Sonntag, 11. Juli 2021

So isses, Musik!#125

Hello there! Da ich diese Woche es etwas ruhiger angehen lasse, gibt es erstmal eine etwas kürzere Ausgabe von "So isses, Musik!". Dafür wird die zweite (die in zwei Wochen erscheint) wieder voll mit Inhalt sein. In dieser gibt es "nur" die zwei nächsten Einträge zu loudersound.coms "Top 50 Rock Albums of the 90s". Viel Spaß. Raphi hat sein finales Video dazu noch nicht veröffentlicht - aber ich denke, das geschieht in Kürze. Anyways, here we go.


10. Tool - Aenima (1996)

Um euch Reviews zu den anderen beiden Tool-Alben auf diesem Blog zu kommen, klickt auf die entsprechenden Hyperlinks von Undertow und Lateralus.


Zweites Album von Tool, direkter Nachfolger von Undertow. Der Titel ist eine Zusammensetzung der Worte "Anima" (Latein für "Seele") und "Enema" (Englisch für Einlauf). Musikalisch überzeugen Tool auf allen ebenen. Es ist auch, denke ich, relativ klar um was für Musik es sich hier handelt, nämlich ähem Neo-Prog Alternative Metal. Das kann man, ja, ganz gut so stehen lassen. Tool bewegen sich einerseits ganz gut auf der 90er Jahre Alternative Metal Schiene - sprich Metal mit "alternativen" Klang, anderseits tauchen sie (wie später auch, allerdings dann noch viel mehr) in den Progressive Rock Ozean und gehen voll darin auf. Ein ganz gutes Beispiel hierfür ist der Song "Jimmy" - der eine Fortsetzung des Songs "Prison Sex" darstellen soll. Eine Armada an nicht enden wollenden Riff, sodass man gar nicht mal mehr sicher ist ob es eine oder mehrere Gitarren sind, die da spielen. 

"Aenima" ist 80 Minuten lang. "Schuld" daran sind aber die zahlreiche Interludes bzw. kürzere Songs. Vor oben genannten "Jimmy" läuft "Intermission", welches den Opening Riff von selbigen nimmt und in Zirkus-Musik verwandelt. "Die Eier von Satan" ist ein vertontes Rezept für ein Haschisch-Rezept denselben Namens. Der Song ist auf Deutsch, gesprochen von Marko Fox, der für ZAUM Bass gespielt hat. Eine Art Parodie auf Neue Deutsche Härte, Rammstein etc. pp. Wenn man keine Ahnung vom Text hat, muss man nur 1 + 1 zusammenzählen: ein Text auf zackigen Deutsch, Industrial-Musik und brüllendes Publikum. Das muss irgendeine Art obskures Nazi-Industrial sein. Ein sehr gelungener Joke! 

Das Album ist übrigens den US-Comedian Bill Hicks gewidmet, der zwei Jahre davor gestorben ist. Die Band war der Meinung, dass sie sich wunderbar ergänzt haben und viel miteinander gemeinsam hatten. So trat Hicks im Vorprogramm von Tool auf und hat einmal die Crowd nach einer verlorenen Kontaklinse von sich suchen lassen - alle haben mitgemacht. Ein Sample von ihm ist auf "Third Eye" zu hören.

Insgesamt: Ein sehr eindringliches, abwechslungsreiches und einfach verdammt gutes Album!

Anspieltipps: Stinkfist, Forty Six & 2, Aenima, Die Eier von Satan
9/10 Pfandflaschen

Und da zwei Meinungen besser sind als eine, hier die von Marlyn:

"Aenima ist vielleicht das eine Album, worauf sich die alte und die junge Generation von Tool-Fans am ehesten einigen. Denn dem scheppernden Alternative Rock-Sound der ersten beiden Alben wurde noch nicht ganz abgesagt. Dennoch zeigen Tool mit ihrem dritten Studioalbum, dass es nach Opiate und Undertow auch weiterhin in Richtung sphärische Prog-Monstrositäten geht.

Was mir an Aenima sehr gefällt, ist seine Ausgewogenheit bezogen auf die Arrangements der Instrumente, der einzelnen Tracks, die gewollten Brüche und Auflockerungen. Und nein, Aenima ist alles andere als langweilig. Lässt man sich ein auf den unverkennbaren Klang der Band, verliert man schnell die Zeit aus den Augen.

In den ersten drei Tracks verwandeln sich ruhige Passagen immer wieder in kraftvolle Ausbrüche. „Forty-Six & Two“ mit seinem markanten, sich stets verwandelnden Riff passt perfekt zu dem doch sehr spirituellen Text, der mich aber nicht weiter stört. Bei Tool bin ich, was das angeht, sehr entspannt. Die Texte haben aus meiner Sicht mehr etwas von Fantasy als irgendeinen missionarischen Zweck. „Jimmy“ führt melodisch „Forty-Six & Two“ und inhaltlich „Prison Sex“ aus dem Album „Undertow“ fort. In „Message to Harry Manback“ und „Hooker with a Penis“, sowie in „Eulogy“, setzen sich Tool mit ganz irdischen Problemen auseinander. Opportunistische Politiker, oberflächliche Fans, Machogehabe und eine sich selbst zerfressende Unterhaltungsindustrie sind den vier Musikern bis heute ein Dorn im Auge. Aufgrund dessen muss der Sündenpfuhl Los Angeles mitsamt dem Staat Kalifornien im 13. Track „Aenima“ dran glauben. Durch eine Flut wird nach einem Gebet kurzerhand alles kurz und klein gemacht. Die Wortneuschöpfung aus Anima (=Seele) und Enema (=Einlauf) erklärt sich von selbst. Es folgt ein Interlude mit dem 1994 verstorbenen Comedian Bill Hicks, einem Freund der Band, welchem dieses Album gewidmet worden ist. Kurz erwähnen möchte ich hier „Die Eier von Satan“. Jeder unbedarfte Hörer, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist, wird der Song erst mal vor den Kopf gestoßen sein. Martialischer Industrial? Ein deutscher Text, fanatisch vorgetragen vor einem johlenden Publikum? Ist das Nazi-Scheiße? -Nope. Es ist ein Rezept für Haschkekse. Ich habe sie in meiner Jugend nachgebacken - ohne Hasch, versteht sich 0:) - und ich war enttäuscht. Die Kekskugeln waren leider bröselig und geschmacklich fad. Nichtsdestotrotz ein gelungener Scherz.

Nach wie vor finde ich „Aenima“ großartig. Wenn ich die Zeit und Muße habe, verliere ich mich sehr gerne in den Klängen.

Anspieltipps: Eulogy, Forty-Six & Two, Die Eier von Satan, Aenima

9/10 Pfandflaschen"




9. Radiohead - OK Computer (1997)

Wie ihr euch vllt. erinnern könnt, fand ich "The Bends" schon echt gut aber so ganz mein Ding wars nicht. Hierbei ist es schon ein wenig anders. 


Radiohead gehen hier nämlich einen relativ großen Schritt weiter, werden eine ganze Spur ruhiger und inkludieren Scratches/Loops und andere Elemente der elektronischen Musik. Die sie später noch viel viel mehr einbringen werden. Laut Sänger Thom Yorke waren der Jazz-Musiker Miles Davis bzw. sein großartiges Album "Bitches Brew" als auch die politischen Schriften von Linguisten Noam Chomsky große Inspiration für "OK Computer". Er meinte auch, dass die Texte so wären als würde er mit einer Photokamera alles um sich herum aufnehmen, was sich zu schnell bewegt. Die Texte sind zwar auch persönlicher Natur, greifen aber sehr ins Abstrakte. Es ist laut Eigenaussage kein Konzept-Album, sollte aber in Gänze angehört werden weil die Songs eine Kontinuität bilden. Mir gefällt es, wie es hin und wieder leichte "Ausfälle" hat, wie in "Paranoid Android" wo der Song relativ ruhig ist und plötzlich solche Riffs auftauche wie auf "The Bends". Diese Computerstimme auf "Fitter Happier". Und dann dieses Geklimper auf "No Surprises" was dich träumen lässt.

Ich fühle mich, dadurch dass ich in letzter Zeit beruflich krass eingespannt bin, von diesem Album auf ne komische entspannende Traumreise mitgenommen. Mir gefällt das. Und dabei lass ich das auch stehen.

Anspieltipps: Paranoid Android, No Surprises, Fitter Happier
8,5/10 Pfandflaschen








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