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Sonntag, 25. Mai 2025

So isses, Musik!#190

Bevor wir uns den Discographies widmen, möchte ich mir einen Moment Zeit nehmen für Katharsis. Als "Katharsis" bezeichnet man das "Sichbefreien von psychischen Konflikten und inneren Spannungen durch Abreagieren". Tatsächlich ist das etwas, was heutzutage vermehrt in den sozialen Medien stattfindet, als Antwort auf das Weltgeschehen. Doch gleichzeitig ist es auch der Name von mehreren Bands und Künstlern. Das ist mir letztens auch aufgefallen, als ich den "Eurovision Song Contest" gesehen habe (und dabei mindestens vier Mal für Israel gestimmt habe). Litauen wurde nämlich von einer Band vertreten die sich "Katarsis" nennt und dabei leicht shoegazig rüberkam. Ich fands ziemlich gut, was ich gehört habe. Hier könnt ihr euch den Song auf YouTube anhören.

Katharsis ist wiederum auch der Name einer Black Metal Band, die ich bis dato nur von Aufnähern und vom "Sehen" kannte. Wahrhaftig kranker Gesang, der sich wie Geschrei einer Hexe anhört. Ansonsten Qualität aus dem Mülleimer, aber das ist gut so. Geil. 

Catharsis aus North Carolina machen sowas wie Post-Hardcore, sprich Musik die Bands machen die aus dem Hardcore kommen und sich erheblich weiter entwickelt haben. Habe sie vor mehr als zehn Jahren (?) auf dem FLUFF Fest im tschechischen Rokycany gesehen und es war wirklich atemberaubend. Hier könnt ihr euch "Arsonist's Prayer" anhören. 

2012 kam der gemeinsame Track "Super Marios" von Katharsis & Gossenboss mit Zett. Ich hab's damals gefeiert, dass Gosse etwas aus seiner Gosse rauskommt und einen größeren Bekanntsheitsgrad erfährt. Irgendwie. Damals wie heute - übergut.

CRASS Discography: Yes Sir, I Will (1983)

Eigentlich ist das hier das letzte Album von CRASS. Doch zwei Jahre später kam noch eins und das obwohl die Band gemeint hat, dass sie nur bis ins Jahr 1984 existieren werden. Irgendwann wurde es auch schwierig als politische Band zu existieren und im wörtlichen Sinne eine Antwort auf die Ereignisse auf der Welt zu geben. So ist "Yes Sir, I Will" eine Antwort auf den Falkland-Krieg und die politische Stimmung in Großbritannien.


Das Album besteht aus sieben Songs, die zum ursprünglichen Zeitpunkt der Veröffentlichung alle "Yes Sir, I Will" hießen. Eigentlich ist es ein einzelner durchgängiger Song der lediglich durch zwei Seiten einer Schallplatte getrennt wird. De Facto aber sind es sieben Songs, die noch mehr in die Avantgarde eintauchen als sonst schon. Allerdings gibt es zwischen ihnen keine Übergänge. Im Grunde genommen sind es endlose Rants von Steve Ignorant. Zumindest auf Song 1 und 3. Song 2 ist eine ironisch anmutende Piano-Ballade. Song Nummer 4 ist der wohl am ehesten Punkrockige hierauf. Damit meine ich den ursprünglichen konventionellen Punkrock. Die bedrohliche, pessimistische Kulisse zieht sich auf Song 5 und 6 weiter bis zum siebten Song. Sowas wie Refrains gibt es nicht. Im Grunde genommen ist es ein gigantisches Anarcho-Kunstwerk, dass weniger dazu gedacht ist, mitgegröhlt zu werden sondern um eine zynische bzw. kritische Botschaft zu vermitteln. Auf der "Crassical Collection" wurden den einzelnen Songs auch tatsächlich neue Titel vergeben. Deswegen werden die Anspieltipps zu diesem Album auch diese beinhalten. Die Texte basieren zu einem nicht geringen Teil auf Drummer Penny Rimbauds Gedicht "Rocky Eyes".

Der Titel des Albums entstand aus einer Begegnug zwischen den Soldaten Simon Weston und Prinz Charles. Weston war im Falkland Krieg, sein Gesicht wurde heftig verbrannt. Charles wünschte ihm gute Besserung ("Get well soon") worauf Weston antwortete dass er das ja tun werde ("Yes Sir, I Will"). Als würde er einen Befehl erhalten. CRASS machen sich in dem Moment nicht über den Veteranen lustig sondern betrachten dessen Gehorsam der Krone gegenüber zynisch. Da wird jemand in einen Krieg geschickt, ist hinterher für sein Leben lang gezeichnet und am Ende zeigt er doch gehorsam. 

Meines Erachtens das am wenigsten zugängliche Album von CRASS und das herausfordernste. Trotzdem gibt es hier ein paar Songs, die man sich durchaus gönnen kann.

Anspieltipps: Anarchy's Just Another Word (2), Speed or Greed (3), The Five Knuckle Shuffle (4)
6,75/10 Pfandflaschen 




Primus Discography: Conspiranoid EP (2022)

Die neueste und bis jetzt letzte Veröffentlichung von Primus ist eine EP, die "nur" drei Songs enthält weil die Band aus Zeitgründen keinen Nerv hatte zwischen Tür und Angel irgendwas größeres aufzunehmen. Es ist die letzte Aufnahme mit Tim Alexander der zwei Jahre später zum dritten Mal ausgestiegen ist. "Conspiranoid" besteht aus den Songs "Conspiranoia", "Follow the Fool" und "Erin on the Side of Caution".

Rausgekommen im zweiten Jahr der Pandemie, beschäftigt sich die EP, wie kann es auch anders sein, mit Verschwörungstheorien und ihren Anhängern. "Conspiranoia" ist ein beinahe 12-minütiger
Riesensong der von Menschen erzählt die auf Verschwörungsthorien reingefallen sind und sich zum Beispiel Katzenpisse in die Augen schütten um gegen COVID-19 immun zu sein (weil Impfungen per se böhse sind). Die Moral von der Geschichte ist: "Du kannst ein Pferd zum Wasser bringen, aber ihm nicht beibringen zu trinken". So kann man auch Fakten zu den Menschen bringen, aber sie nicht dazu bringen daran zu glauben. "Follow the fool" stellt die Frage: Ist derjenige ein Idiot der die ganzen Verschwörungern erzählt oder sind die Leute Idioten, die ihm folgen und alles nachplappern was er sagt? Ich weiß nicht genau, worum es in "Erin on the side of the caution" geht. Es scheint mir aber, dass das Thema Menschen sind, die die gesamte Pandemie für ein gut durchplantes Konstrukt gehalten haben und sich auf diese Art und Weise auf der "richtigen" Seite der Dinge gewähnt haben.

Einzig "Erin..." klingt ein wenig nach alten Primus. "Follow the Fool" allerdings auch so n Bisschen. Der Titeltrack (wenn man ihn so nennen kann) ist jedoch eine vollkommen andere Nummer. Mit 11 Minuten und 39 Sekunden der wohl längste Song von Primus und meiner Meinung nach eine gelungene Verneigung von Progressive und Art Rock Größen wie Pink Floyd, allerdings gleichzeitig auch vor John Carpenter. Meiner Meinung nach. Ich finde nämlich, dass der Song sich anhört wie John Carpenters Musik zu seinem Film "They Live". Also die ruhigeren Passagen. Natürlich gibt es hier auch Old School Primus Versatzstücke, größtenteils verzichtet der Song aber darauf. Wie gesagt: "Money" von Pink Floyd trifft auf die Hintergrundmusik von "They Live" (in welcher es um äh naja Verschwörungstheorien ging die wahr geworden sind. Ich sag nix).

Die EP hatte es zu Beginn etwas schwer bei mir. Es wollte einfach nicht richtig zünden. Doch nach 2-3 Mal durchhören sitzt das Ding endlich. Primus können jetzt auf jeden Fall Progressive Rock. Bzw. konnten es vorher auch schon (siehe "Desaturating Seven") aber hier zündet es richtig ordentlich gut. Auf jeden fall.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Alle lol

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Vorerst letztes Primus-Review unserer kleinen Reihe, nun die zwanzigminütige 3-Song-EP "Conspiranoid" aus dem Jahr 2022, welches sich - passend zur damaligen dritten Welle der Corona-Pandemie unter anderem mit Verschwörungstheorien beschäftigt. 
Vorerst letztes Lebenszeichen der Band in der "klassischen" Besetzung, Herb hat Anfang dieses Jahres leider die Band verlassen. 
Musikalisch bleibt man der progressiven Ausrichtung des letzten Albums treu, man hört an einigen Stellen Rush und King Crimson raus, ein Riff erinnert mich verdächtig an Mr Bungle, aber das kann durchaus Zufall sein. 
Alles in allem eine recht gute EP, die durchaus ihre Berechtigung in der Primus-Diskografie hat. Es bleibt abzuwarten, wie es für die Band weitergeht. 

Die letzte Single "Little Lord Fentanyl" mit MJ Keenan war jedenfalls eher so mittelmäßig.

7/10 Pfandflaschen"

Raphael:

"Hier sind wir im bisher letzten Kapitel von Primus. Ihre Tour, auf der sie das gesamte Rush Album „A Farewell to Kings“ spielten, musste zweimal verschoben werden; einmal wegen Slayer und einmal wegen COVID-19. Und letzteres ist eigentlich die ideale Überleitung, denn auf der EP von 2022 geht es um Verschwörungstheorien, Paranoia, und sowohl die Unsinnigkeit all dessen sowie auch die davon ausgehenden Gefahren. Nach zwei Alben mit rein fiktiver Thematik ist das ein ganz schön schneller Sprung ins kalte Wasser der Realität.
Primus im Jahre 2025

Im Jahr 2022 haben auch Slime mit ihrem neuen Sänger Tex Brasket ihr Album „Zwei“ veröffentlicht; unsere Gedanken dazu findet ihr hier. Außerdem war 2022 das Jahr, in welchem die kurdische Frau Jina Mahsa Amini im Iran durch Polizisten ermordet wurde, was zu nationalen und internationalen Protesten führte. Der seit 2014 schwelende Krieg zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation wurde zum Flächenbrand, als Vladimir Putin die Invasion der Ukraine befahl. Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kam es zu einem verheerenden Erdbeben mit Todesopfern in vierstelliger Größenordnung. Bessere Nachrichten aus demselben Jahr waren die Ernennung des Fliegenpilzes zum Pilz des Jahres, die Entwicklung eines sehr wirksamen Impfstoffes gegen Malaria, und der Tod von Joseph Alois Ratzinger.

Ja, global gesehen war es irgendwie kein so geiles Jahr. Und irgendwie scheint sich hier meine These zu bestätigen, dass schwierige Zeiten gute Kunst hervorbringen. Ein gutes Beispiel hierfür ist „Conspiranoid“ von Primus aus dem Jahre 2022. Die EP beinhaltet drei Tracks, von denen der erste Titel „Conspiranoia“ mit elfeinhalb Minuten das bis dato längste Stück der Band ist. Inhaltlich geht es also um Verschwörungstheorien und Paranoia, um Chemtrails, um Autismus oder Tod verursacht durch COVID Impfungen, um die QAnon Bewegung, Präsident Donald John Trump, Laser, die flache Erde, und die Tatsache, dass am Ende des Tages eigentlich meistens sowieso Die Juden™ für alles Schlechte verantwortlich sind. „Conspiranoid“ war anno 2022 genau die EP, die wir gebraucht haben. Daran, dass Zyniker wie Claypool, LaLonde und Alexander plötzlich die Hüllen aus Fiktion und Satire fallen lassen, merken wir: das hier ist verdammt nochmal ernst! Primus betrachten mit Sorge die zunehmende Zerrissenheit der Menschheit und gehen auf ihre Art und Weise darauf ein. Ganz ohne Sarkasmus schaffen sie das natürlich nicht, aber so direkt wie auf „Conspiranoid“ haben sie sich zuvor nicht geäußert. Und dazu passt auch die störrische musikalische Umsetzung. Auf ihrem Weg zum Prog haben Primus hier nochmal einen Gang rausgenommen und eine kleine Detour durch schmutzige Pfützen des Alternative Funk Metal gewagt: also eine Kombination aus dem Besten beider Welten.
9/10 Pfandflaschen

Anspieltipp: Von vorne bis hinten durchhören"



Sonntag, 11. Mai 2025

So isses, Musik!#189

CRASS Discography: Christ - The Album (1982)

Viertes Album von CRASS. Und wahrscheinlich eins, das ich für diese Review-Reihe am meisten gehört habe. Mehrere Songs von diesem Album verweilten schon Jahre lang auf meinen verschiedenen MP3-Playern, jedoch habe ich das Album noch nie als Ganzes gehört. Es sind zwei Platten bzw. zwei CDs. Auf der ersten befindet sich das eigentliche neue Album, auf der anderen ein Live-Mitschnitt eines Konzerts in Club "100". 


"Christ" ist kein Konzeptalbum über das Leben von Jesus Christus. Es fühlt sich trotzdem an als würde es ein Moment aus einem Leben erzählen. Und zwar das einer Band, die zur Zeit des Kalten Kriegs als auch des Falkland Kriegs aktiv war. Im ersten Song "Have a nice Day" nimmt die Band sich selbst auf die Schippe. Von wegen, sie könnten nichts anderes außer auf das System und auf den Krieg schimpfen und sie hätten kein Bisschen Humor. "Mother Love" behandelt toxische Beziehungen zwischen Eltern und Kindern bzw. solche in welchen die Kinder nur zum Vorzeigen da sind und geliebt werden bis sie anfangen ihre eigenen unabhängigen Gedanken zu äußern. "Nineteen Eighty Bore" ist eine Abrechnung mit dem Entertainment Programm im Fernsehen bzw. eine Kritik an dem Wegschauen des durchschnittlichen Bürgers vor all Ungerechtigkeiten in der Welt und Hinschauen zu irgendwelchen TV-Sendungen. Den Höhepunkt bildet, meiner Meinung nach, der Abschlußtrack "Major General Despair". Ein, wieder mal, sehr guter Anti-(Atom-)Kriegssong der eine durchaus berechtigte Frage stellt, nämlich: "Ist es ein Teil von Ihnen der gestorben ist, sodass sie das tun was sie tun oder sind wir tot, verstecken wir uns vor unserer Verantwortung sie aufzuhalten in ihrem mörderischen tun?"

Alles Jahre wieder kehre ich zu CRASS zurück und stelle immer wieder fest wie oft sie recht hatten. Auch wenn die Musik teils super primitiv ist, ist es doch ein absolutes Zeitzeugnis von einer mehr als schwierigen Zeit. Hier gibt es wenig bis kaum Experimente, außer ein paar Bläser. Ansonsten ist es purer, rauer, Anarcho Punk.

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Major General Despair, Greatest Working Class Rip-Off, Nineteen Eighty Bore



Primus Discography: The Desaturating Seven (2017)

Neuntes und bis dahin letztes Album von Primus. Aber keine Sorge, die 2020 erschienene EP "Conspiranoid" findet auch noch ihren Weg hierhin.

"The Desaturating Seven" ist nach "Primus & The Chocolate Factory..." schon das zweite Konzeptalbum der Band. Tim Alexander ist hier immer noch (bzw. wieder) Teil der Besetzung. Es handelt sich um ein Album welches auf dem Kinderbuch "The Rainbow Goblins" des italienischen Autors Ul De Rico. Tatsächlich ist es schon das zweite Mal, dass ein Album im Zusammenhang mit
diesem Buch rausgebracht wurde, wenn man "The Rainbow Goblins" von Masayoshi Takanaka (von 1981) miteinbezieht. Ich weiß nicht, worum es in dem Buch geht. Tatsache ist, dass Les Claypool früher gerne seinen Kindern daraus vorgelesen hat.

Ähnlich wie beim Vorgänger finden sich hier kaum Elemente die für Old School Primus typisch sind. Was heißt "kaum"? Eigentlich gar nicht. Es gibt keinen funkigen superduperweirden Crossover mit Polka-Elementen. Nein. Stattdessen haben wir reinsten progressiven psychedelischen Rock, der stets auf leisen Sohlen tritt und erstaunlich wenig bombastisch ist. Claypools Gesang klingt wie eine obskure Lautmalerei, Alexanders und LaLondes Schlagzeug- bzw. Gitarrenspiel wie eine endlose Jamsession im Hintergrund. Insgesamt klingt es wie "biiiimm biiiiim biuuueeeeeeahhhh mbiumm dummdumdumdumdumdumd pipipipipipipi". Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, richtigen Zugang hierfür zufinden. Primus schaffen es mal wieder, sich selbst zu toppen. Es ist weirder als sonst, aber gleichzeitig sehr kompakt. Insgesamt dauert das Album nämlich eine knappe halbe Stunde. Bis dahin das kürzeste Werk von Primus. Hört sich für mich an, als hätten Rush ein Psychedelic Rock Album aufgenommen. Wahrlich virtuos und unfassbar strange.

7,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Man muss das Album tatsächlich als Gesamtwerk betrachten. Von daher kann ich nur empfehlen, sich alle Songs reinzuziehen.

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Neuntes und (bisher) letztes wirkliches Album von Primus, letztes mit Herb am Schlagzeug, außer der Band selbst ist noch Jürgen Kanzler von Werkzeug als Erzähler (nur The Valley) beteiligt.
Ein weiteres Konzeptalbum, das auf einem Kinderbuch basiert, hierbei geht es um 7 trumpistische Alpha-Kobolde, die versuchen, dem woken Wahnsinn Einhalt zu gebieten, indem sie die Farben des LGBTIQ*-Regenbogens aussaugen (oder so). Nee,
Späßle, das hier hat absolut keinen politischen Hintergrund, sondern basiert einfach auf einer Kindergeschichte, die Daddy Claypool gerne vorgelesen hat. Dieses Album ist recht Primus-untypisch sehr prog-lastig, im Sinne von King Crimson oder Pink Floyd, 7 Songs, einige kurze, einige in Überlänge, weder herausstechende Hits noch irgendwie langatmig oder langweilig, im Endeffekt auch nach etwas mehr als einer halben Stunde durchgelaufen. Die 7 (!) Songtitel beginnen übrigens alle mit "The" und bestehen aus einzelnen Substantiven. Just for shits and giggles. Man merkt einfach, dass die 3 Akteure ihr Handwerk verstehen und zu diesem Punkt ihrer Karriere - wie auch zu jedem anderen - einfach machen, worauf sie Bock haben. 
Die Atmosphäre der Musik passt hierbei zu der Geschichte tatsächlich wie die Faust aufs Auge, sowohl etwas düster als auch schelmisch, irgendwie Koboldmusik haha. 

7(lol)/10 Pfandflaschen


Anspieltipps: The Seven, The Scheme, The Dream"

Raphael:

"Sieben Goblins, sieben Tracks. Ja, es gibt tatsächlich direkt nach „Primus & The Chocolate Factory with The Fungi Ensemble“ noch ein Konzeptalbum. Dieses Mal haben Les Claypool, Larry LaLonde und Tim Alexander allerdings keinen Soundtrack neu eingespielt, sondern haben sich vom Kinderbuch „The Rainbow Goblins“ von Ul de Rico inspirieren lassen. Les Claypools Kinder haben dieses Buch wohl oft vorgelesen bekommen und ihr Vater war begeistert vom Artwork. Außerdem sind Goblins immer ein guter thematischer Aufhänger; das wusste nicht nur Frank Zappa.

Primus Album Nummer Neun wurde übrigens recht kurz vor meinem dreißigsten Geburtstag veröffentlicht, und ich habe damals absolut nichts davon mitbekommen. Das Jahr 2017 wurde außerdem von der ersten Amtseinführung von Donald John Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, von der Einführung der Ehe für alle in der Bundesrepublik Deutschland, sowie vom Militärputsch gegen den simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe geprägt. Des Weiteren war der Waldkauz Vogel des Jahres und das Akademische Gymnasium Salzburg feierte sein vierhundertstes Gründungsjubiläum.

Noch ein Konzeptalbum also? Ob das wohl gut geht? Ich kürze ab: ja. Dafür gibt es vorrangig zwei Begründungen: zum einen ist „The Rainbow Goblins“ nicht so massiv von popkultureller Prominenz aufgeladen wie „Charlie & The Chocolate Factory“, und damit lässt die Thematik auch mehr Raum für Fantasie. Außerdem wurde die Musik auch „The Rainbow Goblins“ von Primus geschrieben und ist keine Reinterpretation eines bereits bestehenden Werkes. Und daraus ergibt sich der zweite positive Aspekt, nämlich dass Primus wieder viel mehr nach Primus klingen als auf der vorrangigen Reise zu den Oompa Loompas. Oder tun sie das? Nun ja, hier kann man zweierlei Maß ansetzen. Ist der Funk zurück und haut sich der Bass wieder erfolgreich in das Zentrum des musikalischen Fokus? Zweifelsohne. Aber knüpfen Primus auch die Sounds ihrer vorigen Alben an? Hier wird es komplizierter, denn „The Desaturating Seven“ stellt eine große Umstellung in der musikalischen Ausrichtung dar. Die Ausflüge in die Regionen des Metal sind längst abgelegt, und obgleich sie den basslastigen Funk nach wie vor zelebrieren, sind Primus hier deutlich in Richtung Prog Rock abgedriftet. Und dabei ist ein kompaktes, farbenfrohes und sehr unterhaltsames Album entstanden, das in eine faszinierende Welt einlädt, ohne pathetisch oder pompös zu nerven.
8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: The Trek, The Storm"





Sonntag, 27. April 2025

So isses, Musik!#188

CRASS Discography: Penis Envy (1981)

Hurra, eine neue Discography! Da ich mich schon mal mit dem Debütalbum "Feeding of the 5000" als auch mit dem Nachfolger "Stations of the CRASS" beschäftigt habe geht es hier weiter mit dem dritten Album der legendären Anarcho Band mit den fünf großen Buchstaben.

"Penis Envy" ist, wie gesagt, schon das dritte Album der Band/des Kollektivs, welches sich nie als Punk verstanden hat und schon immer die Punk Szene kritisiert hat. CRASS waren trotzdem eine der prägendsten Bands des Anarcho Punk Genre, hatten allerdings intern wenig mit dieser Szene am Hut. Einzig Vocalist Steve

Ignorant hat nach der Auflösung der Band mehrere Projekte in ähnlicher Form weiter geführt. Dieses Album hier ist eine Prise anders als die beiden Vorgänger. Es war, soweit ich mich erinnern kann, das erste CRASS-Album für mich, welches ich von Anfang bis Ende gehört habe. Bis dato kannte ich nur ein paar Songs und die ersten beiden Alben habe ich erst danach entdeckt. "Penis Envy" ist insofern anders, weil es die beiden Sängerinnen Joy De Vivre und Eve Libertine in den Vordergrund rückt. Steve Ignorant ist gar nicht zu hören und die beiden anderen Männern die zuvor am Gesang waren, nämlich Phil Free und Pete Wright, rücken hier ebenfalls in den Hintergrund. Stattdessen hören wir größtenteils Eve Libertines bestimmendes, sanftes und jedoch gleichzeitig martialisches Organ.

Musikalisch bewegt man sich irgendwo zwischen "klassischen" CRASS-Sound, sprich Marsch-Drums, schrammende Gitarren, donnernder Bass und experimentellen Klängen. So klingt die Band beispielsweise in "What the Fuck?" durchaus psychedelisch. Lyrisch geht es unter anderem um Krieg, Verfestigung von Ideologien in den Köpfen der Menschen und das allerwichtigste, um feministische Themen. Nämlich Kritik an der Insitution der Ehe als auch der Rolle der Frau als Mutter/Gebärmaschine. Soweit ich das nachvollziehen kann, war ein solches Konzeptalbum für damalige Verhältnisse etwas vollkommen neues. Und zwar selbst für politisch gefärbte Bands wie CRASS, The Mob, Conflict usw. Die Anarcho Szene war trotz ihres emanzipatorischen Anspruchs von Männern dominiert. 

Aufgrund der Thematiken und den durchaus eigenwilligen Sound sticht "Penis Envy" wie ein Daumen aus der Masse von Mittelfingern heraus. Es ist wirklich, ich möchte das Wort in Zusammenhang mit CRASS eigentlich nicht benutzen, revolutionär für die damalige Zeit.

Anspieltipps: Poison In A Pretty Pill, Where Next Columbus, Systematic Death, Bata Motel
9/10 Pfandflaschen






Primus Discography: Primus & The Chocolate Factory with the Fungi Ensemble (2014)

Das vor knapp elf Jahren erschienen (vor)letzte Primus-Album ist eine Kollaboration mit den beiden Musikern Mike Dillon (Vibraphon, Marimba) und Sam Bass (Cello), die hier das "Fungi Ensemble" darstellen. Die Texte stammen von den beiden Autoren Leslie Bricusse und Anthony Newley. Es ist eine Neuinterpretation des klassischen Soundtracks zum Film "Willy Wonka & the Chocolate Factory". Sprich: 


Die Texte erzählen den Film nach. Wir kriegen mit wie Charlie traurig ist, weil er keinen goldenen Ticket bekommen hat, der ihn zur Schokoladenfabrik des Willy Wonka geführt hätte - nur um dann wieder fröhlich zu sein, dass er doch eins gefunden hat. Dann gibt es natürlich noch die Oompa-Loompa-Songs die ebenfalls neu interpretiert wurden. Ich meine natürlich die Momente als gewisse Kinder sich arrogant verhalten haben und dafür die Rechnung tragen mussten. Im Song "I Want It Now" übernimmt Gitarrist Larry LaRonde das erste Mal den Hauptgesang. Außerdem kehrte hier Tim Alexander ans Schlagzeug zurück. Es ist das erste Album mit ihm seit "Tales from the Punchbowl".

Insgesamt ein durchaus progressives und psychedelisches Werk. Abgesehen von den Texten, die in Primus'scher Ausführung doch ziemlich abgefahren wirken ist das ein vergleichsweise ziemlich ruhiges und anderweitig "komisches" Album. Es hat wenig von typischer Primus-Polka-Crossover-Psychedelia sondern stattdessen eine Art Primus-Progressive-Psychedelia. Insgesamt ist es eine vollkommene Neuinterpretation. Ein Song wie "Pure Imagination" hat nichts mehr gemein mit der ursprünglichen Darbietung des Schauspielers Gene Wilder. Es wirkt wie ein Album aus einer anderen Dimension. Sehr sehr anders als sonst, aber trotzdem nicht weniger schlecht als die bisherigen Werke. Ich hab's genossen. Trotzdem könnte ich es nicht mehr als 2 mal hintereinander hören.

Anspieltipps: Oompa Augustus, I Want It Now, Pure Imagination
7/10 Pfandflaschen



Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"3 Jahre nach dem letzten Lebenszeichen das achte Album von Primus, das erste Album mit Herb seit "Tales From The Punch Bowl". Es ist wie der Name bereits andeutet ein Konzeptalbum, das sich an den Soundtrack von "Willy Wonka and the chocolate factory" aus dem Jahre 1971 anlehnt und ihn dabei recht frei neu interpretiert. 

Frei bedeutet hierbei, dass selbst altbekannte Big Band Banger wie "Candy Man" (welches übrigens 1 Jahr nach Erscheinen des Films in der Version von Sammy Davis Jr. zum Welthit wurde) und "Pure Imagination" hier unverkennbar nach Primus klingen. 

Der morbide Charme, die Ästhetik und der seltsame Humor des Originals passen dabei zu Primus wie die Faust aufs Auge. 

Leider läuft sich das Album schnell ab, was unter anderem an der leichten Überrepräsentation von Oompa Loompas liegt, ich habe mich nach 3 Durchläufen bereits gefühlt als hätte ich jedes einzelne dieser Lieder 50 mal gehört. Es fällt schon deutlich auf, dass dieses Konzept für eine Live-Aufführung (inklusive tanzender Oompa Loompas) erdacht wurde und auf Album-Länge den Spannungsbogen ganz einfach nicht halten kann. 

6/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Candy Man, Pure Imagination, Oompa TV"

Raphael:

"Ratet mal, wer wieder da ist? Es ist Herb, bürgerlich auch als Tim Alexander bekannt, der im Jahr 2013 wieder den Platz auf dem Drumhocker von Jay Lane eingenommen hat. Beim ersten gemeinsamen Konzert in der klassischen Besetzung an Silvester 2013 performten Primus zusammen mit dem Frog Brigade Ensemble den Soundtrack zum Film „Willy Wonka & The Chocolate Factory“. Die offizielle Ankündigung des achten Albums „Primus & The Chocolate Factory with the Fungi Ensemble“ folgte erst etwas später. Vor Veröffentlichung des (selbst für Primus) eigenartigen Albums wurde im September 2014 noch eine Les Claypool Biographie von Greg Prato veröffentlicht, und am 21. Oktober 2014 erschien dann das Album.

Das Jahr 2014 war auch Thema des gleichnamigen Liedes der niederländischen Death Metal Band God Dethroned von deren im Jahr 2006 veröffentlichten Albums „The Toxic Touch“. Das hilft uns jetzt hier aber überhaupt nicht weiter. Es war das Jahr der großen Fluchtbewegungen, die durch islamistischen Terror ausgelöst wurden, das Jahr des Euromaidan und dem Beginn des Krieges zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine, die Geburtsstunde der Armee der Ottos (auch unter dem Namen PEGIDA) bekannt, das Jahr der Ebola-Epidemie im Westen Afrikas, oder auch das Jahr des Grubenunglücks von Soma. Außerdem war es das internationale Jahr der Kristallographie, und der Blattlose Widerbart wurde zur Orchidee des Jahres gekürt.

Bei der 1971 verfilmten Version von Roald Dahl’s Kinderbuch „Charlie & The Chocolate Factory“ handelt es sich wohl um einen der Lieblingsfilme von Bassist Les Claypool. Und nachdem die Pläne, ein Coveralbum von „Magic Mystery Tour“ von den Beatles aufzunehmen über den Haufen geworfen wurden, haben Primus sich also an den legendären Filmsoundtrack gewagt. Man kennt mich als Person, die keine Klassiker kennt, und da mache ich auch hier keine Ausnahme. Ich habe weder das Buch noch den Film gesehen. Auch von der 2005 veröffentlichten Tim Burton Version mit Johnny Depp als Willy Wonka habe ich nur Ausschnitte gesehen. Dementsprechend kenne ich sowohl Handlung als auch Musik nur aus Gesprächen mit Menschen, die mir wütend und genervt erklären, dass das doch ein Klassiker sei, und dass man den kennen müsse. Und natürlich kenne ich die Anspielungen an die Handlung aus diversen Folgen von Futurama, The Simpsons, Family Guy etc. Ich kann also wenig bis gar nicht Bezug auf das Original nehmen. Steinigt mich.

Wie es sich für einen Filmscore gehört, gibt es mehrere repetitive Themen und Motive sowie gesprochene Einspieler. Auf einem normalen Album hätte mich das etwas genervt, aber es handelt sich ja auch um eine Primus-Umsetzung des Soundtracks. Betrachtet man „Primus & The Chocolate Factory with the Fungi Ensemble“ auf rein musikalischer Ebene, dann begegnet man einem psychedelischen, progressiven und experimentellen Album, das sicherlich Menschen gefällt, denen Primus sonst zu derb, zu dreckig, zu kratzig sind. Insgesamt klingt mir das Album ein bisschen zu wenig nach Primus, auch wenn die Band natürlich eindeutige Spuren in ihrer Version des Soundtracks hinterlassen hat. Der starke Fokus auf Percussions, und die Unterstützung des The Fungi Ensemble, also Mike Dillon und Sam Bass, erfüllen natürlich den Zweck, einen cineastischen und faszinierenden Sound zu erzeugen. Und obwohl das alles irgendwie cool klingt und stark umgesetzt ist, vermisse ich den knackenden Bass und den schallernden Funk. Tolles Album, aber deplatziert in einer linearen Primus Diskographie.
7/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Candy Man, Farewell Wonkites"


Freitag, 11. April 2025

So isses, Musik!#187

Code Orange Discography: The Above (2023)

Nun, es hat etwas länger gedauert (eigentlich sollte dieses Album im Dezember 2023 auf diesem Blog reviewt werden), aber hier ist es. Das aktuellste Album von Code Orange und gleichzeitig der Nachfolger von "Underneath". Der Titel ist das logische Gegenteil des vorherigen Titels, was einen vermuten lässt, dass es hier um eine Art Konzeptalbum handelt, dass auf den Vorgänger anschließt. Wie es darum bestellt ist, weiß ich nicht. Allerdings erinnert mich der Klang vom Outro von "The Above" an irgendeinen Song von "Underneath". Was die Außenwirkung, sprich Musikvideos und Covergestaltung  betrifft, wirkt dieses Album wie eine Art positives Gegenbild zum pessimistischen Vorgänger. Anyway...


Code Orange haben mit diesem Album einige vorm Kopf gestoßen. Es hieß "The Above" sei uninspiriert und blutleer. Kann ich so definitiv nicht unterschreiben. Es sind einfach andere Einflüsse die hier präsent sind, die für mich eher von Bedeutung sind als für irgendwelche Hardcore Kids. Meines Erachtens ist dieses Album eine Verbeugung vor spät 90er/Anfang 00er Alternative Rock/Nu Metal und Industrial. Die Namen die mir dazu einfallen sind auf jeden Fall NIN, Static-X als auch...Linkin Park. Stellenweise klingen CO wie LP zur Zeiten von "Hybrid Theory". Als Feature auf "Take Shape" holt man sich dann Billy Corgan von Smashing Pumpkins, der damals zumindest ein großer Nu Metal Fan gewesen ist. So bewegt man sich zwischen richtig stumpfen, brutalen Nu Metal Riffs und dazu passenden Vocals, cleanen Gesangspassagen (wie im Opener "Never Fall Apart", gesungen von Gitarristin Reba Meyers), mechanischen Industrial-Elementen und Grunge/Alternative Rock. Es ist all das was ich früher gehört habe (und teilweise immer noch höre) nur in modernen, besser produzierten Gewand. Und ganz und gar nicht ideenlos. Großartig.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Never Fall Apart, Take Shape, The Mask Of Sanity Slips, Splinter The Soul




Primus Discography: Green Naugahyde (2011)

Erstes Lebenszeichen von Primus nach der EP "Animals Should Not Try To Act Like People" (die eine Begleitung zur gleichnamigen DVD war) aus dem Jahre 2003 und das erste Album seit "Antipop". Bis dahin wohl das merkwürdigste aber gleichzeitig das progressivste Werk des Trios. Das einzige Album mit Jay Lane am Schlagzeug.


Fangen wir doch mal an mit den Songtexten. Ich finde, zumindest für meinen Geschmack, sind sie wirklich am merkwürdigsten von allen Primus-Alben bisher. Nicht, dass sie komplett erfunden wären. Scheinbar behandeln sie wahre Geschichten. Beispielsweise handelt "Jilly's On Smack" von einer Freundin der Band die drogenabhängig wurde. "Lee Van Cleef" erzählt davon wie Les Claypool und seine Freunde früher zu Clint Eastwood und Lee Van Cleef aufgesehen haben. "Hoinfodaman" kritisiert Werbepartnerschaften sogenannter Celebrities, die früher "rebellisch" waren und jetzt irgendwelche nutzlosen Markenprodukte in Werbungen lobpreisen. Ähnliches Thema behandelt auch "Moron TV". Hier geht es um absolut sinnlosen Inhalt des US-Amerikanischen Fernsehens.

Die Art und Weise wie Jay Lane, Les Claypool und Larry LaLonde ihre Songs hier präsentieren erinnert an die Vorstellung einer Progressive Rock Band die zu viel Frank Zappa gehört hat. Claypool ist ein wahrhafter Bass Virtuoso. Ich stehe absolut drauf wie dieser donnernde Bass sich anhört und sich nahtlos in die nicht weniger weirden Sounds von LaLondes Gitarre einfügt. Man muss sich das so vorstellen: Die Drums machen "Bam bam dingdingding", die gitarre macht "pingpingpingdingdingding" während der Bass "Dröhndröhndröhndröhn" macht und Les Claypool dazu irgendwas über Sandwiches von Subway erzählt, in einer tiefen leicht verzerrten Stimme. Wie immer, ist es ziemlich schwer zu beschreiben, was man genau hier vor sich hat. Es ist wohl so n Psychedelic (Progressive) Polka Ding. Schwer zu beschreiben, aber großartig zu hören.

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Extinction Burst, Lee Van Cleef, Eternal Consumption Engine

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Sich für das siebte Album der Band und das erste "richtige" Album der Band 12 Jahre nach Antipop, den Original-Schlagzeuger, der nur 8 Monate in der Band blieb, zurück ins Boot zu holen, klingt nach einer typischen Claypool-Aktion und einer klaren Ansage, dass es hier definitiv zurück zu den Wurzeln geht. Tatsächlich klingt "Green Naugahyde" nach einer logischen Fortsetzung von "Tales From The Punch Bowl", nur dass Ler diesmal deutlich mehr Raum gegeben wird. Tatsächlich zieht er auf diesem Album so einiges an wahnwitzigen Riffs und Soli aus dem Ärmel, sodass Claypool zwar immer noch im Vordergrund steht aber ein weiteres Mal deutlich klar wird, wie wenig man Larry LaLonde unterschätzen sollte.
Die Songs oszillieren - wie typisch für die ersten 4 Alben - zwischen Funk (Tragedy's A' Comin') , Psychedelic Rock (Last Salmon Man) und diesem seltsamen Polka-Kram (Lee Van Cleef), für den Claypool wohl so ziemlich am bekanntesten ist.
Insgesamt gar kein müdes Spätwerk sondern eine gute Prise frischer Wind und eine gelungene Fortsetzung von allem, wofür man Primus so liebt. 

8/10 Pfandflaschen 

Anspieltipps: Hennepin Crawler, Tragedy's A' Comin', Lee Van Cleef"

Raphael:

"Die Zeit nach „Antipop“ sollte das längste Intervall zwischen zwei Studioalben von Primus werden. Zunächst hat die Band aber eine Coverversion des Black Sabbath Songs „N.I.B.“ mit Ozzy am Gesang veröffentlicht. Kurz darauf entschied sich die Band für eine kleine Pause. ZU viel Unzufriedenheit hatte sich Ende der 1990er angestaut, und irgendwie mussten Les, Larry und Brain mal den Kopf frei bekommen. Zwischen 2000 und 2003 widmeten sich die Bandmitglieder anderen Projekten, in denen sie auch anderen Mitstreitern und ehemaligen Primusmitgliedern über den Weg liefen. Ab 2003 fanden sich wieder die üblichen Verdächtigen Herb, Les und Larry im Rancho Relaxo Studio Sebastopol ein, um die EP „Animals Should Not Try To Act Like People“ aufzunehmen und danach wieder zu touren. Es folgten Gigs, eine Best Of-CD, Re-Releases, und mit Sicherheit viel Freude, aber keine neuen Veröffentlichungen. Anno 2010 war es dann so weit, dass Herb zum zweiten Mal seinen Hut nahm und den Platz am Schlagzeug frei machte. Für ihn war die Reunion wohl eher etwas Nostalgisches statt dem Beginn eines neuen Kapitels. Doch es sollte nicht lange dauern, bis Primus wieder zum Trio wurden, denn Jay Lane verließ seine Band Furthur, um wieder zu Primus zurückzukehren. Und noch im August erschien der Proberaummitschnitt „June 2010 Rehearsal“ und kurz darauf ging die neue Besetzung auf Tour. Ein Jahr später wurde Album Nummer sieben veröffentlicht.

Mitte September 2011 erschien also bei ATO Records und Prawn Song das einzige Primus Album, auf dem Drummer Jay Lane mitspielte. Der Titel „Green Naugahyde“ bezieht sich auf Kunstledersitze und ist eine Referenz auf den Albumtrack „Lee Van Cleef“, in welchem die Protagonisten auf ebensolchen Polstern in einem gelben Auto der Marke Studebaker sitzen. Abseits dieser Veröffentlichung war das Jahr 2011 geprägt vom Tohoku Erdbeben, welches in Fukushima zum Super-GAU führte, vom arabischen Frühling, und der Eurokrise. Außerdem wurde Dilma Roussef erstes weibliches Staatsoberhaupt Brasiliens, mit Otto von Habsburg starb der letzte Kronprinz Österreich-Ungarns, und der Tuff wurde zum Gestein des Jahres ernannt.

Zuletzt war ja der Ofen etwas aus im Hause Primus und es brauchte einen frischen Windhauch von draußen, um das Feuer wieder zu entfachen. Dieses Lüftchen kam mit Jay Lane zur Tür hereingeweht, als er wieder Teil der Band wurde und alle drei Mitglieder sofort motiviert waren, neues Material aufzunehmen. Auf einem Dutzend Tracks und einem Intro präsentieren Primus hier einen Sound, der sehr an die Anfangsphase der Band erinnert. Funky, vertrackt, mit vielen Spaghettu Western-Referenzen und nicht allzu metallisch knallt „Green Naugahyde“ fünfzig Minuten lang durch die Prärie. Les Claypool und Larry LaLonde haben sich instrumental wieder auf das nötige Minimum beschränkt, Jay Lanes Schlagzeugstil ist von viel Zwischenspiel geprägt und fügt sich sehr gut in die Klangwelt ein, und auf Gastauftritte wurde dieses Mal gänzlich verzichtet. Es klingt also seinerseits wie eine Rückbesinnung auf die ersten Alben aber auch wie eine Abkehr vom Nu Metal Sound auf „Antipop“. Und möglicherweise gehen hier wieder die Meinungen auseinander, denn mir gefällt „Green Naugahyde“ deutlich besser als sein Vorgänger. Primus haben Mut zum Experimentieren bewiesen, was man vor allem in „Extinction Burst“ hört, und lassen über die Dauer des Albums kein gutes Haar an der gegenwärtigen Gesellschaft und ihrem Umgang mit Massenmedien. „Green Naugahyde“ ist weird, wild, anspruchsvoll, und eine großartige Rückkehr von Primus.
9/10 Pandflaschen

Anspieltipps: Hennepin Crawler, Moron TV, Extinction Burst"





Sonntag, 23. März 2025

So isses, Musik!#186

Bloodhound Gang Discography: Hard-Off (2015)

Bis jetzt das letzte Album von BHG, aber wahrscheinlich nicht das letzte überhaupt, weil die Band scheinbar immer noch existiert. Das Line-Up für dieses Album ist wieder mal ein anderes. Lüpüs Thünder hat die Band verlassen. An seiner Stelle tritt Daniel P. Carter, von der britischen Band A (ja, die heißen wirklich so). Willie the New Guy ist nun auch weg vom Fenster. Sein Ersatz ist ein Typ namens The Yin (aka Adam Perry) - ebenfalls von A. "Evil" Jared Hasselhoff bleibt am Bass, ebenso wie DJ Q-Ball der für die ganzen Beats und Keyboard-Einlagen verantwortlich ist. Sänger Jimmy Pop ist somit das einzige verbliebene Originalmitglied.
Ich sah mich gezwungen, das Cover zu zensieren    


Es beginnt mit einem durchaus vielversprechenden Titel: "My Dad Says That's For Pussies". Darin macht man sich über alteingesessene Boomer lustig, die die heutige Generation als verweichlicht ansehen. Alles ist für Muschis. Selbst Reserve-Fallschirme und nicht geladene Waffen. Leider behält man das Niveau nicht bei. Zu Schade, weil das war wirklich sehr witzig. Der Techno-Song "Dimes" ist weder witzig noch irgendwie unterhaltsam. "American Bitches", eine Ode an äh "Amerikanische frivole Frauen" ist es auch nicht. "Chew Toy", der Song über "die eine Frau, die das Tier in einem weckt" ist sowohl textlich als musikalisch wirklich unterste Schublade. Unlustig und irgendwie auch...müde. "Uncool As Me", das Feature mit Joey Fatone (N*SYNC) ist ein kleiner Höhepunkt. Darin "beleidigen" sich Fatone und Pop gegenseitig auf eine kreative Weise. Meines erachtens ein durchaus guter Pop Punk Song. "Clean Up In Aisle Sexy" ist eine grauenhafte sexuelle Phantasie mit Synthesizer-Beats, die einen an LMFAO erinnert. Die Dynamik des Songs ist eine ähnliche wie bei "I'm Sexy And I Know It". Fürchterlich. Die NDW-Hommage und der einzige Song hierauf über Durchfall "Diary of A Stranger" ist tatsächlich irgendwie ganz witzig. Speziell die Zeilen über die Konsistenz von Durchfall. "Socially Awkward Penguin" ist tatsächlich mein Favorit hierauf. Ich glaube, dass es der erste und einzige ernste Song von BHG ist. Eine Abhandlung über ein falsches Selbstbild, Unsicherheiten und Angst davor mit Frauen zu sprechen. "Think Outside The Box" handelt von Groupies und dass Leute wie Jimmy Pop sie ausnutzen - gleichzeitig wird das aber hinterfragt. Wieder mal ein textlicher und musikalischer Reinfall. Trotz seines klischeehaften Titels ist "We're Gonna Bring The Party To You" ein durchaus cooler Song. Wirkt auf mich wie eine Selbstreferenz nach über 20 Jahren.

Insgesamt muss ich sagen, dass "Hard-Off" ein mehr schlechtes als rechtes Album. Es wirkt wie eine sehr müde Version eine Band, die einst unfassbar kreativ und wild war. Die Tatsache, dass es 10 Jahre für ein neues Album gebraucht hat ist für mich die Bestätigung dafür dass man sich mit den Aufnahmen sehr gequält hat und nichts mehr locker aus dem Ärmel schütteln kann. Das ist manchmal so, ich weiß es. Da fragt man sich allerdings, wieso man weiter macht und ob es nicht besser wäre, einfach aufzuhören. Trotzdem bin ich gespannt ob noch was kommt oder eher nicht. Who knows.

3,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Uncool As Me, My Dad Says That's For Pussies




Primus Discography: Antipop (1999)

Auf dieses Album habe ich mich schon Ewigkeiten gefreut. Habe es doch damals, als ich desöfterem im MediaMarkt oder Müller meines Vertrauens anzutreffen ware doch ein paar mal gehört, zusammen mit anderen Primus-Alben. Sicher, es hat mich nicht unbedingt umgehauen, weil die Aufmerksamkeitsdichte doch nicht so groß war. Allerdings wollte ich es damals unbedingt hören, weil ich großer Limp Bizkit-Fan war und Fred Durst hierauf den Track "Lacquer Head" produziert hat. Doch er war damit nicht alleiniger Gastproduzent. Dabei sind auch noch Matt Stone (of South Park Fame), Tom Waits, Tom Morello (Rage Against The Machine) und der Schlagzeuger von The Police: Stewart Copeland. Tatsächlich gibt es hier nicht nur Gastproduzenten sondern auch musikalische Gastauftritte. So hat Tom Waits im Intro als auch im letzten Song kurz was zu sagen. Darüber hinaus hören wir die Gitarrenkünste von Tom Morello, James Hetfield (Metallica) und Jim Martin (Faith No More). Die letzten beiden sogar auf dem gleichen Song: "Eclectic Eletric".

Im Gegensatz zu dem eher flachen und weniger Hits enthaltenden Vorgänger "Brown Album" ist "Antipop" wirklich überladen mit Hits, verführerischen und mitsingbaren Songs, großartigen Gitarrenriffs und Soli. Generell ein sehr zugängliches, jedoch nicht zu poppiges Album. Lyrisch geht es um die US-Regierung die einen auslöschen kann, wenn man an ihre Geheimnisse rankommt ("Electric Uncle Sam"). Um hochgradige Abhängigkeit von bestimmten Substanzen als auch Fernsehen ("Lacquer Head") als auch um die Vergänglichkeit moderner Popmusik ("Antipop"). Die Songs sind entweder aus der Ich-Perspektive geschrieben oder aus einer Erzählersicht. Les Claypool schafft es treffende, jedoch kryptische Metaphern in seinen Kurzgeschichten unterzubringen. Seine Stimme klingt dabei schriller denn je und wird passend mit seinem weirden, funkigen Bass untermalt. Hier passt alles wie Arsch auf Eimer. Ironischerweise ist "Antipop" zwar nicht zu poppig, aber doch das poppigste Primus-Album bis jetzt. Es ist einfach fantastisch wie gut alles miteinander harmoniert. Endlich wieder Weirdo Funky Psychedelic Polka Nu Metal.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Antipop, Lacquer Head, Electric Uncle Sam


Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Album Nummer 7. Weil meine 2 Kollegen das sicherlich schon erwähnen und vermutlich niemand wirklich Lust hat, die gleiche Aufzählung von Namen das dritte Mal zu lesen, verzichte ich an dieser Stelle auf die Erwähnung sämtlicher Gastmusiker und -Produzenten. Primus haben ungeachtet dessen den Geniestreich vollbracht, sich von der Anzahl an Köchen den Brei nicht verderben zu lassen, im Gegenteil, Antipop ist ein großartiges und stringentes Album geworden, lediglich ein recht Primus-untypisches. 
Die Vertracktheit und Verschrobenheit der ersten 6 Alben weicht einer fetten Produktion, nachvollziehbaren Songstrukturen und einer nahezu poppigen Eingängigkeit, was den Albumtitel ein wenig absurd wirken lässt, aber darüber könnte man sowieso herrlich diskutieren, was ist schon populäre Musik und was nicht?
Naja mit solchen Klugscheißereien und wissenschaftlichen Fragen müssen wir uns nicht beschäftigen.
Fakt ist, dass sich Primus mit Antipop ziemlich stark an den Spät-90er-Alternative-Metal und frühen Nu Metal anschmiegen und man teilweise frappierende Ähnlichkeiten zu frühen Incubus, Red Hot Chili Peppers, Faith No More, Rage Against The Machine oder Korn feststellt und es trotzdem nach einem kohärenten, nachvollziehbaren und runden Album klingt. Für mich gibt es hier nichts zu meckern deshalb verbleibe ich mit 

9,5/10 Pfandflaschen 

und die halbe habe ich nur abgezogen, weil hier James Hetfield beteiligt ist und ich möchte niemals ein Album mit Beteiligung von James Hetfield mit einer 10/10 bewerten. 

Anspieltipps: Lacquer Head, The Ballad Of Bodacious, Mama didn't raise no fool"

Raphael:


"Kurz vor dem Millenium war wohl irgendwie der Wurm drin im Hause Primus, denn retrospektiv blickt die Band nicht allzu gerne auf die Entstehungsphase ihres sechsten Albums „Antipop“ zurück. Neben dem üblichen Studio Rancho Relaxo wurden die Aufnahmen dieses Mal auch in Los Angeles und Berkeley unternommen, und überall war die Stimmung wohl angespannt. Nichtsdestotrotz ist das Album mit den vielen Gastauftritten das eine oder andere Ohr wert, das darauf geworfen werden darf.

1999 also nahmen Primus „Antipop“ auf, um es am 19. Oktober desselben Jahres bei Interscope zu veröffentlichen. Die Vereinten Nationen widmeten dieses Jahr den Senioren, in Pakistan kam es zum Militärputsch, in der Columbine High School in Colorado ereignet sich einer der wohl berühmtesten Amokläufe an einer amerikanischen Schule, und John F. Kennedy Jr. Kommt zusammen mit Ehefrau Carolyn Bessette-Kennedy bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Außerdem veröffentlichten Mr Bungle in diesem Jahr ihr Album „California“, mit dem sich Philipp und Gregor schon befasst haben. Zur Review hier entlang.

Les, Ler und Brain befanden sich wohl in einer Art kreativer Sackgasse, wie sie später berichteten. Dennoch schusterten sie ein Dutzend neue Tracks zusammen, die von einem Intro und einer Studioversion des Songs „The Heckler“ umrahmt wurden. Außerdem hören wir auf „Antipop“ zahlreiche Gäste: Tom Morello, Tom Waits, Jim Martin, James Hetfield, und Martina Topley-Bird steuerten Instrumental- und Gesangsparts bei, Stewart Copeland, Fred Durst, und Matt Stone leisteten Unterstützung bei der Produktion. Und so einfallslos wie es in den Aussagen der Band klingt, hört sich „Antipop“ gar nicht an. Allerdings wird hier schon ein deutlich anderer Sound geboten. Im Vergleich zu „Brown Album“ ist das sechste Album sehr viel sauberer und weniger ausladend. Man kann hier zurecht von einem Stilwechsel sprechen, denn „Antipop“ ist viel metallener als alle vorigen Releases. Zurecht werden oft die Begriffe Alternative Metal und Nu Metal mit dem Langspieler assoziiert. Dass sie den Funk nicht beiseite gelegt haben, beweisen Primus mit Bravour im indisch angehauchten Knaller „Greet the Holy Cow“, dem Schwergewicht „Mama didn’t raise no Fool“ oder „Dirty Drowning Man“, und mit „Eclectic Electric“ sorgen sie für ordentliche Gruselatmosphäre. Gerade zum Ende des Album hin macht sich aber doch das Gefühl breit, dass Primus viel Schema F anwenden und irgendwie nicht so richtig zum nächsten Schritt kommen. Hier ist alles solide und kraftvoll, aber die zündende Idee scheint unterwegs verloren gegangen zu sein. Die beiden Lieder „The Ballad of Bodacious” und “Power Mad” sind geladen mit mächtigen Riffs, schwerem Funkbass und schicken Abwechslungen, aber irgendwie dreht sich die Band im Kreis. Der Todeswalzer „Coattails of a Dead Man“ mit Tom Waits reißt dann noch mit cinematischer Stimmung den Karren aus dem Dreck, und die neue Aufnahme von „The Heckler“ erwärmt die Herzen der Fans der ersten Stunde.

Alles in allem lässt sich festhalten, dass „Antipop“ ein Seitensprung in Richtung Nu Metal ist, und dass das Album an und für sich schon solide ist. Dennoch ist das Album im Großen und Ganzen unausgereift, und lässt sich nicht so einfach durchhören wie seine Vorgänger.
6/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: Greet The Holy Cow, The Antipop, Coattails of a Dead Man"



Sonntag, 9. März 2025

So isses, Musik!#185

Bloodhound Gang Discography: Hefty Fine (2005)

Mittlerweile fünftes Album der Bloodhound Gang, erschienen ganze sechs Jahre nach "Hooray For Boobies". Erstes und einziges Album mit einem Typen namens "Willie The New Guy" am Schlagzeug - nachdem Spanky G die Band verlassen hat.

Sechs Jahre nachdem sie weltweit/europaweit die Charts erobert haben und in aller Munde (sexuelle Anspielung hier einfügen) waren. Es ist dieses schwierige Album, welches irgendwie gar nicht mal so schlecht ist, aber doch nicht so an den Vorgänger herankommen kann. 


Nun, trotz der überaus schlechten Kritiken: So schlecht ist es nicht. Es gibt hier einige Songs die wirklich verdammt gut geschrieben sind - sowohl textlich als auch musikalisch. "Balls Out" beispielsweise ist eine hervorragende Parodie auf Nu Metal Fratboy-einer-gegen-alle-Texte. Und gleichzeitig auch der Abschied davon. BHG haben nämlich in ihrer Karriere des öfteren Crossover-Parodien gemacht. Die Nu Metal Zeit war damals (2005) allerdings vorbei. Ich werte diesen Song als eine Art Abschied. Ansonsten wälzt sich "Hefty Fine" zwischen verschiedenen Stilen. Größtenteils allerdings Pop Punk, Techno und Synthpop. "Foxtrot Uniform Charlie Kilo" (ja, das heißt FUCK) ist ein großartiger Pop-Punk-Klassiker inzwischen. Es sind im Prinzip nur sexuelle Umschreibungen die zu einem Song umfunktioniert wurden. "Ralph Wiggum" besteht nur aus Zitaten von Ralph Wiggum aus "Die Simpsons". "Something Diabolical", die Kollaboration zwischen BHG und Ville Vallo von HIM klingt zunächst wie ein großartiger Tribut an Goth Metal. In Wahrheit sind es aber nur aneinander gereihte Klischeefloskeln die so klingen sollen. "I'm The Least You Could Do" klingt verdächtig nach Paradise Lost während ihrer Synthpop-Phase. Kein Wunder, schließlich wurde hier eine Melodie von Jimmy Pops ehemaliger Band verwendet - diese hat sich stark an Depeche Mode orientiert. 

Im Großen und Ganzen: Songs über Sex, Lustig machen über sich selbst. Popkulturelle Anspielungen wie früher sucht man hier vergebens. Nicht mal das ganz witzige "Uhn Tiss Uhn Tiss Uhn Tiss" (mit welchem die Band später Werbung für Blaupunkt gemacht hat) kann alles irgendwie wieder gut machen. Es ist kein besonders super schlechtes Album. Im Vergleich zu den Vorgängern wirkt es allerdings irgendwie...zahm und zahnlos. Schade eigentlich, denn BHG wären wirklich zu mehr fähig. 

6/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: I'm The Least You Could Do, F.U.C.K., Ralph Wiggum




Primus Discography: Brown Album (1997)

Mittlerweile fünftes Album von Primus. Das erste ohne Schlagzeuger Tim Alexander, an dessen Stelle nun Bryan Mantia tritt. 

Diesmal bewegen sich Primus ein Stück weit zurück zu ihren Funk/Crossover-Wurzeln. Es bleibt also durchaus psychedelisch, funky und ziemlich progressiv. Man findet hier wie zuvor auch großartige Riffs und Arrangements. Meiner Meinung nach funktioniert das Album auf rein instrumentaler Art und Weise wirklich echt gut. Es gibt hier Songs die durchaus im Ohr hängen bleiben und die alles andere als schlecht sind. Irgendwie scheinen Intro und Outro ein ähnliches Konzept zu haben. Zu Beginn hört man eine Ansage an das Publikum und am Ende die Beschreibung einer Ansage an ein Publikum. Zuerst
geht es um Paraoida, danach um Evangelismus. Die Texte sind wie sonst auch sehr kryptisch. Beispielsweise dachte ich, dass es bei "Shake Hands With Beef" um eine Ode an die Masturbation handelt. Tatsächlich geht es aber um Freunde von Les Claypool, die Vegetarier sind aber ab und zu Fleisch essen und diesen Vorgang "Shaking Hands With Beef" nennen. 

"Brown Album" ist durchaus okay. Es hat seine Momente, seine wirklich richtig guten ohrwurmtauglichen Riffs und Gesangseinlagen. Allerdings fehlt es hier an wirklichen riesenhits die einen für immer und ewig verfolgen. Nicht unbedingt Singles, sondern einfach hits. Darum erscheint mir das Album insgesamt leider irgendwie zu flach. Und leider auch stellenweise doch etwas langweilig. Als hätte das Trio im Studio einfach irgendwie ihren Job gemacht und das wars. Schade eigentlich. Aber ich weiß, dass es später noch richtig gut wird.

6,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Shake Hands With Beef, Arnie, Camelback Cinema

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt

Philipp:

"Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerade ein Fan der Farbe braun (bitte Hyperlink zu "Scheiße ist braun" von Wolfgang Petry einfügen lol) bin und das hat nicht mal ausschließlich politische Gründe.
Jedenfalls ist mein Hauptkritikpunkt am Cover, dass es hässlich ist. Aber damit weisen die Cover der Primus-Alben auch bezogen auf das Artwork eine beeindruckende Kontinuität auf. 
Hässlich sind alle aber irgendwie passen auch alle wahnsinnig gut zum Inhalt. Dieses Album ist irgendwie erdig-bodenständig, was sich vor allem in der Reduktion der Komplexität der Songs zeigt und schmutzig, was an der sehr basslastigen und trockenen Produktion liegt. Der Gesamteindruck passt daher gut zur Farbe braun. Trotz des Ausstiegs von Tim "Herb" Alexander - welcher ironischerweise vor wenigen Wochen erneut ausgestiegen ist - wird die musikalische Entwicklung zu höherer Eingängigkeit, weniger Metal und weniger Düsternis fortgesetzt. Das Teil groovt wie Sau und ist stellenweise richtiggehend funky. 
Neuer Schlagzeuger ist übrigens Bryan "Brain" Mantia, welcher später mit seinem häufigen Kollaborationspartner Buckethead auch in Claypools Nebenprojekt "Les Claypools Bucket Of Bernie Brains" gespielt hat.
Mein persönlicher Favorit ist übrigens der Song "Golden Boy", welcher ein wenig wirkt als hätte man die erste Mr. Bungle genommen, der ganzen Band eine Packung Ritalin zur Verfügung gestellt und Les Claypool ans Mikrofon gestellt. Geil. 

9/10 Pfandflaschen 

Anspieltipps: Golden Boy, Shake hands with beef, Camelback Cinema"

Raphael:

"Wieder einmal haben sich Primus über den Winter im Rancho Relaxo Studio in Sebastopol, Kalifornien eingerichtet. Les Claypool hatte dieses Mal eine etwas kleinere Sammlung an Instrumenten dabei: E-Bass und Kontrabass sollten dieses Mal genügen. Und auch Larry LaLonde hat das Banjo im Schrank gelassen und nur mit Gitarren aufgenommen. Timothy Wayne Alexander, besser bekannt als Herb, hatte vor den Aufnahmen im Einvernehmen Primus verlassen und sich seiner Band Laundry zugewandt. Es sollte das erste von bis dato drei Malen sein, dass Herb ausstieg. An der Schießbude saß jetzt Bryan Kei Mantia, der besser unter dem Namen Brain bekannt ist und zuvor schon den Limbomaniacs, Praxis, Bullmark, Giant Robot, und auf dem Tom Waits-Album „Bone Machine“ mitgespielt hat. In dieser Konstellation entstand ein knapp einstündiges Album, das als eine musikalische Rückbesinnung auf die frühen Jahre von Primus betrachtet werden kann.

Veröffentlicht wurde das „Brown Album“ wieder bei Interscope am 8. Juli 1997. Im selben Jahr trat der SPÖ Politiker Viktor Klima sein Amt als Bundeskanzler Österreichs an, wurde The Notorious B.I.G. erschossen, wurde in Kyoto die Senkung der Treibhaus-Emissionen beschlossen, und wurde das Wanzen-Knabenkraut zur Orchidee des Jahres gekürt. Außerdem veröffentlichten die Deftones ihr Album „Around The Fur“; unser Senf dazu hier.

Wenn Bands oder Musikerinnen ihre Alben nach Farben benennen, dann handelt es sich oft um besondere Releases. Schwarze Alben gibt es viele, beispielsweise von Metallica, Prince, oder Amy Whinehouse. The Beatles wiederum hatten ihr weißes Album, und sowohl die EASTIE RO!S als auch Primus eben ihr braunes Album. Als „gedämpfte Kackwurst“ („muffled turd“) bezeichneten Primus den Langspieler. Und Tom Waits soll gesagt haben, es klänge, als bräuchte es eine ordentliche Wäsche.

Im Intro taucht direkt wieder Sathington Willoughby auf, den wir schon von „Frizzle Fry“ und „Sailing the Seas of Cheese“ kennen. Nachdem hier gut Spannung aufgebaut wurde, hauen Primus in neuer Konstellation den Hörenden ihren gut gereiften Bastard aus Prog, Jazz und Funk Metal um die Ohren. Die Hillbilly-Thematik haben sie fast gänzlich abgelegt und sich stattdessen auf technische Finesse und Fingerfertigkeit konzentriert. Der zweite Track „Fisticuffs“ erinnert stark an Pink Floyd’s „Money“, und in „Bob’s Party Time Lounge“ wird es gleichermaßen jazzy und heavy. Herausstechend ist außerdem der sedierende Offbeat in „Duchess and the Proverbial Mind Spread“, das gewisse Ähnlichkeit mit der Version des „Alabama Song“ von The Doors“ hat. Das Lied „Coddingtown“ ist noch ein ziemlicher Banger im letzten Drittel des Albums und hört sich etwas an, als könnte es die Vorlage für den South Park Theme Song gewesen sein, und mit „The Chasisting of Renegade“ erleben die Ohren nochmal eine flotte Offbeat-Attacke. Zum Abschluss unterstreicht „Arnie“ noch die psychedelische Stimmung, die sich wie ein brauner Faden durch das Album gezogen hat.

Mit ihrem „Brown Album“ haben sich Primus nicht neu erfunden, aber dennoch ihre Stärken gebündelt und selbstbewusst vorgetragen. Es ist ein großartiges und überzeugendes Album voller Referenzen auf frühe Primus und die umliegende Musiklandschaft.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Fisticuffs, Bob’s Party Time Lounge, Coddingtown"





Donnerstag, 20. Februar 2025

So isses, Musik!#184

Bloodhound Gang Discography: Hooray For Boobies (1999)

Okay. Eigentlich sollte an dieser Stelle das nächste Album "One Fierce Beer Coaster" kommen. Aber ich habe es vor Ewigkeiten schon mal reviewt. Das könnt ihr hier nachlesen. Tatsächlich habe ich auch schon über "Hooray For Boobies" geschrieben, und zwar hier. Allerdings handelte es sich damals um das Review des russischen Bootleg Tapes, dass ich besitze. Es verfügte über eine nicht komplette Tracklist und ein falsches Cover. Ich finde, dass das Album ein vernünftiges Review verdient hat. 

Achja, das Line-Up ist hier genau das gleiche wie bei "One Fierce Beer Coaster". Also ein anderes als auf "Use Your Fingers": Jimmy Pop Ali am Gesang und Gitarre, Evil Jared Hasselhoff am Bass, DJ Q-Ball an den Turntables, Lüpüs Thünder an der Gitarre und Spanky G am Schlagzeug. Es ist das letzte Album mit Spanky G, der sich mehr seinem Studium widmen wollte. (als ob)

"Hooray For Boobies" ist das insgesamt dritte Album der Bloodhound Gang und genau das Werk was die Band in den Mainstream katapultiert hat. Sicher, "Fire Water Burn" vom Vorgängeralbum hat sie schon in die richtige Richtung gerückt, allerdings ist dieses großartige Unding hier wohl der endgültige
Durchbruch gewesen. Fünf Singles sind hier drauf. "Along Comes Mary" (Cover der Rock Band The Association), "The Bad Touch" (was wohl jeder kennen dürfte), "The Ballad of Chasey Lain" (eine Ode an eine Pornodarstellerin gleichen Namens), "Mope" und "Inevitable Return of the Great White Dope".

Wie schon beim ersten Album "Use Your Fingers" benutzt man hier jede Menge Querverweise zu 80er/90er Popkultur und Popmusik. Man wälzt zwischen verschiedenen Musikstilen und parodiert sie. Größtenteils befinden sich BHG allerdings irgendwo zwischen Alternative Rock und Rap. Ab und an hört man aber auch Techno/EDM-Einflüsse, wie in "The Inevitable Return of..." oder "The Bad Touch". Dazu kommen noch Zwischenspiele wie ein hustender Mensch in "That Cough Came With A Prize" oder ein Gespräch zwischen Sänger Jimmy Pop und seiner Mutter in "Mama's Boy". Darin geht es darum, dass er ein Reim auf "Vagina" finden will. Im darauffolgenden Song "Three Point Four" geht es auch darum. Insgesamt dreht sich das Album um Langeweile, Loserdasein, Sex und andere Osbkuritäten. "A Lap Dance Is So Much Better When The Stripper Is Crying" handelt von sexuellen Abenteuern eines Serienmörders der Menschen Gesichter abzieht - als Parodie auf Country-Songs eines Typen namens Red Sovine, der größtenteils über Trucker-Thematiken geschrieben hat. 

Aus heutiger Sicht ist das ein unglaublich obskures und fragwürdiges Album, dass aber natürlich trotzdem sehr viel Spaß macht. Es würde, denke ich, zumindest in den heutigen USA nirgendwo in den Charts auftauchen. Niemand würde irgendwelche Texte über Blowjobs, zumindest nicht in dieser Ausführung, oder Arsch essen (again: zumindest nicht in dieser Ausführung) hören wollen. Es ist ein Relikt aus einer Zeit in der sowas äh "erlaubt" war. Faszinierendes Zeitzeugnis.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Mope, Three Point Four, Magna Cum Nada, Inevitable Return of the Great White Dope




Primus Discography: Tales from the Punchbowl (1995)

Okay, ich hätte nicht gedacht dass Primus sich in Puncto Absurditität noch mal steigern werde. Aber ja, das tun sie. Es ist eindeutig, wie ich grade gesagt bekommen habe, "Musik zum Rechen verschrecken". Holy Guacamoly.

Fangen wir mal bei den Äußerlichkeiten an. "Tales from the Punchbowl" hat (wieder mal) ein unfassbar hässliches Albumcover. Ich verstehe beim ersten Hinsehen nicht ob das Teelöffel mit Gesichtern oder verbrannte Streichhölzer mit Gesichtern sein sollen. Jedenfalls sind es drei, also sollen sie wohl die drei Bandmitglieder Les Claypool, Larry LaLonde und Tim Alexander darstellen. 

Musikalisch ist "Tales from the Punchbowl" einerseits ein Schritt zurück Richtung Funk Metal bzw. ähnliche Gefilde und andererseits ein weiterer Schritt in Richtung Psychedelia. Im Gegensatz zu "Pork Soda" sind die Riffs weniger hart. Im Gegenteil, das Album trieft nur so vor Melodie. Meiner Meinung nach tritt Larry LaLonde deutlich mehr in den Vordergrund. Finde, dass es hier auch 

etwas Richtung Country & Western geht. Was die Texte betrifft: Les Claypool bringt hier wirklich ordentlich merkwürdiges auf den Tisch. Es ist allerdings astreines Storytelling. "Wynona's Big Brown Beaver" handelt von einem Biber der einer Frau namens Wynona gehört. Sie hat ihm hinter einem Zaun eingesperrt. Eines Tages kam ein Typ namens Rex (aus Texas!) und wurde von dem Biber in die Eier gebissen sodass er 1,5 Wochen lang nicht pinkeln konnte. Doch auch wenn es um ernstere Themen geht, enttäuscht Mr. Claypool nicht. In "Mrs. Blaileen" geht es um eine manipulative Lehrerin, die ihre Schüler mobbt. "Southbound Pachyderm" handelt von der sinkenden Population von Elefanten.

Meiner Meinung nach ist das alles andere als ein schlechtes Album. Tatsächlich klingt es aber, insgesamte, stellenweise doch etwas "hohl" und ein kleines Bisschen als hätte man hier ein paar Lückenfüller eingebaut. Andererseits ist man wiederum, weiterhin echt kreativ. Eine psychedelische, country space Polka mit Songtexten über Elefanten und Biber. Herrgott, hier gibt es sogar einen Song namens "Space Farm", der voll ist mit Grunz- und Miaugeräuschen. Allerdings komplett instrumentell. Holy Moly. Mir bleibt nicht viel zu sagen, als dass ich nach wie vor begeistert bin. Jedoch gleichzeitig immer noch überrumpelt. Ich komme auf diese Band nicht ganz klar. Aber es ist gut so.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Wynona's Big Brown Bieber, Southbound Pachyderm, Del Davis Tree Farm

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Ein weiteres Primus-Album, ein weiteres sehr hässliches Cover, diesmal etwas bunter und ich halte mich vornehm mit irgendwelchen Interpretations-Ansätzen zurück.
Die Besetzung Ler/Les/Herb blieb weiterhin unverändert, musikalisch begab man sich meiner bescheidenen Meinung nach in etwas gefällig-eingängigere Gefilde und ließ die Düsternis von Pork Soda hinter sich. Textlich bleibt alles absurd-bescheuert. Zum Glück. Mein unangefochtener Favorit des Albums ist das großartig-countryeske "Wynonas Big Brown Beaver", in dem Les' Bass klingt als würde er ungefähr 3 gitarrenähnliche Instrumente gleichzeitig spielen. Textlich gibt es hierbei absolut keine sexuellen Anspielungen, es geht einfach um ein Mädchen mit einem Biber.
Southbound Pachyderm beispielsweise erinnert an 60er Psychedelic Rock, ich habe an "No Quarter" von Led Zeppelin und ein paar gute nicht ganz so antisemitische Momente von Pink Floyd denken müssen. 
Ansonsten bewegt sich die Musik weiterhin im Spannungsfeld seltsamer Polka und Progressive Rock. Der Metal-Anteil wurde etwas zurückgeschraubt, was dem Album aber keinesfalls schlecht tut. 
Insgesamt vergebe ich hier solide 

8,5/10 Pfandflaschen

Anspieltipps:

Wynonas Big Brown Beaver, Southbound Pachyderm, Space Farm"

Raphael:

"Im Jahr 1995 erschien das vierte Studioalbum von Primus, und danach kam es tatsächlich mal zu einem richtigen Besetzungswechsel – dazu aber im nächsten Text mehr. Hier geht es erstmal um „Tales from the Punchbowl“, das vorerst letzte Album mit Schlagzeuger Tim „Herb“ Alexander. Mit dabei im Rancho Relaxo Studio in Sebastopol, Kalifornien waren natürlich Larry LaLonde, der neben seiner Gitarre auch ein sechssaitiges Banjo gespielt hat, und Les Claypool dessen Basssammlung immer wahnsinniger wurde. Neben einem regulären E-Bass, einem Sechssaitiger, einem bundlosen Bass und einem Kontrabass gehörte auf „Tales from the Punchbowl“ auch ein Bass Banjo zum Sortiment.

Nach Aufnahmesessions, die von November 1994 bis März 1995 andauerten, wurde am 06. Juni 1995 das fertige Album bei Interscope und Prawn Song veröffentlicht. Das Jahr 1995 kommt bei der Review Task Force wirklich häufig vor: im selben Jahr erschien „Disco Volante“ von Mr. Bungle (Reviews), „Forbidden“ von Black Sabbath (Reviews), und „Adrenaline“ von den Deftones (Reviews). Nur bei Slime war nach der Veröffentlichung von „Schweineherbst“ im jahr 1994 erstmal eine längere Pause angesagt. Es war auch das Jahr, in dem sich das Massaker von Srebrenica beziehungsweise Potočari ereignete, in dem Jitzchak Rabin bei einer Friedenskundgebung in Tel Aviv erschossen wurde, und in dem Lagumot Gagiegem Nimidere zum Präsidenten Naurus gewählt wurde.

Primus klingen auf ihrem vierten Album gewohnt funky, haben allerdings eine ordentliche Note Hillbilly-Sound dazubekommen. Außerdem klingt „Tales from the Punchbowl“ stellenweise etwas schwerfällig. In vielen zeitgenössischen Rezensionen wurden die Begriffe Prog Rock und Prog Metal verwendet, und so falsch ist das wirklich nicht. Der Sound wirkt deutlich glatter, nicht mehr so dreckig, und trotz des Einflusses der Banjos etwas glattgebügelt. Irgendwo zwischen verkünstelt und nicht ausgereift mag das Mango liegen, das meine Hörfreude einschränkt.
6/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Hellbound 17½ (Theme From), Wynona’s Big Brown Beaver"



Freitag, 7. Februar 2025

So isses, Musik!#183

Bloodhound Gang Discography: Use Your Fingers (1995)

Hurra, eine neue Discography! Diesmal werde ich mit der vollkommen unbeschreiblichen, grundsätzlich sehr abgedrehten Discography der grundsätzlich sehr abgedrehten Bloodhound Gang beschäftigen. 

"Use Your Fingers" ist das erste Studio-Album der Band, die damals in eine etwas anderen Konstellation existiert hat. Am (Sprech)Gesang waren hier der allseits bekannte Jimmy Pop und ein Typ namens Daddy Long Legs, der nach diesem Album ausgestiegen ist und die Horrorcore-Gruppe "Wolfpac" gegründet hat. Dazu kommen noch Lüpüs Thünder an der Gitarre, der bis 2009 mitgemacht hat, Skip O' Pot2Mus am Schlagzeug und ein DJ namens MSG. Von den beiden letztgenannten ist
keiner übrig geblieben - so haben Jimmy Pop und Lüpüs Thünder für das zweite Album "One Fierce Beer Coaster" ein neues Line-Up zusammengestellt. Dieses Album hier ist wesentlich anders als die Sachen, die man sonst so von BHG kennt. 

Es ist nämlich zu 90% HipHop lastig und vollgeladen mit Samples, ähnlich wie der Beastie Boys Klassiker "Paul's Boutique". Allerdings mit wesentlich bescheuerteren Lyrics über deine Mutter, besoffenes Rumknutschen oder die Liebe zu einer Person ohne Beine. Grundsätzlich schaffen es Daddy Long Legs und Jimmy Pop einfach über vollkommenen Nonsens zu rappen, Hauptsache die Reime stimmen. So reimt man in "Mama Say" folgendes: 

"With my itsy bitsy teeny weenie shrunken small white peenieSo rinse spit swallow brain blank kinda hollowNot too deep leap wow oh kinda shallow
'Cause we're in your face like Ed Gein
Purple rain purple rain"

Anderswo (in "We Are The Knuckleheads") heißt es "My mom's got opposable thumbsYour mom's Weezie Jefferson". Das nenne ich mal einen kreativen Diss. Dieses Album lebt von dieser Wortakrobatik und zahlreichen Anspielungen auf die Popkultur der 80er Jahre: Michael Jackson, Kajagoogoo, Duran Duran, Blondie und nicht zu vergessen Kim Wilde. BHG covern hier nämlich "Kids In America" mit Robert Vitale von der Hardcore Band Black Train Jack am Gesang. Dieser ist nicht unbekannt und evtl. sagt euch der Name "Nine Lives" was. Tatsächlich waren Bloodhound Gang solch große Fans von Black Train Jack dass sie ihn um diesen Beitrag gebeten haben. 

Meiner Meinung nach ist das hier BHG auf Steroiden, wenn sowas überhaupt existieren kann. Durch die schnelle Wiedergabe der Lyrics und das pausenlose Zitieren von Popkultur kommt es mir vor wie Family Guy in musikalischer Form. In anderen Worten: Wahnsinn.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Legend In My Sparetime, Kids In America, Mama Say, She Ain't Got No Legs



Primus Discography: Pork Soda (1992)

Okay, mit diesem Album hatte ich tatsächlich zuerst etwas Schwierigkeiten gehabt. Das dritte Album von Primus, Pork Soda, verfügt nicht nur über ein sehr hässliches Artwork sondern auch über einen meines erachtens sehr groovigen

, jedoch auf den ersten Blick nicht wirklich zugänglichen Sound. Der Raum wird erfüllt mit diesem kosmischen Bass, dieser komischen verzerrten Gitarre und diese merkwürdigen Schlagzeugmustern. Doch irgendwann ergibt das alles Sinn. Vor allem in Verbindung mit den Lyrics, die auf den ersten Blick irgendwie komisch erscheinen, weil man sie nicht wirklich versteht. Als Beispiel nehme ich zwei Songs: "Bob" und "My Name Is Mud". Im zweiteren Song geht es um jemanden der jemand anderes umgebracht hat, und zwar indem er ihn mit dem Baseballschläger den Kopf zertrümmerte. Die Person, die das getan hat scheint absolut nicht psychisch stabil zu sein. Währenddessen wird in "Bob" unter anderem Selbstmord besungen. "I had a friend who took a belt, took a belt and hung himself, hung himself in the doorway of the apartment where he lived". Die Texte erscheinen allerdings nur komisch weil Les Claypool auf diese eigentümliche, vermeintlich lustige Weise rüberbringt. Dabei kriegt man den Eindruck, das hier wäre "oh so weird" und so "komisch" und "lustig". Vielleicht ist es allerdings ein Vehikel um die eigenen morbiden Gedanken als auch fürchterliche Erfahrungen zu verarbeiten. 

Ich jedenfalls habe einige Anläufe gebraucht um das Album richtig zu verstehen. Als ich aber angekommen, bin ich angekommen. Es hat wenig mit irgendwelchen "Alternative Rock" oder "Crossover" zu tun. Psychedelic Polka bleibt das Schlagwort. Großartige, pulsierende, weirde, Psychedelic Polka. Ohja und dieser Bass. Dieser Bass!

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Bob, My Name Is Mud, DMV, Hamburger Train

Und weil drei Meinungen besser sind als eine, hier kommt...

Philipp:

"Ich hatte ja beim letzten Mal schon irgendwie umrissen, wie schwierig ich es finde, über Primus zu schreiben. Es wird nicht einfacher. Pork Soda ist irgendwie textlich und musikalisch viel düsterer als noch "Sailing On The Seas Of Cheese", müsste man Triggerwarnungen aussprechen, wären da solche Sachen wie "TW: Suizid, Mord, Kraftfahrzeugzulassungsbehörden" dabei, also teilweise recht harter Tobak. Es ist schon beachtlich, wie schnell und wie sehr sich Primus in dieser Besetzung gefunden haben, der Stil ist absolut unverkennbar. Tatsächlich ist es aber andererseits nicht wie bei den Ramones, Motörhead oder AC/DC (Pfui Deivel), dass dasselbe Album immer wieder wiederholt wird, sondern es geht durchaus abwechslungsreich zur Sache, allein Mr. Krinkle stellt durch den Einsatz eines (gestrichen, nicht geslappt gespielten) Kontrabasses eine musikalische Anomalie im bisherigen Primus-Mikrokosmos dar (das "Seas Of Cheese"-Intro ignoriere ich hierbei aus dramaturgischen Gründen) und die Palette reicht weiterhin von Polka über Jazz bis hin zu Thrash Metal. Am Ende des Albums hat man irgendwie den Eindruck, man hätte einen ziemlich düsteren, psychedelischen Comic mit komplett abseitigem Humor gelesen, die Musikvideos zu "Mr. Krinkle" und "My Name Is Mud" (die beide sehr großartig sind) tun dabei natürlich ihr übriges. 

Ein absolut verstörendes, verqueres aber trotzdem eingängiges und großartiges Album. Primus waren hier so ziemlich auf ihrem Zenit. Dazu später jedoch mehr.

9/10 Pfandflaschen

Anspieltipps:

Bob, Mr. Krinkle, Hamburger Train"

Raphael:

"Wikipedia weist mich darauf hin, „Pork Soda“ nicht mit „Bacon Soda“ zu verwechseln. Vielen Dank dafür! Erfrischungsgetränke mit Speckgeschmack sind sicherlich ein wichtiger Teil unserer westlichen Kultur. Der Name des Albums bezieht sich auf den Sound von Primus, der wie eine fleischige Limonade von einigen Menschen hochgeschätzt wird, aber niemals massentauglich sein wird. Ironischerweise war „Pork Soda“ eins der erfolgreichsten Alben der Band, und wurde sogar als eines der merkwürdigsten Alben tituliert, die es jemals in die Top 10 geschafft haben.

„Pork Soda“ wurde am internationalen Puff-Puff-Pass-It Tag im Jahr 1993 bei Interscope und Les Claypools Label Prawn Song veröffentlicht. Im selben Jahr fanden in der Russischen Föderation erstmals freie Wahlen statt, in der Bundesrepublik Deutschland wurden fünfstellige Postleitzahlen eingeführt, und der Speierling wurde zum Baum des Jahres gekürt.

Primus waren fast zwei Jahre lang ununterbrochen auf Tour, bis sie sich Ende 1992 im kalifornischen San Rafael an die Aufnahmen zu „Pork Soda“ machten. Einerseits soll die lange Phase der Rastlosigkeit Grund für die deutlich dunklere Thematik auf dem Album gewesen sein, andererseits hat Les Claypool im Nachhinein erklärt, es seien grundsätzlich sehr gute Zeiten für alle Beteiligten gewesen. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass „Pork Soda“ textlich wie musikalisch einen düsteren Anstrich vorzuweisen hat, der auf den vorigen Alben nicht zu finden ist. Dazu zählt auch die Reflektion über die blutige Geschichte des weißen Nordamerikas, welche auf Vertreibung, Genozid, und Massakern wie dem von Wounded Knee aufgebaut sind.

Nichtsdestotrotz waren Primus immer noch Primus, und darum sind die durchaus ernsten Themen hintern Sarkasmus, Zynismus, und massivem Funk Metal versteckt. Der Sound ist unheilvoller, experimenteller, und etwas feiner geworden. Auch die Wahl der Instrumente wurde stark erweitert: neben Marimba und Mandoline kam auch eine Fahrradklingel zum Einsatz. Primus beweisen hier festen Stand bei ihrem Balance-Akt zwischen Genie und Wahnsinn, und haben mit „Pork Soda“ ihr bis dato stärkstes Album veröffentlicht.
8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: My Name is Mud, Pork Soda"