'Roll mit hier und da

eingestreuten Soli, einer noch mehr nach Whiskey und Zigarette klingenden Stimme von Lemmy Kilmister, Schlagzeugspiel von Mikkey Dee und ein gewisser Phil Campbell an der Gitarre (seit 1983). Die Besetzung ist also eine (bis auf Lemmy) komplett andere. Das liegt aber nicht daran, dass Lemmy für jedes Album alles ausgetauscht hat - es hat sich alles, meines Wissens nach, organisch entwickelt.

Jedenfalls ist das hier schon ein geiles Stück Musik. Allerdings muss man dabei beachten, dass trotz der Tatsache dass irgendwelche Hater behaupten es würde hier "alles gleich" klingen, man tatsächlich einer gewissen Formel treu bleibt. Songs die um die drei Minuten lang sind, rauer Gesang, schnelle Riffs, donnerndes Schlagzeugspiel und Texte über...naja die Titel sind selbst erklärend: Victory or Die, Shoot Out All Your Lights, Teach Them How To Bleed. "Don't tell me who I am, I don't give a damn" ("Electricity") heißt es dann zum Beispiel. Und ich mein, es funktioniert. Es ist catchy, man kriegt mich dazu meinen Kopf zu nicken und mit meinem Fuß zu wippen. "Till the End" ist eine großartige, langsame Überraschung. Es ist halt Motörhead. Aber ich werde an der Stelle beichten und sagen, dass es wahrscheinlich nicht mein Lieblingsalbum ist. Da ist mir doch zu viel Formel dahinter. Höchstwahrscheinlich liegen die wahren Perlen irgendwo zwischen "Motörhead" und "Bad Magic". (Zum Beispiel "Orgasmatron"!).

Anspieltipps: Till the End, Electricity, Sympathy for the Devil (Rolling Stones)
7/10 Pfandflaschen


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Ulver Discography: A Quick Fix Of Melancholy EP (2003)

Rausgekommen zwischen dem Soundtrack zu "Lyckantropen" und dem Soundtrack zu "Svidd Neger". Das nächste "richtige" Album, was danach kommt ist "Blood Inside". 

Lange Rede, kurzer Sinn: Vier Songs. "Little Blue Bird", "Doom Sticks", "Vowels", "Eitttlane". Definitiv eine andere Richtung als die EPs davor. Es ist nicht nur Ambient sondern gleichzeitig auch irgendwie Neo-Klassik. Jedenfalls singt Kristofer Rygg hier auf eine opernhafte Art und Weise. Ich

glaube, dass dazu aber auch noch entsprechender Gesang gesamplet wurde, finde allerdings keinerlei Angaben dazu.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, wie genau ich dieses Album in meinem Kopf einordnen sollte. Es ist nicht tanzbar, es ist nicht "schwer" oder "verstörend". Im Grunde genommen ein durchaus seichtes Werk, dass nach einer experimentellen Opfer klingt.

Irgendwie erinnert mich das Ganze entweder an Enya oder an Lingua Ignota plus irgendwas anderes, was ich jetzt gerade nicht kategorisieren kann. Mir gefällt es aber und zeigt mir mal wieder dass Ulver irgendwie nichts wirklich falsch machen können.

Anspieltipps: Alles.
8/10 Pfandflaschen




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