Zunächst mal das Cover: Das Gemälde welches eine afrikanische Familie zeigt die auf einem Berg von Schädeln steht und umringt von Vertretern von verschiedenen multinationalen Firmen ist, stammt von niemand anderen als Jeff Walker - Sänger und Bassist von Carcass.
Die A- und B-Seiten des Albums könnten unterschiedlicher nichts ein. Zumindest wenn man Fan der Band ist. Die A-Seite besteht aus Aufnahmen die teilweise ursprünglich auf dem "Hatred Surge"-Demotape erschienen sind und teilweise auf Ideen von Justin Broadrick (damals noch Gitarrist) aus dem Jahr 1983. Es ist auch ein komplett anderes Line-Up (okay, beinahe) als auf der B-Seite. Zusammengefasst - Seite A: Nik Bullen (voc, b), Justin Broadrick (guit, voc) und Mick Harris an den Drums der den Begriff "Grindcore" überhaupt erst ins Leben gerufen hat. Hört sich an wie eine härtere Variante von damals bekannten Anarcho Punk Bands wie The Varukers. Es ist im Grunde genommen Hardcore Punk auf Steroiden. Völlig durchgeknallte Blastbeats, primitives Riffing und ein Sänger der sich anhört wie äh *checks notes* *seufzt* jemand der die Treppe runterfällt und dabei britisches Essen verspeist. Übrigens ist das Line-Up nicht mal das Original-Line-Up. Nik Bullen ist da schon das einzige Originalmitglied. Am Ende der Seite findet sich übrigens auch das Lied "You Suffer", das wohl kürzeste Lied der Welt mit dem wirklich tiefgründigen (keine Ironie!) Text "You suffer, but why?". Ich bin außerdem der Meinung dass die deutschen D-Beat-Legenden Recharge bei "Siege of Power" geklaut haben. Ich weiß allerdings nicht wie das deutschsprachige Pendant dazu heißt.
Zwischen Seite A und B vergeht fast ein Jahr. Es gab interne Spannungen in der Band und so kam es zu Ausstiegen. Ursprünglich war Seite A als ein weiteres Demotape gedacht. Lirum larum: Ein gewisser Digby Pearson vom frisch gegründeten Label Earache Records wollte ein Album von Napalm Death rausbringen. Dieser war am Ende auch in Besitz der ursprünglichen Aufnahmen. Die Band war aber nicht mehr die gleiche. Sie bestand aus Mick Harris (weiterhin Drums), Bill Steer (git), Jim Whitely (b) und Lee Dorrian (voc). Übrigens: Niemand von den beiden Line-Ups spielt heutzutage bei Napalm Death. Wie auch immer: Mit dem Line-Up-Wechsel ändert sich auch der Stil. Die Band orientiert sich zwar textlich immer noch an Hardcore Punk, tendiert aber dazu sowas wie eine Mischung daraus und extremen Formen von Metal zu machen. Also wenn man schon differenzieren möchte könnte man vielleicht sagen dies wäre eine unfassbar primitive, ultrabrutale Form des Metals die jedoch keine ist. Weil eigentlich ist das Punk, der in eine völlig merkwürdige Richtung abdriftet. Super kurze Songs, noch weniger verständlicher Gesang. Diesmal hören wir zwar auch den Bauerngesang (wie bei Nik Bullen damals) allerdings viel mehr Gekreische. Insgesamt also 28 Songs in 33 Minuten. Texte über "multinational corporations", den "Wert des Menschen im Kapitalismus" und alles andere was ihr so von gewissen Crust Punk Bands so kennt. Ich bin immer noch fasziniert darüber, wie geil dieses Album ist. Wie stumpf und gleichzeitig so bahnbrechend. Essenziell.
9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: You Suffer, Instinct of Survival, Scum, Divine Death, Moral Crusade

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