G:
Grips und Schaden – "Angst"
"Jaja, eigentlich ist das ja eher Folk Punk oder Liedermacher Punk oder irgendwas anderes. Grips und Schaden sind neben Unordnungsamt eine meiner Lieblingsbands aus diesem akustischen Spektrum. Ihr Album „Motzen Trotzdem“ hat mir wirklich sehr gefallen, und es enthält Lieder über die Sorgen des Alltags im Spätkapitalismus zwischen drohender Armut, und rechtem Terror (im konkreten Fall geht es um Hanau). Als Beispiel habe ich das Lied „Angst“ gewählt, das sich zwischen Hoffnung und Verzweiflung abspielt."
Raphi:
Philipp: Philipps Beitrag wird nachgereicht.
Gregor:
Okay, eine Geige hätte ich nach dem Akustikgitarrenintro wohl erwarten können, habe ich aber nicht. Wir haben es hier (wieder mal) nicht mit klassischen Deutschpunk zu tun, sondern "Anti-Folk" oder irgendwas in der Art. Es ist ein Song über mentale und körperliche Erschöpfung in einer Zeit voller (sozialer) Unsicherheit. Soweit ich das verstehe ist der Song während der Pandemie entstanden - ist aber trotzdem tatsächlich aktuell. Leider. Zugegeben: Es berührt mich wirklich - auch wenn es rein musik- und gesangstechnisch nicht wirklich mein Ding ist. Emotional klingende Bands mit Geige die irgendwie Richtung Folk gehen, also sowas wie Früchte des Zorns haben mich nie wirklich abgeholt. Trotzdem: Wie gesagt, das berührt mich.
H:
Hammerhead – "Autofahrerhose" & "Handgranate"
H:
Hammerhead – "Autofahrerhose" & "Handgranate"
Gregor:
"Autofahrerhose":
Ich bin ja gegen verkürzte Kritik und für öffentlichen Nahverkehr. Allerdings ist "unser" ÖPNV, speziell in NRW, wirklich unter aller Sau - weswegen es auch nachvollziehbar ist, dass immer mehr Menschen aufs Auto umsteigen. Allerdings kann ich die Art von begeisterten Autofahrern, die andere auf der Straße drangsalieren, ihr Auto als Schwanzersatz mißbrauchen und die sich für was besseres halten überhaupt nicht leiden. Genau gegen diese Leute wettert dieser, neuere Song von Hammerhead (vom letzten Album "Nachdenken über Deutschland"). Nürburgring-Aufkleber auf dem Auto, spezielle Funktionskleidung. "Autofahren ist asozial!" heißt hier - dem muss ich widersprechen. Allerdings können Autofahrer die größten Asis überhaupt sein - und genau das verurteile ich ebenfalls. Großartiger Song.
"Handgranate":
Ich habe dieses Album lange in digitaler Form gehabt und konnte den Text nie nachvollziehen. Als ich mir das Ganze "Stay Where The Pepper Grows" Album auf Vinyl geholt habe, war ich froh darüber - endlich konnte ich die Texte lesen. Allerdings konnte ich sie im Booklet nicht entziffern. Das hat länger gedauert, bis das funktioniert hat. Meines Erachtens ist "Handgranate" ein Song über.... "zu viel bekommen" in einer Masse von Leuten. Agoraphobie, wenn man es so nennen möchte. Oder vielleicht zu viel Stress auf ein Mal. Zu viel Leute, die irgendwas von einen wollen. Man möchte eine Handgranate reinwerfen und sie endlich alles los werden. Klingt zynisch und menschenfeindlich - ist es wahrscheinlich auch. Fantastischer Opener.
Philipp: Philipps Beitrag wird nachgereicht.
Raphi:
"Autofahrerhose"
"Zusammen mit Hammerhead habe ich mal eine Klospülung repariert. Die Band zählt für mich zur absoluten Speerspitze des deutschsprachigen Hardcore Punk, und mit ihrem Comeback-Album „Nachdenken über Deutschland“ haben sie das 2024 nochmal unter Beweis gestellt. Fun Fact zum Album: ich besitze eine Promo-CD zum Album, auf der ein anderes Cover zu sehen ist als auf der fertigen Version. Der Besitzer des Schlosses, welches auf dem Cover zu sehen ist, hatte nämlich kein Interesse daran, sein Eigentum auf dieser großartigen Platte zu sehen. Wie dem auch sei: „Nachdenken über Deutschland“ ist von vorne bis hinten wunderschön, und ich habe mich für den Song „Autofahrerhose“ entschieden. Warum? Wegen dieser Zeile: „Autofahren ist asozial“."
"Handgranate"
"Was für ein großartiges Intro! Das klingt erstmal ziemlich hart nach NYHC auf deutsch. Wobei die Sprache fast egal ist, weil die Texte auf den frühen Hammerhead-Veröffentlichungen ein bisschen untergehen. Mit Hinblick auf den anderen Track von Hammerhead, den wir hier in der Liste haben, wäre auch hier eine Behandlung des ersten (richtigen) Albums "Stay Where The Pepper Grows" und des (bis jetzt) letzten "Nachdenken über Deutschland" interessant."
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FROM FIRST TO LAST: Bad Religion
Wieder habe ich eine Band vor mir, die unzählige Alben veröffentlicht hat für die es einfach keine Zeit gibt, sie ausführlichst zu reviewen.
Das erste Album ist....
"How Could Hell Be Any Worse?" (1982)
Es geht los mit einem gigantischen Banger. Nämlich "We're Only Gonna Die", das ich bis dato eigentlich viel mehr als Coversong von Biohazard kannte. Richtig gelesen.
Aufgenommen in folgender Besetzung: Greg Graffin (voc), Brett Gurewitz (git), Jay Bentley (b), Pete Finestone (dr)
"How Could Hell Be Any Worse?" ist genau das wofür BR zunächst bekannt wurden. Melodischer Punkrock, der allerdings weder nach Buzzcocks oder irgendeinen britischen Vorbild klingt. Gitarrensoli hier und da. Ansonsten Songs die höchstens mal 2 Minuten lang gehen. Trotzdem klingen BR ziemlich hart. Sie besitzen diese Einfachheit des Punkrocks: Stop and Go. Die Songs gehen plötzlich los ohne langes Intro, erzählen das was dem Songschreiber auf dem Herzen liegt und hören genauso plötzlich
auf. Greg Graffins Gesang ist hier noch ziemlich rotzig - kein Wunder schließlich war er damals glaube ich noch in der High School. Für eine Schülerband klingen Bad Religion aber überraschend ambitioniert - auch wenn sie "nur" Punkrock spielen.
auf. Greg Graffins Gesang ist hier noch ziemlich rotzig - kein Wunder schließlich war er damals glaube ich noch in der High School. Für eine Schülerband klingen Bad Religion aber überraschend ambitioniert - auch wenn sie "nur" Punkrock spielen.
Im Grunde genommen geht es in den Texten darum wie Scheiße alles ist und dass wir alle in einer absoluten Hölle leben. "Fuck Armageddon - This Is Hell", "We're Only Gonna Die". Oder darum, dass man Mitleid empfindet für eine Fülle an Leuten, die irgendeinen uralten Gott anbeten und bald in endlosen Kriegen leben werden. BR ist Pessimismus pur, ohne jedoch wie Rasierklinge/Heroin zu klingen. Pessimistisch, aber nicht nihilistisch. Man weiß hier noch nicht, was man gegen all das um einen herum machen soll - aber man hat zumindest das Bedürfnis sich mitzuteilen. Bad Religion sind für mich die härtere Version von Descendents. Vielleicht bin ich mit der Meinung nicht alleine.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Fuck Armageddon - This Is Hell, Pity, We're Only Gonna Die
Das (bis jetzt) letzte Album heißt
"Age Of Unrest" (2019)
Aufgenommen in der Besetzung: Greg Graffin (voc), Brett Gurewitz (git), Brian Baker (git), Mike Dimkich (git), Jay Bentley (b), Jamie Miller (dr).
Man hört sofort einen super krassen Unterschied. Für mich ist das eher der Sound den ich von BR kenne. Ich kenne tatsächlich eher die Werke ab den 2000ern, wie das Album "The Empire Strikes First" oder die Songs "Sorrow" bzw. "Let Them Eat War" von der "Rock Against Bush Vol. 2"-Compilation. So oder so ähnlich klingen Bad Religion auch hier.
Nämlich wie ein Soundtrack zu einer äußerst wirren, widersprüchlichen und grausamen Welt. Allerdings hört sich Greg Graffin hier nicht mehr rotzig sondern durchaus versöhnlich und trotzdem kämpferisch. Manche würden sagen, "seicht". Wie immer, also wie auf jeden anderen Song teilt man hier aus gegen US-Amerikanische (Innen)Politik. Ich weiß nicht genau wie ich das beschreiben soll. Dieser Sound ist irgendwie gleichzeitig kämpferisch, traurig und irgendwie auch hoffnungsvoll. "Don't Lose Your Head" ist mein Favorit darauf. Ich weiß nicht, wie man es schafft poppig zu klingen ohne wirklich poppig zu klingen. Es ist kein Pop Punk weder Marke Descendents noch Blink-182 aber gleichzeitig auch kein Hardcore Punk oder irgendwas in der Art. Es ist im Grunde genommen ein eigener, unverwechselbarer Sound. Und auch wenn ich nie ein großer Fan gewesen bin, bin ich froh das hier angemacht zu haben. I like it, really.
Do The Paranoid Style, Lose Your Head, My Sanity
8,5/10 Pfandflaschen
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Ulver Discography: Ulverytternes kamp / Mourning (Split with Mysticum) (1994)
Und weiter geht es mit Ulver. Keine Sorge, ich bin fast am Ende angekommen. Nach all den Studio-Alben, Soundtracks, dieser Compilation mit Coversongs, EPs und diesem Remix-Album nun wieder ganz am Anfang. Oder fast.
Hierbei handelt es sich um eine Split zwischen Ulver und Mysticum. Ulvers Song "Ulverytternes kamp" stammt von der vorher aufgenommenen Demo "Vargnatt", während "Mourning" von Mysticums von Demo Sessions zu "Medusa's Tears" stammt. Hier ist nichts mehr mit Synthpop, Ambient oder irgendwelchen experimentellen Sachen. Hier ist Ulver noch richtig stumpfer, absolut grotesker Black Metal, der sich anhört wie jemand der grade....keine Ahnung irgendwas was nicht dahin gehört irgendwo in irgendeine Öffnung steckt. Wie eine Gabel in einen Toster oder einen Toster in eine Toilette. Und dabei die Treppe runterfällt. Es ist schon unterhaltsam. Aber definitiv ein anderes paar Schuhe als ihre späteren Werke.
Mysticum toppen das Ganze noch mal und hören sich an als würde jemand den Kassettenrecorder bei der Aufnahme brutalst verprügeln. Die Demo hat richtig übel geisteskrank schlechte Aufnahmequalität. Ach. Du. Scheiße. Naja, vielleicht aber auch wie so ein Modem alter Schule, den man durch irgendeinen Filter gejagt hat. Gepaar mit verbalen Durchfall - ich kann nämlich natürlich keines der Texte irgendwie verstehen.
Einige würden sagen, das hier ist Kult. Andere würden sagen, es ist absoluteste Scheiße. Und beide hätten irgendwo recht. Schließlich muss jede Band irgendwo anfangen. So richtig mein Ding ist das nicht. Ich entziehe mich hiermit der Bewertung.
Keine Bewertung, habe ich gesagt.
Anspieltipps: Lol es sind doch nur zwei Songs



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