Sonntag, 13. September 2026

So isses, Musik!#219

DEUTSCHPUNK FEGEFEUER:

So. Wir bleiben bei E und schließen damit dieses Kapitel ab. Nächstes mal geht es mit F weiter. Here we go again...

Egotronic Von nichts gewuszt:

Gregor:

Mich macht dieser Song leicht wütend. Nicht wegen des Inhalts und der Einstellung die darin propagiert wird. Sondern eher weil im Background dort jemand singt, den der Krebs uns weggenommen hat. Ich habe Egotronic in meinem Leben (ähnlich wie bei Hammerhead in 2-3 unterschiedlichen Phasen) live gesehen und habe sie in meiner Jugend (sprich mit 17-18 Jahren) eine Weile lang wirklich konstant gepumpt. Und das obwohl ich damals noch gar nicht "antideutsch" war bzw. sogar irgendwie dagegen weil als junger Linker findet man "Nationalstaaten ja generell doof" oder irgendwie so ein Scheiß. Ich werde diesen für mich ersten Auftritt auf dem Würzburger "Umsonst & Draußen" niemals vergessen. Später dann irgendwann im Cairo, dann im Oberhausener Druckluft, irgendwann auch auf dem KAZ Open Air. Immer eine Stimmung dabei, die auf positive Weise die Luft sprengt, quasi die Luft in die Luft jagt. Apropos in die Luft jagen: Ganz antideutsch-typisch hat irgendjemand damals ein Musikvideo hochgeladen dazu, dass eigentlich nur aus einem Standbild von Arthur Harris bestand. Dieser spricht auch im Intro. Es geht nicht darum ganz edgelord-mäßig die Bombardierung von Dresden abzufeiern, nein. Es geht um den deutschen Opferkult und was für eine gehirngewaschene Scheiße das ist. Dabei singt Torsun hier nur im Background und im Vordergrund wahrscheinlich Hoerm. Ich weiß es aber nicht, da ich die Namen der anderen beiden Gründungsmitglieder nie vollständig auf dem Schirm hatte. Asche auf meinem Haupt. Die Message ist klar, der Song ist fetzig. Ich habe alles gesagt.

Philipp: 

"Ich habe Torsun immer dafür respektiert, dass er große Teile der deutschen Punkszene dazu gebracht hat, sich noch mal auf eine andere Art und Weise mit Israel auseinander zu setzen. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr seine Worte und seine Präsenz fehlen. Musikalisch habe ich ihm sicherlich des Öfteren Unrecht getan, habe Egotronic mehrfach live gesehen, fand es nie besonders gut und habe mich auch sonst nie eingehender damit beschäftigt. Manche Dinge lernt man erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Retrospektiv vielleicht eine der wichtigsten Punkbands der frühen 2000er. Möge die Erde dir leicht sein."

Raphael:

"Ich wünsche mir manchmal, ich hätte schon früher den Zugang zu Egotronic gefunden. Immerhin habe ich es geschafft, die Band an meinem 32. Geburtstag live zu sehen. Hier liegt uns ein Song vom 2006 veröffentlichten Debutalbum "... die richtige Einstellung" vor, und ich kann die Wut und die Energie sehr gut nachvollziehen. Vielen Dank für alles Torsun!"

Eisenpimmel – Malle Mallorca:


Gregor:

Irgendwann vor knapp 20 Jahren in einer Sendung von "Radio69" entdeckt und sofort fasziniert gewesen. Was zur Hölle ist das? Ein Song über "Mallorca" wobei es komplett falsch ausgesprochen wird. Dabei habe ich den Text nicht wirklich verstanden. Als ich mit meiner Schule auf einer Fahrt nach England unterwegs war habe ich ganz kurz den Text "Sangria macht die Nudel hart" eingestimmt und wurde sofort von einer Lehrerin gerügt. Ich wusste nicht warum, weil naja ich habe den Text sowieso nicht verstanden. Egal. Viele Jahre später habe ich Eisenpimmel für mich noch mal entdeckt. Es ist quasi das gleiche wie mit den Kassierern. Eine Band die von ihren Fans falsch verstanden wird und irgendwie auch ernst genommen wird. Dabei parodieren sie gekonnt alles an Ruhrpottklischees was es nur so gibt. Und hier haben wir einen Schlagersong der sich mit einer Reise auf die Insel Mallorca beschäftigt. Dabei nimmt man JEDES textliches Klischees eines solchen Party-Schlagersongs und ballert es raus: "Scheißegal", "Kotzabteil", "Unten ohne oben nackt". Ich würde ja nicht mal sagen, dass es Parodie mit Augenzwinkern ist sondern eine direkte Verhöhnung. Ich feier diesen dummen, großartigen Song mit all diesen debilen Passagen: "Ich hab n Eimer, dat ist jetzt meiner(...) geh wech du Tier du krichst kein Bier!".

Philipp: 

Puh, meine Humorlosigkeit wird hier gerade auf eine harte Probe gestellt. Tatsächlich kaufe ich Eisenpimmel die Satire noch mal wesentlich besser ab als diesen furchtbaren Kassierern und das hier ist so herrlich überdreht Petry-esk, dass es einen komplett anspringt. So sehr ich auch die Funpunk- und Prolo-Fraktion verachte, das ist einfach großartig. 

Raphael:

"Wir haben es hier mit dem klügsten dummen Text zu tun. Ein Meisterwerk der Satire. So gut, dass es wehtut. Überall. Eisenpimmel nehmen den Spaß so ernst, dass man manchmal genau hinschauen muss, wie spaßig dieser Ernst ist. Es ist großartig und sehr anstrengend."

Ernte 77 – Faszination Hubschrauber:

Raphael:

"Die selbsternannten Toten Hosen des Punk Rock sind seit einiger Zeit eine meiner Lieblingsbands mit ihren schnellen und eingängigen Riffs und den teils dödeligen und teils klugen Texten. Das 2024 veröffentlichte Album „Gruß aus der Küche“ ist eine Sammlung von 19 Hits; einer schöner als der andere. Als Höhepunkte möchte ich erwähnen „Das Konzept Deutschland ist mir zuwider“, „Landungsbrücken rein“, „Kostenfalle Ballern“, und natürlich die Ode an die Fortbewegung in der Luft „Faszination Hubschrauber“."

Philipp: 

"Wie konnte diese Band an mir riesengroßem Supernichts-Fan vorbei laufen? Abgedrehter melodischer Punk eindeutig Kölscher Ausprägung, gespickt mit Referenzen (allein die Doppelreferenz bei "Und ich weiß nicht genau...") über die wirklich wichtigen Themen des Lebens (siehe Titel)."

Gregor:

Alter. Scheisse, ist das geil. Ein Song als Liebeserklärung an Hubschrauber. "Ich weiß nicht genau wie das physikalisch funktioniert" "Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah, HubschrauBÄR!". Ich kann mir jetzt schon vorstellen bei einem Live-Auftritt vor der Bühne zu stehen und genau nach diesem Song zu rufen. Okay, gegen Ende, also die letzten paar Sekunden wird es schon etwas merkwürdig, aber ansonsten finde ich es großartig. Nicht semi-ironisch, nicht dumm-lustig sondern einfach awkward. Das beweist mal wieder dass ein Punkrocksong über so gut wie alles geschrieben werden kann. Ich feier es.

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FROM FIRST TO LAST: Motörhead

Wieder mal so eine Band die zig Alben veröffentlicht hat und bei welcher es interessant wäre, sich die komplette DIscography reinzuziehen. Allerdings fehlt dafür einfach die Zeit. Daher....

das erste Album ist

Motörhead (1977)

Veröffentlicht im Jahre 1977 ist "Motörhead" nicht das erste Album von Motörhead. Eigentlich war es "On Parole" von 1975, das allerdings erst im Jahre 1979 von United Artists veröffentlicht. Es gab nämlich so einige Probleme mit dem Label als auch eine Entlassung der Band...und so wurde das erste offiziell veröffentlichte Album auf Chiswick Records rausgebracht.

Was man heutzutage vielleicht als "Joa, ist halt Motörhead" bezeichnen könnte, war damals noch gar nicht gang und gäbe und definitiv etwas neues. Obwohl das Album irgendwie als "Heavy Metal" kategorisiert wird ist es für mich in erster Linie ein uneheliches Kind von Punkrock und Rock'N'Roll. Genauso schnell, dreckig, "roh" und ziemlich lo-fi. Eine Wall of Sound aus äh unglaublicher


Schnelligkeit (die natürlich irgendwann übertroffen wurde) trifft auf Lemmy Kilmisters Whiskey/Zigaretten-Stimme. Eddie Clarke an der Gitarre. Phil Taylor am Schlagzeug. 

Klingt für mich stellenweise irgendwie psychedelisch (wenn ich daran zurückdenke, dass Lemmy mal bei Hawkwind gesungen hat), zum Beispiel bei "Iron Horse"/"Born to Lose". Es gibt einen Song hierauf, der "Motörhead" heißt. Von einer Band namens Motörhead auf einem Album namens "Motörhead". Wenn man da nicht bei Black Sabbath abgekupfert hat. Der Beste Song hier ist definitiv "White Line Fever". Klingt für mich am ehesten nach Heavy Psych. Es ist euch offengelassen, um welche weißen Linien es hier geht. Aber ich glaube, das könnt ihr euch schon denken. 

Meiner Meinung nach nach ein gutes Album, vor allem wegen seiner Lo-Fi-ness, dem Gefühl dass alles irgendwie nach dem ersten Take aufgenommen wurde oder an einem Tag. Tatsächlich waren es einige wenige Tage. Allerdings ist es, trotzdem nicht das beste was Motörhead jemals gemacht haben. Es geht definitiv noch besser. 

7/10 Pfandflaschen

Anspieltipps: White Line Fever, The Watcher, The Train Kept A-Rollin'




und nun sind wir beim 23. und somit letzten Studioalbum angekommen. Es heißt

Bad Magic (2015)

Ich könnte jetzt so schlechte Witze machen und sagen "Ha, kaum habe ich es angemacht, klingt es nach Motörhead". Aber ich mache das nicht. Auch die Behauptung "Das ist zwar ihr letztes Album, könnte aber gleichzeitig das erste sein" stimmt nicht. "Bad Magic" klingt definitiv nicht wie "Motörhead" sondern zeigt 40 Jahre Bandentwicklung. Ob es einem gefällt oder nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Auf "Bad Magic" ist nichts mehr von irgendeinem "Heavy Psych" oder "Space Rock"-Einfluß zu hören. Stattdessen genau das, wofür die Band berühmt wurde. Heavy Rock'N'Roll mit hier und da

eingestreuten Soli, einer noch mehr nach Whiskey und Zigarette klingenden Stimme von Lemmy Kilmister, Schlagzeugspiel von Mikkey Dee und ein gewisser Phil Campbell an der Gitarre (seit 1983). Die Besetzung ist also eine (bis auf Lemmy) komplett andere. Das liegt aber nicht daran, dass Lemmy für jedes Album alles ausgetauscht hat - es hat sich alles, meines Wissens nach, organisch entwickelt.

Jedenfalls ist das hier schon ein geiles Stück Musik. Allerdings muss man dabei beachten, dass trotz der Tatsache dass irgendwelche Hater behaupten es würde hier "alles gleich" klingen, man tatsächlich einer gewissen Formel treu bleibt. Songs die um die drei Minuten lang sind, rauer Gesang, schnelle Riffs, donnerndes Schlagzeugspiel und Texte über...naja die Titel sind selbst erklärend: Victory or Die, Shoot Out All Your Lights, Teach Them How To Bleed. "Don't tell me who I am, I don't give a damn" ("Electricity") heißt es dann zum Beispiel. Und ich mein, es funktioniert. Es ist catchy, man kriegt mich dazu meinen Kopf zu nicken und mit meinem Fuß zu wippen. "Till the End" ist eine großartige, langsame Überraschung. Es ist halt Motörhead. Aber ich werde an der Stelle beichten und sagen, dass es wahrscheinlich nicht mein Lieblingsalbum ist. Da ist mir doch zu viel Formel dahinter. Höchstwahrscheinlich liegen die wahren Perlen irgendwo zwischen "Motörhead" und "Bad Magic". (Zum Beispiel "Orgasmatron"!).

Anspieltipps: Till the End, Electricity, Sympathy for the Devil (Rolling Stones)
7/10 Pfandflaschen


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Ulver Discography: A Quick Fix Of Melancholy EP (2003)

Rausgekommen zwischen dem Soundtrack zu "Lyckantropen" und dem Soundtrack zu "Svidd Neger". Das nächste "richtige" Album, was danach kommt ist "Blood Inside". 

Lange Rede, kurzer Sinn: Vier Songs. "Little Blue Bird", "Doom Sticks", "Vowels", "Eitttlane". Definitiv eine andere Richtung als die EPs davor. Es ist nicht nur Ambient sondern gleichzeitig auch irgendwie Neo-Klassik. Jedenfalls singt Kristofer Rygg hier auf eine opernhafte Art und Weise. Ich

glaube, dass dazu aber auch noch entsprechender Gesang gesamplet wurde, finde allerdings keinerlei Angaben dazu.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, wie genau ich dieses Album in meinem Kopf einordnen sollte. Es ist nicht tanzbar, es ist nicht "schwer" oder "verstörend". Im Grunde genommen ein durchaus seichtes Werk, dass nach einer experimentellen Opfer klingt.

Irgendwie erinnert mich das Ganze entweder an Enya oder an Lingua Ignota plus irgendwas anderes, was ich jetzt gerade nicht kategorisieren kann. Mir gefällt es aber und zeigt mir mal wieder dass Ulver irgendwie nichts wirklich falsch machen können.

Anspieltipps: Alles.
8/10 Pfandflaschen




Mittwoch, 9. September 2026

Film der Woche#695: Eliminators (1986)

Ich habe mal wieder keinen blassen Schimmer, wie ich auf diesen Film gekommen bin. Wahrscheinlich war es irgendein Instagram-Post der irgendwelche trashigen Filme behandelt hat, oder so. Jedenfalls war das hier eine sehr sehr wilde Fahrt und ich habe jede Minute davon genossen.

"Eliminators" erzählt die Geschichte eines "Mandroiden" (also eines Cyborgs), der später immer nur John (Patrick Reynolds) genannt wird. Dieser war einst ein Flugzeugpilot, der irgendwo in Südamerika eine Bruchlandung erlitten hat - und diese nicht überlebt hat. Ein machthungriger Wissenschaftler namens Abbott Reeves (Roy Dotrice) hat seinen Körper aufgegriffen und aus ihn einen Cyborg gemacht

- der für ihn in einer neuartigen Zeitmaschine durch die Zeit reist und äh Artefakte stiehlt. Zu Beginn des Films ist er im Antiken Rom und kämpft dort gegen römische Soldaten. Nach seiner letzten Mission scheint seine Aufgabe erfüllt zu sein und Reeves befiehlt seinem untergebenen Dr. Takada (Tad Horino) den Mandroid auseinander zu bauen und somit "einzuschläfern". Takada hat ein schlechtes Gewissen und hilft ihm, zu fliehen. Bei der Flucht wird Takada von Reeves Schergen erschossen. Der Mandroid kommt in den USA an um dort Hilfe von Colonel Nora Hunter (Denise Crosby) zu suchen. Hunter erkennt, dass John eigentlich tot ist und dass sich in ihm drin Technik befindet, die sie entwickelt hat und die von Reeves gestohlen wurde. Nach einigem hin und her, beschließen sie gemeinsam zurück nach Südamerika zu reisen um dort Reeves in seiner Festung zu stellen (und vllt. auch zu töten). Kaum angekommen, heißt es dass sie eine Art Reiseführer brauchen. Diesen finden sie in der Gestalt von Harry Fontana (Andrew Prine), einen Abenteurer und Bootsbesitzer. Begleitet werde sie übrigens von Noras intelligenten fliegenden kleinen Roboter und achja sie treffen auch auf Dr. Takadas Sohn Kuji (Conan Lee), der ein Ninja ist.

Um Harry Fontana indirekt zu zitieren: "Was ist das hier? Ein Comic? Wir haben hier Roboter, Neandertaler...Ninjas". Es ist ein Bisschen wie "Fast and Furious". Ein Kind hätte sich das ausdenken können. Bloß, dass eine klitzekleine ernsthafte Note dabei ist. Der gecrashte Pilot, der tot war und sich an seine Frau und Kind erinnern kann und weiß dass er so nicht weiter leben darf und am liebsten sterben würde. Ansonsten ist das eine Mischung aus "Romancing The Stone" (diesem einen Indiana Jones Ripoff) und äh...Terminator. Schließlich geht es um ein Abenteuer mit Hüten und Booten und äh auch um Zeitreisen und Cyborgs. Dabei will ein Bösewicht tatsächlich in der Zeit zurück reisen und den Lauf der Geschichte beeinflussen. Er will sich zum Cäsar machen. Es scheint fast so als hätte man sich die Story am laufenden Band ausgedacht - wäre da nicht irgendein Budget und eine gewisse Vorplanung nötig gewesen. Man ist in Mexico unterwegs, fährt Boot, lernt einen Neandertaler-Stamm kennen der durch eine Zeitreise hier gelandet ist. Es gibt einen piependen fliegenden kleinen Roboter und einen draufgängerischen, schmierigen Typen der das Herz am rechten Fleck hat. Also quasi wie Indiana Jones, Star Wars, Terminator und irgendwelche Kung Fu Filme in einem. Gegen Ende wird die Handlung noch absurder, aber ich spoiler mal lieber nicht. Jedenfalls ist das hier absolut großartige, völlig meschuggene Unterhaltung, die (größtenteils) harmloser nicht sein könnte. Ich will nicht mal sagen, dass der Film so schlecht ist, dass er wieder gut ist. Ich habe mich köstlichst amüsiert.

7,5/10 Pfandflaschen
Trailer:


Dienstag, 8. September 2026

Comic Book Review#693: Batman: A Death In The Family (2011)

Wieder mal eine Leihgabe von Kollegen M. Vielen Dank dafür. Es handelt sich um ein 2011 erschienenes Sammelband, welches die Ausgaben 426-429 als auch 440-442 von "Batman" als auch 60-61 von "The New Titans" beinhaltet. Dabei geht es um zwei Storylines: "A Death In The Family" und "A Lonely Place Of Dying". 

Den Anfang macht "A Death In The Family": Nachdem Dick Grayson nicht mehr Robin ist und die Identität von Nightwing angenommen hat, wurde das Waisenkind Jason Todd was einst von Batman beim versuchten Diebstahl der Reifen des Batmobils gestört wurde, selbst zu Robin. Der Junge hatte ein ähnliches Schicksal wie Dick Grayson. Beide Elternteile tot, allerdings nicht bei einem Anschlag. So musste er in einem verlassenen Haus wohnen und irgendwie überleben. Nachdem Bruce Wayne ihn

dann offiziell adoptiert hat, dauerte es nicht lange bis er mit zunehmenden Alter irgendwann zu Batmans Partner wurde. Allerdings ist er von seiner Art wesentlich anders als Dick Grayson gewesen. Jason Todd war sehr rebellisch und ungehorsam. Das kriegen wir bereits zu Beginn der Story mit, als er beinahe eine gemeinsame Operation mit der Polizei vereitelt. Batman/Bruce Wayne ist definitiv sauer. Jason geht daraufhin in seine alte Nachbarschaft und kriegt von einer ehemaligen Nachbarin lauter Sachen von seinem verstorbenen Vater überreicht. Dabei findet er raus, dass die Frau die sein Leben lang seine Mutter war, tatsächlich nicht mit ihm verwandt war. Der Name der leiblichen Mutter beginnt mit S. So recherchiert Jason im Adressbuch seines Vaters und findet drei Frauen, die inzwischen in Libanon und Äthiopien leben. Er begibt sich auf die Suche, ganz allein, unabhängig von Batman. Letztgenannter folgt allerdings ebenfalls dort hin - nämlich der Spur des Jokers. Der weißhäutige Schurke ist wieder mal aus dem Arkham Asylum ausgebrochen und plant eine überaus tödliche, nicht registrierte Waffe an eine bestimmte Miliz zu verkaufen (der Name beginnt mit H). So treffen Bruce/Batman und Jason/Robin im Nahen Osten aufeinander und arbeiten wieder zusammen um einerseits den Joker als auch Jasons Mutter zu finden. Es könnte eine israelische Agentin sein oder eine Assassinin oder eine Frau die für ein Hilfswerk der UN in Äthiopien arbeitet. Es kommt, wie es kommen muss. In Äthiopien wird Jason von Joker umgebracht - was übrigens das Ergebnis eines Televotings der Leser von DC gewesen ist. Sie haben per Telefon abgestimmt ob der Junge leben darf oder sterben muss. Scheinbar konnte ihn keiner leiden. Jedenfalls ist das Alternativende zur Storyline hier auch dabei.

In "A Lonely Place Of Dying", die nicht direkt im Anschluss spielt geht es um den direkten Nachfolger von Jason. Ein Junge namens Tim Drake, der einst selbst Zeuge wurde wie Dick Graysons Eltern im Zirkus gestorben sind ist etwas auf der Spur. Der junge Hobbydetektiv (dessen Eltern übrigens Leben) ist der Meinung dass Batman in letzter Zeit wesentlich aggressiver und gewalttätiger auftritt. Er hat eins und eins zusammen gezählt und weiß nun dass Bruce Wayne Batman ist und Dick Grayson Robin war. Da zwischenzeitlich ein neuer Robin (Jason Todd, der damals von Bruce Wayne adoptiert wurde) auf- und wieder abgetaucht ist - Jason Todd offiziell als tot gilt und Batman nun wieder alleine ist, macht die Gleichung für ihn noch mehr Sinn. Tim sucht nach Dick Grayson um ihm mitzuteilen, dass er Batman helfen soll wieder auf die Beine zu kommen. Dieser braucht seiner Meinung nach unbedingt einen Robin um seine menschliche Seite zu bewahren. Dick selbst ist wieder in Sachen Zirkus unterwegs. Irgendjemand versucht nämlich den alten Haley Zirkus von innen zu sabotieren. Also versucht er rauszufinden, wer es denn ist. Batman hingegen versucht Two-Face aus der Reserve zu locken, der offenbar einen weiteren Anschlag oder irgendwas anderes plant.

Zwei Geschichten, die es wahrlich in sich haben. Zunächst mal geht es um Verlust. Jason hat nie seine richtige Mutter kennen gelernt und ist auf der Suche nach ihr bzw. seinen Wurzeln. Er hofft sehr, sie zu finden und endlich Frieden mit sich selbst zu schließen. Bruce ist zwar besorgt, doch kann sein Vorhaben nachvollziehen - auch wenn er über den Alleingang durchaus leicht verärgert ist. Es geht auch um Bruces Verlust. Er kann mit dem Tod Jasons wirklich sehr schlecht umgehen und wird zunehmend aggressiver und skrupelloser. Es ist seine, schlechte, Art Dinge zu verarbeiten. Weiterhin geht es um die Frage "Braucht Batman wirklich unbedingt einen Robin?" bzw. "Ist ein weiterer junger Sidekick an seiner Seite tatsächlich die beste Art einen solch schweren Verlust zu verarbeiten?". Dabei fungiert Tim Drake als eine Art Chance, alles wieder gut zu machen. Der Junge möchte, tief im Innern, selbst Robin sein - Bruce realisiert aber irgendwann dass er durch das "Engagement" von Kindern als "Soldaten" einen erheblichen Fehler gemacht hat. Er hat die Leben von Dick und Jason gefährdet. Dazu kommt noch der Joker als Diplomat der Islamischen Republik Iran, der unantastbar ist und niemals bestraft werden kann. Hilflosigkeit macht sich breit, die dann in Aggression mündet. Eine zutiefst traurige Geschichte, die jedoch ein Licht am Ende des Tunnels zeigt. Geschrieben von Jim Starlin und Marv Wolfman, gezeichnet von George Peréz, Jim Aparo und Tom Grummett.

9/10 Pfandflaschen
Hier ein Video dazu von Captain Away:



Montag, 7. September 2026

Album der Woche#697: Fear Factory - Archetype (2004)

Ich kann mich grob erinnern vor ca. 22 Jahren ein Review zu diesem Album in einer Ausgabe der Musikzeitschrift VISIONS gelesen zu haben. Der Reviewer hat kein gutes Wort darüber verloren. Aber irgendwie hat mich das gereizt. 3/10 Punkte also. Ich dachte mir damals: "Aber ich kenne die Band doch und sie sind doch gar nicht schlecht." Tatsächlich kannte ich FF schon damals vom Fernsehen und war etwas verwirrt warum sie so wenig Punkte bekommen. 


Ich weiß aus heutiger Sicht nicht ob es das letzte gute Album von FF ist oder ob danach noch vllt. 1-2 Banger kommen. Es ist das erste Album ohne Dino Cazares, bei welchem Christian Olde Wolbers sowohl Bass als auch Gitarre bedient. Ansonsten sind wir beim gleichen Line-Up: Burton C. Bell am Gesang und Raymond Herrera an den Drums. Live wurde die Band von Byron Stroud am Bass unterstützt. 

Was ich tatsächlich nicht gut finde, ist das Artwork. Also.... naja es hat einen faden Beigeschmack. Ich weiß dass ab diesem Zeitpunkt Fear Factory nichts anderes eingefallen ist. Jedes Album nach "Archetype" hatte ein Artwork welches zwei Fs gezeigt hat. In verschiedenen Formen. Das wurde irgendwann ziemlich langweilig, glaube ich.

Ansonsten haben wir ein ähnliches Schema wie bei den vorherigen Alben. Groove Metal mit Industrial Kante und cleanen als auch wütenden leicht-gutturalen Vocals. Es geht um das Internet ("Cyberwaste") bzw. die Menschen die da drin sitzen und andere Menschen bedrohen und naja irgendwie auch wieder um den Menschen in einer technisch hochentwickelten Welt. "Archetype" ist tatsächlich ein Diss gegen Dino Cazares. Er wird darin indirekt als "Infektion" bezeichnet und dass die "Seele der Maschinen" nun sich verbessert hat. Nicht nur ist es eine direkte Anspielung auf das erste Album "Soul Of A New Machine" sondern tatsächlich eine echt derbe Beleidigung. Wer bezeichnet schon andere Menschen als Krankheiten/Infektionen. Geez. Ich glaube, in "Corporate Cloning" geht es um geschmacklose Musik, die von der Industrie immer wieder kopiert und verwertet wird. Man schafft es also diesen Gedanken über Industrialisierung/Menschenverwertung in einer Maschinenwelt beizubehalten - es diesmal nicht nur als Storytelling-Methode zu benutzen sondern als Metapher. 

Der Unterschied zu den anderen Alben ist folgender: "Archetype" ist wesentlich cleaner, weniger aggressiv und man könnte fast schon sagen "weicher". Das macht es nicht schlechter - allerdings stellt sich dann die Frage: Wie zur Hölle machen die danach weiter? Weil wenn es genauso weiter geht und jedes Album sich so anhört, wird es ganz schön langweilig. Es ist ein Banger, der allerdings nicht ganz an die bisherigen Vorgänger rankommt.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Archetype, Slave Labor, Corporate Clothing