REIN IN DIE SAMPLERHÖLLE:
52. Violent World - A Tribute to the Misfits
Wie der Titel schon verrät: Ein Tribute an eine der Bands die ich in meiner Jugend unfassbar viel gehört habe. Okay, das verrät der Titel nicht aber es geht um die Misfits. Mit dabei sind unter anderem Snapcase, Earth Crisis, NOFX, Pennywise, Therapy?, Prong und Goldfinger. Am meisten haben mir die Varianten von "Last Caress" (NOFX) und "Earth A.D." (Earth Crisis, was für ein Namenszufall lol) gefallen. Oh und die Bouncing Soul'sche Variante von "Mommy, Can I Go Out And Kill Tonight?" (die soweit ich mich recht entsinne ebenfalls live aufgenommen wurde, wie das Original). Was mir insbesondere gefällt ist, dass die Bands nicht bloß versuchen die Songs 1:1 zu covern sondern durchaus den Songs ihre eigene Note verleihen. Bis auf paar Ausnahmen
53. We don't want your fucking war
Ich finde, dass diese Reise durch die Sampler sich durchaus gelohnt hat, weil ich dadurch einen groben Überblick durch verschiedene musikalische Phasen meinerseits kriege. So haben wir einige Crust Punk Sampler, einiges an Horrorpunk und Psychobilly und natürlich auch Tributesampler und politische Musik. So kommen wir hier wieder an bei einem typischen Anarcho Sampler, der nach einer Zeile aus einem CRASS-Song benannt ist. Und naja, es ist relativ durchschnittlich und somit etwas langweilig. Allerdings sind die Bands doch durchaus unterschiedlich - allerdings alle schon zig mal gehört. Dezerter aus Polen bspw. oder UK Subs bringe ich eher weniger mit CRASS-mäßigen Klängen in Verbindung. Broken Bones (eine Band die von einem ehemaligen Discharge-Gitarristen gegründet wurde) mit ihrem Crossover-Thrash auch eher weniger. Jedenfalls ist das okay, aber nicht besonders aufregend.
54. We're A Happy Family
Ein Tribute-Sampler an die Ramones für die ich mich vor mehr als 20 Jahren besonders interessiert habe. Zumindest eine Weile. Damals habe ich mich sicherlich über den ersten Hörgenuss im hiesigen Media Markt gefreut. Heute irgendwie nicht so. Der Sampler ist nicht voll mit Punkbands sondern eher mit Genregrößen, die allesamt die Ramones als Inspirationsquelle nutzten. So haben wir "Havana Affair" von den Red Hot Chili Peppers, "Blitzkrieg Bop" von Rob Zombie oder "Beat on the brat" von U2. Einiges hier geht durchaus klar. Einiges gar nicht. So ist "53rd & 3rd" von Metallica einfach grausam. Ebenso wie der Song von U2. Garbage mit ihrer Variante von "I Just Wanna Have Something To Do" geht hingegen völlig in Ordnung. Naja, es ist wie es ist.
55. Welcome to Circus Punkabilly Vol. 2
Keine Ahnung, woher ich diesen Sampler habe. Vielleicht hat es mir ein bestimmter jemand per ICQ geschickt. Jedenfalls handelt es sich um mehrere eher punkigere Psychobilly-Songs von Bands wie Cenobites, Thee Exit Wounds, Sewer Rats oder Tight Fitting Pants. Weniger Rock'N'Rollig und weniger auf Texte über Zombies und so fokussiert. Stattdessen durchaus punkig und genießbar und irgendwie auch abwechslungsreich. Weil keine Band wie die andere klingt. Trotzdem zeichnet sich hier ein gewisses Muster. Es soll punkiger und weniger psychobilliesk klingen. Ist in Ordnung. Durchaus.
56. Welcome to your Nightmare
Und wieder mal ein Psychobilly-Sampler, der irgendwie einfach da ist. Mit lauter Bands, die mir nichts sagen. Bis auf Klingonz. Swampy's, Brainblastes, Scum Rats..Naja, wer's mag. Es ist ziemlich langweilig und ziemlich beliebig. Mit 12 Songs auch ziemlich kurz.
57. Zensur!
Der letzte Sampler in diesem Ordner. Zumindest wenn es nach dem deutschsprachigen Alphabet geht. Eine Compilation von verschiedensten Künstlern. Es geht irgendwie um Zensur. Natürlich darf das obligatorische "Lied über Zensur" von den Ärzten nicht fehlen aber äh irgendwie auch eine Drum&Bass-Version von Slimes "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" oder "Fick mein Gehirn" von Fischmob. Am allerschlimmsten finde ich J.B.O. mit ihrem Cover von Green Days "Basket Case". "Fick das System" von Die Sterne ist großartig, ebenso wie äh das von Fischmob. Irgendwie. Ansonsten ist das ziemlich anstrengend. Herbert Grönemeyer, Ärzte, Dritte Wahl und Slime auf einem Sampler. Wer hat sich das ausgedacht? Nun, es handelt sich um ein Charity-Sampler für den Comic-Verlag "Alpha Comics", das von einem konservativen Politiker beschuldigt wurde für Kinder ungeeignete Comics rauszubringen. So die Info bei Discogs. Jedenfalls, trotz der guten Sache irgendwie nicht so geil.
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Ich reviewe Marlyns Plattensammlung:
Jethro Tull: Living In The Past (1972)
Das war mal wieder eine Premiere für mich. Ich hatte nur dieses Logo von dem Typen mit Flöte der auf einem Bein tanzt und ganz viel böses darüber. Irgendwie habe ich das so in meinem Hinterkopf gespeichert, dass keiner diesen Flötensound leiden kann. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu.
"Living In The Past" ist eine Compilation von Jethro Tull aus dem Jahre 1972. Sie beinhaltet alle bis dahin erschienen Singles, einige Songs aus bis dahin erschienenen Alben und zwei Live-Stücke. Wenn die Platte nicht gerade eingestaubt ist und die Nadel den ganzen Staub einsammelt, dann springt das ganze Werk nicht, eiert nicht und klingt einfach nur kristallklar. Heiliger Fick, ist das geil. Warum ich habe ich mir noch nie Jethro Tull angehört? Siehe oben.
Es ist irgendwie schwer zu umschreiben. Irgendwie progressiv, so wie viele Bands zu dem Zeitpunkt - gleichzeitig aber seltsamerweise bluesig und irgendwie tanzbar. Vielleicht auf einem Bein, wer weiß.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Wond'ring again, Singing all day, Witch's promise
Anspieltipps: Wond'ring again, Singing all day, Witch's promise
John Mayall: Once Upon A Time (1970)
Wer zum fick war John Mayall und warum habe ich bisher noch nie irgendwas von ihm gehört? Geschweige denn von seiner Zusammenarbeit mit den Bluesbreakers.
Das hier ist (mal wieder) eine Compilation, die bei Polydor rausgekommen ist. Ein Teil einer zehnteiligen Reihe, die verschiedensten Künstlern eigene Compilations gewidmet hat. Zum Beispiel GInger Baker's Airforce, Jack Bruce, James Brown oder eben John Mayall. Die Cream-Compilation stammt ebenfalls aus dieser Reihe.
Ich wusste nicht was mich erwarten würde. Ich dachte vielleicht, es könnte Progressive Rock sein. Dem Plattencover zufolge sieht es ganz schön psychedelisch aus. Was dann tatsächlich auf mich zukam war astreinger Blues(rock). Mit einer höllisch angenehmen Stimme aus Großbritannien, die jedoch durchaus us-amerikanisch klang. Super angenehme Sache, das.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: The Laws Must Change, Thinking of My Woman, Night Flyer
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Jawoll. Wir sind wieder da angekommen, wo wir vorher waren. Also nicht bei dem Sound von "Living Things" sondern bei Linkin Park der alten Schule. Oder zumindest einen größeren Schritt näher daran.
Obwohl LP bei ihren beiden vorherigen Alben selbst Teil von moderner Rockmusik waren, zeigten sie sich zunehmend enttäuscht. Dies war wohl auch der Grund warum man für dieses Album zurück zum alten Sound wollte. Natürlich ist "The Hunting Party" nicht "Hybrid Theory" oder "Meteora", aber zumindest bietet das Album in gewissen Punkten ähnliche aggressive Energie. Von "elektronischen" geschweige denn Dance-Elementen ist nichts mehr zu hören.
Stattdessen setzt man auf altbekannte Muster: Man fühlt sich in die Ecke gestellt, bedrängt, ausgelacht und gleichzeitig mit der Faust in der Tasche dabei dem Ganzen alles entgegen zu setzen. Dabei hört man sich stellenweise an wie Sum 41. Einige Riffs sind tatsächlich sehr HC/Punk-lastig, was ich niemals erwartet hätte. Chester Bennington geht gesangsmäßig an seine Grenzen. Eine willkommene Abwechslung zu den letzten zwei Alben. Ebenfalls abwechslungsreich ist die Tatsache, dass es hier das erste Mal offiziell Features gibt. Rakim rappt auf "Guilty all the same", Tom Morello (RATM) und Daron Malakian (SOAD) steuern Soli auf "Drawbar" und "Rebellion" bei und Page Hamilton (Helmet) singt den Refrain auf "All For Nothing". Dabei sind "Guilty all the same" und "War" wohl die punkigsten Songs die LP je gemacht haben. Das habe ich niemals erwartet. Vielleicht hat Chester Benningtons Ausflug zu Stone Temple Pilots diese Entwicklung hier mit beeinflusst.
Wie auch immer: Großartiges, abwechlungsreiches, ganz und gar nicht langweiliges Album einer Band die erkannt hat, dass sie langsam in die Bedeutungslosigkeit abdriftet und bereit ist, sich selbst zu retten.
8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: War, Guilty all the same, All For Nothing
Anspieltipps: War, Guilty all the same, All For Nothing
Opeth Discography: Watershed (2008)
Neuntes Album von Opeth. Aufgenommen in einer anderen Konstellation als bisher. Fredrik Åkesson und Martin Axenrot an Gitarre und Drums anstelle von Peter Lindgren und Martin Lopez. "Coil" eröffnet das Werk - es ist ein ruhiges, softes Duett mit Sängerin Nathalie Lorichs. Mikael Åkerfeldt zeigt sich mal wieder von seiner sanften Seite. Man könnte meinen dass es dann so weiter geht und Opeth den Death Metal und Growling komplett hinter sich gelassen haben. Doch dann setzt "Heir Apparent" ein und wir kriegen das, wofür wir hergekommen sind. Growling gemischt mit technischen, vertrackten Riffs aber auch absoluten Shreddern, gemischt mit ruhigeren progressiven Passagen und natürlich auch Cleangesang. Diesmal gibt es kein Albumkonzept im Sinne von irgendeiner erzählten Geschichte.
Stattdessen geht es um persönliche äh Konzepte. Zumindest in "Coil" geht es um eine Trennung und so scheint es auch in den restlichen Songs um persönliche Verluste zu gehen. Dabei bleibt es nicht nur bei einer Trennung, sondern um das Auseinandergehen zwischen zwei Menschen. Ich meine damit, dass jemand sich zwischenmenschlich von jemanden entfernt, indem er sich komplett verändert. Dabei spielen auch Drogen eine Rolle. Auch der (Frei)Tod ist ein Element, dass hier aufgearbeitet wird. Ich habe beim letzten Album gesagt, dass ich nicht weiß was ich dazu sagen soll. Es ist verdammt gut gewesen und ich war mir nicht sicher ob das nächste Opeth-Album auch "gut" sein wird bzw. ob es "besser" sein kann. Weil selbst wenn man die ganze Zeit verdammt gute Musik macht, heißt es nicht dass es besonders innovativ ist. Tatsächlich finde ich nicht, dass Opeth sich hier irgendwie neu erfinden. Es ist trotzdem eine höllisch gute Mischung aus cleanen und gutturalen Vocals, Blastbeats, seichten Melodien. Progressiver Death Metal eben, wie er im Buche steht. Ich habe gehört, dass das hier allerdings das letzte Album ist, dass in dieser Schublade steckt. Soll heißen, dass beim nächsten alle Death Metal Elemente wegfallen. Mal gucken.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: The Lotus Eater, Coil, Heir Apparent




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