Freitag, 18. September 2026

My Favorite TV-Show: Rocko's Modern Life

Halli hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von "My Favorite TV-Show". Diesmal geht es um eine Sendung, die ich schon seit knapp 30 Jahren auf dem Schirm habe. Damals habe ich sie als kleiner Stöpsel geguckt - ohne ein Wort Deutsch zu verstehen und habe mitbekommen wie Filbert die Schildkröte "...eine Sekunde!" gesagt hat. Diese Stelle hat sich für immer in mein Gehirn eingebrannt. Desweiteren wurde eine Stelle von einer Musical-Folge der vierten Staffeln von der Band "Napoleon Dynamite (aka NxD) gesamplet. Ich habe endlich diese Folge gesehen und habe mich in dem Moment wie Bolle gefreut. Ehrlich.

Worum geht es?

Wir befinden uns in einer Welt die von antropomorphen Tieren bewohnt wird. Die "Gesetze" über das Essen von Tieren gelten hier irgendwie nicht und irgendwie schon. So leben "menschliche" Kühe hier, allerdings wird trotzdem irgendwo Rindfleisch gegessen, was kein Sinn macht. Der Hauptprotagonist ist Rocko, ein freundliches Wallaby dass aus Australien in die USA gekommen ist und nun in der Stadt O-

Town wohnt. Er arbeitet in einem Comicladen (meistens) und hat einen Hund namens Spunky (der nicht reden kann, während andere Hunde manchmal reden können). Sein bester Freund ist ein Stier namens Heffer Wolfe, der einst von einer Familie von Wölfen adoptiert wurde. Ein weiterer Freund Rockos ist die oben erwähnte, vollkommen neurotische Schildkröte Filbert. Ab und zu ist Rocko in eine Frau verknallt. Seine beiden Nachbarn sind das Frosch-Ehepaar Bighead: Bev und Ed Bighead. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht das "Moderne Leben". Rocko landet quasi "aus dem nichts" im realen Leben und lebt nicht mehr im "Hotel Mama". Er muss sich um seine Finanzen, sein Essen, sein Haushalt, sein kaputtes Auto kümmern. Oder darum, seinen Hund aus dem Zwinger zu befreien, weil er dort aus Versehen gelandet ist. Dabei wird Rocko selbst für einen Hund gehalten. Im Verlauf der Serie lernt er beispielsweise auch Heffers Eltern und erfährt, dass sie Wölfe sind. Was eine komische Situation verursacht weil er ein völlig unpassendes Kuh-thematisches Gastgeschenk mitgebracht hat. Zwei der Folgen, die mir besonders in Erinnerung hängen geblieben sind: In einer wird Rocko eine Niere entfernt (die in einem Narkose-Traum sich selbst "Pinky" nennt) und er kriegt ernsthafte Verlustängste. In einer anderen, bereits oben erwähnten, Musical-Folge geht es um Umweltverschmutzung wofür der hiesige Konzern "Conglom-O" (das Firmenmotto ist "We own you") verantwortlich ist. Die Bewohner der Stadt singen mehrere Songs über die Umwelt und was man dafür tun kann.

Kritiker würden behaupten, die Serie wäre mit "Ren & Stimpy" zu vergleichen. Allerdings ist sie ähnlich absurd. Das Bindeglied ist auf jeden Fall das Maß an gewissen Ekligkeiten, Geschrei, Körperflüssigkeiten und das Ignorieren von physikalischen Gesetzen. Tatsächlich ist "Rocko's Modern Life" wesentlich sozial- und konsumkritischer. So befindet sich Rocko einmal in einem Supermarkt und findet ob des riesigen Angebotes nicht die gewünschte Ware oder sucht einen Parkplatz für sein Auto bei einer Mall. Das Parkdeck reicht dabei bis oben in die Stratosphäre. Meiner Meinung nach sind es durchaus unterschiedliche Sachen. Das eine war erwachsenen-Humor getarnt als Kinderserie. Das hier ist Sozialkritik getarnt als Kinderserie. Ich fühlte mich gut unterhalten und stellenweise gut aufgehoben. Insbesondere was einige (schlimme) Kindheitserinnerungen betrifft.

Intro (von den B-52s)



Donnerstag, 17. September 2026

Mittwoch, 16. September 2026

Film der Woche#696: Fortress (1993)

Bin mir wieder mal sehr sicher, dass ich den Film irgendwo auf Instagram entdeckt habe. Es gibt so viele Infoposts (danke, dass ihr auch Infoposts einen like gebt lel) über trashige Filme, dass ich damit ein ganzes Zimmer tapezieren könnte. Jedenfalls, ist das hier glaube ich der erste mit Christopher Lambert auf diesem Blog. Komisch, dass ich den "Highlander" noch niemals hier reviewt habe. Worum geht es?

Wir schreiben die Zukunft des Jahres 2017 (jaja). Die USA sind ein totalitäres, faschistisches Land. Frauen dürfen nur ein Kind gebären. Überall sind Kontrollpunkte, Soldaten patrouillieren die Grenzen. Man darf ausreisen, allerdings gibt es Bedingungen. So ist es scheinbar so, dass Frauen die bereits eine Fehlgeburt hatten, nicht ausreisen dürfen. Scheint mir als ob der demographische Wandel derartig eingeschlagen ist, dass...ach es ergibt keinen Sinn. Jedenfalls ist Karen S. Brennick (Loryn Locklin) zum zweiten Mal schwanger. Die erste Schwangerschaft endete in einer Fehlgeburt. Nun versuchen sie und ihr Ehemann John Henry (Christopher Lambert) über die Grenze nach Kanada zu fliehen. Allerdings werden sie beim Grenzübertritt erwischt. Eine bestimmte Markierung an Karens Kragen verrät, dass sie zum zweiten Mal schwanger ist. Karen kann scheinbar zuerst fliehen - John wird jedoch gefangen genommen. In einem fensterlosen Wagen wird er
zur "Fortress" gebracht. Es ist ein Gefängnis, betrieben von der Firma "Men Tel Corporation". Was für ein geiler Name. Der Direktor des Gefängnisses ist ein Mann namens Poe (Kurtwood Smith, bekannt aus "RoboCop" und "That 70s Show"). Er ist skrupellos und sadistisch. Überhaupt ist hier alles skrupellos und sadistisch. Den gefangenen werden gewaltsam Kugeln in den Darm implantiert. Diese können aus der Ferne ausgelöst werden. Das heißt, dass die Kugeln (die übrigens "Intestinatoren" genannt werden) entweder übelste Magenschmerzen verursachen oder explodieren können. Berühren die Gefangenen im Gang eine gelbe Linie, verursacht das Schmerzen. Wird eine rote berührt, bedeutet das den Tod. Die Zellen sind überfüllt. Es herrscht das Recht des Stärkeren. Poe findet durch hochmodernes Traumlesen in Johns Träumen heraus, dass Karen ebenfalls in der "Fortress" einsitzt und äh verknallt sich in sie. Als John auch checkt, dass seine Geliebte da ist, fängt er an mit seinen Mitgefangenen an einem Fluchtplan zu arbeiten. Raus aus dieser Scheiße. Aber schnell.

Hmm. Ein weißer Mann, der vollkommen unschuldig ist landet im Gefängnis. Dort wird er unter anderem von einem älteren schwarzen Mann (Abraham, gespielt von Lincoln Kilpatrick) bemerkt. Dieser denkt sich wiederum "Hmmm, der Typ scheint korrekt zu sein". Erinnert mich an irgendwas. Weiß aber nicht genau was. Naja, egal. Was mich hier erwartet hat: Ein totalitäres System, dass Frauen für Schwangerschaften bestraft und ihnen Kinder wegnimmt, wenn sie "zu viel" sind. Ein Hochsicherheitsgefängnis in welchem mann für ALLES bestraft werden kann. Cyborgs. Explodierende Bäuche. Schießereien. Und natürlich der Gedanke, dass nur ein furchtloser Mensch - der zudem im Team arbeitet - sich Ungerechtigkeit stellen kann. Im Prinzip sowas ähnliches wie "Gesprengte Ketten". Nur in absolut trashig, leicht over the top und mehr als gritty. Oder, um es anders auszudrücken: Der Film ist totally bonkers.

7/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 15. September 2026

Comic Book Review#694: Bizarro Comics! (2001)

Eine weitere freundliche Leihgabe vom Kollegen M. Vielen Dank dafür. 

Hierbei handelt es sich nicht um ein Sammelband, dessen Inhalte ursprünglich in Heftform erschienen sind. Stattdessen habe ich eine Anthologie vor mir liegen, die bizarrer nicht sein kann. Geschrieben von solchen Größen wie Evan Dorkin, Andy Merrill, Jeff Smith, Ariel Bordeaux, Chris Duffy und gezeichnet von nicht kleineren Größen wie Bill Wray, Stephen DeStefano, D'Israeli, Paul Pope, Dave Cooper, Kyle Baker, Liz Glass, John Kerschbaum, Gilbert Hernandez und noch vielen mehr.

Die Rahmenhandlung (Bizarre Wars, Part One & Two), die am Anfang und Ende des Bandes zu finden ist spielt in der 5. Dimension. Mr. Mxyzptlk (im weiteren Verlauf des Reviews Mxy genannt), der Kobold der Superman schon so oft auf den Sack gegangen ist wacht eines Tages auf und wird zum
Anführer seiner Dimension gewählt. Doch das geschieht nicht einfach so. Tatsächlich fällt ein riesiger Außerirdischer namens A, in Begleitung seiner Assistentin (also ganz im Sinne von Galactus und Silver Surfer) über die Dimension her. Nun muss Mxy um das Schicksal seiner Welt kämpfen. Aber nicht etwa in einem Kampf sondern in gewöhnlichen (Brett)Spielen. Er darf sich einen Superhelden aus allerlei Dimensionen aussuchen, der an seiner Seite stehen darf. Im Dimensionskatalog trifft er zufällig die falsche Wahl. Supermans bizarrer Klon, Bizarro, wird nun zum kostümierten Helfer, der Mxy zur Seite stehen soll. Leider ist Bizarro nicht gerade der schlauste und hat offensichtlich Probleme mit der Sache mitzukommen. Zwischendrin kommt er auf die Idee, dass er Bösewichte mithilfe von Comics bekämpfen soll. Diese Kunst setzt er als Mittel im Kampf gegen A ein und der Leser kriegt einen Haufen Kurzgeschichten zu lesen, die sich Bizarro ausgedacht hat. Den Anfang macht "Superpets" in welcher Superman nicht alleine auf die Erde kam sondern mit einer Horde Farmtieren, sodass die Menschen auf der Erde einen fliegenden Typen für gar nicht so besonders erachten. Eine fliegende Kuh aber schon. "Captain Marvel and the Sham Shazam!" erzählt die Story darüber wie Captain Marvel (aka Shazam!) einst von seinem Erzfeind Dr. Sivana überlistet und zu einer dümmeren Version seiner Selbst wurde. In "The Clubhouse of Solitude" mit Mary Marvel und Supergirl geht es um Selbstfindung in der Welt der Superhelden. Und so weiter, und so fort. Lauter kleine Geschichten, gezeichnet und geschrieben von verschiedensten Autoren und Zeichnern. 

Häßlich, abstoßend, Golden Age, Modern Age und vor allem eins: Überragend großartig und stellenweise so unfassbar bizarr und bescheuert dass ich kaum aus dem Lachen kam. Die Stories haben es wirklich in sich. Und das obwohl sie eigentlich "nur" als in fünf Minuten erstellte Skizzen von Bizarro erdacht waren. So dumm ist er scheinbar nicht. Die Rahmenhandlung ist in typischen Golden Age Stil gehalten - zumindest sehen Superman und Wonder Woman danach aus. Man hat sogar Green Lantern Kyle Rayner reingebracht und ihn in einen Golden Age Superhero verwandelt. Das Cover stammt von Matt Groening, den Schöpfer der Simpsons - leider hat er selbst keine Story beigesteuert, was ich sehr schade finde. Mein Favorit ist "Porcine Panic" in welchen Aquaman aus der Sicht eines Kindes dargestellt wird, dass in der Badewanne spielt. Darin kämpft der Superheld gegen Wasserspielzeug (eine Schweine-Handpuppe) und verliert seinen Arm. Wie schon erwähnt: Es ist eine großartige Ideensammlung, die auf vielfältigste Art und Weise umgesetzt wurde. Heilige Scheiße, ist das großartig.

9/10 Pfandflaschen
Video dazu von Near Mint Condition:


Montag, 14. September 2026

Album der Woche#698: Grinderman - s/t (2007)

Das erste Mal von diesem Album habe ich vor knapp 20 Jahren gelesen. Irgendwo in einer Rubrik der Zeitschrift VISIONS, natürlich. Allerdings war ich nie ein großer Fan von Nick Cave & The Bad Seeds geschweige denn seines generellen Schaffens. Irgendwann hat dieses eine Album von seiner ursprünglichen Band The Birthday Party hierhin geschafft, aber das war's auch schon. Mein Interesse wurde durch die Serie "True Detective" (mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson) geweckt.
Im Abspann der Folge "Who Goes There?" lief nämlich das Lied "Honey Bee (Let's Fly To Mars). Das war so dreckig und gemein, dass es mir sofort gefallen hat und ich mehr davon hören wollte.

Das Albumcover passt zum Sound. Ein neongrün beleuchteter Affe und darüber eine Schrift wie auf einem Neonröhren-Schild dass über den Eingang einer hässlichen, dreckigen, versifften Kneipe hängt. Das sieht fast schon danach aus als würde es in dieser Kneipe richtig apeshit (zu Deutsch "affenscheiße") zugehen. Was dann auch tatsächlich danach klingt. Grinderman haben sich ihren Namen sehr passend ausgewählt. Die Band besteht aus Nick Cave, Warren Ellis, Martin Casey und Jim Sclavunos. Die drei Letzgenannten sind gleichzeitig auch Mitglieder der "The Bad Seeds". Doch zurück zum Album. 

Ursprünglich waren Grinderman als ein Projekt gedacht um den "Gewicht der The Bad Sees zu entfliehen". In anderen Worten: um mal etwas anderes zu machen, sich zurück zu seinen musikalischen Wurzeln zu begeben und naja, endlich mal wieder ordentlich dreckige Musik zu machen. Fachmenschen nennen das "Garagenrock", "Punk Blues" oder irgendwas mit Psychedelic. Fest steht: der Nick Cave'sche Charme eines traurig klingenden Barden fehlt nicht. Er wird allerdings in etwas anderes umgewandelt. Und zwar in den Gesang eines Leadsänger einer Band die in einer Kneipe auftritt, die hinter einem Gitter spielen muss, weil lauter Flaschen von irgendwelchen besoffenen Bikern geworfen werden. Nicht, weil sie schlecht sind - sondern weil das Publikum irgendwie aggressiv ist. So klingt auch Grinderman, jedoch eher auf die passiv-aggressive Weise. Bis auf "When My Love Comes Down", da wird es fast schon melancholisch. 

Ich glaube, ich habe so ziemlich alles gesagt, was mir dazu eingefallen ist. Es ist ein wahrlich großartiges, und ich sag's noch mal, unfassbar dreckiges Album. Danke sehr.

8/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: No Pussy Blues, When My Love Comes Down, Honey Bee (Let's Fly To Mars)


Sonntag, 13. September 2026

So isses, Musik!#219

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

So. Wir bleiben bei E und schließen damit dieses Kapitel ab. Nächstes mal geht es mit F weiter. Here we go again...

Egotronic Von nichts gewuszt:

Gregor:

Mich macht dieser Song leicht wütend. Nicht wegen des Inhalts und der Einstellung die darin propagiert wird. Sondern eher weil im Background dort jemand singt, den der Krebs uns weggenommen hat. Ich habe Egotronic in meinem Leben (ähnlich wie bei Hammerhead in 2-3 unterschiedlichen Phasen) live gesehen und habe sie in meiner Jugend (sprich mit 17-18 Jahren) eine Weile lang wirklich konstant gepumpt. Und das obwohl ich damals noch gar nicht "antideutsch" war bzw. sogar irgendwie dagegen weil als junger Linker findet man "Nationalstaaten ja generell doof" oder irgendwie so ein Scheiß. Ich werde diesen für mich ersten Auftritt auf dem Würzburger "Umsonst & Draußen" niemals vergessen. Später dann irgendwann im Cairo, dann im Oberhausener Druckluft, irgendwann auch auf dem KAZ Open Air. Immer eine Stimmung dabei, die auf positive Weise die Luft sprengt, quasi die Luft in die Luft jagt. Apropos in die Luft jagen: Ganz antideutsch-typisch hat irgendjemand damals ein Musikvideo hochgeladen dazu, dass eigentlich nur aus einem Standbild von Arthur Harris bestand. Dieser spricht auch im Intro. Es geht nicht darum ganz edgelord-mäßig die Bombardierung von Dresden abzufeiern, nein. Es geht um den deutschen Opferkult und was für eine gehirngewaschene Scheiße das ist. Dabei singt Torsun hier nur im Background und im Vordergrund wahrscheinlich Hoerm. Ich weiß es aber nicht, da ich die Namen der anderen beiden Gründungsmitglieder nie vollständig auf dem Schirm hatte. Asche auf meinem Haupt. Die Message ist klar, der Song ist fetzig. Ich habe alles gesagt.

Philipp: 

"Ich habe Torsun immer dafür respektiert, dass er große Teile der deutschen Punkszene dazu gebracht hat, sich noch mal auf eine andere Art und Weise mit Israel auseinander zu setzen. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr seine Worte und seine Präsenz fehlen. Musikalisch habe ich ihm sicherlich des Öfteren Unrecht getan, habe Egotronic mehrfach live gesehen, fand es nie besonders gut und habe mich auch sonst nie eingehender damit beschäftigt. Manche Dinge lernt man erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Retrospektiv vielleicht eine der wichtigsten Punkbands der frühen 2000er. Möge die Erde dir leicht sein."

Raphael:

"Ich wünsche mir manchmal, ich hätte schon früher den Zugang zu Egotronic gefunden. Immerhin habe ich es geschafft, die Band an meinem 32. Geburtstag live zu sehen. Hier liegt uns ein Song vom 2006 veröffentlichten Debutalbum "... die richtige Einstellung" vor, und ich kann die Wut und die Energie sehr gut nachvollziehen. Vielen Dank für alles Torsun!"

Eisenpimmel – Malle Mallorca:


Gregor:

Irgendwann vor knapp 20 Jahren in einer Sendung von "Radio69" entdeckt und sofort fasziniert gewesen. Was zur Hölle ist das? Ein Song über "Mallorca" wobei es komplett falsch ausgesprochen wird. Dabei habe ich den Text nicht wirklich verstanden. Als ich mit meiner Schule auf einer Fahrt nach England unterwegs war habe ich ganz kurz den Text "Sangria macht die Nudel hart" eingestimmt und wurde sofort von einer Lehrerin gerügt. Ich wusste nicht warum, weil naja ich habe den Text sowieso nicht verstanden. Egal. Viele Jahre später habe ich Eisenpimmel für mich noch mal entdeckt. Es ist quasi das gleiche wie mit den Kassierern. Eine Band die von ihren Fans falsch verstanden wird und irgendwie auch ernst genommen wird. Dabei parodieren sie gekonnt alles an Ruhrpottklischees was es nur so gibt. Und hier haben wir einen Schlagersong der sich mit einer Reise auf die Insel Mallorca beschäftigt. Dabei nimmt man JEDES textliches Klischees eines solchen Party-Schlagersongs und ballert es raus: "Scheißegal", "Kotzabteil", "Unten ohne oben nackt". Ich würde ja nicht mal sagen, dass es Parodie mit Augenzwinkern ist sondern eine direkte Verhöhnung. Ich feier diesen dummen, großartigen Song mit all diesen debilen Passagen: "Ich hab n Eimer, dat ist jetzt meiner(...) geh wech du Tier du krichst kein Bier!".

Philipp: 

Puh, meine Humorlosigkeit wird hier gerade auf eine harte Probe gestellt. Tatsächlich kaufe ich Eisenpimmel die Satire noch mal wesentlich besser ab als diesen furchtbaren Kassierern und das hier ist so herrlich überdreht Petry-esk, dass es einen komplett anspringt. So sehr ich auch die Funpunk- und Prolo-Fraktion verachte, das ist einfach großartig. 

Raphael:

"Wir haben es hier mit dem klügsten dummen Text zu tun. Ein Meisterwerk der Satire. So gut, dass es wehtut. Überall. Eisenpimmel nehmen den Spaß so ernst, dass man manchmal genau hinschauen muss, wie spaßig dieser Ernst ist. Es ist großartig und sehr anstrengend."

Ernte 77 – Faszination Hubschrauber:

Raphael:

"Die selbsternannten Toten Hosen des Punk Rock sind seit einiger Zeit eine meiner Lieblingsbands mit ihren schnellen und eingängigen Riffs und den teils dödeligen und teils klugen Texten. Das 2024 veröffentlichte Album „Gruß aus der Küche“ ist eine Sammlung von 19 Hits; einer schöner als der andere. Als Höhepunkte möchte ich erwähnen „Das Konzept Deutschland ist mir zuwider“, „Landungsbrücken rein“, „Kostenfalle Ballern“, und natürlich die Ode an die Fortbewegung in der Luft „Faszination Hubschrauber“."

Philipp: 

"Wie konnte diese Band an mir riesengroßem Supernichts-Fan vorbei laufen? Abgedrehter melodischer Punk eindeutig Kölscher Ausprägung, gespickt mit Referenzen (allein die Doppelreferenz bei "Und ich weiß nicht genau...") über die wirklich wichtigen Themen des Lebens (siehe Titel)."

Gregor:

Alter. Scheisse, ist das geil. Ein Song als Liebeserklärung an Hubschrauber. "Ich weiß nicht genau wie das physikalisch funktioniert" "Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah, HubschrauBÄR!". Ich kann mir jetzt schon vorstellen bei einem Live-Auftritt vor der Bühne zu stehen und genau nach diesem Song zu rufen. Okay, gegen Ende, also die letzten paar Sekunden wird es schon etwas merkwürdig, aber ansonsten finde ich es großartig. Nicht semi-ironisch, nicht dumm-lustig sondern einfach awkward. Das beweist mal wieder dass ein Punkrocksong über so gut wie alles geschrieben werden kann. Ich feier es.

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FROM FIRST TO LAST: Motörhead

Wieder mal so eine Band die zig Alben veröffentlicht hat und bei welcher es interessant wäre, sich die komplette DIscography reinzuziehen. Allerdings fehlt dafür einfach die Zeit. Daher....

das erste Album ist

Motörhead (1977)

Veröffentlicht im Jahre 1977 ist "Motörhead" nicht das erste Album von Motörhead. Eigentlich war es "On Parole" von 1975, das allerdings erst im Jahre 1979 von United Artists veröffentlicht. Es gab nämlich so einige Probleme mit dem Label als auch eine Entlassung der Band...und so wurde das erste offiziell veröffentlichte Album auf Chiswick Records rausgebracht.

Was man heutzutage vielleicht als "Joa, ist halt Motörhead" bezeichnen könnte, war damals noch gar nicht gang und gäbe und definitiv etwas neues. Obwohl das Album irgendwie als "Heavy Metal" kategorisiert wird ist es für mich in erster Linie ein uneheliches Kind von Punkrock und Rock'N'Roll. Genauso schnell, dreckig, "roh" und ziemlich lo-fi. Eine Wall of Sound aus äh unglaublicher


Schnelligkeit (die natürlich irgendwann übertroffen wurde) trifft auf Lemmy Kilmisters Whiskey/Zigaretten-Stimme. Eddie Clarke an der Gitarre. Phil Taylor am Schlagzeug. 

Klingt für mich stellenweise irgendwie psychedelisch (wenn ich daran zurückdenke, dass Lemmy mal bei Hawkwind gesungen hat), zum Beispiel bei "Iron Horse"/"Born to Lose". Es gibt einen Song hierauf, der "Motörhead" heißt. Von einer Band namens Motörhead auf einem Album namens "Motörhead". Wenn man da nicht bei Black Sabbath abgekupfert hat. Der Beste Song hier ist definitiv "White Line Fever". Klingt für mich am ehesten nach Heavy Psych. Es ist euch offengelassen, um welche weißen Linien es hier geht. Aber ich glaube, das könnt ihr euch schon denken. 

Meiner Meinung nach nach ein gutes Album, vor allem wegen seiner Lo-Fi-ness, dem Gefühl dass alles irgendwie nach dem ersten Take aufgenommen wurde oder an einem Tag. Tatsächlich waren es einige wenige Tage. Allerdings ist es, trotzdem nicht das beste was Motörhead jemals gemacht haben. Es geht definitiv noch besser. 

7/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: White Line Fever, The Watcher, The Train Kept A-Rollin'




und nun sind wir beim 23. und somit letzten Studioalbum angekommen. Es heißt

Bad Magic (2015)

Ich könnte jetzt so schlechte Witze machen und sagen "Ha, kaum habe ich es angemacht, klingt es nach Motörhead". Aber ich mache das nicht. Auch die Behauptung "Das ist zwar ihr letztes Album, könnte aber gleichzeitig das erste sein" stimmt nicht. "Bad Magic" klingt definitiv nicht wie "Motörhead" sondern zeigt 40 Jahre Bandentwicklung. Ob es einem gefällt oder nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Auf "Bad Magic" ist nichts mehr von irgendeinem "Heavy Psych" oder "Space Rock"-Einfluß zu hören. Stattdessen genau das, wofür die Band berühmt wurde. Heavy Rock'N'Roll mit hier und da

eingestreuten Soli, einer noch mehr nach Whiskey und Zigarette klingenden Stimme von Lemmy Kilmister, Schlagzeugspiel von Mikkey Dee und ein gewisser Phil Campbell an der Gitarre (seit 1983). Die Besetzung ist also eine (bis auf Lemmy) komplett andere. Das liegt aber nicht daran, dass Lemmy für jedes Album alles ausgetauscht hat - es hat sich alles, meines Wissens nach, organisch entwickelt.

Jedenfalls ist das hier schon ein geiles Stück Musik. Allerdings muss man dabei beachten, dass trotz der Tatsache dass irgendwelche Hater behaupten es würde hier "alles gleich" klingen, man tatsächlich einer gewissen Formel treu bleibt. Songs die um die drei Minuten lang sind, rauer Gesang, schnelle Riffs, donnerndes Schlagzeugspiel und Texte über...naja die Titel sind selbst erklärend: Victory or Die, Shoot Out All Your Lights, Teach Them How To Bleed. "Don't tell me who I am, I don't give a damn" ("Electricity") heißt es dann zum Beispiel. Und ich mein, es funktioniert. Es ist catchy, man kriegt mich dazu meinen Kopf zu nicken und mit meinem Fuß zu wippen. "Till the End" ist eine großartige, langsame Überraschung. Es ist halt Motörhead. Aber ich werde an der Stelle beichten und sagen, dass es wahrscheinlich nicht mein Lieblingsalbum ist. Da ist mir doch zu viel Formel dahinter. Höchstwahrscheinlich liegen die wahren Perlen irgendwo zwischen "Motörhead" und "Bad Magic". (Zum Beispiel "Orgasmatron"!).

Anspieltipps: Till the End, Electricity, Sympathy for the Devil (Rolling Stones)
7/10 Pfandflaschen


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Ulver Discography: A Quick Fix Of Melancholy EP (2003)

Rausgekommen zwischen dem Soundtrack zu "Lyckantropen" und dem Soundtrack zu "Svidd Neger". Das nächste "richtige" Album, was danach kommt ist "Blood Inside". 

Lange Rede, kurzer Sinn: Vier Songs. "Little Blue Bird", "Doom Sticks", "Vowels", "Eitttlane". Definitiv eine andere Richtung als die EPs davor. Es ist nicht nur Ambient sondern gleichzeitig auch irgendwie Neo-Klassik. Jedenfalls singt Kristofer Rygg hier auf eine opernhafte Art und Weise. Ich

glaube, dass dazu aber auch noch entsprechender Gesang gesamplet wurde, finde allerdings keinerlei Angaben dazu.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, wie genau ich dieses Album in meinem Kopf einordnen sollte. Es ist nicht tanzbar, es ist nicht "schwer" oder "verstörend". Im Grunde genommen ein durchaus seichtes Werk, dass nach einer experimentellen Opfer klingt.

Irgendwie erinnert mich das Ganze entweder an Enya oder an Lingua Ignota plus irgendwas anderes, was ich jetzt gerade nicht kategorisieren kann. Mir gefällt es aber und zeigt mir mal wieder dass Ulver irgendwie nichts wirklich falsch machen können.

Anspieltipps: Alles.
8/10 Pfandflaschen




Mittwoch, 9. September 2026

Film der Woche#695: Eliminators (1986)

Ich habe mal wieder keinen blassen Schimmer, wie ich auf diesen Film gekommen bin. Wahrscheinlich war es irgendein Instagram-Post der irgendwelche trashigen Filme behandelt hat, oder so. Jedenfalls war das hier eine sehr sehr wilde Fahrt und ich habe jede Minute davon genossen.

"Eliminators" erzählt die Geschichte eines "Mandroiden" (also eines Cyborgs), der später immer nur John (Patrick Reynolds) genannt wird. Dieser war einst ein Flugzeugpilot, der irgendwo in Südamerika eine Bruchlandung erlitten hat - und diese nicht überlebt hat. Ein machthungriger Wissenschaftler namens Abbott Reeves (Roy Dotrice) hat seinen Körper aufgegriffen und aus ihn einen Cyborg gemacht

- der für ihn in einer neuartigen Zeitmaschine durch die Zeit reist und äh Artefakte stiehlt. Zu Beginn des Films ist er im Antiken Rom und kämpft dort gegen römische Soldaten. Nach seiner letzten Mission scheint seine Aufgabe erfüllt zu sein und Reeves befiehlt seinem untergebenen Dr. Takada (Tad Horino) den Mandroid auseinander zu bauen und somit "einzuschläfern". Takada hat ein schlechtes Gewissen und hilft ihm, zu fliehen. Bei der Flucht wird Takada von Reeves Schergen erschossen. Der Mandroid kommt in den USA an um dort Hilfe von Colonel Nora Hunter (Denise Crosby) zu suchen. Hunter erkennt, dass John eigentlich tot ist und dass sich in ihm drin Technik befindet, die sie entwickelt hat und die von Reeves gestohlen wurde. Nach einigem hin und her, beschließen sie gemeinsam zurück nach Südamerika zu reisen um dort Reeves in seiner Festung zu stellen (und vllt. auch zu töten). Kaum angekommen, heißt es dass sie eine Art Reiseführer brauchen. Diesen finden sie in der Gestalt von Harry Fontana (Andrew Prine), einen Abenteurer und Bootsbesitzer. Begleitet werde sie übrigens von Noras intelligenten fliegenden kleinen Roboter und achja sie treffen auch auf Dr. Takadas Sohn Kuji (Conan Lee), der ein Ninja ist.

Um Harry Fontana indirekt zu zitieren: "Was ist das hier? Ein Comic? Wir haben hier Roboter, Neandertaler...Ninjas". Es ist ein Bisschen wie "Fast and Furious". Ein Kind hätte sich das ausdenken können. Bloß, dass eine klitzekleine ernsthafte Note dabei ist. Der gecrashte Pilot, der tot war und sich an seine Frau und Kind erinnern kann und weiß dass er so nicht weiter leben darf und am liebsten sterben würde. Ansonsten ist das eine Mischung aus "Romancing The Stone" (diesem einen Indiana Jones Ripoff) und äh...Terminator. Schließlich geht es um ein Abenteuer mit Hüten und Booten und äh auch um Zeitreisen und Cyborgs. Dabei will ein Bösewicht tatsächlich in der Zeit zurück reisen und den Lauf der Geschichte beeinflussen. Er will sich zum Cäsar machen. Es scheint fast so als hätte man sich die Story am laufenden Band ausgedacht - wäre da nicht irgendein Budget und eine gewisse Vorplanung nötig gewesen. Man ist in Mexico unterwegs, fährt Boot, lernt einen Neandertaler-Stamm kennen der durch eine Zeitreise hier gelandet ist. Es gibt einen piependen fliegenden kleinen Roboter und einen draufgängerischen, schmierigen Typen der das Herz am rechten Fleck hat. Also quasi wie Indiana Jones, Star Wars, Terminator und irgendwelche Kung Fu Filme in einem. Gegen Ende wird die Handlung noch absurder, aber ich spoiler mal lieber nicht. Jedenfalls ist das hier absolut großartige, völlig meschuggene Unterhaltung, die (größtenteils) harmloser nicht sein könnte. Ich will nicht mal sagen, dass der Film so schlecht ist, dass er wieder gut ist. Ich habe mich köstlichst amüsiert.

7,5/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 8. September 2026

Comic Book Review#693: Batman: A Death In The Family (2011)

Wieder mal eine Leihgabe von Kollegen M. Vielen Dank dafür. Es handelt sich um ein 2011 erschienenes Sammelband, welches die Ausgaben 426-429 als auch 440-442 von "Batman" als auch 60-61 von "The New Titans" beinhaltet. Dabei geht es um zwei Storylines: "A Death In The Family" und "A Lonely Place Of Dying". 

Den Anfang macht "A Death In The Family": Nachdem Dick Grayson nicht mehr Robin ist und die Identität von Nightwing angenommen hat, wurde das Waisenkind Jason Todd was einst von Batman beim versuchten Diebstahl der Reifen des Batmobils gestört wurde, selbst zu Robin. Der Junge hatte ein ähnliches Schicksal wie Dick Grayson. Beide Elternteile tot, allerdings nicht bei einem Anschlag. So musste er in einem verlassenen Haus wohnen und irgendwie überleben. Nachdem Bruce Wayne ihn

dann offiziell adoptiert hat, dauerte es nicht lange bis er mit zunehmenden Alter irgendwann zu Batmans Partner wurde. Allerdings ist er von seiner Art wesentlich anders als Dick Grayson gewesen. Jason Todd war sehr rebellisch und ungehorsam. Das kriegen wir bereits zu Beginn der Story mit, als er beinahe eine gemeinsame Operation mit der Polizei vereitelt. Batman/Bruce Wayne ist definitiv sauer. Jason geht daraufhin in seine alte Nachbarschaft und kriegt von einer ehemaligen Nachbarin lauter Sachen von seinem verstorbenen Vater überreicht. Dabei findet er raus, dass die Frau die sein Leben lang seine Mutter war, tatsächlich nicht mit ihm verwandt war. Der Name der leiblichen Mutter beginnt mit S. So recherchiert Jason im Adressbuch seines Vaters und findet drei Frauen, die inzwischen in Libanon und Äthiopien leben. Er begibt sich auf die Suche, ganz allein, unabhängig von Batman. Letztgenannter folgt allerdings ebenfalls dort hin - nämlich der Spur des Jokers. Der weißhäutige Schurke ist wieder mal aus dem Arkham Asylum ausgebrochen und plant eine überaus tödliche, nicht registrierte Waffe an eine bestimmte Miliz zu verkaufen (der Name beginnt mit H). So treffen Bruce/Batman und Jason/Robin im Nahen Osten aufeinander und arbeiten wieder zusammen um einerseits den Joker als auch Jasons Mutter zu finden. Es könnte eine israelische Agentin sein oder eine Assassinin oder eine Frau die für ein Hilfswerk der UN in Äthiopien arbeitet. Es kommt, wie es kommen muss. In Äthiopien wird Jason von Joker umgebracht - was übrigens das Ergebnis eines Televotings der Leser von DC gewesen ist. Sie haben per Telefon abgestimmt ob der Junge leben darf oder sterben muss. Scheinbar konnte ihn keiner leiden. Jedenfalls ist das Alternativende zur Storyline hier auch dabei.

In "A Lonely Place Of Dying", die nicht direkt im Anschluss spielt geht es um den direkten Nachfolger von Jason. Ein Junge namens Tim Drake, der einst selbst Zeuge wurde wie Dick Graysons Eltern im Zirkus gestorben sind ist etwas auf der Spur. Der junge Hobbydetektiv (dessen Eltern übrigens Leben) ist der Meinung dass Batman in letzter Zeit wesentlich aggressiver und gewalttätiger auftritt. Er hat eins und eins zusammen gezählt und weiß nun dass Bruce Wayne Batman ist und Dick Grayson Robin war. Da zwischenzeitlich ein neuer Robin (Jason Todd, der damals von Bruce Wayne adoptiert wurde) auf- und wieder abgetaucht ist - Jason Todd offiziell als tot gilt und Batman nun wieder alleine ist, macht die Gleichung für ihn noch mehr Sinn. Tim sucht nach Dick Grayson um ihm mitzuteilen, dass er Batman helfen soll wieder auf die Beine zu kommen. Dieser braucht seiner Meinung nach unbedingt einen Robin um seine menschliche Seite zu bewahren. Dick selbst ist wieder in Sachen Zirkus unterwegs. Irgendjemand versucht nämlich den alten Haley Zirkus von innen zu sabotieren. Also versucht er rauszufinden, wer es denn ist. Batman hingegen versucht Two-Face aus der Reserve zu locken, der offenbar einen weiteren Anschlag oder irgendwas anderes plant.

Zwei Geschichten, die es wahrlich in sich haben. Zunächst mal geht es um Verlust. Jason hat nie seine richtige Mutter kennen gelernt und ist auf der Suche nach ihr bzw. seinen Wurzeln. Er hofft sehr, sie zu finden und endlich Frieden mit sich selbst zu schließen. Bruce ist zwar besorgt, doch kann sein Vorhaben nachvollziehen - auch wenn er über den Alleingang durchaus leicht verärgert ist. Es geht auch um Bruces Verlust. Er kann mit dem Tod Jasons wirklich sehr schlecht umgehen und wird zunehmend aggressiver und skrupelloser. Es ist seine, schlechte, Art Dinge zu verarbeiten. Weiterhin geht es um die Frage "Braucht Batman wirklich unbedingt einen Robin?" bzw. "Ist ein weiterer junger Sidekick an seiner Seite tatsächlich die beste Art einen solch schweren Verlust zu verarbeiten?". Dabei fungiert Tim Drake als eine Art Chance, alles wieder gut zu machen. Der Junge möchte, tief im Innern, selbst Robin sein - Bruce realisiert aber irgendwann dass er durch das "Engagement" von Kindern als "Soldaten" einen erheblichen Fehler gemacht hat. Er hat die Leben von Dick und Jason gefährdet. Dazu kommt noch der Joker als Diplomat der Islamischen Republik Iran, der unantastbar ist und niemals bestraft werden kann. Hilflosigkeit macht sich breit, die dann in Aggression mündet. Eine zutiefst traurige Geschichte, die jedoch ein Licht am Ende des Tunnels zeigt. Geschrieben von Jim Starlin und Marv Wolfman, gezeichnet von George Peréz, Jim Aparo und Tom Grummett.

9/10 Pfandflaschen
Hier ein Video dazu von Captain Away:



Montag, 7. September 2026

Album der Woche#697: Fear Factory - Archetype (2004)

Ich kann mich grob erinnern vor ca. 22 Jahren ein Review zu diesem Album in einer Ausgabe der Musikzeitschrift VISIONS gelesen zu haben. Der Reviewer hat kein gutes Wort darüber verloren. Aber irgendwie hat mich das gereizt. 3/10 Punkte also. Ich dachte mir damals: "Aber ich kenne die Band doch und sie sind doch gar nicht schlecht." Tatsächlich kannte ich FF schon damals vom Fernsehen und war etwas verwirrt warum sie so wenig Punkte bekommen. 


Ich weiß aus heutiger Sicht nicht ob es das letzte gute Album von FF ist oder ob danach noch vllt. 1-2 Banger kommen. Es ist das erste Album ohne Dino Cazares, bei welchem Christian Olde Wolbers sowohl Bass als auch Gitarre bedient. Ansonsten sind wir beim gleichen Line-Up: Burton C. Bell am Gesang und Raymond Herrera an den Drums. Live wurde die Band von Byron Stroud am Bass unterstützt. 

Was ich tatsächlich nicht gut finde, ist das Artwork. Also.... naja es hat einen faden Beigeschmack. Ich weiß dass ab diesem Zeitpunkt Fear Factory nichts anderes eingefallen ist. Jedes Album nach "Archetype" hatte ein Artwork welches zwei Fs gezeigt hat. In verschiedenen Formen. Das wurde irgendwann ziemlich langweilig, glaube ich.

Ansonsten haben wir ein ähnliches Schema wie bei den vorherigen Alben. Groove Metal mit Industrial Kante und cleanen als auch wütenden leicht-gutturalen Vocals. Es geht um das Internet ("Cyberwaste") bzw. die Menschen die da drin sitzen und andere Menschen bedrohen und naja irgendwie auch wieder um den Menschen in einer technisch hochentwickelten Welt. "Archetype" ist tatsächlich ein Diss gegen Dino Cazares. Er wird darin indirekt als "Infektion" bezeichnet und dass die "Seele der Maschinen" nun sich verbessert hat. Nicht nur ist es eine direkte Anspielung auf das erste Album "Soul Of A New Machine" sondern tatsächlich eine echt derbe Beleidigung. Wer bezeichnet schon andere Menschen als Krankheiten/Infektionen. Geez. Ich glaube, in "Corporate Cloning" geht es um geschmacklose Musik, die von der Industrie immer wieder kopiert und verwertet wird. Man schafft es also diesen Gedanken über Industrialisierung/Menschenverwertung in einer Maschinenwelt beizubehalten - es diesmal nicht nur als Storytelling-Methode zu benutzen sondern als Metapher. 

Der Unterschied zu den anderen Alben ist folgender: "Archetype" ist wesentlich cleaner, weniger aggressiv und man könnte fast schon sagen "weicher". Das macht es nicht schlechter - allerdings stellt sich dann die Frage: Wie zur Hölle machen die danach weiter? Weil wenn es genauso weiter geht und jedes Album sich so anhört, wird es ganz schön langweilig. Es ist ein Banger, der allerdings nicht ganz an die bisherigen Vorgänger rankommt.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Archetype, Slave Labor, Corporate Clothing




Donnerstag, 3. September 2026

Film der Woche#694: Mandy (2018)

Ich weiß gar nicht wie es dazu kam, dass dieser Film auf meiner To-Watch-List gelandet ist. Tatsächlich steht da "Mandy (Panos Cosmatos)", weil es scheinbar mehrere Filme gibt, die "Mandy" heißen. Worauf ich mich da einlasse, wusste ich allerdings überhaupt nicht mehr. Also war es eine ganz schöne Überraschung für mich, als ich mir den Film reingezogen habe.


Wir befinden uns im Jahre 1983. Irgendwo in den Shadow Mountains in der Mojave-Wüste, Kalifornien. Die Tankstellenverkäuferin und Künstlerin Mandy Bloom (Andrea Riseborough) und ihr Freund, der Holzfäller Red Miller (Nicolas Cage) leben gemeinsam in einer Hütte. Ihr Leben ist relativ bescheiden und ruhig. Eines Tages fällt Andrea ins Auge eines "charismatischen" Sektenführers namens Jeremiah Sand (Linus Roache). Er selbst ist ein gescheiterter Musiker, der heftig auf irgendwelchen Opioiden hängengeblieben ist - und Anführer einer Gruppe von Menschen, die ihn anhimmeln. Also, einer Sekte. Der Name ist "Children of the New Dawn". Es geht irgendwie um Jesus aber auch um Jeremiah als Mittelpunkt des Lebens oder so. Jedenfalls sieht Jeremiah Mandy eines Tages als seine ganze Sippe mit ihrem Auto an ihr vorbeifährt. Sie fällt ihm sofort auf und er möchte sie für sich haben. Eines Tages beauftragt die Sekte eine Gruppe von dämonisch(wirkend)en Bikern ins Haus von Bloom und Miller einzudringen. Miller wird gefesselt, Bloom unter Drogen gesetzt. Als Jeremiah versucht Mandy von sich zu überzeugen, klappt das allerdings gar nicht. Sie lacht ihn aus. Aus Rache wird sie von seinen Anhängern verprügelt, in ein Sack gesteckt, mit Benzin übergossen und angezündet. Alles vor den Augen, des gefesselten und aufgehängten Red. Nachdem die Sektenanhänger weggefahren sind, befreit sich Red und sucht sich Hilfe in Gestalt seines Freundes Caruthers (Bill Duke), der ihn Pfeile und eine Armbrust gibt. Red startet daraufhin einen Rachefeldzug. Zunächst erledigt er die Biker und macht sich daraufhin auf dem Weg alle Sektenmitglieder zu töten.

Der Film ist in drei Segmente unterteilt, die die Handlung zwar miteinander verbinden, jedoch ganz klar stilistisch unterschiedlich sind. So kriegen wir zuerst den Eindruck, dass Mandy wahrscheinlich von einer Sekte entführt wird und evtl. wird Red kämpfen, um ihr Leben zu retten usw. Dass der Film zu einem barbarischen Vergnügen wird, das hat man so gar nicht im Sinn. Dass dann irgendwann eine Axt geschmiedet wird, die auf dem Buchstaben "F" aus dem Logo von Celtic Frost basiert und ordentlich auf die Kacke gehauen wird. Köpfe abgehackt werden. Die Umgebung zu einem wilden LSD-Traum wird, der an diese Wüsten-Landschaft im Anime "Fist of the Northstar" erinnert. "Mandy" lässt sich Zeit, um eine zuerst ruhige und angenehme Geschichte zu erzählen - die dann langsam zu einer sogenannten "Tour de Force" wird. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die dargestellte Gewalt nicht voyeuristisch rüberkommt sondern einfach "hart und brutal". Es ist kein Folterporno - viel eher krieg ich bei den dargestellten Bildern eine Wut und das Bedürfnis Cage anzufeuern, er solle die Wichser alle kriegen. Und genau dafür ist der Mann auch gut. Er ist vor der Kamera einfach nur googoogaga und er kann das gut. Verzweifelte, wütende und "durchgeknallte" Menschen darstellen. Dazu kommt noch der Soundtrack von Johann Johannsson als auch Gitarristen Stephen O'Malley (Sunn O)))) und Produzenten Randall Dunn. Zu Beginn des Films hören wir den Song "Starless" von King Crimson. Es ist alles super stimmig - die Handlung, die Musik, das "Bühnenbild", die Farben, die Kostüme der Biker (die mich an die Cenobites aus "Hellraiser" erinnern). Es stimmt alles. Großartiger Film, ehrlich.

8,5/10 Pfandflaschen
Trailer: 


Mittwoch, 2. September 2026

Comic Book Review#692: Batman'89: Echoes#1-6 (2024-2025)

Ich wollte ja irgendwann "Batman'89" komplett reviewt haben. Tatsächlich habe ich vor einigen Jahren, als es noch "Comics Monthly" gab nur die erste Ausgabe reviewt. Irgendwie habe ich es vergessen, und das obwohl ich die erste Reihe gelesen und im Regal stehen habe. Falls ihr euch fragt, was damals

passiert ist, so klickt hier. Das hier ist die zweite Miniserie, die auf den beiden Tim Burton Filmen "Batman" und "Batman Returns" basiert. Es ist quasi schon die zweite Comic-Fortführung der Idee "was wäre wenn Batman Forever und Batman & Robin nie passiert wären". Oder so in der Art. Eigentlich ist es die Umsetzung der ursprünglichen Ideen, die von Warner Brothers verworfen wurden. Recycling quasi. Aber in gut.


"Echoes" spielt zwei Jahre nach dem Verschwinden des Dunklen Ritters. Er hat ein riesiges Loch hinterlassen, das von mehreren Nachahmern versucht wird zu füllen. Ein solcher Nachahmer wird von einem Straßenräuber angeschossen und stirbt. Barbara Gordon ist nach dem Tod ihres Vaters, Commisioner Gordon nun selbst Chefin der Gothamer Polizei und hofft, Batman irgendwie irgendwo zu finden. Doctor Harleen Quinzell hingegen ist eine aufstrebende Psychotherapeutin die schon bald ihre eigene Sendung im Fernsehen bekommen soll. Als eine Sondersendung mit ihr abgebrochen wird, ist sie fürchterlich sauer. Der Grund für die Unterbrechung ist folgender: Die Gothamer Special Forces der Polizei haben Firefly gefunden. Den Bösewicht der dafür bekannt war, alles mögliche in Brand zu setzen. Man nimmt ihn tatsächlich fest und verfrachtet ihn ins Arkham Asylum. Der gemeine Leser stellt dann fest, wer hinter der Maske von Firefly steckt. Und zwar jemand der Bruce Wayne (der hier natürlich aussieht wie Michael Keaton) verdächtig ähnlich ist. Ach was sage ich, natürlich ist es Bruce Wayne aka Batman. Doch was macht er hier? Nun, wenn man eins und eins zusammen zählt kann es sich natürlich nur um eine verdeckte Ermittlung handeln. Irgendjemand im Arkham Asylum ist in Besitz von einer höchst gefährlichen Waffe, die einst von Wayne Enterprises entwickelt wurde. 

Manch einer würde sich fragen, was das denn bitte soll? Das steht Batman vorne drauf, aber wir kriegen nicht so viel Batman zu sehen. Tatsächlich wird das modernisierte Bat-Kostüm eher spärlich eingesetzt. Aber sei's drum. Was wir viel mehr bekommen ist interessantes World Building. Die Idee einer von Robin angeführten Gruppe namens "Nightwings" ist auch nicht ganz neu, aber logisch. Wenn Batman nicht da ist, wird Robin zum Anführer. Auch die Hintergrundstories der in Arkham ansäßigen "Bösewichte" sind interessant. Sie haben vor allem eine Sache gemeinsam, die ich nicht verraten werde. Was ich ebenfalls spannend finde ist die Rolle Bruce Waynes als verdeckter Ermittler, der selbst mit eigenen Ängsten konfrontiert wird. Darüber hinaus gefallen mir die durchaus realistischen Zeichnungen und die Prise Humor: "Was hat vier Beine und lässt dich "GNNNYAAAAHHH" machen?" "Mmm. Weiss nicht." 'N Stuhl!" "'N Stuhl?" "Den kapier ich ni--" (Character kriegt einen Stuhl über den Kopf gebraten und schreit "GNNNYAAAGHHH!").

8,5/10 Pfandflaschen
Made by: Sam Hamm, Joe Quinones, Stacey Lee
Video von Superhero Stuff You Should Know:



Dienstag, 1. September 2026

Album der Woche#696: Napalm Death - Scum (1987)

Eigentlich hat dieses Album erst kürzlich ein Review bekommen. Allerdings ein eher kürzeres, in Rahmen einer Reviewreihe über meine .mp3-Sammlung. Bei "N" war halt "Scum" von Napalm Death, unter anderem. Aber ich finde, es hat ein ausführlicheres Review verdient.

Zunächst mal das Cover: Das Gemälde welches eine afrikanische Familie zeigt die auf einem Berg von Schädeln steht und umringt von Vertretern von verschiedenen multinationalen Firmen ist, stammt von niemand anderen als Jeff Walker - Sänger und Bassist von Carcass.


Die A- und B-Seiten des Albums könnten unterschiedlicher nichts ein. Zumindest wenn man Fan der Band ist. Die A-Seite besteht aus Aufnahmen die teilweise ursprünglich auf dem "Hatred Surge"-Demotape erschienen sind und teilweise auf Ideen von Justin Broadrick (damals noch Gitarrist) aus dem Jahr 1983. Es ist auch ein komplett anderes Line-Up (okay, beinahe) als auf der B-Seite. Zusammengefasst - Seite A: Nik Bullen (voc, b), Justin Broadrick (guit, voc) und Mick Harris an den Drums der den Begriff "Grindcore" überhaupt erst ins Leben gerufen hat. Hört sich an wie eine härtere Variante von damals bekannten Anarcho Punk Bands wie The Varukers. Es ist im Grunde genommen Hardcore Punk auf Steroiden. Völlig durchgeknallte Blastbeats, primitives Riffing und ein Sänger der sich anhört wie äh *checks notes* *seufzt* jemand der die Treppe runterfällt und dabei britisches Essen verspeist. Übrigens ist das Line-Up nicht mal das Original-Line-Up. Nik Bullen ist da schon das einzige Originalmitglied. Am Ende der Seite findet sich übrigens auch das Lied "You Suffer", das wohl kürzeste Lied der Welt mit dem wirklich tiefgründigen (keine Ironie!) Text "You suffer, but why?". Ich bin außerdem der Meinung dass die deutschen D-Beat-Legenden Recharge bei "Siege of Power" geklaut haben. Ich weiß allerdings nicht wie das deutschsprachige Pendant dazu heißt. 

Zwischen Seite A und B vergeht fast ein Jahr. Es gab interne Spannungen in der Band und so kam es zu Ausstiegen. Ursprünglich war Seite A als ein weiteres Demotape gedacht. Lirum larum: Ein gewisser Digby Pearson vom frisch gegründeten Label Earache Records wollte ein Album von Napalm Death rausbringen. Dieser war am Ende auch in Besitz der ursprünglichen Aufnahmen. Die Band war aber nicht mehr die gleiche. Sie bestand aus Mick Harris (weiterhin Drums), Bill Steer (git), Jim Whitely (b) und Lee Dorrian (voc). Übrigens: Niemand von den beiden Line-Ups spielt heutzutage bei Napalm Death. Wie auch immer: Mit dem Line-Up-Wechsel ändert sich auch der Stil. Die Band orientiert sich zwar textlich immer noch an Hardcore Punk, tendiert aber dazu sowas wie eine Mischung daraus und extremen Formen von Metal zu machen. Also wenn man schon differenzieren möchte könnte man vielleicht sagen dies wäre eine unfassbar primitive, ultrabrutale Form des Metals die jedoch keine ist. Weil eigentlich ist das Punk, der in eine völlig merkwürdige Richtung abdriftet. Super kurze Songs, noch weniger verständlicher Gesang. Diesmal hören wir zwar auch den Bauerngesang (wie bei Nik Bullen damals) allerdings viel mehr Gekreische. Insgesamt also 28 Songs in 33 Minuten. Texte über "multinational corporations", den "Wert des Menschen im Kapitalismus" und alles andere was ihr so von gewissen Crust Punk Bands so kennt. Ich bin immer noch fasziniert darüber, wie geil dieses Album ist. Wie stumpf und gleichzeitig so bahnbrechend. Essenziell.

9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: You Suffer, Instinct of Survival, Scum, Divine Death, Moral Crusade


Montag, 31. August 2026

Happenings des Monats: August'26

Stricher guckt sich "Spider-Man: Brand New Day" an am 02.08.2026 mit Genosse M. und Kollege M. in Filmwelt Herne

Streitet euch ruhig wer von euch beiden Genosse und wer Kollege ist. Ist mir egal lel. Jedenfalls ist es schon fast ein Monat her, dass ich vor lauter Stress und Klausurvorbereitungen vergessen habe, darüber zu schreiben. Jedenfalls, here it goes. Aber vorher eine

SPOILERWARNUNG SPOILERWARNUNG SPOILERWARNUNG SPOILERWARNUNG







Wir befinden uns also im mittlerweile 38.(ernsthaft jetzt?!) Film des "Marvel Cinematic Universe" und gleichzeitig vier Jahre nach den Ereignissen in "Spider-Man: No Way Home". Nachdem die ganze Welt durch einen Zauberspruch von Doctor Strange vergessen hat, dass Peter Parker (Tom Holland) tatsächlich Spider-Man ist - inklusive seiner Freundin MJ (Zendaya) und seines besten Freundes Ned Leeds (Jacob Batalon) agiert der junge Mann als "Superheld im Untergrund". Er ist weder Teil der Avengers noch irgendeiner anderen Superheldencrew noch Teil von irgendeinem wichtigen kosmischen Ereignis. Er ist ein stinknormaler Street Level Superhero der gegen Bösewichte kämpft wie Tombstone (Marvin "Krondon" Jones III), Scorpion (Michael Mando), Ramrod oder Boomerang. Bei den Bewohnern New Yorks ist er äußerst beliebt. Zudem arbeitet er mit Detective Jean DeWolff (Liza Colón-Zayas) zusammen, die ihn sehr schätzt. Ihm wurde sogar mal der Schlüssel zur Stadt New York übergeben. Doch gleichzeitig ist er einsam und alleine und beobachtet heimlich die Livestreams von Ned und MJ, die wie schon gesagt, nicht mehr wissen wer er ist. Relativ kurz nach der Einleitung des Films passiert folgendes: Ein Panzerwagen fährt scheinbar unkontrolliert durch New York. Spidey versucht ihn aufzuhalten, der Punisher Frank Castle (Jon Bernthal) tatsächlich auch. Allerdings sind die Methoden der beiden durchaus unterschiedlich. Der Wagen rast direkt zum Gebäude der "Department of
Damage Control", die es sich zur Aufgabe gemacht hat Superschurken gefangen zu nehmen. Im Panzerwagen sitzt eine ältere verwirrte Frau am Steuer, die offensichtlich nicht weiß, wie sie dahin gekommen ist. Peter stellt schnell fest, dass irgendwas oder irgendwer der von Körper zu Körper springen kann für den Angriff verantwortlich ist. So befreit dieses Wesen/dieser Mensch Scorpion, der gerade dabei war in ein Hochsicherheitsgefängnis transportiert zu werden (oder so). Was das Ziel ist und welche Hintergründe für diese Aktionen existiert, weiß keiner. Peter stürzt sich in Detektivarbeit und findet durch Yelena Belova (Florence Pugh) aka Black Widow heraus, dass es nicht der erste Angriff ist. Dazu kommt noch, dass Peters Körper sich verändert. Er mutiert scheinbar weiter und wacht eines morgens in einem Kokon aus Spinnenweben auf - dabei kann er plötzlich Spinnennetze aus seinen Handgelenken schießen.

Es gab viel Wirbel um den Film im Vorfeld. Man vermutete, es wäre der Spider-Man-Film mit den meisten Bösewichten/Gegenspielern. Tatsächlich sind die Auftritte von Ramrod, Tombstone, Boomerang, Tarantula oder Gruppierung "The Hand" eher sowas wie extended Cameos. Einzig Scorpion ist länger zu sehen. Der Fokus liegt hier nicht auf irgendwelchen klassischen Spider-Man-Gegnern sondern auf dem klassischen Trope der "wichtigen Behörde, die eigentlich gar nicht so cool ist und finstere Ziele" verfolgt. Dazu kommt noch ein klassisches Spider-Man-Team-Up mit dem Punisher - klassisch weil "ungleich und ungleich gesellt sich gern". Außerdem noch ein (großer) Ausblick in die Zukunft des Marvel-Films, die bei den X-Men liegt. So viel habe ich schon mal verraten, ohne zu viel zu verraten. Aber wahrscheinlich wisst ihr schon eh, was hier passiert. Jedenfalls schafft "Brand New Day" mehrere Sachen gleichzeitig: Eine coole und interessante Story zu erzählen (die meinetwegen schon auf ähnliche Weise schon mal stattgefunden hat) und nicht zu viel Fan-Service zu bieten. Gleichzeitig gefällt mir die Idee, Spider-Man zu einem "grounded, street level Superhero" zu machen ohne ihn bis an sein Lebensende todunglücklich zu machen. Scheinbar ist es das Erfolgsrezept bei Marvel gewesen, schon seit Jahrzehnten. Doch hier ist es irgendwie anders. Zwar ist Peter super traurig, dass sein vorheriges Leben nicht mehr existiert - doch er findet irgendwie einen Weg daraus. Ich finde, dieser Film findet erfolgreich den Weg zurück in das ursprüngliche Spider-Man-Schema. Nämlich ganz ohne Weltraumabenteuer oder irgendeinen Thanos oder irgendeiner superkrassen Multiverse-Geschichte. Nach den ersten beiden Sam-Raimi-Filmen ist das hier wohl der beste Spider-Man-Film. Bis jetzt.

8,75/10 Pfandflaschen
Trailer:



MIDNIGHT + SPECTRAL WOUND am 10.08.2026 in Junkyard Dortmund

Es geht scheinbar kaum ein "Happenings des Monats" ohne ein Bisschen Meddl. Ergo, here it goes. Habe mich seit Monaten darauf gefreut, endlich mal wieder Midnight zu sehen. Dabei habe ich das schon zwei Mal getan. Doch es reichte natürlich nicht. Diesmal waren Midnight auf Tour um das fünfzehnjährige Jubiläum ihres Albums "Satanic Royalty" zu feiern. Und eigentlich waren Phantom Corporation als Vorband, doch aufgrund des Bahn-Chaos und meines Später-Ankommens konnte ich sie leider nicht sehen.


Darum war die erste Band des Abends für mich Spectral Wound. Ich kannte sie schon seit geraumer Zeit und war Fan dieses Albumcovers, dass mich entfernt daran erinnert wie jemand eine Ballerina-Pose mit einem weißen Schuh auf einem schwarzen Tisch macht. Dabei ist es gar nicht auf dem Cover zu sehen sondern irgendein Schädel. Wer weiß, wieso ich diese Assoziation habe. Keine Ahnung. Jedenfalls war ich an dem Abend zwar irgendwie fit, war aber vorher auf der Cranger Kirmes und habe dementsprechend schon einiges erlebt. Also stand ich da rum in einer Ecke, gab mir diese furiosen, großartigen, vielleicht nicht ganz trven Black Metal und meine Gedanken wanderten umher, hierhin und dahin und wieso ist das so und das andere so und nicht anders und was muss ich noch so machen. Ich weiß nicht ob mein Gehirn so gestresst ist, dass es damit versucht sich zu entspannen oder ob ich mich tatsächlich wohl fühle auf dem Konzert und es die Art des Gehirns ist das Wohlsein auszudrücken. Keine Ahnung. Jedenfalls war der Auftritt zwar relativ kurz, aber bombastisch. Im Gegensatz zu Midnight machen Spectral Wound keinen Black'N'Roll sondern straighten Black Metal der neuen Art (ohne "Post-" in der Genrebezeichnung). Es ist ein konstanter Lärmteppich der mich umgibt. Es ist sehr schön.

In der Pause begebe ich mich nach vorne und stelle mich rechts hin, sodass ich alles von der Seite beobachten kann. Nach einem kurzen Intro kommen endlich Midnight auf die Bühne. Alle drei gekleidet in Lederkluft, Ketten, Patronengürtel und natürlich diese Strumpfmasken über den Gesichtern. Sie spielen das Album "Satanic Royalty" in Gänze. Sie interagieren mit dem Publikum, was wahrscheinlich für sie auch leichter fällt, weil man ihre Gesichter nicht sehen kann. Zumindest hätte ich dabei weniger Hemmungen. Ich kenne leider die Songs von "Satanic Royalty" so gar nicht. Stellt euch vor, ihr hört immer wieder Musik und holt was nach aber für irgendwas bleibt einfach keine Zeit. Die Songs daraus sind wesentlich simpler, punkrockiger und schneller als das spätere Material. Zum Glück spielen sie danach noch "Fucking Speed and Darkness", das ich tatsächlich kenne und mitsingen kann. Es gibt keine Zugabe, allerdings kommen die Mitglieder hinterher zurück und fassen alle in der ersten Reihe mit ihren schwitzigen Händen an. Irgendwie cool und unerwartet - ist mir auch nicht so unangenehm, schließlich kann ich mir ja später die Arme waschen.

Anyways: Super angenehme Band, ganz und gar ohne jegliche Rockstarattitüden, die mit dem Publikum auf einer Ebene ist. Ganz schön Punkrock ganz und gar ohne irgendeine trveness. Mir gefiel außerdem die Aussage nach dem Motto "Scheiß darauf, dass heute Montag ist und du morgen arbeiten musst!". Very awesome.




KAZ Open Air am 29.08.2026 in Hibernia, Herne

Nach einer längeren Zeit mit Klausuren (und Vorbereitungen dazu) als auch einer Frühschicht (am selben Tag) war es mal wieder zeit unter die Leute zu gehen. Und zwar irgendwohin wo es absolut niemanden juckt, wie ich aussehe, was ich anhabe oder welche Musik ich höre. Ich rede natürlich vom KAZ Open Air, das jährlich vom KulturAlternativen Zentrum in Herne veranstaltet wird. Ich bin tatsächlich bis jetzt kein einziges Mal im KAZ gewesen, dafür aber auf dem Open Air. Seltsame Sache, das. Muss ich wohl mal nachholen. Wie auch immer, als ich ankam traf auf Genossen A. und einige seiner Freunde. Es war ein tatsächlich sehr angenehmer Nachmittag.


Die erste Band, die ich mir angesehen habe waren SHOK GÜZEL. Eine wirklich herausragende Punkband mit Texten die teilweise auf Türkisch waren und unter anderem die Frauenrechtslage in Afghanistan, Türkei, Syrien angesprochen haben. Aber auch mal gegen andere Macker (zum Beispiel in der Skateboardszene) ausgeteilt haben. Dazu noch eine Art Crossover Part in einem Song. Fand ich sehr angenehm. ANGRY YOUTH ELITE  nehme ich nur teilweise wahr. Irgendwie klingt das in meinen Ohren nach Pennywise. Irgendwann komme ich nach vorne, weil ein Song nach "Boxcar" von Jawbreaker klingt. Stellt sich heraus, dass sie sich etwas am Riff bedient haben. Ist insgesamt leider nicht wirklich mein Fall. PISSCHARGE sind es viel eher. Die vier Mitglieder aus Deutschland, Chile und Brasilien (die allesamt in Linden wohnen) machen (selbstverständlich, der Name verrät es ja schon) sowas wie D-Beat bzw. orientieren sich daran. Die Texte sind auf Spanisch. Beim späteren Nachrecherchieren merke ich dass sie in "Ahora ex...Ucraina" ganz "reflektiert" die ukrainische mit der russischen Regierung gleichsetzen und den Krieg auf ein "Böse vs. Böse" reduzieren. Naja, ich habe nicht viel erwartet. Der Sound ist aber echt geil und fetzig. Später dann DOSENSTOLZ mit Geschrei übers Biertrinken, "Heten treten" und Arbeitszeitbetrug. Es ist so herrlich stumpf, dass es schon wieder Spaß macht. Als würde man...ach keine Ahnung, als würde man sich in seiner WG Küche lauthals übers Bier das einen weggetrunken wurde streitet und dazu verprügelt einer seine Instrumente. So in etwa.

Als ich merke, dass zwischen Dosenstolz und Waving The Guns super viel Zeit dazwischen ist, ich tierisch müde bin und mir kalt ist (trotz des DIY-Regenponchos aus einer Mülltüte) beschließe ich, nach Hause zu gehen. Bis nächstes Jahr.

Sonntag, 30. August 2026

So isses, Musik!#218

DEUTSCHPUNK-FEGEFEUER:

In dieser Ausgabe ist es vorbei mit dem Buchstaben D und wir gehen mit E weiter. Somit nehmen wir uns vor...


Raphi:

"Musikalisch wird hier immer wieder die Grenze zwischen Depro-, Deutsch-, und Deutschpunk aufgelöst. Duesenjaeger sind meines Erachtens nach eine der wichtigsten Bands der zweiten und dritten Punk Rock-Welle in Deutschland. Und in den 2020ern, als viele Bands wie Bubonix, Amen 81, oder auch Hammerhead große Comeback feierten, gehörte auch das Album „Die Gespenster und der Schnee“ zu einer meiner liebsten Veröffentlichungen. Hier hätten einige Titel stehen können; ich habe mich für „Brandmelder“ entschieden."

Philipp:


"Eine der stabilsten und konsistentesten deutschen Punkbands, mittlerweile selbst netto deutlich über 20 Jahre auf dem Buckel. Sonic Youth und Wipers sind hierbei Religion und Herr Neumann ihr Hohepriester.
Kluge, aber nicht zu verklausulierte Texte und dabei ein ziemlich rauher Charme. Hier spielt die Band auf dem Boden und alle stehen in der ersten Reihe. Danke, Duesenjaeger." 

Ich:

Cooles Video. Ich glaube, der Drummer trägt ein T-Shirt der Powerviolence-Band "ILL!", wenn ich mich nicht irre. Der Name "Duesenjaeger" ist immer wieder vor meinen Augen aufgetaucht. Wahrscheinlich in irgendwelchen Reviews in der VISIONS oder der OX. Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls habe ich bis grade eben noch keinen einzigen Song gehört. Keinen einzigen. Und meine Fresse, was habe ich verpasst. Es ist so fantastisch. Ich mag diesen Gesangsstil, irgendwo zwischen deutschsprachigen Hüsker Dü, EA80 und irgendwas aus Hamburg. Was die Instrumentals betrifft, so hört sich das, finde ich, auch relativ ähnlich an. Irgendwas zwischen traurig und doch so hoffnungsvoll. Ich mag das, ganz ehrlich und ich glaube dass ich nächstes Jahr ein Deutschpunk-Monat machen werde. Dazu haben mich jetzt speziell Duesenaeger gebracht.

Ich:

"Noch 3":

Ich habe EA80 für mich im Würzburger Plattenladen H2O entdeckt. Die "Alle Ziele" CD hat mich irgendwie angesprochen. Sie wurde angehört, gekauft und mit nach Hause genommen. Ich würde sie niemals hergeben. Ich liebe dieses schlichte Artwork und diese durchaus, sagen wir mal, deprimierenden Texte. Damals schon, also vor rund 18 Jahren (?) ist mir der Song "Noch 3" aufgefallen. Ich weiß nicht ob ich eine Trennung durchgemacht habe oder ob mich irgendwas anderes runter gezogen hat. Aber die Zeile "Drei Tage noch wirst du existieren in meinen Tränen, dann werd ich nicht mehr weinen und dich hat es nie gegeben" hat mich sehr beeindruckt. Ich weiß nicht ob es im Song um eine gescheiterte Beziehung geht oder um den Tod eines Mitmenschen. Aber das ist mir egal. Der Song ist mir trotzdem sehr wichtig.

"Tot sind wir noch lange nicht":

Alle Achtung. Dies ist eine Coverversion. Und zwar von EA80 selbst. Tatsächlich haben sie 2004 diesen Song von ihrem älteren Album "Vorsicht Schreie" noch mal aufgenommen. Ihr findet ihn irgendwo hier. Im Gegensatz zu "Noch 3" ist "Tot sind wir noch lange nicht" vielleicht nicht "aggressiv" aber definitiv "angriffslustig" und zumindest für meine Ohren der deutschpunkigste Song dieser nicht sehr deutschpunkigen Deutschpunkband EA80. Auch das Original schlägt in eine ähnliche Kerbe. Etwas "upbeat", etwas "zackiger". Und lyrisch natürlich erste Sahne. Es geht augenscheinlich darum, trotz aller Widrigkeiten wegen welcher man auf die Schnauze fällt immer wieder aufzustehen - oder um es anders auszudrücken, nicht nur Widrigkeiten entgegentreten sondern auch Leuten die es einen im Leben schwer machen. Mir gefällt die 2004er Version tatsächlich etwas besser weil sie in meinen Ohren gefestigter und aggressiver klingt.

Philipp:

"Noch 3" und "Tot sind wir noch lange nicht"

EA80 sind wirklich ein Phänomen, keine Internetpräsenz, kein Merch, Tonträger so gut wie nur Vinyl, alle 3-4 Jahre ein neues Album in gleichbleibend hoher Qualität und diese Konsequenz seit über 40 Jahren. Von den richtigen Leuten völlig zu Recht nahezu kultisch verehrt. Düster, sperrig, poetische Texte, absolute Ausnahmeband. Wer sie nicht kennt, möge sie kennen lernen.

Raphi:

"Noch 3"

"EA80 befassen sich ja selten mit den einfachen oder farbenfrohen Themen, und so ist auch "Noch 3" ein Ausflug in die dunkleren Gefilde des Seins. Wenn ich den Song richtig verstehe, geht es um Schmerzen, um gesellschaftlichen Druck, um Aushalten, und um Suizidalität. Wir sollten alle mehr über unsere Gefühle sprechen, und mehr EA80 hören. Ich liebe diese Band."

"Tot sind wir noch lange nicht":

"Panzerfaust heißt jetzt EA80; also schon seit 1980, aber das wollte ich nur mal eben erwähnen. Ich finde es faszinierend, wie sich die Band mit ihrem melancholischen Klang seit Jahrzehnten erfolgreich in den Sphären des Punks beweisen kann. Und der Songtitel spricht Bände, denn EA80 sind zum Glück noch immer da. Fun Fact: als ich in der TIDAL App nach dem Song gesucht habe, wurde mir „Wir ham‘ noch lange nicht genug“ von einer Band aus Hösbach vorgeschlagen. Naja…"

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FROM FIRST TO LAST: Die Toten Hosen

Nun sind wir also bei einer Band angekommen, die ich in meiner Jugend durchaus oft gehört habe. Allerdings ist mein Interesse irgendwann verflogen. Ich bin der Meinung, dass die komplette Discography hier meine Zeit und Kapazitäten sprengen würde. Genauso wie die Motörhead, Iron Maiden, Judas Priest oder so. Deswegen gibt es diese Rubrik hier. Wir betrachten also das erste Album

"Opel-Gang" (1983)

Aufgenommen in folgender Besetzung: Campino (voc), Andreas von Holst (git), Michael Breitkopf (git), Andreas Meurer (b), Trini Trimpop (dr)


Meine Fresse, habe ich dieses Album lange nicht gehört. Beziehungsweise, habe ich es überhaupt gehört? Ich glaube, ich habe in meiner Jugend schon fast alles von den Hosen mindestens einmal gehört. Allerdings ist die Erinnerung daran nicht wirklich hängen geblieben. Ich frage mich bloß, wieso. Vielleicht hat es mich damals nicht ganz angesprochen wie "Kauf MICH!" oder "Unsterblich". 

"Reisefieber" ist ein großartiger Song über eine Flucht nach vorn aus einem tristen Leben, dass einen doch nachholt. "Allein vor deinem Haus oder dein Vater der Boxer" ist eine witzige Geschichte über einen Jugendlichen der seine Angebetete besucht, nur um festzustellen dass ihr Vater seinen Konkurrenten verprügelt hat. "Kontakthof" handelt von Prostitution in Bordellen und hinterfragt das Ganze allerdings eher aus gefühlstechnischer Sicht, ohne jedoch den zwanghaften Charakter des Ganzen zu beleuchten. Immerhin stellt man sich die Frage ob Sex ohne Gefühle für Geld denn überhaupt das Richtige ist. In "Willi muss ins Heim" geht es nicht um einen Hund der zurück ins Tierheim muss sondern um die Unfähigkeit der Eltern mit ihrem schwierigen Kind umzugehen. So wird sinnlos mit einer Abschiebung ins Heim gedroht. Vom Titeltrack will ich gar nicht erst reden. Es ist eines dieser Punkrock-Hymnen die man sofort mitsingen kann, trotz des holprigen Gesangs.

Das Album ist kaum zu vergleichen mit den Werken von DTH aus den 1990ern oder den frühen 2000ern. Das war nämlich genau die Phase die ich mir reingezogen habe - größtenteils. Es ist ein...Punkrock-Album, stellenweise durchaus deutschpunkig, also nach ähnlichen Mustern von gängigen deutschsprachigen Bands der Zeit. Größtenteils durchaus kurze Punkrocksongs stellenweise gewürzt mit Post-Punkigen Elementen. Allein "Ülüsü" könnte aus dem Feder eines Post Punk Band stammen. Meines Erachtens ein schnelles, punkrockiges, jedoch abwechslungsreiches Album, dass ganz und gar nicht langweilig ist. Bis auf "Hofgarten". Schreckliches Lied.

Anspieltipps: Ülüsü, Reisefieber, Opel-Gang, Willi muss ins Heim
7,5/10 Pfandflaschen




und nun auch das letzte Album, weil Die Toten Hosen sich dieses Jahr offiziell auflösen. Es heißt

"Trink aus! Wir müssen gehen" (2026)

Aufgenommen in folgender Besetzung: Campino (voc), Andreas von Holst (git), Michael Breitkopf (git), Andreas Meurer (b), Vom Ritchie (dr)

Ich habe in meiner Jugend neben Hosen und einer gewissen Band aus Frankfurt auch die Ärzte gehört. Bin mittlerweile eigentlich der Meinung, alle drei gehören längst aufgelöst. Ich bin weiterhin der Meinung, dass zumindest DÄ komplett überflüssig geworden sind. Trotz alledem ist es doch ganz angenehm, zu Beginn des letzten Hosen-Albums Farin Urlaub zu hören. Und zwar im Song "Hier sind die Hosen". Er gibt sich betont ärzte-typisch ironisch. Es ist irgendwie erfrischend und gleichzeitig doch ganz schön. Weiterhin heißt es "Hamsterrad statt Looping-Bahn" in "Die Show muss weitergehen". Und es wird richtig schön typisch Toten Hosen. Ich hasse es. Alles ist irgendwie "alt", man blickt zurück auf das eigene Leben und irgendwie muss alles weiter gehen. Das habe ich schon tausend mal gehört.

"Schlechte Nachbarn" gefällt mir etwas besser. Mehr uptempo, mehr Punkrock. Was mir an diesem Album gefällt ist der Verzicht auf irgendwelche Songtitel die irgendwie nachdenklich sind. So heißt es hier "Lass mal nicht machen", "Was ist mit uns los", "Was früher einmal war". Dabei ist "Lass mal nicht machen" ein fürchterlich peinlicher Song über füchterliche Peinlichkeiten wie "im Rammstein T-Shirt zum Weltfrauentag unterwegs" oder "einen weißen Hai streicheln". Irgendwie soll das lustig sein, aber ich finde es nicht lustig. "Was früher einmal war" ist tatsächlich eine Reminiszenz auf die ganze frühere Karriere, gespickt mit typischen Hosen-Pathos. Ich könnte schwören schon mal sowas ähliches wie "Wir werden nie VERGESSEN woher wir gekommen siiiiiiind" aus Campinos Mund gehört zu haben. 

Und am Ende ist alles irgendwie scheißegal. Also mit "scheißegal" meine ich ein typisches Wort im DTH-Vokabular. Ich habe die Hälfte durchgehört und ich bin nicht wirklich schlauer draus gewort. Alles ist so typisch Hosen. "Oaaaah oaaah oooh oh", "Hoffnung", "Alles kommt in Ordnung", "Scheißegal" irgendwas irgendwas. Dabei geht es doch durchaus, dass man auf alles das verzichtet und endlich wieder sowas wie Punkrock macht. "Keine Macht den Proben" ist fantastisch. Aber insgesamt muss ich sagen, dass es mir leider sogar nicht taugt. Oder zumindest nicht halb so viel wie "Opel-Gang". Daran ändern auch einige der besten Cover-Songs auf dem Bonus-Album "Alles muss raus!" nichts.

4/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Keine Macht den Proben, Hier sind die Hosen


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Ulver Discography: Silencing The Singing EP (2001)

Nun sind wir also beim Nachfolger von "Silence Teaches You How To Sing" (diesen überlangen Song auf der gleichnamigen EP), der ähnlich heißt und zusammen mit der eben erwähnten EP auf "Teachings in Silence" wieder veröffentlicht wurde. 


Im Gegensatz zur vorherigen EP lässt man hier den Gesang komplett weg. Es ist weitaus mehr als ein einziges Ambient-Stück. Man bewegt sich (wie inzwischen gewohnt) irgendwo zwischen Trip-Hop (nach meiner Meinung) und einen gewissen Genre dass sich "Glitch" nennt. Letzteres hört sich genau danach an, was der Name auch beschreibt. Verschiedene Audio-"Fehler" in der Aufnahme, die aus beschädigter Hardware resultieren. Später hat man angefangen eben diese "fehlerhaften" Sounds mit vernünftiger Software zu reproduzieren. Ich weiß allerdings nicht ob Ulver hier mit kaputter Hardware gearbeitet haben oder diesen Sound "nachgeahmt" haben. Jedenfalls fühlt sich das hier an wie eine expandierte Version der vorherigen Veröffentlichung - die aber gleichzeitig noch mal introvertierter ist. "Silencing The Singing" hört sich ähnlich an, wie eine Tonaufnahme von einem defekten Radio in einem uralten Auto. Es ist düster und irgendwie creepy aber gleichzeitig familiär. Faszinierend jedoch doch so simpel.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Darling didn't we kill you, Speak dead speaker, Not saved




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Was läuft sonst?

Feindesland - Teufelselexier (2026)

Was macht man eigentlich wenn man gotisch anmutenden Krächzgesang mit Electrobeats a lá Egotronic verbinden möchte? Was singt man da für Texte? Keine Ahnung, aber die Idee Bands wie Troopers, Rasta Knast, Tanzwut, Yohazid, Die Toten Hosen (da sind die schon wieder) und ASP dafür zu covern ist schon sehr außergewöhnlich und frisch.

Die Idee dazu hatte H. (Immer noch keine Ahnung, wie du wirklich heißt, Kollege!) und hat sie von Januar bis Juni 2026 umgesetzt. Ich bin ja Freund der Unterstützung von "kleinen" Musikern/Bands und daher dachte ich mir, es würde super gut in diese Rubrik hier passen. Wirklich großartige Beats die an frühe Egotronic (bevor sie zu einer Band mit Instrumenten wurden) bzw. Björn Peng erinnern. Also quasi "dunkles Kirmestechno" der kein dunkler Kirmestechno ist sondern irgendwas deutlich finsteres. Auf den ersten Blick eine durchaus eigenartige Mischung, die gleichzeitig zeigt dass verschiedene
Songtexte dafür da sind neuinterpretiert zu werden. Niemand hätte gedacht, dass "Ein Fehler der Natur" von Troopers als Dark Electro Song funktioniert würde. Man braucht einfach nur den Willen dazu und tatsächlich keine KI-Tools. Die beiden "gotischen" Coversongs (von ASP und Tanzwut) sind zwar ganz cool, aber mir gefallen die "punk" Coversongs (DTH, Troopers, Rasta Knast, Yohazid) viel viel mehr. Die ungewohnte Mischung macht es tatsächlich besonders. 

PS: Warum eigentlich "TeufelselExier" und nicht "TeufelselIxier"?

7,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Armee der Verlierer, Ein Fehler der Natur