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Dienstag, 13. Januar 2026

Comic Book Review#663: Colonel Weird: Cosmagog#1-4 (2020-21)

Ich habe diesen Comicband bei unserer letzten Krakau-Reise in einem Multimedia-Laden namens EMPIK. Es handelt sich um ein Bestandteil des "Black Hammer"-Universums, rausgebracht bei Dark Horse Comics. Gezeichnet von Jeff Lemire und geschrieben von Tyler Crook. 

Bei "Black Hammer" handelt es sich um eine nicht orthodoxe Superhelden-Reihe, die die Abenteuer von (ehemaligen) Superhelden The Black Hammer, Abraham Slam, Barbalien, Golden Gail, Madame Dragonfly und Colonel Weird behandelt. In den vier Ausgaben geht es um verschiedene Lebensphasen von Randall Weird, der als Kind wegen seiner Andersartigkeit von Jungs aus der Nachbarschaft

gemobbt wurde und sehr dadrunter gelitten hat. Als Erwachsener hat er sich seinen Traum erfüllt. Er wurde Astronaut und erkundete alleine in der Tiefe des Weltraums eine fremde Welt, die von mysteriösen Wesen bewohnt wurde. Die übrigens aussahen wie riesige Augen auf Spinnenbeinen. Irgendwann wurde er Teil der Superheldentruppe um Black Hammer und kämpfte gegen einen riesigen Anti-Gott, der drohte die Erde zu zerstören - angefangen in Randalls Heimatstadt Spiral City. Irgendwann gab er sein Heldendasein auf und wurde Teil eines Hippie-Kults. Dabei wurde er wie ein Guru angebetet - vielleicht weil er überm Boden schweben konnte. 


Was tatsächlich auch passiert ist: Randy wurde in eine Paralleldimensionen gezogen, genannt die "Para-Zone". Dieser Ausflug kostete ihm nicht wenige Lebensjahre, die er abseits von der allgemein bekannten Realität verbracht hat. In den vier Ausgaben, die in diesem Band abgedruckt sind, befindet er sich in einer Art Limbo zwischen verschiedenen Epochen seines Lebens. Mal ist er der gemobbte Junge, der mit Erde abgeworfen wird, mal der Astronaut im Weltraum, mal der Guru und mal der Held während des katastrophalen Überfalls auf Spiral City durch Anti-God. Die verschiedenen Epochen seines Lebens gleiten ineinander über, er wandert zwischen ihnen hin und her, vor und zurück. Es ist kein trippiger Comic oder so, sondern im Grunde genommen eine Wanderung durch das Leben von jemanden der ganz viel erlebt hat und auf der Suche nach etwas ist. Da ich mich mit dem Black Hammer Universe (noch) nicht gut auskenne, wirkt es auf mich wie eine Art Rückblick auf sein eigenes Schaffen, während man selbst auf dem Totenbett liegt. Gleichzeitig aber auch wie eine Reise durch die eigenen Erinnerungen, um die Antwort auf etwas zu finden. Faszinierende, mitreißende und auch traurige Geschichte. Großartige, halb-cartooneske, halb tragisch-schöne Zeichnungen von Tyler Crook, der auch schon "BPRD" und "Abe Sapien" gezeichnet hat. Ich hab's genossen. sehr.

9/10 Pfandflaschen


Dienstag, 10. November 2015

Comic Book Review#219: The Underwater Welder (2012)

Ein weiteres wunderschönes Werk aus der Feder und Malstift von Jeff Lemire.

Jack Joseph ist ein Taucher, der für eine Ölplattform arbeitet. Er ist seit längerem verheiratet und wird bald Vater. In seinem Arbeitsalltag taucht er und repariert kaputte Stellen an der Ölplattform. Sein Vater hingegen war ebenfalls begeisterter Taucher, der gerne unter Wasser nach Schätzen gesucht hat.  Leider hatte er ein Alkoholproblem, was ihm keine besonders gute Reputation bei Jacks Mutter (und seiner geschiedenen Frau) beigebracht hat. Eines Tages ist er spurlos verschwunden. Seitdem ist Jack
wie besessen davon seinen Vater wiederzufinden, was auch hin und wieder zum Streitthema in seiner Ehe wird. Bei einen Tauchgang geht er ausnahmsweise noch tiefer und stößt auf eine paranormale Anomalie die ihn dorthin katapultiert, wo er nicht einmal in seinen Träumen hinwollte.

Sicherlich nicht so fantastisch wie Sweet Tooth oder Animal Man, allerdings weitaus persönlicher und realistischer. Und das trotz der paranormalen Elemente. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es ist wenn man etwas sucht, wobei aber eine 0,0000001%ige Chance besteht, es zu finden und man dabei komplett verzweifelt. Lemires skizzenhafte, etwas unfertig erscheinende Zeichnungen lassen die Story wie einen etwas wirren Traum erscheinen. Das kommt u.a. auch daher, weil sie nicht koloriert sind. So wirkt der Comic wie ein skurriler Traum aus dem Leben eines sehr verzweifelten Menschen. Oh und diese kleinen Knopfaugen. So schön.

Bei Jeff Lemire kann man grundsätzlich....oder meistens zugreifen. Sehr empfehlenswert für all die Freunde großer Kunst im Comicbereich.

9/10 Pfandflaschen

Dienstag, 1. Juli 2014

Comic Book Review#152: Trillium#1(2013)

Autor und Zeichner Jeff Lemire müsste man mindestens seit der Saga "Sweet Tooth" kennen. Wenn nicht, bitte dringend auschecken, danke.

Die erste Ausgabe von Trillium erzählt zwei Stories. Von einem Soldaten und einer Wissenschaftlerin. Beide beginnen am jeweils anderem Ende des Comics und treffen sich in der Mitte. Für die, die es an der Stelle nicht verstanden haben: Ja, das ist n Wendecomic und dazu ein verdammt guter.

Der erste Teil handelt von einer Wissenschaftlerin namens Nika Temsmith, die im jahr 3797 lebt. Sie arbeitet für eine Station auf dem Planeten Atabithi. Ein nicht näher beschriebenes Virus namens "The Caul"(zu Deutsch: Glückshaube) hat beinahe die gesamte Menschheit ausgelöscht und den übbriggebliebenen Rest an den Rand des Universums gedrängt. Nika sucht das Heilmittel für die Glückshaube bei den Bewohnern des Planeten.

Währenddessen, im Jahr 1921: Der englische 1.Weltkrieg-Veteran William Pike befindet sich auf einer Expedition im peruanischen Regenwald. In seinem Kopf durchlebt er immer noch schlimme Ereignisse aus dem Krieg. Er und seine Kollegen sind drauf und dran einen verschollenen Inka-Tempel zu finden, der angeblich magische Kräfte besitzt.

Die beiden Hauptfiguren schaffen es aufeinander zu treffen, wie und warum überhaupt wird noch nicht erklärt. Allerdings scheint mir der Comic noch richtig gut zu werden.

Update: Mittlerweile habe ich alle 8 Ausgaben gelesen und war zwar vom Ende ziemlich enttäuscht allerdings rundum trotzdem begeistert. Wahres Kunstwerk, was meiner Meinung nach jetzt schon zu den Klassikern der Comickunst gehört. Sicherlich bald auch als Trade Paperback erhältlich.

8/10 Pfandflaschen



Montag, 24. Dezember 2012

Comic Book Review#75: Sweet Tooth. Band 1: Aus dem tiefen Wald(2009)

Es gib diverse Vorteile wenn man seinen Partner dazu bringt Comics zu mögen und zu genießen. Z.B.: Man hat eine Sache mehr worüber man sich unterhalten kann. Und zweitens: man kann sich die Sachen auch ausleihen. So geschehen mit den zwei ersten Bändern von "Sweet Tooth" von Vertigo Comics. Band 3 wird morgen gelesen. Ich hab kurz überlegt, wie ich das Review gestalten soll und ob ich spoilern sollte. Im Endeffekt hab ich beschlossen, dass ich nur das erste Band reviewe und keine weiteren Einzelheiten verraten werde. Denn sie sind es wert, gekauft oder ausgeliehen und durchgelesen zu werden.

Gus wohnt zusammen mit seinem Vater im Wald. Der ältere und schon mitgenommen aussehende Mann hat es nicht mehr lange auf dieser Welt, an die Mutter kann sich der Junge nicht erinnern. Warum leben die beiden im Wald? Nun, die Apokalypse ist wohl doch gekommen und den Großteil der Bevölkerung umgebracht. Eine Seuche ist im Umlauf, welche die Menschen langsam dahinsiechen lässt. Auch Gus' Vater ist davon betroffen. Die einzigen, die nicht von der Krankheit betroffen sind, sind Kinder. Kinder wie Gus. Richtig, Gus ist kein gewöhnliches Kind. Er ist ein Hybrid aus Mensch und Tier und besitzt Reh-Augen, Geweih und Reh-Ohren. Nachdem sein Vater gestorben ist, ist Gus' eines Tages allein unterwegs und fällt auf eine Jägerfalle rein in Form eines Schokoriegels. Doch er wird gerettet von einem kampferprobten älteren Typen der Mr. Jepperd heißt. Dieser meint, dass bald mehr von solchen Menschen kommen werden um Gus' zu holen. Außerdem gäbe es irgendwo ein Reservat für solche Kinder, zu welchen er ihn hinbringen würde. Also machen sie sich auf dem Weg dorthin, durch das postapokalyptische Amerika.... auf ihrer Reise treffen sie auf maskierte Kultisten die Gus' entführen wollen, als auch auf ein Zuhälterpärchen, dass ihre Prostituierten gnadenlos quält. Doch nicht alles ist so wie es scheint, denn Mr. Jepperd hat eine ziemlich krasse Vergangenheit die im zweiten Band offenbart wird.

USA Today meint "Wie Mad Max mit Geweih" und damit haben sie Recht. Grandios, exzellent, zuckersüß als auch todtraurig. Ich hab damit definitiv keine Zeit damit verschwendet. Gezeichnet und geschrieben von Jeff Lemire, der auch den neuesten Animal Man macht.(siehe letztes Review)

Und auch wenn ich in Reviews nicht ganz persönlich werden wollte und ich eigentlich keine Weihnachtsgeschenke mache bzw. kriege: Dieses Review widme ich Frau Otterich, für all die Wärme die sie mir spendet und dafür dass sie mir "Sweet Tooth" gezeigt hat.  kleiner 3

10/10 Pfandflaschen
wie die zwei Comics davor: Im Handel erhältlich und für Schlaufüchse sicher auch im Netz zu finden.