Stricher guckt sich "Nosferatu" (2024) an in CinemaXx, Essen mit Genossin V und Genosse M
Hallo und herzlich willkommen zum ersten "Happening des Monats" im Jahre 2025. Ich vermute mal, dass diesen Monat nicht wirklich viel mit Konzerten passieren wird, sodass diese Ausgabe eher klein gehalten wird. Den Anfang macht die Sichtung von der Neuverfilmung von Friedrich Murnaus "Nosfeatu - Eine Symphonie des Grauens".
Regie führte dabei Robert Eggers. Der Film kam letztes Jahr an Weihnachten in die Kinos. Der Saal war immer noch, knapp einen Monat nach der Premiere ziemlich voll. Und das bei einer Vorführung im Originalvertonung. Die Geschichte ist im Prinzip die gleiche wie beim Original als auch bei der 1979er Verfilmung von Werner Herzog. Sprich: Eigentlich die gleiche Story wie bei Bram Stoker's "Dracula". Man erinnere sich: Der ursprüngliche Stummfilm "Nosferatu" war eine nicht autorisierte Verfilmung von "Dracula", die es allerdings doch ins Kino geschafft hat und zu einem Klassiker wurde. Der Film bietet eine Mischung daraus und Material aus dem ursprünglichen "Buch". So hat man beispielsweise das Aussehen des Grafen Orlock (Bill Skarsgard) angepasst und ihn einen rumänischen Schnurrbart verpasst. Die Dialoge der Charaktere, zum Beispiel Thomas Hutter (Nicolas Hout, der zuvor in
"Renfield" Draculas Gehilfen Renfield gespielt hat) und seiner Frau Ellen Hutter (Lily-Rose Depp) sind
dementsprechend typisch für das 19. Jahrhundert bzw. den Schreibstil eines Stummfilms aus dem frühen 20. Jahrhundert. Sehr theatralisch und emotionsgeladen. Effektetechnisch stellenweise besonders eklig, wenn Graf Orlock seine Opfer aussaugt. Es wird gekotzt, ge-anfall-gehabt, geknurrt und Frauen zeitgenössische Medizin gegen Hysterie verpasst (Äther, wir brauchen Äther!!!). Alles in allem, ein fiktives Zeugnis eines vergangenen Jahrhunderts. Sehr verstörend, finster und wie schon gesagt stellenweise fürchterlich ekelerregend. Ich fand's witzig, dass hier sowohl Aaron Taylor-Johnson (der in einer anderen Verfilmung, die hoffentlich in dieser Ausgabe auch vorkommen wird mitgespielt hat, die komplett an den Kinokassen gefloppt ist) als auch Nicolas Hoult (siehe "Renfield") und Willem Dafoe (Spielte Nosferatu-Darsteller Max Schreck in "Shadow of the Vampire") mitspielen. So ist der Film nicht nur eine Symphonie des Ekels sondern auch eine Anregung für die Nostalgie- als auch Wiedererkennungssinne des Zuschauers. Nein, er ist nicht so brutal wie ein stumpfer Torture Porn Horrorfilm, aber er hat es wirklich in sich. Vielen Dank an Genossin V und Genosse M fürs Mitkommen!
8,5/10 Pfandflaschen
Trailer:
Stricher guckt sich "Kraven the Hunter" (2024) an am 30.01.2025
"Kraven the Hunter" ist (scheinbar) der letzte Film aus dem "Sony Universe of Spider-Man Characters", einem leider teils sehr mißgebildeten filmischen Universum von Sony. Long Story Short: Sony besitzt die Verfilmunsrechte für Spider-Man (und teilt sie sich mit Marvel Studios/Disney) und Charaktere die "zu Spider-Man gehören", wie seine Gegner. Daher hat man ein filmisches Universum erschaffen, dass abseits vom "Marvel Cinematic Universe" spielt und im Zentrum der Handlungen die Hintergrundgeschichten von mit Spider-Man in Verbindung stehenden Charakteren wie Venom, Morbius, Madame Web und nun auch Kraven the Hunter.Sergej Kravinoff (Aaron Taylor-Johnson) ist in der Gegenwart ein mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestatteter Jäger. Seine Agilität ist die einer Wildkatze. Er findet jeden auf der Welt, den er will und tötet jeden den er zu töten braucht. Sein nächstes Ziel ist ein Waffendealer, der sich in einem weit abgelegenem russischen Gefängnis befindet. In einem Rückblick sehen wir, wie er zu seinen Kräften kam. Bei einem Löwenjagdunfall in Ghana wird der junge Sergej (Levi Miller) von einem Löwen angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Dabei wollte er das Leben seines Halbbruders Dmitrij retten. Zum Glück wird er von der Einheimischen Calypso gerettet und erwacht dank eines Serums nach einem klinischen Tod zum neuen Leben. Wieder in der Gegenwart: Sergejs und Dmitrijs Vater Nikolai Kravinoff (Russel Crowe) ist ein ruchloser Gangster und Kopf eines Mafia-Imperiums in London. Ein ehemaliger Weggefährte von ihm, Alexej Systsevich (Alessandro Nivola), der sich nun "Rhino" nennt lässt Dmitrij (Fred Hechninger) kidnappen und fordert von Nikolaj Lösegeld. Sergej macht sich auf und davon, seinen Bruder zu retten. Dabei hilft ihm Calypso (Ariana DeBose), die inzwischen in einer Londoner Anwaltskanzlei arbeitet.
So, alles zusammengefasst, ohne großartig zu spoilern. Und nun, let's go: Im Gegensatz zu "Morbius" oder zumindest in Teilen "Madame Web" ist "Kraven the Hunter" nicht voll mit Logik- und Plotlöchern. Stattdessen ist es sowas wie ein "John Wick auf Steroiden"-Film der von einem Mann handelt, der nach einem erfundenen Kodex lebt und die Natur schützt. Insgesamt also eine durchaus vertretbare Backstory eines der krassesten Gegner Spider-Mans. Ich hatte bis auf 1-2 Momente (Rhinos "Schrei" zum Beispiel) keine großartigen Cringe-Gefühle gehabt. "Kraven the Hunter" bietet eine simple, tragische Familiengeschichte über Rache mit übermenschlichen Fähigkeiten dies das ananas. Also, alles soweit ganz simpel. Was ich mich frage ist: Wofür macht Sony diese Filme? Die Antwort ist ebenfalls simpel: Damit sie nicht die Verfilmunsrechte am Spider-Man-Franchise verlieren. Das wäre zumindest meine Vermutung. Das blöde ist, so wie diese Hintergrundgeschichte gestaltet ist, kann man Kraven äußerst schlecht als Spider-Man-Gegner in irgendeinen zukünftigen Sony/Disney/Marvel-Spider-Man-Film implementieren. Er passt als Vigilant irgendwie nicht so ganz rein. Es sei denn, es passiert etwas unfassbar fürchterliches mit ihm. Achso und außerdem ist der Film (scheinbar) der letzte aus der Reihe, bietet aber keinerlei Abschlüße oder irgendeinen Bezug zum "Marvel Cinematic Universe", sodass man die Charaktere irgendwie wieder verwenden könnte. Zumindest sehe ich das nicht. Das ist das ärgerliche daran. Hier gibt es durchaus Potenzial, aber Sony macht einfach nichts draus sondern haut einen Film nach dem anderen raus. Hauptsache es gibt irgendeine Antwort des Publikums darauf und sie bleiben in den Schlagzeilen. Ansonsten ist das ein ziemlich solider Film. Gute Story über die Hintergründe von Spider-Man-Bösewichten wie Kraven the Hunter, Rhino und ja, sogar Chameleon.
6/10 Pfandflaschen
Trailer:
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