Es ist wieder mal soweit. Wieder mal sitze ich am Laptop nach einer, durchaus durchwachsenen, aber doch ziemlich ermüdenden Schicht. Wieder mal bin ich scheißemüde und wieder mal "zwinge" ich mich irgendwie dazu diesen Jahresrückblick zu schreiben. Der sehr wahrscheinlich wieder mal sehr kurz ausfallen wird.
Was diesen Blog betrifft, war ich wieder mal tatsächlich ganz fleißig und kann mir mit beiden Händen auf beide Schultern klopfen. Nachdem ich 2024 eine "Pause" eingelegt habe, während welcher ich für 2025 weiter geschrieben habe, habe ich 2025 für 2026 weiter geschrieben. Es bleibt nicht mehr viel zu machen. Nur noch so 52 Filme gucken und so. Ist schon geil, irgendwie. Manchmal habe ich das Gefühl, es wächst mir überm Kopf - dann ziehe ich mich für einen Moment zurück und das merkt kein einziger Leser. Dann ist alles wieder gut. Ich habe tatsächlich auch, sehr wahrscheinlich, auch ein ungefähres Datum wann ich denn aufhören werde. Das wird das Jahr 2029 sein - denn dann wird der Blog ganze 20 Jahre alt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es beschlossene Sache ist. Vielleicht werde ich aber auch wieder eine einjährige Pause einlegen, wer weiß. Schließlich rennt die Plattform nirgendwo hin. Blogger.com ist scheinbar immer noch profitabel für Google und man hat keine Pläne, alles einzustampfen.
Was die internationale Lage betrifft - die mich vor drei Jahren als auch zwei Jahren betroffen hat - so sehe ich weiterhin schwarz. Habe aber gleichzeitig die Hoffnung, dass der Schimmel aus dem Bunker (russischer "Präsident") irgendwie plötzlich den Löffel abgibt, der Ayatollah das gleiche tut und irgendwie es zwei große Revolutionen gibt - im Iran und Russland. Auch, dass Menschen auf der Welt nicht vor Krieg fliehen müssen oder aufgrund ihrer Hautfarbe/Religion abgeschlachtet werden. Auch dass ich mich nicht scheuen muss mit Menschen Russisch zu reden, weil ich angst habe, mein Gegenüber könnte ein gehirngefickter Z-Patriot sein. Auch dass ich irgendwann mal ganz offen mein Chai-Anhänger tragen kann, ohne das eklige Gefühl zu haben, irgendjemand könnte es erkennen und mich verbal oder physisch angreifen. Ich mag auch das Gefühl nicht, sich von Freunden oder Bekannten trennen zu müssen, weil sie sich zwischenmenschlich und auch politisch dermaßen ekelhaft daneben benehmen. Aber das bringt das Leben nun mal mit sich.
Ich habe keine Vorsätze fürs neue Jahr. Aber ich habe mir vorgenommen, weniger zu arbeiten. Und mehr zu studieren. Ganz richtig, ich werde wahrscheinlich ein Teilzeit-Studium anfangen und vielleicht auch so ein wenig mehr Zeit haben um meinen Hobbies nachzugehen. Hoffentlich. Was ich dieses Jahr auch getan habe: Ich habe eine Therapie angefangen. Und ich kann jeden von euch empfehlen, das gleich zu tun. Vor allem den Leuten mit XY-Chromosom. Ich habe endlich das Gefühl, mich selber mehr zu verstehen und realisieren warum ich manche Dinge so und nicht anders mache.
Natürlich wird es auch eine Blogpause hier geben. Und zwar ab jetzt bis Ende der Woche - und dann wieder den ganzen April über.
Bis nächstes Jahr. Grüße gehen nach: Herne, Gelsenkirchen, Bochum, Duisburg, Lengerich, Jena, Würzburg, Brünzow, Koszalin und Kraków.
Stricher guckt sich "Stromberg - Wieder alles wie immer" an am 21.12.2025 in Filmwelt Herne
So. Genug jetzt. Es ist das letzte "Happenings des Monats" in diesem Jahr und diesen Monat ist happeningstechnisch nicht wirklich viel geschehen. Das ist also das einzige "Ereignis" im Dezember. Here we go.
Lirum larum. Worum geht es? Es ist die Fortsetzung von "Stromberg - der Film" von vor elf Jahren und führt die Handlung allerdings nicht direkt fort. Wir erfahren nicht was mit Bernd Stromberg (immer noch Christoph Maria Herbst) in der Berliner SPD-Zentrale geschehen ist. Fest steht: Er ist nicht mehr bei der Capitol, allerdings ist dankt der fiktiven Doku eine Art Kult um ihn entstanden. Tanja (Diana
Staehly) und Ulf (Oliver Wnuk) sind immer noch bei der Capitol tätig und Eltern von Marvin (Carlo Stolle). Berthold "Ernie" Heisterkamp (Bjarne Mädel) ist inzwischen Life-Coach und Autor eines Buches über Mobbing. Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig) ist mit einem "Content Creator" namens Julien (László Branko Breiding) zusammen und offensichtlich alkoholabhängig. In einer neuen Talkshow sollen die fünf aufeinander treffen und erzählen wie es ihnen so ergangen ist. Dabei wird erzählt welche Position Bernd inzwischen inne hat. Er ist bei einem "Multi-Purpose Unternehmen" namens "Alpha" tätig und scheint dort ein grosses Tier zu sein. Was wir ebenso mitkriegen: Es gibt Proteste gegen die Sendung von feministischen Gegnerinnen der durchaus sexistischen/rassistischen Inhalte der Sendung und eine Stromberg-Followerschaft voll mit Halbglatzen-Maske und Schnurrbart/Mantel tragenden Fans von Bernd, die ihnen gegenüber stehen. Es ist nicht alles wieder wie immer.
Der Film ist durchaus deprimierend aber gleichzeitig irgendwie auch realistisch. Früher hat man über die Witze in der Serie gelacht, weil diese ganzen Menschen dadrin ziemliche Arschlöcher waren. Man lachte darüber, nicht weil man der gleichen Meinung war, sondern weil die Menschen Scheiße waren. Stromberg war scheiße. Es war ein durchaus narzisstisches, selbst unsicheres Arschloch dass andere gerne in die Pfanne gehauen hat, wenn es für ihn nützlich war. Der neue Film stellt ganz gut dar, dass diese Person niemand ist den man nacheifern sollte. Er ist kein guter Chef, kein Vorbild, nix dergleichen. Gleichzeitig kriegt man den ebenfalls sehr realistischen gesellschaftlichen Diskurs, ob so eine Sendung überhaupt noch möglich ist bzw. ob man so jemanden in einer Talkshow überhaupt eine Plattform geben sollte. Was ebenfalls sehr realistisch ist, dass kaum etwas schlimmes mit der besagten Person geschieht, all diese Fehltritte irgendwie verziehen werden und diese wieder zum Liebling auserkoren wird. Ich bin sehr zwiegespalten gewesen. Habe so einige Lacher von mir gegeben. Fand einiges witzig. Andererseits ist das hier wirklich sehr traurig. Ich bin mir fast schon sicher, dass es der Startpunkt für eine Stromberg-Revival-Serie sein wird. Bin in der Hinsicht allerdings zwiegespalten, ob das wirklich sein muss. Denn einerseits hat der Film einige realistische Momente/Verhaltensweisen eingefangen (bpsw. die Stromberg-Fans die Ulfs Adoptivsohn aufgrund seiner vermeintlichen Sexualität belächeln), andererseits wird Bernd selbst aggressiver als sonst und schlägt zu - was er sonst niemals getan hat. Viel eher war er immer derjenige der die Flucht ergriffen hat. Einerseits, andererseits. Gute Ansätze, komische Entwicklungen, witzige Momente und teils sehr peinliche und verstörende Szenen. "Stromberg - Alles wieder wie immer" versucht irgendwie dem aktuellen Zeitgeist einzufangen als auch den Gedanken "Was wäre wenn Stromberg heutzutage im Fernsehen laufen würde", verliert sich allerdings gegen Ende und irgendwie wird alles mit McDonald's Werbung nicht viel besser. Ich glaube, wenn eine neue Serie laufen würde, würde sie gnadenlos unter gehen.
"Once Upon A Time" von Cream ist keine internationale Veröffentlichung sondern ein nur für den deutsch(sprachig)en Markt gedachtes Best Of. Die Supergroup, die damals aus Ginger Baker, Jack Bruce und Eric Clapton bestand, brachte zwischen 1966 und 1969 vier Alben - das reicht ja auch um daraus eine Best Of Doppel LP zu basteln. Hierauf ist Material von den besagten vier Alben als auch einige Live-Versionen.
Ich hatte nie auch nur irgendetwas mit dieser Band am Hut, war aber sofort durchaus verzaubert. Mir gefällt dieses bluesig-psychedelische Allerlei, dass offensichtlich nach Kiffen und anderen Arten von Drogenkonsum schreit. Aber egal. Es ist fantastisch, einfach großartig und auch wenn die Best Of für den einen oder anderen Fan so erscheinen mag, als wäre sie unnötig - weil es gibt ja nur vier Alben - so ist sie durchaus ein guter Einstiegspunkt für diejenigen die noch nie irgendwas von Cream gehört haben. Allerdings finde ich sie in digital einfach nirgendwo. Schade.
8/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Sunshine of your Love, Doing That Scrapyard Thing
Dire Straits:Communiqué (1979)
Zweites Album der britischen Dire Straits. Letztes Album mit David Knopfler an der Gitarre und somit auch das letzte im Original-Line-Up. Sänger Mark Knopfler dürfte so einigen schon ein Begriff sein. Dire Straits waren für mich hingegen nie ein Begriff. Ich hatte nie auch nur irgendwas mit der Musik am Hut. Dabei mag ich so einiges an Blues als auch Folk und Country. DS spielen nämlich etwas, was man damals "Roots Rock" genannt hat - also eine Art Verneigung vor den Wurzeln des Genres.
Leider kann ich damit nicht so richtig was anfangen. Mark Knopflers Stimme wirkt für mich desinteressiert, fast schon ein wenig angetrunken. Die Instrumentals gehen durchaus in Ordnung. Es ist, wie gesagt, eine Art Verneigung vor Folk und Blues. Doch das Gesamtprodukt erscheint mir relativ spannungslos und somit leider ziemlich langweilig. Die Kritik an der Platte war ungefähr die folgende: "Communiqué erscheint wie eine Kopie des Vorgängers "Dire Straits". Das ist leider durchaus gängig gewesen, dass man versucht hat an den Erfolg der ersten Platte anzuknüpfen und etwas ähnliches rauszubringen. Mich interessiert das hier leider so gar nicht. Naja, ab zur nächsten Platte.
3/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Lady Writer
Dire Straits:Love Over Gold (1982)
Viertes Album von Dire Straits. Fünf Songs, wovon der erste ("Telegraph Road" der von einer unheimlich langen US Highway 24 handelt) ist ganze 14 Minuten lang.
Ich fürchte Dire Straits und ich werden in diesem lange keine Freunde werden. Anders als bei
"Communiqué" versucht man nicht sich selbst zu kopieren, sondern irgendwie neue Wege zu gehen. Es ist irgendwie progressiv, keyboard geladen und irgendwie jazzig. Ich mag sogar das Artwork, irgendwie. Aber mich nervt diese udolindenbergeske Stimme von Mark Knopfler und dieses komische Arrangement. Dire Straits klangen wohl damals schon alles andere als jugendlich, sondern einfach altbacken mit einem äh leicht progressiven Touch. Dabei kann ich so vieles aus der Ära verdammt gut leiden. Ne.
2,5/10 Pfandflaschen Anspieltipps: Telegraph Road
The Doors:Weird Scenes Inside The Gold Mine (1972)
Ähnlich wie bei Cream - ebenfalls eine Compilation. Allerdings eine die nicht nur für den deutschsprachigen Markt gedacht war. Es ist die zweite Compilation und die erste nach dem Tod von Jim Morrison.
Selbstverständlich fängt sie an mit "Break On Through" und endet mit "The End" auf der ersten Platte. Die zweite fängt an mit "Take It As It Comes" und endet mit "When The Music's Over". Was soll ich sagen? Ich habe vermutet, dass es sich um eine Art Cash Grab vom Plattenlabel handelt - also dieses
Album würde die gleichen Songs wie bei "13" (der ersten Compilation) beinhalten. Tatsächlich sind hier größtenteils Fan Favorites zu hören und Songs die nicht so im Rampenlicht standen. Ich bin großer Fan von Danzig und durchaus jemand der Elvis Presleys Gesang schätzt. Meines Erachten klingt Glenn Danzig nach einer Mischung aus Jim Morrison und Elvis Presley. Wahrscheinlich deswegen gefällt mir Morrisons Stimme. Der Rest geht runter wie Öl. Insbesondere gefallen mir die Keyboard Sounds won Ray Manzarek. Es ist faszinierend, wie einfach das hier ist, trotz des Legendenstatus.
8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Break On Through, The End, L.A. Woman
REIN IN DIE SAMPLERHÖLLE:
41./42. Rock Against Bush Vol. 1 & 2
Es war mal im Dezember 2003. Ich habe mir die VISIONS#129 gekauft mit der Titelstory "Punk sei dank!". Darin ging es um die Politisierung des modernen Punkrocks. Eine der Hauptfiguren in der Story war Fat Mike - der Sänger von NOFX. Es ging unter anderem um seine Plattform Punkvoter, die dazu genutzt werden konnte, um sich als Wähler zu registrieren. Gemeinsam wollte man George W. Bush aus dem Amt wählen. Man war nicht explizit pro John Kerry (den damaligen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten) sondern wollte einfach nur Bush nicht mehr als Präsidenten. Dazu gab es auch zwei Sampler namens "Rock Against Bush". Darauf waren etliche Bands von Fat Wreck Chords, Hellcat Records und anderen kleinen Labels wie Epitaph. Selbstsverständlich NOFX, No Use For A Name, Less Than Jake, Dropkick Murphys, Social Distortion, Bad Religion. Aber auch eher kleinere Bands wie The Soviettes, Sugarcult, The Frisk. Tatsächlich aber auch solche Größen wie No Doubt, Foo Fighters und sogar Donots. Sehr vielfältige Sampler - deren Songs teils nicht unbedingt politische Texte beinhalten. Meine Favoriten hierauf sind "Gas Chamber" (Cover von Angry Samoans) von Foo Fighters und "Normal Days" von Denali. Liebe ich heute immer noch und kann's nur weiter empfehlen.
43. Rockabilly Psychosis and the Garage Disease
Hach, wieder mal ein Psychobilly Sampler. Naja, nicht so ganz. Tatsächlich verbindet dieser die Wurzeln des Psychobilly (die in Rockabilly und Garage Rock liegen) mit damals frischen Psychobilly-Bands. So kriegen wir "Surfin' Bird" von den Trashmen als auch "Psycho" von The Sonics zu hören - auf der anderen Seite "Radioactive Kid" von The Meteors, "Just Love Me" von Guana Batz und "Jack On Fire" von The Gun Club. Letztere sind definitiv keine Psychobilly Band gewesen, haben aber mit ihren psychedelischen Sound das Genre beeinflusst. Coole Scheiße.
44. Russian Punk Cannonade Vol. 6
Sehr merkwürdiger und ehrlich gesagt gar nicht mal so guter Sampler. Darauf zu hören sind einen Haufen Bands aus Russland aus verschiedenen Sparten des Punkrock. Die meisten sind darauf aus US-Hardcore oder Streetpunk zu kopieren. Bands wie Terpinkod, Mutagen oder FPG sind mittlerweile nicht unbekannt. FPG sind soweit ich weiß inzwischen Z-Patrioten. Red Army haben hier einen Song namens "Red Army - Fuck Off", der kein Selbstdiss sein kann und auch keine Absage an die Rote Armee. Denke mal, man hat versucht zu sagen "Wir sind Red Army - Fuck off!" und es ist gar nicht gelungen. Mit dabeie sind Gastbeiträge von Bands aus Deutschland und den Niederlanden: Die Strohsäcke und Antidote. Grauenhafter Sound (größtenteils) und grauenhafte Songs (größtenteils). Am dämlichsten fand ich den Song "Hakamada" von Tanzilit. Darin wird die Politikerin Irina Hakamada als Fotze/Hure/Nutte beleidigt. Meine Fresse, was für ein unnötiger edgy Scheiß. Bah.
Holy moly. Insgesamt schon elftes Studioalbum von Robert James Ritchie aka Kid Rock. Ich wusste zunächst nicht, was ich davon halten soll. Es kann gut sein, dass ich beim ersten Hören etwas schlechte Laune hatte, beim zweiten Hören gings mir wahrscheinlich besser. Demzufolge war ich beim ersten Mal ordentlich genervt und fand das Album scheiße, beim zweiten konnte ich so einige Perlen erkennen.
Eine Perle, aber nicht im guten Sinne ist das Schlußlicht des Albums, "Grandpa's Jam". Darin heißt es:
"Team supreme, so fresh so clean
So pro you know, I'm like Mean Joe Greene
Pass the peas, hold the cheese
You could roll with Rock or you could swing on these
These, these, these nuts
Rocking all you bitches with the old school cuts
So please, please, please shut up
I got a lot of love but I'm all out of fucks"
Heiliger Fick. Junge, warum? Egal. Jedenfalls gibt es hier auch tatsächlich einige gut gemeinte und gut ins Ohr gehende Songs. Alleine der Opener "Greatest Show on Earth", in welchem es darum geht dass KR und seine Backing Band Twisted Brown Trucker die beste Show überhaupt bieten. Erinnert mich etwas an Grand Funk Railroad oder an die Classic Rock Momente von Rob Zombie. "Po-Dunk" ist ein Tribut an Hillbilly/Redneck-Landleben. Sprich schwangere Frau mit bereits existierenden Kind am Arm, die in der Küche steht und Essen kocht, während ihr Vater mit einem Gewehr nach dem Übeltäter sucht, der seine Tochter geschwängert hat. Durchaus unterhaltsam. Größtenteils schlägt das Album versöhnlichere Töne an. Es geht um durch die Gegend fahren, die wahre Liebe finden und im Endeffekt besoffen und von Drogen gezeichnet auf dem Badezimmerteppich schlafen ("Tennessee Mountain Top"), einsam sein und jemanden vermissen ("I Wonder"), good old flavoured american rock'n'roll ("American Rock'N'Roll"), "Mein Sohn, ich erzähle dir jetzt was von meinem Leben und dass du ein besseres haben sollst als ich" ("Back to the Otherside"), "Sorgen im Alkohol ertränken" ("Raining Whiskey", "Oh shit, lass mal das Intro von "Don't Stop Believin'" von Journey kopieren" ("Stand the Pain"), "Ooooh ich liebe dich so sehr oooohooo" ("Sugar Pie Honey Bunch") und natürlich "Fickt euch alle, ich bin Kid Rock, ich bin alt aber ich kann immer noch rappen" ("Grandpa's Jam"). Der Großteil des Albums ist wirklich sehr sehr sehr schmalzig. Falls ihr zufällig in den USA wohnt, ein einsamer Trucker seid, der viel auf den Bundesstraßen unterwegs ist, so ist das tatsächlich Musik für euch. Eine Mischung aus Southern Rock, Country und kleines Bisschen Hip-Hop. Ansonsten ist das nichts für euch. Die etwas mehr stampfenden, rockigeren Nummern sind tatsächlich gute Ohrwürmer und schaffen es, dass ich mit dem Kopf nicke und etwas mit dem Fuß stampfen will. Der Rest ist eher nicht so. Insgesamt weiß ich gar nicht was ich von diesem Album halten soll. Ich glaube, dass das letzte Bisschen Normalität ist, die KR noch ausgestrahlt hat, bevor er komplett zum Trump-Fan und Anti-Covid-Maßnahmen-Spinner mutiert ist. Aber darüber wird es erst im nächsten Jahr gehen, wenn ich sein bis jetzt letztes Album reviewen werde. Ich verabschiede mich von KR an dieser Stelle mit saftigen, braunen
3,75/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: I wonder, Tennessee Mountain Top, Po-Dunk, Greatest Show On Earth
Linkin Park Discography: Minutes To Midnight (2007)
Offiziell betrachtet "erst" das dritte Album, wenn man aber "Re-Animation" als eigenständiges Album versteht, dann ist es "schon" das vierte. "Minutes To Midnight" wurde von Co-Sänger/MC Mike Shinoda und Produzenten-Legende Rick Rubin produziert. Es ist ein Hit and Miss, meines Erachtens und stellenweise durchaus anstrengend, andererseits aber hat es wirklich gute Momente. Übrigens auch das erste Album von LP auf welchem das "Parental Advisory - Explicit Content"-Label prangt.
"Minutes To Mignight" bietet eine vollkommene Abkehr von Nu Metal. Was wir stattdessen zu hören bekommen sind größtenteils sehr melodische und auch melancholische bzw. emo-eske Titel wie "Leave Out All The Rest" oder "Valentine's Day". Aber auch durchaus punkrockige Songs wie "Given Up" oder "Bleed It Out", in welchem Shinoda wieder wirklich gute Rap-Parts darbietet. "What I've Done" habe ich schon ungefähr tausend Mal gehört. Es ist auf dem Soundtrack zu diesem einen Transformers-Film und außerdem in den Videos von diesem YouTuber, Liam Carpenter. Holy fuck, ich kann das nicht mehr hören. Hingegen mag ich "No More Sorrow" sehr, weil es diesen Nicht-Nu-Metal Sound hervorbringt, zu dem LP durchaus fähig sind. Sie klingen dabei quasi wie eine schlichte moderne Metal-Band ohne Turntable-Scratches oder Sprechgesang. Großartiger simpler Breakdown. Ansonsten störe ich mich an diesen ganzen melancholischen und ja, durchaus weinerlich klingenden Songs. Es ist nicht so, dass ich grundsätzlich was dagegen habe. Mich nervt es nur, dass das Album so aufgebaut wirkt als würde ein schnellerer, heavy Song einen melancholischen jagen bzw. umgekehrt. Ich kann hier, im Gegensatz zu "Hybrid Theory" oder "Meteora" nicht behaupten, dass ich drei-vier Songs hintereinander am Stück hören kann. Leider. LP sind damit nun komplett im Mainstream Rock angekommen und das bedeutet für meine Ohren nicht unbedingt was gutes.
6/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Given Up, No More Sorrow, Bleed It Out
Opeth Discography:Blackwater Park (2001)
Fünftes Album von Opeth, oftmals beschrieben als ihr "Meisterwerk" oder "sehr wichtiges Album". Besonderen Einfluss darauf hatte Gitarrist und Sänger von der Progressive Metal Band Porcupine Tree, Steven Wilson. Dieser hatte sich mit Sänger Mikel Akerfeldt angefreundet und gemeinsam mit der Band hat er das Ding auch produziert.
Ich muss sagen, dass es mir bei Opeth irgendwo unheimlich schwer fällt, die Musik großartig zu umschreiben. Will nicht sagen, dass sie immer das Gleiche machen, jedoch gibt es da ein bestimmtes Muster. Dieses funktioniert jedoch sehr gut. Melodischer Death Metal mit gutturalen als auch cleanen Gesang, gewürzt mit jede Menge progressiven Einschüben. Sprich komplizierteren Riffs oder
Drumming als auch Akkustikgitarre-Einfällen. Thematisch geht es, um die Sünden der Menschheit, den Ekel vor der Menschheit als auch den Untergang dieser. Der Titel hat aber gar nichts damit zu tun. Man hat das Album nach einer deutschen Prog Rock Band benannt. Überhaupt war es das erste Album von Opeth, dass als erstes einen Titel hatte bevor überhaupt Songs fertig waren.
Es ist ein wirklich schönes Album. "Brutale" Sounds wechseln sich ab mit "schönen" Melodien. Faszinierend, vor allem weil es so positiv klingt und doch von so schlechten Dingen handelt. Zumindest teilweise. Meine Favoriten sind der Headbanger "The Lepper Afinity", das melancholisch-schöne "Harvest" als auch der Titeltrack. Ich habe dazu nicht mehr wirklich viel zu sagen, wahrscheinlich weil die Musik für sich selbst spricht.
8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: The Lepper Afinity, Harvest, Blackwater Park
Slayer Discography: Christ Illusion (2006)
Je nach Zählweise (ob man "Undisputed Attitude" als Album und nicht als Compilation zählt) das neunte oder zehnte Album von Slayer. Nachfolger vom großartigen "God Hates Us All", erschienen im Jahr 2006. Erinnere mich noch gut daran, dass alle darauf hyped waren, weil man irgendwie erwartet hat, Slayer würden ihr neuestes Werk am 06.06.06. veröffentlichen. Tatsächlich ist an dem Tag aber "nur" die Single "Cult" rausgekommen.
Und genau diese Single hatte es textlich in sich. Darin wird Religion mit Begriffen wie "Hate", "Fear", "Rape" und "Obscene". Ich fand es amüsant als Tom Araya, der ein gläubiger Katholik ist, erzählt wie es ist solche Lyrics zu singen. Sinngemäß zitiert hieß es: "Wenn man mir sagt, 'Im Text heißt es "Jesus is gore"', dann singe ich das halt". Faszinierend. In "Cult", "Skeleton Christ" als auch "Jihad" geht es um Religion als ideologischen Motor von Sekten und Fundamentalisten. So ist "Jihad" aus der Perspektive der Terroristen vom 11. September geschrieben. "Skeleton Christ" hingegen zeichnet das Bild der US-Amerikanischen Kirche als die "größte Sekte überhaupt, die darauf aus ist Menschen mental zu versklaven". "Eyes of the Insane" handelt von fürchterlichen PTSD-Erlebnissen von Soldaten die vom Krieg nach Hause gekommen sind. Insgesamt also, wieder einmal, eine Auswahl an realistischen Themen, die wenig mit Teufelsanbetung oder ähnlichen zu tun hat. "Jihad" beinhaltet übrigens auch die letzten Worte von Mohammed Atta, einen der Terroristen die das erste Flugzeug ins WTC gesteuert haben. Musikalisch auch eine Rückkehr zu den Wurzeln - d.h. Zeiten von "Reign In Blood" und "South of Heaven". Wir haben es hier wieder mit einer 100%igen Thrash-Metal-Band zu tun. Es ist ein wirklich verdammt gutes, kurzes Album. All killer, no filler. Ohne Scheiß. Also, beinahe. Hehe.