Seiten

Sonntag, 27. September 2020

So isses, Musik!#108


Weiter gehts! Diesmal verlinke ich das Video von Raphael "nur", weil mich diese kleine Ansicht von Videos ankotzt, die es scheinbar nur noch zur Auswahl gibt nachdem blogger.com keine YouTube-Videos mehr einbinden lässt. Um noch mal dran zu erinnern: Der Genosse hat die Alben 50-41 reviewt und ich mache das auf ne eher langsamere Art. Anyways, hier sind die Plätze 48-47.

48. Radiohead - The Bends (1995)

Es ist glaube ich, das erste oder zweite Mal dass ich mir tatsächlich ein Radiohead-Album in voller Länge gebe. Ich hatte vor Ewigkeiten vorgehabt mal "Pablo Honey" zu reviewen. Allerdings hat es mir irgendwie nicht sonderlich gut gefallen, es klickte irgendwie nicht, darum hat das Album es nicht in den Blog geschafft.

"The Bends" ist das Zweitwerk von Radiohead, auf dem oben genannten Album war das berühmt-berüchtigte "Creep" drauf. Hiermit waren sie also schon irgendwie im Mainstream-Rampenlicht. Kritiker bzw. Radiohead-Miesmacher versuchen die Musik der Band immer irgendwie als "zu depressiv" und "emo" zu bezeichnen. Und in der Tat seh ich auch, dass sie der Soundtrack für eine depressive Episode sind. Sie machen sehr feinfühligen, melodischen Alternative Rock. Sänger Thom Yorke erinnert mich an diesen Typen von Muse, nur dass letztere erst später berühmt wurden und wahrscheinlich hier abgekupfert haben. Aber bloß weil das Album größtenteils eher seicht klingt, heißt es nicht dass es nicht auch "zur Sache" gehen kann. "My Iron Lung", "Black Star" oder "Just" haben auch wesentlich "rockigere" Elemente. Während "Sulk" irgendwie verträumt daherkommt. 

Mein Fazit: Hier steckt wesentlich mehr als man vermutet. Es ist ein verdammt gutes, einfühlsames und ruhiges Album welches jedoch ordentlich Riffs in Petto hat. So ganz mein Ding ist es allerdings nicht, dafür bin ich wohl einfach der falsche Ansprechpartner oder wie man das sagt.

7/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: My Iron Lung, Sulk, Just, Black Star

Und weil eine Stimme nicht genug ist, sagt Marlyn auch noch was dazu:

The Bends lässt nach Pablo Honey schon 1995 erkennen, wohin es mit Radiohead geht – im Vergleich zum Vorgänger ist es etwas weniger „schrammelig“, trotzdem immer noch gitarrenlastiger und analoger als der Nachfolger OK Computer.
Sowohl lyrisch als auch musikalisch passt The Bends in die Lebenswelt eines jungen Erwachsenen, der desillusioniert durchs Leben stapft. Themen wie Entfremdung vom eigenen Umfeld und schließlich auch von sich selbst, zerbrochene Liebesbeziehungen und das Aufkeimen von Wut und Frustration über das Unvermögen, sich aus der misslichen Lebenslage zu befreien – für Altrock Mitte der 90er durchaus gängige Themen. Dennoch ist The Bends kein Nullachtfuffzehn-Britrock-Album, wie ich finde. Radiohead schaffen es schon früh eine große Bandbreite von Musikstilen zu einem wiedererkennbaren Sound zu vereinen. Irgendwo zwischen Britpop, Grunge und einer Prise Shoegaze ist The Bends zu verorten, je nach Track mit fast offensichtlichen Anleihen von anderen großen Bands wie Oasis („The Bends“, inklusive eindeutiger Kritik an dem Lebensstil der Gallaghers) und den späten Nirvana („My Iron Lung“).
Noch ein Kritikpunkt am Rande: Leider sind mir Yorkes Vocals zeitweise echt zu weinerlich, auch wenn sie zum einzigartigen Klang der Band beiträgt.  
Insgesamt ein gelungenes Album, das ich für eine Zugfahrt mit schlechter Laune empfehlen kann.

Lieblingstracks:
Planet Telex, Fake Plastic Trees, Just, My Iron Lung
7,5/10 Pfandflaschen




47. Fugazi - Repeater (1990)

Ich habe zu diesem Album schon mal was gesagt. Und zwar hier. Darum wird Phil Th. Pig was dazu sagen: 

Ja, ich gebe es zu, ich bin Ian MacKaye-Fanboy. Das ging so weit, dass ich mit 28 Jahren erst angefangen habe, Poison Idea zu hören, weil mich die „Ian MacKaye“-EP so offended hat. Als ich mit 18 Jahren, einem zielstrebig vor die Wand laufenden Leben und einem gehörigen Alkoholproblem, das dafür sorgte, dass mein Verhalten immer unkontrollierbarer und erratischer wurde, Minor Threat und darüber auch viele der anderen Dischord-Sachen (Rites of Spring, Fugazi etc.) für mich entdeckte, war das die absolute Offenbarung. Es war politisch, es war musikalisch großartig und die Leute waren nüchtern. Ein nüchternes Leben im Punk musste also möglich sein.

Darüber hinaus waren Fugazi einfach großartig, eine Band, wie sie integrer kaum sein könnte. Immer offensiv politisch, feministisch, vegan, spielten keine Konzerte in Läden, in denen Alkohol- oder Tabakwerbung hing, kein Merchandise, sorgten dafür, dass die Ticketpreise nicht durch die Decke gingen. Noch dazu wurden sie von Album zu Album besser. Deshalb werde ich einen Teufel tun, Repeater als ihr bestes Album zu bezeichnen, das würde Ihnen eine komplette Entwicklung absprechen, aber verdammt noch mal, Repeater hat die Hits. Blueprint, Merchandise, Repeater und noch viele andere großartige Songs. Von vorne bis hinten eine große Platte. Mit der die EP „3 Songs“ enthaltenden Version namens „Repeater + 3 Songs“, sogar noch großartiger, Song #1 ist für mich einfach der Überbrecher. Mir ist es ohnehin schleierhaft, wie eine Band nach 2 Eps mit einem Debütalbum um die Ecke kommen kann, das derart ausgereift und eigenständig ist. Aber ja, gerüchteweise haben sie jeden Tag mehrere Stunden geprobt und das merkt man auch. Eine absolut tighte Einheit mit 2 der großartigsten Vokalisten der gesamten amerikanischen Hardcore-Szene, namentlich der bereits erwähnte Ian MacKaye (Minor Threat, Embrace, Egg Hunt) und Guy Picciotto, der bereits vor Fugazi mit dem Drummer Brendan Canty so großartige Bands wie One Last Wish und Rites of Spring hatte. 
Und Joe Lallys Bass sollten wir hier nicht vergessen, der Typ spielt quasi die ganze Zeit Reggae-Basslines und es fügt sich verdammt gut ein. Ich kann kaum richtig beschreiben, was diese Band noch alles richtig macht und an dieser Stelle nur die Empfehlung abgeben, sich das ganze dringend anzuhören.

Anspieltipps: Blueprint, Song #1 (falls +3 Songs), Merchandise

Das ganze bekommt 9,5/10 Pfandflaschen, da die Band sich danach noch weiter entwickelt hat und ich für die nächsten Alben noch Luft nach oben benötige.




---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Zwist - Gesammelte Werke (2019)

Zwist haben letztes Jahre ihre "Gesammelten Werke" rausgebracht. Wie ich diesen Begriff hasse. Er wurde nämlich jedes Mal von meinen Kunden im Getränkemarkt verwendet, als sie einen Haufen von fucking Leergut abgegeben haben nachdem sie ihre "Garage aufgeräumt" haben oder so. Bah. Aber sei's drum. Der Titel passt schon so. Eingespielt von drei Leuten. Minimalistisch as fuck. Erinnert mich an Bands von Jens Rachut. Nur, wie gesagt, in sehr sehr minimalistisch. 




"und wieder schreist du mich an "der tisch ist reichlich gedeckt kopf hoch, alles wird gut" dein Verständnis schäumt dir förmlich aus dem mund hast du dir heute etwa wieder empathie aufs Brot geschmiert der fisch stinkt ich habs dir lange schon gesagt blas die kerzen wieder aus unser tisch wurde abgesagt"
("Kalenderspruch")

Mir gefällt es unter anderem weil ich weiß in was für Projekten die Bandmitglieder teilweise gespielt haben. Dieser Minimalismus, als auch die deutschsprachigen Texte, stehen sehr im Kontrast dazu. Das ist wie das Folk Projekt dieses einen Sängers dieser einen Pop Punk Band. Nur halt in tatsächlich echt gut. 

8/10 Pfandflaschen

Alibi Konkret - Dummy Data (2020)

Matt von Zwist hat außerdem ein Ambient-Projekt am laufen. Es heißt "Alibi Konkret" und kann hier nachgehört werden. Das einzige Album bis dato heißt "Dummy Data" und ist am 08.04.2020 rausgekommen. Es fängt richtig gut an. Als hätte man eine Synth-Party in einer überfüllten Mülltonne gestartet. Das meine ich durchaus positiv. Klingt als hätte man zwei Müllmänner beim Zertrümmern von Fernsehern aufgenommen und das verzerrt. Großartig! "Cognition Takes Childishness" klingt wie The Residents zu ihrer "Third Reich'N'Roll"-Zeit. Und als würde man in einem Fernseher rumstochern und den Sound bis zum gehtnichtmehr verzerren. 

"The Longing" hingegen ist das Aufwachen nach einer nicht so gelungenen Nacht. Der Morgen an dem man alles mögliche hinterfragt und sich eher nicht so geil fühlt. Zumindest klingt das für mich so. "Rail Guide" sampelt das "Zurück bleiben, bitte" der BVG bzw. U-Bahn-Geräusche. "Working Figures" klingt deutlich introvertierter als der Rest. Fast schon wie Dark Ambient nur nicht dermaßen finster. Nur die Gitarrenklänge nerven mich etwas. Auf "Niemand ist gerne alleine im Beton" taucht dann plötzlich ein Akkordeon auf, wodurch das ganze eine etwas strukuriertere Richtung einschlägt, auch wenn das jetzt komisch klingt. Den Abschluß bietet "Zeitgemäße Abweichung". Der Song klingt für mich nach einem Interlude oder einem Intro auf irgendeinem experimentellen Post-Hardcore-Album oder so. 

Meiner Meinung nach ein gelungenes, experimentelles Erstlingswerk. Für all diejenigen für die Ambient zu "deep" ist oder so. Richtet euch mal ein kurzes Zeitfenster ein, macht ne Weile nichts und hört einfach zu.

8,5/10 Pfandflaschen

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Eminem Discography: Music To Be Murdered By (2020)

Es vergeht wohl kaum ein Jahr ohne ein unangekündigtes Album von Eminem. "Music To Be Murdered By" ist eine Hommage an ein gleichnamiges Album von Alfred Hitchcock, welcher hierauf auch zitiert wird. Em geht hier zurück zu seinen Wurzeln, gleichzeitig greift er aber auch auf neueste Hip-Hop-Trends zurück und kollaboriert mit jüngeren Rappern wie Young M.A. und Juice WRLD.


Was gibt es hier so alles? Reinste Horrorcore-Songs die von Mord und Totschlag handeln. Posse-Tracks mit Royce Da 5'9, Black Thought, Q-Tip, KXNG Crooked, Joell Ortiz. Popsongs mit Gastbeiträgen von Skylar Grey und Ed Sheeran. Eminem redet über das Verhältnis zu seinem Stiefvater dem er den Tod wünscht, Drogensucht und das Vorhaben nie wieder rückfällig zu werden... Und natürlich teilt er auch gegen Kritiker und die neue Rapszene aus bzw. äußert seine Abneigung über Mumble Rap und es gibt natürlich die üblichen Texte über abgefahrene Gewalttaten.

Ich war anfangs sehr zwiegespalten und wusste nicht was ich vom Album halten soll. Mich stört es nämlich tatsächlich dass Em sich so an seinen Kritikern versteift. Ich verstehe es natürlich. "Revival" war nicht so der Bringer. Fans wünschten sich ein Battle-Rap-Album. Sie wollten Slim Shady zurück. Also gab er ihnen sowas in der Art. "Kamikaze" verteilte Disses links und rechts. War musikalisch einfach topfit. Dann beschwerte man sich dass dieses Album zu unerwachsen ist und haste nicht gesehen. Da verstehe ich sehr gut, dass er angepisst ist weil er es niemanden recht machen kann. Aber er sollte meiner Meinung nach einen großen Haufen auf diese Leute scheißen und aufhören sie zu thematisieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Schwach an einigen Stellen, manchmal zu poppig, andererseits lyrisch wie immer erste Sahne und unfassbar viel Ohrwurm-Potential. I like.

8,5/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Little Engine, Lock It Up, Yah Yah, Stepdad, Godzilla, Farewell




Queen Discography: Innuendo (1991)

Meine Lieben, wir sind am Ende. Nun, fast. Es fehlt noch das wirklich allerallerletzte Queen-Album namens "Made In Heaven", welches nach dem Tode Freddie Mercurys rausgebracht wurde. Und das werde ich auch noch reviewen. Zweifelsohne. Zum Ende hin bietet man alles wofür die Band bekannt war oder wurde. Einerseits pop-lastige Ohrwurm-Songs wie "I'm Going Slightly Mad", Liebeslieder als auch richtige Hard-Rock-Brecher wie "Headlong", die dein Ü50-Vater beim Cruisen mit seinem Golf hört. Oder so. Auch thematisch ist das Album äußerst vielfältig. So geht es in "I'm Going Slightly Mad" ums Verrücktwerden. "Delilah" hingegen handelt von Freddie Mercurys gleichnamiger Katze. Darin heißt es unter anderem "Getting away with murder, so innocent", was definitiv auf eine Katze zutrifft. Außerdem verwendete für das Miauen Brian May das erste Mal eine Talkbox.


Eines DER Highlights hier ist gleichzeitig einer der herausragendsten Queen-Songs überhaupt: "Show Must Go On" beinhaltet die folgende Aussage im Refrain "Inside my heart is breakingMy makeup may be flaking But my smile, still, stays on". Es mag sein dass es um etwas anderes geht, nämlich um das "weiter gehen müssen" an sich. Aber es hört sich für mich, als ob Mercury genau wusste dass er nicht mehr allzu lange auf der Welt bleiben würde. Der Gesangstake der schlußendlich auf dem Album gelandet ist, ist auch der EINZIGE. Freddie hat genau einen Take gebraucht. Ich möchte noch anmerken, was für ein sozialkritischer Song "Innuendo" ist. Im richtigen Gewand hätte er auch von einer Anarcho-Punkband sein können.

Anyways, I loved it. All the way from start to finish.
9/10 Pfandflaschen
Anspieltipps: Innuendo, Headlong, Delilah, Show Must Go On, Hitman



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen