Mittwoch, 27. Dezember 2023

Album der Woche#613: T-Pain - On Top of the Covers (2023)

Das Schlußlicht des Jahres bildet das siebte Album des US-Amerikanischen Rappers T-Pain. "On Top of the Covers" ist, wie der Titel schon andeutet, ein Coveralbum. Mit 8 Songs und 32 Minuten Laufzeit nicht gerade lang und somit wesentlich näher an durchschnittliche Längen von Alben heutzutage. 

T-Pain, der viel eher für Autotune-Einlagen und schillernden Sonnenbrillen-Hip-Hop bekannt ist hatte vor Jahren mit der Produktion dieses Albums angefangen. Jetzt da er mit seinem eigenen Label unabhängig ist und "machen kann was er will" haut er im Grunde genommen ein Werk raus dass im Prinzip musikalische Favoriten von ihm beinhaltet. Und diesmal kein Autotune. Oder zumindest so wenig wie es nur geht. Es wird hier auch, bis auf NandoSTLs Part in "That's Life", nicht gerappt sondern gesungen. Im Vordergrund stehen hier Klassiker der US-Amerikanischen Popmusik. Es geht

los mit "A Change is Gonna Come" von Sam Cooke, einen absoluten Soulbanger der T-Pains Stimme zum absoluten Höhepunkt bringt. Danach "Don't Stop Believin'" von Journey, was man definitiv nicht erwartet hätte und in dieser Variante mindestens genauso überzeugend ist. Sehr emotional und groovy. "Sharing the Night Together", das ursprünglich von Lenny LeBlanc und Arthur Alexander aufgenommen wurde ist mir allerdings viel zu schmalzig. Das einzige Instrumental, "Skrangs (In K Major Sus) könnte fast schon als Wohlfühl-Ambient durchgehend. Dem folgt "Stay With Me" des englischen Singer/Songwriters Sam Smith. Der Song ist von 2014 und ich habe ihn, zwangsweise, auf der Arbeit bestimmt tausend Mal gehört. Ich mag das Original nicht, allerdings schafft es T-Pain hier wesentlich weniger Schmalz rüberzubringen und das Ganze irgendwie glaubhaft und emotional rüberzubringen. "Tennessee Whiskey" ist der erste Song, der ursprünglich von jemand gesungen wurde, der das absolute Gegenteil von Hip-Hop macht. Nämlich des Outlaw Country Musikers David Allan Coe. T-Pain bringt auch hier eine absolut 100%ige Leistung. "That's Life" ist postiver, traditioneller Pop aus den 60ern. Ursprünglich aufgenommen von Marion Montgomery, jedoch populär geworden durch ein Cover von Frank Sinatra. An diesem Cover orientiert sich T-Pain auch. Großartig. Wirklich fantastisch. Das Album wird mit einem Song beendet, das ähnlich wie "Tennessee Whiskey" weit entfernt von Hip-Hop/R&B ist. Nämlich "War Pigs" von Black Sabbath. Und damit schießt man wirklich den Vogel ab. Denn das ist hier eine zwar nicht originalgetreue, aber dennoch sehr originelle Variante. Wir hören viel Orgel, der mit der Gitarre die Melodie des Originals nachmacht. Das zeugt davon, dass "War Pigs" wahrlich ein Protestsong ist, der von Gospelsängern hätte gesungen werden können. 

Zuerst war ich skeptisch, doch bereits nach den ersten paar Takten war ich vollkommen überzeugt. Es ist für mich eine der Überraschungen des Jahres. Sicherlich nicht das Album des Jahrzehnts, aber auf jeden Fall eines was Mauern sprengt und zeigt dass gewisse Künstler zu wesentlich mehr fähig sind, wenn man sie einfach machen lässt. Sehr gut.

8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Don't Stop Believin', War Pigs, A Change Is Gonna Come


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