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Dienstag, 1. September 2026

Album der Woche#696: Napalm Death - Scum (1987)

Eigentlich hat dieses Album erst kürzlich ein Review bekommen. Allerdings ein eher kürzeres, in Rahmen einer Reviewreihe über meine .mp3-Sammlung. Bei "N" war halt "Scum" von Napalm Death, unter anderem. Aber ich finde, es hat ein ausführlicheres Review verdient.

Zunächst mal das Cover: Das Gemälde welches eine afrikanische Familie zeigt die auf einem Berg von Schädeln steht und umringt von Vertretern von verschiedenen multinationalen Firmen ist, stammt von niemand anderen als Jeff Walker - Sänger und Bassist von Carcass.


Die A- und B-Seiten des Albums könnten unterschiedlicher nichts ein. Zumindest wenn man Fan der Band ist. Die A-Seite besteht aus Aufnahmen die teilweise ursprünglich auf dem "Hatred Surge"-Demotape erschienen sind und teilweise auf Ideen von Justin Broadrick (damals noch Gitarrist) aus dem Jahr 1983. Es ist auch ein komplett anderes Line-Up (okay, beinahe) als auf der B-Seite. Zusammengefasst - Seite A: Nik Bullen (voc, b), Justin Broadrick (guit, voc) und Mick Harris an den Drums der den Begriff "Grindcore" überhaupt erst ins Leben gerufen hat. Hört sich an wie eine härtere Variante von damals bekannten Anarcho Punk Bands wie The Varukers. Es ist im Grunde genommen Hardcore Punk auf Steroiden. Völlig durchgeknallte Blastbeats, primitives Riffing und ein Sänger der sich anhört wie äh *checks notes* *seufzt* jemand der die Treppe runterfällt und dabei britisches Essen verspeist. Übrigens ist das Line-Up nicht mal das Original-Line-Up. Nik Bullen ist da schon das einzige Originalmitglied. Am Ende der Seite findet sich übrigens auch das Lied "You Suffer", das wohl kürzeste Lied der Welt mit dem wirklich tiefgründigen (keine Ironie!) Text "You suffer, but why?". Ich bin außerdem der Meinung dass die deutschen D-Beat-Legenden Recharge bei "Siege of Power" geklaut haben. Ich weiß allerdings nicht wie das deutschsprachige Pendant dazu heißt. 

Zwischen Seite A und B vergeht fast ein Jahr. Es gab interne Spannungen in der Band und so kam es zu Ausstiegen. Ursprünglich war Seite A als ein weiteres Demotape gedacht. Lirum larum: Ein gewisser Digby Pearson vom frisch gegründeten Label Earache Records wollte ein Album von Napalm Death rausbringen. Dieser war am Ende auch in Besitz der ursprünglichen Aufnahmen. Die Band war aber nicht mehr die gleiche. Sie bestand aus Mick Harris (weiterhin Drums), Bill Steer (git), Jim Whitely (b) und Lee Dorrian (voc). Übrigens: Niemand von den beiden Line-Ups spielt heutzutage bei Napalm Death. Wie auch immer: Mit dem Line-Up-Wechsel ändert sich auch der Stil. Die Band orientiert sich zwar textlich immer noch an Hardcore Punk, tendiert aber dazu sowas wie eine Mischung daraus und extremen Formen von Metal zu machen. Also wenn man schon differenzieren möchte könnte man vielleicht sagen dies wäre eine unfassbar primitive, ultrabrutale Form des Metals die jedoch keine ist. Weil eigentlich ist das Punk, der in eine völlig merkwürdige Richtung abdriftet. Super kurze Songs, noch weniger verständlicher Gesang. Diesmal hören wir zwar auch den Bauerngesang (wie bei Nik Bullen damals) allerdings viel mehr Gekreische. Insgesamt also 28 Songs in 33 Minuten. Texte über "multinational corporations", den "Wert des Menschen im Kapitalismus" und alles andere was ihr so von gewissen Crust Punk Bands so kennt. Ich bin immer noch fasziniert darüber, wie geil dieses Album ist. Wie stumpf und gleichzeitig so bahnbrechend. Essenziell.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: You Suffer, Instinct of Survival, Scum, Divine Death, Moral Crusade


Freitag, 29. August 2025

Happenings des Monats: August'25

Stricher guckt sich "The Fantastic Four: First Steps" an am 04.08.2025 in Filmwelt Herne

Hurra. Das ist der erste Film des "Marvel Cinematic Universe" seit Jahren, den ich mir tatsächlich im Kino angesehen habe. 

Der Film spielt auf einer anderen Erde als die übrigen MCU-Filme. Und zwar Erde-828 (benannt nach dem Geburtstdatum der Marvel-Legende Jack Kirby) irgendwann in den 1960er Jahren. Das Superhelden-Quartett "The Fantastic Four" besteht aus vier Astronauten die vor vier Jahren in den Weltraum gereist sind und dort einer kosmischen Strahlung ausgesetzt wurden. Das Ehepaar Susan Storm (Vanessa Kirby) und Reed Richards (Pedro Pascal) hat die Kraft unsichtbar zu werden/Kraftfelder zu erzeugen bzw. sich scheinbar endlos zu dehnen/strecken. Susans Bruder Johnny


Storm (Joseph Quinn) wird zu einer wortwörtlichen menschlichen Fackel während der Freund der Familie Pilot Ben Grimm (Ebon Moss-Bachrach) zu einem steinernen Menschen wurde. Die vier sind Gründer einer wissenschaftlichen/philantropischen Organisation namens "Future Foundation" und schon mehrfach Retter der Erde. So haben sie gegen "Red Ghost und seine Super-Affen" als auch gegen das Monster Giganto gekämpft. Mit Mole Man (Paul Walter Hauser) und seiner unterirdischen Spezies hat man inzwischen Frieden geschlossen. Dazu kommt noch das Sue nun schwanger ist und man sich Sorgen macht ob das Kind auch mutiert sein wird. Doch es gibt nun eine weitere Sorge über die man sich den Kopf zerbrechen muss. Eine silberne Frau auf einem Surfbrett (Julia Garner) taucht auf und kündigt an, Heroldin eines sehr sehr hungrigen intergalaktischen Wesens zu sein. Galactus (Ralph Ineson), der Verschlinger der Welten ist unterwegs zur Erde um....sie zu verschlingen. Wie das genau passieren soll, warum und weshalb und überhaupt das muss noch herausgefunden werden. Also reisen die vier wieder in den Weltraum um äh naja das tun was Superhelden halt so tun.

Nun, diese Verfilmung ist um einiges besser als alle bisherigen F4-Filme zusammen. Und ich meine sowohl den 1994er Trash-Klassiker (der nie veröffentlicht wurde), die beiden 2000er Filme zusammen als auch den Reboot von vor über zehn Jahren. Eine wirklich gute Comic orientierte Verfilmung, die mehrere Bezüge aufweist. So haben wir den Fantasticar, den Roboter Herbie, Mole Man, Giganto ganz zu Schweigen von der übermäßigen Präsenz der Helden auf ihrer Erde. Sie werden nicht nur als Helden sondern quasi als Berühmtheiten gefeiert. Es gibt eine Zeichentrickserie über sie, Cornflakes und ganz viel anderes Merchandise. Kein Wunder, schließlich scheinen sie die einzigen Helden auf ihrer Welt zu sein. Die Special Effects sind (ohne es groß zu übertreiben) wirklich super als auch das Kostümdesign. Was mir ebenfalls gefallen hat ist die durchaus realistische Darstellung des Öffentlichkeitsbildes der F4. Und zwar werden sie wie Götter angehimmelt - doch kaum begehen sie einen "Fehler" bzw. tun irgendwas was der Öffentlichkeit nicht in den Kram passt geraten sie super schnell in Kritik. Ich mag auch den "Wechsel in der Stimmung" sehr. Die bisherigen Bösewichte auf dieser Erde waren eher Kleinkaliber im Vergleich zu Galaxus. Plötzlich wird alles sehr ernst und man merkt, dass das Schicksal aller Menschen auf dem Spiel steht. Doch auch diese Moves sind für Marvel und generell Superheldenfilme nicht wirklich neu. Im Großen und Ganzen funktioniert der Film schon sehr gut, allerdings fehlt es an einem tatsächlich superwichtigen knallenden Boom. Irgendwas was den Film wirklich super besonders macht. Trotzdem ist er, neben "Thunderbolts*" einer der besseren MCU-Filme in letzter Zeit. Vielleicht habe ich einfach zu viel erwartet. Egal, ich hatte Spaß.

7/10 Pfandflaschen

Trailer:



NAPALM DEATH + CALL OF CHARON + VORACIOUS am 05.08.2025 im Kulttempel, Oberhausen

Ich habe schon sehr lange keine Tickets mehr bei Positive Records bestellt. Tatsächlich so lange, dass ich in meinem Account immer noch meine alte Adresse drin stehen hatte. So kam es, dass der Umtauschsein für die Karte scheinbar verloren gegangen ist. Zum Glück hat der Veranstalter, ein gewisser Backs, das anders lösen können. Ich wette, dass andere größere Veranstalter da keine Lösung hätten. Oder auch nicht. Wie auch immer. Mal wieder ein Nachweis dafür, dass man kleinere Veranstaltungen besuchen sollte.


Als ich endlich ankam, waren Voracious bereits auf der Bühne. Das Bandlogo ließ mich vermuten, es handle sich hierbei um irgendeine Death Metal Band. Was ich dann tatsächlich vorfand war "moderner Death Metal" sprich irgendwas was micht leicht entfernt an Deathcore erinnert hat und womit ich absolut gar nichts anfangen konnte. Zum Glück gab es einen nicht zu vollgestopften Raucherbereich in dem ich mich draußen aufhalten konnte. Danach waren Call of Charon dran, die ich vor rund zehn Jahren im Café Nova zusammen mit Shai Hulud gesehen habe. Ebenfalls nicht mein Fall. Die Stimmlage vom Sänger erinnerte mich an die deutsche Synchronstimme von Peter Griffin. Also, die Sprechstimme nicht die Singstimme. So werde ich bis jetzt mit Klischees überhäuft. Ein durchaus sympathisch wirkender Typ der sich darauf freut zu spielen und seine Band die einfach fürchterlichen modernen Death spielt. Oder so. Oder keine Ahnung. Ich kann damit nichts anfangen. Möchte damit niemanden zu Nahe treten, aber das ist einfach absolut nicht mein Ding. 

Als das endlich Napalm Death die Bühne betreten, bin ich innerlich aus dem Häuschen. Ich hatte in der Vergangenheit mehrere Möglichkeiten sie zu sehen. In Dortmund oder Köln. Nun sind wir also tatsächlich in Oberhausen als Spielort angekommen. In diesem kleinen Kulttempel, in dem ich das letzte Mal bei Midnight war - und die Band knapp verpasst habe weil ich dummerweise zuerst zum Resonanzwerk gefahren bin. Wie auch immer: Es ist längst niemand mehr aus der Original-Besetzung dabei. Bassist Shane Embury ist vor kurzem ausgestiegen. Sänger Barney hat ordentlich abgenommen, sodass er ehrlich gesagt ziemlich ungesund auf mich wirkt. Auf dem ersten Blick. Ich dachte da zuerst an Corona. Doch als er fröhlich durch die Bühne läuft und rumspringt, merke ich: Diese Mann hat mit Mitte 50 immer noch so viel Bock das durchzuziehen was er gerade so durchzieht. Er hat einfach tierisch Bock darauf. Genauso wie die anderen drei. Drummer Danny Herrera rastet gar nicht aus an seinem Schlagzeugkit sondern bleibt absolut locker und entspannt. Als würde er das schon sehr sehr lange machen. Äh, ja. Jedenfalls: Fantastischer Auftritt mit Klassikern wie "Multinational Corporations", "You Suffer", "Suffer the Children", "When All Is Said And Done" und "The Silence is Deafening". War eine absolut großartige Idee hinzugehen. Danke dafür.



Freitag, 8. August 2025

So isses, Musik!#195

Incubus Discography: Make Yourself (1999)

Drittes Album von Incubus. Diesmal geht es in eine definitiv andere Richtung. Musikalisch hört sich die Band, bestehend aus Brandon Boyd, Mike Einziger, Jose Pasillas, Dirk Lance und DJ Kilmore stellenweise wie eine Alternative Rock/Post-Grunge (schlagt mich) Version von Red Hot Chili Peppers.

Ich bringe den Vergleich nur, weil die letztgenannte sowohl über funkigen Sprechgesang als auch über Cleangesang verfügten. Brandon Boyd hat hier aufgehört zu rappen und angefangen, wirklich wunderschön zu singen. Es gibt einen Instrumental-Track namens "Battlestar Scralatchtica" auf welchem DJ Kilmore zusammen mit Cut Chemist und DJ Nu-Mark (beide von Jurassic 5) rum scratchen. Dave Holdredge (Gastmusiker bei Bands wie Falling in Reverse und Sugar Ray) auf "Drive" und "I Miss You".

Generell hört sich das Album wesentlich persönlicher an. Nicht, dass auf "S.C.I.E.N.C.E." keine persönlichen Texte zu finden waren. Aber hier setzt man sich unvorgesehenen Ereignisse im Leben auseinander, in teils leicht holprigen Texten die gesungen schon recht abstrakt wirken. In "Drive" beispielweise geht es um Umgang mit Angst, die einen die Kontrolle über das eigene Leben raubt. Als Metapher benutzt man dafür das Autofahren. Die Angst übernimmt hier wortwörtlich das Steuer. "The Warmth" handelt von einem Wiederklarkommen mit der Welt um einen herum. Ich liebe den Refrain einfach: "So don't let the world bring you down, not everyone here is that fucked up and cold, remember why you come and while you're alive, experience the world before grow old". 

Ich habe dieses Album bestimmt schon an die zehn oder zwölf Mal gehört. Es ist, im Gegensatz zu "S.C.I.E.N.C.E." ganz und gar nicht funk- geschweige denn crossover-lastig. Stattdessen machen Incubus nun Alternative Rock mit Turntables. Ich habe befürchtet, dass ich das hier nicht mögen werde weil ich das vorherige Album so sehr mochte und wusste, dass sich hier ein Bruch vollzieht. Aber zum Glück lag ich falsch. Es ist virtuos, melodisch und einfach großartig.

Anspieltipps: The Warmth, Drive, Pardon Me
8,5/10 Pfandflaschen



Kid Rock Discography: Early Mornin' Stoned Pimp (1996)

Drittes Album von Kid Rock. Und so langsam kommen wir ins Rollen. Denn diesmal betreibt Kid Rock anstelle eines alleinigen ultimativen Beastie Boys Worshipping (wobei er dieses hier auch tut) etwas völlig anderes.

Er ist nämlich nicht mehr alleine. Die "Twisted Brown Trucker" Backing Band liefert die Melodien. Das bekannteste Mitglieder dieser Band ist der DJ Uncle Kracker (bekannt für seinen Song "Follow Me").

Weitere Mitglieder sind Gitarrist Andrew Nerha, Bassist Bobby East, Drummer Bob Ebeling, Bassgitarrist Marlon Young, Pianist Jimmie Bones, Keyboardist Eddie Harsch und Backgroundsängerin Thornetta Davis. Letztere singt auf dem Song "Paid" den Refrain und hat darum gebeten keine Credits zu bekommen. Kein Wunder, schließlich singt sie "Fuck me baby, Kid Rock come fuck me baby, fuck me baby, fuck me baby, all night long". Diese Bitte wurde ignoriert. 

"Early Mornin' Stoned Pimp" unterscheidet sich zwar wesentlich von "Grits Sandwiches For Breakfast" und "The Polyfuze Method" allerdings nicht wirklich was die Texte betrifft. Noch immer geht es um Kid Rock selbst, sein Ego, seine Trailer Park Redneck Pimp Daddy Persönlichkeit, die er immer und immer wieder zelebriert. Allerdings geht es auch um Persönliches. So erzählt er in "Black Chick, White Guy" die Geschichte einer gescheiterten On/Off-Beziehung aus welcher ein Kind hervorging und in welcher er das Kind seiner Partnerin großgezogen hat. "I Wanna Go Back" handelt von "alten Zeiten" zu welchen er zurück will. Die Musik ist eine Mischung aus Funk, Soul, R&B, Rap und ganz kleines Bisschen Metal. Flow-technisch hat KR wesentlich mehr drauf als vorher. Auch wirkt er nicht mehr so kindisch-aggressiv wie auf den vorherigen Alben. "Early Mornin' Stoned Pimp" ist tatsächlich super angenehm zu hören. Es flowt, groovt, funkt und ist insgesamt ein sehr entspanntes Album.

Anspieltipps: Early Mornin' Stoned Pimp, Ya Keep On, Black Chick White Guy, Freestyle Rhyme
8/10 Pfandflaschen


Was läuft sonst noch?

Ich habe mir letztens das erste Mal überhaupt Napalm Death live angesehen. So musste ich zuhause in deren Discography rumkramen und habe mir eines der älteren Demos gegeben, "Hatred Surge". Es klingt komplett anders als ihre sonstigen Werke und hat auch einen komplett anderen Line-Up. Crusty as hell. 


Philipp hat Feargal Sharkey irgendwo ausgegraben. Der Kollege war früher mal Sänger der The Undertones, bis sie sich 1983 aufgelöst haben. The Undertones waren zwar schon poppig für eine Punk Band, aber das hier übertriffts noch viel viel mehr. 


Mein YouTube-Algorhythmus hat mir "Stoned 'n' Drunk" von der Crossover Thrash Band "Zernichter" vorgeschlagen. Heiliger Fick, warum? Fürchterliche banale Texte übers Bekifftsein, Besoffensein und äh naja eigentlich nichts anderes. Mir ist durchaus bewusst, dass das hier mit Absicht so ist, aber meine Fresse ist das scheiße. Und nicht mal so scheiße, dass es irgendwie lustig wäre. 




Montag, 18. Juli 2022

So isses, Musik!#147


GATECREEPER am 29.06.2022 im Junkyard, Dortmund

Als dieses Konzert stattfand, habe ich bereits "Happenings des Monats" für Juni veröffentlicht. Darum erscheint der kurze Bericht anschließend hier. Ich musste an dem Tag arbeiten und zwar bis 19 Uhr. Das heißt im Endeffekt: Schnell die Europaletten reinfahren und ab nach Dortmund. Ich habe die Vorband, die nicht Scalpture waren, sondern Eye Master, gnadenlos verpasst. Als ich ankam haben Gatecreeper schon angefangen zu spielen. Insgesamt habe ich vllt. 40 Minuten des Sets mitbekommen. Aber es hat sich gelohnt.


Denn, das wessen Zeuge ich wurde war verdammt gut gemacht melodischer Death Metal, von Typen die offensichtlich der Hardcore Szene entstammen. Denn sonst würden sie das Publikum nicht zu Circle Pits aufrufen und nicht diese Hardcore-Sänger-Haltung auf der Bühne einnehmen. "From The Ashes" eines der bekanntesten Songs der Band erinnert einen tatsächlich an dieses eine Lied von Amon Amarth, das damals in der Würzburger Metal-Disco "Labyrinth" rauf und runter gespielt wurde. Das meine ich übrigens gar nicht böse. Vielleicht haben Gatecreeper als US-Bürger einen weitaus positiveren Bezug zu Amon Amarsch als ich. Ich fand den Auftritt verdammt gut. Technisch absolut auf der Höhe. Angenehmer, wenn auch nicht allzu dreckiger Death Metal. Manch einer würde sagen, dass es zu modern oder zu weich ist. Ich bin da relativ offen. Für die kurze Zeit hat sich das tatsächlich gelohnt.

N:

NAIV

Ich habe vor hundert Jahren eine mp3-Kollektion der russischen Punk-band NAIV geholt, als auch das Album "Post-Alkogolnye Strahi" (post-alkoholische Ängste). Neben Seitenhieben gegen Straight Edgen, die Regierung und Songs übers Besoffen sein als auch Ablehnung von harten Drogen haben wir hier eine durchaus sympathische Band die sich an Vorbildern wie Sex Pistols oder Offspring orientiert. Sprich klassischer Punk-Sound gemischt mit kalifornischen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das nach Jahren gefallen würde, aber ja das tut es.

Hier ist der Song "Utro", der von einem höllischen Morgen, gewürzt mit einem ekelhaften Kater handelt:




Napalm Death - "Scum" (1987)

Ich habe zwei Alben von Napalm Death auf dem Rechner. Eines davon ist der Death-Metal-Erstling der Band "Harmony Corruption". Das andere ist das Debüt "Scum". Auf diesem sind zwei verschiedene Besetzungen zu hören. Auf der A-Seite noch Nick Bullen am Bass und Gesang, Justin Broadrick (der später die Projekte Godflesh und Jesu ins Leben gerufen hat) an der Gitarre und Mick Harris am Schlagzeug. Auf der zweiten Seite ist Sänger Lee Dorrian zu hören, der später bei der Doom Metal Band Cathedral angefangen, die mittlerweile auch eine Legende ist. Außerdem Bill Steer (u.a. Carcass) an der Gitarre und Jim Whiteley am Bass. Mick Harris wieder am Schlagzeug. Es ist nicht die erste Veröffentlichung der Band und schon damals nur ein Mitglied von der Originalbesetzung übrig. Wobei nicht mal das. Mick Harris war auch kein Originalmitglied. WTF. Ich kenne, glaube ich keine Band bei der niemand von der Originalbesetzung mehr dabei ist. Fest steht: "Scum" ist ein phänomenales Grindcore-Album, definitiv noch entfernt von allerlei typischen Genre-Klischees. Es ist ein raues, gnadenloses Werk einer Band, die wahrscheinlich zu wenig Geld für die Aufnahmen hatte und einfach möglichst viel Aufnehmen wollte. Faszinierend. Ja, auch dieses berühmte kürzestes Lied der Welt "You Suffer" ist hier zu hören. Nein, "Scum" bietet wesentlich mehr als das. Selbst das Albumcover ist das erste seiner Art. Eine Collage von verschiedensten Brutalitäten dieser Welt. Politischer Terror. Konsum. All das was später eine 08/15-Vorlage für Grindcore oder Crust-Bands wurde ist hier zu sehen. Gestaltet von Jeff Walker, Sänger von Carcass.

28 SONGS!!!




Narziss - Solang das Herz schlägt (2006)

Eine Metalcore-Band aus Jena, mit deutschsprachigen Texten. Heutzutage tatsächlich immer noch eine Ausnahme, damals sowieso. Ich habe mich gewundert, wie gut diese ganzen Breakdowns mit deutschen Texten zusammenpassen. Vor allem, weil einiges davon doch voll mit Clean Gesang ist und ganz und gar nicht cringy. Gut, cringy mögen Texte wie "Meine kleine Seele weint" heutzutage schon rüberkommen. Aber das ist halt Geschmackssache. Es ist überrascht catchy und ganz und gar nicht schlecht. Im Gegensatz zu publikumswirksamen Metalcore, der heute größtenteils gespielt wird.




Nas & MF DOOM - Nastradoomus (2008)

"Nastradamus" war das vierte Album von Nasir "Nas" Jones, einen der bekanntesten, smoothesten New Yorker Hip-Hop-Größen der 90er Jahre. Bei "Nastradoomus" handelt es sich um ein Remix-Album, dass von einer anderen Legende, MF DOOM, produziert wurde. Im Prinzip ist es einfach eine Art wesentlich düsterere Variante von "Nastradamus". Die Beats klingen mysteriöser und verleihen den Songs ein undergroundiges "Feeling". Im Vergleich dazu, der meines Erachtens beste Track. 

Im Original:

"Some Of Us Have Angels":



Und natürlich der MF-DOOM-Remix:

Der eigentliche Song fängt bei ca. 3:50 an.


Auf "Shoot'Em Up" hat MF Doom übrigens das gleiche Sample wie auf "Dead Bent" vom eigenen Album "Operation Doomsday" verwendet. Schön, das wiederzuerkennen. Das ist übrigens "Walk On By" von Isaac Hayes, welches wiederum auch von Wu-Tang Clan in "I Can't Go To Sleep" verwendet wurde - das auch Hayes gefeatured hat. Achja, "Hood Took Me Under" von Compton's Most Wanted verwendet es übrigens auch. Zu hören auf "Radio Los Santos" im Videospiel Grand Theft Auto: San Andreas. Das Lied von Hayes ist tatsächlich auch noch n Cover von Dionne Warwick, das von Burt Bacharach geschrieben wurde. 

Black Sabbath Discography: Sabbath Bloody Sabbath (1973)

Philipp:

"Nun, nachdem zumindest der gute Raphi und ich uns über Vol. 4 etwas uneinig waren, kehrt die Eintracht zurück auf diesen Blog, das hier ist wirklich eine geile Hütte, das sehe ich exakt genau so. Allein der Opener und Titeltrack ist schon mal mindestens 6 Pfandflaschen wert, dieses Riff, dieser (noch doomigere) langsamere Part an denlm Ozzy hörbar an die Grenzen seiner stimmlichen Kapazität stößt und der dadurch noch an Bedrohlichkeit gewinnt, unfassbarer Song, definitiv in meiner Top 10 der besten Sabbath Songs, vielleicht sogar in der Top 5, da müsste ich aber noch mal drüber schlafen. 
Iommi hat noch mal einen Zahn zugelegt und arbeitet auf diesem Album recht oft mit Overdubs und zweistimmigen Gitarrenriffs, meines Erachtens nach ein Novum in der Geschichte der Band. 

Der Rest des Albums ist übrigens wesentlich weniger düster als das Cover vermuten ließe, eher sehr guter 70s-Rock, aber dafür wirklich fantastisch, wie bereits angedeutet, das Trio Iommi Butler Ward hat sich erneut selbst übertroffen, Ozzy zieht da auf jeden Fall (noch) bereitwillig mit, stößt aber hier und da schon an seine stimmlichen Grenzen. 
Ich muss übrigens zu meiner Schande gestehen, dass ich im Gesamtkanon der Band dieses Album immer sehr geschätzt aber doch immer auf den Opener reduziert habe. Aber da gibt es wirklich noch viel mehr zu entdecken, großartiges Album, dieses.

10/10 Pfandflaschen

Anspieltipps:

Sabbath Bloody Sabbath, Sabbra Cadabra, Looking for Today"

Raphael:

 „Sabbath Bloody Sabbath“ entstand angeblich aus einem ähnlichen kokainbedingten Burnout wie das vorangehende „Vol. 4“. Obgleich alle Bandmitglieder im Nachhinein von Ideenarmut und Erschöpfung sprechen, wenn es um das fünfte Black Sabbath Album geht, klingt diese Scheibe für mich deutlich selbstbewusster als ihre Vorgängerin.

Der Einstieg mit dem Titeltrack ist eine breitschultrige Ansage, die in meinem Kosmos bis heute zu den unantastbaren Heavy Metal Hymnen gehört. Der Song alleine lässt mich vergessen, wie durchwachsen ich „Vol. 4“ finde. Das Main Riff ist eine Bestie, die Bridge animiert mich jedes Mal, Extremitäten in die Luft zu strecken, und der schiefe Gesang zum Schluss passt wie die Faust aufs Auge. Das Niveau bleibt hoch, denn an zweiter Position kommt mit ‚A National Acrobat‘ ein eigensinniger, aber großartiger Song, in dem Black Sabbath darüber sinnieren, wer eigentlich entscheidet, welches Spermium mit der Eizelle verschmilzt, und welches nicht. Interessanter ist aber die Musik, die nicht nur zum großen Teil aus der Feder von Bassist Geezer Butler stammt, sondern für mein Gehör auch eine sehr frühe Protoform des Stoner oder Desert Rock darstellt. Legt mal Paisley Underground Acts wie Thin White Rope oder schwerere Desert Rock Bands wie Dozer daneben – Parallelen sind auf jeden Fall zu finden. Es folgt ein Instrumental, das in erster Linie eine dankbare Verbeugung ist: Alan „Fluff“ Freeman war wohl einer der wenigen Radio DJs bei BBC, der regelmäßig Black Sabbath auflegte; Tony Iommi bedankte sich mit dieser kleinen Hymne. Nach diesem schönen Instrumental kommt das Ende der A-Seite, das dynamische Heavy Metal Liebeslied ‚Sabbra Cadabra‘. Der Song ist ein absoluter Kracher, der die berauschende Luft auf Wolke 7 perfekt in Musik umsetzt – und dann ist da auch noch der Synthie von Gastmusiker Rick Wakeman! Das Yes-Mitglied bringt ein bisschen Prog mit und mischt den liebestrunkenen Heavy Metal ordentlich auf. Die A-Seite endet und bis jetzt sind mir noch keine Makel aufgefallen.

Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Bill Ward, Geezer Butler
Einmal das Vinyl umgedreht, und schon geht es mit dezent psychedelischem Metal weiter. Der Song ‚Killing yourself to live‘ wurde von Bassist Geezer Butler geschrieben, der darin seine alkoholbedingten Gesundheitsprobleme behandelt – ein Song, in dem sich auch Drummer Bill Ward gut wiedergefunden hat. In der ersten Hälfte überzeugt vor allem der eingespielte Sitar zusammen mit den Stopps im Mainriff. Zum Ende hin wird ‚Killing yourself to live‘ zu einem mächtigen Strudel, der mit der Kraft des Heavy Metal nach unten zieht. Und diese Bewegung geht mit dem hypnotischen Moog Track ‚Who are you?‘ weiter. Nein, mit Heavy Metal oder Doom und Konsorten hat das nichts zu tun, aber sowohl an seiner Position zwischen ‚Killing yourself to live‘ und ‚Looking for today‘ ist der Song ein Brecher. Letzteres nimmt dann nochmal ein beschwingtes Tempo auf. So ungewöhnlich der progressive, leicht folkige, Prog Pop Rock Bastard klingen mag, ist dieses uneheliche Kind aus Britpop, Folk und Prog Rock doch die logische Konsequenz aus Liedern wie ‚After Forever‘. Nach diesem sehr agilen Track kommt zum Schluss der zweite Teil der Gedanken über Erbgut und die Individuen, die
daraus erwachsen: ‚Spiral Architect‘ knüpft inhaltlich an ‚A National Acrobat‘ an. Der Song ist an sich schön abwechslungsreich aufgebaut und hat hymnischen Charakter, und auch das Orchester macht gut was her. Im Gegensatz zu ‚Sabbra Cadabra‘ und ‚Looking for today‘ passt der Prog-Einschlag hier aber nicht so gut zum üblichen Sabbath Sound, finde ich. Es wirkt ein wenig, als hätte man auf einem Ohr Black Sabbath und auf dem anderen Symphony X.

Das Ende stellt aber meines Erachtens den einzigen partiellen Aussetzer des Albums dar. „Sabbath Bloody Sabbath“ zeigt nicht nur, wie stark sich die Band in den ersten Jahren ihrer Arbeit entwickelt hat, sondern beweist auch, dass sich Black Sabbath nach einem Ausfall wie „Vol. 4“ schnell wieder aufrappeln konnten. Die fünfte Platte ist ein weiterer Meilenstein des frühen Heavy Metal und verdient ihre 

9,5/10 Pfandflaschen.



Samstag, 18. Juli 2020

Album der Woche#448: Napalm Death - Harmony Corruption (1990)

Hallo, und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von "Album der Woche" im Rahmen des Death-Metal-Themenmonats. Ich habe Phil Th. Pig gefragt was ich denn sonst so reviewen könnte, weil ich mich doch nicht bloß auf die Länder Schweden (Entombed) und USA (Nile) beschränken konnte. Er meinte sowas wie "Junge, deine Reise geht nach Großbritannien etzadla!". Das ist natürlich gelogen, aber ihr wisst was ich ungefähr meine.

"Harmony Corruption" ist das dritte Album von Napalm Death. Hierauf ist nicht mehr der alte Sänger Lee Dorrian zu hören, der sich dann mit "Cathedral" dem Doom Metal widmete. Mit Jesse Pinado (Ex-Terrorizer) auch ein neuer Gitarrist dabei, ebenso Mitch Harris (ex-Righteous Pigs). Neuer Sänger wurde der bis heute bei der Band tätige Mark "Barney" Greenway.

Es ist definitiv kein super wegweisendes Album in der Geschichte des Death Metal. Auf jeden Fall aber ein sehr bedeutendes für die Band. "Scum" und "From Enslavement to Obliteration" waren reine, chaotische Grindcore-Alben. Mit dem kürzesten Song der Welt, "You Suffer" gingen sie in die Geschichte ein. Hier ist es einfach vollkommen anders. Man nahm das Album zusammen mit dem berühmt-berüchtigen Producer Scott Burns auf - man erinnere sich an Mayhem, die ihn absolut gehasst haben wegen des zu cleanen Sound.

Dieser ist hierauf tatsächlich unfassbar clean und sehr gut produziert. Jedoch kein typisches Death Metal Album, wie sie zur damaligen Zeit übrig waren. Napalm Death änderten nicht plötzlich ihre Texte oder ihre Attitüde. Es geht immer noch um soziale Ungerechtigkeit und die zerstörerische Natur des Menschen, man wechselt nicht plötzlich zu Texten über Gore und Tod. Was auch zur Ungewöhnlichkeit dieses Albums führt. Es ist kein Grindcore-Album, sondern ein Death-Meal-Album mit Punk-Attitüde. Dementsprechend sind die ursprünglichen Fans der Band etwas verstört weil es viel zu sauber produziert klingt, herkömmliche Death-Metal-Fans können mit den Texten wenig anfangen.

Ich hingegen halte es für verdammt noch mal sehr gut. Wollte hier auch nicht unbedingt mit irgendwelchem Fachwissen flexen, es ist einfach nur ein echt gutes Death-Metal-Album. Und ein Meilenstein für die Band.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Unfit Earth, Inner Incineration, The Chains That Bind Us